Cristina Baldasarre: Entspannung als Aufgabe

In den vergangenen Wochen war Curling medial durchaus präsent. Vorrangig natürlich aufgrund des WM-Erfolgs der Damen im kanadischen Swift Current. Vier der letzten fünf Weltmeistertitel konnten Schweizerinnen feiern. Eine wirkliche Auseinandersetzung mit der Sportart findet allerdings kaum statt, obwohl viele Athleten diverser Disziplinen von dem zugegeben speziellen Spiel Curling etwas lernen können.

Zum Thema: Erholung- und Belastung im Wettkampf

Im Curling besteht für die Aktiven eine der grössten Herausforderungen darin, dass in der Regel an einem Tag zwei Wettkämpfe stattfinden. Dies bedeutet, dass die Sportler sich zweimal stark fokussieren und motivieren müssen. Bei internationalen Top-Ereignissen wie Weltmeisterschaften kommt noch erschwerend hinzu, dass mehrere Turniertage jeweils mit Doppelbelastungen hinter den Startern liegen. Im Ergebnis kommt der Erholungs- und Belastungsthematik eine besondere Bedeutung zu.

Vielen Sportlern hilft es, dass in solchen intensiven Turnier- und Wettkampfphasen teamfreie Zeit in den Tagesablauf eingebaut wird. Luzia Ebnöther, eine der erfolgreichsten Schweizer Curlerinnen, die ich fünf Jahre ihre Karriere als Sportpsychologin begleitete (auf die-sportpsychologen.ch ist der Insiderbericht “Was Führungsspieler von Ex-Curlerin Luzia Ebnöther lernen können ” erschienen), achtete nachdrücklich darauf, dass jede Spielerin autark entscheiden konnte, wie die zur Verfügung stehende Zeit genutzt werden sollte.  “Jede konnte machen, was sie wollte, auch vollkommen alleine, ohne jegliche Anbindung an das Team”, lautete die Devise der Olympia-Silbermedaillengewinnerin von Salt Lake City im Jahr 2002.

Entspannung ja, aber nicht zu viel

Am Wettkampfort selbst, wo beim Curling meist zwei bis drei Stunden zwischen den Spielen liegen, besteht die Herausforderung darin, genügend, aber nicht zu stark zu entspannen, um danach wieder fit und bereit für den nächsten Gegner zu sein. Eine tolle Hilfe können dabei Atemtechniken und sogenanntes Tagträumen sein, die es möglich machen, für kurze Zeit in eine ganz andere Welt einzutauchen und das Curling vorübergehend zu vergessen.

Einem Massenpublikum wird die Erholungs- und Belastungsthematik spätestens im Sommer während der Olympischen Spiele bewusst werden. Auch hier verlangt der Wettkampfkalender unter anderem der Schwimmer oder Leichtathleten den einzelnen Sportlern viel Geschick in der direkten Wettkampfvorbereitung ab. Hierbei können Sportpsychologen sehr effektiv helfen.

 

Zum Thema:

http://die-sportpsychologen.ch/2016/04/11/was-fuehrungsspieler-von-ex-curlerin-luzia-ebnoether-lernen-koennen/

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