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Thorsten Loch: Das lange Warten auf den Anpfiff

Diese Situation kennt jeder Spielsportler: Bis sich beide Teams gesammelt haben und von den Offiziellen auf das Spielfeld gebeten werden, vergehen halbe Ewigkeiten. Im internationalen Fußball sind es, je nach Wettbewerbsformat, nicht selten mehr als zehn Minuten, die die zuvor intensiv physiologisch sowie psychisch auf das bevorstehende Match eingestimmten Spieler “überbrücken” müssen. Eine Zeitspanne, die locker ausreicht, einen Sportler ins Grübeln zu bringen, sofern die Minuten zwischen Kabine und Spielbeginn nicht effektiv genutzt werden.

Zum Thema: Welche Strategien nutzen die Sportler unmittelbar vor Wettkampfbeginn um eine positive Wirkung auf die wettkampfbezogene Kompetenzerwartung zu erzielen?

Das Stichwort lautet Routine. Unter Routine wird ein stets annähernd gleich ablaufender Vorgang bezeichnet. Im Allgemeinverständnis bedeutet „in etwas Routine haben“, dass man dies ohne nachzudenken sicher erledigen kann. Wer routiniert handelt, ist dabei auch nur schwer aus dem Konzept zu bringen und zu stören (Beckmann/Elbe, 2008). Viele Sportler integrieren sportpsychologische Fertigkeiten in eine Routine mit dem Ziel, eine wettkampfbezogene Kompetenzerwartung unmittelbar vor dem Wettkampfbeginn herzustellen. Diese können von Sportler zu Sportler völlig anders aussehen. Gemeinsam haben sie jedoch alle gegenüber Ritualen, dass Routinen gut organisiert sind, jedoch Flexibilität zu lassen (Schack et al. 2005). Außerdem – und hierbei handelt es sich um die wichtigste Unterscheidung – umfassen Routinen Fertigkeiten, die für die anstehenden Aufgaben funktional sind, wie z.B. zum Beseitigen von störenden Gedanken und zum Aufbau von Konzentration und Wettkampfspannung.

Die Funktion von Routinen liegt demnach in einer Stabilisierung von Verhalten über Fertigkeiten. Mit ihnen ist es möglich, einen abgeschotteten Raum zu schaffen, der vom Sportler kontrolliert werden kann, mit dem Ziel, die Handlungsvorbereitung zu optimieren. Der Sportler durchläuft eine Reihenfolge von Aktionen, die sich auf die folgenden Handlungen (bspw. typische Spielsituationen) beziehen. Indem diese Aktionen in einer Routine durchlaufen werden, wird zum einen sichergestellt, dass keine Aktion, die jede für sich eine Funktion erfüllt, vergessen wird. Die einzelnen Sequenzen der Aktionen innerhalb der Routine bestehen sinnvollerweise aus Fertigkeiten, die zielführend sind. Es ist zum einen wichtig das die Sequenz von Aktionen geschlossen ist, sprich keine Zeit übrig bleibt, die nicht durch eine gewollte Aktion ausgefüllt wird. Unausgefüllte Zeit bringt Raum für störende, dysfunktionale Gedanken. Eine gute Routine lässt keinen Freiraum und bringt den Grübler sozusagen zum Schweigen. Zum anderen ist für eine Automatisierung der Routine und der damit gewonnenen Handlungssicherheit wesentlich, dass die Aktionen und deren Anzahl nicht beliebig von Handlung zu Handlung variieren, sondern relativ konstant ausgeführt werden.

Individuelle Routinen müssen entwickelt und tariniert werden

Sportler müssen ihre ganz individuellen Routinen entwickeln und trainieren. In diesem Zusammenhang ist von besonderer Bedeutung, dass die Sportler die Funktion ihrer Routine verstehen. Die Funktionalität der Routine steigt, je mehr diese den individuellen Bedürfnissen des Einzelnen entspricht. Eine weitere Unterscheidung findet in der zeitlichen Dimension statt. So gibt es so genannte Vor- (prä), Nach- (post) und Zwischen- (between) Routinen für sportliche Leistungshandlungen.

Routinen beschränken sich aber nicht ausschließlich auf den Einzelnen selbst. So kommt es auch vor, dass Routinen in Mannschaftssportarten vorkommen. Hier sei an die Weltmeistermannschaft von 1994 aus Brasilien genannt. Diese lief bei den Spielen und den USA Hand in Hand auf den Platz und gab sich so Handlungssicherheit. Als ein weiteres Beispiel sei die Rugbynationalmannschaft aus Neuseeland genannt. Während der Hymne legen sich die Spieler die Arme auf die Schultern und präsentieren sich als Einheit oder tanzen den Haka einen rituellen Tanz der Maori. Wichtig ist jedoch, dass individuelle Routinen nicht im Konflikt mit der Mannschaftsroutine stehen.

Den Sportlern steht mit der Routine eine Möglichkeit zur Verfügung, handlungsrelevante Fertigkeiten sicher einzusetzen und zu etablieren. Absicht dessen ist, eine positive Wirkung auf die wettkampfbezogene Kompetenzerwartung zu erzielen und Wartezeiten vor, nach und zwischen Wettkampfhandlungen aktiv selbst zu gestalten. Dass die Routine eine höchst individuelle Angelegenheit des Sportler ist, die zu den Bedürfnissen des Athleten passen muss, ist eine mögliche Erklärung dafü,r warum manche Nationalspieler die Hymne mitsingen oder auch nicht.

Literatur:

Beckmann, J./Elbe, A.M. (2008). Praxis der Sportpsychologie im Wettkampf- und Leistungssport. Spitta Verlag: Balingen.

Schack, T. (2006). Mentales Training. In: M. Tietjens, B. Strauss (Hrsg.). Handbuch Sportpsychologie, 254-261. Schorndorf: Hofmann.

 

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Philippe Müller: Blick über den Zaun

Um eine qualitativ hochwertige und seriöse Arbeit als Sportpsychologe anbieten zu können, gehören Fort- und Weiterbildung genauso zur Notwendigkeit wie Inter- und Supervision. Eine zentrale Rolle für die Qualitätssicherung nimmt dabei der Berufsverband ein. In der Schweiz ist dies die «Swiss Association of Sport Psychology» (SASP). Mit einer reglementarisch verankerten Fort- und Weiterbildungspflicht zieht der Verband seine Mitglieder in die Verantwortung, sich auf dem aktuellen Stand zu halten. Im Gegenzug bietet er jedes Jahr spannende Kurse an. Im Zeichen der diesjährigen Fortbildung standen sportpsychologische Phänomene aus hypnotherapeutischer Sicht.

Zum Thema: Hypnotherapeutische Sicht der Sportpsychologie

Als Referent der Forbildung 2014 gastierte der Psychologe Dr. Reinhold Bartl in Zürich. Er arbeitet in eigener Praxis und als Leiter des Milton Erickson Instituts in Innsbruck. Dort beschäftigt er sich nicht nur mit den klassischen klinischen Fragestellungen, sondern hat auch Arbeitsschwerpunkte in der Ausbildung von Systemischen Psychotherapeuten. Zudem widmet er sich Teamentwicklungsprozessen in der Privatwirtschaft. Im Zentrum seiner Arbeitsweise steht der systemische Ansatz sowie die Eriksonsche Hypnotherapie.

Viele Leute, mich eingeschlossen, denken beim Wort «Hypno» primär an die Bühnenhypnose, bei der ein Hypnotiseur eine Person in Trance versetzt und anschliessend mit ihr machen kann, was er will. Oft besteht auch die Vorstellung, dass der Therapeut als Macher fungiert und in die Köpfe der Patienten eindringt. Unter diesen Umständen ist es nicht überraschend, dass eine gewisse Zurückweisung beim Wort «Hypnotherapeut» entsteht. Aus diesem Grund ist es notwendig, die wesentlichen Punkte der Hypnotherapie zu erläutern: In der Hypnotherapie geht es darum, die Selbstorganisation des Organismus zu unterstützen. Dabei ist die Unterstützung das Zentrale. Der Berater bietet somit dem Klienten eine Hilfestellung an, ihm bei seinen eigenen Prozessen zu unterstützen.

