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Dr. René Paasch: Der Footbonaut für Amateure!

Das schnelle Entscheidungshandeln ist eine der wichtigsten Fähigkeiten im Fußball. Deshalb muss der Prozess ‘SAEH – Sehen-Antizipieren-Entscheiden-Handeln’ im Training unbedingt geschult werden. Einige Fußball Top-Vereine greifen dabei auf sauteure Technik zurück. Den ‘Footbonauten’, den bereits Borussia Dortmund und die TSG Hoffenheim nutzen, können Amateurvereine und viele andere Profi-Clubs aber nicht bezahlen – mit kreativen Hilfsmitteln lässt sich jedoch vergleichbar arbeiten.

Zum Thema: Kreative Trainingsformen zum Üben von Entscheidungshandeln

Der Footbonaut ist eine kostspielige Trainingsmaschine. Die 14×14 Meter große Kunstrasenfläche ist von Gitterwänden umgeben, die aus 72 Quadraten bestehen. Im Footbonauten können in kürzester Zeit und in Anwendung unterschiedlichster Trainingsformen viele Situationen simuliert werden. Talentierte Spieler spielen in sechseinhalb bis siebeneinhalb Minuten 100 Bälle – das sind 200 Ballkontakte. Diese Gesamtsituation ist real nur schwer darstellbar. Dazu kommen komplexe Auswertungsmöglichkeiten. Vom Austritt des Balles aus der Maschine bis zum Übertritt der Lichtschranke im Zielfeld erhält der Leistungsfußball unglaublich viele Daten. Somit können Rankings erstellt, Profile anlegt und nachvollzogen werden. So ist es möglich, jeden Fort- und Rückschritt festzuhalten. Folgende Trainingseffekte können mit den Footbonauten trainiert werden: Ballannahme und -weitergabe, Handlungsschnelligkeit und Konzentrationsfähigkeit. Geschwindigkeit und Präzision im Passspiel. Adaptionsfähigkeit auf eine zufällig entstehende Situation, um nur einige Bereiche zu nennen. Damit sind die wesentlichen Effekte benannt. Es geht aber noch tiefer. Dabei geht es nicht mehr nur um die Ballannahme, sondern gleichzeitig schon um die Richtung, in die das Spiel gehen wird. Der Footbonaut bietet somit dem Leistungsfußball die Möglichkeit, hier sehr gezielt zu arbeiten.

In diesem Zusammenhang möchte ich auf die Forschungsinhalte von Professor Oliver Höner hinweisen. Gedanken können einschränken und Handeln macht entscheidungsfreudig! – dies trifft auf zahlreiche Handlungen im Fußball zu. Sie gründet auf einer misslungenen Lösung des Abschirmungs-Unterbrechungs-Dilemma der Handlungsteuerung (Höner, 2005): Einerseits müssen sich Spieler frühzeitig für Handlungsabsichten wie dem Alleingang mit Torabschluss entscheiden und dann ihre Aufmerksamkeit auf die Realisierung konzentrieren. Andererseits müssen Spieler aufgrund der zeitlichen Impulse des Fußballspiels offen für Veränderungen der Situation sein. Damit sind neben technischen Fertigkeiten und konditionellen Fähigkeiten im Fußball immer auch kognitive Fähigkeiten Spiel entscheidend. In dem nun folgenden Abschnitt werden Trainingsformen und Übungsaufbauten präsentiert, die den Voraussetzungen im Footbonauten nahekommen und die gleichen Abläufe fordern.

Praktische Organisationsformen im Fußball:

Mit den nun dargestellten Übungen können folgende Bereiche im Fußball trainiert werden: Ballan- und -mitnahme flacher, halbhoher oder hoher Zuspiele sowie das zielgenaue und dosierte Passspiel. Weiterhin lernen die Spieler, in unterschiedliche Richtungen zu denken und zu spielen, so dass das Passen immer wieder sowohl vom Standbein weg als auch über das Standbein erfolgt. Außerdem wird die Beidfüßigkeit geschult. Auf kognitiver Ebene werden die Wahrnehmung und Verarbeitung akustischer und optischer Signale sowie die Vororientierung bis hin zur Handlungsumsetzung gefördert. Für umfassende empirisch Forschungen, empfehle ich Ihnen die Übersichtsarbeiten von Professor Daniel Memmert (2012, 2015), der zahlreiche methodische Möglichkeiten zur fußballspezifischen Schulung von taktischer Kreativität entwickeln konnte. Siehe dazu auch den Leitartikel:

Prof. Dr. Daniel Memmert: Kreatives taktisches Entscheiden im Fußball

Trainingsformen:

„Vier kleine Tore“

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 Organisation
  • Ein 12 x 12 Meter großes Quadrat mit verschiedenfarbigen Eckhütchen markieren.
  • 4 Minitore gemäß Abbildung aufstellen und durchnummerieren.
  • 4 Spieler verteilen sich mit Bällen an den Eckhütchen.
Ablauf
  • Der Trainer gibt zwei akustische Signale.
  • Zuerst nennt er eine Farbe, von wo der Ball zugespielt wird.
  • Danach folgt eine Zahl, die das Zieltor bestimmt.
  • Der Spieler in der Feldmitte kontrolliert das Zuspiel und schließt schnellstmöglich auf das vorgegebene Zieltor ab.

Informationen erweitern

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Organisation
  • Den Aufbau beibehalten.
Ablauf
  • Der Trainer gibt jetzt nicht nur zwei, sondern drei akustische Informationen.
  • Die erste Information gibt an, von wo der Ball kommt.
  • Die zweite bestimmt, mit welchem Spieler ein Doppelpass gespielt wird.
  • Die dritte bezeichnet das Zieltor, in das der Innenspieler passen soll.

Mittelpunktspieler

mittelpunktspieler

Organisation
  • Den Aufbau beibehalten.
Ablauf
  • Im Feld stehen zwei Spieler A und B, die zusammenspielen.
  • Die erste Information des Trainers bestimmt den Zuspieler.
  • Die zweite Information bezeichnet das Zieltor.
  • A erhält das erste Zuspiel und passt möglichst direkt zu B weiter.
  • B kontrolliert das Zuspiel und passt in das entsprechende Zieltor.
  • A und B tauschen nach jeder Aktion die Aufgaben.

Eine zusätzliche Erweiterung der Aufgaben im ‚Footbonaut kreativ für Amateure‘ kann durch Verwendung weiterer Elemente erreicht werden. So kann der Trainer auch Übungen auf sechs oder sogar acht Tore durchführen. Steht im Sportverein eine solche Anzahl an Toren nicht zur Verfügung, können dabei auch Hütchen zum Einsatz kommen. Der Einsatz des „Footbonauten kreativ für Amateure“ ist für mich inhaltlich sinnvoll, da viele Schulungselemente permanent Eingang ins  Spiel finden.

Wenn Sie Fragen zur Anwendung und Umsetzung und zur Trainingssteuerung haben, nehmen Sie gern Kontakt zu mir auf.

http://www.die-sportpsychologen.de/profile/Rene%20Paasch/

Literatur:

  1.   Unkelbach, C., Ostheimer, V., Fasold, F., & Memmert, D. (2012). A calibration explanation of serial position effects in evaluative judgments. Organizational Behavior and Human Decision Processes, 119, 103-113.
  2.   Hüttermann, S., & Memmert, D. (2015). The Influence of Motivational and Mood States on Visual Attention: A Quantification of Systematic Differences and Casual Changes in Subjects’ Focus of Attention. Cognition and Emotion, 29, 471-483.
  3. Höner, O. (2005). Entscheidungshandeln im Sportspiel Fußball – Eine Analyse im Lichte der Rubikontheorie. Schorndorf: Hofmann.

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Dr. Hanspeter Gubelmann: Let the music play!

Musik wurde im Sport schon früh als Begleitmedium zur Motivationssteigerung eingesetzt. Als legendär gilt etwa das TV-Konditionstraining von Kunstturn-Ikone Jack Günthard. Der Olympiasieger von 1952 zählt zu den vielen Wegbereitern moderner, musikgetriebener Konditionstrainingsformen wie Zumba oder Taebo. Die neueste, kabellose Kopfhörergeneration erleichtert zudem den individuellen Einsatz von Musik erheblich und eröffnet dadurch einen neuen Markt für findige Anbieter: Mit so genannten Playlists werden im Internet neue Möglichkeiten der Leistungssteigerung gepriesen. Was bewirkt Musik und wie kann sie unsere sportliche Leistung beeinflussen? Und: wie soll der Einsteiger mit Musik umgehen?

Zum Thema: Zum Umgang und Einsatz von Musik im Sport

Im Zusammenhang mit Bewegung und Sport erfüllt Musik unterschiedliche Funktionen. Beim Tanzen definiert sie Tanzstil und seine Ausdrucksform. Die Eiskunstläuferin wählt ihr Programm mit Sprüngen, Pirouetten und Schrittpassagen passend zur Musik und lässt sich in ihrer choreographischen Ausgestaltung von der Musik inspirieren. Anders im Konditionstraining oder auf dem Spinningrad: gut gewählte Musik wird hier zum strukturierenden Merkmal, dann nämlich, wenn Bewegungsrhythmus und Ausführungsgeschwindigkeit auf den Takt der Musik abgestimmt sind. Das Mass der Dinge sind die bpm: beats per minute oder „Schläge pro Minute“, die zu den Grundbewegungsformen entsprechend gewählt sein müssen: Kräftigen: 60/120, Hüpfen: 100-120 bpm sowie Laufen: 120- max. 160. Die maximale Frequenz liegt je nach Körpergrösse und Formstand (z.B. Kinder!) bis zu 20 Schläge höher. Zudem soll der Musikcharakter zur Ausführungsform passen. Harte Beats fürs Krafttraining, Dreivierteltakt zum Schwingen und sanfte Melodieformen sowie instrumentale Arrangements zur Unterstützung der Entspannungswirkung. Gefällt uns der Soundtrack, scheinen uns die Bewegungen leichter zu gelingen, wir verspüren Spass und auch aufkommende Schmerzen werden durch das motivierende Erleben gedämpft.

I’m the scatman!

