Basketball gehört zu den beliebtesten Teamsportarten der Welt. Am Samstag, den 5. September, beginnt die Basketball-Europameisterschaft. Das Turnier wird gleichzeitig in Deutschland, Frankreich, Kroatien und Lettland ausgetragen. Wir schauen uns vor dem Event aus sportpsychologischer Sicht an, was Basketball besonders macht.
Zum Thema: Welche psychologischen Besonderheiten gibt es Basketball?
Wer diesen Blog aufmerksam verfolgt, hat schon viel über die psychologischen Aspekte im Fußball gelesen: Druck bei Spielern und Trainern, Selbstwirksamkeit, Überheblichkeit oder Vorstartpanik. All dies sind Aspekte, die auch Basketballer angehen, schließlich haben Fußball und Basketball die gleiche Spielidee – den Ball in ein Ziel zu befördern. Doch aufgrund eines anderen Regelwerks kommen beim Basketball noch einige Besonderheiten hinzu.
Durch Zeitregeln wie etwa der 24-Sekunden-Regel, die besagt, dass ein Angriff nach 24 Sekunden durch einen Wurf, der zumindest den gegnerischen Korbring berührt, abgeschlossen werden muss, wird das Spiel deutlich schneller gemacht. Ein ruhiger Spielaufbau wie im Fußball, wo der Ball auch gern einmal zurück zum Torwart gespielt wird, ist somit nicht möglich. Unter hohem Zeitdruck müssen Spielhandlungen somit schnell und richtig getroffen werden. Dabei kommt es vor allem darauf an, dass Informationen (z.B. wo ist der Ball – wo ist der Gegner?) schnell aufgenommen und verarbeitet werden. Oft werden deshalb Spielsituationen vorrausschauend bewertet.
Mit einem Wurf aus dem Loch befreien
Im Fußball kann ein einzelner Treffer oft das Spiel entscheiden. In einem Basketballspiel hingegen erzielt jede Mannschaft 30-50 Treffer. Auf den Korb geworfen wird allerdings noch wesentlich häufiger, denn auch bei Profis führt nicht jeder Wurf zum Treffer. Nur 48-50% aller Angriffe führen zum Punkt. Die Dichte von Erfolgs- und Misserfolgserlebnissen ist wesentlich höher. Dies kann zu einem sehr variierenden emotionalen Erleben der Spieler führen. Trifft ein Spieler am Anfang des Spiels häufig, wird er sich gut fühlen. Lässt dann aber die Trefferquote nach, wird es ihn runterziehen. Häufig wurde aber schon beobachtet, dass sich Spieler aus diesem Loch mit nur einem erfolgreichen Wurf herausarbeiten können.
Statt elf Spielern stehen beim Basketball nur fünf gleichzeitig auf dem Feld. Das führt dazu, dass die Verantwortung, die jeder einzelne trägt, sehr hoch ist. Gerade den Starspielern wie Dirk Nowitzki auf deutscher Seite wird viel Verantwortung aufgetragen. Zudem führt die geringe Anzahl der Spieler zu häufigen Zweikämpfen mit direkter Korbfolge.
Trainer mit häufigen Interventionschancen
Im Fußball hat der Trainer nur vor dem Spiel und während der Halbzeitpause, die Möglichkeit auf die Spieler einzuwirken. Darüber hinaus bleibt ihm nur die durch die limitierten Coaching-Zone und unter dem Lautstärkepegel stark eingeschränkte Möglichkeit von außen Anweisungen zu geben. Ob diese immer so wahrgenommen werden, ist fraglich. Basketballcoaches können hingegen in der regulären Spielzeit bis zu fünf Auszeiten nehmen, um die Spieler zum gewünschten Handeln zu bewegen (nicht zu vergessen, dass dies auch in den fünf Auszeiten, die der gegnerische Trainer nimmt, möglich ist). Dazu kommen zwei Viertelpausen sowie die längere Halbzeitpause.
Die Spieler können im Basketball jederzeit aus- und eingewechselt werden. Somit haben die Spieler die Möglichkeit, sich nicht nur körperlich sondern auch geistig zu erholen, etwa durch Atemregulation. Diese Situation bietet den Spielern aber auch die Möglichkeit, sich selber Instruktionen für die nächste Einsatzphase zu geben und diese durch Visualisierung zu unterstützen. Von einem sehr guten Spieler sollte erwartet werden, dass er die Chance der Ruhe nutzt anstatt sich über eine Auswechslung aufzuregen.
Zusammenfassung der Basketball spezifischen Anforderungen:
– erhöhter Zeitdruck
– erhöhte Anforderungen an Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und Informationsverarbeitung
– häufigeres stark emotionales Erleben
– erhöhte Verantwortung jedes einzelnen Spielers
– anderer Einfluss des Trainers
– Entspannungsmöglichkeiten für Spieler
Der Vorteil der deutschen Basketballnationalmannschaft ist, dass sie im Gegensatz zur Fußballnationalmannschaft nicht unter dem Druck der Medien und Fans steht, unbedingt Europameister werden zu müssen. Deutschland hat trotz seiner mittlerweile drei NBA-Spieler im Kader lediglich Außenseiterchancen. Allein die Gegner in der Gruppenphase, namentlich Spanien, Serbien und der Türkei (zweiter, siebter und achter der Weltrangliste), dürfen als echte Kracher gelten. Dafür hat das deutsche Team die Unterstützung der heimischen Fans hinter sich, da die Spiele der Gruppenphase alle in Berlin ausgetragen werden. Die Karten stehen gut, dass die Deutschen für eine Überraschung sorgen können. In eine allgemeine Depression werden sie das Land nicht stürzen, unabhängig vom Ergebnis.
Literatur:
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Lau, A. & Schliermann, R. (2012). Mentaltraining im Basketball und Rollstuhlbasketball. Hamburg: Feldhaus Verlag
Gibt es eine Erfolgsformel im Sport? Wenn ja, dann ist das Selbstvertrauen eine zentrale Variable für diese Rechnung. Aber wie lässt sich das Vertrauenin die eigene Kompetenz, eine gewünschte Handlung erfolgreich durchzuführen (Bandura, 1977), eigentlich trainieren? Dr. René Paasch nimmt diesen Ball auf und erklärt an greifbaren Beispielen wie Trainingssituationen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft das Thema Selbstwirksamkeit und bricht dessen Bedeutung mit praxisrelevanten Tipps für die Anwendung im Mannschaftssport herunter.
Für die-sportpsychologen.de berichtet: Dr. René Paasch
Die Selbstwirksamkeit ist im Sport die zentrale Größe, die dazu beiträgt, dass Trainer und Athleten ihre Leistung zum geforderten Zeitpunkt abrufen können. Das Konzept der „Selbstwirksamkeit“ stammt aus der sozial-kognitiven Lerntheorie von Albert Bandura (1977, 1982, 1986). Selbstwirksamkeit bedeutet, dass jemand die Überzeugung besitzt, dass seine eigenen Fähigkeiten ausreichen, um eine Handlung zielgerichtet und erfolgreich durchführen zu können. Weitere Publikation zum Thema Selbstwirksamkeit (Bandura, 1977) folgten dann in den verschiedensten Bereichen, wie die Behandlung von Phobien (Bandura, 1977, 1983), Behandlung von Depressionen (Davis & Yates, 1982), soziale Fertigkeiten (Moe & Zeiss, 1982), Raucherentwöhnung (Garcia et al., 1990), Schmerzkontrolle (Manning & Wright, 1983), Gesundheit (O´Leary, 1985), Schule und Studium (Schunk, 1985, 1989, Zimmerman, 2000; Pajares, 1996, 2002) und im Sport (Barling & Abel, 1983; Lee, 1982; Eberspächer, 2007, 2008; Eberspächer & Immenroth, 1998; Hermann, 2006; Short et. al., 2005). Aus den zahlreichen Studien lässt sich ableiten, dass das Konzept der Selbstwirksamkeit der beste Indikator für die kontinuierliche Leistung ist. Erst eine über Jahre hinweg aufgebaute Selbstwirksamkeit, lassen den Trainer und Sportler Souveränität ausstrahlen. Die kann sich jedoch auch in bestimmten Situationen oder Umständen zeigen. Dies bezeichnet man als situative Selbstwirksamkeit.
Profifußballer erwecken für gewöhnlich den Eindruck, dass sie ein großes dispositionales Selbstvertrauen besitzen. Wenn ihr Team aber bei einer wichtigen Meisterschaft ins Elfmeterschießen muss, kann ihr situatives Selbstvertrauen jedoch plötzlich in den Keller sinken. So erlebte Lionel Messi im Champions League-Achtelfinalhinspiel gegen Manchester City eine Schockstarre beim verschossenen Elfmeter. Barcelonas Superstar, der ansonsten mit dem Ball alles kann, scheint beim Elfmeterschießen fehlendes Selbstvertrauen aufzuweisen. Oder denken wir an David Beckmann im Viertelfinalspiel England gegen Portugal bei der Europameisterschaft im Juni 2004. Während des Elfmeterschießens fokussierte er nicht richtig und schoss den Ball über die Querlatte.
Diese und andere Beispiele zeigen sehr deutlich, dass die innere Überzeugung, eine zentrale Rolle spielt, für erfolgreiches situatives agieren. Wie kann ich nun die Selbstwirksamkeit trainieren? In den nun folgenden Abschnitten gehe ich näher darauf ein:
Training der individuellen und kollektiven Selbstwirksamkeit
Die Selbstwirksamkeit besteht aus fünf wichtigen Quellen und weiteren Bedingungen, die den Einzelnen und der Mannschaft dienlich sein können.
Die eigene Erfahrung
Die eigene Erfahrung ist maßgeblich für die Entwicklung der Selbstwirksamkeit. Erlebte Erfolge steigern die Selbstwirksamkeit, Misserfolge hingegen senken sie. Letzteres gilt besonders dann, wenn Misserfolge bereits zu Beginn des Lernens auftreten. Allerdings kann ein gelegentliches Scheitern zu mehr Beharrlichkeit führen. Somit hat der Zeitpunkt des Scheiterns erheblichen Einfluss auf die Selbstkompetenz (Bandura, 1977). Einen weiteren Anhaltspunkt liefert die 10.000-Stunden-Regel von Ericsson (1990). Die besagt, dass alle erfolgreichen Sportler mindestens 10.000 Stunden üben, um eine nachvollziehbare hohe Kompetenz zu erreichen. Diese Studie steht zwar auf wackligen Beinen, dennoch zeigt sie den wichtigen Zusammenhang von Training und Erfahrung. Selbst die Trainererfahrung und die damit verbundenen Trainerkompetenzen sind bereits nachgewiesen worden (Feltz, Short, Sullivan 2008). Was bedeutet dies für den Trainer aber auch für den Sportler? Passende Ziele setzen, immer wieder daran arbeiten und die gestellten Anforderungen nach und nach erhöhen.