Die Stärken der Hypnotherapie

Meiner Meinung nach besitzt die Hypnotherapie drei wesentliche Stärken, welche in der Zusammenarbeit mit Athletinnen und Athleten von großer Bedeutung sind. Zum einen verfolgt die Hypnotherapie einen humanistischen Ansatz. Der Mensch wird so akzeptiert, wie er ist. Es wird davon ausgegangen, dass er Stärken und Fähigkeiten besitzt, Probleme selbst zu lösen. Mit anderen Worten: Jeder Mensch verfügt über die Ressourcen, sich selbst zu organisieren. Dies führt zum zweiten wichtigen Punkt. Es wird vom Positiven ausgegangen und rückt somit das Gute in den Vordergrund. Nicht die negativen Erlebnisse, Gedanken oder Emotionen stehen im Fokus der Beratung, sondern die bereits positiv erlebten Erinnerungen und Gefühle. Dies führt dazu, dass das Selbstwertgefühl – eine der wichtigsten mentalen Fähigkeit eines Sportlers, um erfolgreich zu sein – effektiv gestärkt wird. Die dritte Stärke ist darin verankert, den Fokus der Aufmerksamkeit nicht nur auf die Welt der Logik und Rationalität zu lenken. Gerade im Sport laufen viele Handlungen zu einem großen Teil unbewusst oder zumindest nur teilweise bewusst ab. Aussagen wie «Es geschieht einfach!» untermauern die Tatsache, dass nicht jede Handlung bis ins Detail bewusst geplant wird.  Die Therapieform geht stark auf die Welt der Intuition und Gefühle ein. Es wird versucht, auf allen Sinnesmodalitäten erfolgreiche Momente nochmals im «Jetzt» zu erfahren und für zukünftige Situationen verfügbar zu machen. Die Ressourcen für ein wiederholtes erfolgreiches Handeln sind somit schon länger vorhanden, müssen aber für einen erneuten Einsatz neu organisiert werden.

Wie jede Technik besitzt auch die Hypnotherapie – meiner Meinung nach – Schwächen. Auf konzeptioneller Ebene wird vorgegeben auf der unwillkürlichen-unbewussten Ebene zu arbeiten. Beim Wiedererleben von Gefühlen und Eindrücken wird jedoch bewusst auf Erinnerungen zurückgegriffen. Inwiefern diese Prozesse also unbewusst sind, wenn man darauf zurückgreifen kann, sei dahingestellt. Für die praktische Anwendung hat dies jedoch kaum Relevanz. Es lohnt sich auf jeden Fall, sich mit unbekannten Techniken auseinanderzusetzen, um sein eigenes Spektrum zu erweitern. Ob nun die Hypnotherapie in ihrer reinen Form, oder als Teilaspekt in der Beratung eingesetzt werden, steht im Ermessen des jeweiligen Sportpsychologen.

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Prof. Dr. Oliver Stoll: Trend Trail-Running

Trail-Running, eine Sportart, die einen Zeitgeist wiederspiegelt? Die Laufveranstaltungen in schwierigem, sehr hügeligem Gelände, in reinster, manchmal sogar fast unberührter Natur über mitunter nicht wenige Kilometer, freuen sich über immer weiter wachsende Teilnehmerzahlen. Nach der Lauf- und Joggingbewegung, Anfang der 70er Jahre und den anschließenden weiter wachsenden Stadtmarathonläufen in den 1980er und 1990er Jahren sehen wir uns einer „neuen“ Ausdauersportart gegenüber. Eine sportpsychologische Arbeit geht den Motiven nach, die immer mehr Läufer in die Berge treibt.

Zum Thema: Was ist das Besondere am Trail-Running?

Trail-Running ist ein Trend. Manche Zeitgenossen behaupten zwar, das habe es schon immer gegeben. Man nennt und nannte das auch „Waldlauf“,  „Orientierungslauf“ oder „Crosslauf“. Auch wenn daran ein Fünkchen Wahrheit steckt, so einfach ist es dann doch nicht. So etwas wie die Zugspitz-Trail-Challenge“, die „Salomon-4Trails“ oder den „Transalpine“ gab es früher nicht. Damit sind Mehrtages-Etappen-Läufe über mehrere Gebirgszüge gemeint, die den Athleten oftmals an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit bringen. Warum tut sich so etwas jemand an? Genau dieser Frage ging Jungk (2014) im Rahmen seiner Bachelor-Thesis nach. Die Basis dafür bildete ein Artikel von Stoll et al (2000), die damals die Teilnahmemotive von Stadtmarathon- und Ultramarathonläufern untersuchten und damals schon interessantes zu Tage brachten. Die Gründe für die Teilnahme an solchen Läufen hatten weniger mit Anerkennung oder Wettkampferleben zu tun, sondern es waren viel mehr Sinngebungs- und Gesundheitsmotive, die bei den untersuchten Läuferinnen und Läufern dominierten. Zusätzlich fanden die Autoren heraus, dass die untersuchte Ultraläuferstichprobe – entgegen der landläufigen Meinung – in ihren Persönlichkeitsprofilen im Durchschnitt völlig unauffällig war (Stoll & Rolle, 1997).

Motivstrukturen verändern sich mit Lauferfahrung

Paul Jungk (2014) befragte also insgesamt 104 Trail-Läufer im Rahmen der diesjährigen „Zugspitz-Trailrun-Challenge“ (75 männlich und 29 weiblich) mit einem Durchschnittsalter von 40,93 Jahren. Als Messinstrument kam der Fragebogen MOMS-G (Motives of Marathoner Scale – German, Stoll et al., 2000) zum Einsatz, den wir um eine weitere Subskala „Naturerleben“ erweiterten. Somit umfasste der neue Fragebogen Trail-MOMS zehn Motivdimensionen (Sinngebung, Selbstwert, Psychische Gesundheit, Persönliche Zielerreichung, Wettkampf, Anerkennung, Zusammensein, Allgemeine Gesundheitsorientierung und Naturerleben). Die statistische Analyse der Daten zeigte zunächst, dass der Fragebogen mit der neuen Dimension „Naturerleben“ nichts an Zuverlässigkeit verloren hat (Cronbach’s Alpha der neuen Dimension = .722). Das wohl interessanteste, aber sicherlich auch so erwartete Ergebnis liegt in der Tatsache, dass die Ausprägung in der Dimension „Naturerleben“ am stärksten war (Auf einer Skala zwischen 1 und 7 liegt der Mittelwert bei 5.48, gefolgt von „Zusammensein“ (Mittelwert 4,54) und der Allgemeinen Gesundheitsorientierung sowie Persönlichen Zielerreichung in etwa gleich auf (Mittelwert 4,40). Das Motiv der Anerkennung spielte in diesem Zusammenhang eine eher untergeordnete Rolle (Mittelwert 2,10). Analysiert wurde darüber hinaus, ob sich die Motivstrukturen mit der Lauferfahrung verändern. Wir finden einen Anstieg in den Motiven der Sinngebung sowie der Allgemeinen Gesundheitsorientierung bei den Läufern mit mehr Erfahrung im Trail-Running (> 10 Teilnahmen an solchen Events) im Vergleich zu den Athleten mit weniger Erfahrung (< als 10 Teilnahmen an solchen Läufen). Das Anerkennungsmotiv ist im Übrigen hier im Vergleich deutlich niedriger ausgeprägt. Schließlich zeigen sich geschlechtsspezifische Unterschiede. Während weibliche Trail-Runner höhere Ausprägungen in den Dimensionen „Sinngebung“ und „Psychische Gesundheit“ aufweisen, zeigen Männer höhere Ausprägungen in den Motivausprägungen „Wettkampf“ und „Zusammensein“.