Welchen Einfluss Musik auf die sportliche Leistung auch im Spitzenbereich erzielen kann, zeigt die Anekdote zu den Weltrekordläufen von Haile Gebrselassie. Nach Aussagen des äthiopischen Wunderläufers lief er seine Rekorde stets mit Scatman von Scatman John im Ohr. Als Begründung gab er später an, dass die Musik optimal zu seiner Höchstgeschwindigkeit passte, die er über 5’000 und 10’000 laufen konnte. Er nutzte Scatman quasi als Simulator, indem er seinen Lauf in Weltrekordzeit mit seiner Lieblingsmusik synchronisierte.

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Weitere Informationen

Wie kann dieser musikalische Simulator nun auch für die Breitensportlerin funktionieren? Meine Kollegin Elvina Abdullaeva bezieht sich in ihrer lesenswerten Anleitung zur leistungsfördernden Anwendung von Musik auf die wissenschaftlichen Ausführungen von Karageorghis (2014). Dieser beschreibt zwei Arten von Einflussfaktoren, den inneren und den äußeren. „Die inneren beziehen sich auf die Komponenten der Musik, also auf Rhythmus, Melodie, Harmonie und gegebenenfalls den Liedtext. Alles, was die Musik ausmacht. Zu den äußeren Faktoren zählen kultureller Einfluss und persönliche Assoziationen und Erfahrung. Diese bestimmen wie die Musik von dem Zuhörer interpretiert wird, welche Bedeutung diese oder eine andere Melodie für ihn hat. Rhythmus, Liedtexte, persönliche Erinnerungen – Wie soll sich eine stimulierende Musik anhören? Ein Erfolgsmuster gibt es sicher nicht.“

Elvina Abdullaeva: Musik besser als Doping?

 Die wissenschaftliche Befundlage zur leistungsförderlichen Wirkung von Musik ist noch nicht abschliessend geklärt, zwei Grundannahmen scheinen sich mittlerweile zu verdichten. Bei zyklischen Bewegungen dürfte die leistungsförderliche Wirkung insbesondere dann eintreten, wenn Bewegungs- und Musikgeschwindigkeit übereinstimmen. Um den sogenannten „push-Effekt“ zu Beginn einer Leistung zu erzielen, kann die Musikgeschwindigkeit zusätzlich leicht erhöht werden. Damit leistet man vor allem zu Beginn der Belastung mehr, möglicherweise aber auch auf Kosten eines späteren, primär physiologisch bedingten Einbruchs. Der positive Effekt einer hohen Vorstart-Stimulation könnte im Bereich höchster Intensität (HIT, High Intensity Training; HIIT, High Intensity Interval Training) von Bedeutung sein. Andererseits gilt es vor einem übermässigen „push-Effekt“ zu warnen. Etwa Lauf-Rookies, die sich eine unterstützende Wirkung ihrer Musik in ihrem Marathon-Debut erhoffen, sind mit der Wahl eines moderaten Anfangstempos sehr gut beraten. Im Wissen um diesen Effekt verbieten einige Marathon-Veranstalter auch das Tragen von Kopfhörern! Interessant und vielleicht auch als Orientierungshilfe für Einsteiger zielführend: Die Musik-Spezialisten sprechen von einer optimalen Bandbreite zwischen 125 und 140 bpm!

Wie finde ich meinen Soundtrack?

Entscheidend für die individuelle Passung ist die psycho-akustische Wirkung meiner Playlist. Nach Karageorghis (2012) besonders geeignet sind Songs mit einer gleichbleibend rhythmischen Qualität, mit bestätigenden Texten und positiven Harmonien. „Titel, in denen Dur-Akkorde vorherrschen, eignen sich besser als Stücke in Moll. Die Musik sollte ferner die eigenen musikalischen Hörgewohnheiten widerspiegeln und aus dem Kulturkreis beziehungsweise dem sozialen Umfeld des Athleten stammen. Man sollte auf Synkopen, also wechselnde Betonungen der Takte, ebenso verzichten wie auf Titel, die in ihrem Verlauf langsamer oder schneller werden.“ Folgende „Checkliste“ kann für die Entwicklung der eigenen Playlist hilfreich sein.

Persönliche Präferenzen: Wenn ich „meine“ Musik aussuche, die mir gefällt, die mich an positive Erfahrungen erinnern lässt und die ich auch häufiger hören möchte, kann ich fast nichts falsch machen. Die positive psychologische Wirkung basiert auf dieser fundamentalen, individuellen Bewertung.

Passung: Der Einsatz von Musik hat Konsequenzen auf die Wahrnehmung des Athleten und seine Konzentration. Das Tragen von Kopfhörern und die Verwendung von Musik ist überall dort, wo ein erhöhtes Mass an Aufmerksamkeit gefordert ist (z.B. Strassenverkehr), unverantwortlich.

Wettkampfvorbereitung: Musik vor dem Wettkampf wird häufig zur positiven Stimulation im Sinne einer Aufmerksamkeitslenkung, einer motivationalen Bestärkung sowie der Regulation der psychophysischen Befindlichkeit eingesetzt. Die Athletin versucht dabei, Musik so zu verwenden, um in ihren optimalen Vorstartzustand zu gelangen. Einige Athleten erarbeiten sich in Zusammenarbeit mit ihren Sportpsychologen eigene Playlists, die neben Musik auch weitere, akustisch unterstützte Affirmationen sowie spezifische Bewegungsinstruktionen beinhalten. So eingesetzt wird Musik Teil einer individuellen Wettkampfvorbereitung. Bekannt ist aber auch, dass das Tragen von Kopfhörern (ohne Musikhören!), dem Athleten dazu dient, um in Wettkampfnähe nicht angesprochen zu werden!

Einsatzort: Musik im Fitnessraum, wo ich mich auch von der lärmigen Atmosphäre schützen will, ist bestimmt sinnvoll. In freier Natur mit einer Vielzahl anderer, auch psycho-akustischer Leistungsförderer, ist sie für viele überflüssig. Bei den Trail-Runnern findet Musik beispielsweise keine Anwendung.

Abwechslung: Meine Playlist sollte Abwechslung bieten und muss laufend verändert, angepasst oder auch neu zusammengestellt sein. Wirkung entsteht durch Wiederholung positiver Effekte, nicht aber durch Langeweile!

Lautstärke: Als Regel gerade in Verbindung mit den neuen Kopfhörer-Generation gilt: Man sollte intensive Trainingseinheiten grundsätzlich nicht mit extrem lauter Musik verbinden. Und zwar aus einem einfachen Grund: Während des Trainings steigt der Blutfluss zu den arbeitenden Muskeln stark an, was das Innenohr sehr empfänglich für potenzielle Schädigungen macht und bei einer hohen Lautstärke zu temporärem Hörverlust und mit der Zeit sogar bleibenden Tinnitus-Symptomen führen kann. Die Lautstärke ist so zu wählen, dass man sich auch dann noch problemlos unterhalten kann, wenn man die Kopfhörer trägt!

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Weitere Informationen

 

Quellen:

Karageorghis, C. I. (2014). Music-Based Interventions. In: Encyclopedia of Sport and Exercise Psychology, Ed. Eklund, R.C., Tenenbaum G.

Fit mit Jack: https://www.youtube.com/watch?v=B_KFKij0ZWA

http://www.sportunterricht.ch/Musik/bpm.php

http://www.die-sportpsychologen.de/2015/03/26/elvina-abdullaeva-befluegelnde-musik/

http://www.zeit.de/sport/2012-10/musik-sport-motivation-psychologie/seite-3

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Cristina Baldasarre: Tipps für Hobbyläufer

Beim 17. Frauenfelder Marathon am Sonntag, den 20. November, ist sie eine von vielen. Auch ihre Geschichte, mit etwa 30 Lebensjahren mit dem Ausdauersport zu beginnen, stellt keine Besonderheit dar. Dennoch nehme ich die Zusammenarbeit mit eben dieser Breitensportathletin zum Anlass, um einmal aufzuzeigen, wie konkret die Sportpsychologie im Ausdauerbereich helfen und nutzen kann.

Zum Thema: Marathon aus Sicht einer Breitensportathletin

Die Hobbysportlerin ist 31 Jahre alt und lief ihren allerersten Marathon in Frauenfeld im November 2015 in drei Stunden 49 Minuten. Dafür wurde sie mit dem dritten Kategorienrang belohnt, ein Supererfolg für die Marathon-Newcomerin! Sie hatte sich zuvor ca. 2,5 Jahre darauf vorbereitet: Begonnen hatte sie mit kurzen Läufen von höchstens fünf Kilometern, ohne je an einen Marathon zu denken, denn das erschien ihr sehr unrealistisch. Langsam steigerte sie ihr Pensum auf zehn Kilometer, und bald wurden daraus 21. Langsam rutschte sie Richtung Marathon und erreichte im Training die 42 Kilometer Dauerlauf tatsächlich. Der Ehrgeiz war nun geweckt und sie setzte sich das Ziel, am Aargau-Marathon vom Mai 2016 zu starten und unter 3h 49 Min. zu Laufen. Gesagt – getan! Sie schaffte die Strecke in 3h 29 Min. und wurde mit dem 4. Kategorienrang belohnt. Ihr nächstes Ziel wird nun die wiederholte Teilnahme mit Leistungssteigerung am bevorstehenden 17. Frauenfelder Marathon vom 20. November 2016 sein.

Lesen Sie das Interview mit der Ausdauersportlerin sowie ihre Ansichten, ob, und wenn ja wie die Sportpsychologie ihr in ihrem Werdegang behilflich war:

Was sind hinsichtlich Marathon Ihre grössten mentalen Herausforderungen gewesen?

„Wenn ich in der Hälfte, also nach 21 km, zu Denken beginne und mir überlege, dass es jetzt noch einmal so weit ist bis ins Ziel. Dann muss ich mich irgendwie weiter motivieren und einfach Weiterrennen. Und wenn dann ab Kilometer 30 die Muskulatur langsam schmerzt, muss ich mich für die letzten 12 Km nochmals Aufraffen.

