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Philippe Müller: Weniger ist manchmal mehr

Geht es um viel, neigt man dazu, alles perfekt machen zu wollen. Manchmal zu perfekt. Aber warum nicht für einmal “Nichts” machen? Oder zumindest, das Ganze auf das Minimum beschränken.

Es braucht keiner psychologischen Ausbildung um zu erahnen, dass der Druck auf das Team von Bruno Labbadia enorm ist. Zumal es um den Verbleib in der höchsten Spielklasse geht. Nun stellt sich die Frage: Wie aufnahmefähig ist man in dieser Situation? Wie viel Neues kann überhaupt noch aufgenommen werden? Und noch viel wichtiger: Wie viel kann davon auf dem Spielfeld, unter der ganzen Anspannung, noch abgerufen werden?

In bestimmten Spielsituationen die beste Lösung zu finden und auszuführen hängt zu großen Teilen von unserem Denkvermögen ab. Durch die Komplexität und die Geschwindigkeit des Spiels, ist diese bereits beeinträchtigt. Kommt zudem noch der ganze Druck von außen hinzu, dazu zählt der Druck von Fans, Vereinsfunktionären und Medien sowie die eigenen Erwartungen, stoßen die Betroffenen an die Grenzen ihrer Möglichkeiten. Das “Versagen unter Druck” kann die Folge sein.

Ein adäquates Mittel um dagegen vorzubeugen ist, den Informationsgehalt auf das Wichtigste zu beschränken. Unter den gegebenen Umständen empfehle ich für die Vorbereitung des Spiels, möglichst wenig zu machen. Selbstverständlich ist ein defensives Spielkonzept sowie die Formulierung einiger individueller Anweisungen unerlässlich. Dennoch sollte auf ausführliche und komplexe Anweisungen verzichtet werden.

Stattdessen soll auf die Stärken jedes einzelnen fokussiert werden. Ohne Zweifel kann jeder Einzelne im Kader des HSV Fußball spielen (auch wenn dies in den letzten Monaten nicht immer zum Vorschein kam). Auch hat jeder bereits gute Leistungen erbracht. Die Erfahrungen, auf eine Situation richtig zu reagieren, haben somit alle. Das Ziel der Vorbereitung sollte somit sein, diese positiven Erfahrungen zu aktivieren und präsent zu machen. Da unter großem Stress auf bereits gezeigte und im Gedächtnis verankerte Handlungsweisen zurückgegriffen wird, erhöht dies die Möglichkeit, dass ein jeder Spieler auch im heutigen Spiel die optimale Lösung findet.

Zusammenfassend kann in diesem Falle gesagt werden: “Weniger ist manchmal mehr”.

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Prof. Dr. Oliver Stoll: Egal, was auf dem Spiel steht

Versagen unter Druck, wie dies ja bei dem kommenden Relegationsspiel des HSV durchaus der Fall sein kann, hat seine Ursache zumeist in einem „Missverhältnis“ zwischen der Einschätzung dessen, was auf dem Spiel steht (was häufig als Bedrohung bewertet wird) und der Einschätzung der eigenen Fähigkeiten. Trifft dies zu, sprechen wir von einem „Stresszustand“ mit all den bekannten und wenig erwünschten, weil nicht gerade leistungsförderlichen Konsequenzen: Zu hohe Aktivierung, die Gedanken kreisen um diese ungewöhnliche, körperliche Anspannung und um den stressauslösenden Stimulus (in unserem Fall den möglichen Abstieg).

Warum also nicht das Problem an der Wurzel anpacken? Gelingt es uns, die Einschätzung der eigenen Fähigkeiten zu verbessern, dann sinkt gleichzeitig die Bedrohungswahrnehmung und die oben genannten Konsequenzen des Stresszustandes verschwinden wieder. Die Wahrscheinlichkeit, dass nun auch die Trainingsleistungen abgerufen werden können, steigt.

Was heißt das nun für die Spieler des HSV ganz konkret? Ich würde für jeden Spieler die besten vier bis fünf Spiel- oder Torszenen als persönliches Video zusammenschneiden. Damit wird der Einzelne immer wieder daran erinnert, was er kann, was er schon geleistet hat und was er prinzipiell zu leisten in der Lage ist. Als Trainer würde ich in der vorbereitenden Videoanalyse des Gegners speziell auf die Schwächen des Gegners eingehen. Somit habe ich, was die subjektive Bewertung betrifft, den doppelten Effekt. Die persönlichen „Stärke-Videos“ helfen die eigenen Fähigkeiten besser einzuschätzen. Die Analyse der Schwächen des Gegners hilft, die Bedrohlichkeit aus der Situation herauszunehmen. Gleichzeitig ist es immer ratsam, dass eigene soziale Unterstützersystem zu aktivieren (siehe hierzu auch den Beitrag von Elvina). Wir wissen nur allzu gut um die stresspuffernde Funktion von sozialer Unterstützung.

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Prof. Dr. Oliver Stoll: Gute Selbstgespräche

Man spricht mit sich selbst? Das klingt ja fast pathologisch! Das könnte man tatsächlich denken. Sofort könnte da ein Bild eines älteren, ungepflegt aussehenden Menschen vor dem inneren Auge auftauchen, der an einer Bushaltestelle steht und ständig mehr oder weniger laut mit sich selbst redet. In der Tat gibt es psychische Erkrankungen, die dadurch auffallen, dass man genau diese Symptomatik beobachten kann. Aber genau das meine ich jetzt nicht; vielmehr die Art von Selbstgespräche, die auch im Sport allgegenwärtig sind.

