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Prof. Dr. Oliver Stoll: Adieu Motivationsvideos?

Was wären wir nur ohne die Journalisten, die für uns mutmaßlich wichtige Informationen zum mentalen Zustand erklären würden? Ich habe mir am Sonntagnachmittag das Fußballspiel von RB Leipzig gegen Mainz 05 (auf Sky) angeschaut und ja, „Asche über mein Haupt“, – ich könnte ja auch hingehen und mir das Spiel im Stadion anschauen, denn ich wohne ja schließlich hier. Aber ich glaube, ich bin zu alt für solche Stadionbesuche in der Herbstkälte des Novembers. Außerdem sieht mal viel besser am Bildschirm und man bekommt die Kommentare der dort aktiven Journalisten mit. Thema dieses Mal war – und dies schien durchgesickert zu sein – dass der Sportpsychologe von RB Leipzig vor dem Spiel immer „Motivationsvideos“ für die Spieler vorbereitet. Schon im Vorfeld des Spiels hatte ich hierzu einige Hinweise gelesen. Gefragt wurde unter anderem, ob dies Videos aus anderen Sportarten oder Spielsituationen aus eigenen Spielen seien? RB-Coach Ralph Hasenhüttl zeigte sich hier relativ bedeckt und oberflächlich in der Beantwortung dieser Frage. „Beides wären Inhalte“. Wir halten fest: Der Sportpsychologe von RB Leipzig nutzt dieses „Tool“. Besonders interessant fand ich nun, dass die beiden Torschützen der Leipziger, Timo Werner und Emil Forsberg im Interview nach dem sehenswerten Sieg von RB Leipzig bestätigen, dass die vor dem Mainz-Spiel gar keine, solche Videos geschaut haben.

Zum Thema: Zur motivationalen Abnutzung und den Gefahren von Motivationsvideos

Auch ich arbeite mit solchen Videos in der Betreuung meiner Athleten. Dabei versuche ich in der Regel immer Videos aus der eigenen Vergangenheit, also aus eigenen Erfolgen zu nutzen. Der psychologische Hintergrund dafür ist, dass nichts effektiver für ein positives Selbstbild ist, als das „Noch einmal Erleben von emotionalen, wichtigen Ereignissen ist“. Neben dem Effekt des „Lernens am Erfolg“ und dem „Lernen am Modell“ (wobei der Athlet selbst sein eigenes Modell ist) zählt die Gewissheit, dass man es „drauf hat“, denn man sieht es ja gerade. Es zählt hier also die gesamte Bandbreite dessen, was wir zu psychologischen Lerntheorien wissen. Wir finden hier sowohl behavioristische Ansätze wie das Operante Konditionieren als auch sozialkognitive Ansätze, wie z.B. das Lernen am Modell oder sozial-kognitive Aspekte (Lernen am Modell und Lernen durch Einsicht – siehe hierzu auch das Lehrbuch von Kiesel (2011).

Festzuhalten bleibt jedoch, dass sich solche Videos auch nach einigen Malen des Vorzeigens „abnutzen können“. Wenn Athleten diese Videos mehr als nur einmal sehen, dann verlieren sie ihre „inspirierende Kraft“ und dies geschieht insbesondere dann, wenn diese Videos von einem „Anderen“ – also nicht vom Athleten selbst – produziert oder vorbereitet werden. Denn der „Andere“ hat mitunter nur eine sehr eingeschränkte „Innensicht“ des Athleten und weiß nicht immer zielsicher, ob diese Szenen, die der Sportpsychologe mutmaßlich vorbereitet hat, den Athleten auch wirklich emotional erreichen. Genau das ist aus meiner Sicht eine „psychologische Kunst“, die man nur erlernen kann, wenn man sehr tief in ein System integriert wurde (mit all seinen positiven und negativen Aspekten – siehe hierzu auch meinen Blogbeitrag zu den verschiedenen Rollen, die ein Sportpsychologe einnehmen kann). Und weil der Sportpsychologe von RB Leipzig weiß, dass sich solche „Videos“ motivational auch abnutzen können, nutzt er dieses Werkzeug eben nicht ständig oder jeden Tag. Und das erklärt dann auch die Verwirrung der Journalisten von Sky. Aus der Ferne betrachtet würde ich sagen: Gut gemacht, Sportpsychologe!

 

Prof. Dr. Oliver Stoll: Was tun Sportpsychologen eigentlich?

 

Literatur

Kiesel, A. (2011): Lernen. Grundlagen der Lernpsychologie. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

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Dr. Hanspeter Gubelmann: Nur Du!

Was macht ein Sportpsychologe in seinen Ferien? Wahrscheinlich ziemlich genau dasselbe, was viele Urlauber tun, wenn sie im Herbst in den Süden verreisen, um nochmals Wärme zu tanken. So auch ich. Ich nutzte die Zeit, um mich viel zu bewegen, Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen, den Kindern beim vielfältigen Sporttreiben zuzuschauen (und sich an ihren Fortschritten zu freuen!) – eben, die Seele auch mal am Strand baumeln zu lassen! Ein Buch wollte ich dabei noch lesen, nämlich Pirmin Loetschers kürzlich erschienenes „Mit dir allein bist du nie allein“.

Zum Thema: Achtsamkeit im Leistungs- und Spitzensport

Der Klappentext des als Bestseller gepriesenen Buches verspricht auch für Sportpsychologen interessante Lektüre: „Mit der ständigen Erreichbarkeit durch Handys und soziale Netzwerke geht vielen Menschen die Achtsamkeit für das eigene Leben verloren. Erst wenn wir fähig sind, mit uns selber allein zu sein, uns selbst auszuhalten, lernen wir vollumfänglich in unserem Umfeld ein ausgeglichenes Leben zu führen.“ Im Sport kennen wir achtsamkeitbasierte Interventionen oder der Theorie der „mindfulness“ nahestehende Ansätze schon seit längerer Zeit. Wie Kollege Dr. René Paasch in seinen Ausführungen zur Verbreitung dieser Methoden feststellt, galten diese Praktiken lange als spirituell und unwissenschaftlich. „Erst durch die Aufnahme achtsamkeitsbasierter Verfahren der klinischen Psychologie und eine stetige Überprüfung ihrer Wirksamkeit hat sich ihr Ruf gewandelt.

Denn die Ergebnisse von Evaluationsstudien zeigen, dass das achtsamkeitsbasierte Training sowohl in klinischen als auch in nicht-klinischen Populationen zur Reduzierung der Symptome von Stress, Angst und Depression führt.“

Dr. René Paasch: Der Trend zur Achtsamkeit

Die inhaltliche Nähe zur Flow-Theorie wird dabei offensichtlich. Der Ausgangspunkt liegt auch hier im Erleben und Handeln im Hier und Jetzt, dem Innehalten und Verweilen im Augenblick. Die Selbstwahrnehmung im Sinne einer empfindsamen Selbstbeobachtung und Reflexion – wie sie z.B. früher auch schon unter dem Begriff der Introspektion bekannt wurde, spielt dabei die zentrale Rolle. Genau an diesem Punkt setzt Loetscher in seinem Buch an und fordert den Leser auf, sich vermehrt auf ein Allein-Sein einzulassen. Seine These (S.19): Nur wer allein sein kann, kann wirklich sein. Spätestens bei seiner Schlussformel war meine Schmerzgrenze erreicht: Allein sein = all-eins-sein – mit allem eins sein (S.21). Ich legte das Buch zur Seite. Zumindest in diesem Moment fühlte ich mich nicht mehr eins mit mir und dem Autor.

Sind Trainer, Eltern und Sportpsychologen besonders gefordert?