Oder wenn nach km 30 schon wieder eine Steigung kommt und man sich so langsam denk „Jetzt kann ich dann nicht mehr“, dann muss ich trotzdem genug Kraft aufbringen können, um aus der Kriese zu kommen und weiter zu Laufen.“

Sportpsychologisch gesprochen geht es dabei um die folgenden Inhalte sowie Interventionen:

  • Sich grosse Ziele setzen und gut durchdachte Zwischenziele einbauen, die erreichbar scheinen.
  • Mit inneren Bildern arbeiten. Diese wirken, sofern richtig ausgewählt und bewusst eingesetzt, sehr motivationserhaltend und –steigernd.
  • Sein inneres Selbstgespräch (eigene Gedanken und Gefühle) wahrnehmen und kennen. Dadurch können leistungshemmende, negative Sätze in positive, leistungssteigernde transformiert werden

Marathon running race, people feet on city road

Wie haben Sie sich bisher mental auf einen Marathon vorbereitet?

„Bisher habe ich mich im Vorfeld immer sehr genau mit der Strecke auseinandergesetzt und mir diese angeschaut; beispielsweise die Steigungen analysiert oder überlegt, wo die Verpflegungsposten stehen. Dann habe ich meine gewünschte Zeit festgelegt und meinen dafür benötigten Kilometerschnitt ausgerechnet. Dadurch verlagere ich meine Konzentration auf die Kilometerzeit und kann die Zielzeit „vergessen“.  

Weiter mache ich mir im Vorfeld immer wieder bewusst, dass ich viel trainiert habe um das Ziel zu erreichen (manchmal kommen kurz vor dem Wettkampf Zweifel auf, ob ich es auch wirklich schaffe und ob ich genug dafür getan habe). Ich versuche immer positiv zu denken, sprich mich nicht von Gegebenheiten wie dem schlechten beeinflussen zu lassen.

Schliesslich erstelle ich im Kopf meine Zeitplan: wann ich aufstehen muss, wann ich was esse, damit genügend Zeit zwischen Essen und Lauf-Beginn liegt (letzte Mahlzeit vor dem Lauf ist bei mir immer ein Teller Pasta mit Tomatensauce ca. 3.5h vor dem Start, und das egal um welche Zeit).

Ich packe jeweils bereits am Tag vorher, damit ich nicht in der Hektik etwas Wichtiges vergesse. Dies hilft mir , um in den richtigen Wettkampfzustand reinzukommen.“

Sportpsychologisch gesprochen geht es dabei um die folgenden Inhalte sowie Interventionen:

  • Mit inneren Bildern arbeiten. Das Visualisieren der Strecke inklusive der für die Athletin wichtigen Zwischenstationen, so detailliert wie nötig. Dadurch entsteht ein strukturierter Rennplan im Kopf.
  • Das Gesamtziel (Zeit die angestrebt wird) ist ein sogenanntes Rangziel und rückt zugunsten von Prozesszielen in den Hintergrund. Wer diese im Fokus hat (WAS muss ich konkret tun, also mein Handlungsplan), der nimmt dadurch bewusst Einfluss auf sein sportliches Handeln und seine Leistungen.
  • Sein inneres Selbstgespräch (eigene Gedanken und Gefühle) wahrnehmen und kennen. Dadurch können leistungshemmende, negative Sätze in positive, leistungssteigernde transformiert werden. 
  • Der mentale Countdown. Die Vorstartphase ist enorm wichtig und wird detailliert durchgeplant sowie die nötigen Vorbereitungsschritte (z.B. das Packen) gezielt platziert (z.B. vorverlegt). So werden Energien gebündelt und das Gefühl der Sicherheit wächst stark.

Was hilft Ihnen, wenn es im Rennen schwierig wird und die Beine nicht mehr mitmachen möchten?

„Meistens führe ich so eine Art inneres Selbstgespräch, so im Stil von: „Komm, das packst du noch, es ist schon mehr als die Hälfte geschafft, du musst quasi nur noch „nach Hause“ laufen“. Oder ich versuche mich abzulenken, sprich an etwas anderes zu denken (nicht daran denken, wie viele Kilometer noch vor mir liegen). Dabei hilft es mir, mich auf meine Atmung zu konzentrieren.“

Sportpsychologisch gesprochen geht es dabei um die folgenden Inhalte sowie Interventionen:

  • Sein inneres Selbstgespräch (eigene Gedanken und Gefühle) wahrnehmen und kennen. Dadurch können leistungshemmende, negative Sätze in positive, leistungssteigernde transformiert werden.
  • Mit inneren Bildern arbeiten. Diejenigen im Vorfeld finden, welche im Notfall gut helfen (z.B. „Nach Hause laufen“).
  • Die Atmung als Anker benutzen, um sich darauf zu konzentrieren und die Gedanken dadurch gezielter zu steuern, vor allem aber auch das Körperempfinden zu beeinflussen.

Machen Sie etwas im Bereich der Aufmerksamkeitslenkung während des Laufens?

„Nicht so gezielt. Ich konzentriere mich meistens auf meine Atmung und wenn es Naturwege sind, ist der Kopf eher Richtung Boden gerichtet, damit ich nicht stolpere oder so. Ich bin dabei ziemlich bei der Sache und meine Gedanken schweifen, glaube ich, nicht in irgendeine Richtung, welche nichts mit dem Rennen zu tun haben. Ich bin eher damit beschäftigt, mir zu überlegen, wann ich den nächsten Energie-Gel zu mir nehme, damit ich nicht in ein Loch falle.“

Sportpsychologisch gesprochen geht es dabei um die folgenden Inhalte sowie Interventionen:

  • Die Atmung als Fokussierungsmöglichkeit nutzen, eventuell im Rhythmus der Atmung innerlich mitgehen.
  • Den Lauf einteilen. Den genauen Plan kennen und wissen. Zu welcher Zeit und bei welchem Kilometer was zu tun ist und wie das getan wird.
  • Sein inneres Selbstgespräch (eigene Gedanken und Gefühle) wahrnehmen und kennen. Dadurch können die positiven und leistungssteigernden Sätze abgerufen und so oft wie nötig wiederholt werden.

http://www.der-frauenfelder.ch/laeufe/marathon1

http://www.bzbasel.ch/kommentare/basel-marathon/tapering-erholung-und-vorfreude-129589625

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Dr. René Paasch: Selbstgespräche machen Beine

Zaubern kann die Sportpsychologie nicht, aber kleine Wunder sind ab und an schon drin. Und wenn Sie als Trainer oder Mitspieler mal ihr kleines Wunder erleben wollen, dann passen Sie jetzt gut auf. Am Ende dieses Textes sollten Sie nämlich in der Lage sein, mit sehr einfachen Mitteln ihrem eher zögerlichen und nicht entscheidungsfreudigen Spieler oder Mitspieler sichtlich „entscheidungsschnellere Beine“ zu machen. Wie das geht? Mit Selbstgesprächen.

Zum Thema: Können innere Gespräche Effekte auf die Ausdauerleistungsfähigkeit haben?

Ich möchte Ihnen nun zeigen, dass es mit mentalen Interventionen der Selbstgesprächsregulation (Eberspächer, Immenroth, Mayer, 2002), die effizient im Trainingsalltag von Amateurfußballern integriert werden können, gelingen kann, hemmende gedankliche Muster zu beeinflussen, so dass Fußballer handlungsorientierter und ausdauerleistungsfähiger werden.

Praktische Anleitung

Eines Vorab: Selbstgespräche sind die im Spitzensport am häufigsten eingesetzten psychologischen Strategien. Das „innere Sprechen“ stellt eine Art Probehandeln dar, das uns auf die nächsten Schritte aufmerksam macht. „Positive Selbstgespräche helfen Ihren Spieler/innen psychische Beanspruchungssituationen erfolgreich zu bewältigen und mentale Stärke zu erlangen“.

„Denken Sie immer daran: Erst wenn Sie im Kopf aufgeben, hören auch die Beine auf zu laufen.“

Und damit in die Umsetzung: Sie suchen einen geeigneten Moment, um die Mannschaft von ihrem Vorhaben zu informieren. Da der Aufwand von Seiten der Spieler sehr gering ist und eine erfolgreiche Umsetzung für jeden Einzelnen ein greifbares Ergebnis erzielen sollte, dürften Sie kaum Gegenwind ernten. Lassen Sie also nun Ihren Spielern folgenden Handlungsorientierungsfragebogen-Sport (HOSP) ausfüllen:

Link zum Fragebogen

Hinweis: Gern helfe ich Ihnen bei der Auswertung des Fragebogens. Scheuen Sie also nicht, mich zu kontaktieren: Profilseite Dr. René Paasch

Fragebogen als Grundlage

Das gewählte Verfahren misst die Handlungsorientierung in drei Bereichen nach Misserfolg (HOM; 12 Fragen), bei der Handlungsplanung/-entscheidung (HOP; 12 Fragen) und während der erfolgreichen Tätigkeitsausführung (HOT; 12 Fragen). Diese Daten bilden die Grundlage und spätere Vergleichswerte. Des Weiteren sollten Sie den bekannten Cooper-Test (12-Minuten-Lauf) sowie 100-Meter-Sprint zur Testung heranziehen. Darüber hinaus bietet es sich an, im Training verschiedenen mentalen und motorischen Übungsformen zum Themen zur Handlungsorientierung und Lageorientierung einzubauen. Was sich hinter den Begriffen Handlungsorientierung und Lageorientierung verbirgt, erkläre ich später und weise noch einmal daraufhin, dass ich Sie gern bei speziellen Übungsformen unterstütze.

Den Fragebogen, der für Ihre Spieler/innen den Startpunkt darstellte, teilen Sie nach vier Monaten erneut aus. In der Zwischenzeit erhält Ihre Mannschaft zweimal wöchentliche Intervention zur Selbstgesprächsregulation. Die Dauer der Intervention beträgt ca. 15 Minuten wöchentlich vor dem Training.