Zum Thema: Stabile Handlungsführung durch Selbstinstruktionen

Wir führen eigentlich ständig „Selbstgespräche“. Denn wenn wir durch die Welt gehen, dann nehmen wir zunächst unsere Umwelt wahr (Informationsaufnahme) und wir verarbeiten diese Wahrnehmungen (Informationsverarbeitungen), im Wesentlichen, um unsere nächste Handlung vorzubereiten. Wenn wir dann handeln – im optimalsten Fall zumindest – begleiten wir diese Handlung, manchmal mehr, manchmal weniger bewusst, mit „Selbstinstruktionen“ oder „Selbstgesprächen“. Wenn wir eine Handlung abgeschlossen haben, dann werten wir das Ergebnis der Handlung eben auch aus – über Selbstgespräche. Diese „Selbstgespräche“ sind eigentlich nichts anderes als unsere Gedanken und dieser Prozess der Vorbereitung, Begleitung und Auswertung einer Handlung läuft zumeist mehr oder weniger unbewusst – oder besser gesagt automatisiert ab. Häufig kümmern wir uns gar nicht bewusst, um genau diese Prozesse, da dies ja auch Aufmerksamkeit und Konzentration „kostet“. Und eigentlich ist das ja auch eine sehr ökonomische Form des Handelns und der Steuerung von Handlungen, die wir uns auch hart erarbeitet haben (in den sehr frühen Jahren unseres Lebens). Wenn dann alles klappt, was wir so vorhaben, dann ist auch alles gut. Problematisch wird es erst, wenn unsere Gedanken – also unsere Selbstgespräche – uns bei der Handlungsausführung (aus welchem Grund auch immer), nicht mehr helfen, sondern eher stören.

So etwas geschieht insbesondere dann, wenn wir in „Drucksituationen“ oder Krisensituationen geraten. Vor lauter Hilflosigkeit und Bedrohungswahrnehmung in einer solchen Situation neigen unsere Gedanken (also unsere Selbstgespräche dazu), wenig strukturiert und steuernd, sondern eher chaotisch und wirr in unseren Köpfen herum zu kreisen. Das ist dann mitunter wenig hilfreich, um eine nächste Handlung vorzubereiten (und zu begleiten). So geschehen, bei ca. KM 68,5 bei meinen 100 Kilometerlauf in Biel (Zum E-Book: Einmal war ich in Biel). Ich lief gegen eine Wand von Schmerzen und erlebte einen mehr oder weniger starken „Ganz-Körperkrampf“. Eine Situation, die mein Weiterlaufen unmöglich machte und einem möglichen „Ausstieg“ aus dem Rennen zur Folge haben hätte können, wenn ich in dieser Situation nicht besonderen Wert darauf gelegt hätte, meine Gedanken bewusst zu steuern. In einer solchen Situation, darf man sich nicht von seinen Gedanken steuern lassen, sondern man muss selbst das Heft in die Hand nehmen und die Gedanken steuern. Denn wir wissen ja, dass diese Gedanken (Selbstinstruktionen) unsere nächste Handlung vorbereiten und begleiten. In diesem Fall, habe ich mir zunächst beruhigend zugeredet, habe mich erst einmal hingesetzt und dann bewusst (also mir selbst befehlend) eine Entspannung eingeleitet. Ich habe mir dann in einer kleinen Diskussion mit mir selbst klar gemacht, dass ich diese Situation der Schmerzen, so wie sie ist, akzeptieren muss, weil dies eben zu einem 100 Kilometer-Lauf dazu gehört. Je mehr ich diesen Zustand akzeptierte, desto gelassener wurde ich. „Mach den Schmerz zu deinem Freund“, war meine Selbstinstruktion – mein Gedanke in dieser Situation. Diesen habe ich wiederholend verinnerlicht, was dazu führte, dass ich die ganze Situation plötzlich wieder in einem weniger bedrohlichen Licht gesehen habe. Ich bekam somit zunehmend Kontrolle über die Situation zurück und konnte weiter laufen. Ganz ähnlich ging es mir auf den letzten zehn Kilometern des gleichen Rennens. Ich war körperlich so erschöpft, dass ich eine prinzipiell automatisierte und ökonomische Bewegung wie „Laufen“ nur unter großem – auch mentalen – Aufwand umsetzen konnte. Das ging nur noch, weil ich meine Laufbewegung sehr bewusst gesteuert habe. Wie viel länger ich dies hätte noch tun können, weiß ich nicht, aber ich wusste ja, dass nach 100 Kilometern Schluss ist. Es waren ja „nur noch“ fünf oder sechs Kilometer. Ich habe mich dann damit abgelenkt, umzurechnen. Also wie viele Stadionrunden sind fünf Kilometer? Und das habe ich mir dann bildlich vorgestellt. Das wiederum führte ebenfalls wieder dazu, dass ich dann diese, eigentlich für mich sehr kritische Situation, in einem weniger bedrohlichen Licht gesehen habe.

All das wäre nicht möglich, wenn wir nicht in der Lage wären, „mit uns selbst zu reden“, unsere Gedanken zu analysieren und im Bedarfsfalle steuernd diese „in die richtigen Bahnen zu lenken“.  Aus diesem Grund sind unsere Selbstgespräche, vor allen Dingen in kritischen Situationen so bedeutsam. Die richtigen Selbstinstruktionen machen ihn manchmal aus – den Unterschied zwischen „Aussteigen“ oder „Ankommen“.

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Thorsten Loch: Abstiegskampf – Wie Angst Leistung beeinträchtigt

Am kommenden Samstag endet die Bundesligasaison. Im Fokus steht dabei allen voran der Abstiegskampf – noch nie waren so viele Vereine wie in diesem Jahr vor dem letzten Spieltag akut abstiegsbedroht. Zwischen Platz 13 und 18 ist nahezu alles noch möglich. Die betroffenen Spieler der Vereine aus dem unteren Tabellendrittel stehen vor einer der größten Herausforderungen ihrer Karriere. Ebenso die Trainer, denen die Aufgabe zukommt, die unweigerliche Angst ihrer Akteure auf einleistungsförderndes Level zu bringen.

Zum Thema: Angst, Selbstkontrolle und Emotionsregulation

Den meisten Sportlern ist diese Situation bekannt: Man befindet sich mitten in einem wichtigen sportlichen Wettkampf und plötzlich überkommt einen ein Gefühl von Angst. Die einfachsten motorischen Bewegungen, welche sonst im Schlaf beherrscht werden, möchten einfach nicht mehr gelingen. Die Folge davon ist, dass man sein „peak performance“ nicht abrufen kann und versagt. Neueste Studien liefern Hinweise darauf, dass man dem negativen Einfluss von Angst im Sportkontext entgegenwirken kann, wenn man über ausreichend Selbstkontrollkraft verfügt.

