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Dr. Hanspeter Gubelmann: Wer soll es sein – Mentaltrainer oder Sportpsychologe?

In diesem Sommer folgen die sportlichen Grossveranstaltungen Schlag auf Schlag: Fussball-Europameisterschaft, Leichtathletik-EM und Olympische Spiele in Rio, dazwischen liegen weitere Top-Ereignisse wie Wimbledon im Tennis oder der Radsportklassiker „Le Tour de France“. Dabei fällt auf, dass insbesondere in der Berichterstattung der Medien die Bedeutung der Psychologie und der mentalen Fähigkeiten und Fertigkeiten vermehrt ins Zentrum der Diskussion gerückt werden. Mein deutscher Kollege Dr. René Paasch hat sich in seinem jüngsten Blog der durchaus brisanten Frage genähert, an wen sich der interessierte Sportler im Bedarfsfall eher wenden soll – an einen Mentaltrainer oder an den Sportpsychologen? Zur Einstimmung in die Thematik lohnt die Lektüre seines Textes:

Dr. René Paasch: Mentaltrainer oder Sportpsychologe?

Ein Fazit aus den Überlegungen des deutschen Kollegen ist schnell gezogen: Die Einordnung der Dienstleistungen von Mentaltrainern wird aufgrund uneinheitlicher Qualifikationsstandards und fehlender ethischer Arbeitsgrundsätze zum Selbstversändnis in Beratung und Betreuung zum Problem. Noch prägnanter formuliert es Martin Miller in seinem Kommentar zum Beitrag: „Mentaltrainer sind in der Regel Scharlatane, die irgend eine pseudowissenschaftliche Sparte anbieten und nicht über die genügenden psychologischen Kenntnisse verfügen, um auf diesem Gebiet professionell zu beraten.“ Gilt diese Einschätzung tatsächlich auch für die Schweiz?

Für die-sportpsychologen.ch berichtet Dr. Hanspeter Gubelmann:

Mit 25 Jahren Praxiserfahrung im Spitzensport und bald 20 Jahren Vorstandsarbeit in der SASP (Swiss Association of Sport Psychology) möchte ich versuchen, ein etwas differenzierteres Bild zu zeichnen. Dabei gilt es einleitend folgende, gravierende Unterschiede zwischen der Schweiz und Deutschland festzuhalten.

  • Entwicklung des Berufsfeldes der angewandten Sportpsychologie: In der Schweiz war die Angewandte Sportpsychologie durch ihre institutionelle Nähe zur Trainerbildung und Sportlehrerausbildung schon sehr früh in der Praxis des Leistungssports verankert. Demgegenüber entwickelte sich dieser Fachbereich in Deutschland primär über sportwissenschaftliche Forschung an diversen universitären Lehrstühlen.
  • Titelschutz: Die SASP ist seit ihrer Gründung 1969 Gliedverband der Föderation Schweizer Psychologinnen und Psychologen (FSP). Die ordentliche Mitgliedschaft erhält nur, wer einen universitären Master-Abschluss in Psychologie vorweisen kann. Damit ist – im Unterschied zu Deutschland – der Titelschutz gegeben. Mentaltrainer, die sich in der Schweiz als Sportpsychologe ausgeben, machen sich strafbar.
  • Einbezug der Mentaltrainer: Im Unterschied zu Deutschland liegt es im Bestreben der SASP, gut ausgebildete und entsprechend qualifizierte Mentaltrainer in die Sektion „Mentaltrainer“ der SASP aufzunehmen. Dies geschieht über genau definierte Voraussetzungen und setzt das erfolgreiche Bestehen eines Assessments voraus. Sämtliche Angaben finden sich auf der SASP-Homepage: www.sportpsychologie.ch

Die SASP als nationaler Fachverband ist sich seiner Verantwortung hinsichtlich der Entwicklung des Berufsfeldes sowie der Förderung und Einhaltung hoher Qualitätsstandards sehr wohl bewusst. Dabei orientiert sie sich in hohem Masse an der Berufsordnung ihres Mutterverbands FSP, die vier bindende, berufsethische Prinzipien vorgibt: Achtung der Würde und Rechte der Person (Klient), fachliche Kompetenz, Verantwortung und Integrität. Die SASP-Statuten legen fest, dass sich alle Mitglieder in Ausübung ihrer Tätigkeit an diesen Prinzipien orientieren müssen.

Welche Kompetenzen für welchen Tätigkeitsbereich?

René Paasch orientiert sich in seiner Argumentation insbesondere an den unterschiedlichen Qualifikationsstandards für Mentaltrainer und Sportpsychologen. Noch bedeutsamer erscheint aber die Frage, inwiefern sich die entsprechenden Dienstleister für die unterschiedlichen Aufgabenbereiche der Angewandten Sportpsychologie qualifizieren (vgl. Gubelmann, 2004).

Abb 1_Aufgabenfelder

Im Zentrum des Psychologischen Trainings (vgl. Abb. 1) steht die Verbesserung grundlegender psychischer Fertigkeiten. In Anlehnung an Seiler und Stock (1994) lassen sich zwei Zielbereiche unterscheiden: die Optimierung der Handlungskompetenz, wobei die angewandten Methoden primär bei der psychischen Regulation der sportlichen Handlung (z.B. psychomotorisches Training in Form eines Bewegungsvorstellungstrainings) ansetzen, sowie die Optimierung der Selbstregulationskompetenz, die auf eine Verbesserung der grundlegenden Selbstregulationsprozesse abzielt (z.B. Psychoregulationstraining in Form eines Aktivationstrainings). Gemeinsamer Ansatzpunkt der in «klassischen» psychologischen Trainings angewandten Verfahren liegt in der Regulation bestimmter (Teil-)Funktionen oder spezifischer Prozesse. Das psychologische Training ist insbesondere dort angesagt, wo es gezielt, geplant und
systematisch entwickelt und in den Trainingsprozess der Athleten oder Athletinnen integriert wird. Diese unmittelbare Nähe zum Trainings- und Wettkampfprozess impliziert, dass der effektivste Mentaltrainer möglicherweise der eigentliche Trainer des Athleten oder der Athletin selbst ist, falls er durch einen entsprechend ausgebildeten Mentaltrainer oder eine Psychologin angeleitet wird. Eine Intervention im Bereich der Betreuung und Beratung kann ebenfalls eine Leistungsoptimierung bezwecken. Mindestens so häufig liegt das Ziel aber in einer konkreten Veränderung im sportlichen und/oder privaten Umfeld des Athleten oder der Athletin. Im Hinblick auf eine Leistungssteigerung sind es oft gestufte oder gestaffelte, komplexere Verhaltensprogramme (vgl. Sonnenschein, 1990), die über das weiter oben beschriebene psychologische Training hinausgehen und dementsprechend breite sportpsychologische Kompetenz der Betreuungsperson voraussetzen.

Klinische und insbesondere psychotherapeutische Massnahmen sind dann angezeigt, wenn psychische Störungen die Athletin oder den Athleten nicht nur in ihrer sportlichen Leistungsfähigkeit einschränken, sondern das psychische Wohlergehen der Person grundsätzlich gefährden. Schwerwiegende Traumatisierungen können Folge eines Sportunfalls sein (z.B. Unfallneurose), in Zusammenhang mit sexuellen Übergriffen stehen (z.B. Angstneurose), in Koinzidenz mit einem somatischen Krankheitsbild (z.B. Essstörung, anorexia athletica) auftreten oder durch Katastrophen (z.B. Terroranschläge) hervorgerufen werden. Obwohl psychotherapeutische Interventionen im Vergleich zum täglichen Handlungsbedarf in der psychologischen Beratung und Betreuung seltener sind, handelt es sich hierbei um eine wichtige Dienstleistung der angewandten Sportpsychologie, die im Ernstfall den Einsatz eines entsprechend geschulten Experten auch aus dem Bereich der Notfallpsychologie (vgl. Van Ralte, 2003) bedarf.

Die Qual der Wahl? Worauf es zu achten gilt!

Auf die Frage eines Athleten, nach welchen Kriterien er sich auf die Suche nach einem passenden Betreuungsangebot im Hinblick auf einen zukünftigen Grossanlass machen sollte, könnte folgende Checkliste sinnstiftend sein.

Ausbildungsstandards und -niveau „Sportpsychologe“: Ordentliche Mitglieder der SASP sind ausgebildete Psychologinnen und Psychologen mit einem Master in Psychologie. Jene aktuell 23 Psychologen, die den Fachtitel „Fachpsychologie für Sportpsychologie“ mitbringen, haben eine dreijährige postgraduale Weiterbildung in angewandter Sportpsychologie absolviert und bringen Berufserfahrung mit. Sie gelten als Experten ihres Fachs und werden entsprechend in der Datenbank geführt. Ihre Koordinaten finden sich auch im Psychologinnen-Verzeichnis (siehe Quellenangabe) unter Fachtitel „Sportpsychologie FSP“.

Einige Fachtitelträger sind bereits Profilinhaber bei die-sportpsychologen.ch:

http://die-sportpsychologen.ch/die-sportpsychologen-2/

Mentaltrainer

Qualifikation „Mentaltrainer“: Die Berufsbezeichnung „Mentaltrainer“ ist im Gegensatz zu Psychologe und Sportpsychologe rechtlich nicht geschützt. Entsprechend zahlreich sind im Internet Anbieter mit zweifelhaftem Hintergrund anzutreffen – auch in der Schweiz. Mentaltrainer, die der SASP angehören, haben ein umfangreiches Aufnahmeverfahren erfolgreich absolviert und bringen eine zertifizierte Mentaltrainer-Ausbildung mit, wie sie z.B. von der ZHAW angeboten wird (siehe Link)

Qualifikation „Sport“: In welchem Masse sich ein Mentaltrainer oder ein Sportpsychologe für den Sport qualifizieren, muss im Einzelfall unbedingt nachgefragt werden. Grundsätzlich gilt: jeder im Spitzensport engagierte Betreuer muss das System „Spitzensport“ kennen und verstehen!

Die Gütekriterien

Erstgespräch: Zu den Gütekriterien eines Betreuungsangebots, welche im Rahmen eines Erstgesprächs erörtert werden müssen, gehören:

Bildschirmfoto 2016-07-18 um 11.31.01

Transparenz – es muss Klarheit herrschen, wo und wie der Anbieter seine Kompetenzen erlangt hat, wie sein Vorgehen aussieht und wo die Grenzen seiner Expertise liegen.

Verantwortung – Anbieter respektieren die Berufsordnung der FSP, insbesondere die Schweigepflicht, Datenschutz und Wahrung der Intimsphäre; Viele seriöse Anbieter geben diese Angaben auch in Form einer schriftlichen Information ab (siehe Beispiel Informationsblatt)

Fortbildung – Anbieter bilden sich kontinuierlich weiter und arbeiten in Intervisions- und Supervisionsgruppen.

