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Katharina Petereit: Langeweile im Sport?

Du bindest dich schon seit Jahren an die gleiche Sportart und kannst dir nicht vorstellen, diese irgendwann einmal aufzugeben? Trotzdem machst du momentan keine richtigen Fortschritte mehr oder langweilst dich sogar immer mal wieder im Training? Deine Motivation lässt nach und du erzielst keine Erfolge?

Zum Thema: Vor- und Nachteile einer immer gleichen Sportart 

Anlässlich einer Interviewanfrage zu „Langeweile im Sport“ durch das Magazin Women`s Health, wird diese Thematik im Folgenden aufgegriffen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass eine Sportart, die man bereits über Jahre hinweg ausübt, zum eigenen Lebensstil gehört und zur Routine geworden ist. Man verbindet mit dieser Sportart vielmehr als die rein körperliche Betätigung. Vorteile sehe ich darin, dass die jeweilige Sportart ein fester Bestandteil des Lebens ist und man diese somit auch nicht so einfach aufgibt. Zudem bedeutet ein und dieselbe Sportart ja nicht, dass man sich keine Herausforderungen mehr sucht. Ganz im Gegenteil – jede Sportart beinhaltet unterschiedliche Disziplinen, Übungen, Abläufe… auch nach Jahren können diese noch Spaß machen und Abwechslung bringen. Zudem ist es sicherlich ein gutes Gefühl und bestärkt das Selbstbewusstsein, eine Sportart bereits so lange auszuüben, also ein großes Durchhaltevermögen zu haben – und sie auf einem guten Niveau zu beherrschen.

Wenn wir uns Leistungssportler anschauen, sind Durchhaltevermögen und das Streben nach stetigen Fortschritten in ein und derselben Sportart Grundvoraussetzungen. Aus meiner Sicht geht es vor allem darum, wie Sporttreibende ihre Ziele definieren und woran sie ihre Fortschritte letztendlich messen. Fortschritte werden ja zumindest bei Freizeitsportlern nicht unbedingt von außen festgelegt. Wichtig ist jedoch, dass sich ein Sportler/eine Sportlerin mit dem Erreichen bzw. auch Nicht-Erreichen eines Ziels auseinandersetzt. Wenn ein Sportler/eine Sportlerin das Erreichen des Ziels auf seinen/ihren Einsatz, seine/ihre Mühe, seinen/ihren Ehrgeiz, seine/ihre Fähigkeiten und auf sein/ihr Durchhaltevermögen zurückführen kann, stärkt es seine/ihre Selbstwirksamkeit und sein/ihr Selbstvertrauen. Eine Auseinandersetzung mit dem Nicht-Erreichen eines Ziels ist für die Ursachenfindung und daraufhin mögliche Korrektur der Zielsetzung wichtig.

Langeweile vermeiden

Allgemein verbinden wir mit Langeweile ja eher ein negatives Gefühl, welches durch Monotonie oder Inaktivität hervorgerufen wird. Deswegen würde ich Langeweile beim Sport zunächst nicht als positiv beurteilen. Allerdings kann eine bereits angesprochene Routine ein positives Gefühl und ein Gefühl von Sicherheit und Verbindlichkeit bewirken. Langeweile kann in diesem Zusammenhang vielleicht so verstanden werden, als dass man immer zur gewohnten Zeit, zum gewohnten Ort, zum gewohnten Sport geht. Aber auch hier hat der Begriff Langeweile für mich eher einen negativen Beigeschmack. Ich denke eher, dass man von Routinen sprechen sollte. Und wenn es darum geht, ob Langeweile ein Zeichen für Erfolg ist, sollte auch diese Frage differenzierter betrachtet werden. Ohne Frage können LeistungssportlerInnen irgendwann mal vom Erfolg gesättigt sein. Jedoch ist es ihr Beruf, welchen sie ohnehin nicht ihr Leben lang ausüben können. Freizeitsportler können ihre sportliche Karriere dahingehend etwas freier gestalten und müssen sich nicht zwingend an objektiv messbaren Erfolgen orientieren. Hier geht es vielmehr darum, dass kleine Schritte zu immer wieder neu festgelegten Zielen führen. Zudem kann ein Ziel ja auch schon die alleinige Teilnahme am Sport und das Durchhaltevermögen sein.

Wenn Sporttreibende soweit sind, dass sie Langeweile beim Sport empfinden und trotzdem noch dabei bleiben, treibt sie eine intrinsische Motivation dazu an. Das weist daraufhin, dass der Sport zwar ein wichtiger Bestandteil im Leben ist, aktuell aber neue Reize, Ziele oder Wünsche vonnöten wären. An diesem Punkt könnte der Sportler/die Sportlerin mal bewusst festhalten, warum er/sie diesen Sport ausübt und welche Ziele er/sie damit verfolgt. Wichtig ist, dass man auch kleine Fortschritte registriert und Freude beim Sporttreiben empfindet. Zielsetzungen und das Suchen neuer Herausforderungen können aus einem Motivationsloch heraushelfen. Aber auch soziale Kontakte, also beispielsweise Sportpartner, können helfen, wieder Spaß am Sport zu empfinden, Abwechslung in den Trainingsalltag zu bringen und gesetzte Ziele zu verfolgen. Eine Möglichkeit wäre auch, Freunde für den Sport zu gewinnen und mit ihnen zusammen zu trainieren. Am besten wird das Training durchweg abwechslungsreich gestaltet. Wenn man sein eigener Herr ist, sprich nicht auf einen Trainer oder eine Trainingsgruppe angewiesen ist, sollte man sich nicht ständig zu monotonen Trainingseinheiten zwingen, sondern auch mal danach gehen, worauf man an dem Tag einfach mal Lust hat – auch, wenn das nicht zum gesetzten Ziel beiträgt, aber ein Erfolg ist es ja auch, einfach Freude und Ausgeglichenheit beim Sport zu empfinden.

 

Weiterführende Literatur:

Beckmann, J. & Elbe, A. (2008). Praxis der Sportpsychologie im Wettkampf- und Leistungssport. Balingen: Spitta.

Hänsel, F., Baumgärtner, S. D., Kornmann, J. M. & Ennigkeit. F. (2016). Sportpsychologie. Berlin/Heidelberg: Springer-Verlag.

Stoll, O. & Alfermann, D. (2016). Sportpsychologie. Ein Lehrbuch in 12 Lektionen (5. überarbeitete Auflage)Aachen: Meyer & Meyer Verlag.

 

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Marcus Mücke und Detlef Christoph Kowaltschuk: “Die Rahmenbedingungen innerhalb der Profivereine müssen verbessert werden”

Für die-sportpsychologen.de berichten Marcus Mücke und Detlef Christoph Kowaltschuk:

Marcus Mücke (Foto: Matthias Sandmann bei EY Köln)
Marcus Mücke (Foto: Matthias Sandmann bei EY Köln)

Marcus Mücke, geb. 1968 in Düsseldorf, Studium der Betriebswirtschaft und Studium der angewandten Psychologie. Fernstudium zum Heilpraktiker und Ausbildung als Lizensierter Mentaltrainer. Marcus Mücke hat LIFE BALANCE im Januar 2014 gegründet. Im Oktober 2016 wurde die Partnerschaft mit Detlef Christoph Kowaltschuk geschlossen. Die Schwerpunkte von Herrn Mücke liegen auf dem Gebiet der mentalen Leistungssteigerung und psychologischer Verfahrensweisen im Leistungssport- und Business- Bereich.

 

 

Detlef Christoph Kowaltschuk (Foto: Matthias Sandmann bei EY Köln)
Detlef Christoph Kowaltschuk (Foto: Matthias Sandmann bei EY Köln)

Der 1967 in Hüttental-Weidenau geborene Detlef Christoph Kowaltschuk befasst sich seit 2002 intensiv mit der Ausbildung von Kindern und Jugendlichen im Leistungsbereich Fussball. Zuvor hat er eigens als verantwortlicher Leiter die Jugendfussballschule Hennef e.V. aufgebaut und bis einschließlich 2009 geleitet. Während dieser Zeit hat er zusätzlich  seine Trainerausbildung absolviert und ist Inhaber der DFB-A-Lizenz (UEFA-A-Licence). Des Weiteren ist er seit 2007 Mitarbeiter im erweiterten Trainerstab der U15/U16 Mittelrheinauswahl. In seiner Funktion als Honorartrainer unterstützt er dabei ebenfalls seit 2012 die Trainerausbildung der DFB-C-Lizenz mit Vorträgen zur Führung, Kommunikation und Management an der Sportschule Hennef. Detlef Christoph Kowaltschuk ist im Oktober 2016 als gleichberechtigter Partner LIFE BALANCE beigetreten.

 

Marcus Mücke und Detlef Christoph Kowaltschuk, allen voran im Profi-Fußball werden die Rufe von Athleten lauter, die sich gegen die Vielfachbelastung zu wehren. Lässt sich aus ihrer Sicht eine ausgewogene Work-Life-Balance auch im Profi-Sport umsetzen und wie lauten die Rahmenbedingungen dafür?

Marcus Mücke:  Ein ganz klares JA! Eine WORK-LIFE-BALANCE ist gerade im Profisport- und Hochleistungsbereich elementar wichtig. Wenn man bedenkt, dass sich der Ball beim Tennisspiel ca. 0,3 – 1,1 Sekunden auf der Saite des Schlägers befindet und in mehrfacher Abfolge dieser Zeitspanne, möglicherweise über Sieg oder Niederlage entschieden wird, dann wird es Sie noch mehr verwundern, dass eine im Kopf noch kürzere Denk-Zeitspanne bei einem Fußballer darüber entscheidet, was er beim Kontakt mit dem Ball alles machen kann. Trifft er den Ball richtig und landet dieser nach etlichen Sekunden bei seinem Mitspieler, im Tor oder auch ungewollt beim Gegenspieler? Die Tatsache, dass sich ein Leistungssportler mental auf einen Wettkampf Tage- Wochen- Monate- oder sogar Jahrelang vorbereitet, um diese außerhalb unserer Wahrnehmungsgrenze liegende Zeitspanne durch Training beeinflussen zu können, ist mit Vernunft nicht zu erklären. Es muss so etwas wie Leidenschaft oder ein andersartiges Motiv aus dem Fundus unserer komplexen Persönlichkeit im Spiel sein, um dieses Phänomen verstehen zu können.

Hier setzt für mich die Faszination der sportpsychologischen Betreuung im Leistungssport an, da sowohl gute als auch schlechte Leistungen unter anderem fast immer auch im Kopf mitentschieden werden. Und diese eben angesprochene Leidenschaft ist eine der Grundvoraussetzungen, um die Prozesse und Mechanismen im Trainings- und Wettkampfalltag des Leistungssportlers verstehen und beeinflussen zu können. Aber eines sollte dabei nicht in Vergessenheit geraten…..ein gesunder und elementar wichtiger Gegenpol, ein sogenannter Ausgleich zum Wettkampfalltag muss gegeben sein. Dieser Ausgleich, oder auch von mir „Gegenpol“ genannt sollte zwingend nichts mit Fußball, ja sogar nichts mit dem Wettkampfsport wie z. B. alternativ Tennis zu tun haben. Der Fokus sollte sich komplett vom Sport los lösen und keinerlei Beziehungen ermöglichen. Ganz wichtig hierbei ist, dass der sogenannte „Gegenpol“ ein gesundes Gleichgewicht zum Hauptthema Fußball bildet.

