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2. Netzwerktreffen in Bern – 27.05.2017

Das zweite Netzwerktreffen von Die Sportpsychologen steht im Schweizerischen Bern auf dem Programm. Direkt im Anschluss an die asp-Tagung in Bern kommen die Profilinhaber von Die Sportpsychologen zusammen, um unter dem Motto „Das große Netzwerken oder der große Gegeneinander in der Sportpsychologie“ zu diskutieren.

Als Gäste sind sowohl Martin Feigenwinter, früherer Leistungssportler, Mentaltrainer und Blogger, als auch Katrin Bretscher, Mentaltrainerin aus der Schweiz, angemeldet. Hinzu kommen Absolventen der Sportpsychologie-Studiengänge aus Köln und Halle.

Daten und Fakten zum 2. Netzwerktreffen

Am Pavillon, Bern
Sa., 27. Mai, 14-18 Uhr, Netzwerktreffen Die Sportpsychologen

Die Location – Am Pavillon,  Bern

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Dr. René Paasch: Deine Glücksbringer

Immer mit dem rechten Fuß zuerst auf das Spielfeld oder die Glücksunterwäsche… Gerade Sportler sind häufig abergläubisch. Und das hat seinen Grund. Wer an Glücksbringer glaubt, dem helfen sie tatsächlich. Denn sie können die Zuversicht in die eigene Leistung und die Überzeugung stärken. Trainer, Mannschaften und Spieler/innen haben eine Schwäche für Glücksbringer und Aberglaube – aller Vernunft zum Trotz. Unter welchen Umständen Sie auf Glücksbringer vertrauen können und was die Wissenschaft dazu sagt, möchte ich Ihnen in dem nun folgenden Beitrag näher erläutern.

Zum Thema: Funktionieren Glücksbringer? Und wenn ja, wie?

Bekanntlich setzen viele Trainer und Sportler/innen auf Glücksbringer. Golfprofi Tiger Woods etwa trägt am letzten Turniertag immer ein rotes Hemd, Basketball-Star Michael Jordan wollte niemals auf seine Shorts von der North Carolina University unter dem eigentlichen Trikot verzichten. Und Miroslav Klose folgte einem festen Ritual beim Anziehen von Schuhen und Stutzen. Unvergessen ist auch die grüne Krawatte von Felix Magath. 2009 ist der Trainer des VfL Wolfsburg in jedem Spiel an der Seitenlinie mit dieser Krawatte zu sehen – und das zu Recht. Am Ende der Spielzeit gewinnt der VfL überraschend die Meisterschaft. Auch wegen Magaths Krawatte?

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Ob Trainer und Mannschaften auf Glücksbringer setzen, hängt jedoch vor allem davon ab, was sie erreichen wollen: Wollen sie besonders gut vor anderen abschneiden – dann setzen sie auf einen Glücksbringer und andere Hilfsmitteln. Geht es nur darum, ein persönliches Lernziel zu erreichen, lassen sie derlei Schnickschnack eher weg (Hamerman, Morewedge, 2015). Auch die Sozialpsycholog/innen (Damisch, Stoberock & Mussweiler, 2010) gingen dieser Frage auf den Grund. Ihre Einschätzung: Glücksbringer sind leistungsförderlich, weil sie die Selbstwirksamkeitserwartung steigern können. Sie führten vier Experimente durch. In Ihrem ersten Experiment bestand die Aufgabe der Teilnehmer darin, Golfbälle einzulochen: Die Teilnehmer/innen, die mit einem vermeintlichen „Glücksball“ spielten, waren dabei im Schnitt treffsicherer als solche, deren Spielball nicht so bezeichnet worden war. Im zweiten Experiment absolvierten alle Teilnehmer eine Geschicklichkeitsaufgabe: Dabei waren Teilnehmer/innen, denen die Versuchsleiterin die „Daumen gedrückt“ hatte, schneller als Proband/innen, denen die Versuchsleiterin kein Glück gewünscht hatte.

Studien zeigen Auffälligkeiten

Aber wie lässt sich der positive Effekt der Glücksbringer erklären? Dies untersuchte Damisch (2010) in den folgenden beiden Studien. Es wurden alle Teilnehmer/innen gebeten, einen persönlichen Glücksbringer mitzubringen. Die Probanden bearbeiteten zunächst einen Fragebogen zu diesem Thema. Währenddessen nahm die Versuchsleiterin den jeweiligen Glücksbringer mit ins Nebenzimmer, um ihn dort zu fotografieren. Das wichtige war, dass nur die Hälfte der Teilnehmer/innen ihren Glücksbringer zurückbekam, wohingegen die andere Hälfte aufgrund angeblicher technischer Probleme auf ihren Glücksbringer verzichten musste. Bevor alle Probanden dann zum Test ihrer Gedächtnisleistung ein Memory-Spiel lösen sollten, wurden sie gefragt, wie sicher sie sich seien, diese Aufgabe erfolgreich zu bewältigen. Das Ergebnis: Die Teilnehmer/innen mit Glücksbringer waren besser als die ohne Glücksbringer. Dieser Leistungsunterschied ließ sich darauf zurückführen, dass Probanden  mit Glücksbringer zuversichtlicher waren als Probanden ohne Glücksbringer. Im vierten Experiment zeigte sich dieser Befund erneut – diesmal beim Lösen von Anagrammen: Wiederum waren Teilenehmer/innen Glücksbringer erfolgreicher als Teilnehmer/innen ohne Glücksbringer, weil sie höhere Selbstwirksamkeitserwartungen hatten. Näheres zum Thema Selbstwirksamkeitserwartungen finden Sie auf der Seite http://www.die-sportpsychologen.de/2015/08/25/dr-rene-paaschselbstwirksamkeit-im-fussball/.

Dr. René Paasch: Selbstwirksamkeit im Fußball

Faktoren für Höchstleistungen

Des Weiteren hat der Sportpsychologe Wann in einer interessanten Studie untersucht, welche Faktoren die Sportler/innen zu Höchstleistungen anspornen (Wann, 2012). Über 300 aktuelle und ehemalige Olympioniken aus aller Welt haben Auskunft darüber geben, was sie voranbringt. Hier ein kleiner Ausschnitt seiner Ergebnisse zum Thema Psychologie und Aberglaube:

  • 60% stimmen dem Satz zu: „Wenn ich das Gefühl habe, gut auszusehen, dann erbringe ich auch eine gute Leistung.“
  • 44% ziehen ein bestimmtes Kleidungsstück immer auf dieselbe Weise an.
  • 36% bekennen, ein Ritual vor dem Wettkampf zu haben.
  • 22% tragen einen Glücksbringer.
  • 22% arbeiten mit Visualisierungen und positivem Denken.

Glücksbringer und die damit verbundene positive Unterstützung ist ein wichtiger Baustein zum Erfolg. Mit diesem Wissen im Hinterkopf wird es leichter, Herausforderungen erfolgreich zu meistern. Diese Erkenntnis gilt aber nicht nur für Sportler/innen, sondern für alle Menschen in den verschiedensten Lebenssituationen. Fazit: Glücksbringer können tatsächlich unterstützend wirken, bessere Leistungen zu erbringen. Das funktioniert wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung: Wer an die Macht des Glücksbringers glaubt, fühlt sich sicherer, geht eine Aufgabe mutiger an und erzielt dann bessere Ergebnisse. Aber Vorsicht: Wenn der Glaube an einen Glücksbringer umkippt und in Richtung Aberglaube tendiert, dann ist es des Guten zu viel. Also aufgepasst!

Literatur:

Wann, D. L. (2012). The Head and Shoulders Psychology of Success Project: An examination

of perceptions of Olympic athletes. North American Journal of Psychology, 14, 123 – 138.

Internet:

  1. http://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/0146167214565055
  2. http://soco.uni-koeln.de/files/PsychS21_7.pdf

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Thorsten Loch: eSport und die Sportpsychologie

Aufgepasst, jetzt kommt eine Formel: Sportpsychologie + Gaming = eSportpsychologie. Geht diese Rechnung auf, gibt es einen gemeinsamen Nenner von Sportpsychologie und Computerspiele? Ich würde fast behaupten, den meisten kommen eher Analogien wie Feuer/Wasser in den Sinn. Beschäftigt man sich jedoch eine wenig eindringlicher mit der deutschen eSport-Szene, wird schnell eines Besseren belehrt. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden einige ihre Meinung neu überdenken müssen und einige Vorurteile bei Seite schieben. Jedoch alles der Reihe nach und beginnen wir von Anfang an.

Zum Thema: Wird der eSport zu einem großen Betätigungsfeld für die Sportpsychologie?