Mein psychischer Schmerz schien überwunden, als ich unverhofft und nach Rückkehr aus meinem Urlaub an der Sonne wieder in Kontakt mit diesem Thema kam. Dieses Mal war es die Homepage eines bekannten Laufsport-Anbieters, der mit dem Slogan „Nur Du & dein Weg“ an die Selbstbezogenheit seiner Laufkurse appellierte. Ist diese „neue“ Rückbesinnung auf das „Ich“ in Verbindung mit einer verstärkt geforderten Selbst-Orientierung im Kontext des Leistungs- und Spitzensport etwas, worauf Trainer, Eltern aber auch Sportpsychologen vermehrt schauen sollten? Interessant dabei: ziemlich genau vor zehn Jahren durfte ich eine breit angelegte, repräsentative Studie zum Thema „Umfeldgestaltung im Leistungssport“ durchführen. Hauptbefund dieser Bedürfnisabklärung im Schweizer Spitzensport war – wenig überraschend – ein genereller „Mangel an Zeit und Geld“. Im Zusammenhang mit der hier diskutierten Thematik (nur Du!) ergaben sich zwei interessante Einsichten. Viele der Befragten beklagten das Fehlen von «Freizeit», insbesondere den fehlenden „Raum für selbstbestimmte Freizeitaktivitäten“. Auf der anderen Seite äusserten ganz viele Sportlerinnen und Sportler – Frauen noch deutlich mehr als Männer! – das hohe Bedürfnis einer verstärkten „medialen Selbstdarstellung“, in Verbindung mit der Notwendigkeit eines Internet-Auftritts, welche sie primär in der Lancierung einer eigenen Homepage zu verwirklichen suchten. Die Annahme liegt nahe, dass heute an Stelle dieses Wunsches – alle SportlerInnen dürften heute über eine eigenen Homepage verfügen – die „Pflege“ und Bewirtschaftung der sozialen Netzwerke (Facebook, Twitter, Instagram usw.) getreten sind. An dieser Stelle ist Pirmin Loetscher beizupflichten, wenn er die Frage in den Raum stellt, ob es uns im Rahmen dieser beinahe grenzenlosen Selbstdarstellung und einer ununterbrochenen Kommunikation in den Netzwerken noch ausreichend gelingen kann, selbstbestimmten Freiraum für sich ganz alleine zu finden.

Nach Loetscher führt der „Weg zu dir“ insbesondere über einen bewussten, sinnvollen und eingeschränkteren Gebrauch der sozialen Medien. Einen guten Überblick zu den Chancen und Risiken der medialen Hypervernetzung unserer Jugendlichen bieten die Arbeiten der Medienpsychologin Sarah Genner. Daran angelehnt sind Loetschers Ansätze und Übungen, um „besser mit dir allein sein zu können”:

  • „Wie gut kann ich allein sein“? Loetschers vorgeschlagener Selbsttest hält zwar wissenschaftlichen Kriterien nicht Stand, verweist aber auf die Notwendigkeit einer Selbstanalyse und Selbstreflexion.
  • Der Weg zu grösserer Autonomie und Selbst-Bezogenheit führt u.a. über das Erkennen negativer Muster (Gewohnheit, in Pausen immer das Handy zu betätigen), einer stärkeren Selbst-Autorisierung (z.B. im „Nein-Sagen“), dem Verstärken positiver Muster („Geniessen-Können“), der Entschleunigung (z.B. selektive Email-Beantwortung) und der Betonung von Gemütlichkeit.
  • Die skizzierten Ansätze, vielfach mit persönlichen Beispielen des Autors noch exemplifiziert, sollen helfen, sich allein besser „aushalten“ zu können. Die anzielten positiven „Nebenwirkungen“ sind: Stärkung des Selbstbewusstseins, Erhöhung der Kreativität und eine Mehrung der Selbsterkenntnis.

Offene Fragen

In der Nachbetrachtung und im Kontext von „Mangel an Zeit und Hypervernetzung“ macht die Lektüre von „Mit dir allein bist du nie allein“ durchaus Sinn. Wer sich nicht an Wikipedia-Zitaten stört und auch spirituelle Vorlieben des Autoren verkraften kann, dem sei die Lektüre sogar empfohlen. Gerne würde ich mich mit Herrn Loetscher an einen Tisch setzen und ihm auch die eine oder andere kritische Frage stellen wollen, wie zum Beispiel: Was passiert mit Menschen, die ein Allein-Sein nicht (mehr) aushalten, darauf mit heftigen Angstgefühlen reagieren und sich existenziell bedroht fühlen?

Quellen:

Gubelmann, H.-P. (2006). Analyse zentraler Aspekte der Umfeldgestaltung im Leistungssport: Eine Bedürfnisabklärung im Schweizer Spitzensport. Unveröf. Schlussbericht z.Hd. der ESK.

Loetscher, P. (2016) Mit dir allein bist du nie allein. Warum du dich selbst am meisten brauchst. Altendorf: Giger Verlag.

http://www.die-sportpsychologen.de/2016/09/21/dr-rene-paasch-der-trend-zur-achtsamkeit/

http://www.markusryffels.ch/de/home

http://www.jugendundmedien.ch/fileadmin/user_upload/Broschüren_Flyer/Broschüre_Tipps_Medienkompetenz/Broschüre_Medienkompetenz_D_2015_5_Auflage.pdf

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1. Netzwerktreffen in Leipzig – 16./17.11. 2016

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Aus der Idee, mit einem hohen Qualitätsanspruch aber mit einer neuen Offenheit über die angewandte Sportpsychologie zu sprechen, ist ein Netzwerk geworden. Ein Netzwerk von deutschen und schweizer Sportpsychologen, die sich zum Auftrag gemacht haben, mit ihren fachlichen Texten Sportler, Trainer, Funktionäre, Unternehmer und Medienvertreter zu erreichen. Der bisherige Erfolg bestätigt die Idee, dass spezialisierte Blogs wie die-sportpsychologen.de/ch Öffentlichkeit schaffen, Wissen transferieren und auch Aufträge bzw. Jobs generieren.

Damit aber nicht genug: Das Netzwerk bekommt im November 2016 ein erstes Netzwerktreffen. Hier sollen die Profilinhaber der Plattformen die-sportpsychologen.de/ch, interessierte Sportpsychologen und ausgewählte Fachbesucher einmal jährlich zusammen kommen, um einen aktiven Erfahrungsaustausch zu betreiben. Zudem sollen auf Basis einer Leitfrage die Weichen für die nächsten Monate im Netzwerk Die Sportpsychologen gestellt werden.

Daten und Fakten zum 1. Netzwerktreffen

noch besser leben, Leipzig
Fr, 16.11. – Sa., 17.11., Netzwerktreffen Die Sportpsychologen


 

Die Location – #nbl,  Noch besser Leben, Leipzig

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Weitere Informationen

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Thorsten Loch: Richtige Worte für die Pause

Es steht außer Frage, dass ist die systematische Trainingsarbeit im Vorfeld auf einen sportlichen Wettkampf eine unverzichtbare Voraussetzung für eine gute Leistung im Pflichtspiel darstellt. Wenn etwas im Training nicht sorgfältig vorbereitet wurde, ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese Inhalte im Wettkampf gelingen eher gering. Doch die beste Vorbereitung nützt ebenso wenig, wenn die Betreuung der Mannschaft oder der Athleten am Wettkampftag selbst nicht optimal läuft. Die Wettkampfvorbereitung und –betreuung gehört demnach zu den zentralen Aufgaben eines Trainers. Er ist mit seinem Verhalten und seinen Entscheidungen im hohen Maße mitverantwortlich, dass die Mannschaft/Sportler ihr Leistungsvermögen abrufen und den sportlichen Gegner besiegen können. Es hat sich in der Praxis gezeigt, dass Trainer vor allem drei wichtige Situationen – neben der täglichen sportspezifischen Trainingsarbeit – besonders beachten sollten: die Teamsitzung vor einem Wettkampf, die Auszeiten oder Halbzeitpausen sowie die Spielnachbesprechung. In der praktischen Arbeit mit Trainern zeigt sich immer wieder, dass dieser wertvollen Ressource leider zu wenig Bedeutung beigemessen wird.