Ich bin der Meinung, dass die reine Implementierung eines Mentaltrainers heutzutage nicht mehr ausreicht, die Vereine müssen sich mehr der Verantwortung und Gesunderhaltung jedes einzelnen Spielers bewusst sein. Ich empfehle daher jedem Verein auch die Unterstützung durch einen Sport-/Psychologen. Der Druck von „Außen“ seitens der Medien, Fans, Spielerberater, etc. wird immer größer. Es ist wichtig, dass sich jeder einzelne Leistungssportler auf die eigentliche Aufgabe konzentrieren kann. Ich denke man muss zwingend mit dem „WORK-LIFE-BALANCE Gedanken schon bei den ganz jungen Talenten in den Amateurvereinen anfangen. Hier sind insbesondere die Eltern, Trainer und Spielerberater aufgefordert mit Sachverstand und sportpsychologischer Unterstützung zu agieren. Die Rahmenbedingungen müssen auch innerhalb der Profivereine verbessert werden. Ein ganz wichtiges Thema bilden hier die Nachwuchs-Leistungs-Zentren, hier beginnen die Rahmenbedingungen für die jungen Talente, die den Sprung in den Profikader schaffen wollen.

Detlef Christoph Kowaltschuk: Belastung ist immer ein subjektives Empfinden. Es ist die Art und Weise wie ein einzelner Profisportler mit der jeweiligen Situation umgeht. Oft sind es äußere Einflüsse, die die „Belastung“ noch schwerer und unüberwindbarer wirken lassen für den Betroffenen. Eine ausgewogene Balance zwischen unterschiedlichen Umwelteinflüssen lässt sich in vielerlei Hinsicht herstellen. Dazu bedarf es einer ganzheitlichen Betrachtung eines einzelnen Betroffenen, welche über den „Leistungssport“ (also seinen Beruf) hinausgeht.

Neben dem Beruf sind auch die Faktoren Privatleben wie z.B. Partnerschaft, Familie und Gesundheit große Einflussfaktoren auf jeden Einzelnen. Mit einer ganzheitlichen Betrachtung lassen sich mögliche „Störfelder“ identifizieren und somit gezielter lösen um das allgemeine Wohlbefinden des Einzelnen wieder in ein Gleichgewicht zu bringen. Weiterhin muss eine ausgewogene Verteilung von Beruf und Privatleben sichergestellt werden. Unterm Strich ist weniger oftmals mehr und ein zu intensives Training/Berufsleben ohne einen adäquaten Ausgleich führt zu einer empfunden „Überbelastung“. Der Betroffene fühlt sich überfordert und kann somit nicht mehr sein wirklich vorhandenes Leistungspotential abrufen.

Welchen Stellenwert hat die Sportpsychologie mittlerweile im Profi-Sport, nicht zuletzt in Bezug auf das Belastungsmanagement?

Marcus Mücke:  Die Wahl des optimalen Belastungsmanagement (Betreuungssettings) ist nicht nur deshalb entscheidend, weil es ein Hauptfaktor für den Betreuungserfolg darstellt. Vielmehr sollte sich die persönliche Arbeitsphilosophie des Sport- /Psychologen in dem Beratungs-, Betreuungs-, und Belastungsmanagement widerspiegeln. Es müssen sich nicht nur die Athleten in ihrem leistungsanreizenden Umfeld wohl- und herausgefordert fühlen, es muss auch der Sportpsychologie vice versa ein für seine Persönlichkeit authentisches und seinem Beratungsstil angepasstes Umfeld einfordern, um in langfristiger Hinsicht den gewünschten Beratungserfolg erzielen zu können. Je größer die Anzahl der an der Betreuung teilnehmenden Systeme, desto größer ist der potenzielle Einfluss- und Wirkungsbereich und desto komplexer und anforderungsintensiver ist wiederum der Beratungs- und Betreuungsauftrag.

Der Sport- /Psychologe ist integrativer Bestandteil des Teams und coacht ggf. je nach befindlichem Anspruch auf der einen Seite das Trainerteam und betreut auf der anderen Seite die Athleten. Mit anderen Experten (Sportwissenschaftler, Sportmediziner, Sportpsychologen = Expertenteam) steht er in ständigem Austausch. Neben der aktiven Betreuungsarbeit im Trainingsmodus und bei Wettkämpfen sollen die Trainer und Athleten nicht nur in ihrer Lebenswelt beobachtet, sondern auch in ihrer täglichen Arbeit beraten werden.

Praxistaugliche Programme können dadurch („Training on the job“) direkt entwickelt werden. Die teilnehmende Beobachtung verlangt einen Balanceakt zwischen Wahrung der professionellen Distanz einerseits und der vollständigen Integration in den Trainings- und Wettkampfbetrieb andererseits. Jeder der mit intensivem Leistungsdruck und der Öffentlichkeit (Medien) zu tun hat, sollte die Möglichkeit einer Sportpsychologischen Beratung/Betreuung in Betracht ziehen. Sie ist heute wichtiger als je zuvor.

Detlef Christoph Kowaltschuk: Insbesondere im Leistungssport spielt die Psychologie eine noch größere Rolle, da durch die Öffentlichkeit und eine mögliche Medienpräsenz die Wahrnehmung der Sportler viel größer ist. Dadurch erhöht sich ein möglicher „Druck“ exponentiell.

Inwiefern können Vereine und Verbände von ihrem Konzept profitieren und auf welche Art helfen Die-Sportpsychologen als Kooperationspartner?

Marcus Mücke: Neben der psychologischen Betreuung und deren Beratung sowie dem Coaching in den unterschiedlichsten Bereichen, bieten wir auch eine entsprechende Konzepterstellung in den Bereichen des Leistungssports an. Von der finanziellen Konzeptentwicklung für Sportvereine und Vorstände bis hin zum Aufbau von Sportleistungszentren (NLZ) und deren sorgfältigen Betreuung im Kinder- und Jugendbereich. Wir unterstützen Menschen dabei, die als subjektiv belastend empfundenen Situationen im privaten und beruflichen Alltag zu bewältigen, zu erleichtern, zu verändern und Lösungsstrategien mit Ihnen zu entwickeln.

©LIFE BALANCE® begleitet diese Personengruppen in verschiedenen Entscheidungs- und Problemsituationen. Der psychologischen Beratung kommt daher eine besondere Bedeutung für die (psychische) Gesundheit zu. Des Weiteren möchten wir, dass Sie für die Zukunft, professionell und sicher aufgestellt sind. Aufgrund unserer erstklassigen Kooperationen und den damit verbundenen Netzwerken sind wir in der Lage alles aus einer Hand anzubieten. Dieser Vorteil verschafft uns einen hervorragenden Einblick in das Unternehmen „Verein“, sowohl aus betriebswirtschaftlicher, als auch aus medizinisch bzw. psychologischer/therapeutischer Sicht und ermöglicht es uns national und auch international tätig zu sein. Das Netzwerk Die-Sportpsychologen spielt für uns dabei eine ganz besondere Rolle. Das Netzwerk ist sehr gut organisiert und ist im Besitz von fachlich hochqualifizierten Sportpsychologen auf den verschiedensten Ebenen. Diese Tatsache gibt uns bei der Zusammenarbeit und dem Einsatz jener, ein ausgesprochen gutes Gefühl.

Detlef Christoph Kowaltschuk: Durch den ganzheitlichen Ansatz können sehr schnell mögliche Ursachen und Störquellen identifiziert werden. Damit können wir gezielt auf individuelle Bedürfnisse Einzelner eingehen und zeitnah Lösungsvorschläge erarbeiten, die zu Verbesserungen von Abläufen innerhalb des Vereins aber auch zu Leistungsverbesserungen einzelner Sportler führen können. Ähnlich wie in Industrieunternehmen gilt aus unserer Sicht auch für Profisportvereine aber genauso für  „normale“ Vereine, dass eine gesunde Struktur und offene Kommunikation mit einem klaren Ziel-Bild eine sinnvolle Unterstützung sein können. Stabilität in Abläufen und/oder Kernaussagen helfen dabei, eine langfristige und nachhaltige Zielsetzung innerhalb der Strukturen erfolgreich implementieren und umsetzen zu können.

 

Mehr Informationen zu LIFE BALANCE: 

logo-longlifebalance

www.your-lifebalance.de

Info

Das Interview führte Redakteur Mathias Liebing von dem Netzwerk Die-Sportpsychologen mit Marcus Mücke und Detlef Kowaltschuk von LIFE BALANCE. Die-Sportpsychologen und LIFE BALANCE sind Kooperationspartner. LIFE BALANCE greift dabei in der Zusammenarbeit mit Vereinen, Verbänden und Individualsportler auf die Unterstützung von Profilinhabern von Die-Sportpsychologen zurück.

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Thorsten Loch: Richtiges Handeln in der Krise

Bei seiner ersten Station als Cheftrainer steht Torsten Frings vor einer Mammutaufgabe. Gerade einmal acht Punkte hat der SV Darmstadt 98 in den bisherigen 16 Bundesliga-Spielen gesammelt und gilt als sicherer Abstiegskandidat. Neu-Trainer Frings setzt nun auf Mittel, die vielen Teams in Krisenphasen helfen können.

Zum Thema: Die Krise als Chance verstehen

Nicht immer läuft es im Sport so, geschweige denn im alltäglichen Leben, wie wir es uns vorstellen. Die Auswahl und Verschiedenartigkeit von Krisen sind so unterschiedlich, wie der Farbenreichtum der Malkästen meiner Kinder. Von finanziellen Engpässen des Vereins, Verletzungsmiseren oder aber wie im vorliegenden Beispiel die Negativserie. Welcher Natur auch immer die Krise ist, wichtig ist, dass ich sie nicht als ein Hindernis verstehe, sondern dass diese auch Chancen bietet. Lange rede kurzer Sinn: Eine Krise macht die Notwendigkeit bewusst, etwas zu ändern, weil so es wie bisher ist, nicht mehr weitergeht. Da der Trainerwechsel zwar eine der populärsten Methoden im Leistungssport ist, jedoch Nachhaltigkeit vermissen lässt, soll dieser Beitrag zum Anlass nehmen, weitere Möglichkeiten vorzustellen. Vorne weg: Das Schlechteste was man tun kann, ist, vor der Krise die Augen zu verschließen und auf Besserung zu hoffen. Ebenso wenig hilft blinder Aktionismus. Es stellt sich somit die Fragen, an welchen Stellen die Krise ihren Ursprung hat bzw. wo diese wirken?

Früher oder später verlieren alle einmal. Das größte Problem ist jedoch, dass jede Niederlage einen Angriff auf unser Selbstwertgefühl bedeutet. Die Tatsache, dass wir die Leistungen im Sport an den Ergebnissen bemessen, verführt uns dahingehend zu glauben, den Resultaten mehr Beachtung zu geben und irgendwann überzubewerten. Wenn der Erfolg da ist, liegen sich alle Beteiligten in den Armen und es ist wunderbar und fühlt sich gut an. Diese Prämisse führt unabwendbar dazu, dass bei Misserfolg sich Selbstzweifel einstellen. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit mit einem schlechten Gefühl in das nächste Spiel zu gehen, womit die Gefahr, erneut zu verlieren, größer wird. Im ungünstigsten Fall entsteht somit eine negative Spirale. Problematisch an einer Negativserie ist vor allem, dass mit jedem Spiel der Druck auf die kommenden Aufgaben wächst, diese müsse jetzt unbedingt den gewünschten Erfolg bringen. Dadurch werden die Beteiligten immer verkrampfter, was ihre Erfolgsaussichten deutlich beeinträchtigen.