Der professionelle eSport in Deutschland gewinnt immer mehr an Popularität und die Zahl seiner Anhänger steigt beständig an. Beispielsweise wurde das Finale der World Championships 2015 „League of Legends“  in der Mercedes Benz Arena (Fassungsvermögen 17.000 Plätze) in Berlin ausgeführt und war binnen Sekunden ausverkauft. Dass die wachsende Beliebtheit nicht nur innerhalb der „Zockerszene“ seine Runde macht, zeigt folgendes Beispiel. Mittlerweile haben einschlägig online Sportnachrichtendienstleister auf das öffentliche Interesse reagiert und so findet sich zwischen den Rubriken zur Fussball-Bundesliga und Co. derweil auch der eSport. Auf dieser Weise bin ich auf das Projekt der Männer um Penta Sports aufmerksam geworden. Neben dem „normalen“ Spielbetrieb der ProTeams, haben sie sich auf die Fahne geschrieben, die Nachwuchsarbeit im eSport zu unterstützen und die Professionalisierung dieses Sports in Deutschland weiter voran zu treiben. Angetrieben von dieser Vision und nach einer längeren Konzeptionalisierungsphase mündete diese anfängliche Idee, in dem ersten #ELZ eSports Leistungszentrums in Deutschland, welches am 15. April seine Eröffnung in Berlin feierte. Auf knapp 430 Quadratmetern erschließen sich vier Gamingräume, eine Lounge mit Bar und weitere Büroräume. Kurzum: Ein Paradies für jeden eSportler.

Also machte ich mich an jenem Morgen des 15. Aprils auf den Weg von Köln nach Berlin und nutzte die Fahrzeit um meine Gedanken zu sortieren und auszumalen, was denn dort auf mich zukommen würde. Schlichtweg konnte ich mir kein klares Bild davon machen, wie ein solches Zentrum aussehen könnte. Immer wieder blieb ich an dem gleichen Bild hängen: Ich erinnerte mich an meine Schulzeit und an die Wochenenden, an welchen wir mühevoll mit Wäschekörben unserer Mütter das ganze Zeug (Rechner, Bildschirm, Kabel usw.) in ein elternfreies Haus schafften, um uns die Nächte um die Ohren zu schlagen. Zugegebenermaßen hatte dies sicher nichts mit Leistungssport zu tun.

Hornbrille, Hochwasserhosen und Co.

Mit dieser Vorstellung erreichte ich Berlin und wurde schnell eines Besseren belehrt. Unmittelbar nach meiner Ankunft wurde mir postwendend klar, dass ich völlig daneben lag. Anstelle von so genannten „Nerds“ standen clevere, visionär denkende junge Menschen vor mir, deren Energie und Aufbruchsstimmung man sprichwörtlich spüren konnte. Neben die eingangs erwähnten überragenden Räumlichkeiten, schwebten den Verantwortlichen noch weitere Variablen vor Augen. So wurde beispielsweise mit dem nahegelegenen Fitnessstudio eine Kooperation geschlossen und Workshops zu den Themen Ernährung/Schlaf/Tagesplanung sollen nebst dem Mental Coaching ihrem Raum im #ELZ bekommen. Nachdem ich schon zu später Stunde es geschafft hatte, meine Eindrücke und die Menge an Informationen zu sortieren, machte sich bei mir ein innerliches Grinsen breit. Ausgerechnet ich, als praktisch arbeitender Sportpsychologe, der häufig mit Vorurteilen und Klischees (Stichwort „Rote Couch“) zu kämpfen hat, bin selbst der Bauernschläue aufgesessen und mit auf den Zug des Clusterdenkens aufgesprungen.

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Fazit

Der eSport befindet sich weltweit auf dem Vormarsch und die Teams werden immer stärker professionalisiert. Im Gegensatz zu anderen Sportarten, in welchen die Sportpsychologie immer noch ein Schattendasein pflegt, scheint diese im Vergleich zu anderen noch „junge“ Sportart, mit der Zeit zu gehen und die Notwendigkeit der mentalen Stärke für eine bestmögliche Leistungserzielung erkannt zu haben. Es bleibt abzuwarten wie sich die Szene weiterentwickelt und in welche Richtung es geht. Ich für meinen Teil werde diese Entwicklung weiter beobachten und bedanke mich an dieser Stelle bei Penta Sports für die Einladung und dem damit einhergehende „Erleuchtung“ bezüglich eSports. Bleibt festzuhalten, dass die anfangs aufgeworfene Formel doch nicht ganz aufgeht, sondern noch um weitere Punkte ergänzt werden müsste, um dieser Sportart gerecht zu werden. Aber um nochmal in Erinnerung zu schwelgen: Mathe war noch nie meine Stärke ☺.

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Christian Hoverath: Der Kopf auf dem Einrad

Vom 28. bis 30. April finden in Bottrop die deutschen Meisterschaften im Einrad Freestyle statt. Bei den Wettkämpfen präsentieren die Einradfahrer Küren mit verschiedenen Tricks in Kostümen zu Musik. Es gibt dabei Einzel-, Paar- und Gruppenküren, die zwischen zwei und sechs Minuten lang sind. Eine Jury bewertet sowohl die Technik als auch die Präsentation. Während bei den Einzelküren ein Fahrer alleine eine Kür präsentiert, zeigen in einer Paarkür zwei Fahrer gemeinsam Fahrfiguren und Tricks. Bei den Gruppenküren starten mindestens drei Fahrer gemeinsam.

Nun habe ich mich als ehemaliger Einradfahrer gefragt, welche Tipps und Anregungen ich den Sportlern mitgeben könnte. Dabei ist zu beachten, dass diese Maßnahmen wie auch das praktische Training der Übung bedürfen und die folgenden Ideen und Vorschläge nicht erst am Wettkampftag ergriffen werden sollen.

Zum Thema: Sportpsychologische Techniken für Einradsportler

Jeder Sportler hat seine individuelle Zone des optimalen Erregungszustandes. Sowohl Über- als auch Untererregung können den Abruf der optimalen Leistung verhindern. Eine mögliche Ursache für Übererregung kann die Nervosität vor dem Start sein, die ihr mit einer Entspannungsmethode gut in den Griff bekommen könnt. Nehmt euch also die Zeit, eine für euch hilfreiche Entspannungsmethode zu erlernen. Von Vorteil sind Atementspannungsübungen. Diese sind relativ einfach zu erlernen und können, wenn sie einmal erlernt sind, so schnell wirken, dass sie auch aufkeimender Nervosität innerhalb des Wettkampfes wirkungsvoll entgegen steuern.

Im Vorfeld des Wettkampfes lässt sich auch ein Erste-Hilfe-Koffer mit wirksamen Maßnahmen gegen Nervosität, Ängste und unvorhersehbare Situationen erstellen. Dazu könnt ihr euch in eurer Trainingsgruppe zusammensetzen und überlegen, für welche Situationen ihr Hilfe gebrauchen könntet. Gemeinsam oder in Kleingruppen tragt ihr dann Ideen zusammen, wie ihr mit diesen Situationen umgehen könntet und legt euch anschließend passende Strategien zurecht.

Nutzt eure Vorstellungskraft

Eberspächer (2012) definiert mentales Training als planmäßig wiederholtes, intensives Sich-Vorstellen eines Bewegungsablaufs ohne gleichzeitigen praktischen Vollzug. Da unser Gehirn keinen Unterschied zwischen tatsächlicher Ausführung einer Bewegung (oder eben einer Kür) und der Vorstellung eben dieser macht, lässt sich eine Kür trainieren, ohne tatsächlich auf dem Einrad zu sitzen. Stellt euch vor, wie ihr sie durchfahrt, wenn ihr im Wohnzimmer sitzt oder eben auf der Bank, wenn die Trainingsfläche belegt ist. Die Sinne sollten dabei möglichst nah an der Bewegung sein. Hilfreich ist es, sich das Gefühl der Füße auf Pedal oder Reifen vorzustellen während man seine Kürmusik über Kopfhörer hört. Ihr könnt auch die Reifengeräusche „hören“ oder euch auch den Applaus als Reaktion auf schöne Figuren vorstellen. Diese Trainingsform kann in Bewegung erfolgen (indem ihr eure Kür „ablauft“) oder auch im Sitzen. Stellt euch die Bewegung möglichst ausführlich und genau vor. Und nutzt positive Bilder, also fahrt die Kür abstiegsfrei durch! Findet ein positives Ende und stellt euch auch gern vor, wie ihr euer Wunschergebnis erreicht.

Ob im mentalen Training oder beim tatsächlichen Training empfiehlt die Sportpsychologie in der Vorbereitung das Kostüm eurer Kür zu tragen. Die Nervosität am Wettkampftag ist durch viele unbekannte Faktoren gesteigert. Dabei sorgt Vertrautes für Sicherheit. Warum also nicht das Kostüm zu etwas Vertrautem machen?

Macht euch mit der Wettkampfstätte vertraut

Ich wiederhole mich, aber Neues schafft Unsicherheit und kann Ängste erzeugen. Geht, wann möglich, am Tag vor dem Wettkampf durch die Halle, schaut euch die Tribüne aus Sicht des Fahrers an und stellt euch vor, wie die Halle mit Zuschauern gefüllt ist. Hört eure Kürmusik und stellt euch vor, wie ihr eure Kür durchlauft. Testet den Hallenboden. Sorgt dafür, dass die Halle euch gehört!