Die Stellvertretende Erfahrung
Stellvertretende Erfahrungen werden auch dann erworben, wenn sie nicht direkt selbst ausgeführt werden. Sie ist zwar eine weniger verlässliche Quelle, dennoch hat sich herausgestellt, dass Beobachtungen und deren Handlungsabläufe eine positive Kompetenzüberzeugung bedingen können. In diesem Zusammenhang konnte eine interessante Studie mit Affen im Kortex Neuronen nachweisen, die bei einer bloßen Beobachtung aktiviert wurden (Rizzolatti et. al. 1996). Selbst Handlungen, die bei anderen Menschen wahrgenommen werden, führen im Gehirn des Sehenden zu ähnlichen motorischen Aktivitäten, wie bei dem Auszuführenden (Avikainen Forss, Hari 2002).
die-sportpsychologen.de vom 30.07.2015
Folgende Empfehlungen lassen sich auf den Fußball übertragen: Schauen Sie sich regelmäßig Videos eigener und fremder Handlungen an, zum Beispiel vor wichtigen Wettkämpfen. Wichtig dabei ist, sich ein Video anzuschauen, dass eine gelungene Aktion wiederspiegelt und bereits persönlich erlebt wurde. Des Weiteren ist dies auch in der reinen Vorstellung möglich. Man stellt sich vor, wie man selbst eine bevorstehende Aktion erfolgreich meistert. Diese Technik ist in der angewandten Sportpsychologie ein gängiges Mittel und wissenschaftlich bewiesen worden (Mayer, Hermann, 2011; Munroe-Chandler, Hall, Fishburne, 2008). Fördernd diesbezüglich können auch die sogenannten Effekte des Priming sein (Bargh, Chen, Burrows 1996). Allein die Beschäftigung mit bestimmten Wörtern oder Wortlisten können das Verhalten eines Fußballers positiv beeinflussen. Die nun folgende dritte Quelle zur Verbesserung der Kompetenzüberzeugung ist die sprachliche Überzeugung, die auf das Priming aufbaut (siehe auch Elvina Abdullaeva: Ohne Angst zum Kopfball).
Die sprachliche Überzeugung
die-sportpsychologen.de vom 22.05.2015
Die sprachliche Überzeugung sollte aus zweierlei Perspektiven gesehen werden. Die externen Einflüsse, im Fußball vorrangig der Trainer, der den Sportler sprachlich überzeugen möchte, und die interne Quelle, also das innere Selbstgespräch. Besonders, wenn Leistung zum definierten Zeitpunkt gefordert ist, sollten innere Gespräche handlungsfördernd sein und nicht hemmend wirken. Diese Form des Trainings ist aus meiner Erfahrung die am häufigsten genutzte Strategie im Fußball. Das Selbstgespräch kann gedanklich stattfinden (internal) oder aber auch laut durchgeführt werden (external). Diese regulatorische Form der positiven Beeinflussung ist mächtig und vielen Sportlern gar nicht bewusst, welchen Einfluss ein schlechtes inneres Gespräch haben (siehe auch Prof. Dr. Oliver Stoll: Gute Selbstgespräche) kann.
Imaginative Erfahrungen
Diese entstehen bei Sportlern, wenn sie innere Bilder von Erfolgserlebnissen erzeugen. Solche mentalen Repräsentationen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, eine bestimmte Aufgabe zu meistern.
Emotionaler Zustand
Hier geht es um die Kontrolle von Emotionen in Zusammenhang mit einem Wettkampf, z.B. von Nervosität. Vor wichtigen Wettkämpfen kommt es häufig zu Selbstzweifeln. Daher ist es wichtig, die innere Gespräche und Emotionen kontrollieren zu können. Hierbei helfen Atementspannungs-Techniken, wie etwa in „4 Sekunden Einatmen, 10 Sekunden Ausatmen“.
Eine große Anzahl von Studien hat gezeigt, dass ein hohes Maß an Selbstvertrauen zu besseren sportlichen Ergebnissen führt. Einer recht aktuellen Veröffentlichung zufolge ergab die Untersuchung von 24 Studien eine durchschnittliche Korrelation zwischen Selbstvertrauen und sportlicher Leistung von 0,54 was auf einen mäßig starken Zusammenhang hinweist (Sport Psychology, 2004). Positiv wirkt es sich anscheinend auch aus, wenn Sportler von Kindheit an mentale Trainingsprogramme absolvieren. Sie bauen dadurch so viel Selbstvertrauen auf, dass sie als Erwachsene in ihrer sportlichen Laufbahn noch davon zehren können.
Das Training der Selbstwirksamkeit im Fußball
Die Selbstwirksamkeit ist für die sportliche Leistungsfähigkeit auf Wettkampfniveau gut nachgewiesen worden (Barling & Abel, 1983; Feltz & Chase, 1998; Moritz et al., 2000; Short et al., 2005;). Dies gilt gleichermaßen auch für Mannschaftssportarten „Collective Efficacy“ (Bandura, 1986). Unter gemeinsamer Selbstwirksamkeit wird die mannschaftliche Überzeugung eines Teams verstanden, eine anstehende Aufgabe aufgrund eigener Fähigkeiten gemeinsam bewältigen zu können. Viele Fußballer/innen, die im Training sehr gute Leistungen erbringen, sind oftmals nicht in der Lage, ihre Leistung auf den Wettkampf zu übertragen. Dies liegt oft am Glauben an dessen Einflüsse. Man spricht auch vom Phänomen des „Trainingsweltmeisters“ (Eberspächer, 2007). Die beste Vorbereitung hat wenig nutzen, wenn mentale Blockaden die Leistung hemmen. Die zwingende Voraussetzung fürs Gelingen, vor allen Dingen unter Druck, ist die innere und äußere Überzeugung, die Leistung zu einem bestimmten Zeitpunkt tatsächlich erbringen zu können.
Für ein gezieltes psychologisches Training zum Aufbau einer Kompetenzerwartung müssen nach Eberspächer (2007) drei Unterschiede zwischen Trainings- und Wettkampfsituation berücksichtigt werden:
Eine Spielssituation ist nicht wiederholbar.
Spielsituationen gehen bewusst oder unbewusst mit einer Erwartung über das Ergebnis einher. Diese Erwartungshaltungen erkennt man an emotionalen Zuständen der Fußballer/innen vor, während und nach dem Wettkampf, die sich in Zufriedenheit, Enttäuschung, Frustration und dergleichen äußern.
Spielsituationen und deren Ergebnisse ziehen immer Konsequenzen nach sich (Eberspächer, 2007).
Eberspächer (2007, S. 32) hat dafür drei Varianten eines Selbstwirksamkeitstrainings entwickelt:
Das Prognosetraining
Das Einmaligkeitstraining oder Training der Nichtwiederholbarkeit
Das Prognosetraining und das Training der Nichtwiederholbarkeit mit Zeitverzögerung
Im Folgenden sollen diese Formen des Selbstwirksamkeitstrainings nach Eberspächer (2007) beschrieben werden:
Der Gedanke des Prognosetrainings ist die Überzeugung des Trainierenden, dass man den Umgang mit Erfolg und Misserfolg und psychischer Beanspruchung nur lernt, wenn man sich zuerst ein Ziel setzt, anschließend diese umsetzt und nachher den Ausgang der Handlung beurteilt. Hermann (2006) bezeichnet das Prognosetraining als Verfahren zur Steigerung der Kompetenzerwartung mit dem Stress und Belastung im Training induziert und der adäquate Umgang damit geübt werden kann. Das Prognosetraining gibt dem Trainer eine Methode in die Hand, mittels derer Sportler bereits im Training systematisch hohem Stress ausgesetzt werden können. Anhand des Prognosetrainings können Fußballer/in lernen, mit erlebten Belastungen besser umzugehen und in der Konsequenz in Drucksituationen eine höhere Leistung zu erbringen. Die praktische Relevanz und Umsetzung des Prognosetrainings im Fußball wurde von Eberspächer und Immenroth im Jahr 1998 erstmals beschrieben. Ausgangspunkt des Prognosetrainings ist die Intention, eine Leistungssituation im Training möglichst realistisch zu simulieren, um jedem Spieler die Möglichkeit zu geben, Erfahrungen mit psychischen Belastungsreaktionen und deren Bewältigung zu sammeln. Zur Provokation einer höheren psychischen Beanspruchung definiert der Sportler oder die Mannschaft ein konkretes (gemeinsames) Ziel, an dem man oder die Mannschaft auch scheitern kann. Ein solches Ziel kann beispielsweise die Anzahl der geschossenen Tore, die Anzahl der erfolgreich abgeschlossenen Aktionen oder die Anzahl der verhinderten Torschüsse sein. Eine realistische und damit auch motivierende Zielsetzung ist hierfür unabdingbar (Hermann, 2006).
In der sportlichen Trainingspraxis kann dies so aussehen:
Zunächst werden die Anforderungen und das Ziel festgelegt, zum Beispiel: zehn Angriffe des Sturms gegen die Abwehr. Jeder Angreifer gibt zuvor seine Prognose über das erwartete Ergebnis ab („acht von zehn Angriffe führen zum Torerfolg) Das Prognosetraining endet mit einer Ergebnisanalyse. Hierbei werden die Gründe für das Gelingen oder das Scheitern analysiert. Die Analyse bezieht sich sowohl auf den Spieler als auch auf den Trainer (Hermann, 2006). Anhand des Ausgangs der Handlung lässt sich nun feststellen, ob die zuvor abgegebene Prognose realistisch oder unrealistisch war, woran es gelegen hat, dass sie nicht erreicht, erreicht oder sogar übertroffen wurde. Die Athleten wie der Trainer lernen somit, mit psychischer Beanspruchung durch selbstgestellte Anforderungen und Zielsetzungen sowie mit Erfolg und Misserfolg umzugehen (Eberspächer, 2007). Diese Form des Prognosetrainings lässt sich durch das sogenannte „offene Prognosetraining“ noch verschärfen: Dabei wird die aufgestellte Prognose nicht nur zwischen Trainer und Sportler vereinbart, sondern der gesamten Trainingsgruppe, in diesem Fall also der Konkurrenz, vor der sportlichen Handlung mitgeteilt. Eine Ergänzung des Prognosetrainings durch zusätzliche stressinduzierende Elemente empfiehlt Hermann (2006): Vor allem die Integration von negativen Konsequenzen bei Nicht-Erreichen der Prognose erhöht das individuelle Stresspotential. Bei Misserfolg erfahren die Sportler Sanktionen, wie zum Beispiel unbeliebte, aber sinnvolle zusätzliche Übungen. Diese Form des Trainings nähert sich realen Wettkampfbedingungen stark an, da viele Sportler über die Stärken und Schwächen ihrer Gegner bereits im Vorfeld bestens im Bilde sind. Sie wissen oftmals lange vor dem Wettkampf, mit welchen Techniken ihre Gegner in der Vergangenheit erfolgreich waren und planen entsprechende Abwehrmaßnahmen ein. Das Prognosetraining wird nun in 8 Schritten erklärt:
Das Prognosetraining als Training der Kompetenzerwartung.