Vernetzung – Sportpsychologen sind vernetzt und können Athleten im Bedarfsfall an spezialisierte Kollegen weitervermitteln.

Abschliessende Tipps und Hinweise

Bedenkfrist: Es braucht Zeit, um eine wirklich gute Wahl zu treffen! Angebote, die einen schnellen Erfolg versprechen, als mühelos umsetzbar beschrieben werden oder einen Erfolg gar garantieren wollen, sind sehr suspekt. Es empfiehlt sich, eine allenfalls vorhandene Homepage des Anbieters anhand der obigen Kriterien zu beurteilen. Im Zweifelsfall lohnt die Rücksprache und eine Kontaktaufnahme mit der dem Berufsverband SASP.

Bauchgefühl: Hohe Fachkompetenz, die Mitgliedschaft im Fachverband und ein imponierendes Auftreten des Sportpsychologen im Erstgespräch reichen für eine stimmige Wahl aber noch nicht, falls ein entscheidender Indikator nicht ansprechen sollte – das Bauchgefühl! Dieses liefert dem Athleten den grundsätzlichen Hinweis dafür, ob die „soft factors“ wie z.B. empathisches Empfinden derart ausgeprägt sind, damit eine vertrauens- und achtsamkeitsbasierte Zusammenarbeit entstehen kann.

 

Quellen:

Gubelmann, H.-P. (2004). Ein Fall für den Sportpsychologen? Über Themen, Aufgaben und Integration der psychologischen Intervention im Schweizer Spitzensport. Schweizerische Zeitschrift für Sportmedizin und Sporttraumatologie 52 (2), S.49-53.

Seiler R. & Stock A. (1994). Handbuch Psychotraining im Sport: Methoden
im Überblick. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt.

Sonnenschein, I. (1990): Das Kölner Psychoregulationstraining (3. Aufl.).
Köln: bps-Verlag.

Van Ralte J.L. (2003). Provision of Sport Psychology Services at an
International Competition: The XVI Maccabiah Games. The Sport Psychologist,
17, 461–470.

Quellen:

Weiterbildungskurse für Mentales Training und Sportpsychologie in der Schweiz

https://www.psychologie.ch/politik-recht/berufsethik/berufsordnung-der-fsp/

https://www.psychologie.ch/bildung/weiterbildung/fachtitel/fachpsychologefachpsychologin-fuer-sportpsychologie-fsp-diverse-anbieter/

http://www.ispw.unibe.ch/unibe/portal/fak_humanwis/philhum_institute/inst_sport/content/e40167/e40168/e131133/FlyerDASSportpsychologie_ger.pdf

https://weiterbildung.zhaw.ch/de/iap-institut-fuer-angewandte-psychologie/programm/cas-psychologisches-mentales-training-im-sport.html

http://www.sportpsychologie.ch/deutsch/sasp-1/

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Dr. René Paasch: Mentaltrainer oder Sportpsychologe?

Die Fußball-Europameisterschaft hat nicht zuletzt eines gezeigt: Die Sportpsychologie ist längst zu einem Trendthema der kickenden Elite geworden. Nicht nur, dass ZDF-Experte Oliver Kahn in jedem zweiten Satz die Bedeutung des Kopfes, mentale Aspekte oder das sperrige Wort Sportpsychologie maltretierte. Nein, spätestens seit der Grußnote des portugiesischen Finaltorschützen Éder, der seinen Treffer zum entscheidenden 1:0 seiner “Mentaltrainerin” widmete, dürfte der letzte Fußballer auf die Idee gekommen sein, dass der Kopf nicht nur als Bühne für mehr oder weniger schöne Frisuren dient, sondern zum trainierbaren Equipment zählt. Gehen wir also davon aus, dass nun der ein oder andere Kicker nach sportpsychologischen Angeboten sucht, wird es in Deutschland schnell unübersichtlich. Dies fängt schon bei der Frage an, ob sich der Athlet besser an einen Sportpsychologen/in oder eine (Sport-)Mentaltrainerin/Mentaltrainer wenden solle?

Zum Thema: Worin liegt der Unterschied zwischen (Sport-)Mentaltrainerin/Mentaltrainer vs. Sportpsychologe/in?

Oft werden diese Bezeichnungen synonym verwendet und rechtlich sind beide in Deutschland aktuell noch nicht geschützt. Der Unterschied liegt in den unterschiedlichen Qualifikationen dieser Personengruppen. Dazu später mehr, vorab aber noch eine wichtige allgemeine Abgrenzung: Athlet/innen müssen weder auf die Couch, noch reden wir hier über psychische Erkrankungen. Solche Erkrankungen obliegen dem Psychologischen Psychotherapeuten und dieser wird als enger Partner im Notfall hinzugezogen.

Im Sport wird vielmehr gezielt mental trainiert und an psychischen Kompetenzen gearbeitet und das über einen längerfristigen Zeitraum. Sportpsychologie ist vielfach nichts anderes als Krafttraining für den Kopf. Ausgebildete Experten unterstützen Athletinnen und Athleten u.a. bei einem gezielten und geplanten Training der Psyche in Training und Wettkampf.  

Sportpsychologen/innen

Für Sportpsychologen/innen gelten folgende Richtlinien der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie (asp):   

  •         Sie besitzen einen universitären Ausbildungsabschluss auf Diplom oder Masterniveau (i.d.R. Psychologie oder Sportwissenschaft oder einer Kombination dem Masterabschluss Sportpsychologie).
  •         Sie haben eine postgraduale Weiterbildung im Bereich Sportpsychologie absolviert z.B. über  Weiterbildungscurricula der asp Sportpsychologie im Leistungssport bzw. Sportpsychologie im Gesundheitssport.
  •         Ihre Expertise ist durch ihren Ausbildungshintergrund (Universitätsabschluss plus Weiterbildungscurricula), Supervision und Praxiserfahrung begründet und eindeutig nachvollziehbar.
  •         Ihre Arbeitsweise in der sportpsychologischen Betreuung ist klar, transparent und wissenschaftlich fundiert. Das heißt: Alle Methoden und Techniken sind dem Klienten bekannt, bevor sie angewendet werden und können i.d.R. durch wissenschaftliche Befunde erklärt werden.
  •         Innerhalb der Beratung passiert nichts, was der Klient nicht möchte und nichts, was nur durch Magie oder ähnliche übersinnliche Kräfte zu erklären ist.
  •         Die Philosophie der sportpsychologischen Betreuung lautet Hilfe zur Selbsthilfe. Der Klient sollte im Verlauf der Zusammenarbeit die mentalen Techniken immer besser selbständig anwenden können und die sportpsychologische Betreuung soll eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung und Selbstverantwortung unterstützen. Deshalb werden zu keinem Zeitpunkt Abhängigkeitsverhältnisse zwischen Klienten und sportpsychologischen Expert/innen etabliert bzw. gefördert. (http://www.asp-sportpsychologie.org/content.php?cont=181, Zugriff am 11.07.2016):

Sportpsychologen/innen beschäftigen u.a. mit folgenden Themen:  

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Abbildung 1: Tätigkeitsfelder angewandte Sportpsychologie, Paasch, R. (2016)

Mentaltrainern/in

Sie weisen zum Teil weder einheitliche Qualifikationsstandards, noch ethische Arbeitsgrundsätze zum Selbstverständnis in Beratung und Coaching auf. Daher sind der Ausbildungshintergrund, Qualifikationen und Haltung zur sportpsychologischen Tätigkeit innerhalb dieser Personengruppe stark schwankend. Hinzu kommt, dass sich jede/r Mentaltrainer/in nennen darf. Unabhängig davon, ob diejenige Person seit mehreren Jahren in der Praxis aktiv ist oder nur im Rahmen eines Wochenendkurses Grundlagen gelernt hat. Des Weiteren gibt es  keine offizielle Gebührenordnung zu den Kosten des Mentaltrainings, hingegen weisen Sportpsychologen diese auf (GOSP, 2012). Die GOSP wurde in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp), der Zentralen Koordinierungsstelle Sportpsychologie (ZKS) und der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie (asp) festgelegt. Die darin enthaltenen Honorare stellen keine rechtliche Verpflichtung dar, sondern definieren einen gewünschten Standard.

„Ich widme das Tor meiner Mentaltrainerin

Eder, Portugals Siegtorschütze (EM 2016) 

Wie finde ich einen Sportpsychologen/in vs. Mentaltrainer/innen?

Die Expertendatenbank auf dem Sportpsychologie-Portal des Bundesinstituts für Sportwissenschaft (BISp) sowie die-sportpsychologen.de/die-sportpsychologen.ch enthalten eine große Anzahl  qualifizierter Expertinnen und Experten für die sportpsychologische Betreuung im Leistungssport. Mit Hilfe dieser Datenbanken können Athletinnen und Athleten leicht zugänglich Kontakt aufnehmen. Alle Experten wurden nach klaren Kriterien in die Datenbank aufgenommen oder weisen einen Masterabschluss in der angewandten Sportpsychologie auf.

Demgegenüber ist die Weiterbildung zum Sport-Mentaltrainer (bspw. das IST-Diplom) leicht zugänglich (Schulabschluss und abgeschlossene Berufsausbildung). Berufserfahrungen werden nicht vorausgesetzt. Sie erhalten eine Hilfestellungen bei Aspekten wie Konfliktmanagement, Gruppenführung sowie Entspannungstechniken. Die Weiterbildung Sport-Mentaltraining vermittelt berufsqualifizierendes Know-how in den Bereichen: Allgemeine Psychologie, Kommunikation und Gesprächsführung, Konfliktmanagement, Gruppenführung, Motivationstraining, Mentaltraining im Breitensport und Leistungssport. Bei Durchsicht der Studienhefte ist deutlich zu erkennen, dass die Inhalte nur einen  Teilbereich der Sportpsychologie abdecken – eben: Mentales Training.

Zusammenfassung

Schlussendlich entscheiden die Athletinnen und Athleten, welcher Dienstleister für Sie in Frage kommt. Grundsätzlich steht eines dabei nicht mehr in Frage: Sportpsychologie ist ein wichtiger Bestandteil des modernen Sports, genauso wie Athletik- und Taktiktraining, Ernährungsberatung oder Physiotherapie. Das Mentaltraining ist dabei ein Teilbereich der angewandten Sportpsychologie. Sie ist ein Baustein von vielen, der einen Beitrag leisten kann.  

 

Zu den Profilen von die-sportpsychologen.de:

http://www.die-sportpsychologen.de/die-sportpsychologen-2/

Zu den Profilen von die-sportpsychologen.ch:

http://die-sportpsychologen.ch/die-sportpsychologen-2/

 

Literatur

Beckmann, J., Elbe, A. (2011). Praxis der Sportpsychologie. Mentales Training im Wettkampf- und Leistungssport. Balingen: Spitta Verlag (2. erw. Auflage).