Maßnahmenplan

Aus den zuvor geschilderten Gründen ist wichtig, dass die Spieler die Fähigkeit entwickeln, mit einer Niederlage angemessen umzugehen. Für viele ist dies ein Problem. Sie haben nie gelernt, eine Niederlage adäquat zu verarbeiten. Der Ärger ist so immens, dass diese es nicht schaffen, bis zum nächsten Match wieder eine positive Einstellung zu gewinnen. Ein anderes Muster ist, dass alles unternommen wird, um beim nächsten Mal alles besser zu machen, nach dem Motto „Viel hilft viel!“. Dass dies ein übertriebenes Vorhaben ist und deshalb zwangsläufig zum Scheitern führt, ist nachzuvollziehen. Andere nehmen Niederlagen auf die leichte Schulter und lernen nicht aus ihren Fehlern. Sie sehen, es gilt das richtige Maß zu finden. Lothar Linz (2004) empfiehlt u.a. folgende Reaktionen auf Misserfolge:

  • Das richtige Maß an Ärger finden
  • Handlungsfähigkeit wiederherstellen (über einfaches und handlungsbezogenes Coaching)
  • Praktische Konsequenzen aus der Niederlage ziehen
  • Als Vorbild wirken
  • Positives Coaching (z.B. Zuversicht, Angriffslust, …)
  • Positive Bilder schaffen (an frühere Erfolge erinnern, andere Vorbilder aus dem Sport wachrufen, die gemeinsame Vision beschreiben,…)

Glauben an die eigenen Fähigkeiten

Das primäre Ziel für Trainer Frings beim SV Darmstadt 98 sollte zunächst darauf abzielen, den Glauben an die eigenen Fähigkeiten seiner Schützlinge wiederherzustellen. Den Glauben an die eigenen Fähigkeiten (Stichwort: Selbstwirksamkeitsüberzeugung und Trainingsmöglichkeiten, siehe den Beitrag vom Kollegen Dr. Paasch) bedeutet, dass die Spieler wieder die Überzeugung erlangen, für die schwere Aufgabe auch die nötigen Mittel/Ressourcen zur Verfügung zu haben, das Ziel Klassenerhalt zu schaffen. Dies hat zur Folge, dass die Spieler wieder handlungsfähig werden. Somit wird aus der momentanen Bedrohung (Abstiegsplatz) plötzlich eine Herausforderung (mind. Platz 16), die es zu erreichen gilt. Dessen ist sich der Trainer bereits bewusst, wie er in seinem ersten Interview berichtet:

„Ich habe selbst erlebt, wie eklig es als Auswärtsmannschaft hier in Darmstadt sein kann. Hier ackert jeder für den anderen. Einsatz, Wille, Leidenschaft – zu diesen Tugenden müssen wir wieder zurück finden. Jeder soll sein Herz in die Mannschaft schmeißen.“ Torsten Frings

Dr. René Paasch: Selbstwirksamkeit im Fußball

„Du musst kämpfen, es ist noch nichts verloren“

Um diese Stärken sich wieder bewusst zu werden, eignen sich Maßnahmen, wie in dem Schwerpunkt HSV und die Abstiegsangst (Link zum Schwerpunkt). Unterstützt werden sollten diese Interventionen durch positive Bilder. Diese sollen Emotionen bei den Spielern wecken, um das schier Unmögliche möglich zu machen. Dass dies bereits in Darmstadt funktioniert hat, zeigt die Vergangenheit. Der Spruch von dem vergangenen Jahr leider verstorbenen Fan Jonny Heimes („Du musst kämpfen, es ist noch nichts verloren“) bringt es auf den Punkt. Verewigt auf einem Armband war dies ein Zeichen für eine Gemeinschaft, in welcher jeder für jeden alles gibt, egal was passiert. Der Spielertyp Frings verkörpert diese Eigenschaft in seiner Karriere par excellence. Niemals aufgeben und kämpfen bis zum Schluss prägten seinen Spielstil und brachten so manchen Gegner zur Verzweiflung. Letztlich stellt sich die Frage, weshalb es dennoch nicht immer der Trainer gelingt ihre abstiegsbedrohten Teams aus den stürmischen Gewässern in seichtere See zu manövrieren?

Wie ist der HSV noch zu retten?

Eine mögliche Antwort liefert die aus unterschiedlichen Disziplinen/Fachrichtungen bekannte Resilienz-Theorie (Nitsch, 1981). Resilienz oder psychische Widerstandskraft ist die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und sie durch den Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen als Anlass für Entwicklung zu nutzen. Resiliente Personen haben gelernt, dass sie es sind, die über ihr eigenes Schicksal bestimmen (vgl. Krohne Kontrollüberzeugung). Glück oder Zufall sind dieser Personengruppe instabile Faktoren, lieber nehmen diese es selbst in die Hand. Sie ergreifen Möglichkeiten, wenn sie sich bieten und haben ein realistisches Bild von ihren Fähigkeiten (siehe Zitate Frings). Wesentliche Faktoren, die Resilienz beeinflussen, sind personale Faktoren, Umwelteinflüsse und Prozessfaktoren. Zu den Umweltfaktoren gehören u.a. die Unterstützung die Gemeinschaft.

„Fast niemand glaubt mehr dran. Aber die 30 Leute hier – die Mannschaft und ich, die Geschäftsstelle – wir sind zu 100 Prozent überzeugt.“ Torsten Frings

Emotionen und Handlungen kontrollieren

Zu den personalen Faktoren gehören kognitive wie auch emotionale, also z.B. seine Fähigkeit, Emotionen und Handlungen zu kontrollieren, seine Selbstwirksamkeitserwartung, die Toleranz für Ungewissheit, die Fähigkeit, Beziehungen aktiv gestalten zu können oder die mehr oder weniger aktive Einstellung zu Problemen (Problemlösungsorientierung; vergleiche dazu die Empfehlungen von Linz). Zu den Prozessfaktoren gehören u. a. die wahrgenommenen Perspektiven, die Akzeptanz des Unveränderbaren und die Konzentration aller Energien auf das als nächstes zu Bewältigende und die dabei entwickelten Strategien.

Fazit: Es bleibt abzuwarten, ob es dem Trainer Frings gelingt, den Abstieg in die zweite Liga zu vermeiden. Ich persönlich bin jedoch fest davon überzeugt, dass es dem Charakter Frings gelingen wird, seine Mannschaft wieder zu alter Stärke zu führen. Ob dies letztendlich sportlich reicht, steht auf einem anderen Blatt Papier, jedoch werden sie sich nichts vorwerfen lassen müssen, nicht alles getan zu haben so wie es „Jonny“ bis zum Schluss getan hat.

 

Thorsten Loch: Trainer unter Druck

Thorsten Loch: Mit neuem Trainer zum Erfolg zurück?

Thorsten Loch: Abstiegskampf – Wie Angst Leistung beeinträchtigt

Literatur:

Krohne, H. W. (1997). Streß und Stressbewältigung. In: Gesundheitspsychologie: ein Lehrbuch. Hrsg. Schwarzer, R.. 2. Überarbeitete Auflage. Hogrefe Verlag: Göttingen.

Linz, L. (2014). Erfolgreiches Teamcoaching: Ein Team bilden, Ziele definieren, Konflikte lösen. Meyer&Meyer Verlag: Aachen.

Nitsch, J. (1981). Streß: Theorien, Untersuchungen, Maßnahmen. Huber Verlag: Bern.

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Prof. Dr. Oliver Stoll: Wenn heiße Gedanken fehlen

Ende vergangenen Jahres passierte mir etwas, was mir nicht sehr oft zustößt und dennoch kein Drama ist, weil es in Läuferkreisen immer mal wieder vorkommt. Ich habe verloren – der innere Schweinehund hat gewonnen. Was ist also passiert? Für den nicht sportlich-aktiven „Otto-Normalverbraucher“ nichts, was die Welt ins Wanken bringt aber für einen ambitionierten Hobby-Läufer eine krasse Niederlage: 30km Lauftraining waren geplant, nach 10km habe ich aufgegeben. Ich, der „Sportpsychologe“ hat aufgegeben. Was für eine Blamage!

Zum Thema: Trainingsabbrüche und ihre vermeidbaren Gründe

In diesem Beitrag möchte ich zweierlei deutlich machen:  1.) Was die Gründe für ein „Aufgeben im Training“ sein könnten und 2.) Dass Sportpsychologen auch nur Menschen sind, und zwar viel Fachwissen haben und auch einiges an Techniken kennen, aber dennoch dies nicht immer für sich selbst gleich umsetzen können.

Um dies alles noch nachvollziehen zu können, kurz zu meinem sportlichen Hintergrund. Vor ca. vier Jahren (also im Sommer 2012) habe ich nach 28-jähriger Sportabstinenz wieder mit einem regelmäßigen Training und anspruchsvollen, sportlichen Zielen begonnen. Vor meiner “kleinen Pause” war ich ambitionierter Marathon- und Ultramarathonläufer sowie Triathlet. Ich konnte damals den Marathon unter drei Stunden laufen, die 80km in gut sieben Stunden und ich konnte einen Ironman-Triathlon in 11:30 Stunden finishen. Dann kam die lange Zeit der Sportabstinenz. Die Gründe dafür wären einen weiteren Beitrag hier Wert (wer sich dafür schon früher interessiert, der kann das hier auch nachlesen: www.einmalwarichinbiel.de).

Das Comeback

Der Weg zurück zum Sport gelang mir eher beiläufig: Ich absolvierte eine Marathonvorbereitung von zehn Wochen, dann gelang mir ein Finish in 4:30 Stunden in Frankfurt. Es folgten unzählige, weitere Marathonläufe, der Rennsteig Supermarathon, diverse andere, kleinere Ultraläufe, die 100 Kilometer von Biel, eine Dolomitenüberquerung im Laufschritt (ohne Startnummer, aber dafür mit meiner Frau ) und im Jahr 2015 die 4-Trails (160 Kilometer in vier Etappen und gut 8.000 Höhenmeter). Ich war also wieder ambitioniert unterwegs. Im Jahr 2016 passierte allerdings nicht viel, gemessen an den in den drei Jahren vorher absolvierten Zielen. Ich war viel mit meiner Frau auf den Läufen dieser Welt unterwegs. Hier und da mal einen Marathon, aber dann doch eher kürzer. Und die Sellaronda (ca. 70 Kilometer und reichlich Höhenmeter) mit Frauke zusammen (ohne Startnummer) und in zwei Etappen. Dieses Hintergrundwissen ist lediglich aus dem Grund interessant, als dass man mich nicht als einen eher „ziel-losen“, wenig strukturierten oder grundsätzlich pessimistisch ausgerichteten Menschen einordnet, denn ich weiß sehr wohl, was ich (sportlich) schon geleistet habe und was ich kann. Aber solche Momente, wie an diesem Sonntag im Dezember zeigen mir auch meine Grenzen auf oder zumindest ein kurzfristiges „Scheitern“, was es zu analysieren gilt.