Was ist Angst überhaupt?

Ärger und Angst sind zwei wichtige Basisemotionen, die im sportlichen Kontext eine große Rolle spielen. Ebenso wie beim Umgang mit Stress sollten Sportler diese Emotionen erkennen und regulieren können. Aufgrund der hohen subjektiven Wertigkeit des Wettkampfes empfinden Sportler in solchen Drucksituationen häufig Angst, welche wiederum die Aufmerksamkeitsfähigkeit der Sportler beeinträchtigen kann. So führt dieser Zustand der stark emotionaler Erregung dazu, dass eine eigentlich gut beherrschte sportliche Bewegung nicht erfolgreich ausgeführt wird. So kann Angst bzw. Stress im Wettkampf zu einer Leistungsminderung führen. Unsere Kognitionen werden blockiert, sprich die Fähigkeit sich zu konzentrieren, wichtige (kritische) Situationen im Wettkampf zu analysieren und zielgerichtet zu handeln (Alfermann/Stoll, 2005). Im Fußball und vielen weiteren Sportarten ist für ein erfolgreiches Abschneiden jedoch selektive Aufmerksamkeit erforderlich (Vickers, 1996). Das bedeutet, dass für den motorischen Ablauf irrelevante Reize (z.B. die Zuschauer oder Konsequenzen des Spielausgangs) ausgeblendet werden müssen und der Aufmerksamkeitsfokus stattdessen auf den relevanten Zielreizen liegen muss (z.B. Torerfolg, -verhinderung).

Wie Angst im Sport entsteht

Angst im Sport entsteht nach dem Stressmodell von Lazarus (mod. nach Eberspächer, 2007) aus der kognitiven Bewertung der Situation. Hierbei schätzen die Sportler den Sachverhalt, z.B. eine Wettkampfsituation zunächst als „bedrohlich“ ein. Hinzu kommt, dass die eigenen Ressourcen, die hierfür zur Verfügung stehen, als „nicht ausreichend“ angesehen werden. Das Ergebnis ist ein Absinken der Selbstwirksamkeitserwartung und damit einhergehen eine verringerte Leistung. Bandura (1977) definiert Selbstwirksamkeitserwartung als Einschätzung der eigenen Fähigkeit/Fertigkeiten, Handlungen so zu organisieren und auszuführen, dass angestrebte Ziele erreicht werden können.

Ähnlich wie beim Stress enthält Angst eine externe (äußere Bedingungen) und eine interne Komponente (Einschätzung der eigenen Bewältigungsressourcen). Da die Wettkampfsituation nur schwer zu beeinflussen ist, ist es vor allem die interne Komponente, die Trainer nutzen müssen, um ihren Sportlern bei der Angstregulation zu unterstützen. Lob und positive Ansprache fördern das (Selbst-)Vertrauen und tragen dazu bei, „bedrohliche“ Situationen zu bewältigen.

Kraftspeichermodell der Selbstkontrolle

Um zu erklären, warum Menschen ihre Aufmerksamkeit nicht einfach von bedrohlichen Reizen weg und hin zu relevanten Reizen steuern können, kann das Kraftspeichermodell der Selbstkontrolle von vor Baumeister, Vohs und Tice (2007) zu Rate gezogen werden. Selbstkontrolle wird definiert als Fähigkeit, automatische Handlungstendenzen, Emotionen oder auch Aufmerksamkeitsprozesse zu unterbinden und stattdessen alternative Prozesse einzuleiten. Dies lässt sich am folgenden Beispiel genauer erläutern: Ein Spieler erhält von seinem Trainer die Anweisung, nach Ballverlust in der Offensive nicht an dem Fehler hängen zu bleiben, sondern schnellstmöglich in ein Gegenpressing umzuschalten. Da der Spieler jedoch die Tendenz dazu hat, stehen zu bleiben, muss dieser Selbstkontrolle aufbringen, um sich an die Vorgaben des Trainers zu halten. Die Praxis zeigt, dass die Sportler häufig die Vorgaben nicht umsetzen können (oder wollen). In diesem Fall scheitert die Selbstkontrolle. Das liegt laut Baumeister et al. unter anderem daran, dass sämtliche Selbstkontrollhandlungen auf einer begrenzten Ressource basieren – einem metaphorischen Kraftspeicher. Der Kraftspeicher liefert sozusagen den Treibstoff für Selbstkontrollhandlungen jeglicher  Art. Jedoch kann sich die Kapazität des Kraftspeichers vorübergehend erschöpfen. Nach vorangegangenen Selbstkontrollhandlungen ist unter Umständen vorerst nicht mehr ausreichend Kapazität für weitere Selbstkontrollhandlungen im Kraftspeicher verfügbar, was in der Folge zu schlechterer Selbstkontrollleistung führt. Diesen Zustand der Erschöpfung des Kraftspeichers bezeichnet man auch als Ego Depletion.

Selektive Aufmerksamkeit  

Ebenfalls vom Kraftspeicher abhängig ist die selektive Aufmerksamkeit, da man für sie Selbstkontrolle ausüben muss: Man muss dem Impuls entgegensteuern, ablenkenden irrelevanten Reizen Beachtung zu schenken. Oaten und Cheng (2006) konnten dies in ihrer Studie verdeutlichen: Die Teilnehmenden sollten drei zuvor festgelegte Quadrate aus einer Gruppe identischer Quadrate, die sich in zufälligen Mustern auf dem Computerbildschirm bewegten, mit den Augen nachverfolgen und am Ende jedes Durchgangs mit der Maus anklicken. Gleichzeitig lief ein Eddy Murphy-Video als Ablenkung. Wie erwartet konnten die Teilnehmenden die drei Quadrate seltener wiederfinden, wenn ihr Kraftspeicher zuvor durch eine Selbstkontrollaufgabe, die mit der Aufmerksamkeitsaufgabe nichts zu tun hatte, erschöpft worden war. Im Zustand von Ego Depletion konnten sie ihre Aufmerksamkeit vermutlich weniger erfolgreich von dem Video fernhalten und wurden deshalb bei der Aufgabenbearbeitung beeinträchtigt.