Was lernen wir also aus diesen Ergebnissen? Die Motivstruktur von Trail-Läufern ist durchaus vergleichbar mit den Strukturen von Stadtmarathonläufern (vgl. Stoll et al., 2000), aber eben erweitert um das sehr stark ausgeprägte Motiv des „Naturerlebens“ bei der Trail-Läufer-Stichprobe. Sinngebung und Gesundheitsorientierung steigt mit der Lauferfahrung und teilweise unterscheiden sich Männer von Frauen in ihren Motiven zum Trail-Running, wobei dies teilweise nicht erwartungskonform ausfällt. Insbesondere die höhere soziale Orientierung sowie die niedrigere Sinngebungsausprägung der Männer in diesem Zusammenhang fallen hier auf. Ich bin sehr gespannt, wie sich diese, besondere Läuferszene weiterentwickelt und inwiefern die sportpsychologische Forschung diesen Trend aufgreift und weiter untersuchen wird.

Haben Sie Fragen? Ich würde mich freuen, diese beantworten zu dürfen. Diskutieren Sie doch hier mit! Gern bei Facebook, mit Hilfe der Kommentarfunktion oder per Mail.

Literatur:

Jungk, P. (2014). Teilnahmemotive von Trail-Läufern. Bachelor-Thesis. Halle (Saale): Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Kommunikation, Medien & Sport, Department Sportwissenschaft.

Stoll, O. & Rolle, J. (1997) Persönlichkeitsprofile und habituelle Streßbewältigung von Ultralangstreckenläufern. Sportwissenschaft, 27 (2), 161-172

Stoll, O., Würth, S. & Ogles, B. (2000). Zur Teilnahmemotivation von Marathon- Ultramarathonläufern. Sportwissenschaft, 30, 54-67.

 

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Sebastian Reinold: Selbstvertrauen für alle

Spätestens seit dem Halbfinale der Fußball-WM 2014, welches Brasilien historisch mit 1:7 gegen Deutschland verlor, haben alle verstanden, dass Selbstvertrauen einen enormen Einfluss auf die sportliche Leistung von Leistungssportlern hat und mit über Sieg oder Niederlage entscheidet. Doch auch im Sport fernab des Wettkampfs um globale Titel ist das Selbstvertrauen ein ganz entscheidender Faktor.

Zum Thema: Welche Bedeutung hat Selbstvertrauen im Gesundheits- und Freizeitsport?

Besonders bei Personen über 40 ist das Selbstvertrauen absolut mitentscheidend, ob der- oder diejenige einem Sport nachgeht oder nicht. Je höher das Selbstvertrauen ausgeprägt ist, desto wahrscheinlicher wird eine Sportteilnahme.

Selbstvertrauen ist dabei keine alles umspannende Zauberkraft, die manche Personen besitzen und manche nicht, sondern vielmehr eine Bewertung des eigenen Selbst in Bezug auf eine bestimmte Tätigkeit. So kann eine Person für einen Lebensbereich bzw. eine Aufgabe ein sehr hohes Selbstvertrauen besitzen, während es in anderen Bereichen völlig fehlt. So kann beispielsweise der Leiter einer Firma in seinem Job sehr selbstsicher auftreten, aber auf die Frage, warum er denn kein Sport betreibe, wird er möglicherweise angeben, dass er einfach keine Motivation verspüre. Und dies ist der erste Punkt, an dem das Selbstvertrauen ansetzt.

Schon bei der Wahl der Sportaktivität entscheidet das Selbstvertrauen. Da der Mensch im Allgemeinen immer danach bestrebt ist, ein wirksames Handeln an den Tag zu legen, wird sich ein Sportneuling immer die Aktivität aussuchen, von der er oder sie glaubt, diese auch tatsächlich umsetzen zu können. Deswegen ist zum Beispiel das Laufen so beliebt, denn Laufen kann – körperliche Einschränkungen mal unbeachtet – jeder. Einer der Haupteffekte von Selbstvertrauen beeinflusst also die Motivation im engeren Sinne. Das wahre Problem, welches unser Beispielchef hat, ist in Wahrheit, dass er sich im Sport nicht kompetent fühlt und diesen deswegen meidet.

Regelmäßiges Sporttreiben ist ein Kampf

Für eine Person ist es dennoch nicht ausreichend, lediglich die Aktivität zu kennen, die sie meistern könnte, um sie zum Sport zu bewegen. Sporttreiben bzw. dessen Effekt leben von einer gewissen Regelmäßigkeit, deswegen muss die Person zusätzlich auch den Glauben haben, sich gegen die vielen Widerstände, die das regelmäßige Sporttreiben mit sich bringt, widersetzen zu können z.B. die eigene Bequemlichkeit, Zeitmangel, schlechtes Wetter oder andere Freizeitaktivitäten.

Es ist besonders schwierig, Personen dazu zu überreden, Sport zu treiben, wenn sie bisher noch keinen betrieben haben bzw. schon sehr lange nicht mehr – und dann auch nur in der Schule. Hohes oder niedriges Selbstvertrauen ergibt sich nämlich aus der Erfahrung mit bestimmten Tätigkeiten. Deswegen ist der Sportunterricht auch so wichtig, da er einen Doppelauftrag erfüllt: nämlich die Erziehung im Sport und zum Sport. Heranwachsende können im Sportunterricht in unterschiedlichen Bereichen ihre Kompetenzen entdecken, was möglicherweise dazu führt, dass Sport auch in der Freizeit ausgeübt wird.

Doch auch Erwachsene können sportspezifisches Selbstvertrauen noch erlernen, z.B. im Umgang mit den schon angesprochenen Widerständen. An diesem Punkt kann die Sportpsychologie besonders gut unterstützen, da es bereits eine Reihe von erforschten Methoden im Umgang mit den Widerständen gibt wie etwa das Bewusstmachen von sozialen Unterstützungsquellen.

Literatur:
Bandura, A. (1997). Self-efficacy: The exercise of control. New York: Freeman
Fuchs, R. (2003). Sport, Gesundheit und Public Health. Göttingen: Hogrefe.
Kernlehrplan Sport für das Gymnasium – Sekundarstufe I in Nordrhein-Westfalen:
http://www.schulsport-nrw.de/fileadmin/user_upload/schulsportpraxis_und_fortbildung/pdf/G8_Sport_Endfassung2-1.pdf

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Elvina Abdullaeva: Siegeswillen trainieren

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In der zweiten Runde des DFB-Pokals erwischte es nun Hertha BSC Berlin und Hannover 96. Beide Bundesligisten verloren jeweils gegen unterklassige Gegner. 96-Präsident Martin Kind fand nach der Partie deutliche Worte und kritisierte, dass es an der Motivation und Einstellung seiner Spieler gefehlt habe. Die Anklage kommt nicht von ungefähr, da bei Spielen gegen einen Außenseiter der Siegeswille und die mentale Stärke der überlegenen Mannschaft eine wichtige Rolle spielt. Diejenigen, die vom Kopf bis Fuß immer gewinnen wollen und die besten Leistungen zeigen wollen, werden auch die Besten. Und allen voran Leistungsstabilität, egal gegen wen gespielt werden soll, kann die Mannschaft an die Spitze bringen. Doch aus gewissen Gründen fällt es manchmal schwer, sich auf das Spiel gegen einen offenkundig unterlegenen Gegner richtig einzustellen. Was kann aus der sportpsychologischen Sicht dem entgegengebracht werden?

Zum Thema: Wie werden Favoriten vor dem Spiel gegen Außenseiter motiviert?