Internet:

http://www.asp-sportpsychologie.org/content.php?cont=181

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Dr. René Paasch: Mach ne Pause, Thomas Müller!

Nationalspieler Thomas Müller hat nach dem EM-Viertelfinale gegen Italien die steigende Belastung der Fußball-Profis in der heutigen Zeit moniert. „Du darfst drei Wochen Luft holen, dann wirst Du wieder unter Wasser gedrückt. Mental ist das schon eine große Belastung“, sagte der 26-Jährige: „So ist das Geschäft, wir wollen uns nicht beklagen, aber man sollte es auch nicht unter den Teppich kehren.“ Es gehe nicht um die körperliche Belastung. „Jeder Mensch, der gut trainiert ist, kann alle vier Tage viele Kilometer in hoher Intensität laufen“, betonte er: „Aber es geht um mentale Ruhepausen. Man hat täglich Einflüsse auf sich selbst. Es wird über einen geredet, es wird mit einem geredet. Und wenn man bekannt ist, hat man auch privat kaum Ruhepausen. Das ist nervenaufreibend.“

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Zum Thema: Druck und Sportpsychologie im Fußball und wie wir damit umgehen können?

Diese Europameisterschaft war nicht die des Torjägers Thomas Müller. Der Angreifer von Bayern München war zwar hoch engagiert, blieb aber von Anfang bis Ende des Turniers ohne Tor und insgesamt glücklos. Allen voran im 0:2 verlorenen Halbfinale gegen Frankreich schien es so, als habe Thomas Müller seinen Instinkt verloren – und die Mannschaft gleich mit. Worin die Ursachen liegen, darüber darf und wird spekuliert werden. Viele Analysten führen dabei an, dass die Misere spätestens im April begann, als er gegen Atlético Madrid den Elfmeter nicht versenkt und das Ausscheiden des FC Bayern in der Champions League einleitete, hatte. Es war so etwas wie der erste schwarze Fleck auf seiner Fußballerkarriere. Den Geschmack des Fehlschusses schleppte er wie einen unangenehmen Virus mit nach Frankreich. Mit dem Höhepunkt gegen Italien, als sich ein Gegenspieler die Hüfte ausrenkte und mit der Hacke seinen Schuss klärte. Dann vergab Müller noch einen Elfmeter.

Stay focused #esmuellert #firstneverfollows #diemannschaft

Ein von Thomas Müller (@esmuellert) gepostetes Foto am


Versagensangst oder Angst vor einer Verletzung und noch weitere Ängste, bilden den ständigen Begleiter eines Fussballprofis. Die Bedeutung an psychologischer Betreuung der Spieler, hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. Viele Bundesligisten haben in Ihren Betreuerstab Psychologen aufgenommen, um die Spieler mental zu Unterstützen. Es ist unstrittig, das Leistungssportler unter besonderer Beobachtung stehen, einem immensen Interesse von Medienvertretern und damit dem der Öffentlichkeit ausgesetzt sind. Ihr gesamtes Handeln, ihr Leben, wird von hoch emotionalen Reaktionen anderer begleitet; ständig müssen sie auch mit ihren eigenen Emotionen umgehen. Längst arbeiten auch Fußball-Bundesligisten mit der Erstellung von Persönlichkeitsprofilen ihrer Spieler. Sie wollen beispielsweise erkennen, welcher Profi in welcher Situation am besten geeignet ist, den Elfmeter zu schießen, oder wer der Nervenanspannung am besten gewachsen ist, bei Rückstand in entscheidenden Spielen eingewechselt zu werden. Für mich aber muss die Arbeit mit Fußballern weitaus früher anfangen. Wir müssen dies über den Jugendbereich vorbereiten. Die Entwicklung des Sportlers muss eindeutig stärker auch auf den mentalen Bereich als ein wichtiger Baustein gelenkt werden. Und vielleicht muss dabei auch die Frage erlaubt sein, ob ein bis drei Sportpsychologen in den Nachwuchsleistungszentren nicht vielleicht schon zwei plus x zu wenig sind, ohne dabei unseren Berufsstand zu hoch zu hängen.

Leistungsdruck individuell – Das Transaktionale Stressmodell von Lazarus

Nicht jeder Fußballer geht mit externen Stressfaktoren wie z.B. Versagensangst und Aufgabenvielfalt im sportlichen Umfeld auf die gleiche Weise um. Einige Fußballer werden durch ein und denselben externen Stressor stärker gestresst und psychisch beansprucht als andere. Warum ist das so? Eine Erklärung für die großen Unterschiede bietet das Transaktionale Stressmodell von Lazarus, das vielen Stresspräventions- und -Behandlungsansätzen implizit oder explizit zugrunde liegt.

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Abbildung 1: Abbildung zeigt das transaktionale Stressreaktionsmodell nach Lazarus in vereinfachter Darstellung (2016)

Das Modell erklärt den individuell unterschiedlichen psychischen Beanspruchungsgrad ein und derselben (Stress-)Situation folgendermaßen: Fußballer bewerten Umweltreize, Situationen und externe Ereignisse automatisch subjektiv in Bezug auf ihre Relevanz und persönliche Bedeutung. Lazarus bezeichnet diese subjektive Einschätzung als „primäre Bewertung“, wobei „primär“ nichts mit der zeitlichen Abfolge oder der Wichtigkeit des Bewertungsschrittes zu tun hat. Die Bezeichnung „primär“ und „sekundär“ dienen lediglich der Unterscheidung zwischen zwei inhaltlich verschiedenen Bewertungsschritten, die zumeist simultan erfolgen. Fußballer betrachten also externe Ereignisse und Situationen als entweder positiv, irrelevant oder als potenziell bedrohlich (für das persönliche Wohlbefinden, die eigenen Ziele, die eigene Person) und damit stressrelevant. Wird die Situation als stressend erlebt, kann diese Bewertung in drei Abstufungen erfolgen, nämlich als herausfordernd, bedrohend oder als schädigend. Ein einfaches Beispiel hierzu: Ein spezifischer Gegner kann für den einen Fußballer, der sich gut vorbereitet hat und einigermaßen sicher fühlt, als eine Herausforderung angesehen werden, während sie für den nächsten Mannschaftskollegen, der zwar ebenfalls ein toller Fußballer ist, aber sich unsicher fühlt, eine Bedrohung darstellen.

Eine Frage der Ressourcen

Im Rahmen der sekundären Bewertung schätzt der Fußballer seine Bewältigungsmöglichkeiten für die Situation ein, und zwar auf der Basis seiner Wahrnehmung über die ihm zur Verfügung stehenden „Ressourcen“. Was als Ressource in Frage kommt (z.B. die eigene Kompetenz in einem Bereich, bestimmte Fähigkeiten zur Bewältigung einer Aufgabe, ein hohes Maß an Selbstvertrauen) kann sehr unterschiedlich ausfallen und hängt von der jeweiligen Situation und ihrer Wahrnehmung durch den jeweiligen Fußballer ab.

Je ungünstiger diese subjektive Ressourcenbewertung ausfällt, je weniger die wahrgenommenen Ressourcen für eine erfolgreiche Situationsbewältigung ausreichen oder je mehr Unsicherheit darüber besteht, umso stärker ist die Stressreaktion, die hierdurch ausgelöst wird. Die Stressreaktion äußert sich sowohl im subjektiven Empfinden (z.B. Angst, Anspannung, Ärger etc.), in körperlichen Veränderungen (im Hormonsystem und im muskulären System) als auch im Handeln der Person (z.B. Aggression gegen andere).

Zur Bewältigung von Stresssituationen greift der Fußballer auf subjektive Bewältigungsstrategien zurück, sogenannte „Coping“-Strategien (vom englischen Verb to cope = bewältigen, zurechtkommen). Sowohl die Ressourceneinschätzung als auch die Wahl der Bewältigungsstrategien hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, u.a. von persönlichen „Soll-Werten“, von den kognitiven Strukturen der Person, von ihren bislang gemachten Erfahrungen mit bestimmten Situationen bzw. dem Erfolg bestimmter Coping-Strategien sowie von der wahrgenommenen Unterstützung durch andere.

Die jeweils gewählten Bewältigungsstrategien können funktional sein, d.h. zu einer nachhaltigen Lösung eines Problems beitragen. Sie können aber auch „dysfunktional“ sein, d.h. erfolglos in Bezug auf eine Problemlösung oder vom eigentlichen Problem lediglich ablenkend. Je nach Rückmeldung über den Erfolg einer verwendeten Lösungsstrategie oder durch das Hinzukommen von weiteren Ressourcen kann eine Neubewertung der Situation erfolgen, z.B. ein Wechsel von der Wahrnehmung einer Situation als „Bedrohung“ hin zu einer „Herausforderung“.

Drei Arten des Copings zur Bewältigung mentaler Belastungen

Lazarus unterscheidet drei Arten der Stressbewältigung: das problemorientierte, das emotionsorientierte und das bewertungsorientierte Coping.

Problemorientiertes Coping

Darunter versteht man, dass der Fußballer versucht, durch Informationssuche, direkte Handlungen oder auch durch Unterlassen von Handlungen, Problemsituationen zu überwinden oder sich den Gegebenheiten anzupassen. Diese Bewältigungsstrategie bezieht sich auf die Ebene der Situation.

Emotionsorientiertes Coping

Das emotionsorientierte Coping wird auch „intrapsychisches Coping“ genannt. Hierbei wird in erster Linie versucht, die durch die Situation entstandene emotionale Erregung abzubauen.

Bewertungsorientiertes Coping

Lazarus verwendet den Begriff Neubewertung in zwei Zusammenhängen: zum einen bezüglich des Bewertungsprozesses, wie oben erwähnt. Zum anderen ist die Neubewertung einer Stresssituation gleichzeitig eine Copingstrategie. Der betroffene, „gestresste“ Fußballer, wie im Falle von Thomas Müller kann sein Verhältnis zur Umwelt kognitiv neu bewerten, um so adäquat damit umzugehen. Das Hauptziel beim bewertungsorientierten Coping liegt darin, eine Belastung eher als Herausforderung zu sehen, weil so ein Lebensumstand positiv bewertet wird und dadurch Ressourcen frei werden, um angemessen zu reagieren.

Was ist Thomas Müller zu wünschen?