Fazit

Stress, Ärger, Angst – die Palette der Emotionen, mit denen Sportler in Wettkampfsituationen zu kämpfen haben, ist breit gefächert und kann damit die Leistungsfähigkeit spürbar beeinträchtigen. Die Trainer der abstiegsbedrohten Vereine sind gut darin beraten, bei der Regulation negativer Emotionen zu helfen. Dazu gehört, die optimale Spannung zu finden, Stress abzubauen und Angst oder Ärger in die richtigen Bahnen zu lenken. Stress und Angst erhöhen die Leistung, wobei ein zu hohes oder zu niedriges Level zu Leistungseinbußen führen kann. Wir dürfen gespannt sein, welcher Trainer die richtigen Worte findet, um seinen Spielern das nötige Selbstvertrauen zu geben, um den bitteren Gang in das Unterhaus doch noch abwenden zu können.

 

Literatur:

Alfermann, D./Stoll, O. (2005).

Baumeister, R. F., Vohs, K. D. & Tice, D. M. (2007). The strength model of self-control. Current Directions in Psychological Science, 16, 351-355.

Bandura, A. (1977). Self-efficacy: Toward a unifying theory of behavioral change. Psychological Review, 84, 191-215.

Eberspächer, H. (2007). Mentales Training. Das Handbuch für Trainer und Sportler. München: Copress.

Oaten, M./Cheng, K. (2006). Improved self-control: The benefits of a regular program of academic study. Basic and Applied Social Psychology, 28, 1-16.

Vickers, J. N. (1996). Visual control when aiming at a far target. Journal of Experimental Psychology: Human Perception and Performance, 22, 342−354.

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Hallenser Sportpsychologen bei Tagung der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie

Prof. Dr. Oliver Stoll und Michele Ufer berichten im Rahmen der Arbeitstagung für Sportpsychologie in Freiburg (Breisgau) über ihre Arbeit in Theorie und Praxis. Oliver Stoll erläutert ein „Tool“, das im Rahmen von Team-Building-Prozessen zum Einsatz kommen kann. Michele Ufer präsentiert erste Ergebnisse aus seinem laufenden Forschungsprojekt zu Flow-Erfahrungen und Selbststeuerungsfähigkeiten im Ultralangstreckenlauf. Darüber hinaus informieren Jan Pithan und Ina Blazek insbesondere über Jan Pithan‘s  aktuelles Projekt im Bereich Visualisieren im Wasserspringen. Informieren Sie sich auch über das Restprogramm in Freiburg: http://www.asp2015.de

Arbeitskreis „Wahrnehmen und Entscheiden“

Do, 14.05., 17:25: Jan M. Pithan, Ina Blazek, Oliver Stoll: Der Einfluss von Visualisierung und Beobachtung im Wasserspringen auf die zentrale Alpha- Aktivität

Praxis-Workshop 4

Fr, 15.05., 9:00 – 10:20 Uhr: Oliver Stoll: Team Building in den Sportspielen – wie erhöhe ich die aufgabenbezogene Mannschaftsattraktivität? Möglichkeiten von Rollenspielen anhand eines Beispiels aus der Praxis

Arbeitskreis Belastung & Erholung im Sport

Fr. 15.05.: Michele Ufer, Oliver Stoll: Determinanten und Auswirkungen des Flow-Erlebens beim Ultramarathon-Lauf unter extremen Bedingungen

 

Weitere Informationen zur ASP-Tagung: http://www.asp2015.de

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Sebastian Reinold: Welcher Sport eignet sich für mich?

Was beim Sport für den einen ein Riesenspaß ist, ist für den anderen ein Graus. Zum Glück ist die Auswahl der möglichen Aktivitäten mittlerweile breit gefächert und es kommen immer wieder neue aufregende Trends hinzu.

Zum Thema: Sportmotivationstypen im Freizeitsport

Vor einigen Tagen war ich mit einer Gruppe im Harz unterwegs. Das Ziel bestand darin, auf den Brocken zu steigen – Natur pur, viel frische Luft, nette Leute, moderate Anstrengung. An diesem Tag waren viele Leute mit dem gleichen Ziel unterwegs, aber es standen am selben Tag auch ganz viele andere auf Fußballplätzen oder rackerten sich im Fitnessstudio ab.

Sport ist eine Aktivität, die viele unterschiedliche motivationale Anreize bietet. Sudeck, Conzelmann und Lehnert (2011) konnten für Personen im mittleren Erwachsenenalter neun unterschiedliche Sportmotivationstypen herausstellen, die die verschiedenen Anreize zusammenfassen:

Kontakfreudige(r) Sportler/-in

Diesem Typen sind vor allem Aspekte des Sporttreibens wie der Wettkampfgedanke sowie der soziale Kontakt wichtig. Der Sport wird nicht als Mittel zum Zweck z. B. zur Optimierung des Aussehens gesehen.

Bevorzugte Aktivitäten: Mannschaftssportspiele, Laufen in der Gruppe, Fitness in der Gruppe, Kampfsportarten

Figurbewusste(r) Ästhet/-in

Dieser Typ erfreut sich an der Bewegung selbst vor allem ästhetischen Bewegungen wie Tanzen. Auch sind Aspekte des Aussehens von Bedeutung.

Bevorzugte Aktivitäten: Tanzen, Ballett, Zumba, Artistik, Turnen

Aktiv-Erholer/-in

Dieser Typ möchte sich vor allem psychisch zu erholen. Dies möchte er durch Ablenkung durch den Sport erreichen. Andere Funktionen des Sports sind diesem Typen eher egal.

Bevorzugte Aktivitäten: Entspannungskurse, Meditation, Billard, Bogenschießen, Rudern, Wandern, Schwimmen

Erholungssuchende Fitnessorientierte

Dieser Typ ähnelt dem Aktiv-Erholer, unterscheidet sich aber durch den vermehrten Wunsch nach verbesserter Fitness und Gesundheit.