Habt eine Einfahrroutine

Am Wettkampftag selbst steht nur wenig Zeit auf der Wettkampffläche zur Verfügung. Um diese Zeit sinnvoll zu nutzen, sollte eine Routine zum Einfahren erarbeitet sein, die ihr auch im Training durchlauft. Mein Tipp ist es, vorher schon die Nebenhalle zum Aufwärmen zu nutzen. Danach könnt ihr dann die Zeit in der Wettkampfhalle nutzen, um euch zielgerichtet vorzubereiten. Geht dabei vom leichten zum komplexen, beginnt mit einfachen Tricks und bekommt ein Gefühl für die Halle. Wichtig ist es, nicht mit einem misslungenem Trick zu enden. Eine Routine ist besonders wichtig für die Fahrer, die ohne ein festgelegtes Ende dazu neigen, diesen oder jenen Trick noch ein „allerletztes Mal“ zu probieren und nur mit einem guten Gefühl von der Fläche zu gehen. Häufig stellt sich gerade dann ein gutes Gefühl nicht ein, wenn man es zwingend erwartet. Sucht euch zum Ende einen Trick aus, den ihr sicher steht.

Gerade vor den Paar- und Gruppenküren ist es wichtig, eine Routine zu haben. Es lassen sich noch ein paar entscheidende Figuren trainieren und das Gefühl füreinander „aktualisieren“. Hat man keine Routine bereit, kann je nach Kommunikationsstruktur wertvolle Zeit verloren gehen.

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Routinen, die ihr im Training nutzt, haben auch noch einen zusätzlichen positiven Effekt. Denn durch eine gewohnte Routine bekommt der Fahrer das Gefühl von Kontrolle, da er diese Situation schon etliche Male durchlaufen hat.

Nutzt Rituale

Jeder kennt die Fahrer, die vor dem Aufstieg ihre Pedale parallel zum Boden ausrichten, obwohl dies rein mechanisch gar nicht nötig ist. Andere streifen ihre Schuhe vor dem Wettkampf am Handtuch ab oder klopfen auf ihren Reifen. Damit sind wir wieder beim Thema Sicherheit. Richtig angewandt sorgen Rituale für das Gefühl von Kontrolle. Das Kommende fühlt sich an wie eine Situation, die schon etliche Male im Training durchlaufen wurde.

Rituale helfen die Technik zu stabilisieren. Im Gehirn entstehen Verknüpfungen, die das Ritual mit der folgenden Aktion verbinden. Dies hat unmittelbare Auswirkungen auf das Selbstvertrauen. Rituale können beruhigend oder aktivierend wirken. Auch für Gruppen lohnt es sich Rituale zu entwickeln, denn sie können den Teamzusammenhalt und damit die Leistung stärken.

http://www.die-sportpsychologen.de/2017/04/03/markus-gretz-rituale-im-basketball/

Denkt aber bitte daran, dass ihr eure Rituale im Training über Monate und Jahre festigt, damit sie nicht mit der Wettkampfsituation verknüpft sind und dann eher verunsichernd wirken können.

Überlegt euch, ob ihr euch die Küren eurer Wettkampfklasse anschaut

Was die Küren vor euch mit euch machen, kann sehr unterschiedlich sein. Sind eure Ziele sehr auf euer Ergebnis oder einen direkten Vergleich ausgerichtet, kann zusätzliche Nervosität die Folge sein. Überlegt euch im Vorfeld wie ihr die Zeit zwischen dem Warmfahren und eurem Start nutzt und legt euch dann mit Erhalt der Startreihenfolge ein konkretes Programm zurecht.

Besprecht den Ablauf mit eurem Trainer. Dieser kennt euch und hat vielleicht auch noch den ein oder anderen Tipp parat. Auch hier ist es hilfreich, auf Entspannungs- und Aktivierungsmethoden zurückgreifen zu können.

Fertigt eine Packliste an

Weniges ist ärgerlicher, als am Wettkampftag in die Tasche zu greifen und dann festzustellen, dass Socken, Schuhe oder auch die Flasche Wasser fehlen. Habt ihr einen Zwischensnack, auf den ihr ungern verzichtet? Erstellt euch eine Liste, was alles in eure Wettkampftasche gehört. Wenn ihr eure Tasche packt, hakt ihr diese ab und könnt sicher sein, dass ihr alles dabei habt, was ihr benötigt.

Aber was ist eigentlich das Wichtigste?

Spaß haben

Denkt bitte daran, dass mentales Training genauso trainiert werden muss wie das Training auf dem Einrad. So wie ihr für Tricks trainiert, will auch euer Kopf trainiert werden. Sportpsychologische Maßnahmen versprechen Erfolg, sind aber keine Wundermittel, die ad hoc funktionieren.

Ich wünsche allen Aktiven viel Spaß und Erfolg! Und vielleicht hat der ein oder andere sportpsychologisch interessierte Leser ja Lust, sich die Wettkämpfe in der Halle anzuschauen. Es lohnt sich!

 

Referenzen

Cotterill, S. (2010). Pre-performance routines in sport: Current understanding and future directions. International review of sport and exercise psychology3(2), 132-153.

Eberspächer, H. (2012). Mentales Training. Das Handbuch für Trainer und Sportler. München: Copress Verlag.

Jones, M. (2003). Controlling Emotions in Sport. The Sport Psychologist, 17, 471 – 486.

 

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Dr. Hanspeter Gubelmann: Federers psychische Brillanz – ein Lehrstück für die Nachwuchsförderung

Der kritische Blick auf erfolgreiche Karriereverläufe im Spitzensport zeigt überdeutlich: Die Weichenstellungen für einen späteren Erfolg erfolgen frühzeitig. Ein entscheidender Grund für Roger Federers grandiose Karriere findet sich auch in der Art und Weise, wie er als Kind und Jugendlicher gefördert wurde. Seine heute ebenso überragende wie erfolgreiche Spielkunst wurzelt primär in seiner psychischen Brillanz, die zu einem schönen Teil hart erarbeitet ist. Am Beispiel des Vorzeigeathleten lassen sich konkrete Massnahmen und Hilfestellungen für die Entwicklung des Erfolgsfaktors „mentale Stärke“ ableiten.

Für die-sportpsychologen.ch berichtet Dr. Hanspeter Gubelmann:

Es mögen viele Wege nach Rom führen – auch im Spitzensport! Jeder Karriereverlauf basiert auf individuellen Voraussetzungen und unterschiedlich definierten Rahmenbedingungen. Andererseits verlaufen erfolgreiche Karrieren im Spitzensport nicht zufällig. An diesem Punkt, nämlich einer wissenschaftlich präzisen Betrachtung von sportlichen Laufbahnen von ehemaligen Schweizer Nachwuchs-Elite-Athleten unter dem Aspekt des Erfolgs, setzt die für den CH-Spitzensport einzigartige Studie des Berners Robertino Engel an. In seiner Längsschnittstudie versuchte der Sportpsychologe zu ergründen, inwiefern der sportliche Erfolg durch ausgewählte institutionelle, sportwissenschaftliche und individuelle Parameter vorhergesagt werden kann. Die Stichprobe (N=222) umfasste alle deutschsprachigen Nachwuchs-Elite-Athleten von 1999, darunter später so erfolgreiche Athleten wie Fabian Cancellara, Simon Ammann, Roger Federer. Sie alle wurden 2011 im Rahmen einer zweiten Erhebung zum Karriereverlauf erneut befragt. Die Resultate zeichnen insgesamt ein positives Bild. Trotz verschiedener Hürden im Nachwuchsalter schafften die meisten befragten Athleten den Sprung in die Elite-Stufe. Knapp ein Drittel von ihnen konnte dabei grosse Erfolge (Medaillengewinn) an bedeutenden internationalen Wettkämpfen erringen. Quintessenz der Studie: Es zeigte sich, dass Defizite im mentalen Bereich (z.B. Mangel an Selbstvertrauen, leistungshemmende Gedanken und Gefühle im Wettkampf, Nervenflattern im Wettkampf etc.) im Nachwuchsalter prädiktiven Wert haben. „Dies ist aus sportpsychologischer Perspektive ein äusserst interessanter Befund. Er spricht dafür, dass mental schwächere Athleten, deren Defizite im mentalen Bereich sich bereits im Nachwuchsalter abzeichnen, später in der Mastery-Phase weniger Erfolg an bedeutenden Wettkämpfen haben und auch früher mit dem Leistungssport aufhören.“ (Engel 2014, S. 158)

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Ein Schlüssel zum Erfolg: Emotionale Stabilität!