Die Schritte des Prognosetrainings nach Hermann (2006, S. 139):
Festlegen der Aufgabenstellung (Trainer)
Instruktion und Quantifizierung der Ausführungsqualität
Übungsphase
Vor allem bei unbekannten Aufgabenstellungen
Prognose
Je nach Aufgabenstellung
Festlegen der Konsequenzen
„Sanktionen“
Aufgabenbewältigung
In der Regel nur ein Versuch
Vergleich
Prognose versus erbrachte Leistung
Analyse
Durch Spieler und Trainer, Kausalattribuierung
Konsequenzen (im negativen Fall, wenn erbrachte Leistung schlechter als die Prognose)
Hans-Dieter Hermann, Sportpsychologe der deutschen Nationalmannschaft, zeigt in einem beeindruckenden Videoausschnitt der WM-Dokumentation “Deutschland. Ein Sommermärchen”, wie ein Prognosetraining anhand eines Elfmeterschießens aussehen kann.
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Es gibt auch weitere Formen des Prognosetrainings, eine Auswahl:
Das Einmaligkeitstraining – Training der Nichtwiederholbarkeit
Trainingssituationen unterscheiden sich von Wettkampfsituationen oftmals darin, dass Abläufe beliebig oft wiederholt werden können, während in Wettkämpfen nur ein einziger Versuch zur Verfügung steht. Das Wissen, nur eine einzige Chance zu haben, erhöht die Beanspruchung enorm („Jetzt oder nie“). Der Athlet darf seine Leistung nur ein einziges Mal erbringen, unabhängig vom Ausgang der Leistung. Im Falle eines Misserfolgs kann er die Handlung nicht wiederholen.
Prognosetraining und Training der Nichtwiederholbarkeit mit Zeitverzögerung
Eine zusätzliche Beanspruchung kann dadurch erreicht werden, dass der Zeitpunkt des Abrufens hinausgezögert wird. So kann zunächst eine Prognose aufgestellt werden, der/die Fußballer/innen erhält anschließend aber einen gewissen Zeitraum (zum Beispiel 10 oder 20 Minuten), währenddessen er/sie sich auf die Leistung vorbereiten kann. Das Erbringen einer Leistung wird in der Regel umso schwieriger, je länger die Zeitvorgabe ist. Das rührt daher, dass während Wartezeiten störende Gedanken auftreten, die die Konzentration auf das Wesentliche ablenken und „an den Nerven zehren“. Dieser „Effekt“ ist aber notwendig, da die Realität des sportlichen Wettkampfes oftmals so aussieht. Der Sportler lernt also, sich auf den Ernstfall vorzubereiten. Nach jedem Prognosetraining sollte immer die Ist-Soll-Diskrepanz festgestellt werden. Man überprüft gemeinsam mit dem Trainer ob die prognostizierte Leistung erbracht wurde, warum sie nicht erbracht oder sogar übertroffen wurde. Dann werden die Gründe analysiert, warum gerade dieses und kein anderes Ergebnis eingetroffen ist. Abhängig von der Analyse werden die Prognose und die Zielsetzung an künftige Situationen angepasst.
Kollektive Selbstwirksamkeit
die-sportpsychologen.de vom 19.06.2015
Die kollektive Selbstwirksamkeitsüberzeugung ist die Überzeugung jedes einzelnen Mannschaftsmitglieds, eine Aufgabe zusammen bewältigen zu können. In diesem Zusammenhang zeigt eine Studie an zehn Football-Teams, dass die Teamüberzeugung einen nachhaltigen Zusammenhang hinsichtlich erzielter Leistungen aufweist (Feltz, Short, Sullivan 2008). Wie ist es nun möglich, individuelle Kompetenzen zu bündeln und daraus kollektive Kompetenzen einer Mannschaft zu entwickeln? Feltz, Short und Sullivan (2008) benennen dazu folgende Punkte:
Zusammenhalt innerhalb einer Mannschaft
das Klima im Team
Umgang miteinander
behutsame und zurückhaltende Steuerung und Moderation dieses Prozesses durch die Führungsperson
Zusammengefasst lässt sich festhalten, dass die Selbstwirksamkeit (Gerlach, 2004) trainierbar ist, aber einer sensiblen Führung bedarf. Die individuelle und gemeinsame Überzeugung gründet auf dem Zusammenhalt innerhalb einer Mannschaft und eines langfristig angelegten Teambuildings. Im Alltag lässt sich gezielt an der Team- und Sportler-Kompetenzüberzeugung arbeiten – das Prognosetraining stellt eine der Möglichkeiten dar. Kurzum: In der Entwicklung und Festigung individueller und kollektiver Kompetenzen können Sportpsychologen in Verbindung mit dem Trainer, dem Funktionsteam und den Verantwortlichen effektiv unterstützen. Die Komplexität dieser Kompetenzen macht es aus meiner Sicht unerlässlich, dass Sportpsychologen als fester Bestandteil in den Trainerstäben der Fußball-Bundesligisten wirken.
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Hitze, Regen, Schnee – Ausreden finden sich viele, sportliche Ambitionen vor sich herzuschieben. Aber was steckt dahinter, wenn der persönliche Schweinehund die innere Diskussion bestimmt? Und existiert dieses Problem nur im Breitensport?
Zum Thema: Von Selbstgesprächen, inneren Dialogen und persönlichen „Schweinehunden“
Der tägliche Kampf mit dem „inneren Schweinehund“ – eine Aussage, die fast jeder von uns kennt und lebt. Damit meint man umgangssprachlich, die persönlichen Diskussionen zwischen den „zwei Instanzen“ in unserem Kopf. Die eine, will in die eine Richtung, die andere Instanz will in die andere. Das ist psychologisch betrachtet ein sehr interessantes Thema und es erinnert uns so sehr an die „Drei-Instanzen-Theorie“ von Sigmund Freud, der davon ausging, dass unsere Psyche, im Wesentlichen von drei Instanzen bestimmt wird. Da wäre zum einen die „Es-Instanz“, die nur zu gerne dem Triebhaften in uns nachgeben möchte. Also einem Verhalten, das dem direkten und unmittelbaren Befriedigen eines „Triebwunsches“ dient. Auf der anderen Seite wäre dann dort die „Über-Ich-Instanz“, die das moralische und durch die Gesellschaft geprägte Werte und Normensystem repräsentiert. Und schließlich die „Ich-Instanz“, die zwischen diesen beiden „Extremen“ vermitteln soll, denn der Mensch braucht beides, um psychisch gesund zu bleiben, aber eben nicht dieser extremen Form.
Nun hat Sigmund Freuds Theorie in der Vergangenheit viel Kritik und kontroverse Diskussion ertragen (müssen). Diese Diskussion möchte ich an dieser Stelle nicht weiter vertiefen, aber es lässt sich nicht leugnen, dass diese Theorie nicht einer gewissen Plausibilität entbehrt und sich aus heutiger Sicht – auch im Sport – neu einordnen lässt. Ob es das „Nicht-Trainieren-Wollen“ ist (evtl. weil es zu heiß draußen ist – so meint dies evtl. die „Es-Instanz“ und beginnt sofort die Diskussion mit der „Über-Ich-Instanz“). Diese aber ist eben der Meinung, dass das Training eine sinnvolle und Betätigung ist, weil wir somit gesund bleiben und somit auch dem Gemeinwohl dienen können. Die „Freud’sche „Ich-Instanz“ wäre dann so etwas wie ein „funktionales Selbstgespräch“. Funktional deswegen, weil diese Instanz abwägt, wie hilfreich, die jeweils beiden „Extrem-Bedürfnisse“ für unsere Gesundheit sind, und um uns in unserem sozialen Umfeld wohl zu fühlen.
Lässt sich der Schweinehund trainieren?
Wir sind uns, unserer Selbstgespräche im alltäglichen Leben und auch natürlich auch im Leistungssport viel zu selten bewusst. Wir führen sie zwar, aber wir reflektieren diese Selbstgespräche kaum. Dabei sind diese die zentralen Faktoren für unser Handeln, für erfolgreiches, aber eben auch für erfolgloses Handeln ( Link zum Blog-Beitrag „Gute Selbstgespräche“). Die sogenannte „Diskussion mit dem inneren Schweinehund“ ist somit überhaupt nichts Schädliches oder Störendes, sondern sie gehört zur menschlichen Verhaltenssteuerung. Die Frage ist dann nur noch, wie sehr diese Diskussionen zu einem positiven Ende führen? Und genau das kann man lernen und trainieren. Verteufeln wie ihn also nicht – den inneren Schweinehund, sondern schätzen wir ihn – als wichtigen Gesprächspartner in unserem Leben und eben auch im Sport.
Den Start in die Bundesliga-Saison haben sich allen voran die Verantwortlichen des Hamburger SV und des VfB Stuttgart anders vorgestellt. Beide Klubs steckten schon in der Vorsaison bis in die letzten Sekunden hinein im Abstiegskampf. Nun meldeten sich die Schwaben mit einer 1:3-Heimniederlage gegen den 1.FC Köln zurück, während der HSV nach dem kläglichen Pokal-Aus beim Viertligisten FC Carl Zeiss Jena zum Bundesliga-Auftakt vom FC Bayern München mit 5:0 deklassiert wurde. In der Chefetage ist nun Fingerspitzengefühl gefragt.
Zum Thema: Die Rolle der Funktionäre bei dem Mannschaftsscheitern
Schon sehr früh in der Saison stehen der VfB Stuttgart und der Hamburger SV erneut unter Druck. Denn bereits auf den ersten Metern des Serie scheinen die Vereine sich von den angestrebten Zielen zu entfernen. Nun kommt es in einer solchen, sehr delikaten Situation allen voran auf die Verantwortlichen im Verein an, eine Atmosphäre der Ruhe und Gelassenheit zu schaffen. Nicht einfach, schließlich greifen die üblichen Mechanismen des Profi-Fußballs: Die Medien legen sofort den Finger in die Wunde und stürzen sich auf sich ergebende Nebenkriegsschauplätze wie die kurios (siehe z.B. Spiegel-Online) in einem öffentlichen Park gefundene Gehaltsliste des Hamburger Sportvereins. So oder so – bei allen Beteiligten in gewissem Maß Unruhe breit.
Konstruktiver Umgang als Schlüssel
Ein wichtiges Werkzeug ist, welches sowohl von den Funktionären als auch von der sportlichen Leitung angewandt werden sollte, der konstruktive Umgang mit der Situation. Schließlich lässt sich – ganz abstrakt formuliert – das Leiden des Menschen in einer schwierigen und schmerzhaften Situation deutlich lindern, wenn man einen Sinn, eine Lehre in dieser Erfahrung findet. Auch wenn die Situation nicht zu ändern ist. Daher ist es für die die Beteiligten durchaus wichtig, sich folgende Fragen zu stellen: „Was habe ich aus dieser Situation gelernt? Was kann mein Verein aus dieser Niederlage lernen“? Allein eine ernsthafte Überlegung bezüglich dieser Fragen, bringt bereits seinen Nutzen.
Im Fokus steht also die Problemlösung. Was ist nun alles zu tun, damit beim nächsten Mal die Mannschaft weiter kommt und das Geplante besser umsetzen kann? Es geht darum, die negativen Emotionen und die damit verbundene Energie in Handlungen zu investieren, die zu den nächsten Siegen beitragen. Das Scheitern ist kein Problem, sondern wird zu einer Ausgangssituation, die neue Aufgaben mit sich bringt. Damit gehen beispielsweise neue Teamziele und Ideen als Anreiz für einen neuen Kampf um den Sieg einher.
