Sebastian Reinold: Selbstvertrauen für alle

Spätestens seit dem Halbfinale der Fußball-WM 2014, welches Brasilien historisch mit 1:7 gegen Deutschland verlor, haben alle verstanden, dass Selbstvertrauen einen enormen Einfluss auf die sportliche Leistung von Leistungssportlern hat und mit über Sieg oder Niederlage entscheidet. Doch auch im Sport fernab des Wettkampfs um globale Titel ist das Selbstvertrauen ein ganz entscheidender Faktor.

Zum Thema: Welche Bedeutung hat Selbstvertrauen im Gesundheits- und Freizeitsport?

Besonders bei Personen über 40 ist das Selbstvertrauen absolut mitentscheidend, ob der- oder diejenige einem Sport nachgeht oder nicht. Je höher das Selbstvertrauen ausgeprägt ist, desto wahrscheinlicher wird eine Sportteilnahme.

Selbstvertrauen ist dabei keine alles umspannende Zauberkraft, die manche Personen besitzen und manche nicht, sondern vielmehr eine Bewertung des eigenen Selbst in Bezug auf eine bestimmte Tätigkeit. So kann eine Person für einen Lebensbereich bzw. eine Aufgabe ein sehr hohes Selbstvertrauen besitzen, während es in anderen Bereichen völlig fehlt. So kann beispielsweise der Leiter einer Firma in seinem Job sehr selbstsicher auftreten, aber auf die Frage, warum er denn kein Sport betreibe, wird er möglicherweise angeben, dass er einfach keine Motivation verspüre. Und dies ist der erste Punkt, an dem das Selbstvertrauen ansetzt.

Schon bei der Wahl der Sportaktivität entscheidet das Selbstvertrauen. Da der Mensch im Allgemeinen immer danach bestrebt ist, ein wirksames Handeln an den Tag zu legen, wird sich ein Sportneuling immer die Aktivität aussuchen, von der er oder sie glaubt, diese auch tatsächlich umsetzen zu können. Deswegen ist zum Beispiel das Laufen so beliebt, denn Laufen kann – körperliche Einschränkungen mal unbeachtet – jeder. Einer der Haupteffekte von Selbstvertrauen beeinflusst also die Motivation im engeren Sinne. Das wahre Problem, welches unser Beispielchef hat, ist in Wahrheit, dass er sich im Sport nicht kompetent fühlt und diesen deswegen meidet.

Regelmäßiges Sporttreiben ist ein Kampf

Für eine Person ist es dennoch nicht ausreichend, lediglich die Aktivität zu kennen, die sie meistern könnte, um sie zum Sport zu bewegen. Sporttreiben bzw. dessen Effekt leben von einer gewissen Regelmäßigkeit, deswegen muss die Person zusätzlich auch den Glauben haben, sich gegen die vielen Widerstände, die das regelmäßige Sporttreiben mit sich bringt, widersetzen zu können z.B. die eigene Bequemlichkeit, Zeitmangel, schlechtes Wetter oder andere Freizeitaktivitäten.

Es ist besonders schwierig, Personen dazu zu überreden, Sport zu treiben, wenn sie bisher noch keinen betrieben haben bzw. schon sehr lange nicht mehr – und dann auch nur in der Schule. Hohes oder niedriges Selbstvertrauen ergibt sich nämlich aus der Erfahrung mit bestimmten Tätigkeiten. Deswegen ist der Sportunterricht auch so wichtig, da er einen Doppelauftrag erfüllt: nämlich die Erziehung im Sport und zum Sport. Heranwachsende können im Sportunterricht in unterschiedlichen Bereichen ihre Kompetenzen entdecken, was möglicherweise dazu führt, dass Sport auch in der Freizeit ausgeübt wird.

Doch auch Erwachsene können sportspezifisches Selbstvertrauen noch erlernen, z.B. im Umgang mit den schon angesprochenen Widerständen. An diesem Punkt kann die Sportpsychologie besonders gut unterstützen, da es bereits eine Reihe von erforschten Methoden im Umgang mit den Widerständen gibt wie etwa das Bewusstmachen von sozialen Unterstützungsquellen.

Literatur:
Bandura, A. (1997). Self-efficacy: The exercise of control. New York: Freeman
Fuchs, R. (2003). Sport, Gesundheit und Public Health. Göttingen: Hogrefe.
Kernlehrplan Sport für das Gymnasium – Sekundarstufe I in Nordrhein-Westfalen:
http://www.schulsport-nrw.de/fileadmin/user_upload/schulsportpraxis_und_fortbildung/pdf/G8_Sport_Endfassung2-1.pdf

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