Kommen wir nun zum Thema: Wie kommt es zu einem „Trainings-DNF“ – und warum passiert das auch noch ausgerechnet einem Sportpsychologen?

Fehlende Ziele: Wir befinden uns ja gerade in der sogenannten „Übergangsphase“, wenn man diese Periode mal trainingswissenschaftlich betrachtet. Es geht hier im Wesentlichen um „aktive Erholung“, weniger um das Setzen von systematischen Trainingsreizen. Es geht aber auch um das Planen der kommenden Saison und das Finden eines „Saison-Höhepunktes“. Keine Zauberei! Dafür muss man nicht studiert haben. Jeder Ausdauerathlet  weiß und kennt das. Ziele sind mächtige „Motivations-Motoren“. Das Absolvieren ganz bestimmter Läufe oder sportlicher Projekte, die man für sich selbst als ausgesprochen herausfordernd, aber auch machbar hält, halten Aufmerksamkeit fokussiert und „energetisieren“, nicht für das Aufnehmen des Trainings oder während des Trainings, sondern durchaus auch im Alltag, denn man hat ja immer etwas, auf das man sich – in absehbarer Zeit – freuen kann, was man sich täglich „visionär“ vor Augen halten kann. Je früher man ein solches Ziel hat, desto einfacher läuft`s im Training .  Status zurzeit bei mir: Ich habe keines!

Ungünstige, aktuelle Rahmenbedingungen: Draußen ist es kalt und nass, und es wird schnell dunkel. Darüber hinaus war ich alleine unterwegs. Wenn das „große Ziel“ fehlt, wird alles schwerer im Training. Bei gutem Wetter oder in netter Begleitung, kann man die Laufmotivation trotzdem hochhalten. Aber wie war das an jenem Sonntag: Kalt, nass, dunkel, alleine!

Nicht funktionierende Mental-Techniken: Aber Mensch! Du bist doch Sportpsychologe! Du brauchst doch nur die richtigen Selbstgespräche und die richtigen Vorstellungsbilder. Das ist doch einfach! Pustekuchen. Natürlich kenne ich die richtigen Selbstinstruktionen und Vorstellungsbilder für eine solche Situation. Das mit den Selbstinstruktionen ist da so eine Sache. Diese funktionieren nämlich nur, wenn man in der Lage ist, mit diesen Selbstgesprächen eine Veränderung der Selbstwahrnehmung und der subjektiven Einschätzung der eigenen Situation umzusetzen. Und das funktioniert natürlich nur, wenn man weiß, wofür man das tut. So ist es auch mit den Vorstellungsbildern, die man in der Regel immer wieder auf das neue Ziel hin aktualisieren muss. Ansonsten bleibt diese „Technik“ wirkungslos. Es sind dann eben „kalte Kognitionen“ und keine emotional „heiße Gedanken“, die man dann auch gut strukturiert und individualisiert auf das Ziel hin ausrichten kann. Status derzeit bei mir: Kein Ziel – keine heißen Gedanken!

Nicht optimale körperliche Verfassung: Selbst, wenn man dann doch noch in der Lage ist, sich aufzuraffen, die Laufschuhe anzuziehen und zum See zu fahren und sogar losläuft, kann es passieren, dass man aus einem Impuls heraus aufhört. Manchmal weiß der Körper etwas sehr viel früher als der Geist das wahrnehmen möchte. Wenn ein Infekt im Anflug ist, und man trotzdem sehr fokussiert ist, kann man das schnell „übersehen“. Florian Reus (Link zum Insiderbericht), z.B. unser Spartathlon-Sieger aus dem Jahr 2015 und 24-Stunden Weltmeister hat genau das bei seinem letzten 24-Stunden-Rennen erfahren müssen. Er lief das Rennen, kam auch im Ziel an (d.h. er war 24 Stunden lang unterwegs, allerdings in einer für ihn nicht guten Laufleistung) und am nächsten Tag war er krank. Status bei mir: Muss ich abwarten – sieht aber nicht danach aus.

Sportpsychologe – Sportler – Professor für Sportpsychologie – Mensch. Ja, ich bin sicherlich so etwas Ähnliches wie ein „Experte“ für Fragen der Psyche im Sport – ich bin aber auch nur ein Mensch. Ich weiß ziemlich viel zu dem Thema und kenne auch viele Techniken, die man braucht, um seine Leistung zu optimieren. Ich habe auch schon relativ viel Erfahrung in der Arbeit mit Athletinnen und Athleten. Aber genau das auch der Punkt. Ich bin sehr viel besser in der Arbeit mit anderen Sportlern, als in der Arbeit mit mir selbst. Warum? Weil ich eben Teil des nicht-funktionierenden Systems bin. Mir gelingt es in solchen Situationen wie am Sonntag nicht, „mich von mir selbst zu lösen“ und die Situation dann sozusagen, eher “neutral“ von außen zu betrachten. Ich habe – unter Abwägung aller Vor- und Nachteile eines Trainingsabbruches – einfach einem Impuls nachgegeben. Hat man keine „Vision“, ist es viel leichter einfach einem Impuls nachzugeben. Das ist meines Erachtens auch der Grund, warum so viele Ratgeberbücher häufig „ins Leere“ laufen. Es wird Wissen vermittelt und es werden auch Techniken erläutert, aber die Umsetzung als Autodidakt erfordert schon eine ganze Menge an Abstraktionsfähigkeit, Selbstdisziplin und Fähigkeit der Selbstreflexion. Probleme bei Athleten sind immer individuelle Probleme. Es sind keine Probleme „von der Stange“ und es gibt auch somit keiner Lösung „von der Stange“. Das – also das Lösen von Blockaden –  ist immer leichter, wenn man einen „Gegenüber“ hat, mit dem man sich zu diesen Themen austauschen kann. Und genau das ist meines Erachtens die Kunst eines jeden Sportpsychologen, nämlich die Fähigkeit, sehr individuelle Probleme der Athleten zu verstehen, sie nachvollziehen zu können und dann die richtigen Impulse zu setzen, die der Athlet braucht, um sich selbst zu optimieren. Fachwissen und Techniken sind auch relevant, aber die hier vorher angedeutete Grundhaltung ist sehr viel wichtiger. Eine „Außensicht“ ist für mich dabei absolut notwendig, um hier wirklich wirksam zu werden. Ist man Teil des (dysfunktionalen) Systems, funktioniert das in aller Regel eher selten. Meine Situation: Am Sonntag war ich selbst das dysfunktionale System.

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Weitere Informationen

Tipps bei Trainingsmotivationsproblemen

Und was lernen wir daraus? Wenn man Trainingsmotivationsprobleme hat, sucht Euch ein für Euch individuell bedeutsames Ziel. Sammelt Bilder und Videos dazu und schaut sie Euch so oft wie möglich an. Schreibt Euch ein Drehbuch dafür und baut dort auch die richtigen Selbstgespräche ein. Redet mit anderen darüber – tauscht Euch aus und freut Euch an dieser „Vision“. Habt ihr das nicht, dann sucht Euch jemanden, mit dem ihr trainieren könnt. Versucht außerdem das Training in Zeiten zu legen, zu denen ihr auch Spaß am Laufen habt, ohne einen Leistungsaspekt verbinden könnt und hört gut in Euch hinein für den Fall, dass da evtl. „etwas im Anflug ist“. Und wenn ihr als Sportler auch gleichzeitig Sportpsychologe seid, dann sucht Euch einen Intervisionspartner, der die manchmal nötige “Außensicht“ hat – das kann man dann auch ruhig über die sozialen Medien machen – wie ich das auch gemacht habe – siehe Facebook-Post oben. Ich habe aus den Feedback-Beiträgen die oftmals notwendige „Außensicht“ bekommen und in meine abschließende Bewertung der Situation einbezogen. Und was soll ich sagen: „Es geht mir wieder gut“.

Ich wünsche Euch allen ein erfolgreiches und motivierendes Jahr 2017!

 

Florian Reus über die Angst vor dem Glücksgefühl

Prof. Dr. Oliver Stoll: 100 km Laufen ist (r)eine „Kopfsache“

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Dr. Hanspeter Gubelmann: 2017 – Machen Sie etwas «passend Unpassendes»!

Jahreswechselzeit – Zeit für die „guten Vorsätze“ also! Dies trifft für Spitzensportler vielleicht in geringerem Masse zu, da sie ihre Saisonziele und Wettkampfplanungen für 2017 schon längstens ausgearbeitet haben, die ersten Trainingsmassnahmen bereits in Angriff genommen wurden. Manch’ Hobbysportler dürfte hingegen vor der mitunter spannenden Frage stehen: Soll es im nächsten Jahr wie gewohnt weitergehen oder ist es Zeit für eine Veränderung? Alle, auch wir Sportpsychologen, könnten uns fragen: Wäre 2017 nicht ideal, um mal etwas «passend Unpassendes» in Angriff zu nehmen?

Wie motiviertes Handeln aus wissenschaftlicher Sicht einsetzt, habe ich an gleicher Stelle vor einem Jahr zu erläutern versucht. Motivationsforscher Gollwitzer (1999) legt uns nahe, einen „simple plan“ zu entwickeln, der unseren getroffenen Verhaltensvorsatz in enger Verbindung mit vorausgeplanten Handlungsstrategien definiert.

http://die-sportpsychologen.ch/2015/12/22/dr-hanspeter-gubelmann-scheitern-sie-2016-erfolgreicher/

Mit der Idee, etwas «passend Unpassendes» als Vorsatz für 2017 zu propagieren, schlage ich nun eine andere, vergleichsweise unkonventionelle Vorgehensweise vor. Diese möchte ich anschliessend am Beispiel eines Eigenversuchs darstellen und praxisnah erläutern.

Der Einstieg: Cycling Greater Yellowstone

Am Anfang einer Veränderung steht im Sport häufig eine Zäsur. In meinem Fall bestand diese in einer schwerwiegenden Knieverletzung, die ich mir vor zwei Jahren zugezogen hatte. Wie jeder sportlich ambitionierte Mensch erlebte ich diese Situation als einschneidend und emotional belastend. Mein Vorteil als Sportpsychologe bestand aber darin, dass ich wusste, welchen Nutzen mir die mentale Rehabilitation einer Sportverletzung bereiten könnte (vgl. Marcolli 2002). Entsprechend wollte ich mir ein neues sportliches Ziel setzen und dieses mit einem massgeschneiderten Plan (in Anlehnung an Gollwitzer) in Angriff nehmen. Passend zu meinem bisherigen sportlichen Tun war, Leistungsziele zu priorisieren. Deshalb zielte mein allererster Plan darauf ab, ein ziemlich anspruchsvolles Mountainbike-Eintagesrennen, das Pierre’s Hole 100miles Bike Race, in den Rocky Mountains zu bestreiten, notabene an der Seite eines amerikanischen Mountainbike-Champions. Unpassend für mich damals war, wie ich diesen Plan zugunsten eines ganzen anderen Events umstiess.