Zusätzlicher Druck stört
Reagieren die Vereinsverantwortlichen weniger besonnen und äußern sich öffentlich wie intern kritisch gegenüber dem Trainer und der Mannschaft, beschleunigt dies in aller Regel die Negativspirale. Die Coaches, die immer unter einem immensen Druck stehen, erleben in dieser Phase dann eine besondere Belastung: Im Ergebnis des zusätzlichen Drucks verliert der Trainer nötige psychologische Ressourcen, die er für die Erfüllung seiner Aufgaben braucht. Kurzum: ein zusätzlicher Druck bringt nichts und stört den Trainer, mit den Spielern weiter zu arbeiten (Ramírez, 2015). Wenn nicht aus der Negativspirale ausgebrochen werden kann, folgen erfahrungsgemäß Trainerentlassungen zu einem frühen Zeitpunkt in der Saison.
Sicher ist: In allen Ligen, von der Bundesliga bis tief hinunter in den Amateurbereich, wird es in der frühen Saisonphase zu Trainerwechseln kommen. Das Heft des Handelns haben die jeweiligen Vereinsführungen in der Hand.
Quellen:
Ramírez, P. (2015). Así Lideras, Así Compites. Todo lo que necesitas saber para sacar lo mejor de tu gente, 3 Ed. Barcelona: Conecta
Mit Meditation wird oft fernöstliche spirituelle Praxis verbunden, doch die Konzentration auf sich selbst und die Vorgänge im eigenen Körper können auch unabhängig davon von jedem praktiziert werden.
Zum Thema: Wie kann ich den Moment der Ruhe zur Entspannung nutzen?
Es gibt einen Trend, dass Meditation vermehrt an Schulen unterrichtet wird [1,2]. Warum passiert dies allerdings nun auch in unserem Kulturkreis? Bei den Schülern erhöht sich nicht nur die Konzentrationsfähigkeit sondern auch Stress- und Angstzustände werden gelöst. Dabei reichen 15 Minuten des täglichen In-Sich-Kehrens.
Meditation folgt keinen starren Regeln. Es gibt vielmehr diverse Formen der Meditation, die unterschiedlichen Zielstellungen verfolgen [3, ab ca. 3:03]. Und ja – manche davon haben eine spirituelle Verwurzelung. Das ewige Aufsagen des Mantras „Om“ ist dabei kein Muss – ebenso wenig wie Sportpsychologen eine Couch haben. (link: http://www.die-sportpsychologen.de/2014/10/24/prof-dr-oliver-stoll-fernab-der-roten-couch/) Bei der sogenannten Achtsamkeitsmeditation konzentriert sich die Person hauptsächlich auf die Atmung. Es wird gespürt, wie die Luft durch die Nase bis tief in den Bauch fließt. Es wird beobachtet, wie sich die Bauchdecke hebt und senkt, wie das Herz schlägt. Auch die Konzentration auf einzelne Körperpartien wie Arme und Beine ist ähnlich wie beim Autogenen Training möglich. Mit der Reise durch den Körper wird beispielsweise erspürt, wie fest man auf dem Boden steht oder wie sich liegend der Rücken dem Boden anpasst.
Die Kraft des eigenen Körpers
Meditiert wird stets im wachen Zustand und bei vollem Bewusstsein. Von daher ist Meditation auch keine Entspannungsmethode bei Schlafproblemen. Die Person soll klar spüren, dass sie im aktuellen Moment existiert. Deswegen interessieren Gedanken an das Vergangene und das Zukünftige nicht. Spontane Gedanken sollen zwar wahrgenommen und akzeptiert werden, aber nicht weiter verfolgt werden. Ziel der Mediation ist es, aus der Gedankenwelt heraus zukommen, weil diese keine Relevanz hat. Der reine Fokus auf den Körper soll dabei helfen. Personen setzen sich bei der Meditation aktiv mit ihrem eigenen Körper auseinander und lernen diesen damit besser kennen. Ein besseres Körpergefühl und eine allgemeine Entspannung des Körpers sind die Folge. Daraus ergibt sich wiederum die Erkenntnis, wie kraftvoll der eigene Körper doch sein kann.
Im Gegensatz zur Methode der Progressiven Muskelentspannung nach Jacobson, die den Körper entspannt, stellt die Mediation eine Entspannung des Geistes dar. Kombiniert können die beiden Methoden zu sehr tiefer Entspannung führen.
Schnelle Erfolge
Anfängern kann geführte Meditation helfen, an das „Nichts“ zu denken. Dies fällt nämlich am Anfang sehr schwer, lässt sich aber erlernen: Rasch wird es möglich, den Zustand von einer Minute bis auf eine Viertelstunde auszudehnen. Passende Musik kann am Anfang dabei helfen, auftauchende Störgeräusche weniger wahrzunehmen.
Meditation sollte eigentlich eine Grundübung für alle Sportler sein, da das ohnehin schon ausgeprägte Körpergefühl unterstützt wird. Ausdauersportler kann es helfen, den Fokus länger auf den Atem und richten und somit nicht abzudriften oder gar in den Flow zu verfallen. (link: http://www.die-sportpsychologen.de/2014/09/02/prof-dr-oliver-stoll-die-gefahr-im-flow/) Durch das Meditieren kann auch erlernt werden, die eigenen Gedanken zu kontrollieren. Dies kann eine sehr brauchbare Fertigkeit für andere sportpsychologische Techniken sein.
Hamburger SV, Hertha BSC Berlin oder VfB Stuttgart? Welchen Erstligisten es in der diesjährigen ersten Pokalrunde treffen wird, ist unsicher. Mit relativer Sicherheit und auf Grundlage der Erfahrungen der vergangenen Jahre lässt sich sagen: Ganz bestimmt wird der ein oder andere haushohe Favorit seine Probleme bekommen. Dr. René Paasch hat sich diesem Phänomen genähert.
Zum Thema: Was steckt sportpsychologisch hinter den Gesetzen des DFB-Pokals?
„Soziale Faulheit“ lautet ein Phänomen, welches herangezogen werden kann, um Niederlagen höherklassiger Teams in einem Wettbewerb wie dem DFB-Pokal oder aber auch bei Freundschaftsspielen zu erklären. Denn das „soziale Faulenzen“ gehört zum sportlichen Alltag einer Sportmannschaft, definiert als Gruppe, dazu. Fußballer haben in Spielen immer wieder die Chance, sich hängen zu lassen oder hinter der Leistung der Mitspieler zu verstecken. Dieses Verhalten ist menschlich und demnach erwartbar, kann aber in der Wettbewerbssituation zu einem Problem für den Teamerfolg werden. Die Aufgabe von Seiten des Trainers ist es also, vorab dagegen anzuwirken. Dies lässt sich beispielsweise mit individuellen Zielen realisieren: Den einzelnen Spielern könnten etwa konkrete Erwartungen an ihre Zweikampfwerte, Torabschlüsse oder Passquote mit auf den Weg gegeben werden. Im Ergebnis dieser Sonderaufgaben hat jeder einzelne also bestimmte Aufträge, die sich bei Erfüllung positiv auf die Mannschaftsleistung auswirken und natürlich das „soziale Faulenzen“ eindämmen.
Die Chance der Kleinen
Drehen wir das Thema auf die andere Seite: Was können die unterklassigen Teams richtig machen? Erst einmal empfehle ich allen Amateuren eine möglichst langfristige Zusammenarbeit mit einem Sportpsychologen, um auch diese Ressourcen zu nutzen. In der gemeinsamen Arbeit kann die Mannschaft systematisch auf die besondere Aufgabe vorbereitet werden. Hierbei geht es vor allem um gruppendynamische Prozesse, also die Herausarbeitung des Teamgeists (http://www.die-sportpsychologen.de/2015/06/19/dr-rene-paasch-fuehrung-und-teamentwicklung-im-fussball/) und das Bewusstsein, sich auf die eigenen Stärken verlassen zu können. Denn neben technischen Fähigkeiten zeigt sich der Klassenunterschied oft im absoluten „Ich will und ich kann“! Schließlich können technische Mängel durch hundertprozentige Laufbereitschaft, stetiges Reden und Motivieren auf dem Platz in diesen besonderen Spielen ausgeglichen werden. Wenn die Spieler dies verinnerlichen, ist die Mannschaft schon sehr weit und wird zu einem ernstzunehmenden Gegner.
Fit vom Punkt
Die absolute Krönung der Pokaldramaturgie ist bekanntlich das Elfmeterschießen: Während ein Profi auch vor 60.000 unzufriedenen Zuschauern noch den Elfmeter verwandeln können sollte, neigen Amateure häufiger dazu, dass ihnen in dieser unbekannten Situation die Nerven versagen. Ein Beispiel ist etwa die Zweitrunden-Pokalpartie aus dem Vorjahr zwischen dem 1.FC Magdeburg und Bayer Leverkusen. Der damalige Viertligist machte in der Partie fast alles richtig, scheiterte dann aber kläglich im Elfmeterschießen. Für die Vorbereitung einer solchen Drucksituation empfehle ich das bekannte Prognosetraining nach Eberspächer (2012) und parallel dazu das Üben von handlungsleitenden Selbstgesprächen (http://www.die-sportpsychologen.de/2015/05/22/prof-dr-oliver-stoll-macht-der-selbstgespraeche/). Wer sich an den Film „Sommermärchen“ über die WM 2006 erinnert, weiß, wie die Nationalspieler die Elfmetersituation simuliert haben. Ein Sportpsychologe kann mit den Spielern erarbeiten, wie man damit umgeht, wenn die Herzfrequenz nach oben schnellt und die Knie anfangen zu zittern.
In diesem Sinne: Ich wünsche uns einen spannenden Pokalspieltag. Mal sehen, welche Favoriten an diesem Wochenende auf der Strecke bleiben.
Literatur:
Eberspächer, H. (2012): Das Handbuch für Trainer und Sportler. Stiebner Verlag GmbH. ISBN 3936376034
Karau, S. J. & Williams, K. D. (1993). Social loafing: A meta-analytic review and theoretical integration. In: Journal of Personality and Social Psychology. 65(4), 681–706.
Jeannine Ohlert: Teamleistung. Social Loafing in der Vorbereitung auf eine Gruppenaufgabe. Verlag Dr. Kovac, Hamburg 2009, ISBN 978-3-8300-4001-9.
Bald startet die neue Bundesligasaison. In der letzten Phase der Vorbereitung arbeiten Trainer und Mannschaften am Feinschliff für die anstehende Runde. Taktische Formationen und Systeme werden im Training einstudiert und in Testspielen auf ihre Tauglichkeit hin überprüft. Quasi nebenbei gilt es, die in der Sommerpause verpflichteten Spieler ins Team zu integrieren. Weil Sportmannschaften ein spezielles Konstrukt sind, muss dies nicht ohne weiteres gelingen. Nicht selten stoßen die Neuen auf Widerstand, wenn etwa die Etablierten um ihren Platz fürchten, zu viele Spieler neu sind oder die Mannschaft eine echt eingeschworene Truppe darstellt.