Aber zurück zu Thomas Müller: Was ist dem Star des FC Bayern München und der Nationalmannschaft zu wünschen? Ganz ehrlich: Ich wünsche ihm Abstand und eine bestmögliche Erholung. Allerdings ist das System Profi-Fußball darauf nicht ausgerichtet. Denn wenn Nationalspieler Müller nach sechs oder gar sieben Wochen EM-Zirkus nun seinen Urlaub antritt, laufen bei seinem Club längst die Vorbereitungen auf die neue Saison. Trainiert wird an der Säbener Straße ab dem 11. Juli. Schon Ende des Monats steht ein PR-Trip in die USA mit Spielen gegen den AC Mailand, Inter Mailand und Real Madrid bevor. Womöglich gehört Müller schon bei dieser Reise mit zum Tross, da die Bayern bereits Mitte August unter dem neuen Trainer Carlo Ancelotti im DFB-Pokal und daraufhin in der Bundesliga gefordert sind.

Wirkliche Erholung, wie sie allen voran wohl Thomas Müller gebrauchen könnte, ist da kaum möglich. Und ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Bitte, liebe Bundesliga-Manager, räumt den Kickern in ihren Verträgen doch 10- bis 15 zusätzliche optionale Urlaubstage ein! Und hierbei rede ich nicht von der Sommer- oder Winterpause, sondern von innerhalb der Saison. Einem Nationalspieler wie Thomas Müller würde es guttun, den ein oder anderen Bundesliga-Spieltag als langes Wochenende in einem Urlaubsparadies oder auf dem heimischen Bauernhof zu schwänzen. Einfach mal so. Einfach mal raus aus dem Hamsterrad, dass so viele Arbeitnehmer in unserer Hochleistungsgesellschaft kennen und darunter leiden. Der Profi-Fußball könnte dahingehend ein wichtigen gesellschaftspolitisches Signal setzen und mit einem besonderen Beispiel vorangehen. Für die Leistung der Einzelnen sowie der Mannschaften – und damit auch für das Produkt Fußball – dürfte dies nicht abträglich sein, ganz im Gegenteil!

 

 

Literatur

Antonovsky, A, (1979). Health, Stress, and Coping. San Francisco, CA: Jossey-Bass.

Arnold, M B, (1960). Emotion and Personality (2 Vols.). New York: Columbia University Press.

Lazarus, R S, (1966). Psychological Stress and the Coping Process. New York: McGraw-Hill.

Lazarus, R S, (1974). Psychological stress and coping in adaptation and illness. International

Journal of Psychiatry in Medicine, 5, pp. 321–333.

Lazarus, R S and Folkman, S, (1984). Stress, Appraisal, and Coping. New York: Springer.

Lazarus, R S, (1991). Emotion and Adaptation. New York: Oxford University Press.

 

 

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Michele Ufer: Elfmeter sind trainierbar

„Elfmeterschießen lasse ich nicht üben“, erklärte Didier Deschamps, der Trainer der französischen Nationalmannschaft, schon vor dem Viertelfinale gegen Island: “Und es gibt auch im Vorfeld keinen Plan dafür.“ Gehen die Franzosen also planlos in die Donnerstagnacht von Marseille? Dort wartet im EM-Halbfinale die deutsche Mannschaft, die erst in der Runde zuvor Italien vom Punkt schlagen konnte. Zugegeben: Der 7:6-Erfolg im Elfmeterschießen war glücklich – auffällig waren vor allem die vergebenen Schüsse der Weltmeister Thomas Müller, Mesut Özil und Bastian Schweinsteiger – dennoch konnte am Ende ein Erfolgsgeheimnis gefeiert werden. Zudem können wir sicher sein, dass im deutschen Betreuerstab, zu dem mit Hans-Dieter Hermann bekanntlicherweise ein Sportpsychologe zählt, das Themengebiet Elfmeterschießen nicht totgeschwiegen wird. Zurecht.

Zum Thema: Wie die Wahrscheinlichkeit erhöht werden kann, per Elfmeter zu treffen

Bildschirmfoto 2016-07-06 um 13.48.49Eines vornweg: Ein gut geschossener Elfmeter ist praktisch unhaltbar. Was aber sind die möglichen Gründe dafür, dass routinierte Spieler vom Punkt versagen und plötzlich eine technisch ausgesprochen einfache Aufgabe nicht mehr erfolgreich bewältigen können, sondern stattdessen den Ball in den Himmel jagen (Bastian Schweinsteiger gegen Italien) oder dem Torwart halbhoch und damit mehr als haltbar servieren (Mesut Özil im Gruppenspiel gegen Nordirland)?

  1. Bei extremem (Erwartungs-) Druck können Versagensängste aufkommen. Die damit einhergehende erhöhte Anspannung führt zu einer gestörten Feinmotorik. Bewegungen werden nicht mehr optimal ausgeführt.
  2. Die Nervosität verstärkt die Wahrscheinlichkeit, dass negative Gedanken, wie „Hoffentlich verschieße ich nicht“, „Nicht auf den Torwart zielen“, aufkommen, welche im Sinne sich-selbst-erfüllender Prophezeiungen ironischerweise genau zu den Fehlern führen, die eigentlich vermieden werden sollen.
  3. Insgesamt wird die intuitive, automatisierte  Handlungsausführung unter Stress/Versagensangst durch bewusste Denk-/Handlungsprozesse gestört. Das ist ein Killer für sportliche Leistung. Die für eine optimale Handlungsausführung relevanten Systeme im Gehirn kämpfen gemeinsam mit dem Stresserleben um mentale Ressourcen und behindern sich gegenseitig. Das System zur Überwachung möglicher Fehler („Nicht auf den Torwart oder an den Pfosten schießen“) läuft jedoch weiterhin auf Hochtouren, gewinnt dadurch an Bedeutung und lenkt die Aufmerksamkeit und Handlungsenergie in die Richtung, die eigentlich vermieden werden soll.

„Da kam dann das Elfmeterschießen. Wir hatten alle die Hosen voll“ (Paul Breitner, zwischen 1971-1982 deutscher Nationalspieler)

Was tun, um die Wahrscheinlichkeit auf Erfolg zu erhöhen?

Studien zeigen, dass der (Miss-)Erfolg beim Elfmeterschießen weniger oder gar nicht durch die Erfahrung oder fußballerischen Fähigkeiten, sondern vor allem durch psychologische Faktoren des Schützen bestimmt ist. Entsprechend gilt es die Psyche in den Vordergrund zu rücken. Folgende Strategien können helfen:

  • Auswahl der richtigen Spieler: nicht die besten, sondern die psychologisch am geeignetsten sollten schießen (Sportler mit geringer Wettkampf-Angst und geringen Werten im Persönlichkeitsmerkmal Neurotizismus)
  • Training unter Druck/Ernstbedingungen: beim Elfmetertraining muss z.B. die ganze Mannschaft Strafrunden absolvieren, wenn der Elfer verschossen wird.
  • Erlernen und Automatisierung von Techniken zur schnellen Stress-/Angstreduktion, z.B. durch entsprechende Atemtechniken
  • Durch Selbsthypnosetechniken lernen, unter Ernstbedingungen optimale mental-physiologische Zustände zu aktivieren und innere wie äußere Störreize auszublenden
  • Positive Zielfokussierung: Konzentration auf das, was ich will, nicht auf das, was ich nicht will
  • statt Fluchtverhalten zeigen (mit dem Rücken zum Tor Anlauf nehmen und bei Ballfreigabe besonders schnell ausführen) selbstbewusst auftreten: rückwärts Anlauf nehmen, nach der Ballfreigabe durch den Schiri kurz durchatmen und 1-3 Sekunden Zeit lassen

Und wenn der Ball im Tor versenkt wurde, sollte – wie auch sonst im Leben – dieser Erfolg gefeiert werden. Das führt zu einer sogenannten Gefühlsansteckung: die eigene Mannschaft tankt Selbstvertrauen und Optimismus. Der Gegner wird eingeschüchtert und der Druck auf diesen erhöht. Das wiederum erhöht die Wahrscheinlichkeit auf eigene Torerfolge und gegnerische Misserfolge.

 

Referenzen

Barlow, M., Woodman, T., Gorgulu, R., & Voyzey, R. (2016). Ironic effects of performance are worse for neurotics. Psychology of Sport and Exercise, 24, 27-37.

Froese, G. (2012). Sportpsychologische Einflussfaktoren der Leistung von Elfmeterschützen. Hamburg: Verlag Dr. Kovač

Jordet, G., Hartman, E., & Sigmundstad, E. (2009). Temporal links to performing under pressure in international soccer penalty shootouts. Psychology of Sport and Exercise, 10(6), 621-627

Jordet, G., Hartman, E., Visscher, C., & Lemmink, K. A. (2007). Kicks from the penalty mark in soccer: The roles of stress, skill, and fatigue for kick outcomes. Journal of Sports Sciences, 25(2), 121-129

Noël, B., Furley, P., Hüttermann, S., Nopp, S., Vogelbein, M., & Memmert, D. (2015). Einflussfaktoren auf Erfolg und Misserfolg beim Elfmeterschießen. Zeitschrift für Sportpsychologie, 21, 51-62

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Dr. René Paasch: Taktikanpassungen vorbereiten

„Eine ziemlich veraltete Sichtweise. Wir müssen ganz einfach mal wegkommen von dieser Einstellung, dass man ein ganzes Turnier oder eine ganze Saison durchgehend mit der gleichen Taktik spielen muss. Diese Zeiten sind schon ziemlich lange vorbei. Die Spieler sind heute ganz anders ausgebildet“. So äußerte sich Oliver Kahn, der EM-Experte des ZDF, zur Kritik seines ARD-Pendants Mehmet Scholl, der nach dem Viertelfinale Deutschland gegen Italien einen emotionalen Angriff auf die Verwissenschaftlichung im Kreise der Nationalmannschaft gestartet hatte. Und tatsächlich: Der Fußball wandelt sich und einer der neuen Trends ist eine ausgeprägte taktische Flexibilität wie sie Vereine wie Juventus Turin, Atlectico Madrid oder auch Bayern München in der vergangenen Champions-League-Saison unter Beweis gestellt haben. Bei der Europameisterschaft hat sich neben Italien eben vor allem die deutsche Mannschaft entsprechend trendig präsentiert, was bei ARD-Experten Scholl, der schon im Vorjahr gegen die Generation der Laptop-Trainer schimpfte, nicht gut ankommt und stattdessen eine klare Strategie und festes Gerüst fordert. Nur, was wird eigentlich von den Spielern verlangt, wenn der Trainer wie auf Knopfdruck die taktische Ausrichtung ändert?