Meine Devise lautete neu: Cycling Greater Yellowstone! Diese geführte, mehrtägige Tour um und durch den Yellowstone Nationalpark führt den Pedaleur über rund 800km, wobei es 10’000 Höhenmeter zu überwinden galt. Bei diesem Anlass ist das Ankommen das Ziel, eine Zeitmessung entfällt! Entsprechend „baute“ ich meinen Trainingsplan – auch methodisch – völlig um, entwickelte mit ETH-Sport-Studierenden ein Trainingsseminar „Flow“ und genoss im August 2015 einen einzigartigen Sportanlass der Superlative.

Die Rückblende auf Cycle Greater Yellowstone lehrte mich zumindest drei Dinge: Es lohnt durchaus, selbst in etwas fortgeschrittenem Alter Gewohnheiten zu verändern! Dabei führt das Erleben eines Gegensatzes zu einem Kontrast, der die Prägnanz des Eindrucks ganz erheblich steigert. Und schliesslich für das Selbstverständnis eines Sportpsychologen bedeutsam: Es war für mich lehrreich, eigene mentale Strategien und Trainingstechniken einmal mehr im Selbstversuch zu üben und anzuwenden!

image165Unpassend und doch passend: Der Bierathlon!

2016 machte ich mich auf, dieses tolle Erlebnis aus dem Vorjahr abermals ins Visier zu nehmen, ehe mich ein erneuter gesundheitlicher Rückschlag ereilte. Dieses Mal durchkreuzte eine Lungenoperation meine (Trainings-)Pläne, gefolgt von einer motivational „durchzogenen“ Reha-Zeit. Es fiel mir in den Wochen nach dem erfolgreich verlaufenen Eingriff schwer, wieder richtig Tritt zu fassen. Ich trainierte zwar ordentlich aber wenig motiviert – bis eine Arbeitskollegin mich mit dem Virus einer „Schnappsidee“ infizierte: „Komm, Hanspeter, lass uns den Bierathlon in Zürich laufen!“ Passend zu meiner Art sagte ich spontan zu, noch in völliger Unkenntnis der besonderen Rahmenbedingungen dieser Veranstaltung. Diese legen alkoholhaltiges Bier als Sportgetränk in vorgeschriebener Menge fest. Ein Umstand, der in Sportkreisen eher als „unpassend“ gelten und für Kopfschütteln sorgen dürfte. Der Zürcher Bierathlon führt 2er-Teams über eine Laufstrecke von 7km Länge, wobei ein Kasten Bier mitgetragen werden und das Bier am Ende des Laufes getrunken sein muss.

Über Sinn oder Unsinn einer Teilnahme an einer solchen Veranstaltung lässt sich offenkundig streiten. Unstrittig hingegen erschien mir die Passung zu den drei oben beschriebenen, motivierenden Aspekten. Ein solcher Lauf bedeutete für mich „Neuland“. Eine Teilnahme am Bierathlon stand zudem in einem deutlichen Kontrast zu sämtlichen bisherigen Sporterlebnissen. Und auch die Anwendung mentaler Strategien und Fähigkeiten versprach interessante Erfahrungen!

Eigentlich nur eine Schnapsidee

Für die körperliche Vorbereitung blieben uns drei Monate Zeit, die ich mit moderatem und vielseitigem Fitness- und Lauftraining nutzte. Unser vorrangiges Ziel war, den Lauf zu beenden, ohne uns dabei an einer bestimmten Sollzeit zu orientieren. In Anlehnung an die bekannte „Drehbuch-Technik“ (vgl. Alfermann & Stoll, 2016) planten wir unseren Einsatz in Etappen, mit entsprechenden Massnahmen (z.B. „Körpercheck“ nach dem ersten Kilometer) und vorgesehenen Trinkpausen. Unser Plan sah vor, zu Beginn relativ viel zu trinken, den Konsum anschliessend auf einem moderaten Pegel zu halten und das restliche Bier kurz vor Erreichen der Ziellinie auszutrinken. Wichtig schien uns auch das Festhalten des unmittelbaren Erlebens, indem wir uns eine Form der „Experience-Sampling-Method“ zu Nutze machen wollten. Zu Beginn jeder der insgesamt sechs Runden sprachen wir unsere Eindrücke und Erlebnisse auf ein mitgeführtes Smartphone. Diese audiovisuellen Rückmeldungen setzten wir im Anschluss an den Lauf für ein sehr interessantes Debriefing ein. Diese authentische Rückschau auf einen letztlich gemeinsam erfolgreich absolvierten Bierathlon verstärkte unsere positiven Erfahrungen nochmals deutlich!

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Weitere Informationen

Fazit: Motiviertes Handeln im Sport kann ursächlich aus ganz unterschiedlichen Situationen entstehen. Eine Zäsur, die einen Neuanfang oder Neuausrichtung zur Folge hat, bietet dazu einen interessanten Ausgangspunkt. Wer den Jahreswechsel – auch im Sinne der Vorsatzbildung – als einen solchen Ausgangspunkt wählt, könnte sich aktuell der spannenden Frage zuwenden: Was wäre für mich im Jahre 2017 das «passend Unpassende»?

 

Quellen:

Alfermann, D. & Stoll, O. (2016) Sportpsychologie: Ein Lehrbuch in 12 Lektionen (4.Aufl.), Aachen u.a.: Meyer & Meyer.

Gollwitzer, P. M. (1999) Implementation intentions: Strong effects of simple plans. American Psychologist, 54 , 493-503.

Marcolli, C. (2001). Die psychologische Rehabilitation von Verletzungen. GFS-Schriften, 24, ETH Zürich.

Larsen, R. & Csikzentmihalyi, M. (1983). The Experience Sampling Method. In: H. T. Reis (Ed.), New Directions for Methodology of Social and Behavioral Sciences (vol. 15, 41–56). San Francisco: Jossey-Bass.

 

http://die-sportpsychologen.ch/2015/12/22/dr-hanspeter-gubelmann-scheitern-sie-2016-erfolgreicher/

http://www.bierathlon.ch/cms/index.php

http://www.grandtarghee.com/event/2016-pierres-hole-50-100-mtb-race/

https://www.cyclegreateryellowstone.com

 

Bildlegende:

Cycle Greater Yellowstone ist ein Sporterlebnisse der Extraklasse!

Videoclip Bierathlon

https://www.youtube.com/watch?v=ROE39ANFgpE

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Prof. Dr. Oliver Stoll: Vorsicht vor den Gurus!

Im Word Wide Web finden Sie alle möglichen Anbieter im Bereich des Mentaltrainings oder dem Personal-Coaching im Sport. Da geht es vom „Über glühende Kohlen  oder Glasscherben laufen“ bis hin zum „Handauflegen für bessere Leistungserbringung“. Manche Anbieter versprechen sogar „Leisten unter Druck lernen in zwei Stunden“ oder „Nie wieder verlieren durch Hypnose“.

Zum Thema: Von „Gurus“, „Heilsbringern“ und „Meistern“ in der Welt des Sport-Mentaltrainings

Der nun folgende Blogbeitrag soll meine schon vorangegangenen Beiträge „Was tun Sportpsychologen eigentlich?“ sowie  „Was wir kosten“ ergänzen und diese kleine Serie vorläufig abschließen. 

In unserer Gesellschaft, und hier gerade im relativ unregulierten Berufsgebiet des Wettkampf- und Breitensports ist der „Psychomarkt“ ständig im Wachsen begriffen. Nirgends ist aber das Angebot so undurchsichtig, unkontrolliert und die Qualität so wenig überprüft, wie im Bereich des „Mentaltrainings“ oder der Sportpsychologie. Von vollmundigen Versprechen in Richtung „Selbstoptimierung im und durch Sport“, „Sportliche Leistungsoptimierung im Handumdrehen“ oder „Goldmedaille allein durch Mentales Training“ profitieren meistens mehr die Anbieter als die Hilfesuchenden. Dabei werden teilweise seriöse, psychologische Ansätze zunehmend mit religiösen, spirituellen oder esoterischen Inhalten kombiniert, so dass manche Angebote mehr den Charakter einer „Heilslehre“ (bis hin zum Sektentum) annehmen. Einige Hinweise, wie solche kritischen Hinweise zu erkennen sind, finden Sie bei Kanfer & Schmelzer (2001).

Im Sinne der von die-sportpsychologen angestrebten Übersetzung von Fachwissen in die Prasis habe ich Ihnen einige Kriterien notiert. Bei folgenden Aspekten sollten Sie also sehr vorsichtig werden:

1.) Wird mit einfachen Antworten auf komplexe Leistungsfragen geworben?

2.) Wird so getan, als könnte das Angebot menschliche Sehnsüchte erreichbar machen (wie z.B. Vollkommenheit in der Leistungserbringung, höhere Bewusstseinszustände, Befreiung von allen Fesseln in der Leistungserbringung)?

3.) Werden notwendige Informationen verweigert, geraten Sie durch Forderungen in Zugzwang (sofortige Entscheidung!) oder werden Sie mit Schuldgefühlen unter Druck gesetzt?

4.) Kommen „überirdische“, magische, geheimnisvolle Kräfte ins Spiel, die am Werk sein sollen, damit sie leistungsfähiger werden?

5.) Wird diesen „Energien“ auch die Verantwortung über Erfolg und Misserfolg des sportpsychologischen Trainings gegeben?

6.) Wird Leistungsversagen als „böse“ und „ausschließlich selbstverschuldet“ hingestellt?

7.) Tritt der Mentaltrainer als Guru, Führer oder Meister auf, der sich im Besitz leistungssteigernder Kräfte wähnt?

8.), Tritt der Mentaltrainer oder Sportpsychologe (ohne Belege) mit exklusivem Anspruch auf bzw.  denunziert er alle anderen Trainingsverfahren?

Und 9.) Wird blindes Vertrauen, absoluter Gehorsam, keinerlei Widerspruch, vorbehaltlose Durchführung aller Anweisungen und umfassende Lebenskontrolle verlangt?

Expertenlisten helfen

Sollten Sie diese Fragen bezogen auf einen gewählten „Trainer“ mit Ja beantworten, sollten Sie auf alle Fälle über sich und ihre Situation vor einer sportpsychologischen Betreuung oder einem Mentaltraining nachdenken. Dadurch können Sie Ihre persönliche Entscheidung etwas leichter sowohl nach gefühlsmäßigen als auch vernünftig-logischen Maßstäben treffen, wie es mündige Sportler tun. Um keine einsamen Entscheidungen treffen zu müssen, ziehen Sie ruhig Personen ihres Vertrauens mit zu Rate. Am günstigsten ist es, sich vor Beginn bei möglichst unterschiedlichen Quellen über die in Frage kommenden Sportpsychologen der Region zu informieren. Eine Auflistung verschiedener, qualitätsgesicherter Anbieter finden Sie auf dem Kontaktportal des Bundesinstituts für Sportwissenschaft (www.bisp-sportpsychologie.de). Darüber hinaus sind natürlich alle bei die-sportpsychologen.de und die-sportpsychologen.ch  gelisteten Profilinhaber seriös arbeitenden Experten im Bereich Mentaltraining und  sportpsychologische Betreuung.