Zum Thema: Handlungstipps für Trainer – Wie lässt sich eine Halbzeitpausenansprache in Mannschaftssportarten optimal gestalten?

In dem Fall einer Spielunterbrechung bietet sich dem Trainer die Möglichkeit, nochmals gewissenhaft auf das Spielgeschehen zu reagieren und auf seine Spieler einzuwirken. Je nach Sportart stehen dem Trainer Auszeiten (z.B. Handball), Spielpausen (z.B. Basketball) und Halbzeitpausen (z.B. Fussball) regulär zur Verfügung. Im Wesentlichen sollen den Spielern – in kurzer Zeit – die Chance zur Erholung und zur Aufnahme handlungs- bzw. verhaltensrelevanter Informationen für den kommenden Spielabschnitt gegeben werden. Erfahrungsgemäß sind sich Trainer dieser zwei wichtigen Forderungen nicht immer bewusst oder lassen sich durch ihre eigenen Emotionen (z.B. Ärger über Spielleistungen oder Schiedsrichter(fehl)entscheidungen) zu uneffektivem Pausen-Verhalten hinreißen.

Die Herausforderung

Die Herausforderung für den Trainer ist nun die gesammelten Informationen aus dem voran gegangenen Spielgeschehen zu analysieren und die Anweisungen und Maßnahmen so einzubringen, dass sie:

  1. von den Spielern verinnerlicht bzw. verstanden werden und
  2. zeitgleich die Erholung (Regeneration) nicht behindert wird.

Lau und Schliermann (2012) empfehlen für ein optimiertes Pausen-Verhalten ein Modell, welches sich auf der Basis der Konzepte der allgemeinen Erholung (Allmer, 1996) bzw. der speziellen Erholungsform (Wettkampf-)Pause (Eberspächer, 2004; siehe dazu auch http://www.die-sportpsychologen.de/2015/09/14/thorsten-loch-knapp-daneben-ist-auch-vorbei/) stützt.

Thorsten Loch: Knapp daneben ist auch vorbei

Nach der Auffassung von Eberspächer (1995) lässt sich die Pause mit einer Art Schleuse vergleichen. „Schleusen sind Räume zwischen zwei Systemen (Abb.1 B1 und B2), die man benutzt, um optimal von System 1 in System 2 überzugehen“ (1995, S. 117). Bezogen auf das angebrachte Beispiel der Halbzeitpause bedeutet dies, die Spieler haben die Beanspruchung der ersten Halbzeit hinter sich gebracht und müssen nun optimal – durch die Schleuse der Pause – an den Beginn des nächsten Spielabschnitts geführt werden.

LösenErholungAktivieren – Prinzip

Bevor der Trainer seine Marschroute für den weiteren Spielabschnitt seiner Mannschaft mitteilt, ist es notwendig, sich zuvor von der erlebten Beanspruchung gedanklich und körperlich zu lösen (LEA). In dieser Distanzierungsphase muss der Ärger oder die Freude raus gelassen und ggf. untereinander kommuniziert werden. Unmittelbar im Anschluss sollte dann auf Ruhe und Entspannung umgeschaltet werden, mit dem Ziel „den Kopf frei bekommen“. Dadurch initiiert man stückweise die Erholung (LEA). In dieser Phase nimmt der Trainer eine sehr sensible Funktion ein, denn die Spielerkenntnisse (Was war gut? Wie ist die Marschroute?) muss erholungsunterstützend eingebracht werden. In der dritten Phase steht dann die gedankliche und körperliche Aktivierung im Vordergrund (LEA). Ziel ist es hier, die Spieler wieder auf der kommenden Anforderung des Wettkampfes einzustimmen. Der Aktivierungsprozess sollte zu einem verbal durch den Trainer („Auf geht`s!), als auch durch körperliche Mobilisation durch die Spieler beschleunigt werden. Tabelle 1 fasst eine mögliche Halbzeitgestaltung schematisch zusammen.

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Fazit

Dem Trainer am Spielfeldrand ist es nur bedingt möglich – während des Wettkampfes – aktiv auf seine Spieler einzugehen und zu erkennen, ob die vermittelten Informationen verstanden worden sind. Demzufolge stellen Pausen jeglicher Art eine enorm wertvolle zeitliche Ressource dar, welche sich Trainer in nur wenigen Ausnahmen bewusst sind. Das vorgestellte LEA-Prinzip liefert den Trainern eine Struktur, an welcher sie sich orientieren können und individuelle Vorgänge (bspw. Rituale in der Aktivierungsphase) hervorragend integrieren lassen.

Literatur:

Allmer, H. (1996). Erholung und Gesundheit. Göttingen: Hogrefe.

Eberspächer, H. (1995). Mentales Training. Ein Handbuch für Trainer und Sportler. München: Copress.

Eberspächer, H. (2004). Mentales Training. Ein Handbuch für Trainer und Sportler. München: Copress.

Lau, A./Schliermann, R. (2012). Mentaltraining im Basketball und Rollstuhlbasketball. Ein Handbuch für Trainer und Spieler. Hamburg: Feldhaus Verlag.

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Dr. René Paasch: Empathiefähigkeit für Trainer

„In der Historie des Spitzensports war und ist der Trainer neben dem Athleten die zentrale Person. Seine Kompetenz und seine Arbeitsbedingungen sind entscheidend für Erfolg oder Misserfolg“ (Brand, Schmidt, Klinger, Ranze & Wieneke, 2000, S. 17). Des Weiteren benennen Trainer (Gould et al., 2002) als auch Athleten (Jowett & Cockerill, 2003), die erfolgreich an olympischen Spielen teilgenommen haben, gegenseitiges Vertrauen, Respekt und gemeinsame Ziele als wichtigste Merkmale einer Trainer-Athlet-Beziehung, die Leistungssteigerung, Erfolg und Zufriedenheit erzielen kann. Sie gehen somit eine einzigartige emotionale und soziale Beziehung ein. Jowett (2003) definiert daher die drei Beziehungsvariablen (3 C´s) emotionale Nähe (Closeness), Komplementarität (Complementarity) und Koorientierung (Co-orientation). Die Beziehung zum Trainer hat somit eine hohe Bedeutung für ihre Leistungsentwicklung und sollten daher um die 3C’s erweitert werden. Sie ist größtenteils bedingt und beeinflusst von den jeweiligen Umständen und den Adressaten, weshalb ein erfolgreicher Austausch im Rahmen persönlicher Konversationen von großer Wichtigkeit ist. Denn Sportler haben ein gutes Gespür für die Fähigkeiten ihres Trainers, die Angemessenheit seiner Handlungen und ob er über einen Sinn für Abläufe, Menschen und Umstände sowie über Einfühlungsvermögen verfügt. Davon ist das erfolgreiche Funktionieren von Interaktionen und letztendlich auch der Beziehung zwischen dem Trainer und seiner Spieler abhängig. Deshalb ist Empathie eine essenzielle Voraussetzung, damit die Handlungen eines Trainers von Erfolg gekrönt sind und zwischen ihm und seines Spielern eine Basis von reziprokem Verständnis, von Geduld und Akzeptanz herrschen kann. Alle Aufgaben eines Trainers (Unterrichten, Diagnostizieren, Beraten, Beurteilen) beruhen in gleichem Ausmaß auf Empathie.

Zum Thema: Wie kann ein Trainer Empathie entwickeln und fördern?