Intervention im Training

Die wöchentliche Intervention „Selbstgesprächsregulation“ sollte aus folgenden vier Bestandteilen bestehen:

  • Sammeln typischer aktueller innerer Monologe der Fußballer, z.B. „Ich weiß, wie wichtig das innere Gespräch ist, kann mich aber nicht aufraffen, weil ich das noch nie konnte“.
  • Negative Selbstgespräche umformulieren, z.B. „Ich möchte jetzt mein kognitives Verhalten verändern, und auch wenn es mir schwer fällt, weiß ich, dass es mir gut tut und ich mich auf Dauer und leistungsfähiger fühle.“
  • Training der förderlichen Selbstgespräche, z.B. die umformulierten Sätze morgens 4-mal laut vor dem Spiegel vorsprechen und sich das Handeln täglich immer wieder vorstellen.
  • Gezielter Einsatz von Atementspannung in kritischen Momenten, am Anfang gemeinsam üben, dann müssen die Fußballer selbst üben.

Folgende weiterführende Texte empfehle ich Ihnen zum Thema Selbstgespräche: Die Macht der Selbstgespräche:

Prof. Dr. Oliver Stoll: Gute Selbstgespräche

Die Bedeutung des inneren Dialogs. Wie Selbstgespräche die Trefferquote verbessern können:

Dr. René Paasch: Analyse NIR vs. GER

Fazit

Mein Standpunkt ist: Je kognitiver Fußballer innere Gespräche trainieren und wöchentliche regulative Interventionen nutzen, desto handlungsorientierter und ausdauernder können Sie sein (Paasch, 2016). Gewiss ist es eine lohnende Aufgabe der Zukunft, im Bereich mentaler Maßnahmen weiter nach Zusammenhängen und Interventionsmöglichkeiten zu forschen, da die Bedeutung der emotionalen Befindlichkeit, das heißt, die innere Haltung zu einer Handlung ganz wesentlich die Funktion der dazu benötigten Wirkmechanismen beeinflusst, damit die Handlung überhaupt möglich wird und – in diesem Falle des Sportverhaltens – damit eine Änderung von Handeln und Ausdauer geschehen kann. Die in meiner praktischen Arbeit erhobenen Ergebnisse und gemachten Erfahrungen deuten daraufhin, dass Selbstgesprächsregulation die Handlungsorientierung und Ausdauerleistungsfähigkeit unterstützen können (Paasch, 2015).

Hintergrund zu Handlungsorientierung und Lageorientierung

Neben den spezifischen Fähigkeiten, wie Technik, Taktik und Kondition sind die kognitiven Fähigkeiten der Spieler ausschlaggebend und repräsentativ für erfolgreiche Spiele im Fußball (Höner, 2008). In Bezug auf die fußballspezifische Kompetenz, muss der Fußballer somit unter hohem Zeitdruck, im richtigen Moment, seine Leistung abrufen können. Es lassen sich im Fußball häufig Situationen beobachten, die für Zuschauer und Mitspieler nicht nachvollziehbar sind. Wer kennt nicht Situationen, in denen ein Spieler erfolglos auf das Tor schießt, obwohl zum Zeitpunkt des Torschusses ein Mitspieler besser steht? Vor diesem Hintergrund ist es wichtig zu wissen, welcher Unterschied besteht zwischen einem handlungsorientierten und lageorientierten Fußballer?

Lageorientierte Fußballer zeigen schlechtere Leistungen vor allem bei Aufgaben, die fein- und grobmotorische Koordination verlangen, wie der angemessene Einsatz von Ressourcen wie z.B. Kraft und Konzentration (Gabler 2004, S. 223). Es gibt Sportarten, die allerdings lageorientierten Sportlern entgegenkommen (Beckmann & Kazén, 1994), sogenannte Individualsportarten wie Radfahren, Schwimmen, Laufen und einige Leichtathletikdisziplinen. Handlungsorientierten Fußballern ist zwar möglich, sich kurzzeitig in eine Art Lageorientierung zu versetzen (analytisches Denken), jedoch vermögen lageorientierte Fußballer nur sehr schwer oder nur unter besonders positiven Umständen, handlungsorientiert zu sein. Steigt der mentale Druck, werden lageorientierte Fußballer eher den Kontakt zu ihren sportlichen Fähigkeiten verlieren. Im Fußball lassen sich durch innere Selbstgespräche Situationen besser bewältigen, wie z.B. die vorhandenen Leistungsressourcen im Spiel abzurufen (vgl. Schliermann & Hülß, 2008).

Der Handlungsorientierung wird – insbesondere bei technisch und konditionell ausgebildeten Fußballspielern – eine hohe Bedeutung für die Spielfähigkeit im Fußball zugesprochen (Abemethy, 1999, S. 132). In der Praxis wird die Schulung allerdings nicht explizit in der Trainingsplanung berücksichtigt. Jedoch bestimmen kognitive Komponenten in Verbindung mit der Aufmerksamkeit wesentlich die psychische Regulation der Handlungen des Sportspielers und damit seiner Spieltätigkeit und Leistung. Die Entwicklung solcher leistungsbestimmender Faktoren werden mehr oder weniger dem Zufall überlassen (Konzag, 1997). Als Konsequenz daraus ist die Handlungsfähigkeit mit Unterstützung innerer Gespräche gegenüber den bereits gut erforschten technischen Bereichen besondere Entwicklungsmöglichkeiten zuzuschreiben.

 

Literaturverzeichnis

  1. Abernethy, B. (1999). The 1997 Coleman Roberts Griffith Address Movement Expertise: A Juncture between Psychology Theory and Practice. Journal of Applied Sport Psychology, 11, 126-141.
  2. Beckmann, J. & Kazén, M. (1994). Action and state orientation and the performance of the top athletes. In Kuhl, J. & Beckmann, J. (Eds.), Volition and Personality. Action versus state orientation (pp. 439–451). Göttingen: Hogrefe & Huber Publishers.
  3. Beckmann, J. & Kellmann, M. (2004). Self-Regulation and Recovery: Approaching an understanding of the process of recovery from stress. Psychological Reports, 95, 1135-1153.
  4. Eberspächer, H., Immenroth, M. & Mayer, J. (2002). Sportpsychologie – ein zentraler Baustein im modernen Leistungssport. Leistungssport, 32.
  5. Gabler, H. (2004). Motivationale Aspekte sportlicher Handlungen. In H. Gabler, J. Nitsch & R. Singer (Hrsg.): Einführung in die Sportpsychologie. Teil 1: Grundthemen, Schorndorf: Hofmann.
  6. Höner, O. (2008) Entscheidungshandeln in Fußball – von der Theorie zur Praxis. Am Ball- die Euro 08 im Spiegel der Wissenschaft“ des Collegium generale der Universität Bern, S. 2-31
  7. Konzag, G. (1997). Entscheidungsprozesse im Sportspiel – Überblick und ausgewählte Forschungsergebnisse aus dem Fußballspiel. In D. Augustin (Hrsg.), Taktiktraining im Fußball (S. 57-66). Hamburg: Czwalina.
  8. Maxwell, A. E. 1970. Comparing the classification of subjects by two independent judges. British Journal of Psychiatry 116: 651–655.
  9. Paasch, R. (2015): Journal of Pedagogy and Psychology. Effect of training self-talk regulation on improving action orientation vs. state orientation and endurance performance in the area of amateur soccer Riga Teacher Training and Educational Management Academy, Latvia. 8th International scientific conference. ISBN 978-9934-503-31-3. Internet: www.rpiva.lv/pdf/8_konferences_raksti.pdf, S. 76
  10. Schliermann, R. & Hülß, H. (2008). Mentaltraining im Fußball. Hamburg: Czwalina Stoll, O. & Ziemain, H. (2009). Mentaltraining im Langstreckenlauf.
  11. Stuart, A. 1955. A test for homogeneity of the marginal distributions in a two-way classification. Biometrika 42: 412–416.
  12. Weinberg, R. S., & Gould, D. (2003). Foundations of sport and exercise psychology, 3. Aufl., Champaign, IL: Human Kinetics.

 

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Dr. Michele Ufer: Führung und Teamentwicklung

Motivationsvorträge und -trainings sind in Mode und werden gern von Unternehmen und Sportteams gebucht. Viele „Motivationsexperten“ & Mentaltrainer schwören dabei auf die immer gleichen Slogans und den Machbarkeitswahn des „Positiven Denkens“. Das wirkt selten nachhaltig positiv und kann sogar zu Frust, Zweifel und Burnout führen. Andere schließen gern von ihren persönlichen Erlebnissen, die sie im Rahmen (extrem)sportiver Urlaubsaktivitäten sammeln, auf die Motivation in Unternehmen oder Sportteams. Markige Sprüche wie „Wenn du willst, kannst du alles erreichen“ sind an der Tagesordnung, aber oft wenig hilfreich, weil sie an der Wirklichkeit vorbeigehen und die Verantwortung auf das Individuum abwälzen, ohne die organisationalen Rahmenbedingungen zu berücksichtigen, in denen sich die Menschen meist bewegen.

Zum Thema: Motivationstraining vs. Organisationsberatung?

Vor einiger Zeit wurde ich vom Bundestrainer einer Nationalmannschaft wegen eines Coachings angefragt. Er hatte unter anderem aus den Medien über meine eigenen sportlichen Aktivitäten gehört, schien von meinen Erfolgen und Herangehensweisen fasziniert und der Meinung, ich sei ein geeigneter Mentalcoach für sein Team. Das Anliegen bzw. Ziel des Bundestrainers lautete: „Steigerung der Motivation (und Leistungsfähigkeit) der Athleten, um die Qualifikation zur Europameisterschaft zu schaffen“. Wir haben diese eher pauschale Zielformulierung natürlich später deutlich konkretisiert, vor allem aber dreierlei Dinge gemacht.