Worin besteht genau die Gefahr für Favoriten, wenn sie gegen eine schwache Mannschaft antreten sollen? Man kann hier vier Hauptstolpersteine benennen: generell falsche Einstellung und niedrige Motivation gegen den Außenseiter und demzufolge geringe Einsatzbereitschaft und Konzentration auf dem Platz (vgl. Baumann, 2008). Wenn dieses nicht berücksichtigt wird, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein starkes Team gegen einen schwachen Gegner verliert.

Daher ist es wichtig, die eigene Mannschaft sorgfältig auch auf schwache Gegner mental vorzubereiten. Wie erwähnt, resultieren die meisten Probleme aus einer falschen Einstellung und niedriger Motivation. Dies lässt sich aber durch einige psychologischen Maßnahmen verbessern, so dass die Favoritenmannschaft ihren Gegner nicht unterschätzt.

Mittel gegen Faulenzen

Der erste Schritt ist es, sich die richtige Einstellung zu verschaffen. Eine falsche Einstellung vor dem Spiel gegen den Außenseiter wäre: „Wir schaffen das locker, die sind sowieso schwach“. Ein gewisses Selbstbewusstsein ist zwar notwendig. Doch man darf den Gegner nicht unterschätzen. Daher sollte in einer Favoritenmannschaft eine konstruktive Einstellung geschaffen werden, z. B. „Wir wollen Pokalsieger werden, wir spielen in jedem Spiel wie der Pokalsieger.“ Außerdem, ist es wichtig, dass der Trainer alle starken Seiten, trotz des schwachen Gegners, aufzeichnet. Die Favoritenmannschaft ist ein rotes Tuch für den Außenseiter. Dieser kommt übermotiviert ins Spiel und übertrifft oft die Erwartungen aller. Die Gegenüber bereiten sich in der Regel sehr gut auf ein solches Spiel vor. Falls es dem Trainer des überlegenen Teams gelingt, seine Spieler zu überzeugen, wird somit der erste Schritt zu einer leistungsfördernden Einstellung gemacht.

Der zweite Schritt besteht darin, die Spieler richtig zu motivieren, damit sie das ganze Spiel diese Einstellung beibehalten und dementsprechend aktiv agieren. Schließlich kann die gemeinsame Passivität zu einer möglichen Niederlageursache gegen einen schwachen Gegner werden. Dies entsteht durch sogenanntes „soziales Faulenzen“, ein sozialpsychologisches Phänomen. Dies beschreibt eine Einsatzbereitschaftssenkung des Menschen, wenn bei einer Gruppenarbeit seine individuellen Leistungen nicht bemerkt werden oder nicht auffällig sind. Dies kommt insbesondere oft bei einfachen Aufgaben vor. So wie in unserem Fall. Die Spieler sind davon überzeugt, dass ihre Mannschaft den Sieg schon in der Tasche hat. Sie wissen, dass ihre Eigenleistungen in diesem Spiel vom Trainer nicht so hoch geschätzt und gelobt wird, weil es ein schwacher Gegner ist. Somit beginnen sie sich, im Spiel zu verstecken, faulenzen und überlassen die Verantwortung für das Spielergebnis den anderen Mitspielern. Wenn solches Benehmen bei mehreren Spielern auftritt, wird die ganze Mannschaft passiv spielen. Somit nimmt die „schwache“ Gegnermannschaft die Zügel in die Hand, entmutigt den Favoriten und besiegt ihn womöglich. Daher muss der Trainer dafür sorgen, dass er präventiv, also vor dem Spiel gegen den Außenseiter, etwas gegen dieses soziale Faulenzen unternimmt:

  • Beispielweise könnte man das Verantwortungsgefühl bei einzelnen Spielern im Spiel steigern. Dafür eignen sich die Führungsspieler sehr gut. Es sind diejenigen, die normalerweise die Einstellung der ganzen Mannschaft beeinflussen. Sie leisten einen individuellen Beitrag, der sonst von niemandem übernommen wird. Dies kann den Spielern bewusst gemacht werden. So können diese Spieler darauf aufmerksam gemacht werden, dass sie für das Mannschaftstempo verantwortlich sind. Sie sollen ihre Mitspieler anspornen und aufpassen, dass das Team ihren eigenen schnellen Spielrhythmus aufrechterhält, damit der Gegner ihnen sein Tempo nicht aufdrängt.
  • Setzen individueller Aufgaben bzw. Mannschaftziele sind auch gute Methoden gegen soziales Faulenzen. Die Aufrechterhaltung des eigenen Tempos wäre beispielweise so ein individuelles Ziel. Mannschaftziele könnten „ein schnelles Tor“ oder „zwei zu null spielen“ sein.
  • Auch das Durchdenken bestimmter motivierender Belohnungen steigert die Einsatzbereitschaft. Es kann sowohl ein materieller Anreiz (Prämien) oder etwas anderes, ganz kreatives sein, was die Spieler anspornt, auf dem Platz zu kämpfen.

Diese Maßnahmen sorgen dafür, dass die Spieler vor der Begegnung mit einem schwachen Gegner sozusagen psychologisch geweckt werden. Durch eine ernste Einstellung, mit voller Kampfbereitschaft und mit einem bestimmten Ziel treten sie auf den Platz. Nur so kann die Übermotivation, Anstrengung der Außenseiter ausgebremst und damit ihre Chancen auf einen Sieg abgeschafft werden.

 

Quelle:

Baumann, S. (2008). Mannschaftspychologie. Methoden und Techniken (2. Aufl.).Aachen: Meyer & Meyer

 

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Karmen Dietze: Warnsignale erkennen lernen

Karmen Dietze ist eine Marathonläuferin. Kein Profi, aber auch keine Anfängerin. Für den Frankfurt-Marathon, der Ende Oktober stattfand, hatte sie sich ein großes persönliches Ziel gesetzt: Nämlich die Strecke erstmals unter 3 Stunden und 20 Minuten zu laufen. Ganz klar: Sicher kein „Hexenwerk“, dass nur einige wenige Menschen auf dieser Welt erreichen können. Aber für eine Athletin wie „Du und ich“, die normal arbeiten geht, eine Familie hat und deren zentraler Lebensinhalt nicht der Sport sein kann, ist diese Zeitvorgabe eine echte Herausforderung, die durchaus Spuren hinterlässt. Bei Karmen Dietze begann es mit einer Erkältung, später kamen Probleme mit der Wade hinzu – der Körper sendete Warnsignale, welche die Hobby-Läuferin in der direkten Vorbereitung auf ihren Saisonhöhepunkt und das damit verbundene anspruchsvolle Ziel lange nicht erkennen wollte…

 

Für die-sportpsychologen.de berichtet:

Karmen Dietze

Die Mittdreißigerin steht mit beiden Beinen im Leben. Sie ist berufstätig, verheiratet und Mutter. Seit 2012 absolviert sie Marathonläufe und hat darin eine besondere Leidenschaft gefunden. Beim Frankfurt Marathon 2014 stand sie vor ihrer bislang schwersten Prüfung.