Der Empathiebegriff stammt aus dem Griechischen („empatheia“ = Einfühlung) und bedeutet zunächst grob „Einfühlungsvermögen“. Es steht in Verbindung mit den Gefühlen anderer Menschen sowie mit dem entgegengebrachten Verständnis ihrer Aktionen und ihrer Umstände auf intellektueller Ebene. Bezogen auf das Trainerumfeld stellt Empathie die Fähigkeit dar, das Empfinden und die Absichten der Spieler im Rahmen bestimmter Umstände in Bezug auf Interaktionen und Kommunikation zu erkennen und zu verstehen. Daraus sollten dann Einsichten und Erfahrungen herausgefiltert werden und eine Anpassung des eigenen Auftretens und Handelns erfolgen. Als grundlegende Bedingung für Empathie muss eine offene Atmosphäre und ein Verhältnis reziproken Vertrauens geschaffen werden. Darin sollen beide Parteien ehrlich und ohne Vorbehalte oder Vorurteile auftreten und sich verhalten können. Denn Sportlern muss von Seiten des Trainers ein Gefühl der Zuwendung, des Verstanden werdens auf mentaler und emotionaler Ebene und der Aufmerksamkeit gegenüber ihren Bedürfnissen vermittelt werden. Deshalb muss dieser sich auch in ihre Lage hineinversetzen können, damit ein Erkennen, Erfassen und Verstehen ihrer Absichten, Gefühle und Einstellungen erfolgen kann. Basierend auf diesen Erkenntnissen kann er dann entsprechend in didaktischer, pädagogischer oder kommunikativer Hinsicht reagieren und sein Verhalten anpassen. Deshalb muss das Verständnis des Empathiebegriffs im Kontext sportlicher Arbeit weiter gefasst werden und mehr als die bloßen definitorischen Merkmale umfassen, denn Empathie wird in diesem Rahmen zu einem bedeutsamen Werkzeug des Trainers und spiegelt seine Kompetenz wieder.

Fähigkeit zur Empathie

Die Fähigkeit des Trainers zur Empathie kann nur in Verbindung mit Kompetenz auf sozialer und gefühlsmäßiger Ebene entwickelt werden, sodass ein Trainer am besten über die Fähigkeit zur Selbstreflexion und zum Führen guter Beziehungen sowie eine ausgeglichene Persönlichkeit besitzt. Auch über ein ausreichendes Maß an Verantwortungsbewusstsein sollte er verfügen, um sich hinreichend mit den Emotionen, Absichten und mentalen Prozessen der Spieler auseinandersetzen zu können. Diese Eigenschaften sind von essenzieller Wichtigkeit, denn Empathie wird immer auch beeinflusst durch persönliche Wünsche und Gedankengänge. In letzter Instanz bilden all diese Abläufe und Einflüsse, auch eigener Vorstellungen, die letztendlichen Ergebnisse in Bezug auf das Empathievermögen. Zudem müssen die Spieler sich sicher sein können, dass Trainer die von ihnen offenbarten Gefühle, Gedanken und Sichtweisen nicht ausnutzen und für eine Machtausübung in Bezug auf unzweckmäßige und unangemessene Sachverhalte missbrauchen. Auch ein übertriebenes Maß an Fürsorge sollte aus den gleichen Gründen vermieden werden.

Das Verhaltenstraining soll bilden und in gewisser Weise bzw. in geringem Maße einen Erziehungsauftrag von Sportlern erfüllen, der allerdings nur effektiv ausgeführt wird, wenn die Sportler auch in der Praxis angesprochen und erreicht werden. Aus diesem Grund sollen die individuellen Inhalte, Themen und Anliegen in geeigneter Weise in die Kommunikation und Interaktion eingefügt werden. Prinzipiell sind alle Umstände des Handelns im Sport , d.h. für Beratungs- und Beurteilungssituationen sowie für Anstöße des Lernens gleichermaßen, von dieser Voraussetzung abhängig. Diese komplexen Verflechtungen können sehr gut anhand des Modells der Themenzentrierten Interaktion (TZI) von Ruth Cohn (1983) untersucht und verstanden werden. Das Modell zeigt, dass das ES (Inhalt/Thema), WIR (Trainer und Gruppe) und ICH (die einzelne Person) sowie der GLOBE (gesamter Kontext, Trainingsumfeld) für die Schaffung erfolgreicher und ertragreicher Begegnungen und Auseinandersetzungen mit dem Lernen in eine optimale Balance gebracht werden müssen, auch wenn dies nicht in jeder beliebigen Lage möglich ist. Trainer müssen jedoch ein Gespür dafür haben, in welchen Momenten und zu welchen Anlässen didaktischer oder pädagogischer Art welche Faktoren jeweils zum Einsatz kommen und wie das Training dementsprechend rechtzeitig angepasst werden muss. Unterschiedliche Personen, Umstände, Abläufe und Situationen müssen vom Trainer mit größtmöglicher Empathie und Aufmerksamkeit perzipiert und sein Handeln und seine Reaktion daran angemessen und rechtzeitig angepasst werden. Dies ist allerdings wegen des ständigen zeitlichen und Entscheidungsdrucks und der ohnehin konkreten Ungewissheit des Ausgangs von Handlungssituationen sowie ihrer Schwierigkeit leichter gesagt als getan und kann leicht überwältigend wirken. Aus diesem Grund sollten sich Trainer vor allem auf ihre innere Stimme verlassen, im richtigen Moment intuitiv handeln und sich außerdem seiner eigenen Begrenztheit bewusst werden, um mit solchen Situationen angemessen umgehen zu können.

Empathie als Mittel zur Konfliktprävention

Die Fähigkeit zur Empathie erlaubt eine akkuratere Anpassung der grundlegenden Planungsentscheidungen (Verfahren, Inhalte und Ziele) an die gegebenen Vorbedingungen im Bereich der Planung. Um diese Entscheidungen allerdings auch aus der Perspektive der Sportler zu fällen und vorzubereiten, muss ein planender Trainer sich in sie hineinversetzen und sich z.B. ihr Verhalten bei bestimmten Aufgabenstellungen im Rahmen einer Gruppenarbeit oder ihre Reaktionen auf ein spezielles Thema oder ein besonderes Trainingsangebot vorstellen. Zudem kann die Empathiefähigkeit ein hilfreiches Instrument bei der Vorbeugung oder Entschärfung von Störungen, Konflikten in ihren jeweiligen Stufen oder anderen Belastungssituationen darstellen. Auf diese Weise ist der Trainer in der Lage, potenzielle Konflikte oder Probleme und ihre kausalen Zusammenhänge in gewissem Maße vorherzusehen, indem er empathisch die anwesenden Sportler und ihre Konstellationsstrukturen wahrnimmt und analysiert. Besonders aber ist Empathie nützlich, wenn bestimmte Lernabläufe begleitet werden, in tatsächlichen Handlungssituationen, wenn Gedanken und Erfahrungen ausgetauscht werden oder wenn Sportler untereinander sowie Spieler und Trainer miteinander kommunizieren. Dabei wirkt immer auch eine Vielzahl komplexer Einflussfaktoren ein, darunter z.B. die Dynamik der Gruppe, das Klima, das individuelle Zielverhalten der Sportler, Ziele und Gefühle des Trainers, Äußerungen verbaler und non-verbaler Art sowie Aspekte fachlicher Art. Fehlendes Empathieverhalten kann hier zum Verfehlen von Zielen, zur Blockade im Rahmen von Gesprächen bzw. bei der Kommunikation, zur Fehlinterpretation oder gar zum Missbrauch von Beiträgen der Spieler oder zu unergiebigen und schwammigen Mannschaftsergebnissen führen, denn ziel- und prozessbezogenes Handeln und Entscheiden wird von Seiten des Trainers schwierig oder gar unmöglich.

