Thorsten Loch: Jungtrainer – ein Erfolgsmodell?

Seit dem 11. Februar 2016 ist er der jüngste Trainer der Bundesliga-Geschichte: Julian Nagelsmann. Der 28-Jährige, der eigentlich erst im Sommer die Geschäfte vom zwischenzeitlich verpflichteten Feuerwehrmann aber nun aus gesundheitlichen Gründen zurückgetretenen Huub Stevens übernehmen sollte, startet also mitten im Abstiegskampf der TSG Hoffenheim in seine Bundesligakarriere. Kann das gelingen? Durchaus, ein Hauptkriterium wird dabei seine Kommunikationsfähigkeit sein.

Zum Thema: Was junge Trainer können müssen.

Die Aufregung war sehr groß, als die Verantwortlichen der TSG Hoffenheim ihre Personalpläne, nach denen Nagelsmann im Sommer 2016 bin Stevens das Traineramt übernehmen sollte, offen legten. Einige Kritiker sprachen von einer PR-Aktion, denn wie soll ein gerade einmal 28-Jähriger im Haifischbecken Bundesliga überstehen? Ich stelle mich dagegen und frage, warum eigentlich nicht? Warum muss ein älterer Trainer zwangsläufig auch ein besserer sein? Dass Nagelsmann, der aktuell im Besitz der A-Lizenz ist und die Fußballlehrerausbildung absolviert, über das nötige „know-how“  (Fachkompetenz) verfügt, hat er in der Vergangenheit bewiesen. Unter anderem gewann er mit der U19 der Kraichgauer die Deutsche Meisterschaft und assistierte bereits dem heutigen Dortmunder Trainer Thomas Tuchel. Es wird spannend zu beobachten sein, wie es ihm gelingt, seine Idee des Fußballspiels den Spielern zu vermitteln, egal ob und jung oder alt. An diesem Beispiel wird deutlich, dass allen voran der Kommunikation einer enormen Bedeutung zukommt.

Kommunikation als Wegbereiter

Die Kommunikation ist ein komplexes und facettenreiches Themengebiet, dem man sich in diesem Zusammenhang mit relevanten Wissensbausteinen nähern kann. Dazu gehört das Verständnis von Kommunikation, den Protagonisten in der Kommunikation, den Sende- und Informationskanälen sowie der Verbalität und Tonalität. Es existieren zahlreiche theoretische Konzepte und Modelle zur Kommunikation, allerdings dürfte eine Konzentration auf die Axiome von Watzlawick (u.a. „man kann nicht nicht kommunizieren“) und das Modell von Schulz von Thun genügen. Mit dieser Grundlage wird eine wesentliche Voraussetzung geschaffen, eine hohe Qualität in der Kommunikation zu erreichen und diese sicherzustellen. Eine der zentralen Erkenntnisse ergibt sich insbesondere hinsichtlich der Rolle und Interpretation und Vorannahmen. Sie minimieren die Wahlfreiheit im Antwortverhalten des Empfängers, was sich entsprechend auf die Kommunikationsqualität auswirkt. Für den kommunizierenden Trainer ist es nun wichtig, zum einen diese Mechanismen der Kommunikation und deren Möglichkeiten, aber auch deren Fallen zu kennen.

Schlüsselqualifikationen

Als Schlüsselqualifikationen werden Fähigkeiten beschrieben, welche sich in fünf Kompetenzbereiche einordnen lassen: Soziale Kompetenz; Selbstkonzept; Methodenkompetenz; Handlungskompetenz; Medienkompetenz. Auf drei Kompetenzbereiche will ich näher eingehen:

Soziale Kompetenz

Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten, die dazu befähigen, in den Beziehungen zu Menschen situationsadäquat zu handeln (u.a. Empathie, emotionale Intelligenz oder Führungskompetenz).

Methodenkompetenz

Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten, die es ermöglichen, Aufgaben und Probleme zu bewältigen, indem sie die Auswahl, Planung und Umsetzung sinnvoller Lösungsstrategien ermöglichen (u.a. abstraktes und vernetztes Denken, Analysefähigkeit).

Selbstkonzept

Fähigkeiten und Einstellungen, in denen sich die individuelle Haltung zur Welt und insbesondere zur Arbeit ausdrückt. Persönlichkeitseigenschaften, die nicht nur im Arbeitsprozess Bedeutung haben (u.a. Anpassungsfähigkeit, Ausdauer, Belastbarkeit).

Schaut man sich die sportliche Vergangenheit von Nagelsmann an, welche ihn bis in die zweite Mannschaft von 1860 München brachte und geprägt von Verletzungen war, so ist es nicht verwunderlich, dass ihm ehemalige Weggefährten diesen Sprung durchaus zutrauen.  Nagelsmann hat trotz seines noch jungen Alters bereits viele Kompetenzbereiche sich aneignen und ausprägen können, welche ihm sicherlich helfen werden, als Cheftrainer zu bestehen.

Fazit:

Trainer sollten Methoden verfügbar haben, so dass Kommunikation störungsfrei ablaufen kann. Um dies zu ermöglichen, muss der Trainer nicht diverse Gesprächstechniken beherrschen. Vielmehr muss er zuhören und sich auf die Wirklichkeitskonstruktion des Sportlers einlassen. Von elementarer Bedeutung ist es, eine Zuhöratmosphäre (Eberspächer, 1998) zu schaffen, also eine Atmosphäre, in der der Sportler von sich aus zu erzählen beginnt. Dennoch muss er auch klar deutlich machen, wo es lang geht, denn schließlich führt er das Team.

 

 

Hinweis: Der Beitrag erschien erstmalig bereits im November 2015 auf die-sportpsychologen.de.

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