Zum Thema: Aufmerksamkeitsfokussierung und –lenkung  im Fußball

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Weitere Informationen

Dass der Trainer situativ die Taktik ändert und die Mannschaft darauf reagieren muss, gehört zu den Veränderungen im modernen Fußball. Können wir das kognitiv leisten? Schließlich stehen die Spieler auf dem Feld inmitten eines Sturms an Informationsreizen. Von Kickern auf höchstem Niveau wird entsprechend viel verlangt – aber dennoch lassen sich auch immer wieder einfache technische Fehler wie verpasste Anspiele auf besser positionierte Mitspieler beobachten. Furley, Memmert & Heller machen für dieses Phänomen die „Inattentional Blindness“, die Aufmerksamkeitsfokussierung verantwortlich. Diese beschreibt, dass Personen oder Mannschaften, wenn sie in einer Situation zu sehr auf eine bestimmte Sache fixiert sind oder feste saisonale taktische Ausrichtung fahren, häufig andere Dinge übersehen. Fußballer werden innerhalb eines Spiels regelrecht mit Informationen bombardiert, die auf Grund der limitierten Informationsverarbeitungskapazität des Gehirns nicht vollständig verarbeiten werden können. Nur der Bereich, auf den die Aufmerksamkeit gerade gerichtet ist, wird bewusst aufgenommen und verarbeitet. So kann es passieren, dass auch relevante Aspekte des Spiels oder plötzliche taktische Veränderungen nicht wahrgenommen und umgesetzt werden können. Dies ist dann der Fall, wenn aufmerksamkeitslenkende Instruktionen oder Vorgaben der Trainer vorliegen, wie sie häufig im Training beim Einstudieren von Spielzügen oder taktische Vorgaben gegeben werden. Diese können dazu führen, dass unerwartet und ungeplant frei stehende Mitspieler nicht angespielt oder taktische Veränderungen nicht umgesetzt werden.

Instruktion und Training

Der Wissenstand aus der sportpsychologischen Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungsforschung wird genutzt, um Fußballer so zu trainieren, dass sie möglichst schnell lernen, ihre Aufmerksamkeit effizient auf relevante Merkmale (taktische Veränderungen) zu richten. In diesem Zusammenhang spielt Aufmerksamkeit in zweifacher Bedeutung eine wichtige Rolle. Es stellt sich die Frage, wie z.B. der Trainer die Aufmerksamkeit der Trainierenden effektiv auf die relevanten Merkmale lenken kann und wie die Aufmerksamkeitsstrategien in Entscheidungssituationen effektiv trainiert werden können.

Sportpsychologische Studien haben sich in den letzten Jahren mit dem Einfluss unterschiedlicher Instruktionsmöglichkeiten zur Lenkung visueller Aufmerksamkeit auf entscheidungsrelevante Parameter im Sport beschäftigt (z.B. Farrow & Abernethy, 2003; Smeeton, Williams, Hodges & North, 2004). In diesem Zusammenhang scheinen die metakognitiv orientierten Instruktionen im Rahmen taktischer Vermittlungsprozesse eine zentrale Rolle zu spielen. Hänsel (2006) beschreibt die Hauptfunktion der metakognitiv orientierten Instruktion darin, die Aufmerksamkeit des Sportlers zu beeinflussen. Die Aufmerksamkeit sollte die Instruktionen der Fußballer auf die lern- und aufgabenrelevanten Informationen lenken wie bspw. durch die Nutzung computergestützter Taktiktrainings und Aufmerksamkeitslenkung auf individuelle Spielsituationen, wie es etwa das Wiener-Testsystem macht. Ein zu hohes Maß an aufmerksamkeitslenkenden Instruktionen kann zu einer geringeren Aufmerksamkeitsbreite und damit zu schlechteren taktischen und kreativen Leistungen führen. Hingegen könne die Förderung eines breiten Aufmerksamkeitsfokus zu spontanen, kreativen und möglicherweise besseren Lösungshandlungen führen. Videobasierte Trainingsformen werden „im modernen Fußball“ als zusätzliches Trainingsmedium sich durchsetzen, um perzeptuell-kognitive Fähigkeiten unabhängig von motorischem Training effizient zu trainieren (Cañal-Bruland et al., 2007).

Niedeffer (1976) hingegen unterscheidet vier Aufmerksamkeitsausrichtungen (Beckmann & Elbe, 2008). Dabei wird die Ausrichtung der Aufmerksamkeit über zwei Dimensionen gesehen: internal – external und weit – eng, differenziert (u. a. Eberspächer, 2007). Jede Sportart hat im Hinblick auf dieses Modell eine individuelle Anforderung (Beckmann & Elbe, 2008). Dabei wird jede einzelne Aufmerksamkeitsausrichtung zu unterschiedlichen Zeitpunkten des Wettkampfes benötigt. Stoll und Ziemainz (1999) bieten daher „Aufmerksamkeitsregulations-Drehbücher“ an, bei denen im Detail beschrieben wird, welche Aufmerksamkeitsform in welcher Situation am förderlichsten erscheint.

Aufmerksamkeitsregulations-Drehbücher nach Stoll und Ziemainz (1999) entwerfen“

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Abb. 1: Beispielhafte Darstellung der Aufmerksamkeitsausrichtungen im Fußball (in Anlehnung an Christian Müller, Ralf Pocan, Johannes Pöschl, Daniel Stredak, Gregor Nimz, 2012 und Nideffer, 1976 in Beckmann & Elbe, 2008, S. 77)

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass das die Aufmerksamkeitsregulation und -fokussierung regelmäßig trainiert werden sollte, da hierdurch die sportliche Leistungsfähigkeit und die flexible taktische Ausrichtung erhöht und somit die Erfolgschancen des Fußballers und der Mannschaft gesteigert werden können. Um schließlich die Verbindung der Interventionsmaßnahmen in den Wettkampf zu sichern, sollten zum Beispiel Aufmerksamkeitsregulations-Drehbücher (Stoll & Ziemainz, 1999) oder videobasierte Computerprogramme „Wiener-Testsystem“ genutzt werden.

 

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Literatur

Beckmann, J. & Elbe, A.-M. (2008). Praxis der Sportpsychologie im Wettkampf- und Leistungssport. Balingen: Spitta Verlag.

Cañal-Bruland, R. (2007). Das Hinweisreizparadigma – sportpsychologische Anwendungen im Überblick. Zeitschrift für Sportpsychologie, 14 , 53-66.

Eberspächer, H. (2007). Mentales Training. Das Handbuch für Trainer und Sportler. München: Copress.

Farrow, D. & Abernethy, B. (2003). Do expertise and the degree of perception-action coupling affect natural anticipatory performance? Perception, 32, 1127-1139.

Furley, P., Memmert, D. & Heller, C. (2010). The dark side of visual awareness in sport – Inattentional blindness in a real-world basketball task. Attention, Perception & Psychophysics, 72 (5), 1327-1337.

Smeeton, N. J., Williams, A. M., Hodges, N. J. & North, J. (2004). Developing perceptual skill in tennis through explicit, guided-discovery, and discovery methods. Journal of Sport & Exercise Psychology, 24 (Suppl.), 175.

Hänsel, F. (2006). Feedback und Instruktionen. In M. Tietjens & B. Strauß (Eds.), Handbuch Sportpsychologie (pp. 62-70). Schorndorf: Hofmann.

Stoll, O. & Ziemainz, H. (1999). Mentales Training im Langstreckenlauf . Butzbach: Afra.

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Thorsten Loch: Analyse GER vs. ITA

Es war das Gesprächsthema im Vorfeld des Viertelfinalspiels Deutschland gegen Italien schlechthin. Überall war davon zu hören und zu lesen. Man konnte sich diesem nur schlecht entziehen. Es ging um den „Angstgegner Italien“, manch einer sprach gar von einem „Italienfluch“. Gemeint war damit die Bilanz deutscher Mannschaften in Endrundturnieren gegen die „Squadra Azzurra“. Sicherlich sah diese bis dato nicht viel versprechend aus. Bei acht Aufeinandertreffen standen lediglich vier Remis und vier Niederlagen zu Buche. Doch weshalb wurde diesem „Fluch“ so viel Aufmerksamkeit geschenkt, obwohl das Team von Joachim Löw im März dieses Jahres die Mannschaft von Antonio Conte klar mit 4:1 besiegen konnte?

Zum Thema: Was macht einen Gegner zu einem vermeintlichen Angstgegner und was kann man dagegen tun?

Bildschirmfoto 2016-07-04 um 11.42.10 Geht man dieser Frage nach, führt der Weg zurück in vergangene Tage. Seinen Ursprung hat dieser in der Erkenntnis, dass man gegen diesen Gegner (Italien) mehrmals verloren hat. Die Mannschaft hat also schlechte Erfahrungen gemacht. Jüngstes Beispiel war die Halbfinalniederlage im Jahr 2012. Die Psyche versucht nun, diese negative Erfahrung zu verarbeiten. Erschwerend kommt das Wissen um die negative Bilanz hinzu. Generationsübergreifend hat dieses Phänomen „Angstgegner“ reifen und sich entwickeln können. Ein ähnliches Beispiel wäre das Ehepaar England und Elfmeter schießen. Doch was geschieht in den Köpfen der Spieler, wenn es dann zur Begegnung kommt? Möglicherweise kommen die Sportler zu einer Überzeugung, gegen diesen Gegner nicht gewinnen zu können. Die Psyche neigt also dazu, einzelne Erfahrungen (man denke an 2012) zu verallgemeinern, in die Zukunft zu übertragen und mit einer emotionalen Bedeutung zu verknüpfen. Kurzum: Die Konfrontation mit den Tifosi wird mit Angst beantwortet. Je bedeutsamer die erlittenen Niederlagen waren, umso tiefer reicht dieser Prozess in unserem Unterbewusstsein. Damit aber beginnt ein Teufelskreis, aus dem man häufig keinen Ausweg findet. Die Sichtweise des Gegners als Angstgegner wird somit zu selbsterfüllenden Prophezeiung, d.h. dass wir unsere Sichtweise in der Realität immer wieder durch weitere Niederlagen bestätigen werden.

Merkmale eines Angstgegners

Betrachtet man nüchtern die Fakten, so erkennt man, dass ein Angstgegner eine Mannschaft ist, gegen die ich mehrmals verloren habe. Nicht mehr und nicht weniger. Häufig sind es einfach Teams, dessen Spielweise der eigenen Mannschaft nicht liegen. Linz (2014) beschreibt den Angstgegner als einen Gegner „…gegen die ich bisher noch nicht die richtige Lösung gefunden habe“. Wenn man diese erkennt, ist man einen entscheidenden Schritt voran gekommen. Der Trainer muss versuchen, neue Lösungen zu finden. Wie kann ich gegen diese Mannschaft anders spielen, als ich es bisher getan habe? Muss ich ggf. eine andere Vorbereitung wählen? Gibt es andere taktische Varianten, die ich ausprobieren kann? Kann ich den Gegner möglicherweise mit seinen eigenen Waffen schlagen? Und genau das tat Joachim Löw. Die Halbfinalniederlage 2012 saß wie ein Dorn in seiner Trainerlaufbahn. Er hatte sich schlichtweg vercoacht. Seinen Plan, den damaligen Spielermacher Andrea Pirlo mit Toni Kroos auszuschalten, ging nicht auf. Sein im zurückliegenden Viertelfinale gewählten Matchplan wurde von vielen kritisch beäugt, man denke an die Aussagen von ARD-Experten Scholl, jedoch war es für mich die logische Konsequenz. Eine schöne Erklärung liefern die Kollegen von Spielverlagerung (Link zum Text). Aber was ist der entscheidende Unterschied? Die Emotion Angst hat des Öfteren eine lähmende Wirkung auf das Denken und Handeln. Nicht selten gehen damit Gefühle der Machtlosigkeit einher. Wenn ich jedoch zur Einsicht komme, dass mir bisher nur die richtigen Lösungen für das Problem fehlten, dann bin ich wieder handlungsfähig. Man hat es selbst in der Hand, in Zukunft auch gegen diesen Gegner zu gewinnen.