  • Zunächst habe ich mir erlaubt, den Bundestrainer zu „ent-täuschen“. Dieser sah mich insgeheim als Motivationstrainer oder -guru, der sich um die Athleten kümmert, damit diese ihre Motivation und Leistung verbessern. Ich klärte ihn auf, dass ich mich nicht als Motivationstrainer, sondern eher als Prozessberater und Systemcoach sehe, der einen ganzheitlichen Blick auf Zusammenhänge und Wechselwirkungen innerhalb des Teams (und darüber hinaus) wirft und dabei hilft, diese Prozesse leistungsdienlich zu verbessern.
  • Zur Verwunderung des Bundestrainers habe ich mir im Rahmen des Contractings dann nicht nur sein OK, sondern auch das Mandat (bzw. die Bereitschaft) der Athleten und des Betreuerstabs gesichert. Die ersten Sessions dienten deshalb dem Kennenlernen, Aufbau einer vertrauensvollen Atmosphäre sowie der Abklärung von Erwartungen, Möglichkeiten und Grenzen einer möglichen Zusammenarbeit. Dabei wurden die vorherigen negativen Erfahrungen mit einer Sportpsychologin thematisiert und in die Zielsetzung integriert.
  • Der ursprüngliche Fokus wurde bei diesem mehrdimensionalen Contracting schnell weg vom simplen „Motivations-/Teamtraining“ hin zur Organisationsberatung des „Systems Nationalmannschaft“ erweitert, um die wichtigsten Akteure in den Entwicklungsprozess einzubinden. Und das war gut so, denn so wurden Themen für die Bearbeitung und systematische Verbesserung zugänglich gemacht, die den Akteuren zunächst nicht relevant bzw. bewusst schienen, deren Bedeutung hinsichtlich der Motivation und Leistung im Team aber ganz entscheidend waren, wie z.B. die Kommunikation im Betreuerstab, das Schnittstellenmanagement, der Führungsstil und das Selbstmanagement des Bundestrainers.

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Moral der Geschichte:

  1. Ein systemischer Ansatz kann gute Dienste leisten. Ja, systemisch, das ist kein Tippfehler. Dabei wird nicht auf einzelne Symptom-/Problemträger (z.B. demotivierte Athleten) fokussiert. Probleme werden vielmehr als Ergebnis gestörter Prozesse im Gesamtsystem interpretiert (z.B. Kommunikation und Miteinander zwischen Athleten, Coach, Betreuer). Am Athleten manifestieren sich lediglich „Störungen“, die im Zustand des Systems begründet sind. Entsprechend fallen Interventionsstrategien aus. Ein „Tschakka“ hätte im vorliegenden Fall wohl wenig geholfen.
  2. Gut, wenn alle Beteiligten am gemeinsamen Wachstum interessiert sind und sich einbringen. Ist dies nicht der Fall, riskieren isolierte Coaching-Maßnahmen schnell wirkungslos oder wenig nachhaltig zu verpuffen. Beispiele gibt es zuhauf, im Sport und darüber hinaus.
  3. Gut auch, wenn der Sportpsychologe mehrperspektivisch arbeitet, nach den Zielen hinter den Zielen Ausschau hält und eine genaue Rollenklärung vornimmt.
  4. Übrigens kam mit SYMLOG ein Feedback- und Assessmentinstrument zum Einsatz, welches bisher kaum den Weg in die Sportpsychologie gefunden hat, obwohl es sehr detaillierte und wertvolle Informationen über die Vorstellungen von effektiver Führung und Teamkultur, sowie Ist-/Soll-Zustände und nötige Veränderungsrichtungen liefern kann. Gut also, immer mal den Blick über den Tellerrand zu werfen, was es so in den Nachbardisziplinen zu entdecken gibt.

Übrigens: Sie haben es gepackt und das wichtige, letzte Qualifikationsspiel zur EM souverän gewonnen… Die sportpsychologische Zusammenarbeit bis zu diesem Ziel wurde von den Beteiligten als sehr gut und hilfreich bewertet. Dann habe ich die Kooperation allerdings beendet. Um weiter gute, nachhaltige Arbeit zu leisten, schien mir der Rahmen nicht mehr stimmig. Gut, wer auch das rechtzeitig für sich erkennt.

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Prof. Dr. Oliver Stoll: Adieu Motivationsvideos?

Was wären wir nur ohne die Journalisten, die für uns mutmaßlich wichtige Informationen zum mentalen Zustand erklären würden? Ich habe mir am Sonntagnachmittag das Fußballspiel von RB Leipzig gegen Mainz 05 (auf Sky) angeschaut und ja, „Asche über mein Haupt“, – ich könnte ja auch hingehen und mir das Spiel im Stadion anschauen, denn ich wohne ja schließlich hier. Aber ich glaube, ich bin zu alt für solche Stadionbesuche in der Herbstkälte des Novembers. Außerdem sieht mal viel besser am Bildschirm und man bekommt die Kommentare der dort aktiven Journalisten mit. Thema dieses Mal war – und dies schien durchgesickert zu sein – dass der Sportpsychologe von RB Leipzig vor dem Spiel immer „Motivationsvideos“ für die Spieler vorbereitet. Schon im Vorfeld des Spiels hatte ich hierzu einige Hinweise gelesen. Gefragt wurde unter anderem, ob dies Videos aus anderen Sportarten oder Spielsituationen aus eigenen Spielen seien? RB-Coach Ralph Hasenhüttl zeigte sich hier relativ bedeckt und oberflächlich in der Beantwortung dieser Frage. „Beides wären Inhalte“. Wir halten fest: Der Sportpsychologe von RB Leipzig nutzt dieses „Tool“. Besonders interessant fand ich nun, dass die beiden Torschützen der Leipziger, Timo Werner und Emil Forsberg im Interview nach dem sehenswerten Sieg von RB Leipzig bestätigen, dass die vor dem Mainz-Spiel gar keine, solche Videos geschaut haben.

Zum Thema: Zur motivationalen Abnutzung und den Gefahren von Motivationsvideos

Auch ich arbeite mit solchen Videos in der Betreuung meiner Athleten. Dabei versuche ich in der Regel immer Videos aus der eigenen Vergangenheit, also aus eigenen Erfolgen zu nutzen. Der psychologische Hintergrund dafür ist, dass nichts effektiver für ein positives Selbstbild ist, als das „Noch einmal Erleben von emotionalen, wichtigen Ereignissen ist“. Neben dem Effekt des „Lernens am Erfolg“ und dem „Lernen am Modell“ (wobei der Athlet selbst sein eigenes Modell ist) zählt die Gewissheit, dass man es „drauf hat“, denn man sieht es ja gerade. Es zählt hier also die gesamte Bandbreite dessen, was wir zu psychologischen Lerntheorien wissen. Wir finden hier sowohl behavioristische Ansätze wie das Operante Konditionieren als auch sozialkognitive Ansätze, wie z.B. das Lernen am Modell oder sozial-kognitive Aspekte (Lernen am Modell und Lernen durch Einsicht – siehe hierzu auch das Lehrbuch von Kiesel (2011).

Festzuhalten bleibt jedoch, dass sich solche Videos auch nach einigen Malen des Vorzeigens „abnutzen können“. Wenn Athleten diese Videos mehr als nur einmal sehen, dann verlieren sie ihre „inspirierende Kraft“ und dies geschieht insbesondere dann, wenn diese Videos von einem „Anderen“ – also nicht vom Athleten selbst – produziert oder vorbereitet werden. Denn der „Andere“ hat mitunter nur eine sehr eingeschränkte „Innensicht“ des Athleten und weiß nicht immer zielsicher, ob diese Szenen, die der Sportpsychologe mutmaßlich vorbereitet hat, den Athleten auch wirklich emotional erreichen. Genau das ist aus meiner Sicht eine „psychologische Kunst“, die man nur erlernen kann, wenn man sehr tief in ein System integriert wurde (mit all seinen positiven und negativen Aspekten – siehe hierzu auch meinen Blogbeitrag zu den verschiedenen Rollen, die ein Sportpsychologe einnehmen kann). Und weil der Sportpsychologe von RB Leipzig weiß, dass sich solche „Videos“ motivational auch abnutzen können, nutzt er dieses Werkzeug eben nicht ständig oder jeden Tag. Und das erklärt dann auch die Verwirrung der Journalisten von Sky. Aus der Ferne betrachtet würde ich sagen: Gut gemacht, Sportpsychologe!

 

Prof. Dr. Oliver Stoll: Was tun Sportpsychologen eigentlich?

 

Literatur

Kiesel, A. (2011): Lernen. Grundlagen der Lernpsychologie. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

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Dr. Hanspeter Gubelmann: Nur Du!

Was macht ein Sportpsychologe in seinen Ferien? Wahrscheinlich ziemlich genau dasselbe, was viele Urlauber tun, wenn sie im Herbst in den Süden verreisen, um nochmals Wärme zu tanken. So auch ich. Ich nutzte die Zeit, um mich viel zu bewegen, Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen, den Kindern beim vielfältigen Sporttreiben zuzuschauen (und sich an ihren Fortschritten zu freuen!) – eben, die Seele auch mal am Strand baumeln zu lassen! Ein Buch wollte ich dabei noch lesen, nämlich Pirmin Loetschers kürzlich erschienenes „Mit dir allein bist du nie allein“.

Zum Thema: Achtsamkeit im Leistungs- und Spitzensport

Der Klappentext des als Bestseller gepriesenen Buches verspricht auch für Sportpsychologen interessante Lektüre: „Mit der ständigen Erreichbarkeit durch Handys und soziale Netzwerke geht vielen Menschen die Achtsamkeit für das eigene Leben verloren. Erst wenn wir fähig sind, mit uns selber allein zu sein, uns selbst auszuhalten, lernen wir vollumfänglich in unserem Umfeld ein ausgeglichenes Leben zu führen.“ Im Sport kennen wir achtsamkeitbasierte Interventionen oder der Theorie der „mindfulness“ nahestehende Ansätze schon seit längerer Zeit. Wie Kollege Dr. René Paasch in seinen Ausführungen zur Verbreitung dieser Methoden feststellt, galten diese Praktiken lange als spirituell und unwissenschaftlich. „Erst durch die Aufnahme achtsamkeitsbasierter Verfahren der klinischen Psychologie und eine stetige Überprüfung ihrer Wirksamkeit hat sich ihr Ruf gewandelt.