 

Im Sommer 2012 schlich sich der Gedanke in meinen Kopf, einmal einen Marathon zu laufen. Beschlossen und getan: Drei Monate später lief ich in Dresden nach 3 Stunden und 56 Minuten zufrieden über die Ziellinie. Dem Laufen treu bleibend, trat ich im Folgejahr in einen Laufverein ein und die Sache begann ernst zu werden. Ich nahm an Wettkämpfen teil, hatte Spaß am Läuferleben. Im Frühjahr konnte ich sowohl meine 10 km-Bestzeit stark verbessern als auch meine Bestmarke über die Halbmarathondistanz. Im April 2014 lief ich meinen zweiten Marathon. Schon damals war ich im Vorfeld nervös und angespannt, traute mir nicht zu, eine bestimmte Geschwindigkeit zu schaffen. Meine „Mit“läufer aber glaubten daran, motivierten mich und bekamen Recht: Beschwerdefrei überholte ich mich quasi selbst und war mit 3:26:44 eine halbe Stunde schneller als beim ersten Marathon. Das Lauffieber hatte mich gepackt und auch wenn ich mir sagte, dass ich für dieses Jahr zufrieden und stolz sein könne, wusste ich, dass da noch mehr gehen kann. Der Wunsch, in meiner Heimat zu starten und beim Frankfurt-Marathon richtig Gas zu geben, fixierte sich in meinem Kopf. Die 3:20 knacken zu wollen, wurde zu einer festen Idee und so stellte ich mir einen Trainingsplan zusammen und begann das erste Mal nach Vorgabe zu trainieren. Alles lief super – ich nutzte Wettkämpfe für Tempoeinheiten, war verletzungsfrei, motiviert und als dann auch meine Familie begriff, dass ich davon nicht abzubringen war, musste ich mich nicht mehr ständig rechtfertigen. Denn Nichtläufer können es bekanntlich ja nicht verstehen, warum man sonntags um fünf Uhr zu einem langen Lauf aufsteht, um zurück zu sein, wenn die Familie erwacht. Im Ergebnis konnte ich also unterstützter trainieren.

Mir war immer klar, dass eine Verbesserung um sieben Minuten nicht leicht sein wird. Aber ich wusste auch, dass ich es schaffen kann. Ich hatte immer Begleitung: sowohl bei den langen Läufen als auch bei den von mir nicht geliebten Intervallen. Und alle wussten: Die Karmen schafft das. Einige fanden, ich müsse wöchentlich mehr Kilometer machen, wieder andere meinten, das Tempo würde fehlen. Ich lies mich nicht beirren und hielt mich an den Plan – aber irgendwie blieb doch immer etwas im Kopf hängen … was, wenn ich wirklich zu wenig mache? Langt es, vier Mal wöchentlich die Schuhe zu schnüren?

Stress, Sorgen, Hektik

Ohne es wirklich zu bemerken, begann sich etwas zu verändern: Bedingt durch privaten Stress und Sorgen sowie Hektik im Arbeitsalltag, verpasste ich es, auf meinen Körper hören. Warum sollte ich auch? Er machte doch alles mit, was ich wollte! Eine Freundin begann sich zu sorgen – ich würde zu viel machen und mich zu wenig ausruhen, hätte neben der Lauferei zu viel anderes um die Ohren. Unsinn, ich bin robust, eine Powerfrau, dachte ich. Außerdem stand doch im Trainingsplan, dass heute noch ein flotter Dauerlauf dran ist, der durfte nicht fehlen. Und es waren ja nur noch drei Wochen bis zum großen Tag!

Ich bekam eine leichte Erkältung. Nicht schlimm, mein Körper kämpfe erfolgreich dagegen an, aber ich konnte einige Tage nicht laufen. Es fühlte sich an wie eine Ewigkeit. Kam es mir nur so vor oder postete auf einmal jeder auf Facebook seine Trainingseinheiten? Es muss so gewesen sein, überall wurde nur von flotten und langen Läufen erzählt, meine Beine begannen nachts zu kribbeln, ich konnte es nicht erwarten, endlich auch wieder Laufen zu gehen. Ich hatte Angst, dass mein ehrgeiziger Plan daran scheitert, auch nur einen weiteren Tag zu pausieren. Ein Testlauf (10 km in normalem Tempo) ging gut und so wollte ich am nächsten Tag wieder in den Trainingsplan einsteigen. Hektik im Büro und mehrere Diskussionen mit Vereinskameraden über meine Taktik in Frankfurt spannten mich an und leicht genervt sagte ich allen, die mit mir laufen wollten, ab. Ich musste allein sein, drehte Vivaldi auf, lief mich ein und begann mit dem für den Marathon geplanten Tempo. Was fühlte sich das gut an! Alleine durch den Frühherbst zu preschen und die Beine auszuschütteln war einfach nur herrlich. Doch halt, was war jetzt los, warum fühlt sich mein Bein so komisch an? ZACK schoss ein scharfer Schmerz durch meine Wade und zwang mich umgehend zum Halt. Dehnen, Humpeln …. Verdammt, die Schmerzen taten höllisch weh und Panik durchkroch mich. Augenblicklich schossen mir Tränen in die Augen, denn für mich war klar: alles war umsonst, aus, vorbei. Die unterschiedlichsten Gefühle rangen miteinander: Wut, Verzweiflung, auch Trauer, Erschöpfung, Unverständnis und die Erkenntnis, dass ich an meine Grenze gestoßen bin – ich hatte wochenlang hart trainiert und jetzt sollte ich mir ausgerechnet selbst einen Strich durch die Rechnung machen, indem ich ausgepowert und mit Wadenproblemen nicht starte?

Nach stundenlangem Weinen, Fluchen und Fast-Aufgabe rief ich Oliver Stoll an, von ihm erhoffte ich mir eine Lösung, am besten in Form einer Wunderheilung. Ich kannte ihn von Läufen in Leipzig und als Sportpsychologe musste er einfach eine Lösung parat haben. Eine fertige Lösung in dem Sinne hatte er nicht, er konnte mich nicht ins Ziel bringen, zeigte mir aber den Weg, den ich gehen musste. Er erklärte mir, dass mein Problem nicht in der Wade sitzt sondern im Kopf. Und wenn der nicht frei ist, nutzt auch kein Trainingsplan etwas – der Körper streikt.

Der halbe Marathon wird im Kopf gelaufen

Der halbe Marathon wird im Kopf gelaufen – also musste etwas Mentaltraining her. Positive Gedanken kommt bitte in Scharen zu mir, dachte ich. Das Prinzip war simpel: genau, wie auch ein (Bein)Muskel Entspannungsphasen braucht, schafft es auch mein Kopf nicht, im Dauerbetrieb volle Leistung zu bringen – ‚Entspannung‘ war das Zauberwort, um meinem Stress entgegenzutreten und Druck abzubauen.

Ganz so einfach war es leider nicht, man kann sich selbst leider nichts vormachen und muss sich mit den eigenen Gefühlen konfrontieren. Versagensängste, Leistungsdruck, privater Stress, körperliche Anstrengung – das alles fordert Tribut und „nur wollen“ zaubert all dies nicht einfach weg.

Aber ich kannte ja jetzt den Weg und fasste Mut. Es gelang mir nicht sofort, mich wirklich zu entspannen oder mir einzureden, dass mir die vom Körper auferlegte Zwangspause überhaupt nichts ausmache. Dass ich nicht nervös wurde, wenn ich sah, wie die anderen locker weiterlaufen.

Für mich machte es in dem Moment klick, als ich mir selbst „vergab“. Ich war meinem Körper nicht mehr böse, dass er mich zum Stillstand gebracht hatte, sondern dankbar, dass es nur Wadenkrämpfe waren und nichts Schlimmeres. Ich klinkte mich für eine Weile aus der Läuferwelt aus, verließ sämtliche Chats und konzentriere mich darauf, Stressfaktoren in meinem Leben zu minimieren. Dann kam der Zufall ins Spiel: Ich traf die Freundin eines Läufers, die mir erzählte, dass sie in Frankfurt auch laufen wolle undzwar gemütlich. Das war die Lösung: Warum nicht mit ihr langsam laufen und nach fünf Stunden ins Ziel kommen? Liebe Wade, bitte, das schaffst du doch, oder? Ich ärgerte mich nicht mehr, dass das Training umsonst war. Auf einmal freute ich mich auf Frankfurt, statt einer ehrgeizigen Zeit wollte ich jetzt Spaß haben, jeden Kilometer genießen, einen tollen Lauf erleben. Mein Kopf war frei, ich entspannt, mein hartes Training nahm ich als Lehrphase mit, es kam mir so vor, als fiele sämtlicher Druck von mir ab. Und als mein Laufpartner Thomas sagte, dass er auch gerne mitkäme (“es sei eine Herausforderung, so langsam zu laufen”) – war ich glücklich!