Zum Thema:Wie das Patensystem die Integration von Neuverpflichtungen erleichtern kann
Definitionsmerkmale von Gruppen und Mannschaften
Gruppen spielen in zweierlei Hinsicht, quantitativ wie qualitativ, eine bedeutende Rolle im sozialen Zusammenleben: Quantitativ in der Weise, dass es eine Vielzahl von Gruppen gibt, denen ein Mensch im Laufe seines Lebens angehört, und qualitativ in der Form, dass Gruppen und die Zugehörigkeit zu Gruppen einen bedeutsamen Einfluss auf die Entwicklung von Menschen haben. Nach Carron/Hausenblas (1998) sind Gruppen somit mehr als die Summe ihrer Einzelteile, also mehr als die Addition der Eigenschaften ihrer Mitglieder. Sie haben vielmehr eine eigene Qualität und können eine eigene Dynamik entwickeln.
Was sind die wesentlichen Merkmale, die eine Gruppe ausmacht? Man kann von einer Gruppe sprechen, wenn sie aus mindestens zwei Personen besteht, jedes Mitglied sich der anderen Mitglieder bewusst ist und eine wechselseitige Kommunikation und Einflussnahme aller Gruppenmitglieder untereinander möglich ist. Darüber hinaus werden gemeinsame Ziele und Aufgaben, die Entwicklung eines Wir-Gefühls bzw. Zusammenhalts und eine gewisse zeitliche Kontinuität der Gruppe als Merkmal genannt (Alfermann/Strauß, 2001). Sicherlich lässt sich nicht immer eindeutig bestimmen, ob die Definitionsmerkmale erfüllt sind, um von einer Gruppe sprechen zu können. Carron/Hausenblas (1998) sehen darüber hinaus in Mannschaften eine spezielle Art von Gruppe, weil Sportmannschaften eine gemeinsame Identität entwickeln, ein gemeinsames Schicksal teilen, ein gemeinsames Ziel verfolgen, die Teammitglieder gegenseitig voneinander abhängig sind und interpersonelle Attraktion der Gruppenmitglieder vorliegt, da die Interaktions- und Kommunikationsmuster durch die jeweiligen Regeln der Sportart strukturiert und determiniert sind.
Integration in eine bestehende Mannschaft
Die Vergangenheit zeigt, dass es nicht immer gelingt, Neuverpflichtung ins Team einzubauen. Nach Linz (2014) ist die Integration neuer Spieler besonders erschwert, wenn
die Mannschaft sehr verschworen ist.
die vorhandenen Spieler um ihre Einsatzzeit fürchten.
der neue Spieler sich nicht an die gegebenen Strukturen anpassen will.
der Neue von der Persönlichkeit bzw. vom Charakter her nicht zur Mannschaft passt.
die Neuverpflichtung gegen den Willen des Trainer getätigt wurde.
mehrere Spieler gleichzeitig verpflichtet werden.
Was können Trainer unternehmen, dass keine Unstimmigkeiten innerhalb der Mannschaft aufkommen und ein erfolgreicher Start in die Saison gelingt?
Fremdheit führt zu Distanz, Vertrautheit zu Nähe
Ziel ist es, „Grüppchenbildungen“ zu vermeiden und Distanz zwischen „Alten“ und „Neuen“ zu verringern. Insbesondere im leistungsorientierten Sport entscheiden gerade Kleinigkeiten über Sieg und Niederlage. Wie Zusammenhalt eine Mannschaft zu Höchstleistungen beflügeln kann, konnte schon mehrfach in der Sportwelt beobachtet werden. Damit sich u.a. ein solches Wir-Gefühl entwickelt, können kleinere Übungen helfen, sich besser kennenzulernen und Vertrautheit aufzubauen. So könnte beispielsweise ein Patensystem (vgl. Linz, 2014) installiert werden. Dabei übernimmt ein etablierter Spieler die Verantwortung für den Neuen. Dies beinhaltet unter anderem, als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen und in die Regeln und Gebräuche der Mannschaft einzuführen. Diese oder andere Maßnahmen bezwecken, den neuen Spielern das Gefühl zu geben, willkommen zu sein, die Integration in das bestehende Gefüge/System zu erleichtern und einzelne, tiefere Verbindungen zwischen den beiden Gruppen zu schaffen. Dies ist nur eine von vielen Möglichkeiten, Spielern den Einstieg in ein neues Team zu erleichtern. Hier sind der Kreativität des Trainers keine Grenzen gesetzt. Sollte der Coach jedoch Schwierigkeiten haben, kann ein Sportpsychologe mit ins Boot genommen werden, der diesen Prozess begleitet.
Fazit
Es bleibt festzuhalten, dass Trainer und Mannschaft gerade in der Transferperiode immer wieder mit der Situation konfrontiert werden, neue Spieler in das bestehende System integrieren zu müssen. Hieraus können Probleme innerhalb des Teams entstehen, die sich mittel- bis kurzfristig auf die Leistung der gesamten Mannschaft auswirken. Den Verantwortlichen stehen diesem „Problem“ jedoch nicht hilflos gegenüber, sondern können gezielt Einfluss darauf nehmen, neue Mitspieler aufzunehmen und den Gruppenzusammenhalt zu stärken.
Literatur:
Alfermann, D./Strauß, B. (2001). Soziale Prozesse im Sport. In: Gabler, H., Nitsch, J. R., Singer, R. (Hrsg.). Einführung in die Sportpsychologie Band 2: Anwendungsfelder. Karl Hofmann Verlag: Schorndorf.
Carron, A. V., Hausenblas, H., Eys, M. A. (1998). Group dynamics in sport Fitness Information Technology. Morgantown, WV.
Linz, L. (2014). Erfolgreiches Teamcoaching: Ein Team bilden, Ziele definieren, Konflikte lösen. Meyer&Meyer Verlag: Aachen.
Kürzlich kam ein Fußballer mit dem Problem zu mir, dass er schon seit langem den Kopfball nicht richtig spielen könne. Wir fingen an zu analysieren und es stellte sich schnell heraus, dass er eine Verletzung nicht überwunden hatte. Seit einem Zusammenprall beim Kopfball mit zwei weiteren Spielern, bei dem er eine Gehirnerschütterung davontrug und bis heute auf keinerlei Erinnerung mehr an das Spiel zurückgreifen kann, hat er Angst beim Kopfball.
Zum Thema: Wie es gelingt, die Angst vor einer erneuten Verletzung zu überwinden?
Es kommt oft vor, dass ein Sportler nach einer Verletzung nicht wieder auf sein Leistungsniveau kommt. Mannschaftsärzte, Physiotherapeuten und Konditionstrainer stellen zwar fest, dass der Athlet wieder absolut gesund ist, allerdings liefert dieser nicht die gewünschte Leistung. Trotz eines effektiven Heilungsverlaufes wird der Wiedereinstieg also verzögert. Oft kann die Sportpsychologie in solchen Fällen helfen. Denn oftmals ist die Angst, sich erneut zu verletzen einer der wichtigsten Gründe, weswegen Sportler ihre Leistung nach einer körperlichen Verletzung nicht schnell und ganz entfalten können. Sie spielen sehr vorsichtig und trauen sich weniger zu. Oft kann sich diese Sache lange hinziehen und einen dauerhaften negativen Einfluss auf die Gesamtleistung haben. Auch in unserem Fall hat der junge Spieler erst nach langer Zeit ein Gespräch gesucht, um das Problem in den Griff zu bekommen.
Gegen Angst hilft ein gutes Wort
Der Fußballer hatte also Angst, mit dem Kopf in den Zweikampf zu gehen. Wenn eine Flanke kam, drehte er sich immer weg. Die Aufgabe war klar: Der Spieler sollte sich von der Angst befreien und statt solche Situationen zu meiden, bis zum Ende bei der Sache bleiben und den Kopfball spielen. Wie kann man seine Angst überwinden, wenn sich bereits ein „sicheres“ Verhaltensmuster festgesetzt hat? In der Psychologie gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, wie und mit welcher Intensität man mit der Angst arbeitet. Es hängt natürlich vom Schweregrad dieser Ängste ab. Was auch immer diese Ängste sind, die Hauptidee bei der Angstbewältigung besteht darin, dass der Mensch sich der angstauslösenden Situation stellt (Morschitzky, 2009). Auch unser Spieler hat nun nach einer entsprechenden Sitzung entschieden, sich bewusst der Angst zu stellen. Dafür erarbeitete er für sich einige Trainingsmethoden, wo er das Besprochene unmittelbar üben konnte. Obwohl eine künstliche Nachstellung von Aktionen im Training nicht immer getreu einer Aktion im Spiel ist, ist es schon ein guter Anfang, sich in einer unbequemen Situation auszuprobieren und ein neues Verhaltensmuster auszuüben.
Der Fußballer sollte einen Kampf mit anderen Spielern inszenieren. Er hat versucht sein „Problem“ mit Spielfiguren darzustellen und übte gezielt, gegen die Plastikgegner zu spielen. Es ging darum, ein Schlüsselmittel zu finden, dass ihm helfen konnte, auf die mittlerweile gewohnten Reaktion zu verzichten und trotz aller Angst in den Zweikampf zu gehen. Für unseren Spieler fanden wir diesen Schlüssel in der „Methode der Selbstbekräftigung“ (Stoll et al., 2010). Diese Methode hat das Ziel, das Selbstvertrauen und die Motivation zur Problemüberwindung zu steigern. Durch gezielte Konzentration auf die wesentlichen Aspekte und bestimmte Selbstgespräche lenkt der Mensch seine Aufmerksamkeit auf positive und helfende Aspekte. Nun hat der Spieler konkrete Schlüsselwörter für sich ausgesucht: „selbstbewusst“, „keine Angst“, „gerade hoch“. Durch solche Kommandos hat er sein Problem kurz vor einem Kopfball ins Gedächtnis gerufen und somit konzentriert gegen die Angst angekämpft. Diese Worte erinnerten ihn daran, wie er sich verhalten soll. Und zur größten Verwunderung des Spielers hat diese Technik in Verbindung mit einigen Trainings auf dem Platz ihm geholfen, seine Angst zu überwinden. Schon kurz danach konnte er sicher mit dem Kopf spielen und Tore schießen.
Sportpsychologie kann die Rehabilitation beschleunigen
Das ist ein sehr gutes Beispiel, welches die Rolle der Psychologie in dem Rehabilitationsprozess nach einer Verletzung spielen kann. In dem Fall reichte nur eine Sitzung aus. Natürlich heißt das nicht, dass es immer so schnell gelingt, Ängste in den Griff zu bekommen. Es verdeutlicht aber, dass das mentale Begleiten die Rehabilitation beschleunigen kann. Auch der Held dieser Geschichte betont, dass genau die mentalen Aspekte ihm den fehlenden Impuls gegeben haben, um das Problem zu lösen: „Am meisten hat es mir geholfen, sich in jeder Situation durch meine unterstützenden Worte ins Gedächtnis zu rufen, wie man den Kopfball macht.“ Solche gezielten psychologischen Techniken entfernen die Blockade und lassen die Person das machen, was sie im Prinzip machen kann.