Denn die Ergebnisse von Evaluationsstudien zeigen, dass das achtsamkeitsbasierte Training sowohl in klinischen als auch in nicht-klinischen Populationen zur Reduzierung der Symptome von Stress, Angst und Depression führt.“

Dr. René Paasch: Der Trend zur Achtsamkeit

Die inhaltliche Nähe zur Flow-Theorie wird dabei offensichtlich. Der Ausgangspunkt liegt auch hier im Erleben und Handeln im Hier und Jetzt, dem Innehalten und Verweilen im Augenblick. Die Selbstwahrnehmung im Sinne einer empfindsamen Selbstbeobachtung und Reflexion – wie sie z.B. früher auch schon unter dem Begriff der Introspektion bekannt wurde, spielt dabei die zentrale Rolle. Genau an diesem Punkt setzt Loetscher in seinem Buch an und fordert den Leser auf, sich vermehrt auf ein Allein-Sein einzulassen. Seine These (S.19): Nur wer allein sein kann, kann wirklich sein. Spätestens bei seiner Schlussformel war meine Schmerzgrenze erreicht: Allein sein = all-eins-sein – mit allem eins sein (S.21). Ich legte das Buch zur Seite. Zumindest in diesem Moment fühlte ich mich nicht mehr eins mit mir und dem Autor.

Sind Trainer, Eltern und Sportpsychologen besonders gefordert?

Mein psychischer Schmerz schien überwunden, als ich unverhofft und nach Rückkehr aus meinem Urlaub an der Sonne wieder in Kontakt mit diesem Thema kam. Dieses Mal war es die Homepage eines bekannten Laufsport-Anbieters, der mit dem Slogan „Nur Du & dein Weg“ an die Selbstbezogenheit seiner Laufkurse appellierte. Ist diese „neue“ Rückbesinnung auf das „Ich“ in Verbindung mit einer verstärkt geforderten Selbst-Orientierung im Kontext des Leistungs- und Spitzensport etwas, worauf Trainer, Eltern aber auch Sportpsychologen vermehrt schauen sollten? Interessant dabei: ziemlich genau vor zehn Jahren durfte ich eine breit angelegte, repräsentative Studie zum Thema „Umfeldgestaltung im Leistungssport“ durchführen. Hauptbefund dieser Bedürfnisabklärung im Schweizer Spitzensport war – wenig überraschend – ein genereller „Mangel an Zeit und Geld“. Im Zusammenhang mit der hier diskutierten Thematik (nur Du!) ergaben sich zwei interessante Einsichten. Viele der Befragten beklagten das Fehlen von «Freizeit», insbesondere den fehlenden „Raum für selbstbestimmte Freizeitaktivitäten“. Auf der anderen Seite äusserten ganz viele Sportlerinnen und Sportler – Frauen noch deutlich mehr als Männer! – das hohe Bedürfnis einer verstärkten „medialen Selbstdarstellung“, in Verbindung mit der Notwendigkeit eines Internet-Auftritts, welche sie primär in der Lancierung einer eigenen Homepage zu verwirklichen suchten. Die Annahme liegt nahe, dass heute an Stelle dieses Wunsches – alle SportlerInnen dürften heute über eine eigenen Homepage verfügen – die „Pflege“ und Bewirtschaftung der sozialen Netzwerke (Facebook, Twitter, Instagram usw.) getreten sind. An dieser Stelle ist Pirmin Loetscher beizupflichten, wenn er die Frage in den Raum stellt, ob es uns im Rahmen dieser beinahe grenzenlosen Selbstdarstellung und einer ununterbrochenen Kommunikation in den Netzwerken noch ausreichend gelingen kann, selbstbestimmten Freiraum für sich ganz alleine zu finden.

Nach Loetscher führt der „Weg zu dir“ insbesondere über einen bewussten, sinnvollen und eingeschränkteren Gebrauch der sozialen Medien. Einen guten Überblick zu den Chancen und Risiken der medialen Hypervernetzung unserer Jugendlichen bieten die Arbeiten der Medienpsychologin Sarah Genner. Daran angelehnt sind Loetschers Ansätze und Übungen, um „besser mit dir allein sein zu können”:

  • „Wie gut kann ich allein sein“? Loetschers vorgeschlagener Selbsttest hält zwar wissenschaftlichen Kriterien nicht Stand, verweist aber auf die Notwendigkeit einer Selbstanalyse und Selbstreflexion.
  • Der Weg zu grösserer Autonomie und Selbst-Bezogenheit führt u.a. über das Erkennen negativer Muster (Gewohnheit, in Pausen immer das Handy zu betätigen), einer stärkeren Selbst-Autorisierung (z.B. im „Nein-Sagen“), dem Verstärken positiver Muster („Geniessen-Können“), der Entschleunigung (z.B. selektive Email-Beantwortung) und der Betonung von Gemütlichkeit.
  • Die skizzierten Ansätze, vielfach mit persönlichen Beispielen des Autors noch exemplifiziert, sollen helfen, sich allein besser „aushalten“ zu können. Die anzielten positiven „Nebenwirkungen“ sind: Stärkung des Selbstbewusstseins, Erhöhung der Kreativität und eine Mehrung der Selbsterkenntnis.

Offene Fragen

In der Nachbetrachtung und im Kontext von „Mangel an Zeit und Hypervernetzung“ macht die Lektüre von „Mit dir allein bist du nie allein“ durchaus Sinn. Wer sich nicht an Wikipedia-Zitaten stört und auch spirituelle Vorlieben des Autoren verkraften kann, dem sei die Lektüre sogar empfohlen. Gerne würde ich mich mit Herrn Loetscher an einen Tisch setzen und ihm auch die eine oder andere kritische Frage stellen wollen, wie zum Beispiel: Was passiert mit Menschen, die ein Allein-Sein nicht (mehr) aushalten, darauf mit heftigen Angstgefühlen reagieren und sich existenziell bedroht fühlen?

Quellen:

Gubelmann, H.-P. (2006). Analyse zentraler Aspekte der Umfeldgestaltung im Leistungssport: Eine Bedürfnisabklärung im Schweizer Spitzensport. Unveröf. Schlussbericht z.Hd. der ESK.

Loetscher, P. (2016) Mit dir allein bist du nie allein. Warum du dich selbst am meisten brauchst. Altendorf: Giger Verlag.

http://www.die-sportpsychologen.de/2016/09/21/dr-rene-paasch-der-trend-zur-achtsamkeit/

http://www.markusryffels.ch/de/home

http://www.jugendundmedien.ch/fileadmin/user_upload/Broschüren_Flyer/Broschüre_Tipps_Medienkompetenz/Broschüre_Medienkompetenz_D_2015_5_Auflage.pdf

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1. Netzwerktreffen in Leipzig – 16./17.11. 2016

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Aus der Idee, mit einem hohen Qualitätsanspruch aber mit einer neuen Offenheit über die angewandte Sportpsychologie zu sprechen, ist ein Netzwerk geworden. Ein Netzwerk von deutschen und schweizer Sportpsychologen, die sich zum Auftrag gemacht haben, mit ihren fachlichen Texten Sportler, Trainer, Funktionäre, Unternehmer und Medienvertreter zu erreichen. Der bisherige Erfolg bestätigt die Idee, dass spezialisierte Blogs wie die-sportpsychologen.de/ch Öffentlichkeit schaffen, Wissen transferieren und auch Aufträge bzw. Jobs generieren.

Damit aber nicht genug: Das Netzwerk bekommt im November 2016 ein erstes Netzwerktreffen. Hier sollen die Profilinhaber der Plattformen die-sportpsychologen.de/ch, interessierte Sportpsychologen und ausgewählte Fachbesucher einmal jährlich zusammen kommen, um einen aktiven Erfahrungsaustausch zu betreiben. Zudem sollen auf Basis einer Leitfrage die Weichen für die nächsten Monate im Netzwerk Die Sportpsychologen gestellt werden.

Daten und Fakten zum 1. Netzwerktreffen

noch besser leben, Leipzig
Fr, 16.11. – Sa., 17.11., Netzwerktreffen Die Sportpsychologen


 

Die Location – #nbl,  Noch besser Leben, Leipzig

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Weitere Informationen

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Thorsten Loch: Richtige Worte für die Pause

Es steht außer Frage, dass ist die systematische Trainingsarbeit im Vorfeld auf einen sportlichen Wettkampf eine unverzichtbare Voraussetzung für eine gute Leistung im Pflichtspiel darstellt. Wenn etwas im Training nicht sorgfältig vorbereitet wurde, ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese Inhalte im Wettkampf gelingen eher gering. Doch die beste Vorbereitung nützt ebenso wenig, wenn die Betreuung der Mannschaft oder der Athleten am Wettkampftag selbst nicht optimal läuft. Die Wettkampfvorbereitung und –betreuung gehört demnach zu den zentralen Aufgaben eines Trainers. Er ist mit seinem Verhalten und seinen Entscheidungen im hohen Maße mitverantwortlich, dass die Mannschaft/Sportler ihr Leistungsvermögen abrufen und den sportlichen Gegner besiegen können. Es hat sich in der Praxis gezeigt, dass Trainer vor allem drei wichtige Situationen – neben der täglichen sportspezifischen Trainingsarbeit – besonders beachten sollten: die Teamsitzung vor einem Wettkampf, die Auszeiten oder Halbzeitpausen sowie die Spielnachbesprechung. In der praktischen Arbeit mit Trainern zeigt sich immer wieder, dass dieser wertvollen Ressource leider zu wenig Bedeutung beigemessen wird.

Zum Thema: Handlungstipps für Trainer – Wie lässt sich eine Halbzeitpausenansprache in Mannschaftssportarten optimal gestalten?

In dem Fall einer Spielunterbrechung bietet sich dem Trainer die Möglichkeit, nochmals gewissenhaft auf das Spielgeschehen zu reagieren und auf seine Spieler einzuwirken. Je nach Sportart stehen dem Trainer Auszeiten (z.B. Handball), Spielpausen (z.B. Basketball) und Halbzeitpausen (z.B. Fussball) regulär zur Verfügung. Im Wesentlichen sollen den Spielern – in kurzer Zeit – die Chance zur Erholung und zur Aufnahme handlungs- bzw. verhaltensrelevanter Informationen für den kommenden Spielabschnitt gegeben werden. Erfahrungsgemäß sind sich Trainer dieser zwei wichtigen Forderungen nicht immer bewusst oder lassen sich durch ihre eigenen Emotionen (z.B. Ärger über Spielleistungen oder Schiedsrichter(fehl)entscheidungen) zu uneffektivem Pausen-Verhalten hinreißen.