Unterstreichen möchte ich an dieser Stelle, dass nicht alle Mentaltrainer schlecht sind. Mir geht es lediglich um die Wahrung definierter Qualitätsstandards, was außerhalb des geschützten Feldes der Sportpsychologie deutlich schwerer fällt. Umso interessanter finde ich eine Offerte meiner Kollegin Cristina Baldasarre von die-sportpsychologen.ch, die im Jahr 2017 einige Weiterbildungskurse für Mentaltrainer anbietet:

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Zum Text inklusive Angebot:

http://die-sportpsychologen.ch/2016/12/16/cristina-baldasarre-supervision-fuer-mentaltrainer/

 

 

 

 

 

Literatur:

Kanfer, K.H. & Schmelzer, D. (2001). Wegweiser Verhaltenstherapie. Berlin: Springer

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Dr. Hanspeter Gubelmann: Liebe auf den ersten Blick?

Am Wochenende gastiert der Skisprung-Weltcup wieder im beschaulichen Engelbergertal. Der „Heimwettkampf“ ist für die Swiss-Ski-Athleten immer ein Anlass mit eigenen Vorzeichen – ganz besonders dieses Jahr: Der alte Titlis-Bakken wurde mit grossem Aufwand modernisiert, der Charakter der Schanze den aktuellen Erfordernissen angepasst. Für jeden Athleten gilt es nun, sich möglichst schnell und im Hinblick auf die am Wochenende stattfindenden Wettkämpfe auch erfolgreich mit der neuen Titlis-Schanze anzufreunden. Wer findet die Liebe auf den ersten Blick? Eine höchst reizvolle Aufgabenstellung auch aus Sicht der Sportpsychologie.

Zum Thema: Weshalb die ersten Versuche auf einer neuen Wettkampfanlage für Sportler besonders wichtig sind

«You never get a second chance to make a first impression». Was im alltäglichen Dating-Verhalten von Mann und Frau als unumstössliches „Gesetz“ gilt, wird in der Psychologie mit dem Primacy-Effekt beschrieben. Dieser „Erster-Effekt“ wird als Gedächtnisphänomen beschrieben, bei dem früher eintretende Informationen besser erinnert werden als später eingehende. Die wissenschaftliche Erklärung basiert auf der zu Beginn erleichterten Speicherung von Informationen im Langzeitgedächtnis und dem Fehlen anderer Informationen, die mit diesen ersten Informationen interferieren und die Speicherung damit negativ beeinflussen könnten.

So kompliziert diese Theorie klingen mag, so einfach verständlich erscheint sie in ihrer Anwendung an der Schanze. Skisprung-Disziplinenchef Berni Schödler bringt es auf den Punkt: „Fünf wichtige Männer schauen sich das offizielle Training am Freitag sehr genau an.“ Der Experte Schödler meint damit die fünf Punktrichter, die im Rahmen der beiden Trainingssprünge des offiziellen Trainings die Athleten, ihre Sprungstile und insbesondere die Landetechnik der Skispringer unter die Lupe nehmen. „Wenn du zweimal den Sprung einfach „aufgibst und hinkachelst“ und diesen miesen Lande-Eindruck bei diesen Herren hinterlässt, musst du dich als Springer danach nicht wundern, wenn du in der anschliessenden Quali – auch wenn du eine ordentliche Telemark-Landung zeigst – nur eine Note 17.5 erhälst! Die Sprungrichter werden dann wohl denken: Okay nett!  Aber so sicher sieht die Landung halt doch noch nicht gerade aus…“ Die „strengere“ Benotung mit einem entsprechenden Puntktabzug ist dann die Folge jenes Primacy-Effekts, ausgelöst durch den schlechten Eindruck im vorangegangenen Training!

Weltweit höchstes Anlaufgefälle

In thematischer Nähe zum Primacy-Effekt steht ein weiteres Konstrukt der Wahrnehmungs- und Lernpsychologie: das Priming. Unter Priming (engl. to prime = etwas grundieren, bahnen) versteht man die Aktivierung einer bestimmten Kategorie, zum Beispiel „Ausfliegen des Sprungs“, durch einen bestimmten Reiz z.B. „Eindruck der modernen Sprungschanze» oder einem kognitiven Anreiz: „Ich mache mein Ding bis zum Schluss“. Übertragen auf die sich stellende Aufgabe an der Schanze heisst das: Mit welchem mentalen „Set-up“ will ich oben auf dem Balken sitzen, um diesen ersten Sprung auf einer für mich komplett neuen Schanzenanlage erfolgreich zu gestalten? Macht es Sinn, einfach hinzugehen, mal zu schauen wie die Schanze „geht“, um sich dann langsam darauf einrichten zu wollen?

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Champions wie Simon Ammann werden eine andere Strategie wählen, wählen müssen. Aufgrund der limitierten Anzahl an Trainingsversuchen geht es für sie vor allem darum, den erforderlichen Anpassungsprozess zu ökonomisieren und zu optimieren. Dies geschieht zuallererst in einer aktiven Auseinandersetzung mit den veränderten Parametern der Sprungschanze und deren bedeutsamen antizipierten Auswirkungen auf die eigene Bewegungsausführung. Konkret: Der Anlauf und die Anlaufspur in Engelberg sind vollständig verändert und modernen Ansprüchen angepasst worden. Der lange Schanzentisch wurde um 5 Meter verkürzt, das Anlaufgefälle auf das weltweit höchste Mass von 36 Grad erhöht und der Anlauf mit einer ultramodernen Eisspur aufgerüstet. Im Slang der Athleten gesprochen: Aus dem „alten Bock“ von damals ist jetzt „Fast and Furious“ am „Tisch“ angesagt! Im gerade veröffentlichten Buch „Von Null auf Hundert“, verfasst von Szenenkenner Beat Christen, äussert sich Simon Ammann zur besonderen Ausgangslage: „Auf einer neuen oder umgebauten Anlage zu springen, ist immer etwas Aufregendes“, sagt der Doppel-Doppel-Olympiasieger. Die Parameter seien bei allen wieder auf Null gestellt.

Fünf Vorgaben für die Training- und Wettkampfvorbereitung

Aus diesen aktuellen Rahmenbedingungen und gestützt auf Erkenntnisse der sportwissenschaftlichen Forschung, lassen sich in Verbindung mit dem grossen Erfahrungsschatz der Trainer und Athleten mindestens fünf sportpsychologisch akzentuierte Vorgaben für die Training- und Wettkampfvorbereitung ableiten.

  1. Jeder Athlet setzt sich individuell und mit Unterstützung der Trainer aktiv mit der neuen Schanze auseinander. Wenn Gregor Deschwanden in einem Interview von einem Vorteil spricht, dass der von ihm „gehasste“ alte Schanzentisch nicht mehr sei, dann ist das grundsätzlich richtig – aber nur die „halbe Miete“! Entscheidend wird auch für ihn sein, möglich schnell erste positive Eindrücke zu gewinnen!
  2. Die Trainingsdevise für jeden Sprung muss lauten: Optimal vorbereiten und den Sprung bis zum Ende ausreizen! Das impliziert aber auch, dass jeder Sprung wird mit einem Telemark-Aufsprung abgeschlossen werden MUSS!
  3. Bewusstes, fokussiertes Durchspielen der individuellen Sprungvorbereitung. Die Basis-Sprungtechnik-Checkliste ist entscheidend. Ich vertraue meiner Devise, ich mache meinen Sprung…!
  4. Um den Priming-Gedanken von oben aufzunehmen: Affirmationen („ich gehe voll!“) und positive Selbstgespräche („ich liebe diese Herausforderung!“) sind in Engelberg ein Schlüssel zum Erfolg!
  5. Trainer-Feedback: Das Schwergewicht liegt bei den positiven Rückmeldungen. Sehr gute Sprünge werden nicht mit „Das war ein toller Sprung, aber…!“ kommentiert! Sondern: Anlauf, Timing, Übergang in Flugphase waren sehr gut – weiter so!

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Einfach springen

Worauf sich Doppel-Doppel-Olympiasieger Simon Ammann und seine Kollegen in Engelberg einlassen werden, erklärt er im abschliessenden Kapitel des Buchs „Von Null auf Hundert“ (S. 103): Wenn Simon sagt, «man springt einfach», dann steckt hinter dieser Aussage viel mehr. Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung kann er zwar schnell den Charakter des Anlaufradius einschätzen, die erste Anfahrt zum Schanzentisch wird aber auch beim Routinier für eine erhöhte Pulsfrequenz sorgen. «Nach der Qualifikation haben alle noch Spass an der neuen Anlage», ist Simon überzeugt und schildert das weitere Vorgehen wie folgt: «Nach dem ersten Wettkampf vom Samstag werden einige schon weniger Freude an der neuen Titlis-Schanze haben, und spätestens am Sonntag nach dem Wettkampf ist die Meinung darüber gemacht, ob die Schanze in Engelberg Aufnahme im ganz individuell zusammengestellten Ranking der Lieblingsanlagen eines jeden einzelnen Athleten finden wird oder nicht.» Ganz sicher mit einem speziellen Gefühl das Tal verlassen wird jener Skispringer, der sich als erster den Schanzenrekord sichert. «Solche Geschichten nehmen in der Karriere eines Skispringers immer einen besonderen Stellenwert ein», weiss Simon Ammann aus eigener Erfahrung.

 

Quellen:

Christen, B. (2016). Von Null auf Hundert. Die Engelberger Skisprung-Geschichte von 1904 bis 2016. Engelberger Dokument Heft 33. Eigenverlag: Kulturkommission Engelberg.

http://die-sportpsychologen.ch/2015/12/30/skispringen/

http://die-sportpsychologen.ch/2015/12/19/dr-hanspeter-gubelmann-vom-ende-eines-automatismus-wie-simon-ammann-nach-neuer-perfektion-sucht/

 

http://die-sportpsychologen.ch/2015/12/30/skispringen/

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Cristina Baldasarre: Mentaltrainer gesucht

Die Herausforderungen, mit denen angewandt arbeitende Sportpsychologen und Mentaltrainer in der Praxis konfrontiert sind, könnten vielfältiger nicht sein. Um im gesamten Berufsfeld die Qualität der Betreuung der Athleten, Trainer und Funktionäre zu steigern, ist reger qualitativer Austausch und eine stetige Fortbildung nötig. Für interessierte Mentaltrainer habe ich daher ein Angebot entwickelt: 2017 biete ich sechs Gruppensupervisionen für Mentaltrainer an.

Zum Thema: Ein neues Fortbildungsangebot für Mentaltrainer

Der Lacross Spieler ist Trainingsweltmeister.
Die Springreiterin kann ihr Gedankenkreisen vor dem Schlafen nicht abschalten.
Der Golfer hat zu wenig Selbstvertrauen.
Der Fussballer steckt in einer sechsmonatigen Knierehabilitation fest.
Die Langläuferin ist Perfektionistin.

So vielfältig präsentieren sich die Anliegen der Athleten, die alle erwartungsvoll in die Stunde kommen und sich eine Verbesserung ihrer Situation wünschen. Da stellt sich uns doch die Frage, WIE der Sportpsychologe dies bewerkstelligen möchte und WAS genau für Interventionen, Techniken und Tools er dazu einsetzen wird? Fest steht, dass wir alle aus den gleichen Theoriebüchern gelernt und die „must have“ Klassiker der Sportpsychologie durchgeackert haben. So sind wir auch in der Lage, wissenschaftliche Studienergebnisse zu lesen und von der Theorie in die Anwendung zu übertragen. So weit, so gut! Die Frage aber, welcher der oben genannten Athleten nun genau welche Art von Intervention braucht und welche Technik in Kombination mit einer anderen genau bei wem ihre optimale Wirkung entfaltet, oder warum bei gleichem Anliegen eine Methode einmal wirkt und ein andermal wenig Erfolg bringt – solche Weisheiten sind in unseren Büchern schwer zu finden.