Weiterhin muntert der Spieler alle anderen Sportler und Trainer auf, sich auch eine sportpsychologische Hilfe nach einer Verletzung zu holen: „Ich empfehle einfach andere Sachen auszuprobieren. Ganz ehrlich, ich habe nicht damit gerechnet, dass ich das Problem so schnell in den Griff bekomme. Ich konnte den anderen sagen, dass wenn sie auch so was Ähnliches nach der Verletzung durchleben und selbst mit der Situation nicht klar kommen, dann sollen sie sich andere Meinungen von Spezialisten einholen. Offen gegenüber neuen Methoden zu sein, lohnt sich. Bei mir hat es funktioniert“.
Stoll, O., Achter, M. & Jerichow, M. (2010). Vom Anforderungsprofil zur Intervention. Eine Expertise zu einem langfristigen sportpsychologischen Beratungs- und Betreuungskonzept für den Deutschen Schwimm-Verband e.V. Köln: Sportverlag Strauß.
Erfolg beginnt im Kopf. Misserfolg leider auch! Ist sicherlich kein neues Thema, dennoch ist die Verbreitung in der Praxis, insbesondere im Nachwuchstraining, noch nicht ausreichend genug vorhanden.
Zum Thema:Welche Möglichkeiten des mentalen Trainings mit Kindern und Jugendlichen ergeben sich im (leistungsorientierten) Fußball?
In der angewandten Sportpsychologie kann bereits ab circa zwölf Jahren mit einer altersgerechten Verbesserung mentaler Fertigkeiten begonnen werden. Diese Arbeit findet in der Regel auf dem Sportplatz oder in Kleingruppen statt. Vor allem die Stärkung mentaler Fertigkeiten, wie z.B. im Umgang mit Nervosität, bieten sich an. Darüber hinaus kann an der Verbesserung von technischen Fertigkeiten sowie an der Stärkung der eigenen Kompetenzerwartung und Konsequenzerwartung, gearbeitet werden, womit sich wiederum eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit erzielen lässt.
In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass mentales Training als Angebot bei Kindern und Jugendlichen zum Teil nicht ankommt, da die Verantwortlichen sich dieser Möglichkeit versperren. Nicht selten spielt dabei die Angst der Trainer oder der sportlich Verantwortlichen eine Rolle, dass das Hinzuziehen eines Sportpsychologen als Eingeständnis der fehlenden Kompetenz in diesem Bereich gewertet wird. Dies ist nur bedingt verständlich, zumal andere Nationen verschiedener Sportarten mit Sportpsychologen im Kinder und Jugendbereich seit Jahren auf verschiedenen Ebenen zusammenarbeiten. Die derzeitige Situation ist aus der Sicht der meisten angewandten Sportpsychologen ziemlich bedenklich: Im Regelfall wird die Zusammenarbeit mit einem Sportpsychologen – aus Angst vor der roten Couch – gemieden oder es wird erst dann ein Experte zu Rate gezogen, wenn schwerwiegende Probleme gelöst werden sollen (z.B. Abstiegskampf, Konflikte zwischen Trainer und Spieler, Schulprobleme, schlechte Leistung auf dem Platz oder auch der Umgang mit Stress u.v.m.).
Was macht aber junge talentierte Sportler aus? Gemeinhin gilt, dass sie motorisch ziemlich auf der Höhe sind, neue Bewegungen mühelos lernen und es verinnerlicht haben, komplexe Dinge schnell aufzunehmen und diese dann leistungsrelevant abzurufen. Weniger geläufig ist die Bezeichnung mentaler Fähigkeiten bei Kindern und Jugendlichen. Aber aufgepasst: Diese sehen die Leistungssituationen eher nicht als Bedrohung, sondern als Herausforderung. Die Stressforschung brachte Ergebnisse hervor, nach denen mental gefestigte Kicker in Belastungssituationen mit positiven Emotionen, situationsangepasster Erregung und ausgesprochener Fokussierung auf die eigentliche sportliche Tätigkeit reagieren. Der junge Kicker glaubt an sich selbst, bleibt in schwierigen Situationen gelassen und souverän, kann Niederlagen emotional gut verarbeiten, handelt selbstbewusst und verfolgt konsequent seine Ziele.
Ist davon auszugehen, dass zur Erreichung einer erfolgsversprechenden Leistung, ein über viele Jahre kontinuierliches angeleitetes Fußball-Training absolviert werden muss (Bloom, 1985), dann bleibt kaum nachzuvollziehen, dass sportpsychologisches Training in der Nachwuchsförderung in den ersten vier Ligen im Fußball nicht selten stiefmütterlich behandelt wird. Die Tendenzen zur Besserung sind jedoch erkennbar.
Das mentale Training
Aus den oben genannten Inhalten, stelle ich Ihnen nun ein praktisches Beispiel vor: Das mentale Training wird als planmäßig wiederholte, bewusste Sich-Vorstellen einer Handlung ohne deren gleichzeitige praktische Ausführung erklärt (modifiziert nach Eberspächer 1995). Beim mentalen Training laufen somit äquivalente Prozesse wie bei der tatsächlichen Durchführung ab (funktionale Äquivalenz). Zunächst entwickelt ein junger Sportler ein umfangreiches Drehbuch beispielsweise zum Thema: Verbesserung seiner Treffsicherheit beim Freistoß. Anschließend schreibt er diese Bewegung im Detail auf und hebt dabei die Knotenpunkte hervor (Worte einkreisen). Dies könnte wie folgt aussehen:
– Anschließend trainiert der Fußballer die symbolisch markierten Knotenpunkte mental: Laaang; Laaang; Und; Links, Rechts; Links, Rechts; Zack; Schuss!
Die damit verbundenen mentalen Trainingsformen sind dann unter anderem das subvokale Training, das internal observative Training und das ideomotorische Training. Beim subvokalen Training ruft der junge Athlet die Handlungsausführung per innerem Gespräch ab. Beim internal observativen Training stellt er sich selbst aus der Außenansicht bei der Handlungsausführung vor (Kopfkino). Das ideomotorische Training hingegen ermöglicht eine Innenansicht beim Ausführen der Handlung. Diese Trainingsform aktiviert äquivalente neuronale Strukturen, wie praktisch ausgeführte Bewegungen (prämotorischer Kortex) und primär motorischer Kortex (Roth et. al. 1996). Beachten Sie dabei, dass das mentale Training in Verbindung mit der Praxis zu sehen ist und sensibel eingeübt werden sollte.
Zusammengefasst lässt sich unterstreichen, dass ein langfristiger Aufbau mentaler Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen in den Jugendleistungszentren mit Weitblick auf die psychische Gesundheit und Leistungsfähigkeit als eine von vielen zentralen Größen gesehen werden sollte. Ausgangspunkt sollte aus meiner Sicht ein feststehendes Konzept „Kinder und Jugendliche mental stark machen“ sein, dessen Ziel es ist, durch kontinuierliches Mentaltraining die Persönlichkeit so zu entwickeln, dass Kinder und Jugendliche ihre Leistungsmöglichkeiten umfassend ausschöpfen dürfen, parallel jedoch ihre schulische und berufliche Entwicklung nicht aus den Augen verlieren (vgl. Knörzer u.a. 2006). Weitere Tätigkeitsfelder sind z.B. das Training der positiven Selbsteinschätzung (Kompetenzerwartung), situationsgerechte Aktivierungsregulierung und die Förderung der Teamfähigkeit. Hierbei können Sportpsychologen in Verbindung mit den Trainern und Eltern nachhaltig unterstützen.
Literatur:
Bloom, B.S. (1985): Developing Talent in Young People. New York. Ballantine.
Engbert, K. (2011) Mentales Training im Leistungssport – Ein Übungsbuch für den Schüler- und
Eberspächer, H. (1995) Mentales Training. Sportinform Verlag.
Eberspächer, H. & Immenroth, M. (1999). Mentales Training – hilft es auch dem
modernen Chirurgen? Zentralblatt für Chirurgie, 124, 895-901
Jugendbereich. ISBN 978-3-938023-63-1. Neuer Kunstverlag/Neuer Sportverlag
Knörzer, W. (2006): Kompetenzorientierte Prävention und Gesundheitsförderung. In: Knörzer/
Knörzer, W. (2008): Kompetenzorientierte Prävention. „Life Skills Education“ mit dem Heidelberger
Kompetenztraining (HKT) zur Entwicklung mentaler Stärke. In: Becker/Carlsburg/Wehr (Hrsg.): Seelische Gesundheit und gelungenes Leben, Frankfurt a.M.: Peter Lang, S. 107-114
Mayer, J. & Hermann, H. D. (2014): Sportpsychologie im Nachwuchsfußball: Mentale Fertigkeiten entwickeln und trainieren. ISBN-10: 3894172339. Philippka-Sportverlag
Petrig, G.A. Mentaltraining für Jugendliche: Übungen zur Stärkung der Persönlichkeit zum Einsatz in Schule und Jugendarbeit Taschenbuch. ISBN-10: 3407628269, Beltz Verlag.
Roth, M., Decety, J., Raybaudi, M., Massarelli, R., Delon-Martin, C., Segebarth, C.M.,Morand, S., Gemignani, A., Decorps, M., & Jeannerod, M. (1996). Possible involvement of primary motor cortex in mentally simulated movement: A functional magnetic resonance imagery study.
Bei den meisten Fußball-Bundesligisten dreht sich im Sommer das Transferkarrussel in beeindruckender Geschwindigkeit. Aber auch bei vielen unterklassigen Teams wird der Kader für die bevorstehende Saison neu zusammengestellt. Beginnend mit dieser Phase entwickelt sich im Mannschaftssport das Team. Dieser Prozess ist langanhaltend und sollte von Beginn an vom Trainer beobachtet und gesteuert werden. Der vorliegende Leitartikel “Zur Führung und Teamentwicklung im Fußball” liefert wichtige sportpsychologische Standards und bietet hilfreiche Tipps für den Trainingsalltag.
Für die-sportpsychologen.de berichtet Dr. René Paasch:
Fußball ist ein Mannschaftssport – trotz aller Individualisten. Deshalb ist das Thema Teamentwicklung für jeden Trainer aller Spielklassen ein zentrales Mittel, um leistungsfördernde Maßnahmen zu entwickeln. Diesbezüglich sprach sich Joachim Löw, Trainer der deutschen Fußballnationalmannschaft in einem Interview wie folgt aus: “Ein respektvolles, vertrauensvolles Miteinander in unserem Team ist mir sehr wichtig, Verlässlichkeit und Vertrauen sind in diesem Zusammenhang wesentliche Faktoren. Offene Kommunikation auf Augenhöhe, Kritikfähigkeit, Transparenz und Toleranz, das haben wir vorgelebt, aber es dauert eine Weile, bis so etwas von allen, den Spielern und auch den Betreuern, verinnerlicht wird. Bis alle einander vertrauen“ (vgl. Zeit vom 31.05.2012). Genau in dieser Kernaussage von Joachim Löw, liegen die umfangreichen Prozesse der kontinuierlichen und zeitlichen Teamentwicklung und Führung.