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Weitere Informationen

Fazit: Löws Plan ging auf, auch wenn es nicht das gewünschte Offensivfeuerwerk war und das Spiel erst in einem nervenzerreißenden Elfmeter schießen entschieden werden konnte. Aber immerhin standen sich hier, die beiden stärksten Mannschaften der EM-Endrunde gegenüber. Letztendlich hat es „La Mannschaft“ geschafft und steht verdient im Halbfinale am kommenden Donnerstag gegen den Gastgeber Frankreich. Bleibt zu hoffen, dass es Löw auch hier wieder gelingt, sein Team nach den sicheren Ausfällen von Khedira und Gomez taktisch gut einzustellen. Trainer Deschamps wird sicherlich grübeln über die taktische Marschroute seiner Mannschaft gegen die Deutschen. Denn möglicherweise ist es der Beginn, dass sich die Mannschaft zu einem Angstgegner entwickelt, man denke nur an das Viertelfinale vor zwei Jahren in Brasilien.

 

Literatur:

Linz, L. (2014). Erfolgreiches Teamcoaching: Ein Team bilden, Ziele definieren, Konflikte lösen. Meyer&Meyer Verlag: Aachen.

http://www.11freunde.de/artikel/so-konnte-deutschland-italien-schlagen

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Katharina Petereit: Gelbe Gefahr für Island

Ganze neun Spieler der isländischen Nationalmannschaft sind im EM-Viertelfinale gegen Frankreich akut gefährdet, in einem möglichen Halbfinale zuschauen zu müssen. Und so, wie die Isländer bislang aufgetreten sind, ist dieses verrückte Szenario nicht ganz unwahrscheinlich: Zum einen, dass sich die großen Außenseiter und internationalen Sympathieträger am Sonntagabend so manchen weiteren gelben Karton abholen werden. Zum anderen, dass selbst gegen Frankreich der Einzug ins Halbfinale möglich ist. Aber wie sollen die Spieler, die gefährdet sind und fast alle zum absoluten Stammpersonal gehören, nun in diese Partie gehen? Werden Sie, wegen des Traums einer persönlichen Teilnahme am Halbfinale gehemmt agieren, oder geben Sie im Viertelfinal kompromisslos wie bislang im gesamten Turnier Vollgas? 

Zum Thema: Wie lässt sich mit der Angst vor einer Sperre befreit aufspielen?

Bildschirmfoto 2016-07-03 um 12.13.27Eine gelbe Karte impliziert eine persönliche Verwarnung seitens des Schiedsrichters hinsichtlich eines harten Fouls oder unsportlichen Verhaltens eines Spielers. Laut einer Studie von Memmert et al. (2008) wird diese in der ersten Viertelstunde eines Spiels signifikant weniger verteilt als im restlichen Spiel. In dieser Zeit entwickelt der Schiedsrichter eine Art Kalibrierungsverfahren für das laufende Spiel. Ob diese Zeit auch von Seiten der Spieler taktisch genutzt wird und in den Anfangsminuten mehr Fouls gewagt werden, hängt sicherlich von dem Spielsystem und der Bedeutung des Spiels ab. Für Island hat das Spiel gegen Frankreich eine große Bedeutung, auch wenn sie bisher schon Großes geleistet haben und bereits sehr stolz auf sich sein können. Dieser Erfolg könnte die isländische Mannschaft so sehr beflügeln, dass sie mehr wollen und sich mit „allen Mitteln“ ins Halbfinale kämpfen wollen. Die neun gelben Karten sind nicht zuletzt der recht defensiven Spielweise geschuldet. Frankreichs Defensive hat in den letzten Spielen aber immer mal wieder gewackelt. Mit Blick auf die gelben Karten und Frankreichs Spielsystem, wäre eine Umstellung der Spielweise der Isländer also möglich. Allerdings würde damit auch die Gefahr für die isländischen Spieler steigen, bei Ballverlusten taktische Fouls zu begehen, die laut Regelwerk zwingend gelbe Karten nach sich ziehen.

Angst vor Gelbsperre = Sperre im Kopf?

Wie bereits oben erwähnt, können Gelb-Vorbelastungen sicherlich den ein oder anderen Spieler in seinen Zweikämpfen hemmen. Wenn der Gedanke an eine mögliche Gelbsperre sein Spiel dominiert, kann dies zu einem Fokusverlust führen und die Konzentration aufs Wesentliche stark beeinflussen. Ohne Frage ist hier auch wichtig, wie die Trainer Lars Lagerbäck und Heimir Hallgrimsson mit vorbelasteten Spielern umgehen und welche Ansagen sie vor dem Spiel und gegebenenfalls in der Halbzeitpause machen. Der funktionale Umgang mit einer gelben Karte ist unumgänglich für das folgende Spiel. Gewiss sollte ein vorbelasteter Spieler sich darüber Gedanken machen, wie er sich verhalten wird und sich eventuell innerhalb des Spiels Grenzen setzen, wenn er merkt, dass er gefährdet ist, eine weitere gelbe Karte zu kassieren. Allerdings muss dabei immer die jeweilige Phase des Spiels, der Spielstand und die vorangegangenen Aktionen berücksichtigt werden. Vor allem im Fall der Isländer ist es wichtig, dass die Mannschaft befreit aufspielt, so als sei es ihr letztes Spiel und die Spieler versuchen, das mögliche Halbfinale auszublenden. Dysfunktionale und somit störende Gedanken können zur einer Leistungsminderung und unnötigen Zurückhaltung führen. Wenn die vorbelasteten Spieler ausschließlich darauf achten, dass keine, aber häufig notwendige Fouls passieren, kann sowohl die Defensive darunter leiden als auch die gesamte Teamarbeit, die die isländische Nationalmannschaft doch so besonders macht.

Die gelben Karten stellen sicherlich in gewisser Weise eine Art Bremse dar. Doch hoffentlich können die Isländer trotzdem Vollgas fahren und die „gelbe Gefahr“ wird nicht zum Handicap.

 

 

Weiterführende Literatur:

Memmert, D., Unkelbach, C., Ertmer, J. & Rechner, M. (2008). Gelb oder kein Gelb? : Persönliche Verwarnungen im Fußball als Kalibrierungsproblem. Zeitschrift für Sportpsychologie, 15, 1-11.

Weiterführende Links:

http://www.psychologie-fussball.de/2013/05/16/wie-du-st%C3%B6rgedanken-ausschalten-kannst/

http://www.psychologie-fussball.de/2013/05/29/mit-ungerechtigkeit-leben-lernen/

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Dr. René Paasch: Let The Music Play

Die Mannschaft kommt am Stadion an. Mats Hummel, Mario Götze und Mesut Özil steigen aus dem Bus mit großen Kopfhörern über den Ohren. Bei diesen Bildern dürften sich viele schon gefragt haben: Was hören die da eigentlich? Da kaum noch Geheimnisse bleiben und außerdem die Musikindustrie ein Interesse hat, Fußball-Ptofis als (Kopfhörer)-Werbeträger zu nutzen, ist der Inhalt der Teamplaylist natürlich bekannt. Viel wichtiger ist aber, dass Musik in vielerlei Hinsicht Wirkung erzeugen kann.

Zum Thema: Wie Musik wirksam im Training und in der direkten Wettkampfvorbereitung eingesetzt werden kann

Es gibt eine ganze Bandbreite psycho-physiologischer Aspekte, die bei Musik zum Tragen kommen. Es scheint im Gehirn so etwas wie einen „Regelkreis“ zu geben, der den Takt der körperlichen Stimulation innerhalb unserer Muskulatur bestimmt. Viele Arten menschlicher Bewegung sind rhythmischer Natur, und der Rhythmus der Musik wird vom Körper nachgeahmt. Wir können somit ein rhythmisches Bild dazu benutzen, um die Bewegung unseres Körpers noch effizienter zu gestalten. Das ist auch der Grund dafür, warum erfolgreiche Mannschaften wie die deutsche Fußballnationalmannschaft Musik zur rhythmischen Unterstützung ihres Balltrainings oder für andere Trainingsinhalte benutzen. Auf psycho-physiologischer Ebene reduziert Musik gerade in Trainingssituationen und Wettkämpfen unsere Wahrnehmung von Anstrengung, da sie die Kommunikation zwischen der Muskulatur und dem Schmerzzentrum im Gehirn teilweise blockiert und mit dem anregenden Reiz des Klangs ersetzt. Durch gezielt zusammengestellte Musik reduziert sich das Empfinden von Anstrengung.

„Musik drückt aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist.“

Der französische Schriftsteller Victor Hugo im 19. Jahrhundert

In emotionaler Hinsicht beeinflusst uns Musik ebenso stark: Sie verstärkt positive Gemütszustände und reduziert negative Emotionen wie Anspannung, Erschöpfung und Ärger. Wenn wir ein bestimmtes Stück mit einer schönen und erfolgreichen Zeit in unserem Leben assoziieren (Herbert Grönemeyer: Es ist Zeit, dass sich was dreht & Andreas Bourani: Auf uns) bringt es diese positiven Momente in unser Empfinden zurück, wenn wir es wieder hören. So könnten Fußballer und Mannschaften, die gerade einige Misserfolge hinter sich haben oder über Ängste vor anstehenden K.-o.-Spiele klagen, sich mit ihrer auditiven Vergangenheit beschäftigen und vergleichen diese mit Zeiträumen, in denen sie zum Beispiel wie bei Weltmeisterschaft 2014 außerordentlich erfolgreich waren. Aus diesen Erkenntnissen könnten Sie dann eine gewisse Bilderwelt kreieren, die sie dann gezielt einsetzen, um einen erfolgreichen Gemütszustand herzustellen.

Die optimale Playlist?