Empathieverhalten beeinflusst auch das Handeln des Trainers bei anderen Anlässen und Situationen in der Praxis stark bezüglich seiner Effizienz, insbesondere z.B. bei der Begleitung von Lernprozessen. Trainerhilfe ist bei eventuell auftretenden Problemen wie Denkblockaden, Verständnis- oder Lernschwierigkeiten der Spieler oft unerlässlich. Diese Herausforderungen können nur bewältigt werden, indem der Trainer sich in ihre Situation und ihre mentale sowie emotionale Lage versetzt und die Probleme und ihre kausalen Zusammenhänge aus ihrer Perspektive betrachtet. Dies kann durch lautes Denken der Spieler und richtiges Zuhören des Trainers unterstützt werden. Auch im Bereich der Mannschaftsarbeit hilft Empathievermögen bei der Anpassung der Aufgaben sowie der räumlichen, zeitlichen und persönlichen Variablen an die jeweiligen Umstände und Adressaten. Dadurch können auftretende Fragen, z.B. welche Spieler (weiter) zusammenarbeiten, nach der Verteilung eventueller zusätzlicher Aufgaben oder nach der Reihenfolge und dem Ort der Vorstellung der Gruppenergebnisse, vernünftig angegangen werden. Sowohl die Stimmen der Spieler als auch ihre Körpersprache muss der Trainer dabei gründlich observieren und kann dadurch Störungen oder Konflikte bereits im Entstehungsstadium erfassen und abwenden. Ein ständiger Mangel des Empathieverhaltens in einer konkreten Situation kann den Trainer und auch den Lernprozess beeinträchtigen und darüber hinaus auch das Verhältnis zwischen dem Trainer und den Aktiven langfristig stark strapazieren. Der Trainer wird dadurch nämlich nicht mehr von den Spielern angenommen, weshalb er sich wiederum zurückzieht oder gar strenges und herrschaftliches Verhalten an den Tag legt. Dies kann auf lange Sicht zu großen Missverständnissen und reziproken Enttäuschungserlebnissen führen, die sich gegenseitig ständig neu entfachen.

Empathie ist erlernbar

Empathisch zu sein und es zu zeigen, gestaltet sich für einen Trainer schwierig, wenn kein offener, persönlicher und angemessener Umgang mit seinen Spielern von seiner Seite erfolgen kann und auch Emotionen und Empfinden keinerlei reaktiven Einfluss auf ihn haben. Genetische Anlagen sowie Sozialisationsprozesse in der frühen Kindheit bilden zudem durchaus Faktoren, die eine spätere Entwicklung und Herausbildung des Empathievermögens zusätzlich erschweren und beschränken können. In der Literatur gibt es jedoch starke Indizien für die mögliche Erlernbarkeit der Fähigkeit zur Empathie und der Kompetenzen auf der Gefühlsebene, auch im Erwachsenenalter (Bischoff-Wanner, 2002; Steiner, 2006). Diskrepanzen herrschen jedoch bezüglich der Methoden zur Herausbildung dieser Fähigkeiten. Insbesondere besteht ein Zweifel an der Transferwirksamkeit von Rollenspielen (Liekam, 2004). Auch wenn Zuneigung und Offenheit als essenzielle Eigenschaften für den Beruf eines Trainers gelten, liegen diese nicht unbedingt immer vor. Steiner (2006) schlägt vor, dass Trainer, denen diese Eigenschaften trotz ihres Berufs fehlen, an Trainingsprogrammen teilnehmen sollten, die von psychologisch ausgebildeten Experten unterstützt werden.

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Weitere Informationen

Empathieweltmeister Jürgen Klopp

Fazit: Im Rahmen dieses Blogbeitrages kann der Mut dazu ausgebildet werden, sich von alten Mustern zu trennen und scheinbare Sicherheiten aufzugeben, damit das eigene Selbst und die Mitmenschen reflektiert und andere, neue Erfahrungen darüber gesammelt werden können. Eine Herausbildung von Offenheit, Sicherheit und Verlässlichkeit kann im Rahmen des Trainingsalltags nur unter der Bedingung der Bereitschaft des Trainers erfolgen, die Spieler als individuelle Subjekte zu akzeptieren und gegebenenfalls nicht angepasstes Verhalten von Seiten der Spieler nicht als bedrohlich angesehen wird. Nur dann kann die Arbeit in der Mannschaft von Vitalität, Offenheit und Zuneigung zeugen. Dabei bilden unter anderem Feedback von Seiten der Spieler, Metaunterricht und Kommunikation, aber auch die Mitarbeit und Planung des Trainers innerhalb von Klein- und Kleinstgruppen nur einige Maßnahmen, um die Entwicklung von Offenheit und Orientierung des Trainers gegenüber den Spielern zu erreichen. Auch Seitengespräche in Form von Dialogen helfen dabei. Auch im Rahmen des Austausches und der Praxisberatung unter Kollegen oder im Rahmen des Coachings kann eine optimale Ausgestaltung des Nähe-Distanz-Verhältnisses diskutiert und erörtert werden. Es kann festgehalten werden: „Vom Trainer der Zukunft werden mehrere Qualifikationen als Trainingswissenschaftler sowie als Pädagoge, Psychologe und Sozialarbeiter mit Führungsqualitäten verlangt“ (Brand et al., 2000, S. 17). Abschließend möchte ich Ihnen fünf Empfehlungen für das Jugend- und Erwachsenentraining anbieten:

Ø Leistung nicht als Gewinnen und Siegen definieren,
Ø Schaffe eine positive Trainingsatmosphäre durch positive Verstärkung,
Ø Betone positive Gruppenverhaltensweisen und Zusammenhalt, wie gegenseitige Unterstützung und Hilfeleistung sowie Mannschaftszusammenhalt,
Ø Stelle klare Regeln und Verantwortlichkeiten auf,
Ø Überprüfe dein eigenes Verhalten als Trainer durch Video, Beobachter, Rückmeldung durch Athleten und schätze so ein, ob dein Verhalten den angestrebten Prinzipien entspricht.

Literatur
1. Alfermann, D. & Stoll, O. : Sportpsychologie: Ein Lehrbuch in 12 Lektionen, Aachen, Meyer & Meyer Verlag, 2005
2. Bischoff-Wanner, Claudia: Empathie in der Pflege. Bern 2002
3. Brand, H., Schmidt, P., Klinger, U., Ranze, H. & Wieneke, F. (2000). Trainer – Macher oder Mitläufer? Rolle und Stellenwert im neuen Jahrtausend. Leistungssport, 30 (6), 17.
4. Gould, D., Guinan, D., Greenleaf, C. & Chung, Y. (2002). A survey of U.S. olympic coaches: Variables perceived to have influenced athlete performances and coach effectiveness. The Sport Psychologist, 16, 229-250.
5. Jowett, S. (2006). Interpersonal and structural features of greek coach-athlete dyads performing in individual sports. Journal of Applied Sport Psychology, 18, 69-81.
6. Jowett, S. & Cockerill, I. M. (2003). Olympic medallists’ perspective of the athlete-coach relationship. Psychology of Sport and Exercise, 4, 313-331.
7. Jowett, S. & Poczwardowski, A. (2007). Understanding the coach-athlete relationship. In S. Jowett & D. Lavallee (Eds.), Social psychology in sport (pp. 3-14). Champaign, IL: Human Kinetics.
8. Liekam, Stefan: Empathie als Fundament pädagogischer Professionalität. Dissertation, Ludwig-Maximilians-Universität, München 2004.
9. Steiner, Claude: Emotionale Kompetenz. München 2006

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Dr. Konrad Smolinski: Sportpsychologie im Triathlon

konrad-ksFür die-sportpsychologen.de berichtet:

Konrad Smolinski

Als Dipl. Sportwissenschaftler, mit Promotion in der Sportpsychologie, betreue ich seit mehr als einem Jahrzehnt Athleten jeder Leistungsklasse. Meine Stärke ist mein interdisziplinärer Zugang und die langjährige Erfahrung sowohl im Fitness- und Gesundheitsport als auch im Leistungssport. Zu den Schwerpunkten meiner Betreuung zählen neben einer maßgeschneiderten Trainingsplanung, individuelle Personaltrainings und sportartspezifische Beratung. Zu meinen Kunden zählen u.a. Triathleten, Läufer, Radsportler und Motocrossfahrer.