Gruppenkohäsion/Teamkohäsion
Bevor ich nun auf die Phasen der Teamentwicklung nach Tuckmann und Lau eingehen werde, möchte ich Ihnen den Begriff der Gruppenkohäsion oder auch Teamkohäsion anbieten, da dieser im sportlichen Kontext sehr wichtig ist. Kohäsion wird aus dem lateinischen Verb „cohaerere“ abgeleitet, was so viel wie miteinander verbunden sein bedeutet. Begriffe wie Zusammenhalt, Teamgeist oder Gruppenmoral werden oft synonym verwendet. In der Sportpsychologie wird in der Regel das theoretische Modell der Gruppenkohäsion von Albert Carron und Kollegen (Brawley und Widmeyer, 1998) verwendet. Laut Modell lässt sich Gruppenkohäsion in vier verschiedene Faktoren aufteilen. Zum einen kann man zwischen aufgabenbezogener und sozialer Kohäsion unterscheiden. Zum anderen wird die Gruppe als Ganzes betrachtet sowie der Einzelne im Kontext der Gruppe. Der Unterschied zwischen den letzten beiden Aspekten lässt sich an einem Beispiel verdeutlichen: So könnte es sein, dass man eine Mannschaft hat, bei der 15 von 16 Teammitgliedern viel zusammen unternehmen. Ein Sportler hingegen bleibt außen vor. Fragt man nun diesen Sportler nach der Einheit der Gruppe, so müsste er sagen, dass sie hoch sei, denn für die Gesamtgruppe stimmt dies ja auch. Jedoch der Sportler selbst ist dort nicht integriert und daher ist seine Verbindung zur Gruppe niedrig. Aus den bisherigen Erkenntnissen lässt sich hypothetisch folgendes schlussfolgern: Teams, die ihre Aufgabenkohäsion höher einschätzen als andere Teams, sind tendenziell auch erfolgreicher. Erfolge und Misserfolge im Saisonverlauf führen nicht zwangsläufig zu veränderten Kohäsionswahrnehmungen im Team. Es gelingt eher, einen höheren, positiven Einfluss vom vorherigen sportlichen Erfolg auf die Kohäsion nachzuweisen als umgekehrt (Lau, Stoll, 2002, 2003, 2004, 2007).
In dem nun folgenden Text, werde ich Ihnen die wichtigen Ansatzpunkte zur Entwicklung und einer kontinuierlichen Leistung im Team aufzeigen. Der Begriff „Team“ ist heutzutage überall im Gespräch. Doch was genau verbirgt sich eigentlich dahinter? Die sprachliche Wurzel des Begriffs „Team“ stammt aus dem Altenglischen und kommt von den Bedeutungen „Familie“ und „Gespann“. Was macht aber eine Familie aus? Wir sind miteinander verbunden, wir teilen einen gemeinsamen Namen, wir teilen gemeinsame Überzeugungen und Werte, wir halten zusammen. Und auch der Begriff des Gespanns erzeugt eine klare Vorstellung: Wir ziehen gemeinsam an einem Strang und wir setzen unsere Kräfte an der gleichen Stelle und für das gleiche Ziel ein. In diesem Zusammenhang und als Einstieg gilt das Phasenmodell von Tuckmann (1965, 1977).
In der ersten Phase „Stadium: Kennenlernen“ machen sich die Mannschaftsmitglieder miteinander vertraut. Sie erkunden, ob sie sich dieser Gruppe zugehörig fühlen, und wenn ja, welche Rolle sie darin spielen. Insbesondere in dieser Phase entstehen Gefühle der Unsicherheit, der bedachten Zurückhaltung, die eine sensible Führung des Trainers voraussetzt. Daher ist eine Orientierung an Zielen und klaren Vorgaben zu empfehlen. Der Trainer sollte sich bemühen, die Motive und Erwartungen der Sportler in Erfahrung zu bringen und versuchen, diese mit seinen Vorstellungen abzustimmen. In dieser Phase sollte auf gute Stimmung geachtet werden, um die positive Anfangsmotivation zu stärken. In der zweiten Phase „Stadium: Konfrontation- Konfliktphase“ ist es unumgänglich, wenn man auf Dauer effektiv und erfolgreich sein will, dass der Trainer die Bildung von Untergruppen beobachtet und gegebenenfalls einschreitet, insbesondere bei zu starken und dominanten Gruppen. Zwischenmenschliche Konflikte, Rebellion gegen den Trainer, Widerstände gegen die Kontrolle durch die Gruppe oder gegen die Gruppennorm sind normale Verhaltensweisen und bedürfen einer bedachten Führung von außen. Der Trainer kommt in dieser Phase die Aufgabe zu, Stärken und Schwächen zu erkennen, diese transparent zu machen und einschätzen zu können. Anschließend sollte der Sportler seine Aufgabe und Rolle innerhalb der Mannschaft kennen. Im Übergang von der Konfliktphase ins „Stadium: Festigung“ sollte man als Trainer sensibel abwägen, wo man aktiv eingreift und wo man den Prozess der Gruppe überlässt. Die Festigung sollte dann durch solidarische und kooperative Einkünfte ergänzt werden. In der dann darauffolgende Phase „Stadium: Leistung“ steht dann der Erfolg. Teammitglieder sammeln ihre Kräfte, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Es gibt im Ablauf immer wieder neue Wege, die auf eine frühere Phase zurückführen, etwa bei Neuverpflichtungen oder neuen Konflikten. Insgesamt sollte der Prozess nicht einseitig gesehen werden, sondern aus einer ganzheitlichen Sichtweise. Aus dieser Sicht heraus wird deutlich, dass es grundsätzliche Regeln gibt, die für alle Gruppen gelten. Egal, ob es sich um Familien, Interessensgemeinschaften, Vereine oder eben auch Mannschaften handelt. Diese Regeln „gelten stillschweigend“, ohne dass diese vereinbart wurden. Beobachten Sie vertraute und erfolgreiche Teams. Sie werden vermutlich einiges von dem, was ich im Folgenden darstelle, im sportlichen Alltag wiederfinden.
Teamentwicklungstraining
Ein weiteres interessantes Konzept der Teamentwicklung für den Sport, ist das Teamentwicklungstraining (TET) von Lau (2005b). Dieses integrative Training vereint die praktische Wechselwirkung zwischen sportlichem Training, Wettspiel und sozialer Entwicklung der Mannschaft. Des Weiteren nutzt das TET personen- und gruppenzentrierte Maßnahmen, die auch Veränderungen organisatorischer Strukturen einschließen. Das TET basiert auf folgenden vier Grundannahmen:
1) Das Team ist entwicklungs- und lernfähig;
2) Das Team kommuniziert mit seiner Umwelt;
3) Die Leistungsoptimierung der Mannschaft besitzt eine zentrale Funktion und
4) Veränderungen innerhalb der Mannschaft haben höhere Akzeptanz unter den Spielern, wenn ihre Bedürfnisse und Wünsche einbezogen werden.
Als Zielsetzungen für das TET gelten daher:
Aufstellen von Teamzielen
Entwickeln eines Rollenverständnisses eines jeden Teammitgliedes
Förderung der Kommunikation
Initiierung eines Konfliktmanagements für Sach- und Beziehungsproblemen
Balance zwischen Kooperation und Konkurrenz innerhalb der Gruppe
Förderung des Bewusstseins des Aufeinander-Angewiesen-Seins innerhalb des Teams.
Im Sinne der interdisziplinären und systemtheoretischen Orientierung bei der Erklärung kollektiver Leistungen im Sport baut das Teamentwicklungstraining (TET) von Lau auf folgenden Prinzipien auf:
Orientiert sich an einer Trainingsplanung, die dem Prinzip der Zyklisierung und Periodisierung folgt.
Orientiert sich an der Optimierung kollektiver Leistungsvoraussetzungen.
Die Mannschaft ist ein soziales System, das sich von seiner Umwelt abgrenzt, aber mit ihr kommuniziert und interagiert.
Korrespondiert mit Maßnahmen der Trainings- und Wettspielsteuerung.
Primär für das gesamte Team konzipiert, gruppen- und personenbezogene ergänzen das verfügbare Methodeninventar.
Vereint geplante und situationsabhängige Interventionsmaßnahmen.
Unterstützt positive Teamentwicklungstrends und (zer-)stört gezielt Fehlentwicklungen.
Basiert auf einer systematischen Teamdiagnose und bedarf einer kompetenten Interventionsleitung.
Es wird deutlich, dass sich das TET nicht an einer festen Phasenabfolge der Teamentwicklung orientiert, wie bei Tuckmann, sondern sich mit begleitenden Maßnahmen in die Struktur und Funktionen des sportlichen Trainings- und Wettkampfgeschehens einbindet. Neben wiederkehrenden und standardisierten Phasen im Saisonverlauf einer Fußballmannschaft sind es vor allem gruppenspezifische, nicht vorhersehbare Situationen, die zum Anlass für gezielte Interventionsmaßnahmen genommen werden. Der Erfolg des TET hängt somit stark vom Führungsverhalten des Trainers ab. Also konkret der Frage, ob es gelingt, über individuelle und kollektive Maßnahmen diesen Prozess zu fördern?
Die oben genannten Phasen der Teamentwicklung von Tuckmann und Lau werden begleitet von fünf zentralen Bestandteilen für ein echtes Team (s. Abb. 2)
Ziele
„Die gemeinsamen Ziele“ von heute sind die Gegenwart von morgen. Ziele reichen somit aus der Gegenwart in die Zukunft. Deswegen gehört die Zielsetzung zu den wichtigsten Motivationsmaßnahmen in einer Mannschaft. Daraus ergeben sich Hinweise, wie sich eine Mannschaft zusammenbringen lässt, wenn es erforderlich ist. Das gemeinsame Ziel ist dabei immer der Ausgangspunkt. Darauf sollten Trainer ihre Spieler jeweils zu Beginn einschwören. Und auf dieses Ziel kann immer wieder zurückgriffen werden. Und es ist etwas wesentliches, dass man nicht nur ein gemeinsames Ziel hat, sondern in der Erreichung des Ziels auch voneinander abhängig ist. Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass Athleten oft vergessen, wie sehr sie von ihrem Mannschaftskollegen abhängig sind. Deshalb betone ich diesen Aspekt immer wieder. Aus meiner Sicht gibt es verschiedene Typen der Zielsetzung, die sich in ihrer zeitlichen Vorausnahme und zum anderen durch ihre Inhalte unterscheiden. Deshalb ist es von Bedeutung, dass die persönlichen Ziele der Einzelmitglieder im Interesse des Mannschaftsziels greifen. Die „zeitlichen Ziele“, die in die Zukunft reichen, ändern somit die konkreten Erreichbarkeiten und führen zu gezielten Veränderungen. „Nahziele“ sind hingegen für die langfristigen Ziele richtungsweisend, da sie diese in eine überschaubare Frist einbinden. „Mittelfristige Ziele” motivieren über einen überschaubaren Zeitraum, z.B. über eine Spanne von vier Wochen bis zu sechs Monaten. Die “Langfristigen Ziele” als Leitidee steuern das Fernziel, “Nahziele” und “mittelfristige Ziele” führen zu vorausschauenden Tätigkeiten. Aus der sehr allgemeinen Darstellung der verschiedenen Typen ergibt sich die Wahl der Zielstellung und die verschiedenen Zielarten wie beispielsweise “die guten Vorsätze”, “die Ergebnisziele” und “die Fähigkeitsziele” (körperlich-konditionelle, koordinativ-technische, kognitiv-taktische und mentale Ziele). Bedenken sollten Trainer trotz aller guten Planung: Nur wenn Sportler ihre Ziele selbst definieren oder zumindest akzeptieren, übernehmen sie dafür auch die Verantwortung.