Eine Idee zum WIE von Beratungen gibt uns Monika Liesendeld (2012) mit ihrer Unterscheidung zwischen Fach- und Prozessberatung. Erstere zielt auf die Vermittlung mentaler Techniken bei klarem Auftrag; klassischer Weise das Aufgabengebiet von Mentaltrainern. Zweitere fokussiert, wie der Begriff schon deutlich macht, den gesamten Prozess, der unter Betrachtung zum Beispiel von systemischen oder psychodynamischen Aspekten begleitet wird. Dies ist klassischer Weise das Aufgabengebiet von Sportpsychologen und geht über zu demjenigen von Therapeuten, sobald psychotherapeutische oder psychopathologische Inhalte ins Zentrum rücken.

Fortbildungen sind ein Muss

Aber zurück zu den sportpsychologischen Theorien. Wer in Beratungssituationen, Coachings oder Therapiesettings arbeitet, weiss um die Wichtigkeit, genau solche Theorien in der Praxis individualisiert und kontextabhängig einzusetzen. Einfach ausgedrückt heisst das: Jeder Athlet ist individuell und anders und Massnahmen müssen diesem Individualitätsgrad gerecht werden, wenn sie qualitativ hochstehend und erfolgreich sein sollen.

So ergibt sich die Frage, wie diese Qualitätskriterien und -anforderungen gut erfüllt werden können? Die Fortbildungspflicht für (Sport-) Psychologen – ein Muss und eine Selbstverständlichkeit – sind hochgehaltene Werte. Nicht zuletzt weil sie in den ethischen Richtlinien unseres schweizerischen Dachverbandes FSP (Föderation Schweizer Psychologen) aber auch der SASP (Swiss Association of Sport Psychology) verankert sind. Die SASP vereint einerseits Sportpsychologen, andererseits auch Mentaltrainer, die seit einigen Jahren auch in die SASP eintreten können. Anders als in Deutschland, wo sich der Fachverband der Deutschen Sportpsychologen asp (Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie) von den Mentaltrainern in aller Deutlichkeit distanziert, hat sich der schweizerische Fachverband vor einigen Jahren dazu ausgesprochen, gut qualifizierte Mentaltrainer in einer eigens dafür gegründeten Sektion aufzunehmen. Die dafür geforderten Qualitätsstandards sind hoch gesteckt und dienen als Zulassungskriterien für das Assessment, welches eigens dafür erarbeitet wurde.

Intervision und Supervision im Fokus

Das Quality Management Modell von Birrer & Seiler (1999) dient als Grundlage für eine ganzheitliche Übersicht des Qualitätssteuerungsprozesses. Es zeigt detailliert in den drei wichtigen Bereichen Struktur, Prozess und Ergebnis auf, wie die Beraterqualität bestmöglich gesteigert werden kann. Als Rahmenmodell diente es auch der SASP zur Erarbeitung neuer Inhalte und Angebote in den drei genannten Bereichen. Das von der SASP angebotene Assessment für Mentaltrainer gehört im Modell von Birrer & Seiler in den Bereich Strukturmassnahmen. So wie auch der Fortbildungsauftrag, den die FSP und die SASP inne haben. Die SASP sieht eine ihrer Kernaufgaben darin, für ihre Mitglieder unterschiedliche Fortbildungsangebote anzubieten. Sich fortzubilden umfasst darum auch verschiedenste Möglichkeiten wie beispielsweise wissenschaftliche Artikel lesen, Kongressbesuche, Aus- oder Fortbildungen sowie Intervision und Supervision. Gerade die letzteren beiden sind meiner Meinung nach sehr wichtig im Zusammenhang mit hohen Qualitätsansprüchen, um die Professionalisierung ständig voran zu treiben. Intervision und Supervision gehören im Modell von Birrer & Seiler in den Bereich des Prozesses. Hier liegt der Fokus auf der inhaltlichen Ebene während den Beratungen sowie auf der Interaktion zwischen Berater, Athleten und dem restlichen involvierten System.

Mein neues Angebot einer Gruppensupervision für Mentaltrainer hilft mit, den Vorgaben von SASP und FSP einfacher nachzukommen. Es unterstützt einen höheren Qualitätsstandard, der sich in der Arbeit mit dem Athleten niederschlägt.

Das Angebot 

(Download als pdf-Flyer)

Gruppensupervision für Mentaltrainer

Wollen Sie Ihre Professionalität als Mentaltrainerin und Mentaltrainer fördern und dadurch Ihre Dienstleistungen stetig verbessern?

Hier finden Sie die fachgerechte Weiterbildung, bei der Sie für Ihre konkreten Beratungssituationen Ideen zur Weiterarbeit sowie neue Lösungswege finden. Zudem erhalten Sie Möglichkeiten der Reflexion Ihres eigenen Beratungsprozesses sowie Ihrer beraterischen Rolle. Ein gegenseitiger Austausch in der Gruppe sowie meine Fachinputs erweitern Ihr professionelles Handeln auf allen Ebenen, gleichzeitig bauen Sie Ihr Netzwerk aus. Dadurch verbessern Sie die Qualität Ihrer Dienstleistungen stetig.

Entwickeln Sie Ihr professionelles Handeln und melden Sie sich für die Gruppensupervision für Mentaltrainer an.

Termine: jeweils 9.30h-12.00h
10.2.17 / 24.3.17 / 12.5.17 / 7.7.17 / 22.9.17 / 17.11.17

Adresse: Lernpraxis am Klus Park, Cris;na Baldasarre, Jupiterstr. 35, 8032 Zürich, 079 434 09 57, cristina.baldasarre@lernpraxis.ch, www.lernpraxis.ch.

Kosten: 600.00CHF (bei 5 TN).
Die Teilnehmerzahl ist auf max. 5 beschränkt.

 

 

Baldasarre, C., Birrer, D. & Seiler, R. (20054). Quality Management in der Schweizer
Sportpsychologie. Sportmedizin und Sporttaumatologie, 2, 54-56.

Birrer, D. & Seiler, R. (1999). Quality management in applied sport psychology: A
project for the professionalisation of sport psychology services in Switzerland.
In V. Hosek, P. Tillinger & L. Bilek (Eds.), Psychology of sport and Exercise:
Enhancing the quality of life. Proceedings of the 10th European Congress of
Sport Psychology (Part 1, pp. 110-112). Prague: Charles University/FEPSAC.

Liesenfeld, M. & Beckmann-Waldenmayer, D. (2012). Systemische Beratung in der
Sportpsychologie – Grenzen und Möglichkeiten. In: D. Beckmann-Waldenmayer
& J. Beckmann. Handbuch sportpsychologischer Praxis. Mentales Training in
den olympischen Sportarten. Balingen: Splitta. S. 60-70.

www.sportpsychologie.ch
www.fsp.ch
www.asp-sportpsychologie.org

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Thorsten Loch: Die schwere Wahl des Trainingspartners

Warum wirkt sich eigentlich die emotionale Unterstützung positiv auf das Training aus? Und welche Rolle spielen dabei insbesondere die direkten Trainingspartner? Wir veröffentlichen hier Thorsten Lochs Expertise zu diesem Thema, die Grundlage einer Recherche eines großen Fitness-Magazins war. Der Profilinhaber von die-sportpsychologen.de gibt nicht zuletzt auch zwei konkrete Tipps zum Thema.

Worauf sollten Freizeitsportler bei der Wahl des Trainingspartners achten?

In erster Linie sollte darauf geachtet werden, dass der Trainingspartner auch die gleichen Trainingsziele verfolgt wie man selbst. Die Begründung ist relativ einfach, denn der Trainingspartner kann die typischen Situationen (z.B. intensives Training, Doppelbelastung Beruf/Familie oder Integration von Sport in den Alltag) sehr gut nachvollziehen und Verständnis entwickeln und somit Hilfestellungen leisten. Ein Beispiel dazu: Nach den ersten intensiven Trainingswochen machen sich Muskelkater und Co. bemerkbar, nur die gewünschten Ziele stellen sich noch nicht ein. Die ersten Zweifel nähren sich den Gedanken, dass man das Training nicht durchhält, weil man eh kein Sportler ist usw. Hier hilft der regelmäßige Austausch mit dem Trainingspartner. Möglicherweise geht es ihm ähnlich. Man bekommt die Erkenntnis, dass man nicht allein ist mit seinen „Probleme“ ist und es anderen ähnlich ergeht.

Mein Tipp: Tauschen Sie sich regelmäßig aus und stärken Sie sich gegenseitig.

Spielt das Geschlecht eine Rolle?

Aus meiner Sicht ist es egal, ob der Trainingspartner gleichgeschlechtlich ist oder nicht. Viel wichtiger ist (wie bereits im Abschnitt zuvor beschrieben) die Frage, ob die Trainingsziele deckungsgleich sind. Aus meiner Erfahrung haben Männer und Frauen häufig unterschiedliche Ziele (eine Ausnahme stellen Sportanfänger bzw. -wiedereinsteiger dar). Sind es diese nicht, wird es schwer – aber nicht unmöglich – Verständnis für den anderen in der jeweiligen Situation zu entwickeln.

Spielt die Trainingsform eine Rolle?

Die Trainingsform spielt im Hinblick auf die direkte Einflussnahme bzw. Praktikabilität während des Trainings eine Rolle. Gehen wir davon aus, dass viele in Studios ihren Sport betreiben, gestaltet es sich dies beim Kardiotraining schwierig. In der Regel wird es möglich sein, „nebeneinander“ auf den Maschinen zu trainieren, doch eine direkte Einflussnahme ist hier schwierig. Man kann sich gegenseitig „pushen“, jedoch artet dies häufig in Gespräche aus, welche nicht mehr zielführend sind und letztendlich leidet die Trainingsqualität darunter. Anders sieht es bei dem Krafttraining an den Sequenzmaschinen bzw. im Freihantelbereich aus. Je nach Trainingsmethodik ist die Belastungsdauer mit 30-90 Sekunden im Vergleich zum Ausdauertraining sehr kurz. Die Belastungsintensitäten sind höher und hier hilft ein positiver Zuspruch die letzten Wiederholungen zu absolvieren. Auch das Wissen, dass jemand einem zur Seite steht, vermittelt dem Trainierenden ein Gefühl der Sicherheit, dass auferlegte Gewicht zu bewältigen bzw. gegebenenfalls behilflich zu sein. Zusätzlich kann der Trainingspartner eine Rückmeldung geben, ob die Übungen korrekt ausgeführt wurden. Somit verhindert man das „Einschleifen“ von dysfunktionalen Bewegungsmustern und verhindert so genannte Zwangslagen auf den passiven und aktiven Bewegungsapparat.

Empfiehlt es sich, einen Freund oder eine Freundin zu wählen? Warum oder warum nicht?

Wie eingangs beschrieben sollte bei der Auswahl darauf geachtet werden, dass die Zielstellung gleich ist. Mit dem Ziel, sich gegenseitig (vor allem in schwierigen Phasen) zu motivieren. Voraussetzung dafür ist Ehrlichkeit und Vertrauen. Diese sind bei Freunden weitaus stärker ausgeprägt, als bei „Fremden“. Zu einem Manko könnte sich ein Freund als Trainingspartner erweisen, wenn einer der beiden das Training abbricht und somit den Verbleibenden „im Stich“ lässt. Deshalb sollte im vorhinein gut überlegt werden und klar kommuniziert werden wie man sich das Training vorstellt.