Die Herausforderung

Die Herausforderung für den Trainer ist nun die gesammelten Informationen aus dem voran gegangenen Spielgeschehen zu analysieren und die Anweisungen und Maßnahmen so einzubringen, dass sie:

  1. von den Spielern verinnerlicht bzw. verstanden werden und
  2. zeitgleich die Erholung (Regeneration) nicht behindert wird.

Lau und Schliermann (2012) empfehlen für ein optimiertes Pausen-Verhalten ein Modell, welches sich auf der Basis der Konzepte der allgemeinen Erholung (Allmer, 1996) bzw. der speziellen Erholungsform (Wettkampf-)Pause (Eberspächer, 2004; siehe dazu auch http://www.die-sportpsychologen.de/2015/09/14/thorsten-loch-knapp-daneben-ist-auch-vorbei/) stützt.

Thorsten Loch: Knapp daneben ist auch vorbei

Nach der Auffassung von Eberspächer (1995) lässt sich die Pause mit einer Art Schleuse vergleichen. „Schleusen sind Räume zwischen zwei Systemen (Abb.1 B1 und B2), die man benutzt, um optimal von System 1 in System 2 überzugehen“ (1995, S. 117). Bezogen auf das angebrachte Beispiel der Halbzeitpause bedeutet dies, die Spieler haben die Beanspruchung der ersten Halbzeit hinter sich gebracht und müssen nun optimal – durch die Schleuse der Pause – an den Beginn des nächsten Spielabschnitts geführt werden.

LösenErholungAktivieren – Prinzip

Bevor der Trainer seine Marschroute für den weiteren Spielabschnitt seiner Mannschaft mitteilt, ist es notwendig, sich zuvor von der erlebten Beanspruchung gedanklich und körperlich zu lösen (LEA). In dieser Distanzierungsphase muss der Ärger oder die Freude raus gelassen und ggf. untereinander kommuniziert werden. Unmittelbar im Anschluss sollte dann auf Ruhe und Entspannung umgeschaltet werden, mit dem Ziel „den Kopf frei bekommen“. Dadurch initiiert man stückweise die Erholung (LEA). In dieser Phase nimmt der Trainer eine sehr sensible Funktion ein, denn die Spielerkenntnisse (Was war gut? Wie ist die Marschroute?) muss erholungsunterstützend eingebracht werden. In der dritten Phase steht dann die gedankliche und körperliche Aktivierung im Vordergrund (LEA). Ziel ist es hier, die Spieler wieder auf der kommenden Anforderung des Wettkampfes einzustimmen. Der Aktivierungsprozess sollte zu einem verbal durch den Trainer („Auf geht`s!), als auch durch körperliche Mobilisation durch die Spieler beschleunigt werden. Tabelle 1 fasst eine mögliche Halbzeitgestaltung schematisch zusammen.

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Fazit

Dem Trainer am Spielfeldrand ist es nur bedingt möglich – während des Wettkampfes – aktiv auf seine Spieler einzugehen und zu erkennen, ob die vermittelten Informationen verstanden worden sind. Demzufolge stellen Pausen jeglicher Art eine enorm wertvolle zeitliche Ressource dar, welche sich Trainer in nur wenigen Ausnahmen bewusst sind. Das vorgestellte LEA-Prinzip liefert den Trainern eine Struktur, an welcher sie sich orientieren können und individuelle Vorgänge (bspw. Rituale in der Aktivierungsphase) hervorragend integrieren lassen.

Literatur:

Allmer, H. (1996). Erholung und Gesundheit. Göttingen: Hogrefe.

Eberspächer, H. (1995). Mentales Training. Ein Handbuch für Trainer und Sportler. München: Copress.

Eberspächer, H. (2004). Mentales Training. Ein Handbuch für Trainer und Sportler. München: Copress.

Lau, A./Schliermann, R. (2012). Mentaltraining im Basketball und Rollstuhlbasketball. Ein Handbuch für Trainer und Spieler. Hamburg: Feldhaus Verlag.

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Dr. René Paasch: Empathiefähigkeit für Trainer

„In der Historie des Spitzensports war und ist der Trainer neben dem Athleten die zentrale Person. Seine Kompetenz und seine Arbeitsbedingungen sind entscheidend für Erfolg oder Misserfolg“ (Brand, Schmidt, Klinger, Ranze & Wieneke, 2000, S. 17). Des Weiteren benennen Trainer (Gould et al., 2002) als auch Athleten (Jowett & Cockerill, 2003), die erfolgreich an olympischen Spielen teilgenommen haben, gegenseitiges Vertrauen, Respekt und gemeinsame Ziele als wichtigste Merkmale einer Trainer-Athlet-Beziehung, die Leistungssteigerung, Erfolg und Zufriedenheit erzielen kann. Sie gehen somit eine einzigartige emotionale und soziale Beziehung ein. Jowett (2003) definiert daher die drei Beziehungsvariablen (3 C´s) emotionale Nähe (Closeness), Komplementarität (Complementarity) und Koorientierung (Co-orientation). Die Beziehung zum Trainer hat somit eine hohe Bedeutung für ihre Leistungsentwicklung und sollten daher um die 3C’s erweitert werden. Sie ist größtenteils bedingt und beeinflusst von den jeweiligen Umständen und den Adressaten, weshalb ein erfolgreicher Austausch im Rahmen persönlicher Konversationen von großer Wichtigkeit ist. Denn Sportler haben ein gutes Gespür für die Fähigkeiten ihres Trainers, die Angemessenheit seiner Handlungen und ob er über einen Sinn für Abläufe, Menschen und Umstände sowie über Einfühlungsvermögen verfügt. Davon ist das erfolgreiche Funktionieren von Interaktionen und letztendlich auch der Beziehung zwischen dem Trainer und seiner Spieler abhängig. Deshalb ist Empathie eine essenzielle Voraussetzung, damit die Handlungen eines Trainers von Erfolg gekrönt sind und zwischen ihm und seines Spielern eine Basis von reziprokem Verständnis, von Geduld und Akzeptanz herrschen kann. Alle Aufgaben eines Trainers (Unterrichten, Diagnostizieren, Beraten, Beurteilen) beruhen in gleichem Ausmaß auf Empathie.

Zum Thema: Wie kann ein Trainer Empathie entwickeln und fördern?

Der Empathiebegriff stammt aus dem Griechischen („empatheia“ = Einfühlung) und bedeutet zunächst grob „Einfühlungsvermögen“. Es steht in Verbindung mit den Gefühlen anderer Menschen sowie mit dem entgegengebrachten Verständnis ihrer Aktionen und ihrer Umstände auf intellektueller Ebene. Bezogen auf das Trainerumfeld stellt Empathie die Fähigkeit dar, das Empfinden und die Absichten der Spieler im Rahmen bestimmter Umstände in Bezug auf Interaktionen und Kommunikation zu erkennen und zu verstehen. Daraus sollten dann Einsichten und Erfahrungen herausgefiltert werden und eine Anpassung des eigenen Auftretens und Handelns erfolgen. Als grundlegende Bedingung für Empathie muss eine offene Atmosphäre und ein Verhältnis reziproken Vertrauens geschaffen werden. Darin sollen beide Parteien ehrlich und ohne Vorbehalte oder Vorurteile auftreten und sich verhalten können. Denn Sportlern muss von Seiten des Trainers ein Gefühl der Zuwendung, des Verstanden werdens auf mentaler und emotionaler Ebene und der Aufmerksamkeit gegenüber ihren Bedürfnissen vermittelt werden. Deshalb muss dieser sich auch in ihre Lage hineinversetzen können, damit ein Erkennen, Erfassen und Verstehen ihrer Absichten, Gefühle und Einstellungen erfolgen kann. Basierend auf diesen Erkenntnissen kann er dann entsprechend in didaktischer, pädagogischer oder kommunikativer Hinsicht reagieren und sein Verhalten anpassen. Deshalb muss das Verständnis des Empathiebegriffs im Kontext sportlicher Arbeit weiter gefasst werden und mehr als die bloßen definitorischen Merkmale umfassen, denn Empathie wird in diesem Rahmen zu einem bedeutsamen Werkzeug des Trainers und spiegelt seine Kompetenz wieder.

Fähigkeit zur Empathie

Die Fähigkeit des Trainers zur Empathie kann nur in Verbindung mit Kompetenz auf sozialer und gefühlsmäßiger Ebene entwickelt werden, sodass ein Trainer am besten über die Fähigkeit zur Selbstreflexion und zum Führen guter Beziehungen sowie eine ausgeglichene Persönlichkeit besitzt. Auch über ein ausreichendes Maß an Verantwortungsbewusstsein sollte er verfügen, um sich hinreichend mit den Emotionen, Absichten und mentalen Prozessen der Spieler auseinandersetzen zu können. Diese Eigenschaften sind von essenzieller Wichtigkeit, denn Empathie wird immer auch beeinflusst durch persönliche Wünsche und Gedankengänge. In letzter Instanz bilden all diese Abläufe und Einflüsse, auch eigener Vorstellungen, die letztendlichen Ergebnisse in Bezug auf das Empathievermögen. Zudem müssen die Spieler sich sicher sein können, dass Trainer die von ihnen offenbarten Gefühle, Gedanken und Sichtweisen nicht ausnutzen und für eine Machtausübung in Bezug auf unzweckmäßige und unangemessene Sachverhalte missbrauchen. Auch ein übertriebenes Maß an Fürsorge sollte aus den gleichen Gründen vermieden werden.