Selbst ein Ausnahmekönner wie Roger Federer scheint sich seine mentalen Fertigkeiten in seinen frühen Jahren zielgerichtet erarbeitet zu haben. Als Tennis-Junior erlebte er wilde Zeiten. Er schmiss den Schläger, drosch Bälle in den Himmel oder hackte aus Ärger über sein Spiel schon mal einen Triangel in die Plane eines Sponsors, was ihm zur Strafe einige Stunden Fronarbeit mit Putzen eintrug. In diese Zeit fällt auch eine Phase der Zusammenarbeit mit einem bekannten Sportpsychologen. Welchen Stellenwert Federer der Mentalen Stärke auch im weiteren Verlauf seiner Karriere beimisst, gab er 2016 folgendermassen zu Protokoll: „Es geht nicht nur um die wichtigen Momente auf dem Platz, sondern darum, wie viel du täglich investierst. ,Bist du bereit deine Heimat für zwei, drei Monate zu verlassen, hart zu trainieren, mit den Medien umzugehen – und das alles über deine gesamte Karriere?“

Dr. Hanspeter Gubelmann veröffentlichte im April 2017 im Blick ein sportpsychologisches Portrait über Roger Federer

Genau dieser Frage, nämlich ob Zusammenhänge zwischen Sportlerpersönlichkeit, mentalen Fähigkeiten und Umgang mit Hindernissen und Stolpersteinen im Karriereverlauf bestehen, ging ich 2011 im Rahmen einer umfangreichen Studie nach. Die Faktenlage ist eindeutig: Die Persönlichkeitsmerkmale «Gewissenhaftigkeit» und «Emotionale Stabilität» korrelieren positiv. Sportler, die unter Stress emotional ausgeglichen reagieren, zielstrebig, willensstark, pflichtbewusst und ordentlich sind, gehören vermehrt zur Gruppe der  «Handlungsorientierten» – und packen an, wenn es darum geht, eine Absicht in die Tat umzusetzen. Diese psychische Robustheit hilft ihnen massgeblich, sowohl im Umgang mit alltäglichkeiten Widrigkeiten (daily hassles) wie auch beim Überwinden von Hürden und Stolpersteinen im Karriereverlauf. Oder anders ausgedrückt: Wer häufig überempfindlich, verletzlich und unsicher auf Schwierigkeiten im Alltag des Spitzensportes reagiert, wird früher Scheitern und die Karriere beenden.

Welcher konkrete Nutzen ergibt sich aus diesen wissenschaftlichen Erkenntnissen? Was lehrt uns das Beispiel „Roger Federer“? Abschliessend werden drei inhaltliche Schwerpunkte im Themenfeld „Psychologische Beratung und mentales Training im Nachwuchsbereich“ angesprochen. Es handelt sich dabei auch um Inhalte, die im Rahmen von Workshops anlässlich der asp-Tagung vom 25.-27. Mai in Bern präsentiert werden.

Swiss Tennis: Player Development Plan

Der Tennisverband scheint „seine“ Lehren schlüssig gezogen zu haben. Projektleiter und Sportpsychologe Jürg Bühler mit dem „Swiss Tennis Player Development“ ein Ausbildungsprogramm entwickelt, welches inhaltlich gleichermassen aus aktuellen Erkenntnissen der Sportwissenschaft und „best practise“ Erfahrungen aus dem Leistungssport gespiesen wird. Es überrascht deshalb kaum, dass der psychologischen Entwicklung als Teil der ganzen Spielerentwicklung vorrangige Bedeutung beigemessen wird. Das Ausbildungskonzept orientiert sich u.a. am bekannten Karriereverlaufsmodell von Wylleman und Lavallee (2004).

Quelle: Swiss Tennis, Player Development – Grundlagen Psyche

Mentales Training im Kindesalter

Wenn Kinder beginnen Sport zu treiben, stehen meist die Freude an der Sache, das gemeinsame Sporterlebnis und vielfältige Bewegungserfahrungen im Vordergrund. Dabei lernen sie auf spielerische Art, Herausforderungen anzunehmen und sich für das Team und die eigene Leistung mit grossem Engagement einzusetzen. Im Jugendalter und insbesondere in Sportarten mit frühzeitiger Spezialisierung verändert sich das sportliche Engagement zusehends in Richtung Leistungssport. An diesen vor allem auch entwicklungspsychologisch relevanten Rahmenbedingungen muss sich der sinnvolle Einsatz mentaler Trainingstools für Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis 14 Jahren orientieren.

Elterncoaching

Nicht nur im Tennis, sondern in allen Sportarten ergibt sich im Kindes- und Jugendalter die spannende Ausgangslage: ohne Eltern geht es nicht! – aber wie? Eine konstruktive Eltern-Athleten-Interaktion moderiert nachweislich die Leistungsvariablen gerade bei jungen Athleten und Athletinnen. Ein sportpsychologisch orientiertes Elterncoaching hilft, die Schlüsselrolle der Eltern besser einzuordnen. Oft sind zusätzliche Informationen zu entwicklungspsychologischen Besonderheiten von Kindern und Jugendlichen im Spitzensport elementar. Dieses Knowhow soll Eltern darin unterstützen, ihre Kinder in den verschiedenen Übergängen einer Nachwuchskarriere kompetent zu begleiten.

 

Quellen:

Engel, R. (2014). Laufbahnen von ehemaligen Schweizer Nachwuchs-Elite-Athleten unter dem Aspekt des Erfolgs. Unveröff. Dissertation. Uni Bern.

Gubelmann, H. (2011). Analyse zentraler Aspekte der Umfeldgestaltung im Leistungssport. Eine Bedürfnisabklärung im Schweizer Spitzensport (2. Teil). Unveröff. Forschungsbericht. ETH Zürich.

Wylleman, P. & Lavallee, D. (2004). A developmental perspective on transitions faced by athletes. In M. Weiss (Ed.), Developmental sport and exercise psychology: A lifespan perspective (pp. 507-527). Morgantown, WV: Fitness Information Technology.

https://www.nzz.ch/article9DPJF-1.208823

http://www.spox.com/de/tennisnet/1604/Artikel/atp-tour-mentale-monster-wenn-der-kopf-das-match-entscheidet-67053.html

https://www.swisstennis.ch/national/leistungssport/player-development

http://www.asp2017.ch/praxisprogramm.html

http://bazonline.ch/sport/tennis/Als-Federer-sich-schaemte-und-Rosset-zitterte/story/20083180?track

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Katharina Petereit: Uneingeschränkt mental stark

Anfang März fanden die nationalen Winterspiele der Special Olympics in Willingen statt, bei welchem im Rahmen des Healthy Athletes Programms die neue Disziplin Strong Minds angeboten wurde. Hierbei geht es um das psychische Wohlbefinden der Athletinnen und Athleten – durch unterschiedliche Übungen und Strategien sollen die Ressourcen zur Bewältigung von belastenden Situationen gestärkt werden.  

Zum Thema: Zur praktischen Umsetzung von sportpsychologischen Interventionen bei Menschen mit Behinderung 

Strong Minds ist unter den sieben Disziplinen des Gesundheitsprogramms diejenige, die die sportpsychologische Unterstützung der Athletinnen und Athleten beinhaltet. Strong Minds soll dazu dienen, den Athletinnen und Athleten Übungen an die Hand zu geben, die sie in belastenden und stressreichen Situationen selbstständig anwenden können. An den unterschiedlichen Stationen können die Sportlerinnen und Sportler unter anderem Atemübungen, das Entwickeln von positiven Bildern und Übungen mit dem Stressball erlernen. Die Vermittlung und Anleitung der Übungen findet individuell und angepasst an die Voraussetzungen der Athletin/des Athleten statt.

Mehrwert für die eigene sportpsychologische Arbeit

Ich habe bei den Winterspielen als Helferin beim Strong Minds Programm mitgewirkt und bei der Durchführung auch immer meine eigene sportpsychologische Arbeit reflektiert. Die Arbeit mit den Athletinnen und Athleten hat mir gezeigt, dass eine individuelle Herangehensweise und eine immer wieder neue Art und Weise der Vermittlung von sportpsychologischen Interventionen unabdingbar sind. Ohne Frage bleiben das Gerüst und das Ziel der Übung immer gleich, aber die Methode muss flexibel bleiben und ständig angepasst werden. Kreativität und Einfallsreichtum sind hierbei zwei wichtige Punkte. In der Praxis ist es erforderlich, das Ziel der Übung/der Einheit zu benennen und den Weg dorthin flexibel gestalten zu können. Ich habe durch das Strong Minds Programm ein weiteres Mal gemerkt, wie wichtig es ist, auch bei der Umsetzung von sportpsychologischen Interventionen offen und anpassungsfähig zu sein. Bei der Arbeit mit Menschen mit Behinderung werden einem schnell Grenzen gesetzt, wenn man einem strikten Plan folgt und nicht in der Lage ist, sensibel und flexibel zu reagieren. Bei Sportlerinnen und Sportlern ohne Einschränkung werden solche Grenzen vielleicht nicht immer bewusst und man versucht möglicherweise Strategien und Übungen zu vermitteln, die bei der Athletin/dem Athleten nicht funktionieren. Aber man macht das so, weil man gelernt oder gelesen hat, dass die und die Intervention bei der und der Problemstellung helfen kann. Ich habe dabei meine Arbeit reflektiert und mir in jedem Fall vorgenommen, noch individueller zu arbeiten.

Erfahrungsaustausch als Erfahrungsgewinn

Der Erfahrungsaustausch bei den Winterspielen und insbesondere beim Strong Minds Programm war sehr wertvoll und bereichernd. Die Heterogenität von Sportlerinnen und Sportlern und die herausfordernde und sogar manchmal auch schwierige Arbeit stellen einen großen Erfahrungsgewinn dar. Durch die unterschiedlichen Perspektiven der Helfer, Koordinatoren und Experten und den stetigen Austausch wird die Qualität des Programms durchaus gefördert und sichergestellt.

An dieser Stelle rege ich im Rahmen unseres Netzwerkes und darüber hinaus einen Erfahrungsaustausch über die sportpsychologische Arbeit mit Menschen mit geistiger und/oder körperlicher Behinderung an und würde mich über Rückmeldungen diesbezüglich sehr freuen. Zudem wird aktuell nach einem Titel für das Strong Minds Programm in leichter Sprache in Deutsch gesucht!