In den vergangenen sechs Jahren wurden große Fortschritte gemacht und festgestellt, dass es so etwas wie einen „sweet spot“, also eine optimale Wirkung des Tempos von Musik in Verbindung mit sportlicher Aktivität gibt. Die optimale musikalische Wirkung liegt dabei bei einer Taktgeschwindigkeit von 125 bis 140 BPM. Es handelt sich jedoch nicht um eine lineare Beziehung: Wenn ein Fußballer während seines Sprinttrainings schneller wird, muss er nicht zwangsläufig die Geschwindigkeit seiner Musik erhöhen. Viel wichtiger ist die Auswahl von Songs mit einer gleichbleibend rhythmischen Qualität, mit bestätigenden Texten und positiven Harmonien. Die Musik sollte ferner die eigenen musikalischen Hörgewohnheiten widerspiegeln und aus dem sozialen Umfeld des Athleten stammen. Die intensiven Trainingseinheiten sollten grundsätzlich nicht mit extrem lauter Musik verbunden werden. Schließlich lauern hier Gefahren: Während des Trainings steigt der Blutfluss zu den arbeitenden Muskeln stark an, was das Innenohr sehr empfänglich für potenzielle Schädigungen macht und bei einer hohen Lautstärke zu temporärem Hörverlust führen kann.

Des Weiteren sollte Musik nur zeitweise und vor allem bei einer gemäßigten Lautstärke gehört werden, so dass man sich auch dann noch problemlos unterhalten kann, wenn man Kopfhörer trägt. Man sollte auf wechselnde Betonungen der Takte, ebenso verzichten wie auf Titel, die in ihrem Verlauf langsamer oder schneller werden. Außerdem sollte die eigene Playlist möglichst viel Abwechslung bieten und alle paar Wochen neu zusammengestellt werden, damit keine Langeweile und somit Irritation während des Trainings oder Wettkampfs aufkommen kann. Auch sollte nicht jede Trainingseinheit mit Musik untermalt werden. Wenn zwei Einheiten mit musikalischer Unterstützung, sollte dann eine ohne folgen, damit keine unbewusste Desensibilisierung stattfindet. Denn wie bei jeder anderen Stimulanz, lässt die Wirkung von Musik nach, wenn sie überdosiert wird. Die heute wohl populärste Version für Fußballer, Zuschauer und Mannschaften ist der Song „You’ll Never Walk Alone“ von Gerry & the Pacemakers. Sinn und Zweck des Titels ist es, der Mannschaft das Gefühl zu verleihen, dass das ganze Stadion hinter ihr steht. Quasi als unzerstörbares Band zwischen Fans und Spielern. Wie auch der äthiopische Langstreckenläufer Haile Gebrselassie: Vor einer Leichtathletikveranstaltung in Birmingham 1998 bat er die Organisatoren, während seines Laufs seinen Lieblingssong Scatman von Scatman John zu spielen. Vom Start weg führte er damit das Feld an; seine Mitläufer konnten ihm in keinem Moment folgen. Er übertraf den damaligen Weltrekord um 1,5 Sekunden und stellte damit einen Meilenstein in seiner Disziplin auf. Als Begründung für dieser Leistung gab er später an, dass die Musik optimal zur seiner Höchstgeschwindigkeit passt. Zurück zum Fußball: Musik schießt zwar keine Tore, kann aber im Training und in der direkten Wettkampfvorbereitung effektiv eingesetzt werden.

http://www.die-sportpsychologen.de/2015/03/26/elvina-abdullaeva-befluegelnde-musik/

Literatur

Görne, T. (2006): Tontechnik. 1. Auflage, Carl Hanser Verlag, Leipzig, 2006, ISBN 3-446-40198-9

Fritz, T. et al (2013). Musical agency reduces perceived exertion during strenuous physical performance. Proceedings of the National Academy of Sciences

International Jornal of Sports Medicine, 2004, Bd. 25, S. 611-615

Karageorghis, C. I. (2014). Music- Based Interventions. In: Encyclopedia of Sport and Exercise Psychology, Ed. Eklund, R.C., Tenenbaum G.

Internet:

http://thesportjournal.org/article/music-sport-and-exercise-update-research-and-application/

http://www.scientificamerican.com/article/psychology-workout-music/

http://www.physics.usyd.edu.au/~cross/baseball.html

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Elvina Abdullaeva: Blaupause Buffon

Machen wir einen Test: Denken Sie an die italienische Fußball-Nationalmannschaft und fragen Sie sich bitte, was dieses Team bei der aktuellen Fußball-Europameisterschaft bislang ausmacht? Als Erstes haben sie vielleicht an die defensiven Qualitäten gedacht, dazu vielleicht an den tollen und offenkundigen Teamgeist der Squadra Azzura. Spätestens an dritter Stelle sollten Sie auf Gianluigi Buffon gekommen sein – zumindest hätte der 38-jährige Torhüter der Italiener dies verdient. Es ist atemberaubend, wie sympathisch Buffon seine Rolle als Führungsspieler interpretiert und das italienische Team durch das Turnier leitet.

Zum Thema: Wie können Trainer das Führungsverhalten bei ihren Schützlingen fördern?

Die Rolle einer Führungsperson auszufüllen, gehört quasi per Definition zu den Aufgaben eines richtig guten Torwarts. Was heißt das aber konkret, was sollen die Keeper auf den Platz bringen? Man kann im Grunde genommen über zwei Facetten bzw. Aufgaben sprechen. Erstens geht es darum, dass der Torwart  seine Mitspieler aktiv mit Körpersprache und Gestik coacht und das Spiel steuert, da er einen guten Überblick über die Aufstellung, die Positionierung und das taktische Verhalten hat. Zweitens sollte der Tormann als Führungsperson in der Lage sein, seinen Mitspielern emotionale Unterstützung zu geben. Er sollte eine selbstbewusste kämpferische Einstellung haben und diese auf die Mannschaft übertragen können. Insbesondere bei einem negativen Spielverlauf, wie z.B. bei einem unerwarteten Spielsystem des Gegners, einem schnellen Gegentor, einer Unterzahl. Die Rolle des Tormanns besteht darin, in solchen Krisensituationen seinem Team den Weg aus dieser Situation zu zeigen, die Mannschaft anzutreiben und zu pushen (Abdullaeva, 2015).

Siamo agli ottavi! AVANTI ITALIA!!! #euro2016 #itaswe

Ein von Gianluigi Buffon (@gianluigibuffon) gepostetes Foto am

Guianluigi Buffon erfüllt diese Ansprüche bei der Fußball-Europameisterschaft idealtypisch. Aus meiner Sicht eignet er sich trotz seines hohen Sportleralters auch für die Jüngsten als großartiges Vorbild – zögern Sie also nicht, ihren Nachwuchstorhütern zu raten, beim Spiel Deutschland gegen Italien – trotz aller emotionalen Bindungen zu Manuel Neuer – genau auf den italienischen Keeper zu achten. Darüber hinaus geben wir Ihnen einige Möglichkeiten in die Hand, welche Sie als Trainer anwenden können, um effektiv und gezielt mit ihren Torhütern zu arbeiten.  

Die Rollendefinition

Erste Möglichkeit, Führungsverhalten bei Ihren Schützlingen zu fördern, besteht darin, sie über ihre Rolle ganz konkret aufzuklären. Dieses Rollenverständnis bedeutet, dass „der Spieler genau weiß, welche Verhaltensweisen von ihm erwartet werden und in welcher Form er seine Fähigkeiten einsetzen kann“ (Baumann, 2008, S. 28). D.h., Sie als Torwarttrainer sollen dem Torhüter Ihre Rollenerwartungen vermitteln. Dies können Sie beispielsweise in Form eines Anforderungsprofils mit einer genauen Aufgabenübersicht machen. Wichtig ist, dass der Torwart weiß, welche Handlungsaufgaben in welchen Situationen er als Führungsspieler hat: z.B. wie sieht mein Verhalten als Führungsspieler aus, wenn meine Mannschaft unerwartet hinten liegt? Im Spiel lässt sich in einer solchen Situation gut mit vorher zurecht gelegten Ansagen und konkreten Handlungsanweisungen arbeiten, die sich auf konkrete Spielsituationen beziehen.

Schaffen Sie Rollenzufriedenheit

Die zweite Möglichkeit, das Führungsverhalten beim Torwart zu stimulieren, besteht darin, die Rollenzufriedenheit zu fördern. Es soll dem Torwart Spaß machen, eine Führungsposition zu übernehmen. In der Regel bringt eine Führungsposition sehr viel Verantwortung mit sich und kann langfristig für die Psyche sehr belastend sein (Joiko, Schmauder, Wolff, 2010). Wenn Sie als Trainer dafür sorgen, dass der Torwart mit seiner Führungsrolle zufrieden ist, dann setzen Sie eine gegenwirkende Maßnahme zur psychischen Ermüdung Ihres Torwarts ein. Die Zufriedenheit mit der Rolle kann man durch vier Aspekte steigern (Carron, Hausenblas, Eys, 2005):

  • Nutzen Sie seine eigenen Fähigkeiten. Die Erarbeitung eines eigenen Stils als führender Spieler auf dem Platz soll auf den Fähigkeiten, Vorzügen und Stärken jedes Torwarts basieren;
  • Geben Sie ihm regelmäßig Feedback und Anerkennung. Ein gerechtes Lob des Torwarts angesichts seines Führungsverhaltens fördert ihn hinsichtlich einer Aufrechterhaltung des jeweiligen Verhaltens;
  • Betonen Sie die Wichtigkeit der Führungsrolle. Die positiven Konsequenzen der Führungsrollenübernahme für die Mannschaft sollten geklärt werden. Außerdem ist es empfehlenswert, die negativen Konsequenzen darzustellen, wenn z.B. ein Torwart ein passives Verhalten im Spiel zeigt;
  • Heben Sie seine Autonomie hervor. Es soll der individuelle Beitrag eines Torwarts als führender Spieler im Bezug auf das Mannschaftsziel hervorgehoben werden.

Zum Führungsspieler werden

So weit die Maßnahmen zur Förderung des Führungsverhaltens bei einem Torwart, welche Sie als Trainer selbst in Ihre Arbeit implementieren können. Hier wird freilich davon ausgegangen, dass der Torwart auf Basis seiner Persönlichkeitsveranlagung in der Lage ist, eine Führungsrolle und Verantwortung für sich und die anderen zu  übernehmen. Wenn aber ein Torwart aufgrund eigener Persönlichkeitseigenschaften gewisse Schwierigkeiten mit der Übernahme der Führungsrolle hat, beispielweise, weil er verantwortungsscheu ist, dann ist es eher die Aufgabe eines Sportpsychologen, diese Persönlichkeitseigenschaft zu fördern. Viel Spass beim Ausprobieren!