Zum Thema: IRONMAN Hawaii – seit 1978 Mythos, Faszination und Leidenschaft

„2.6 miles swim – 112 miles on the bike and a marathon, whoever will reach the finishline first, we’ll call him the Ironman!“

Der Überlieferung nach soll der Marineoffizier John Collins diesen Leitgedanken an seine Sportfreunde gerichtet haben, nachdem sie gemeinsam beschlossen hatten, die drei bekanntesten Ausdauerwettkämpfe der pazifischen Inselgruppe in einem Rennen zu vereinen. Hierfür kombinierten sie die Originalstrecken des „Waikiki Rough Water Swim“, des „Around Oahu Bike Race“ sowie des „Honolulu Marathon“. Was damals 1978 auf der hawaiianischen Insel Oʻahu als eine Art „Stammtischwette“ bzw. „Imagegehabe“ zwischen Männern begann, hat eine Sportart hervorgerufen, welche in ihrer Komplexität und Faszination einzigartig ist.

Die Erstaustragung des Ironman Hawaii im Jahr 1978, mit überschaubaren 15 männlichen Teilnehmern, löste den Startschuss für eine neue Sportart, ja ich behaupte sogar, für eine neue Lebensphilosophie aus. Seit 1982 wird der Ironman Hawaii alljährlich am zweiten Samstag im Oktober, unter der eingetragenen Marke „Ironman World Championship“ auf Big Island ausgetragen. Nicht nur die Profiathleten, sondern vor allem die „Agegrouper“, die neben Familie, Beruf und weiteren Verpflichtungen, die Strapazen des ältesten und bestbesetzten Langdistanztriathlons der Welt meistern, machen den Reiz dieser Veranstaltung aus. Für das Bewältigen der Wettkampfstrecke benötigen die weltbesten Profis um die acht Stunden, während die Altersklassen-Athleten bis zu 17 Stunden Zeit haben, um die Ziellinie auf dem legendären „Alii Drive“ zu überqueren. Viel hat sich seit den Erstaustragungen nicht verändert. Noch immer gilt es, am Wettkampftag der Distanz von 226km mit der höchstmöglichen physischen und mentalen Fitness entgegenzutreten um die brutalen klimatischen Bedingungen der hawaiianischen Insel bewältigen zu können.

„Das Beste ist die Energie dieses Rennens. Die Energie der Leute, die in diesem Rennen unterwegs sind, ist einfach unwirklich. Aber auch die Energie dieser Insel spürst du, sie lebt unter deinen Laufrädern und unter deinen Laufschuhen. Du kannst das während des gesamten Rennens spüren.“ (Boch, 2011, S. 269).

Der Wettkampf ist gekennzeichnet durch eine über weite Strecken vorherrschende Einsamkeit sowie extreme klimatische Bedingungen. Es sind die Wellen des Pazifiks, die „Mumuku-Winde“ – die unvorhersehbaren böigen Seitenwinde die mit Geschwindigkeiten von bis zu 80 km/h über die Insel fegen – sowie die extremen Temperaturen in der Lavawüste, die diese Sportveranstaltung so einzigartig machen.

Einer der aus eigenen Erfahrungen weiß, wovon ich hier schreibe, ist übrigens Prof. Dr. Oliver Stoll, der den Ironman Hawaii bereits als Teilnehmer erfolgreich bewältigen konnte und dieses Erlebnis, neben der Teilnahme am 100km-Lauf von Biel, als seinen bisher größten sportlichen Erfolg wertet.

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Weitere Informationen

Andererseits sind es die legendären Sportduelle wie die von Mark Allen gegen Dave Scott oder auch Chris McCormack gegen Andreas Raelert, sowie das „Krabbelduell“ Wendy Ingraham gegen Sian Welch, die den Ironman Hawaii zum „Mekka“ des Ausdauersports haben werden lassen.

Sportpsychologische Forschung

„In der Leistungsspitze entscheidet 80 % der Kopf, glaubt Andreas Raelert. Als er nach eigenen Angaben 2010 etwa 6-7 Kilometer vor dem Ziel auf den führenden Chris McCormack auflief, glaubte er, das Rennen gewonnen zu haben, zumal er aus Erfahrung davon ausging, dass er der bessere Sprinter sei. Als sich dann allerdings Chris McCormack doch wieder von ihm entfernte, begannen die Zweifel und der bis dahin so feste Glaube an den Sieg bröckelte dahin“ (Pöttgen, 2013, S. 97).

Es sind Athletenaussagen wie diese, die bereits frühzeitig das Interesse der Forscher aus Sportpsychologie bzw. Sportwissenschaft für den Triathlonsport und den Ironman weckten. Studien zu kritischen Situationen und dem Bewältigungsverhalten von Kurzdistanztriathleten wurden u.a. von Schlicht, Meyer und Janssen (1990a,b) und Ziemainz (1997, 1999) durchgeführt. Mit der Spezifik der Langdistanz (Ironman) befassten sich u.a. Blaue (2012), Smolinski (2007, 2015) und Schücker, Heil, Brand und Hagemann (2014). Theoretische Grundlage für die meisten der hier aufgeführten Studien bildete im Wesentlichen das kognitiv-transaktionale Stressmodell von Lazarus und Launier (1981), welches den Stressprozess als Interaktion zwischen Mensch und Umwelt darlegt. Bedeutend ist hierbei die subjektive Bewertung einer Person, ob die jeweilige Mensch-Umwelt-Beziehung als herausfordernd, bedrohlich oder schädigend eingeschätzt wird. Hieraus ergeben sich verschiedene Bewältigungsformen, welche im Allgemeinen einen problemorientierten oder emotionszentrierten Charakter aufweisen (Lazarus & Folkman, 1984).

Motivationale und emotionale Aspekte im Langdistanztriathlon

In einer eigens durchgeführten Studie (Smolinski, 2007) wurden in der Wettkampfwoche des Ironman Hawaii 2005 weibliche und männliche Langdistanztriathleten hinsichtlich ihrer Teilnahmemotivation befragt. Aus den Ergebnissen der Fragebogenerhebung gingen das Erleben von Spaß und Freude, das ganzheitliche Training und der Erhalt von Fitness und Gesundheit als bedeutende Ausübungsmotive für den Triathlonsport hervor. Für eine Teilnahme am Ironman Hawaii sprechen laut der Befragungspersonen insbesondere der Weltmeisterschaftsstatus und die einzigartige Atmosphäre dieser Veranstaltung.

Blaue (2012) untersuchte ausgewählte emotionale Aspekte anhand einer Fragebogenerhebung mit 62 männlichen und 14 weiblichen Langdistanztriathleten. Die Ergebnisse konnten zeigen, dass das Freudeerleben in der Endphase des Wettkampfs, speziell beim Zieleinlauf, die höchste Ausprägung erfuhr. Auch konnte festgestellt werden, dass die Freude jeweils zum Ende einer Einzeldisziplin stark anstieg. Hingegen löste ein Raddefekt, das Gefühl nicht optimal vorbereitet zu sein und krampfende Muskulatur beim Schwimmen ein höheres Unsicherheitsempfinden aus. Die höchste Ausprägung von Unsicherheit zeigte sich kurz vor dem Schwimmstart. Die Studienergebnisse zeigen auch, dass das Unsicherheitserleben mit dem weiteren Verlauf des Wettkampfs immer weiter sinkt, bevor es zu Beginn des Marathonlaufs nochmals ansteigt und mit Übertreten der Ziellinie völlig verloren geht. Grundsätzlich zeigten die Langdistanztriathleten ein vergleichsweise geringes Unsicherheitserleben während des Wettkampfs.