 

Weiterführende Links:

http://specialolympics.de/sport-angebote/healthy-athletesR-gesunde-athleten/

http://specialolympics.de/sport-angebote/healthy-athletesR-gesunde-athleten/strong-minds/

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Miriam Kohlhaas: Betroffen von Perfektion?

Das Gespräch für den Insiderbericht zu Niklas Römer (Link zum Beitrag), einen der besten Wide Receiver Deutschlands, hat mich wirklich tief beeindruckt. Selten habe ich so einen fokussierten und – gerade bezogen auf die Sportpsychologie – autodidaktisch begabten Sportler getroffen. Eines ist mir bei meinem Besuch bei Niklas‘ Familie völlig klar geworden: Seine sportlichen Anlagen hat er definitiv in die Wiege gelegt bekommen! Sowohl seine Mutter, als auch sein Vater sind beide durch und durch Sportler. Aber diese Medaille hat natürlich zwei Seiten.

Zum Thema: Perfektionismus als Triebfeder und Stolperstein

Seine Mutter erzählte mir davon, wie sie eines Tages zu Niklas meinte, dass alle anderen Kinder in der Nachbarschaft schon Fahrrad fahren können, nur er nicht. Es dauerte fünf Minuten bis Niklas nach draußen lief, sich auf sein Fahrrad schwang und erst wieder herein kam, als er es konnte. Ich erfuhr von noch so viel mehr Beispielen, sei es das Erlernen des Gitarre- oder Keyboardspielens, bei denen Niklas sich durch seinen ausgeprägten Willen so lange mit der Thematik befasste, bis er die Technik geknackt hatte.

Seine Familie erzählte mir eine Geschichte, die, wie ich finde, sehr gut beschreibt, wer Niklas Römer, einer der Topspieler des deutschen Serienmeisters New Yorker Lions, eigentlich ist. Die Geschichte handelt von einem Zauberwürfel. Diesen hatte er vor einigen Jahren kurz vor Weihnachten zufällig bei seiner Familie gefunden. Er probierte und probierte, las sich Anleitungen durch und schaute sich die ganze Nacht Videos im Internet dazu an, bis er ihn endlich lösen konnte, erst dann konnte er schlafen. Als sein Bruder sah, wie viel Spaß ihm dieser Würfel machte, bestellte er am nächsten Tag einen für ihn im Internet. Als am gleichen Tag plötzlich zwei Pakete die Familie erreichten, waren alle beteiligten verwirrt. Es stellte sich heraus, dass auch Niklas sich längst selbst einen Würfel bestellt hatte.

Alles wird zum Wettbewerb

Aber ich traf auch auf Familienmitglieder, die erzählten, wie anstrengend es manchmal ist, neben einem solch ehrgeizigen Menschen zu stehen. Wie es ist, mit ihm einen gemütlichen Bowlingabend zu planen, um die gemeinsame Zeit zu genießen und Niklas mit einem völlig anderen Ziel mit kommt – er möchte auch hier gewinnen. Dass sie ihm für seine Zukunft wünschen, dass er lernt in solchen Momenten loszulassen und sich drauf einlassen zu können, neue Ziele zu finden, als immer einen Wettbewerb.

Aus sportpsychologischer Sicht ist das natürlich spannend und ein Ansatzpunkt für eine konkrete Zusammenarbeit: Allerdings machte ich in unseren bisherigen Gesprächen die Feststellung, dass Niklas einen guten Weg gefunden hat, stark negative Gedanken bei nicht Erreichung seiner Ziele aktiv zu beseitigen.

Angst und Selbstzweifel

Diese negativen Gedanken wie Angst und Selbstzweifel zwingen sich bei dieser Persönlichkeitsdisposition oft auf und sind damit die größte Schwierigkeit für den „Betroffenen“. Aber dies muss, allen voran im Kontext Sport, nicht immer nur negative Auswirkungen haben, wie prominente Beispiele auch aus anderen Sportarten zeigen:

Prof. Dr. Oliver Stoll: Cristiano Ronaldo – Gefangen im Perfektionismus?

Konkret würde ich mit Niklas an verschiedenen Entspannungstechniken arbeiten. Ich denke es ist wichtig, sich aktiv Ruhe zu gönnen und auch im Freizeitsport zu lernen, sich aktiver zur Gelassenheit zu steuern. Hierzu würde ich ihm besonders die progressive Muskelrelaxation, Autogenes Training sowie Meditation empfehlen und einüben.

Welche Schwächen eigentlich?

Aber zurück an den “Küchentisch” von Niklas` Familie: Ich hörte zu, wie seine Mama davon erzählt, wie unfassbar stolz sie auf ihren Sohn ist und wie nah sich die beiden doch sind, trotz der enormen Entfernung. Nicht zu vergessen sein Bruder, der verdammt lange überlegen musste, was eigentlich “Schwächen” seines Bruders sind.

Letztendlich möchte ich euch, liebe Römers, danken, dass ihr mich an diesem Tag bei euch so tief habt blicken lassen in eure Familie und eure gemeinsame Geschichte. Auch, wenn es so viele sehr private Geschichten waren, viel zu privat, als dass ich sie in diesem Artikel verwenden würde, so habe ich doch die Chance bekommen, diesen Niklas Römer verdammt viel besser kennen zu lernen und zu verstehen. Ich bin überzeugt, dass der Blick auf seinen Weg viele von uns weiterbringen kann:

Also, all ihr fantastischen Sportler da draußen, all ihr wundervollen Receiver: Nun kennt ihr den Weg zu eurem Ziel – macht euch auf den Weg dorthin:

Niklas Römer: Look good – feel good – play good (Warum fragen wir nicht einfach die Besten? Episode 1)

Literatur:

– Vopel, Klaus (2010). Mentales Training: Visualisierung und Trancetechniken im Sport. Iskopress Verlag

– Aellig, Steff (2004). Über den Sinn des Unsinns: Flow Erleben und Wohlbefinden als Anreize für autotelische Tätigkeit: eine Untersuchung mit der experience sampling method (ESM) am Beispiel des Felskletterns. Waxmann Verlag

– Lindemann, Hannes. 2004. Autogene Training: Der bewährte Weg zur Entspannung. Goldmann Verlag

– Hainbuch, Friedrich. 2014. Progressive Muskelentspannung. Gräfe und Unzer Verlag GmbH

– Mannschatz, Maria. 2015. Meditation: Mehr Klarheit und innere Ruhe. Gräfe und Unzer Verlag GmbH

 

 

 

 

 

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Jürgen Walter: Der spielfähige Zustand des BVB

Die Nachricht kam gestern wohl für jeden einigermaßen Fußball-Interessierten sehr überraschend – eventuell sogar schockierend: Der Mannschaftsbus von Borussia Dortmund wurde auf dem Weg von Hotel zum Stadion durch die Detonation dreier Sprengsätze beschädigt, ein Spieler wurde verletzt und wurde ins Krankenhaus gebracht, die Austragung der Partie steht auf der Kippe. Wenige Stunden später, ca. um 20:30 Uhr, stand dann fest, dass das Viertelfinal-Hinspiel der Champions League zwischen Borussia Dortmund und dem AS Monaco nicht wie geplant stattfinden, sondern am heutigen Mittwoch um 18:45 Uhr nachgeholt wird. Die Reaktionen darauf waren geprägt von Verständnis, gegenseitigem Respekt und Solidarität, insbesondere der mitgereisten monegassischen Anhänger.

Zum Thema: Die Spielverlegung Dortmund – Monaco aus sportpsychologischer Sicht

Jedoch wurde natürlich auch relativ schnell der Blick zurück aufs Sportliche gelenkt. Dabei wurde relativ klar, welche Intention BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke verfolgte: „Druck von der Mannschaft nehmen“, war wohl die Devise. Diese habe eine „sehr gravierende Erfahrung“ gemacht und sei „extrem geschockt.“ Er sprach von einer „Herkulesaufgabe“, die Mannschaft innerhalb eines Tages wieder in „einen spielfähigen Zustand zu versetzen.“

Für den einen klingt das absolut angemessen und psychologisch durchaus clever, der andere sieht in solchen Aussagen schon im Vorfeld die Entschuldigung für eine mögliche Niederlage. Aber völlig unabhängig davon, wie man solche Aussagen bewertet, ist eines völlig klar: Spätestens, wenn Schiedsrichter Daniele Orsato heute um 18:45 Uhr die Partie anpfeift, müssen die Spieler die gestrigen Geschehnisse ausblenden und sich ausschließlich auf das Sportliche konzentrieren.

Keine Vorbereitung auf Extremereignis

Auf den ersten Blick scheint es kaum möglich zu sein, sich mental auf solch ein plötzliches Extremereignis, wie in diesem Fall ein Sprengstoffanschlag, wirklich vorzubereiten und selbstverständlich stehen die Betroffenen kurz danach unter Schock, sodass die Spielverlegung die einzig richtige Entscheidung war. Jedoch sind bis auf Marc Bartra, der durch Glassplitter an der Hand verletzt und noch in der Nacht operiert wurde, aber ansonsten auch wohlauf ist, alle Spieler körperlich unversehrt geblieben und daher zumindest physisch auch in der Lage am nächsten Tag ihre Leistung abzurufen.