Ich lief einige Tage nicht, was wirklich ungewohnt war. Motorradausflüge, Radtouren, Kirmes standen auf dem Programm. Die Wade machte keinen Mucks. Schon ein paar Tage vor dem Marathon fuhr ich mit Mann und Kindern zu meiner Familie nach Frankfurt und lenkte mich ab. Fünf Tage vor dem Marathon testete ich zaghaft meine Beine. Wow, das lief ja gut! Zwei Tage später wieder, diesmal klappten auch die Steigerungsläufe.

Ganz ohne Druck

Es kam ein Moment, der mich früher unter Druck gesetzt hätte: Sollte ich es riskieren? Wenn alle meinen, dass meine Wadenprobleme aus dem Kopf kamen, dieser jetzt aber frei ist – könnte dann ein schneller Marathon doch klappen? Was, wenn die Wade nach ein paar Kilometern streikt? Überschätzte ich mich selbst? Ich sprach mit ein paar Freunden und kam gemeinsam mit meinem Laufpartner zu dem Entschluss, dass wir es versuchen wollten: nicht ganz so schnell wie ursprünglich geplant aber auch nicht ganz langsam. Und immer nach dem Motto: „Nehmen, wie es kommt, nicht fordern“.

Der Marathontag kam. Auf der Fahrt dorthin war ich so entspannt, dass ich mich selbst kaum wieder erkannte. Normalerweise bin ich ein hippeliger Typ, doch an dem Morgen war ich ruhig, ausgeglichen, ein leichtes Lächeln auf den Lippen. Ich freue mich einfach nur auf einen tollen Lauf.

Im Nachhinein kann ich es immer noch nicht glauben: Gemeinsam mit Thomas lief ich sehr gleichmäßig meinen dritten Marathon, da mein Kopf frei war, hatte ich darin Platz für die schönen Dinge. Ich saugte alles in mir auf, die tobende Stadt, meinen Bruder, der voller Stolz „du rockst das!“ durchs Mikrofon schrie, den Stolz im Gesicht meiner Familie, die mit Plakaten und Tröten an der Strecke standen, das Abklatschen der vielen Kinderhände am Rand, die armen Läufer, die mit Krämpfen pausieren mussten. Heimlich führte ich mit meiner Wade Gespräche und bedankte mich, dass sie mich die ganze Strecke nicht im Stich gelassen hat.

Schmerzfrei, fast bis zum Ende locker und einfach nur zufrieden kam sie dann – die 3:19:21!

 

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Prof. Dr. Oliver Stoll: Fernab der roten Couch

Allen voran im Boulevard-Journalismus wird Immer noch gern die „rote Couch” durch die sprachlichen Bilder getragen, wenn es sportlich bei einem Athleten oder einem Team mal nicht läuft. Mit der realen Arbeitswelt eines Sportpsychologen hat das so ziemlich gar nichts zu tun. Stattdessen findet Sportpsychologie dort statt, wo etwas passiert.   

Zum Thema: Wie sieht der Arbeitsalltag eines in der Praxis arbeitenden Sportpsychologen aus?

Ich werde oft gefragt, wie denn so ein Arbeitsalltag eines Sportpsychologen aussieht. Das ist eine nicht einfach zu beantwortende Frage, denn so ein Sportpsychologen-Alltag ist sehr vielfältig. Es kommt vor allen Dingen an, in welchem Zusammenhang ich arbeite. Wenn ich für und mit einem einzelnen Athleten arbeite, dann ist das Aufgabenfeld sehr viel „übersichtlicher“, als wenn ich mit und für eine Mannschaft arbeite. In diesem Fall kann es mitunter auch mal sehr „stressig“ für den Sportpsychologen werden.

Ein Großteil in der Arbeit mit Teams findet vor Ort, also in der Trainingshalle oder am Wettkampfort statt. Hier steht Trainings- und Wettkampfbeobachtung im Zentrum des Interesses. Aus den Verhaltensbeobachtungen lassen mitunter Rückschlüsse auf sportpsychologische Trainingserfolge oder –mißerfolge ziehen. Darüber hinaus ist man als Sportpsychologe mit einer eigenen Sichtweise im Bild, wenn es um die Spielanalyse geht.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das wöchentliche Screening von zum Beispiel Erholungs- und Belastungszuständen der Spieler. Die reine Datenerhebung erfolgt dann zumeist online. Die Auswertung und Interpretation dieser Daten ist dann allerdings immer noch echte „Facharbeit“.  Diese Daten müssen dann so aufbereitet werden, dass sowohl der einzelne Athlet als auch das betreuende Umfeld wertvolle Informationen entweder zur Selbststeuerung oder aber auch zur weiteren Trainingsplanung nutzen kann.

Beliebte Themen: Emotionskontrolle, Stress, Mannschaftsführung, Körpersprache  

Eine dritte Säule besteht aus Einzelgesprächen mit Spielern oder Trainern, sofern gewünscht. Häufige Themen bei Spielern sind Emotionskontrolle während des Spiels oder Selbstmanagement im oftmals stark überfrachteten  Alltag („Duale Karriere“) sowie Umgang mit Sportverletzungen. Trainer erwarten häufig Beratung in Sachen Kommunikation sowie Trainer-Athlet-Interaktion.  Einiges an Zeit wird auch in Teamsitzungen (der Mannschaftsführung) oder aber auch Mannschaftssitzungen (Spielvor- und nachbereitungen) investiert. Die Aufgabe des Sportpsychologen hier ist es hier, immer bezogen auf seinen aktuellen Gegenstand (Gruppenzusammenhalt, Körpersprache, Kommunikation und Interaktion), seine Expertise einzubringen. Selbstverständlich sollte ein Sportpsychologe auch in „Krisensituationen“ schnell greifbar sein. Dies kommt jedoch, meiner Erfahrung nach, relativ selten vor. Nur ein ganz kleiner Teil der Aufgaben hat mit nicht sportspezifischen Themen zu tun. Manchmal möchte ein Athlet auch einfach nur „reden“, seine Sorgen loswerden  möchte und niemand anderen damit belasten. Auch dies, kommt meiner Erfahrung nach – jedoch eher selten vor.

Auf alle Fälle sollte man sich von der Vorstellung verabschieden, dass ein Sportpsychologe eine eigene Praxis hat, in die die Athleten kommen um „behandelt zu werden“. Auch gibt es keine Couch, auf der ein Athlet von seinen Träumen berichtet oder „frei assoziiert“. Sportpsychologische Betreuungsarbeit findet im Wesentlichen dort statt, wo sich die Athleten viel aufhalten – an und auf bzw. in den Spielfeldern und Sporthallen dieser Welt.

 

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Katharina Petereit: Herausforderung Karate

Vom 17.10. bis zum 19.10. fand die JKA-Karate WM in Tokio statt. Der MDR zeigte am 16.10. einen Beitrag über Leonie Diffené bei ihrer unmittelbaren Wettkampfvorbereitung. Die Magdeburgerin startete mit gerade einmal 17 Jahren zum ersten Mal bei einer Weltmeisterschaft – doch Angst davor hatte sie keine. Physisch waren alle Athleten optimal vorbereitet, doch das psychische Anforderungsprofil im Karate ist enorm hoch. 

Zum Thema: Welche psychischen Anforderungen werden in der Kampfkunst Karate abverlangt?