Aufmerksamkeitslenkung

In einer weiteren Studie untersuchten Schücker, Heil, Brand und Hagemann (2014) die Aufmerksamkeitslenkung von Langdistanztriathleten. Hierfür wurden 72 männlichen und 19 weiblichen Triathleten, welche alle an den Ironman-Weltmeisterschaften 2009 teilnahmen, mittels eines speziell hierfür entwickelten Fragebogens zum Aufmerksamkeitsfokus während des Schwimmens, Radfahrens und Laufens befragt. Der Fragebogen umfasste 10 Items, 5 Items zum externalen Fokus (Gegner, abschweifen mit den Gedanken, Taktik, nachfolgende Disziplin, Umwelt) und 5 Items zur internalen Aufmerksamkeitsausrichtung (richtige Technik, Schmerzen im Zusammenhang mit Ermüdung, spezielle Körperempfindungen wie Atmung und Herzfrequenz, persönliche Gefühle und Emotionen, Geschwindigkeit). Aus den Ergebnissen ging hervor, dass sich die Hawaii-Starter in den meisten Fällen nicht konsequent auf eine Art der Aufmerksamkeitsausrichtung festlegten, sondern vielmehr einen häufigen, flexiblen und phasenbezogenen Wechsel zwischen interner (z.B. Körperempfinden, Technik oder Tempo) und externer (z.B. Gedanken schweifen lassen, die Gegner oder die Umgebung beobachten) Aufmerksamkeitsausrichtung praktizierten. Der Vergleich zwischen Athleten mit niedrigerem und höherem Leistungsniveau konnte zeigen, dass die leistungsschwächeren „Langdistanzler“ während der 180 km Radfahren häufiger einfach ihre Gedanken schweifen ließen und sich weniger auf die zuvor geplante Renneinteilung konzentrierten als die leistungsstärkeren Triathleten. Die leistungsschwächeren Athleten visualisierten häufiger, wie sie die Ziellinie überquerten. Zusammenfassend konnte diese Studie zeigen, dass Langdistanztriathleten höchst unterschiedliche und sehr spezielle Aufmerksamkeitsstrategien nutzten, welche sich erheblich durch das Leistungsniveau unterschieden.

Analyse der psychischen Belastungsbewertung und Belastungsbewältigung von weiblichen und männlichen Langdistanztriathleten

Im Rahmen einer eigenen Untersuchung (Smolinski, 2015) wurden zwei Teilstudien zur Analyse der Belastungsbewertung und Belastungsbewältigung von Langdistanztriathleten durchgeführt. In der Teilstudie 1 wurden 101 Sportler (23 weiblich, 78 männlich) mittels eines neu konzipierten und an die methodisch-inhaltsanalytischen Besonderheiten der Sportart angepassten Fragebogens analysiert. Für die Teilstudie 2 wurden leitfadengestützte Interviews mit 14 Langdistanztriathleten (5 weiblich, 9 männlich) durchgeführt. Nachfolgend sollen einige ausgewählte Ergebnisse dieser umfangreichen Untersuchung zusammengefasst dargestellt werden.

Belastungsbewertung

Die Ergebnisse aus der Fragebogenanalyse konnten zeigen, dass die Phase 35 bis 40 km während des abschließenden Marathonlaufs von den weiblichen und männlichen Langdistanztriathleten am belastendsten wahrgenommen wurde. Des Weiteren gingen die ersten 500 m der Schwimmstrecke sowie der Laufabschnitt von 30 bis 35 km mit einer vergleichsweise hohen Belastungsbewertung hervor. Weniger belastend wurden hingegen die Phasen 30 Minuten bis 2 Stunden nach dem Ironman, 2 bis 4 Wochen nach dem Wettkampf sowie 4 bis 6 Wochen nach einem Ironman empfunden.

Eine plötzlich auftretende Verletzung während des Trainings stellte die Situation mit der insgesamt höchsten Belastungsbewertung dar. Ähnlich belastend empfanden die Athleten eine schwere Verletzung nach dem Beenden einer Langdistanz, einen Sturz während des Radfahrens und eine unfreiwillige krankheitsbedingte Trainingspause. Auch wurden die Situationen eines Reifendefekts während des Radabschnitts und das vom Gegner „Überschwommen“ werden während des Schwimmteils als sehr kritisch angesehen.

Aus den inhaltsanalytisch ausgewerteten Aussagen der Interviews ging hervor, dass die Vorbereitung auf einen Langdistanztriathlon (Ironman), mit dem meist sehr umfangreichen Training und der daraus oft resultierenden Vernachlässigung der Familie und des sozialen Umfelds (aufgrund von Zeitmangel und fehlender Energie) belastend sei. Einige Athleten zeigten Unsicherheiten hinsichtlich ihres Trainingsumfangs und des eigenen Leistungsstands. Ebenfalls waren Stimmungsschwankungen und Motivationsprobleme während der Trainingsphase ein Thema.

Für den Wettkampf selbst zeigte sich während des Schwimmens vor allem der Start und die ersten 500m als große Herausforderung. Situationen die während des Schwimmens für hohes Belastungsempfinden bei den befragten Langdistanztriathleten sorgten waren: vom Gegner „überschwommen“ werden, Fußtritte und Schläge während der Startphase und das in einer Gruppe eingeklemmt sein. Einige Athleten verwiesen auf Probleme mit der Schwimmbrille, wie beispielsweise Beschlagen oder das Eindringen von Wasser.

Aus der Sicht der befragten Langdistanztriathleten wurden im Hinblick auf die Belastungsbewertung während des Radfahrens die Situationen von schnelleren Konkurrenten überholt zu werden, aufkommende Monotonie, gestörter Rhythmus während des Fahrens, steile Abfahrten, Materialdefekte, das Beobachten von unerlaubtem Windschattenfahren bei anderen Startern sowie der Erhalt von Zeitstrafen als bedeutend belastend eingeschätzt.

Im Mittelpunkt der Aussagen zu der Belastungsbewertung während des Laufens standen physiologische Probleme wie muskuläre Ermüdung und Muskelkrämpfe. Zusätzlich zeigten sich bei den befragten Langdistanztriathleten mit zunehmender Wettkampfdauer verstärkt motivationale Probleme. Einige Athleten wiesen auf Magen-Darm-Beschwerden während des abschließenden Marathonlaufs hin. Ferner wurde es von einem der befragten Triathleten als ziemlich belastend empfunden, wenn der persönliche Laufrhythmus nicht gefunden werden konnte.

Die Mehrheit der befragten Langdistanztriathleten beurteilte die Belastungssituationen nach dem Wettkampf als eher unproblematisch. Hierbei zeigten sich überwiegend positive Bewertungen mit dem Erleben von Freude und Euphorie. Zusätzlich wurden eine Reduzierung von Unsicherheit und die Erleichterung von psychophysischen Belastungsfaktoren festgestellt. Hingegen gaben zwei weibliche Befragungspersonen Schmerzen als hauptsächliche Belastung nach dem Wettkampf an. Des Weiteren ergaben sich für die befragten Sportler erhöhte Belastungsbedingungen durch Übelkeit und Magenprobleme, Motivationsverlust, Schlafstörungen sowie allgemeine physische und psychische Ermüdungserscheinungen.