Die vollständige Aufarbeitung des gestrigen Tages erfolgt höchst individuell und mag für den ein oder anderen Spieler auch längere Zeit in Anspruch nehmen, aber Fragen wie „Was, wenn heute nochmal so etwas passiert?“ oder „Was, wenn einem von uns Schlimmeres passiert wäre?“ haben im Laufe des Spiels incl. Vor- und Nachbereitung keinen Platz. Während die Partie läuft, können die Spieler kein anderes Problem der Welt lösen und das Sportliche muss zu 100% im Fokus stehen. Anderweitige Sorgen, Ängste und Probleme, Vertragspoker, Eheprobleme oder ein solcher Anschlag können gedanklich zwar manchmal auftauchen, jedoch sollte ein Spieler gelernt haben und in der Lage sein, seine Gedanken insoweit zu kontrollieren und Negatives auszublenden. In solchen Momenten gilt es, die (Gedanken-)Stopptaste zu drücken vor allem wenn der Spieler bemerkt, dass es über (negative) Vermutungen nachdenkt, die darüber hinaus nicht zielführend sind und das Abrufen der vollen Leistungsfähigkeit behindern.

Prof. Dr. Oliver Stoll: BVB-Schock beeinflusst Leistung

Sicherheit als Grundlage

Natürlich kann immer irgendetwas passieren. Die Bewertung dieser Wahrscheinlichkeit obliegt aber nicht den Spielern, sondern (in diesem Fall) der Polizei, sodass sich die Mannschaft darauf verlassen kann, dass bei Austragung des Spiels auch sämtliche Vorkehrungen getroffen sind, um die Sicherheit aller Beteiligten zu gewährleisten. Wenn dieses Vertrauen nicht bestände, dürfte man streng genommen an keiner öffentlichen Veranstaltung mehr teilnehmen und schon gar nicht – als Spieler, Funktionär, Medienvertreter oder Zuschauer – ein Fußballstadion betreten. Ein – kalkuliertes – Restrisiko besteht immer.

Watzke bezeichnete gestern Abend sein „persönliches Sicherheitsgefühl“ als gut – hoffen wir, dass dies auch für die Mannschaft gilt und diese heute am frühen Abend ausschließlich ihre spielerischen Aufgaben mit dem Ziel das Halbfinale der Champions League zu erreichen im Kopf hat. Dann, so Watzke, kann ein Ereignis wie das gestrige „die Familie noch mehr zusammen [schweißen].“ So pathetisch dieser Satz auch klingt, falsch ist er nicht.

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Niklas Römer: Look good – feel good – play good (Warum fragen wir nicht einfach die Besten? Episode 1)

Laufen 60 Männer eines Footballkaders ins Stadion ein, so erkennst du die Wide Receiver augenblicklich – sie fallen durch ihr durchgestyltes Äußeres sofort auf. So passen die pinken Schuhe zu den neonfarbenen Handschuhen oder zu dem ausgefallenen Handtuch, welches an der Hose befestigt ist.

Aber warum ist das eigentlich so? Und was macht einen Receiver sonst noch aus? Wer könnte mir all meine Fragen besser beantworten, dachte ich mir, als der derzeit erfolgreichste deutsche Wide Receiver? Und so ist die Idee entstanden, nach meinen Blog-Beiträgen „Ein Hoch auf die dicken Jungs“ und „Bleib hungrig, Mr. Brady“ eine Serie mit den besten deutschen Footballern zu starten. Schließlich können wir alle von ihnen unglaublich viel lernen.

Wenn man ein Ziel hat, das man erreichen will, Vorbilder hat, die genau da sind, wo man selbst gerne sein möchte – dann sollte man sich mit ihrem Weg dorthin beschäftigen!

#Warum fragen wir nicht einfach die Besten?

Niklas Römer, 28 Jahre alt, Wide Receiver bei den New Yorker Lions aus Braunschweig. Zum American Football kam er mit 15 Jahren in Neuss, nachdem der Spross einer sportlichen Familie unter anderem Fußball und Basketball gespielt hatte. Nur 13 Jahre später liest sich seine Titelsammlung so: 2010 Europameister, 2011 MVP der Weltmeisterschaftsspiele Deutschland vs. Australien und Deutschland vs. Frankreich, 2013 Deutscher Meister, 2014 Deutscher Meister, 2014 Europameister, 2015 Deutscher Meister, 2015 Eurobowl Sieger, 2016 Eurobowl Sieger, 2016 MVP Eurobowl, 2016 Deutscher Meister. Niklas Römer ist einer der erfolgreichsten deutschen Footballer.

Diese Vita spricht für sich, doch lassen wir ihn nun selbst zu Wort kommen…

Für die-sportpsychologen.de berichtet:

Niklas Römer (Interview: Miriam Kohhaas, zur Profilseite von Miriam)

 

Niklas Römers dekorierte Hand

Warum sehen Receiver immer besonders stylish aus?

Ein Receiver steht immer besonders im Fokus. Es sind die, die die spektakulären Catches machen, von denen es immer besonders viele Fotos gibt.                  Look good – feel good – play good. Wenn ich mich selbst in meinem Outfit gut fühle, gehe ich auch viel selbstsicherer aufs Feld.

Ist deine mentale Vorbereitung auf Ligaspiele die gleiche wie auf die wirklich „großen“ Spiele?

Ungefähr eine Woche vor den großen Spielen spüre ich oft, dass es bald los geht und kann dann oft eine Nacht auch richtig schlecht schlafen.

Dann am selben Tag versuche ich mich bewusst in diesen Modus oder diesen gewissen Zustand zu bringen, höre Musik, schaue mir Videos von guten Receivern an. Vor großen Spielen höre ich mir am liebsten Filmmusik an.

Meine besten Spiele sind bis jetzt immer Endspiele gewesen. Da bereite ich mich ehrlicherweise auch anders vor. Alles ist auch am selben Tag viel organisierter und offizieller als bei normalen Ligaspielen. Man fährt als Team gemeinsam im Bus zum Stadion, ich höre auf der Fahrt meine Musik, alle sind hoch konzentriert.

Wenn man ein Ziel hat, das man erreichen will, Vorbilder hat, die genau da sind, wo man selbst gerne sein möchte – dann sollte man sich mit ihrem Weg dorthin beschäftigen!

#Warum fragen wir nicht einfach die Besten?

In dieser Zeit visualisiere ich bewusst meine Spielzüge, gehe im Kopf meine Routen durch. Ich nehme alle Blickwinkel von jeder Stadionseite bewusst ein und stelle mir diese im Kopf vor. Ich bereite mich mental darauf vor, wie ich gleich fange und denke mir dabei – genau so wird das gleich passieren. Ich schotte mich ab, lasse mich auf keine Zwischengespräche ein und versuche mich zu konzentrieren. Das Visualisieren habe ich schon 2007 auf der Fahrt zur NRW-Auswahl für mich entdeckt und ich konnte schnell eine Verbesserung meines Spielverhaltens feststellen im Vergleich zu den Tagen, an denen ich es nicht getan habe. Deshalb bin ich dabei geblieben und habe es weiter trainiert. Meine Art der visuellen Vorstellung hat sich dabei immer weiter entwickelt.

So waren meine besten Spiele das EM Finale 2010, das EM Finale 2014, sowie alle German Bowls. Hier hatte ich immer 80-150 Yards pro Spiel.

Was war in den letzten Jahren das Ziel, nach dem du gestrebt hast?

2009 habe ich mir es zum Ziel gemacht der beste deutsche Spieler auf meiner Position zu werden. Seitdem arbeite ich jeden Tag für mein Ziel. Statistisch ist mir das heute gelungen – aber trotzdem würde ich nicht sagen „ich bin der Beste“,  sondern einer der Besten. Ich mache es aber daran fest, ob ich in der Nationalmannschaft gesetzt bin und dort die beste Leistung abrufen kann.

Mein persönliches Ziel für die kommende Saison ist es, jedes Spiel in meinem Kopf als Endspiel oder großes Spiel zu bewerten. So versuche ich mich auch beim kleinsten Ligaspiel mental vorzubereiten, als sei es der German Bowl oder ein anderes Endspiel. Ich versuche das am Abend vorher schon zu visualisieren und bin sehr gespannt, was mir das bringen kann.

Auch ohne mich jemals explizit mit der Sportpsychologie beschäftigt zu haben, habe ich in den ganzen Jahren immer versucht, mich mental weiterzuentwickeln. So habe ich verschiedenste Dinge für mich ausprobiert und meine Reaktion darauf beobachtet. Hat es mich weiter gebracht, so habe ich es implementiert, ansonsten wieder verworfen. Wenn ich mir vorstelle, dass mir jemand am Anfang meiner Karriere diesen Weg für mich durch sportpsychologische Beratung verkürzt hätte, was wäre dann noch alles möglich gewesen?

Und zu guter Letzt – ich möchte noch einmal Europameister werden. Dann wäre ich drei Mal in Folge Europameister. Der einzige Titel, der mir dann noch fehlt und interessant für mich ist, ist World Game Champion.