Bevorzugte Aktivitäten: funktioneller Kraftsport, Fitnesskurse, Nordic Walking, Wassergymnastik, Entspannungskurse, Yoga, Pilates

Sportbegeisterte

Für diesen Typen steht die Bewegung an sich im Vordergrund. Dieser Typ möchte vor allem Freude erfahren. Zwecke wie Fitness oder Aussehen betrachtet dieser Typ als nicht wichtig.

Bevorzugte Aktivitäten: alles, bitte aber immer mal was anderes

Gesundheits- und Figurorientierte

Wie der Name schon verrät ist für diesen Typen vor allem die Verbesserung der körperlichen Gesundheit wichtig. Dieser Typ verbindet das Thema Gesundheit stark mit der Gewichtsregulierung.

Bevorzugte Aktivitäten: Fitnesskurse, funktionelle Kraftsport, Nordic Walking, Wassergymnastik, Yoga, Pilates

Figurbewusste Gesellige

Das zentrale Motiv dieses Typs ist der soziale Kontakt. Figurbewusste Gesellige nutzen den Sport zur Gewichtsregulation und zur Körperformung.

Bevorzugte Aktivitäten: Mannschaftssportspiele, Golf, Klettern, Fitness in der Gruppe

Figurorientierte Stressregulier/-in

Dieser Typ betreibt Sport hauptsächlich wegen seines positiven Nutzens. Dieser Typ möchte seinen Körper formen sich aber auch durch das Sporttreiben erholen.

Bevorzugte Aktivitäten: funktioneller Kraftsport, Nordic Walking, Wassergymnastik Rudern, Schwimmen, Yoga, Fitness- und Entspannungskurse

Erholungssuchende Sportler/-in

Dieser Typ ähnelt dem kontaktfreudigen Sportler. Für ihn steht allerdings nicht der Kontakt im Vordergrund sondern die Erholung die durch den Sport erreicht werden kann.

Bevorzugte Sportarten: Entspannungskurse, Yoga, Meditation, Nordic Walking, Wassergymnastik, Rudern

Was nutzt es, den eigenen Sportmotivationstypen zu kennen?

Stellen Sie sich vor, Ihr Arzt empfiehlt Ihnen Sport zu machen. Sie gehen daraufhin Joggen, finden es total demotivierend und hören direkt wieder auf. Wenn Sie allerdings einen anderen Sport ausgeübt hätten, dann wären Sie immer noch dabei. Kennen Sie also Ihren Typen, können Sie oder eine sportkundige Person für sich einen Sport auswählen, der dauerhafter attraktiv bleibt. Mit dieser Sportaktivität werden Sie sich wesentlich wohler fühlen, als mit den Standardantworten Joggen, Fitnessstudio, Fahrradfahren oder Schwimmen.

Ihren Sportmotivationstypen können Sie mit dem Berner Motiv- und Zielinventar (Lehnert, Sudeck, Conzelmann, 2011) auch selbstständig online herausfinden: http://www.zssw.unibe.ch/befragungen/sportberatung/sporttyp.htm

Für eine persönliche Beratung, welche Sportart zu Ihnen passt, können Sie mich gerne kontaktieren.

 

Literatur:

Lehnert, K., Sudeck, G., & Conzelmann, A. (2011). BMZI – Berner Motiv- und Zielinventar im Freizeit- und Gesundheitssport. Diagnostica, 57, 146-159.

Sudeck, G., Lehnert, K., & Conzelmann, A. (2011). Motivbasierte Sporttypen. Auf dem Weg zur Personorientierung im zielgruppenspezifischen Freizeit- und Gesundheitssport. Zeitschrift für Sportpsychologie, 18, 1-17.

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Thorsten Loch: Trainer unter Druck

Emotional war die Verkündung der vorzeitigen Trennung von Jürgen Klopp und Borussia Dortmund. Noch emotionaler waren die Interviews mit Freiburgs Trainer Christian Streich nach dem 2:2 beim VfB Stuttgart. Im Anschluss an die Partie schob sich der Breisgauer sichtlich mit den Tränen kämpfend einen schwarzen Peter zu, den niemand verteilen wollte. Nehmen wir die jüngsten Trainerwechsel in Hamburg und Hannover dazu und berücksichtigen wir auch die Diskussionen um Pep Guardiola und Vereinarzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfarth beim FC Bayern München wird deutlich, dass unheimlich Bewegung in den Trainer- und Funktionsstäben der Fußball-Bundesliga ist. Zum Ende der Saison steigt der Druck im System, mit dem allen voran die Trainer umgehen müssen.

Zum Thema:  Wie verändert sich das Anforderungsprofil eines Trainers?

Der heutige Trainer im Leistungssport Fußball ist nicht mehr nur derjenige, der sich ausschließlich mit der Gestaltung der Rahmentrainingsplänen und den taktischen Formationen beschäftigt. Dass sich das Anforderungsprofil des Trainers im Leistungssport Fußball in den letzten Jahren erheblich gewandelt hat, lässt sich allein an den erweiterten Ausbildungsinhalten der Fußballlehrerausbildung des DFB ablesen. Neben Fußballlehre und Trainingswissenschaft, zählt die Sportpsychologie mittlerweile zu den drei Stammfächern (Lobinger/Mickler, 2012). Im Alltag treten Facetten der Führung eines Teams in den Vordergrund. So gilt es beispielsweise die Motivation des gesamten Teams über einen längeren Zeitraum aufrecht zu erhalten oder so genannte ¨sensiblen¨ Spieler das Vertrauen zu schenken, um deren Leistungspotenzial auch in schwierigen Zeiten stabil abrufbar zu halten. In einem Zeitungsinterview mit der FAZ im Jahr 2012, brachte es Jürgen Klopp auf den Punkt: “Ich empfinde es als meine Aufgabe, den Jungs den Raum zu geben, sich entfalten zu können, und für eine Atmosphäre zu sorgen, in der sich Leistungsbereitschaft lohnt”.