 

Quellen:

Abdullaeva, E. (2015). Psychologisches Anforderungsprofil des Torhüters im Fußball. Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, unveröffentlichte Masterarbeit.

Baumann, S. (2008). Mannschaftspsychologie. Methoden und Techniken (2. Aufl.).Aachen: Meyer & Meyer

Сarron, A.V., Hausenblas, H.A. & Eys M.A. (2005). Group Dynamic in Sport (3. Ed.). Fitness Information Technology, Inc: USA.

Joiko, K., Schmauder, M., Wolff, G. (2010). Psychische Belastung und Beanspruchung im Berufsleben. Erkennen – Gestalten(5. Aufl.). Dortmund

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Prof. Dr. Oliver Stoll: Gefährliches Spiel im Trailrunning

Insider beobachten im Trailrunning eine Tendenz. Undzwar eine äußert gefährliche: Denn mit der steigenden Nachfrage an die Produkte dieser boomenden Individualsport-Industrie, ändern sich die Angebote. Herausfordernd erscheint im Einzelfall nicht gefährlich genug zu sein, so dass sich im Ergebnis der Charakter vieler Wettkämpfe weiterentwickelt. Die Aktiven scheinen aber bewusst mit dem gestiegenen Risiko spielen zu wollen…

Zum Thema: Muss sich Trailrunning ändern? Überlegungen eines Trailrunners, der auch Sportpsychologe ist

Auslöser für diesen Blog-Beitrag war mein letztes Rennen, dem Zugspitz-Ultratrail, bei dem ich nicht „Ultra“ unterwegs war, sondern auf den sehr übersichtlichem Basetrail mit 25 km und ca. 1600 Höhenmetern und nicht zuletzt der folgende Blogbeitrag von Carsten Reichel der Blog-Plattform „Rockntrail“.

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Weitere Informationen

Hintergrund des hier zitierten Blog-Beitrags ist eine kritische Auseinandersetzung von Carsten Reichel mit der aktuellen Entwicklung im Trailrunning. Die Strecken werden immer länger und technisch schwieriger und somit extremer. Immer mehr Anbieter für organisierte Trail-Läufe  gehen an den Markt und die Sportgeräte-Ausstatter der Trailrunner glänzen mit atemberaubenden Werbekampagnen, vor allen Dingen mit tollen Landschaftsaufnahmen, die suggerieren, wie toll und einfach Trailrunning ist. Hinzu kommt – zumindest auf dem deutschen Markt – dass sich jeder, der sich berufen fühlt, sich für jedes Rennen anmelden kann, unabhängig davon, ob er oder sie in der Lage ist, eine solche Herausforderung zu bestehen. Die Veranstalter überlassen dies ausschließlich dem Athleten und sichern sich selbst ganz einfach mit einem Haftungsausschluss ab, den jeder Athlet unterschreiben muss, bevor er oder sie an den Start geht. Böse, wer denkt, dass hier lediglich Kommerzialisierungsinteresse stecken könnte.

Trailrunning und der Abstand zur Straße

Trailrunning unterscheidet sich in der Tat massiv vom (aus meiner Sicht technisch wenig anspruchsvollen) Laufen auf der Straße. Wer sich einmal ein Bild vom sogenannten Downhill-Running machen möchte, der schaut sich folgendes, ca. 90 Sekunden langes Video an. Dabei sind diese Downhill-Trails nicht einmal besonders spektakulär:

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Weitere Informationen

Und dies führt uns zu meinem letzten, schon oben genannten Rennen, dem Basetrail von Garmisch-Partenkirchen nach Grainau, mit insbesondere einem wirklich herausfordernden Downhill-Trail, den nicht nur wir Basetrailer, sondern z.B. die Ultratrailer laufen mussten, und die hatten bis dahin schon gut 93 Kilometer in den Beinen. Die meisten Läufer dieses Wettkampf-Formates erreichten diese Stelle in der Dunkelheit, jenseits der 22:30 Uhr, im Nebel, bei Kälte und bei strömenden Regen. Es erstaunt also auch nicht, dass es bei den Ultratrailern dieses Jahr eine 45% DNF-Quote (did not finish) gab. Ich kam so gegen 15:30 Uhr an diesem Teilabschnitt vorbei, an diesem Tag, auch schon ziemlich platt und es kam, wie es kommen musste, ich stürzte in einem Moment, an dem ich nicht ausreichend konzentriert war und fiel so unglücklich, dass ich mir den rechten Zeigefinger auskugelte. Gott sei Dank gelang es mir in Zusammenarbeit mit einem weiteren Läufer, den Finger schnell wieder ins Gelenk schnappen zu lassen. Im weiteren Downhill kam ich dann wenig später an einem Läufer vorbei, der dort schon medizinisch versorgt wurde. Das sah nicht gut aus, was ich da in der Kürze so sehen konnte und ca. 20 Minuten später kreiste über uns der Hubschrauber, der verletzte Läufer aus dem Berg brachte.

Bedürfnis nach intensiven Erfahrungen

Ich kam nach gut 5 Stunden ins Ziel. Aber schon dort und bis zum heutigen Tag beschäftigt mich dieser Lauf. Ich bin kein super-erfahrener Trailrunner, aber auch kein Anfänger mehr. Ich weiß auch, dass ich nicht super-talentiert bin, aber ich bin diesbezüglich auch kein Grobmotoriker (Zur Einordung – ich kann 100 km am Stück in 13 Stunden laufen, aber nicht im Gebirge und die 4-Trails letztes Jahr habe ich im hinteren Mittelfeld gefinished). Ich bilde mir ja immer ein, dass ich weiß, was ich kann und was ich nicht kann. Dennoch, wenn ich meine sportliche Karriere Revue passieren lasse, dann sind da noch die Erinnerungen an überdehnte und gerissene Außenbänder an beiden Knöcheln, aufgeschlitzte Haut am Knie, an den Händen, die geklammert oder genäht werden musste, ein Bruch des Schlüsselbeins bis hin zum kürzlich ausgekugelten Finger. Die Frage stellt sich also, warum tut sich das ein Sportler immer wieder an? Ein Gedanke, der nahe liegen könnte wäre, dass es an bestimmten Persönlichkeitsausprägungen liegen könnte. Es liegen nicht wirklich viele Studien zum Zusammenhang von Sport und Persönlichkeit vor, und die wenigen, die ich kenne bieten für das o.g. Phänomen auch keine Erklärung – es sei denn man zieht ein psychologisches Konstrukt hinzu, dass ebenso, wie Persönlichkeit – etwas „Überdauerndes“ ist, das uns ausmacht. Dieses Konstrukt heißt in der Psychologie „Sensation-Seeking“. Das psychologische Konstrukt Sensation Seeking kann als Verhaltenstendenz verstanden werden. Laut Zuckerman (1978, 1994, 2006) ist diese gekennzeichnet durch das Bedürfnis, vielfältige, komplexe und neue Erfahrungen zu machen, die zudem durch eine gewisse Intensität gekennzeichnet sind. Es ist davon auszugehen, dass z.B. ein Trailrunner eine Bereitschaft aufweist zu Gunsten dieser Erfahrungen Risiken einzugehen, welche physischer, sozialer, finanzieller bis hin zu sehr grenzwertigen Handlungsbereitschaften sein können. Personen mit der hoch ausgeprägten Persönlichkeitseigenschaft des Sensation-Seeking zeichnen sich folglich durch das Aufsuchen risikoreicher Situationen aus, bei denen sie im Vergleich zu anderen wenig ängstlich, dafür aber positiv emotional agieren und reagieren. Es liegen nur wenige empirische Studien zu dieser Fragestellung im Trailrunning vor. Eine kleine, erste Pilotstudie finden Sie hier:

Prof. Dr. Oliver Stoll und Christin Janouch: Das psychologische Profil eines Trail-Runners

Bis vor kurzem gehörte das ausdauernde Laufen in der wissenschaftlichen Literatur eher zu den risikoarmen Sportarten (low-risk-sports, siehe hier z.B. Hagenah, 2001). Trailrunning sollte meines Erachtens anders eingeordnet werden, auch wenn sich dies nicht mit Wingsuite-Fliegen oder Bungee-Jumping vergleichen lässt. Tatsache aber ist, dass wir bei den Trail-Läuferinnen und -läufern eine hohe Sensation-Seeking Ausprägung finden können (siehe hierzu auch unsere o.g. Studie), der zugegebenermaßen eine relativ kleine Stichprobe zugrunde liegt. Definitiv brauchen wir hier noch weitere Studien mit größeren Stichproben. Was für mich aber bleibt ist die Tatsache, dass wir es hier unter Umständen mit einer ganz spezifischen Persönlichkeitsausprägung oder eben Verhaltenstendenz zu tun haben, die diese Sportlerinnen und Sportler immer wieder dazu treibt, diese „Risiken“ einzugehen. Und wir wissen eben auch, dass sich Persönlichkeit weder durch operantes Konditionieren (also Lob oder Strafe), noch über „Lernen durch Einsicht“ schnell und/oder nachhaltig beeinflussen lässt. Diese Tatsache zu Ende gedacht – lässt eine sogenannte „freie Entscheidung“ darüber, ob man jeden, der möchte, um jeden Preis zu einem solchen Wettkampf antreten lässt oder eben nicht, mich zu der Empfehlung hinreißen, dies zumindest kritisch weiter zu diskutieren.

Ob hier vorzuweisende Qualifikationswettkämpfe oder eventuell wie in Frankreich (dies jedoch aus anderen Gründen) Expertengutachten die Lösung sind, sei dahingestellt. Technisch anspruchsvolles Trailrunning und Ultratrailrunning für jeden, um jeden Preis ist und bleibt ein „Tanz auf dem Vulkan“ mit sicherlich großen Risiken für einzelne Sportkameraden, zumindest aus meiner Sicht. Lassen Sie uns diskutieren, per Facebook oder über die direkten Kontaktdaten auf meiner Profilseite!

 

http://www.die-sportpsychologen.de/2014/07/23/sebastian-reinold-der-reiz-der-gefahr/

Literatur

Hagenah, J. (2001). Zum Zusammenhang zwischen Sensation Seeking, Sportmotiven und sportlichen Freizeitaktivitäten. In R. Seiler, D. Birrer, J. Schmid & S. Valkanover (Hrsg.), Sportpsychologie: Anforderungen, Anwendungen, Auswirkungen; proceedings (S. 182–184). Köln: bps-Verlag.

Zuckerman, M., Eysenck, S. & Eysenck, H.J. (1978). Sensation seeking in England and America: Cross-cultural, age, and sex comparisons. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 46, 139–149.

Zuckerman, M. (1994). Behavior expressions and biosocial bases of sensation seeking. New York: Cambridge University Press.

Zuckerman, M. (2006). Sensation Seeking and Risky Behavior. Amer Psychological Assn.

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