Wie würdest du dich selbst beschreiben?

Ich bin extrem ehrgeizig und verbissen. Ich hasse es, zu verlieren und mache eigentlich aus allem eine Competition. Ob ich mit meinem kleinen Bruder Wii spiele oder abends gemütlich mit Freunden Bowlen gehe – ich will gewinnen und gebe immer 100 Prozent. Irgendwann mal ist mir ein Zauberwürfel in die Hände gefallen und ich habe die Wege so lange auswendig gelernt, bis ich ihn lösen konnte.

Ich will immer das Beste von mir geben!

Meinen Weg bis hierher würde ich so beschreiben: Ich hatte ein Ziel und habe angefangen, den Weg dorthin zu beschreiten. Ich habe verschiedenste Dinge probiert. Manche waren gut, andere haben nicht funktioniert. Wenn dies der Fall war, habe ich nicht wieder von vorne gestartet, sondern bin einfach von diesem Punkt weiter voran gegangen. Wenn man sich nun durch Sportpsychologie schon mit 17 Jahren oder früher mit diesen Wegen beschäftigt, ist das eigene Ausschöpfungspotential natürlich um ein vielfaches höher.

Wie reagierst du auf Fehler?

Bei einem nicht gefangenem Ball versuche ich kurz zu hinterfragen, woran es lag, stelle den Fehler aktiv ab, lächle und laufe zurück ins Huddle.

Die meisten nicht gefangenen Bälle passieren aus Unkonzentriertheit. Manchmal sehe ich den Ball auf mich zu fliegen und denke in dem Moment daran, dass ich den gleich bloß nicht fallen lassen darf – und in diesen Momenten passiert mir genau das.

Konntest du schon einmal einen Flowzustand erreichen?  

Im letzten Jahr habe ich es geschafft, bei den meisten Catches und TDs in einen Flowzustand zu gelangen. Dann kann ich mich nicht mal daran erinnern, was gerade passiert ist. Mein Kopf war leer, mein Körper automatisiert.

Diesen Zustand werde ich mir in der kommenden Saison noch genauer anschauen und aktiv nutzen.

Miriam Kohlhaas: Ein Hoch auf die dicken Jungs!

Hast du bestimmte, wiederkehrende Rituale?

Ich habe am Gameday keine bestimmten Rituale. Das Einzige, was immer gleich ist, ist mein Platz in der Kabine oder besser gesagt auf dem Flur.

Meine Trikotnummer war auch in der Jugend und in Köln und Düsseldorf eine andere. Mittlerweile identifiziere ich mich sehr mit meiner Nummer. Alle Nummern zuvor habe ich mir immer selbst ausgesucht und habe immer die gewählt, die mir gerade am besten gefiel. Meine jetzige Nummer wurde mir bei der Nationalmannschaft irgendwann einfach zugewiesen. Die Nummer hat also mich gefunden und nicht ich sie.

Auch habe ich zu jedem Spiel mindestens drei verschiedene Paar Handschuhe mit. Wenn ich mit einem Paar ein oder zwei Bälle fallen lasse, ziehe ich Neue an. Nicht, weil die dann besser haften oder meine Hände andere sind. Aber wenn es dir in diesem Moment hilft dadurch deinen Kopf frei zu bekommen, dann mach das.

Nach dem Motto: Wie bringe ich mich am besten in die beste Position, um das Beste von mir zu geben.

Passt sich deine Motivation der Qualität deines Gegners an?

Ich bin vor jedem Spiel nervös. Sobald der erste Spielzug läuft, ist die Nervosität aber auch sofort weg. Meine Motivation ist bei einem German Bowl auf jeden Fall höher als in einem Ligaspiel gegen den Tabellenletzten. Meine mentale Einstellung und meine mentale Vorbereitung auch intensiver und ausführlicher. Trotzdem mache ich immer alles, um zu gewinnen.

Sei bereit den Preis zu zahlen!

Ich glaube ich habe für meine sportliche Karriere schon viele Preise gezahlt. Ich habe so viel Freizeit geopfert, war innerhalb von acht Jahren nur einmal im Urlaub. Ich arbeite sechs Tage die Woche und an meinem einzig freien Tag stehe ich auf dem Footballfeld. Ich trainiere zusätzlich zum regulären Training noch mindestens dreimal pro Woche im Fitnessstudio und gehe zu jedem Sondertraining. Meine Partnerinnen haben oft nicht genügend Verständnis entwickeln können und so haben meine Beziehungen darunter oft sehr gelitten.

Gab es in deiner Karriere ein Spiel, vor dem du Angst hattest? Wenn ja, wie konntest du deine Angst besiegen?

Vor meinem allerersten Spiel nach vier Wochen Training hatte ich nach den Erzählungen über den harten Kontakt richtig Angst. Hinzukommen sollte noch, dass direkt der beste Gegner kam. Meine Angst habe ich erst mit der Zeit verloren. Ich habe die Kontakte überlebt und ich bin wieder aufgestanden – so wusste ich irgendwann, dass es ok ist und ich keine Angst haben muss.

Hast du bestimmte Glaubenssätze?

Irgendwann hat der Nationaltrainer mal gesagt, er brauche Receiver, die keinen Schiss vor Linebackern haben. Da habe ich mir gedacht: „Hier ich – ich habe ab sofort keinen Schiss mehr“ – seit diesem Tag ist es dann so gewesen. Ich wollte einfach dieser jemand sein.

Mit der Zeit und immer mehr Erfahrungen, die du gemacht hast, weißt du genau, wann du um einen Kontakt nicht drum herum kommst. Du siehst den Ball in der Luft und rechnest dir aus, dass bestimmte Spieler gleich deinen Weg kreuzen. Dann versuche ich meinen Körper bestmöglich auf diesen Kontakt vorzubereiten und mich wenn möglich noch klein zu machen, um nicht so viel Aufprallfläche zu bieten.

Verlieren gehört dazu – Wenn ich nach einem verlorenen Spiel weiß, dass ich alles gegeben habe. Dann ärgert es mich wahnsinnig aber dann haben wir zurecht verloren, weil die Anderen einfach besser waren. Wichtig ist aber, dass ich weiß, ich habe alles gegeben und ich spüre an meinem Körper, dass mir alles weh tut. Das macht eine Niederlage nicht schön – es macht sie aber erträglicher.

Niklas Römer – einer der erfolgreichsten deutschen Footballspieler

Wem außer dir selbst verdankst du deinen bisherigen Werdegang?

In meinen jetzt 12 Jahren im American Football bin ich vielen Menschen, ob Spielern oder Trainern, über den Weg gelaufen, die mich aktiv auf dem Feld wie auch passiv durch ihre Einstellung beeinflusst haben. Ich denke aber das hätte alles nicht so weit kommen können, hätte eine Mutter damals ihrem 15-jährigen Sohn nicht das OK gegeben, eine weitere Sportart auszuprobieren. Besonders vor dem Hintergrund, dass ich schon so gut wie alles ausprobiert hatte, ob Fußball, Basketball, Skaterhockey und dann Football, wobei Football mit seinem dazugehörigen Equipment auch nicht gerade die kostengünstigste Variante ist. Sie hat mich immer in allen Vorhaben und neuen Ideen unterstützt, was nicht immer selbstverständlich ist, wenn man bedenkt, dass ich in der Schule ein faules Stück war und nicht die besten – das ist deutlich geschönt – Noten nach Hause gebracht habe.

Nach meiner Jugendzeit müsste ich vor allem Michael Hap und David Odenthal danken, die mich aktiv aus dem GFL Kader der Cologne Falcons angesprochen haben und einem 19-jährigen Bengel mit gerade einmal drei, vier Jahren Erfahrung die Chance gaben in der GFL zu spielen. Der Wurf ins kalte Wasser hat mir definitiv geholfen. Den größten Sprung auf spielerischer Seite habe ich definitiv Estrus Crayton zu verdanken, durch den ich in meinen drei Jahren in Düsseldorf erst das Beste aus meinem Potenzial ziehen konnte. Mein jetziger Head Coach Troy Tomlin war es, der mir (und ich denke vielen anderen auch) gezeigt hat, dass sich das Verhalten auf dem Footballfeld und die Disziplin auf das Privat- und Berufsleben überträgt. Die Wichtigkeit einer positiven Körpersprache spielt dabei eine ganz enorme Rolle. Ich habe gemerkt, dass eine positive Körperhaltung den Geist und die Gedanken beeinflusst und es leichter fällt positive Gedanken zu fassen und mit erhobenem Haupt aus einer negativen Situation herauszugehen. 

Nicht zu vergessen sind natürlich auch meine ganzen Teamkollegen, die ich über die Jahre hatte. Football ist ein Teamsport. Ich könnte also den sportlichen Erfolg niemals alleine erreichen. Spontan fallen mir da Namen wie Robert Demers, Raphael Llanos, Anthony Dablé, Casey Therriault, Sebastian Schönbroich und Lenny Greene ein. Ich könnte weitere aufzählen, doch all diese Spieler haben erst dazu beigetragen, dass ich das Beste aus mir rausholen konnte bzw. aus mir rausholen musste.

Was waren die wichtigsten Sätze, den du in deiner Footballkarriere gesagt bekommen hast?