Das Verhaltenstraining soll bilden und in gewisser Weise bzw. in geringem Maße einen Erziehungsauftrag von Sportlern erfüllen, der allerdings nur effektiv ausgeführt wird, wenn die Sportler auch in der Praxis angesprochen und erreicht werden. Aus diesem Grund sollen die individuellen Inhalte, Themen und Anliegen in geeigneter Weise in die Kommunikation und Interaktion eingefügt werden. Prinzipiell sind alle Umstände des Handelns im Sport , d.h. für Beratungs- und Beurteilungssituationen sowie für Anstöße des Lernens gleichermaßen, von dieser Voraussetzung abhängig. Diese komplexen Verflechtungen können sehr gut anhand des Modells der Themenzentrierten Interaktion (TZI) von Ruth Cohn (1983) untersucht und verstanden werden. Das Modell zeigt, dass das ES (Inhalt/Thema), WIR (Trainer und Gruppe) und ICH (die einzelne Person) sowie der GLOBE (gesamter Kontext, Trainingsumfeld) für die Schaffung erfolgreicher und ertragreicher Begegnungen und Auseinandersetzungen mit dem Lernen in eine optimale Balance gebracht werden müssen, auch wenn dies nicht in jeder beliebigen Lage möglich ist. Trainer müssen jedoch ein Gespür dafür haben, in welchen Momenten und zu welchen Anlässen didaktischer oder pädagogischer Art welche Faktoren jeweils zum Einsatz kommen und wie das Training dementsprechend rechtzeitig angepasst werden muss. Unterschiedliche Personen, Umstände, Abläufe und Situationen müssen vom Trainer mit größtmöglicher Empathie und Aufmerksamkeit perzipiert und sein Handeln und seine Reaktion daran angemessen und rechtzeitig angepasst werden. Dies ist allerdings wegen des ständigen zeitlichen und Entscheidungsdrucks und der ohnehin konkreten Ungewissheit des Ausgangs von Handlungssituationen sowie ihrer Schwierigkeit leichter gesagt als getan und kann leicht überwältigend wirken. Aus diesem Grund sollten sich Trainer vor allem auf ihre innere Stimme verlassen, im richtigen Moment intuitiv handeln und sich außerdem seiner eigenen Begrenztheit bewusst werden, um mit solchen Situationen angemessen umgehen zu können.

Empathie als Mittel zur Konfliktprävention

Die Fähigkeit zur Empathie erlaubt eine akkuratere Anpassung der grundlegenden Planungsentscheidungen (Verfahren, Inhalte und Ziele) an die gegebenen Vorbedingungen im Bereich der Planung. Um diese Entscheidungen allerdings auch aus der Perspektive der Sportler zu fällen und vorzubereiten, muss ein planender Trainer sich in sie hineinversetzen und sich z.B. ihr Verhalten bei bestimmten Aufgabenstellungen im Rahmen einer Gruppenarbeit oder ihre Reaktionen auf ein spezielles Thema oder ein besonderes Trainingsangebot vorstellen. Zudem kann die Empathiefähigkeit ein hilfreiches Instrument bei der Vorbeugung oder Entschärfung von Störungen, Konflikten in ihren jeweiligen Stufen oder anderen Belastungssituationen darstellen. Auf diese Weise ist der Trainer in der Lage, potenzielle Konflikte oder Probleme und ihre kausalen Zusammenhänge in gewissem Maße vorherzusehen, indem er empathisch die anwesenden Sportler und ihre Konstellationsstrukturen wahrnimmt und analysiert. Besonders aber ist Empathie nützlich, wenn bestimmte Lernabläufe begleitet werden, in tatsächlichen Handlungssituationen, wenn Gedanken und Erfahrungen ausgetauscht werden oder wenn Sportler untereinander sowie Spieler und Trainer miteinander kommunizieren. Dabei wirkt immer auch eine Vielzahl komplexer Einflussfaktoren ein, darunter z.B. die Dynamik der Gruppe, das Klima, das individuelle Zielverhalten der Sportler, Ziele und Gefühle des Trainers, Äußerungen verbaler und non-verbaler Art sowie Aspekte fachlicher Art. Fehlendes Empathieverhalten kann hier zum Verfehlen von Zielen, zur Blockade im Rahmen von Gesprächen bzw. bei der Kommunikation, zur Fehlinterpretation oder gar zum Missbrauch von Beiträgen der Spieler oder zu unergiebigen und schwammigen Mannschaftsergebnissen führen, denn ziel- und prozessbezogenes Handeln und Entscheiden wird von Seiten des Trainers schwierig oder gar unmöglich.

Empathieverhalten beeinflusst auch das Handeln des Trainers bei anderen Anlässen und Situationen in der Praxis stark bezüglich seiner Effizienz, insbesondere z.B. bei der Begleitung von Lernprozessen. Trainerhilfe ist bei eventuell auftretenden Problemen wie Denkblockaden, Verständnis- oder Lernschwierigkeiten der Spieler oft unerlässlich. Diese Herausforderungen können nur bewältigt werden, indem der Trainer sich in ihre Situation und ihre mentale sowie emotionale Lage versetzt und die Probleme und ihre kausalen Zusammenhänge aus ihrer Perspektive betrachtet. Dies kann durch lautes Denken der Spieler und richtiges Zuhören des Trainers unterstützt werden. Auch im Bereich der Mannschaftsarbeit hilft Empathievermögen bei der Anpassung der Aufgaben sowie der räumlichen, zeitlichen und persönlichen Variablen an die jeweiligen Umstände und Adressaten. Dadurch können auftretende Fragen, z.B. welche Spieler (weiter) zusammenarbeiten, nach der Verteilung eventueller zusätzlicher Aufgaben oder nach der Reihenfolge und dem Ort der Vorstellung der Gruppenergebnisse, vernünftig angegangen werden. Sowohl die Stimmen der Spieler als auch ihre Körpersprache muss der Trainer dabei gründlich observieren und kann dadurch Störungen oder Konflikte bereits im Entstehungsstadium erfassen und abwenden. Ein ständiger Mangel des Empathieverhaltens in einer konkreten Situation kann den Trainer und auch den Lernprozess beeinträchtigen und darüber hinaus auch das Verhältnis zwischen dem Trainer und den Aktiven langfristig stark strapazieren. Der Trainer wird dadurch nämlich nicht mehr von den Spielern angenommen, weshalb er sich wiederum zurückzieht oder gar strenges und herrschaftliches Verhalten an den Tag legt. Dies kann auf lange Sicht zu großen Missverständnissen und reziproken Enttäuschungserlebnissen führen, die sich gegenseitig ständig neu entfachen.

Empathie ist erlernbar

Empathisch zu sein und es zu zeigen, gestaltet sich für einen Trainer schwierig, wenn kein offener, persönlicher und angemessener Umgang mit seinen Spielern von seiner Seite erfolgen kann und auch Emotionen und Empfinden keinerlei reaktiven Einfluss auf ihn haben. Genetische Anlagen sowie Sozialisationsprozesse in der frühen Kindheit bilden zudem durchaus Faktoren, die eine spätere Entwicklung und Herausbildung des Empathievermögens zusätzlich erschweren und beschränken können. In der Literatur gibt es jedoch starke Indizien für die mögliche Erlernbarkeit der Fähigkeit zur Empathie und der Kompetenzen auf der Gefühlsebene, auch im Erwachsenenalter (Bischoff-Wanner, 2002; Steiner, 2006). Diskrepanzen herrschen jedoch bezüglich der Methoden zur Herausbildung dieser Fähigkeiten. Insbesondere besteht ein Zweifel an der Transferwirksamkeit von Rollenspielen (Liekam, 2004). Auch wenn Zuneigung und Offenheit als essenzielle Eigenschaften für den Beruf eines Trainers gelten, liegen diese nicht unbedingt immer vor. Steiner (2006) schlägt vor, dass Trainer, denen diese Eigenschaften trotz ihres Berufs fehlen, an Trainingsprogrammen teilnehmen sollten, die von psychologisch ausgebildeten Experten unterstützt werden.

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Weitere Informationen

Empathieweltmeister Jürgen Klopp

Fazit: Im Rahmen dieses Blogbeitrages kann der Mut dazu ausgebildet werden, sich von alten Mustern zu trennen und scheinbare Sicherheiten aufzugeben, damit das eigene Selbst und die Mitmenschen reflektiert und andere, neue Erfahrungen darüber gesammelt werden können. Eine Herausbildung von Offenheit, Sicherheit und Verlässlichkeit kann im Rahmen des Trainingsalltags nur unter der Bedingung der Bereitschaft des Trainers erfolgen, die Spieler als individuelle Subjekte zu akzeptieren und gegebenenfalls nicht angepasstes Verhalten von Seiten der Spieler nicht als bedrohlich angesehen wird. Nur dann kann die Arbeit in der Mannschaft von Vitalität, Offenheit und Zuneigung zeugen. Dabei bilden unter anderem Feedback von Seiten der Spieler, Metaunterricht und Kommunikation, aber auch die Mitarbeit und Planung des Trainers innerhalb von Klein- und Kleinstgruppen nur einige Maßnahmen, um die Entwicklung von Offenheit und Orientierung des Trainers gegenüber den Spielern zu erreichen. Auch Seitengespräche in Form von Dialogen helfen dabei. Auch im Rahmen des Austausches und der Praxisberatung unter Kollegen oder im Rahmen des Coachings kann eine optimale Ausgestaltung des Nähe-Distanz-Verhältnisses diskutiert und erörtert werden. Es kann festgehalten werden: „Vom Trainer der Zukunft werden mehrere Qualifikationen als Trainingswissenschaftler sowie als Pädagoge, Psychologe und Sozialarbeiter mit Führungsqualitäten verlangt“ (Brand et al., 2000, S. 17). Abschließend möchte ich Ihnen fünf Empfehlungen für das Jugend- und Erwachsenentraining anbieten:

Ø Leistung nicht als Gewinnen und Siegen definieren,
Ø Schaffe eine positive Trainingsatmosphäre durch positive Verstärkung,
Ø Betone positive Gruppenverhaltensweisen und Zusammenhalt, wie gegenseitige Unterstützung und Hilfeleistung sowie Mannschaftszusammenhalt,
Ø Stelle klare Regeln und Verantwortlichkeiten auf,
Ø Überprüfe dein eigenes Verhalten als Trainer durch Video, Beobachter, Rückmeldung durch Athleten und schätze so ein, ob dein Verhalten den angestrebten Prinzipien entspricht.

Literatur
1. Alfermann, D. & Stoll, O. : Sportpsychologie: Ein Lehrbuch in 12 Lektionen, Aachen, Meyer & Meyer Verlag, 2005
2. Bischoff-Wanner, Claudia: Empathie in der Pflege. Bern 2002
3. Brand, H., Schmidt, P., Klinger, U., Ranze, H. & Wieneke, F. (2000). Trainer – Macher oder Mitläufer? Rolle und Stellenwert im neuen Jahrtausend. Leistungssport, 30 (6), 17.
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