Regeln
„Die gemeinsamen Regeln“ sind der Grundpfeiler einer Mannschaft. Damit bestimmt das Team, was ihm wichtig ist und wo es seine Grenzen sieht. Mit festen Regeln sind z.B. konkrete Dinge wie ein Strafenkatalog für das das Benutzen von Telefonen während der Teamsitzungen gemeint. Solche Regeln sind wichtig, da sie für das Funktionieren der Abläufe in der Mannschaft sorgen und dem einzelnen Sportler Orientierung bieten. Genauso gelten Regeln, die nicht immer offen ausgesprochen werden, aber dennoch wirksam sind. Trainer könnten beispielsweise Fragen, welches Verhalten auf dem Platz erwünscht oder unerwünscht ist? Muss der Jüngste jeweils die Leibchen einsammeln? Alle solche Dinge sagen etwas über das Selbstverständnis der Mannschaft aus, darüber, was ihr wichtig ist. Trainer sollten mit ihrem Team über dieses Thema vor der Saison sprechen und sich überraschen lassen, was dabei heraus kommt.
Identität
„Die gemeinsame Identität“: In der Wirtschaft ist es schon lange Standard, dass man ein firmeninternes Leitbild entwickelt. Dieses beschreibt, wer man ist und/oder sein möchte, welche Werte man vertritt und wo man die eigenen Aufgaben und die eigenen Stärken sieht. Ein solches Leitbild ist auch im Sport hilfreich, denn es erleichtert die Identifizierung des Einzelnen mit dem Gesamten. Anhaltspunkte dazu:
Ich bin stolz und glücklich, in dieser Mannschaft zu spielen.
Wir werden in unserem Spiel sicher Auftreten und füreinander einstehen.
Für unser Team spielen wir mit Kraft und mit immer wiederkehrendem Engagement, komme, was wolle!
Und damit werden wir eine Mannschaft sein und erfolgreich spielen!!!
Leider werden solche Visionen und Bilder viel zu selten genutzt. Dabei drängen sie sich auf. Befindet sich zum Beispiel ein Tier im Vereinswappen? Denken wir doch einmal an das Eishockey. Die Berliner Eisbären. Das sind ganz klare Symbole. Aber auch ohne Tiersymbol gibt es viele Möglichkeiten, Leitbilder zu erschaffen. Beginnen wir das zum Beispiel so, indem Sie als Trainer sich vor Saisonbeginn mit Ihrem Team im lockeren Rahmen zusammensetzen und von ihren Träumen, ihren sportbezogenen Idealen erzählen. Und dann tragen Sie zusammen, wie sich die Einzelspieler schon sehen:
Was sind die Stärken und wie arbeiten wir gemeinsam an unseren Schwächen?
Was ist charakteristisch für ihr Team?
Für welche Werte stehen sie?
Anschließend führt der Trainer das Idealbild und die Realität zusammen. Das Leitbild sollte schon in die Zukunft weisen. Formulieren Sie die Essenz dieses Leitbildes in einem prägnanten Symbol (S04 im Fußball: Die blau-weiße Liebe) oder Satz (z.B. „Wir sind erfolgreiche Fußballer mit Herz und Hand.“). Dieses Symbol, dieser Slogan kann sie in den kommenden Monaten begleiten. Er kann sogar bis in die Jugendmannschaften weitergegeben werden, so dass sich ein Synergie-Effekt ergibt. Mit dem gemeinsamen Ziel, den gemeinsamen Regeln und der gemeinsamen Vision haben Sie eine gute Grundlage, die Ihre Mannschaft, der Verein und möglicherweise die Fans zusammenbringt und die Sie in hilfreicher Weise über die gesamte Saison begleiten kann. Dazu möchte ich Ihnen ein aktuelles Beispiel aus dem Film „Die Mannschaft“ nennen. Es ist ein Film, der die Handschrift von Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff trägt. Sicherlich aber auch ein Beitrag vom Teampsychologen Hans-Dieter Hermann. Es ist kein Zufall, dass Bierhoff immer wieder in Interviewpassagen auftaucht und eingreift und dass die Öffentlichkeit immer mehr über die angewandte Sportpsychologie im Fußball berichtet, insbesondere über Hermann. Somit sind das Campo Bahia und der Teamgeist der Schlüssel zum WM-Sieg. Die beiden Punkte variieren in den 90 Minuten immer wieder und zeigen das beeindruckende Gesicht einer wirklichen Mannschaft auf. Die Kernaussagen sind aus meiner Sicht folgende:
BRASILIEN HAT NEYMAR
ARGENTINIEN HAT MESSI
PORTUGAL HAT RONALDO
DEUTSCHLAND HAT EINE MANNSCHAFT
(zitiert nach Steven Gerrard)
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„Kommunikation“ ist neben Führung aus meiner Erfahrung heraus das Schlagwort, dass am häufigsten benutzt wird. Wo Sportler und Trainer miteinander zu tun haben, spielen Interaktion und Austausch eine zentrale Rolle. In der Kommunikation gilt daher, dass Äußerungen stets einen Sachaspekt und einen Beziehungsaspekt besitzen. Jedes Teammitglied gibt neben der reinen Information immer etwas „von sich“ mit, mit dem er oder sie in Beziehung steht. So wie das Team miteinander kommuniziert, zeigt sich einem Sportpsychologen, wie es um die Beziehungen der Sportler und Trainer steht. Typischerweise verläuft die Kommunikation im Team wie eine unruhige Stimmungskurve. Zuerst ist die Stimmung gut und optimistisch, bis erste Streitereien entstehen. Erst wenn diese gelöst sind, kann es mit einem guten Gefühl produktiv weiter gehen. Ich zeige nun den – aus meiner Sicht – idealen Kommunikationsumgang, der ein Team erfolgreicher macht:
Respektvolle und wertschätzende Haltung gegenüber den Mannschaftskollegen
Aktives Zuhören und Nachfassen
Fehler offen ansprechen und lösungsorientiert darauf eingehen
ICH-Botschaften senden
Über die fünf Sinne kommunizieren
Inhalte auf das Wesentliche beschränken
Im Wettkampf einfache Inhalte wählen und diese zielführend senden
Für eine erfolgreiche Kommunikation gibt es keinen Knopf. Es genügt nicht, den Sportlern klar zu machen, dass man von Ihnen förderliche Kommunikation erwartet, ohne diese selber zu leben. Keiner der oben genannten Punkte funktioniert einfach so. Zielführende Kommunikation ist das Ergebnis stetiger Arbeit am Team und die Rückmeldung seines eigenen Kommunikationsstiles.
Aufgaben- und Rollerverteilung
Das Kennenlernen der individuellen und kollektiven Aufgaben- und Rollenverteilung und das Wissen um ihre Stärken und Besonderheiten erhöht die innere Sicherheit eines wachsenden Teams. Die Spielposition und die damit verbundenen Rollen sind dabei besonders zu erwähnen. Die Spielposition gibt den Platz an, den der Einzelne in der Mannschaft besetzt. Wichtig ist dabei, dass diese Position austauschbar bleibt, gleichermaßen aber nicht jedes Teammitglied in der Lage ist, die mit dieser Position verbundenen Aufgaben zu erfüllen. Die damit verbundene Funktion wird dann als Rolle bezeichnet. Die Rolle ist wiederum die Erwartung, die ein Spieler auf einer Position erfüllen soll. Geknüpft daran sind zwei Aspekte: Die Forderungen und Pflichten, die an die Rolle gebunden sind und der persönliche Beitrag zur Mannschaftsleistung. Das Rollenverständnis beinhaltet also für den Sportler die Fragen:
Was muss ich tun? (Pflicht)
Was darf ich tun? (Individualitätsgrad)
Was soll ich tun? (persönliche Erwartung)
Was kann ich tun? (Selbsteinschätzung) (Baumann, 2002)
Jeder Spieler hat dadurch zunächst die Forderungen und Pflichten zu erfüllen. Durch diese Kenntnisnahme kann der Sportler sein persönliches Können zielgerichtet einsetzen. Dabei sollte man nicht außer Acht lassen, dass es komplexe Rollen gibt, die ein variables Verhalten voraussetzen wie beispielsweise die zentrale Mittelfeldposition. Daher sind eine frühzeitige Kenntnisnahme der Position und Rolle im Team, weitere Bestandteile eines echten Teams.
Wenn wir die Liste der oben genannten Bestandteile eines echten Teams jetzt noch einmal betrachten und uns zurück in unsere Beispielsituation mit ihnen als Trainer stürzen: Wo sind bei Ihrer derzeitigen Mannschaft oder der geplanten saisonalen Vorbereitung Prozesse zu erarbeiten? Und mit welchen Punkten haben Sie selber als Trainer am meisten Erfahrungen? Sind Sie z.B. in der Lage, diese Komplexität eines Teams zu entwickeln? Nur, wenn es ihnen selbst gelingt, die genannten Bestandteile ausreichend in den Griff zu kriegen und von außen sensibel zu führen, werden Sie auch in der Lage sein, bei ihrer Mannschaft einen entsprechenden Teamspirit und das dazu passende Ergebnis zu erschaffen.
Zusammenfassung
Zusammengefasst lässt sich festhalten, dass die Phasen der Teamentwicklung fortlaufend stattfinden und einer sensiblen Führung bedürfen. Das gemeinsame Ziel, die gemeinsamen Regeln und die gemeinsame Vision sind eine sehr gute Grundlage, um die Mannschaft zusammenzuführen und in hilfreicher Funktion, saisonal zu begleiten. Genauso wie die alltägliche Kommunikation und der Umgang mit der Aufgaben- und Rollenverteilung beeinflussen diese Punkte den Entwicklungsprozess eines Teams. Zu guter Letzt möchte ich den Dokumentar-Film „Trainer” wärmstens empfehlen! Aljoscha Pause ermöglicht hier reale Einblicke in den Arbeitsalltag eines Fußballtrainers. Teamsitzungen und lebensnahe Bilder sowie viele persönliche Einschätzungen zeichnen ein interessantes Bild des Trainers, die permanent unter höchsten psychischen Druck der Öffentlichkeit stehen.
Einen kleinen Ausschnitt dazu, finden Sie in dem nun folgenden Trailer:
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Fazit: In der Entwicklung und Festigung eines echten Teams und in vertrauensvoller Unterstützung können Sportpsychologen in Verbindung mit dem Trainer, dem Funktionsteam und den Verantwortlichen effektiv unterstützen. Die Komplexität dieser Prozesse macht es aus meiner Sicht unerlässlich, dass Sportpsychologen fester Bestandteil in den Trainerstäben der Fußball-Bundesligisten werden.
Literatur
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