Mein Tipp: Besuchen Sie gemeinsam das Studio und besprechen Sie gemeinsam die Vor- als auch die Nachteile des Studios.

Inwieweit kann mich ein Trainingspartner motivieren?

Heutzutage sind die Themen Motivation und Motivationsförderung regelmäßig Inhalt für Führungskräfte. Die Fähigkeit, sich selbst und andere motivieren zu können, wird häufig als eine der wichtigsten Eigenschaften gesehen. Wichtig ist hierbei jedoch im Blick zu halten, dass es streng genommen nicht möglich ist, andere zu motivieren. Fälschlicherweise wird oftmals davon ausgegangen, dass Motivation reaktiv und nicht selbst initiativ ist. Sprich Chefs, Trainer und Eltern versuchen Mitarbeiter, Sportler und Kinder durch externe Einflussnahme wie bspw. Belohnung oder Bestrafung zu motivieren und müssen über kurz oder lang feststellen, dass Motivation immer eine Eigenleistung des zu Motivierenden als Grundimpuls haben muss. Wie auch immer die Rahmenbedingungen gestaltet sein mögen, zuletzt ist es immer die handelnde Person selbst, die den Schritt machen muss und letztendlich die Handlung ausführt. Ein Beispiel dazu: Im Winterhalbjahr sind die Tage kürzer, das Wetter schlechter und die Lust auf Training nach einem anstrengenden Arbeitstag hält sich in Grenzen. Das Wissen, dass der Trainingspartner auf einen wartet, kann dazu motivieren, seine Tasche packen und sich auf den Weg zu machen (Stichwort: extrinsische Motivation). Wesentlich nachhaltiger wird das Training sein, wenn der Trainierende intrinsisch motiviert ist (wenn es um seiner willen geschieht).

Wie können Sie sich erklären, dass vor allem die emotionale Unterstützung eine besondere Rolle spielt?

Jeder der sich einmal in einer anstrengenden Leistungssituation (z.B. Jogging) befunden hat, wird vielleicht bei sich beobachtet haben, dass in dieser Situation immer erst der Kopf „aufgibt“ und im Anschluss die Beine das Laufen einstellen. Wem dies bei sich noch nicht aufgefallen ist, sei bei der nächsten Einheit aufgefordert, einmal bewusst darauf zu achten. Die Sportpsychologie spricht in diesem Zusammenhang von den sogenannten inneren Selbstgesprächen. Diese nehmen in der Leistungssituation einen wechselhaften/ambivalenten Charakter ein und sorgen letztendlich zum Handlungsstopp. Die Bandbreite von „Gib jetzt nicht auf!“ bis hin zu „Hat doch eh keinen Zweck!“ ist schier unendlich. Die Selbstgesprächsregulation ist einer der am häufigsten Techniken im Leistungssport und beschreibt die Fertigkeit, Selbstgespräche (handlungsbegleitende Gedanken) regulieren zu können. Diese Selbstgespräche selbstwertdienlich zu formulieren ist immer eine Eigenleistung, jedoch kann der Trainingspartner als eine Art Erinnerungsanker fungieren, wenn dieser beobachtet, dass diese eine negative Formulierung annehmen. Hier unterscheidet sich der gut zum sehr guten Trainingspartner. Die Gespräche sind selten für andere wahrnehmbar und der Außenstehende muss spüren, wann mein Partner meine Unterstützung benötigt.

Mein Tipp: Besprechen Sie im Anschluss das Training. Wie hat es sich angefühlt? Wann kippte das Selbstgespräch (Welche Übung? Welcher Satz? Usw.) und protokollieren Sie dies. Somit kann sich der Trainingspartner ein Bild machen und Anzeichen identifizieren.

Wie werde ich zu einem guten Trainingspartner? Wie kann ich meinen Trainingspartner am besten unterstützen?

Diese Frage ist individuell von jedem zu beantworten. Die einfachste Möglichkeit ist das Gespräch untereinander. Fragen Sie, was Sie sich von dem Trainingspartner in den unterschiedlichen Situationen wünschen bzw. wie sich es sich vorstellen. Niemand weiß besser als Sie selbst, was sich brauchen.

 

Portrait of tired looking fitness woman sitting on box at gym. She is relaxing after her intense workout.

Was wirkt noch motivationssteigernd? Wie lässt sich die Motivation für und während des Trainings zu steigern?

Tipp 1: Setzen sie sich Ziele!

Nichts ist motivierende als ein Ziel. Achten Sie jedoch darauf, dass sie sich SMART-Ziele setzen.

a). Ziele nach folgenden Kriterien formulieren:

Spezifisch (konkret)

Messbar (überprüfbar)

Anpassbar (individuell)

Realistisch (optimistisch)

Terminiert (verbindlich)

b). Zwischen kurz- (vier Wochen), mittel- (zwei bis sechs Monaten) und langfristigen (mehrere Monate oder Jahre) Zielen unterscheiden und wenn nötig Zwischenziele setzen.

c). Ergebnis- und Handlungsziele formulieren. Ergebnisziele sind quantifizierbare Resultate (gelaufene Zeit für eine bestimmte Distanz o.ä.) und beziehen sich auf Ergebnisse. Handlungsziele sind qualitative Ziele und beziehen sich mehr auf Leistungen oder Handlungen.

d). Kompatibilität verschiedener Ziele aus unterschiedlichen Lebensbereichen prüfen.

e). Geeignete Aktionspläne und Strategien zur Zielverfolgung erstellen (Erfolgsplan – wer, wann, was, wo, wie).

f). Ziele überprüfen bzw. Zielevaluation vornehmen. Dabei sollten Sie besonders darauf achten, dass,

  • Ziele in einen Zeitrahmen eingebettet sind,

  • Ziele flexibel an aktuelle Gegebenheiten angepasst sind,

  • verschiedene Ziele kompatibel sind und

  • Sie bei mehreren Zielen Prioritäten setzen.

MERKE!

Ohne Ziele keine Motivation. Ohne Motivation keine Handlung!

Fitnessraum

Tipp 2: Stolpersteine erkennen

Hindernisse und Stolpersteine erkennen und diese durch Umorganisation, Gespräche etc. beseitigen. Setzen Sie sich in einer ruhigen Minute bei Seite und halten Sie möglich entstehende Stolpersteine schriftlich fest. Sind diese notiert, überlegen Sie im Anschluss, was sich ändern müsste, dass diese nicht zu unüberwindbare Hürden werden.

Beispiel: Einmal die Füße auf dem Sofa, komme ich nicht wieder hoch.

Lösung: Organisiere sie sich so, dass sie ihre Sportsachen mit zur Arbeit nehmen und im Anschluss direkt ins Studio fahren.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und Spaß bei der Umsetzung und stehen Ihnen gern für weitere Fragen zur Verfügung. Link zum Profil: http://www.die-sportpsychologen.de/profile/thorsten.loch/

http://www.die-sportpsychologen.de/profile/thorsten.loch/

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Prof. Dr. Oliver Stoll: Athleten online beraten?

Funktioniert die sportpsychologische Anwendung auch über Online-Kanäle? Also via Skype, Facetime, WhatsApp, Google Hangout und wie alle dieser mehr oder wenigen neuen Tools heißen. Diese Frage tauchte im Rahmen des ersten Netzwerktreffens von die-sportpsychologen in Leipzig auf. Eine äußerst spannende und aktuelle Diskussion, die mich allerdings an etwas erinnerte.

Zum Thema: WhatsApp, Twitter & Co in der sportpsychologischen Praxis – Möglichkeiten und Grenzen

In meinen „jungen Jahren“ der sportpsychologischen Betreuungsarbeit – und diese fiel zusammen mit der Etablierung des Internets in unserer Berufswelt – hatte ich mir schon Gedanken über die Nutzung des Mediums gemacht. In einem Artikel in der damaligen Zeitschrift für Sportpsychologie (vormals „psychologie & sport“) publizierte ich meine damaligen Erfahrungen im Bereich der „Online-Beratung“ von Sportlerinnen und Sportlern (Stoll & Lau, 2003). Positive Erfahrungen konnten damals ebenso festgestellt werden, wie Probleme. Die schnelle und unkomplizierte Kontaktaufnahme sowie die Möglichkeit, zunächst anonym „abzuklopfen, ob ein solches Angebot angenehm und umsetzbar ist, standen verschiedene Probleme gegenüber. Konktet: Der Datenschutz, der Nachteil fehlender Informationen zum emotionalen Zustand des „Gegenübers“, da Gestik und Mimik nicht wahrgenommen werden kann und nicht zuletzt evtl. vorliegende psychopathologische Indikation, die meinerseits nicht bearbeitet werden konnten. Immerhin hatte ich in einem Jahr damals ca. 180 Kontaktaufnahmen, die überwiegend im Rahmen eines einzigen, intensiveren E-Mail-Interaktionsprozesses gelöst worden sind. Ca. 20% benötigten mehrere Interaktionsprozesse. Ca. 10% deuteten auf klinische Probleme hin. Die einzigen verwendeten Medien waren damals eine persönliche Homepage sowie ein E-Mail-Account.

Seitdem ist viel passiert – in der digitalen Welt. Neben dem Aufkommen von Social-Media-Plattformen, die man z.B., wie auch unsere hier, als Informations- und Aufklärungs-Tool, evtl. sogar als digitales Psychoedukations-Werkzeug nutzen kann, gibt es SMS, WhatsApp, Skype und andere Internetbasierte Messenger-Services, die eine schnelle und unkomplizierte Kommunikation zwischen Sportpsychologe und Athlet ermöglichen. Die Probleme von damals sind natürlich auch heute noch nicht gelöst, aber die Kommunikationsmöglichkeiten haben sich natürlich erweitert und werden gerade im Bereich der Spitzensportbetreuung genutzt, denn Athleten, die im Profibereich unterwegs sind, haben wenig Zeit, sind oft auf Reisen. Somit bleiben oft nur diese Möglichkeiten des Informationsaustausches. Denn nur in wenigen Fällen sind wir Sportpsychologen immer mit „vor Ort“.

Bedingung Sensibilität

Unsere digitale Welt verändert sich rasant und gerade die Berufsgruppen, die darauf angewiesen sind, Informationen schnell und effektiv auszutauschen, sollten sich diesen Medien nicht verschließen. Auch wenn wir eben sehr vorsichtig und sensibel in der Nutzung sein müssen – je hochklassiger der Athlet und der Wettkampf, desto mehr Personen setzen eine Personen-sensible Kommunikation voraus. Eine professionelle Ausbildung unserer Studierenden und eine gute Fortbildung von Kolleginnen und Kollegen unseres Berufsfeldes wäre in diesem Zusammenhang anzuraten. Ich bin sehr gespannt, wie sich diese Kommunikationswelt weiterentwickelt und wie lange ich in meinem Alter noch in der Lage bin, diesbezüglich mitzukommen.

 

Quellen

Stoll, O. & Lau, A. (2003). Sportpsychologische Online-Beratung – Praktische Erfahrungen, Möglichkeiten und Grenzen. psychologie & sport 10, 144-149.

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