Die Karate-WM ist nun vorbei, die Athleten haben sich auf den Rückweg gemacht und in den sozialen Netzwerken werden bereits einige Kämpfe ausgewertet bzw. analysiert. Die Japaner dominierten zwar die einzelnen Disziplinen, doch die deutschen Karateka konnten sich trotzdem einige vordere Plätze sichern. Die Meinungen der Zuschauer, der Daheimgebliebenen und auch anderer Karateka zu den hochgeladenen Wettkampf-Videos gehen zum Teil auseinander, jedoch werden immer wieder einige (psychische) Aspekte angesprochen, die sich in jedem Fall auf das Kampfverhalten und die Leistung auswirken können.

Psychische Anforderungen

Trotz dessen, dass sich ein Athlet physisch optimal auf den bevorstehenden Wettkampf vorbereitet hat, kann es zu Selbstzweifeln kommen. Diese entstehen vor allem durch die Anhäufung von Fragen wie „Werde ich wirklich all meine Fähigkeiten und Kraft zeigen können?“, „Bin ich ausreichend vorbereitet?“ oder „Kann ich meinen Gegner besiegen?“. Eine Disziplin im Karate-Wettkampf stellt das Jiyu-Kumite dar, welches absoluter Freikampf bedeutet – es sind keine Angriffs- und Abwehrtechniken festgelegt. Diese Disziplin erfordert besonders hohe psychische Stabilität. Der Kampfstil unterscheidet sich von Gegner zu Gegner, von Nation zu Nation. Ein Karateka muss sich innerhalb weniger Sekunden dem jeweiligen Kampfstil anpassen und schnell umdenken können. In den sozialen Netzwerken wird gerade sogar darüber diskutiert, ob aktuell bei der WM verschiedene Karate-Stile von zwei Verbänden aufeinander trafen. Ein Karateka muss also in der Lage sein, mit Gegnern unterschiedlichen Körperbaus, Kampfstils und Verhaltens umzugehen.

Ein weiterer Aspekt ist die häufig diskutierte Startposition. In einem Wettkampf der Disziplin Kata (Kampf gegen imaginären Gegner) ist dieses Problem häufig zu erkennen. Hier kann das Beispiel des deutschen Kata-Teams der Herren genannt werden. Die drei Athleten standen im WM-Finale, bei welchem sie als zweites Team starten mussten und am Ende den fünften Platz erreichten. Hier kann sowohl der Faktor Nervosität als auch der bis dahin nicht vorhandene Vergleich mit den anderen Teams in Betracht gezogen werden. Die Kampfrichter haben bis dahin lediglich ein weiteres Team gesehen, so dass sie noch nicht beurteilen konnten, ob noch ein besseres folgen wird. Der Aspekt der Subjektivität kann an dieser Stelle mit einbezogen werden – Karate ist nun mal keine Sportart, in der Weiten, Zeiten oder Tore zählen. Hinsichtlich Kampfrichterentscheidungen ist vor allem die Ursachenzuschreibung des Athleten nach dem Wettkampf wichtig.

Wie in einigen Videos zu sehen, rückt auch die dominante, vielleicht sogar manchmal überhebliche Körpersprache einiger Athleten in den Vordergrund. Im Karate fällt bestimmtes Verhalten auf der Kampffläche, wie sich vom Gegner wegdrehen oder nachsetzen nach Abpfiff, schnell auf. Zuschauer ordnen dieses Verhalten häufig als respektlos ein, doch ein Athlet, der sich so verhält, kann damit seinen Gegner extrem beeinflussen und ihn durch seine Körpersprache beeindrucken. Häufig entsteht beim Gegner sogar Angst, welche seine Leistung auffallend mindert.

Angst vor Gegnern, Fehlern und Niederlage

Angst ist mehr als nur Aufregung, Nervosität oder Anspannung. Angst wird begleitet von negativen, dysfunktionalen Gedanken, welche die Situation als Bedrohung einordnen. Auch wenn ein Athlet optimistisch in einen Wettkampf geht, kann er nach Bekanntgabe des Gegners ängstlich reagieren, weil er diesen als besser vorbereitet, stärker oder sogar als bedrohlich einschätzt. Der Stresshormonspiegel steigt an und kann sowohl psychische als auch physische Symptome auslösen, wie z.B. Übelkeit oder Furcht vor Misserfolg. Wenn ein Athlet seinen Gegner als sehr stark einschätzt, kann die Angst vor Fehlern steigen, welches den Druck und die Angst vor einer Niederlage wiederum erhöht. Häufig werden Karateka in ihren Techniken und Angriffen vorsichtiger, um Fehler oder sogar Verwarnungen zu vermeiden und können ihre Fähigkeiten nicht abrufen.

Insgesamt ist Karate eine Sportart mit sehr hohen, häufig unbeeinflussbaren psychischen Anforderungen, welche ein Karateka neben dem physischen Training ebenfalls berücksichtigen sollte. Bei der Nachbereitung sollten die aufgeführten Aspekte ebenfalls besprochen und in die Ursachenklärung miteinbezogen werden, so dass die Athleten ihre Fähigkeiten einordnen und den Wettkampf besser reflektieren können.

Weiterführende Literatur:

Boostani, H. B., Boostani, M. A. & Rezaei, A. M. (2013). Sport Psychology in Professional Karate Athletes: give psychological guidelines in order to improve their act in the competitions. Annals of Biological Research, 4 (1), 48-52.

Bouslimi, H. (2007). Das Ausscheidungsverhalten der Katecholamine unter Belastungsbedingungen der Sportart Karate: Eine Feldstudie an Wettkampfsportlern und Breitensportlern mit unterschiedlichen Zielsetzungen. Dissertation, Universität Bielefeld.

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Elvina Abdullaeva: Motivation für die Besten

Leistungssport ist Arbeit. Genau, wie im Büro. Wohl das einzige, was einen Profisportler vom Büroarbeiter unterscheidet, ist die Tatsache, dass im Sport eine ständige emotionale Inspiration und Motivation benötigt wird, um Top-Leistungen abrufen zu können. Woher kann man ständig neue Energie und Inspiration schöpfen, wenn hinter einem schon eine langjährige Laufbahn liegt und alles zur Routine geworden ist, aber das Karriereende immer noch ein Stück entfernt ist? Altstars wie Michael Phelps oder Ole Einar Bjørndalen geben gute Antworten. 

Zum Thema: Wie können gerade erfahrene Sportler motiviert werden, immer wieder alles für den Erfolg zu tun?

Es gibt mehrere Faktoren, die für Leistungssportler erforderliche Hilfen sind, um die benötigte Motivation aufrecht zu halten, beispielweise Abwechslung von Trainingsinhalten, regelmäßige Erholung vom Sport (Umschalten auf andere Hobbys). Das Wichtigste ist: Ohne neue Ziele gibt es keine Weiterentwicklung. Doch es wird immer schwieriger, neue Ziele zu setzten, wenn der Sportler nach und nach viel erreicht hat. Ein erfolgreicher Profisportler soll aber immer im Kopf einen Hauptgedanke haben: „Die Perfektion kennt keine Grenze“. Es gibt immer Potenzial, zu dem man streben kann. Haben Sie alle Titel gewonnen? Es gibt die Möglichkeit mehrfacher Meister zu werden. Es sind immer die eigenen Rekorde, die man schlagen kann, oder die Rekorde, die schon lange von niemandem geschlagen worden sind. Schauen Sie hinter den Horizont. Welches neue herausfordernde Ziel können Sie sich setzen? Klingt leicht, aber es kann einem erfahrenen Leistungssportler schwer fallen, die Inspiration für neue Ziele zu finden. Dafür ist es hilfreich zu schauen, was den Besten dabei hilft. Wo bekommen Sportlegenden ihre Motivation her?