Rollen und Kompetenzen des Trainers

Brack und Hohmann (2005) formulieren unter Einbeziehung von Klöckner (2000) ein allgemeines Trainerprofil, dass die notwendigen fachlichen Kompetenzen eines erfolgreichen Trainers beschreiben. Die Autoren weisen dem Trainer drei Rollen zu, aus denen sich rollenspezifische Kompetenzen ableiten und die, zusammengenommen, die Trainerkompetenz bilden:

Trainer

In der Rolle des Trainers ist er Experte für die Planung, Durchführung, Kontrolle und Auswertung von Training und Wettkampf.

Coach

Die Rolle des Coachs definiert ihn als Experten für zwischenmenschliche Beziehungen mit dem Schwerpunkt führungspsychologischer Fähigkeiten.

Manager

Als Manager von Spitzenleistungen richtet sich sein Augenmerk auf die Gestaltung der Rahmenbedingungen bzw. des sportlichen Umfelds des Athleten oder der Mannschaft. Sowohl die Auswahl und Rekrutierung des Spielerkaders und des Trainerstabes als auch die Öffentlichkeitsarbeit.

Der Bracksche Entwurf eines Trainerprofils überzeugt durch seinen systematischen Aufbau, der die Heterogenität und Komplexität trainerbezogener Anforderungen verdeutlicht. Zudem erlaubt der Entwurf die Integration weiterer Rollen und Kompetenzen. In jüngster Vergangenheit hat Nordmann (2007) darauf aufmerksam gemacht, dass sich das Trainerprofil erneut im Wandel befindet. Er unterteilt in Rollenkonstante und Rollenerweiterung. Als wichtigste Konstante nennt Nordmann in diesem Zusammenhang die charismatische Trainerpersönlichkeit, der es gelingt “Athleten und Teams (auch die Betreuer) zu hohen und höchsten Leistungen – und dies zu bestimmten Zeitpunkten (etwas Europa- und Weltmeisterschaften, Olympischen Spiele) – zu führen (S. 19). Solch ein Trainer zeichnet sich durch ein hohes Maß an Fachwissen sowie durch methodisches und pädagogisch-psychologisches Können aus.

Mehrfachqualifikationen werden verlangt

Zusammenfassend lässt sich konstatieren, dass das Anforderungsprofil des Trainers ein dynamisches und an Komplexität gewinnendes ist. Von dem zukünftigen Trainer werden Mehrfachqualifikationen als Bewegungs- und Trainingswissenschaftler sowie als Pädagoge und Psychologe verlangt. Je nach Situation muss dieser in die unterschiedlichen Rollen schlüpfen und seine Mannschaft zu Höchstleistungen befähigen. Der Trend, in den Funktionsstäben auf Experten zu setzen, die dem Trainer vertrauensvoll zur Seite stehen, wird sich fortsetzen. Sicher auch in Bezug auf die Sportpsychologie.

 

Literatur:

Brack, R. (2002). Sportspielspezifische Trainingslehre: wissenschafts- und objekttheoretische Grundlagen am Beispiel Handball. Hamburg: Czwalina.

Brack, R./Hohmann, A. (2005). Sportspiel-Trainer und Sportspieltrainerinnen. In A. Hohmann, M. Kolb, K. Roth (Hrsg.), Handbuch Sportspiel. Schondorf: Hofmann.

Klöckner, E. (2000). Wissen-Schaffen in einer neuen Denkkultur. Wie erwerben Trainerinnen und Trainer psychologische Kompetenz? In H. Allmer, W. Hartmann & D. Kayser (Hrsg.), Sportpsychologie in Bewegung: Forschung für die Praxis. Köln: Sport und Buch Strauß.

Lobinger, B./Mickler, W. (2012). Trainerausbildung und „Coach the Coach“ im Fussball. In D. Beckmann-Waldenmayer & J. Beckmann (Hrsg.). Handbuch sportpsychologischer Praxis. Mentales Training in den olympischen Sportarten. Balingen: Spitta Verlag.

Nordmann, L. (2007). Bestandsaufnahme, Perspektiven und Erfordernisse der Trainerausbildung in Deutschland. Leistungssport, 35 (2), 44-47.

Patsanáras, N. (1994). Der Trainer als Sportberuf. Schorndorf: Hofmann.

Riedl, L./Cachay, K. (2002). Bosman-Urteil und Nachwuchsförderung. Auswirkungen der Veränderung von Ausländerklauseln und Transferregelungen auf die Sportspiele. Schorndorf: Hofmann.

Weidig, T. (2010). Trainer. Das Trainerverhalten in Spiel- und Wettkampfpausen auf dem Prüfstand. Köln: Sportverlag Strauß.

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Thorsten Loch im Hessischen Rundfunk

Das Nachrichtenradio des Hessischen Rundfunks HR-Info beschäftigte sich hintergründig mit der angekündigten Vertragsauflösung von Jürgen Klopp bei Borussia Dortmund. Hierzu wurde Thorsten Loch von die-sportpsychologen.de befragt. Mit Unterstützung des Senders können wir den gesamten 5-minütigen Beitrag online zur Verfügung stellen:

 

Copyright by hr-iNFO, http://www.hr-online.de/website/radio/hr-info/

Zum Profil von Thorsten Loch: http://www.die-sportpsychologen.de/profile/thorsten.loch/

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Katharina Petereit: Trainerverhalten im Fokus

Unzufriedenheit, Leistungsabfall oder Dropout von Sportlern sind häufig Folgen einer instabilen Trainer-Athlet-Beziehung. Trainer realisieren oftmals nicht, dass die entscheidende Arbeit auf und neben dem Platz von ihren Athleten anders eingeschätzt wird als sie es selbst wahrnehmen. Eine aktuelle wissenschaftliche Arbeit aus dem Fußballbereich zeigt nun, dass sich die Selbst- und Fremdeinschätzung des Trainerverhaltens innerhalb der untersuchten Mannschaften signifikant unterscheiden und welche praktischen Maßnahmen sich daraus ergeben können. 