One play at a time – Konzentriere dich nur auf den einen Spielzug, den wir gerade spielen. Vergiss alles, was vorher war und alles, was danach kommt.

Achte auf deine Body Language – Zeige niemals Schwäche, egal wie anstrengend es auch sein mag. Kopf hoch, Brust raus. Alles andere sagt deinem Gegner: Der kann nicht mehr – und bringt ihn wieder hoch. Aber auch dir selbst bringt deine Haltung viel. Deine Körperhaltung überträgt sich auf deine Gedanken.

Am meisten hat mich Football allerdings für meine Arbeitswelt geprägt. Seinen eigenen Stellenwert zu kennen und zu wissen, wer über dir steht und dir was zu sagen hat, eine gewisse Hierarchie einzuhalten und diese zu akzeptieren. Respekt zu haben. So kann ich in meinem beruflichen Werdegang eine Rangordnung sehr gut akzeptieren und weiß, dass ich erst einmal einiges einzuzahlen habe, bis ich irgendwann vielleicht einmal etwas zurückbekomme. Man lernt mit Kritik umzugehen, man lernt sich unterzuordnen. Davon habe ich bis jetzt am meisten profitiert.

Was würdest du einem jungen Spieler raten, der dorthin kommen will, wo du gerade bist?

Versuche alles aufzusaugen, was du aufsaugen kannst!

Nimm Mental Reps. Guck dir an, was die anderen Spieler machen. Sei durchgehend aufmerksam und höre allen Erklärungen aktiv zu. Lehne dich nicht zurück, wenn andere an der Reihe sind. Gehe währenddessen den Spielzug im Kopf durch, als seist du es, der an der Reihe wäre. Wenn du die Chance hast, mit Imports zu trainieren oder Sondereinheiten zu absolvieren, sei immer dankbar und bereit.

Zeig viel Eigeninitiative!

Ich bin nicht dadurch hierhergekommen, wo ich gerade bin, indem ich lediglich zu den Teamtrainings gegangen bin. Ich bin zusätzlich noch drei, vier Mal in der Woche selbst trainieren gegangen und habe Sondereinheiten eingelegt.

Denkst du, dass die Sportpsychologie ein fester Bestandteil im Football sein sollte?

Ja, auf jeden Fall! Da nicht davon auszugehen ist, dass jeder Spieler die richtige Art findet, mit den Dingen mental umzugehen. Ich kann nicht davon ausgehen, dass jeder so wie ich zufällig den richtigen Weg für sich findet. Von daher finde ich es definitiv wichtig, dass die Sportpsychologie und mentales Training in einem Sport wie American Football – nicht umsonst Rasenschach genannt – fest etabliert wird. Wie kann man sich selbst und seine Fähigkeiten auch nach Rückschlägen wiederfinden und blind sagen – jetzt passt es wieder. Jedes Team sollte so etwas mit anbieten, finde ich.

Dank dir, Niklas, für dieses Interview. Du hast mich tief beeindruckt. Du hast es geschafft, die Sportpsychologie in dein Leben, deine Vorbereitung und dein Denken zu implementieren, und das ohne, dass du aktiv dabei Hilfe hattest. Dein stetiger Wille nach Weiterentwicklung und dein Streben danach, immer dein Bestes zu zeigen haben dich tief in dir selbst die Sportpsychologie finden lassen.

Dieses Interview hat mich noch ein paar Tage danach so bewegt, dass ich mich immer fragen musste, wie es denn möglich ist, dass ein Mensch all das in sich findet, was Sportpsychologen auf der ganzen Welt Sportlern über Jahre aus Lehrbüchern versuchen zu vermitteln?

Und so musste ich noch tiefer schauen… entstanden ist nach einem langen Gespräch mit der Familie Römer folgender Blog-Beitrag (Nicht zuletzt in diesem Zusammenhang: Danke euch für diesen Einblick und einen tollen Tag mit und bei euch!):

Miriam Kohlhaas: Betroffen von Perfektion?

Also, all ihr fantastischen Sportler da draußen, all ihr wundervollen Receiver: Nun kennt ihr den Weg zu eurem Ziel – macht euch auf den Weg dorthin!

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Prof. Dr. Oliver Stoll: BVB-Schock beeinflusst Leistung

Auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund, der sich auf dem Weg zum Champions League-Viertelfinalspiel gegen den AS Monaco befand, wurde am Dienstag ein Anschlag verübt. Es entstand schwerer Sachschaden, zudem erlitt BVB-Verteidiger Marc Bartra schwerwiegende Verletzungen, die zu einer Operation führten. Die UEFA-Offiziellen entschieden, die Partie für den Dienstag abzusagen, aber gleich am Mittwoch neu anzusetzen. Aus sportpsychologischer Perspektive eine problematische Entscheidung.

Zum Thema: Der Umgang mit einem Anschlag auf Leib und Leben

Man könnte ja meinen, dass man heutzutage einfach mit der Gefahr von Terroranschlägen in Deutschland leben muss. Was aber gestern Abend passierte, eröffnet aus meiner Sicht „eine neue Dimension“ der Gefährdungswahrnehmung im bundesdeutschen Profisport-Geschäft. Klar, erinnern wir uns noch an den Bombenanschlag in Paris, als die deutsche Nationalmannschaft ein Freundschaftsspiel gegen Frankreich absolvierte und den daran anschließenden, blutigen Terroranschlag in Bataclan-Club, bei dem viele Menschen ums Leben kamen. Aber zum o.g. Spiel kamen zunächst keine Zuschauer und keine Athleten zu Schaden. Das ist seit Dienstagabend nicht mehr so. Der Bombenanschlag auf den Bus des BVB auf dem Weg ins Stadion hat offensichtlich zu einer schweren Verletzung an der Hand des Innenverteidigers Marc Bartra geführt. Über die möglicherweise psychischen Auswirkungen bei Spielern und Betreuern können wir ja eigentlich nur spekulieren. Nun soll das Spiel am Mittwochabend nachgeholt werden. Wie sinnvoll ist das?

Ganz sicher ist dies ein Zeichen in Richtung der Täter. „Man will sich nicht unterkriegen lassen“. Also aus Funktionärs- und Verbandssicht zunächst nachvollziehbar. Aus psychologischer Sicht habe ich da so meine Bedenken. Schauen wir uns an, was passiert, wenn eine Person psychisch traumatisiert wird (ohne zu wissen, ob die Spieler des BVB das sind – aber es wäre ja möglich). In der akuten Bedrohungssituation schaltet unser Zentrales Nervensystem auf „Kampf oder Flucht“. Es geht ja immerhin um Leben und Tod. Das ist zunächst reiner Selbstschutz. Was gestern aktuell im Bus nach dem Anschlag passiert ist, wissen wir bislang noch nicht. Wenn die akute Situation vorbei ist, dann kann es entweder dazu kommen, dass tiefe Wut  oder Trauer einsetzt, oder aber die Opfer sich ganz ins ich selbst zurückziehen, quasi so etwas wie einen „katatonen Stupor“ entwickeln. Manche Opfer möchten sofort aufarbeiten und darüber reden. Anderen Opfern geht es besser, wenn sie das Erlebte zunächst verdrängen. So oder so – die Opfer sind einen Tag nach einem solchen Erlebnis, emotional und kognitiv nachhaltig durch das Ereignis beeinflusst. Helfen können hier eigentlich am besten ausgebildete Krisen-Interventions-Helfer oder eben Psychologinnen und Psychologen. Dabei rede ich hier zunächst erst einmal nur über die Ereignisverarbeitung.

Jürgen Walter: Der spielfähige Zustand des BVB

In der Regel leistungsbeeinträchtigende Wirkung

Nun sollen die Spieler tagsdarauf ein Champions-League-Spiel absolvieren. Auch wenn wir wissen, dass Leistungssportler viel Erfahrung mit erlebten Niederlagen oder auch sonstigen Krisen haben, was eventuell dazu führt, dass der eine oder andere gelernt hat, mit schwierigen Situationen umzugehen und in der Lage ist, dieses Ereignis auszublenden, so ist es doch eher wahrscheinlicher, dass diese Besorgniskognitionen und Emotionen die Überhand gewinnen können. Und dies wirkt in der Regel leistungsbeeinträchtigend. Wenn eine Mannschaft dann auch noch sozial sehr eng zusammensteht, dann sind die emotionalen Reaktionen ganz sicher noch intensiver, als wenn man eine Fußballmannschaft nur aus „Kollegen, die einen Job zusammen machen“ betrachtet. Hier wäre ja schon zumindest eine gewisse emotionale Distanz vorhanden, was eine Rationalisierung des Erlebten erleichtern würde.

Wir wissen nicht, wie es in den Köpfen der Spieler gerade aussieht. Vielleicht entwickeln sie gemeinsam so eine Einstellung, wie „Jetzt erst Recht!“ Oder aber, sie haben irgendwie überhaupt keine Lust auf Fußballspielen – werden es dann aber müssen. Ich wünsche den Spielern und dem Unterstützerteam auf alle Fälle viel Kraft und Mut für   die schwere Aufgabe. Und spätestens dann im Anschluss die Möglichkeit, das Erlebte professionell aufarbeiten zu können.           

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