Menschen motivieren Menschen

Die soziale Umwelt des Menschen hat einen großen Einfluss darauf, wie man von Grund auf eingestellt ist. Das Wissen um diese Tatsache fordert den Sportler, sich mit den richtigen Leuten zu umgeben. Was bedeutet in diesem Fall „richtig“? Das sind die Leute, die jemanden auf unterschiedliche Art und Weise fördern, um sich selbst ständig zu entwickeln. Diese könnte man sportlich in zwei Gruppen teilen „Gegner“ und „Mitspieler“. Viele Sportlegenden bestätigen das.

Erst einmal zu den „Gegnern“. Die Besten im Sport sind die Ambitioniertesten. Verlieren gehört für sie nicht dazu. Sie lieben Konkurrenzkampf. Doch die jungen Talente oder erfahrene Gegner werden immer eifrig versuchen, ihnen die Siegeslorbeeren wegzunehmen. Darin steckt eine enorme Motivationsquelle für die Profisportler. So geht es auch dem 18-maligen Olympiasieger Michael Phelps, der nach einer langen Pause zum Schwimmen zurückkehrte. Bei den amerikanischen Meisterschaften im August war es für ihn ziemlich frustrierend, von seinen Konkurrenten Tom Shield und Ryan Lochte geschlagen zu werden und sich in der Platzierung „nur“ als Siebter und Sechster zu sehen. Phelps hasst es, zu verlieren, deswegen motivieren ihn solche Niederlagen mehr als alles andere. Auch Ole Einar Bjørndalen, der König des Biathlon und der erfolgreichste Sportler aller Zeiten bei Olympischen Winterspielen, berichtete in einem Interview, dass das ständige konkurrieren und gewinnen eines der wesentlichen Aspekte ist, aus denen er Motivation schöpft.

Die „Mitspieler“ sind in erster Linie Menschen, für die der- oder diejenige kein Star ist, sondern jemand, der seinen Job sehr gut macht. Solche Leute helfen dem Sportler, auf dem Boden zu bleiben, eine Karriereentwicklung nüchterner zu betrachten und dadurch sich ständig neue Ziele zu setzen. Für Michael Phelps ist sein langjähriger Trainer Bob Bowman ein solcher Mensch. Manchmal wendet Bowman eine List an und motiviert Phelps durch eine anspornende Wette, um auf einen neuen Rekord hinzuarbeiten.

Außerdem sind „Mitspieler“ Vorbilder für den Sportler – Menschen, die inspirieren. Solche Leute können auch aus ganz anderen Bereichen kommen. Erkennen sind diese Menschen an ihrer Treue zur eigenen Arbeit. Sie sind begeisterungsfähig  und spornen sich zu neuen, eigenen Leistungen an. Positiver Einfluss durch den Kontakt mit solchen Leuten kann durch den Chamäleon-Effekt (Myers, 2008) erklärt werden. Dieser besagt, dass wir Menschen aus unserer Umgebung unbewusst nachmachen. Gut daran ist, dass es ein wechselseitiger Prozess ist. So erzählt Ole Einar Bjørndalen über einen Freund, der in einer ganz anderen Branche tätig ist und der von ihm lernt, immer wieder alle neuen Ideen und neue Motivation in der eigenen Arbeit zu finden.

Menschen motivieren Menschen, auch die Meister kennen das. Deshalb wäre es für erfahrene Sportler wichtig, die in einem motivationalen Loch geraten sind, dieser Meinung Gehör zu geben:

– Schauen Sie gezielt, wer ihre „Gegner“ sind? Welche Ziele haben die? Können Sie durch eigene Leistung diese Ziele übertreffen?
– Wer sind ihre „Mitspieler“, die Vorbilder, die Sie inspirieren? Pflegen Sie Kontakte mit diesen Menschen. Auch wenn es nur virtuell sein kann. Beispielweise durch das Lesen der Biographien dieser Personen.
– Und die Hauptsache ist: Denken Sie daran, dass alles, was Sie erreicht haben, kein Limit ist, sondern eine gute Basis für neue Ziele.

Quellen:

Kalwa, J. (11.08.2014). Michael Phelps. Der Kick fürs Leben. Frankfurter Allgemeine:
http://www.faz.net/aktuell/sport/mehr-sport/schwimmen-der-kick-fuers-leben-von-michael-phelps-13090788.html

Myers, D.-G. (2008). Psychologie. Aufl.(2). Heidelberg: Springer

Wajcehovskaja E. (27.12.2008) Ole Einar Bjørndalen: „Ich will in Sotschi auftreten. Es soll interessant sein“. Sport-Express: http://winter.sport-express.ru/biathlon/reviews/446/

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Ina Blazek: Keine Lust mehr auf Erfolg?

Sven Hannawald ist sportartenübergreifend immer noch einer der prominentesten Profis, der unter der Belastung einknickte. Der Skisprung-Olympiasieger und einer der deutschen Sportsternchen der Jahrtausendwende konnte 2004 schlicht nicht mehr und beendete mit nur 30 Jahren seine erfolgreiche Karriere. Nach einer professionellen Behandlung kehrte Hannawald unter anderem auch als Sportler zurück: Er fährt seit 2005 regelmäßig Autorennen und spielt sogar im Ligabetrieb seines Heimatvereins Fußball.

Zum Thema: Die Bedeutung von Ausgleichssportarten

In jeder Sportart, wo Bestleistungen und Erfolge das Trainingsziel sind, ist es wichtig auch einen Ausgleich zu schaffen. Damit sind zum einen regenerative Phasen (Belastungspausen, um einseitige Körperbeanspruchungen zu vermeiden) und zum anderen das Sporttreiben als psychische und physische Ausgleichsmöglichkeit zur jeweils betriebenen Sportart gemeint.

Aus sportpsychologischer Sicht möchte ich vor allem auf den zweiten Punkt näher eingehen. Im Leistungssport steht oft nicht mehr die Gesunderhaltung des Körpers als Motiv zum Sporttreiben im Vordergrund, sondern notwendigerweise die Lust am Erfolg. Daher kann es passieren, dass zu wenig Pausen eine physische und auch psychische Ermüdung bedingen. Um dem zu begegnen oder auch vorzubeugen, empfehlen Experten Ausgleichssporten wie Schwimmen, Laufen, Aerobic und viele andere – Hauptsache der Ausgleichssport ähnelt nicht der betriebenen Sportart! So wird u.a. muskulären Dysbalancen vorgebeugt und der stimmungshebende Effekt ist ebenfalls für die Motivation im Trainingsalltag von großer Bedeutung. Das kann z.B. auch einen vorzeitigen Drop Out (Karrierebeendigung) verhindern.

Die Suche nach dem „Hier und Jetzt“

Da Zustandsregulation für Leistungssportler als wichtiger Baustein für den sportlichen Erfolg gilt, sind vor allem auch Sportarten, bei denen die Atmung bewusst einbezogen wird, empfehlenswert. Denn Atemregulation ist eines der Verfahren, die zur Zustandsregulation in Vorstartphasen genutzt werden können. Sportarten, die auch dem mentalen Ausgleich dienen, vereinen also beim Training Körper, Geist und Seele. So können z.B. beim Yoga und Pilates nicht nur die Körperwahrnehmung, Haltungsfehler und die Körperhaltung korrigiert und verbessert werden, sondern das   Konzentrations-, Koordinations- und Entspannungsvermögen werden ebenfalls gestärkt! Es gilt als bewiesen, dass durch regelmäßige Anwendung der verschiedenen Übungen seelische und körperliche Verspannungen gelöst werden können. Egal welchen Ausgleich Sie sich suchen, Sie sollten dafür sorgen, im „Hier und Jetzt“ sein zu können und auch für Kinder und Jugendliche im Leistungssport sind „Sportstunden“, in denen es nicht primär auf die Leistung ankommt in jedem Fall zu empfehlen. Denn aus der Achtsamkeitsforschung wissen wir heute, dass die Fähigkeit, sich auf den Moment zu konzentrieren und alles andere auszublenden, Stress reduzieren und das eigene Wohlbefinden steigern kann.

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