Zum Thema: Fremd- und Selbsteinschätzung  des Trainerverhaltens und dessen Auswirkungen auf das Trainingsklima und die Selbstwirksamkeitserwartung von Athleten

Trainerverhalten, der Einsatz von Feedback sowie die Trainer-Athlet-Interaktion sind zwar häufig untersuchte und diskutierte Themen in der Sportpsychologie (vgl. Chelladurai, 1990; Würth & Alfermann, 2001; Pfeffer, Würth & Alfermann, 2004), doch häufig schwer greifbar.  Es werden hohe Erwartungen an einen Trainer gestellt – sowohl aus Sicht der Athleten als auch aus Sicht der Eltern. Diese sind nicht nur auf das Training und die Leistungsentwicklung bezogen, sondern ebenso auf die soziale Unterstützung seitens des Trainers. Vor allem im Nachwuchsleistungssport ist der Trainer oft ein Mutter- beziehungsweise Vaterersatz (Alfermann & Stoll, 2010). Ihm werden die Gründe für schlechte Leistungen oder negative Stimmungen der Athleten zugeschrieben. Trainer sind häufig der Anlass, dass jugendliche aber auch bereits erfolgreiche Sportler ihre Karriere beenden und aus ihrem Sport aussteigen. Durch eine stabile Beziehung zwischen Trainer und Sportler und das positive Erleben des Sports kann ein solcher Ausstieg vermieden werden.

Erfassung der Trainer-Athlet-Beziehung

Anlässlich meiner Abschlussarbeit habe ich den Versuch unternommen, genau dieses Thema aufzugreifen und die Trainer-Athlet-Beziehung am Beispiel von fünf Mannschaften aus dem Nachwuchsleistungsfußball zu erfassen. Dies geschah mithilfe von Fragebögen zum Trainerverhalten (Leadership Scale for Sports für Kinder und Jugendliche, Alfermann, Saborowski & Würth, 1997), zum Trainingsklima (Perceived Motivational Climate in Sport Questionnaire, Alfermann, Saborowski & Würth, 1997) und zur Allgemeinen Selbstwirksamkeitserwartung (SWE, Jerusalem & Schwarzer, 1999). Die Einschätzung des Trainerverhaltens und Trainingsklimas erfolgte sowohl aus der Trainer- als auch Spielerperspektive (Selbst- und Fremdeinschätzung). Die Allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung der Athleten wurde hinsichtlich des Feedbacks (soziale Überredung) von Trainern, welches einen wichtigen Bestandteil für die Entwicklung der Selbstwirksamkeit darstellt, zusätzlich erfragt.

Untersuchungsergebnisse

Im Hinblick auf die untersuchten Hypothesen, können folgende Ergebnisse zusammengefasst werden. Innerhalb jeder Mannschaft unterscheidet sich die Selbst- und Fremdeinschätzung des Trainerverhaltens signifikant. Bei zwei von drei Mannschaften schätzt der Trainer sein Verhalten positiver ein als die Spieler. In drei von fünf Mannschaften können signifikante Unterschiede zwischen der Einschätzung des Trainers und der Spieler hinsichtlich des Trainingsklimas festgestellt werden. In zwei Mannschaften konnte ein Zusammenhang zwischen dem Führungsverhalten und einem aufgabenorientierten Trainingsklima ermittelt werden. Die Abhängigkeit der Allgemeinen Selbstwirksamkeitserwartung der Athleten von der Einschätzung des Trainerverhaltens konnte nicht bestätigt werden. Lediglich die Dimension Belohnung des Leadership Scale for Sports korreliert bei einer Mannschaft mit dem Wert der Allgemeinen Selbstwirksamkeitserwartung.

Bedeutung für die Praxis

Festzuhalten ist, dass Unterschiede zwischen dem Selbst- und Fremdbild von Trainern herausgestellt werden konnten und sich die unterschiedlichen Dimensionen des Trainerverhaltens unterschiedlich auf das motivationale Klima einer Mannschaft auswirken. Für mögliche sportpsychologische Interventionen sollte jedoch auch die Richtung des Unterschieds betrachtet werden. Die häufig getroffene Aussage, dass Trainer sich ohnehin positiver einschätzen als ihre Athleten, kann mittels dieser Untersuchung nicht bestätigt werden. Ein Ansatz wäre beispielsweise, die Unterschiede einzelner Aussagen der Fragebögen genauer zu betrachten und Diskrepanzen möglicherweise durch Einzel- oder Teambesprechungen zu erfragen. Hinsichtlich der Zufriedenheit, Leistungsentwicklung, Bindung und dem Zusammenhalt der Athleten spielt die Trainer-Athlet-Beziehung eine nicht unbedeutende Rolle. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die verwendeten Fragebögen einen Überblick über die Trainer-Athlet-Beziehung innerhalb der einzelnen Mannschaften geben konnten und eine Einordnung des Trainerverhaltens zulassen. Es konnten einige Tendenzen festgestellt werden, so dass Interventionen zur Optimierung der Trainer-Athlet-Beziehung eingeleitet werden können. Zudem können Videoaufzeichnungen helfen, die Selbst- und Fremdwahrnehmung abzugleichen und die Gründe für die Einschätzung des Trainerverhaltens herauszufinden.

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Thorsten Loch: Von Arminen, Fohlen, David & Goliath

Das Team der Stunde im laufenden DFB-Pokalwettbewerb heißt Arminia Bielefeld. Knapp neun Monate nach dem Abstieg herrscht beim Drittligisten wieder eitel Sonnenschein. Alle Zeichen stehen auf Wiederaufstieg und nach dem berauschenden 3:1 im Achtelfinale gegen Werder Bremen geht auch der Pokaltraum des Teams von Trainer Norbert Meier weiter. Im Viertelfinale steht für die Arminen nun das nächste Highlight an, nämlich dann, wenn die Fohlen aus Mönchengladbach zu Gast sind.

Zum Thema: Woran sich Außenseiter orientieren sollten

Sinnbildlich für den Sieg eines Außenseiters gegen einen vermeidlich überlegenen Gegner ist die biblische Geschichte David gegen Goliath. Wenn man diese Geschichte genauer unter die Lupe nimmt und der Frage nachgeht, wie es David geschafft hat, den schier übermächtigen Gegner zu besiegen, scheinen hierbei sechs Faktoren ausschlaggebend zu sein (Linz, 2014):

  1. Mut, Unerschrockenheit
  2. Vertrauen auf den Sieg
  3. Wissen um die eigene Stärke und Einsatz genau dieser Stärken
  4. Handeln, ohne zu zögern
  5. Überraschungsmoment (was beinhaltet, als Erster zu handeln)
  6. Gnadenlosigkeit

Was können Trainer aber mit dieser Grundlage anfangen?

Keine Angst vor großen Namen

Zuerst besteht die Aufgabe des Trainers darin, der Mannschaft die mögliche Angst vor dem Kontrahenten zu nehmen. Dabei ist besonders hilfreich, auf die möglichen Schwächen und Probleme des Gegners einzugehen. Eine gute Möglichkeit besteht darin, das Team an frühere Spiele zu erinnern, in denen ihr ein überraschender Erfolg gelungen ist. Zudem ist es von Vorteil, nicht den Sieg in den Vordergrund zu stellen, sondern Handlungs- und Zwischenziele zu formulieren. So wird der vermeintlich unüberwindbare Aufgabe in kleinere zu bewältigen Sequenzen zerlegt. Dies hat zur Folge, dass mit jedem erreichtem Etappenziel das Selbstvertrauen der eigenen Spieler steigt.

Vertrauen in die eigene Stärke

David beschäftigt sich nicht mit den möglichen Konsequenzen, die ein Sieg nach sich zöge oder was ihm im Falle einer Niederlage bevorstünde. Vielmehr besinnt er sich auf seine Stärken (Kompetenzerwartung), was ihm Kraft und Handlungsfähigkeit liefert. Sich mir der eigentlichen Handlung zu beschäftigen und nicht mit den möglichen Konsequenzen, ist wichtig, denn was die Zukunft bringt, kann ich nicht beeinflussen, jedoch die vorgeschalteten Handlungen, welche dazu führen.

Aus eigener Stärke handeln

Aus eigener Stärke handeln bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Bielefelder Mannschaft um Trainer Meier nicht auf mögliche Fehler der Gladbacher warten sollte. Es ist naiv zu glauben, dass den spielstarken „Fohlen“ aus Gladbach gravierende Fehler beispielsweise im Aufbauspiel unterlaufen werden. In diesem Punkt sollten sich die Arminen auf ihre Stärken berufen. David probiert eine Rüstung an, legt diese jedoch wieder ab, weil er es nicht gewohnt war, mit dieser zu kämpfen. Auch geht er nicht mit dem Schwert in den Kampf, sondern besiegt Goliath mit seiner Steinschleuder, welche er tagtäglich nutzt. Trainer Meier sollte seine Mannschaft gemäß ihrer Stärke aufstellen und spielen lassen. Dies muss nicht zwangsläufig etwas Spektakuläres sein. Ein alltägliches Mittel gekonnt eingesetzt, macht jedem Gegner das Leben schwer.

Entschlossenes und überraschendes Handeln

In der Geschichte fackelt der Schäfer David nicht lange. Er tastet sich nicht vorsichtig an und erkundet mögliche Stärken und Schwächen Goliaths. Er hat eine einfache Strategie und setzt diese unverzüglich um. Als Außenseiter kann man sich ein anfängliches Abtasten nicht leisten. Der Gegner ist mir überlegen und aus diesem Grund sollte ich nicht in der passiven Rolle verharren. Das Überraschungsmoment lebt davon, dass es sofort umgesetzt wird. Die Spieler der Borussia sind hervorragend taktisch geschult und werden sich schnell formieren können und weitere Bemühungen schnell zunichtemachen, wenn die Bielefelder in ihren Aktionen nicht entschlossen handeln.

Auf den „Todesstoß“ vorbereitet sein

Der entscheidende Faktor, der weiter oben genannt wurde, ist Gnadenlosigkeit (Linz, 2014). Dies hört sich auf den ersten Blick verwunderlich an, jedoch kommt diesen Faktor eine enorme Bedeutung zu. David begnügt sich nicht damit, dass er den Riesen mit dem Stein an der Stirn traf, nein, er nahm dessen Schwert und köpfte ihn. Nur so konnte sich David auch sicher sein, dass er den Kampf gewonnen hat. In der Vergangenheit gibt es einige Beispiele, wo der vermeintliche Außenseiter bis kurz vor Schluss auf der Gewinnerstraße war, jedoch dann die Courage vor dem eigenen Erfolg verlor. Ein klassisches Beispiel dafür war das Wimbledonendspiel aus dem Jahr 1993 zwischen Jana Novotna und Steffi Graf. Die Tschechin führte im dritten und letzten Satz gegen die bis dato wenig überzeugende Favoritin bei eigenem Aufschlag mit 4:1. Alles schien gelaufen. Novotna stand ganz dicht vor ihrem ersten Wimbledonsieg. Doch dann begann ihre Nerven an zu flattern und sie gewann kein Spiel mehr und musste letztendlich den Platz als Verliererin verlassen. Sie hatte ganz einfach Angst vor ihrem Erfolg bekommen.

Fazit:

Letztendlich gibt es einige Möglichkeiten für Trainer, das jeweilige Team auf ein solches Spiel vorzubereiten. Ob es wirklich der zwei Klassen tiefer spielenden Mannschaft aus Bielefeld gelingen wird, dem Bundesligisten ein „Bein zu stellen” und der Traum der Bielefelfer vom Pokalfinale und dem europäischen Wettbewerb weiterlebt, bleibt abzuwarten. Ich freue mich auf ein spannenden und unterhaltsamen Pokalabend und bin gespannt auf die Interviews nach dem Spiel, wenn Arminen und Borussen möglicherweise von David und Goliath berichten.

 

Literatur:

Linz, L. (2014). Erfolgreiches Teamcoaching: Ein Team bilden, Ziele definieren, Konflikte lösen. Meyer&Meyer Verlag: Aachen.

 

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