Belastungsbewältigung

Laut der Interviewaussagen stellt die individuelle Erstellung eines Trainingsplans, mit Abstimmung auf die beruflichen und familiären Verpflichtungen, eine bedeutende Maßnahme zur Belastungsbewältigung während der Vorbereitung auf eine Langdistanz dar. Die Mehrzahl der befragten weiblichen und männlichen Langdistanztriathleten nutzen hierfür die Betreuung durch Experten wie Trainer oder Sportwissenschaftler.

Als wesentliche Bewältigungsstrategien während der Anreise und Vorbereitung zeigten sich die Konzentration auf eine optimale Vorbereitung des Materials, das Verfolgen der Wettervorhersagen und das Bemühen um ausreichend Erholung und Schlaf. Sich auf das Körpergefühl und eine optimale Ernährung zu konzentrieren wurde von den befragten Triathletinnen und Triathleten ebenfalls mit hoher Zustimmung bewertet.

Die Ergebnisse der Fragebogenanalyse zeigten auch, dass die Konzentration auf das Körpergefühl, auf einen langen und effektiven Kraulzug und die optimale Geschwindigkeit während des Schwimmens von großer Bedeutung für die Athletinnen und Athleten ist. Aus den Interviews ging das Bewahren von Ruhe, die Vermeidung von Behinderungen und das Ausnutzen des Schwimmschattens als wesentliche Maßnahmen zur Bewältigung der 3.8 km langen Schwimmstrecke hervor.

Während des Radfahrens achteten die Probanden verstärkt auf ihre Nahrungsaufnahme und eine ausreichende Flüssigkeitsversorgung. Ebenfalls als wichtig erachtet wurden, das Einhalten des geforderten Abstandes zum Vorausfahrenden und das Achten auf die optimale Geschwindigkeit und Wattleistung. Die Mehrzahl der interviewten Athleten gab an, sich auf das aktuelle Geschehen und die passende Geschwindigkeit bzw. Trittfrequenz sowie die optimale Ernährung zu konzentrieren.

Beim abschließenden Marathonlauf konzentrierten sich die weiblichen und männlichen Langdistanztriathleten vor allem auf ihre Nahrungsaufnahme und Flüssigkeitszufuhr. Die zweithöchste Zustimmung erhielt das bewusste in den Körper fühlen, gefolgt vom Beachten von ausreichender Kühlung durch Schwämme und Eis. Ergänzend ging aus den Interviews hervor, dass die Konzentration auf den eigenen Laufrhythmus, auf das Körpergefühl sowie auf die Wettkampfabschnitte als häufige Bewältigungsstrategien bevorzugt werden.

Nach dem Wettkampf wurde vor allem an einen schnellen Flüssigkeitsausgleich gedacht. Ebenfalls spielte eine zeitnahe Nahrungsaufnahme sowie ein allgemeines Beachten einer möglichst optimalen Regeneration eine bedeutende Rolle. Aus der Analyse der 14 geführten Interviews kam ergänzend hinzu, dass die befragten Sportler nach dem Wettkampf auf Massagen, allgemeine Ruhe, Regenerationstraining und Urlaub vertrauten, um die Strapazen eines Langdistanztriathlons zu bewältigen.

Sportpsychologische Trainingsprogramm im Triathlon

Basierend auf dem Trainingsprogramm zur Ärgerbewältigung von Steffgen (1993) konzipierte Ziemainz (1999) ein psychologisches Interventionsprogramm zur Stressbewältigung speziell für Triathleten. Das „Leipziger Stressbewältigungsprogramm“ verfolgt das Ziel, die Einschätzung von kritischen Wettkampfsituationen sowie die Kontrollerwartung durch den Athleten zu verbessern. Eine anschließende Wirksamkeitsüberprüfung konnte teilweise deutliche Veränderungen in der Handlungsweise, in der subjektiven Situationsbewertung und der Kontrollüberzeugung der untersuchten Kurzdistanztriathleten zeigen.

Ziemainz et al. (2003) evaluierten die Effektivität eines sportpsychologischen Trainingsverfahrens zur Verbesserung der triathlonspezifischen Wechsel (vom Schwimmen zum Radfahren und vom Radfahren zum Laufen) im Jugend- und Juniorenbereich. Hierfür konnten 27 Nachwuchstriathleten in eine Versuchsgruppe (VG, N = 8), eine Placeboaufmerksamkeitsgruppe (PAG, N = 10) und eine Kontrollgruppe (KG, N = 9) unterteilt und daraufhin verglichen werden. Die VG erhielt ein in 5 Abschnitte aufgebautes und 20 Stunden umfassendes psychologisches Training. Das 5-stufige Interventionsprogramm (nach Eberspächer, 1995) bestand aus 1. „Instruktion“, 2. „Selbstinstruktion“, 3. „Selbstgespräch“, 4. „Knotenpunkte“ und 5. „Symbolische Markierung“. Mit der PAG wurde ein 2mal wöchentlich durchgeführtes Entspannungstraining, über einen Zeitraum von 6 Wochen angewendet. Die KG blieb in diesem Zeitraum ohne sportpsychologische Interventionen. Die Ergebnisse zeigten eine deutliche Verbesserung der Bewegungsvorstellung bei der Versuchsgruppe. Hinsichtlich der Wechselzeiten vom Schwimmen zum Radfahren ließ sich ein signifikanter Zeiteffekt feststellen. Jedoch kein Interaktionseffekt (Gruppe*Zeit), d.h. keine generellen Unterschiede zwischen den Vergleichsgruppen erkennen. Das in dieser Pilotstudie angewendete sportpsychologische Trainingsprogramm konnte erste positive Effekte in Bezug auf eine Reduzierung der Wechselzeit und vor allem auf eine Verbesserung der Bewegungsvorstellung zeigen.

Schlusskommentar

Aus den Ergebnissen der hier vorgestellten Studien gingen größtenteils sehr nützliche theoretische, methodische und sportpraktische Erkenntnisse hervor. Diese Erkenntnisgewinne konnten teilweise bereits erfolgreich von den Athleten, Trainern und Sportpsychologen in die praktische Arbeit implementiert werden. Auf Grundlage der hier vorgestellten Studienergebnisse kann eine regelmäßige und systematische Anwendung von psychologischen Trainingsverfahren in der Sportart Triathlon (speziell für die Ironman-Distanz) empfohlen werden. Für die weiterführende sportpsychologische Forschung bleibt weiterhin anzuregen, dass praxisnahe und prozessorientierte Studien – vor allem als Längsschnitt – durchgeführt werden. Besondere Berücksichtigung sollte hierbei die Spezifik der Sportart Triathlon, mit ihren unterschiedlichen Wettkampfformaten und Distanzen erhalten.

Wenn am Samstag, zur 2016er Austragung des Ironman Hawaii, die männlichen deutschen Profiathleten wieder zum engeren Favoritenkreis zählen, dann kommt das nicht von ungefähr. Denn in den Geschichtsbüchern der Ironman-Weltmeisterschaften sind bereits die deutschen Athleten Thomas Hellriegel (Sieger 1997), Normann Stadler (Sieger 2004, 2006), Faris Al-Sultan (Sieger 2005), Sebastian Kienle (Sieger 2014) sowie Jan Frodeno (Sieger 2015) mit ihren Erfolgen vermerkt.

Hawaii ist und bleibt das Herz des Triathlonsports!

Mit sportlichen Grüßen

Konrad Smolinski

 

 

Literatur:

Blaue, J. (2012). Ausgewählte emotionale und motivationale Aspekte von Langdistanztriathleten. Unveröffentlichte Diplomarbeit, Institut für Sportwissenschaft Jena.

Boch, V. (2011). Road to Kona. Die Ironman-Stars und ihre Trainingsgeheimnisse. Hamburg: spomedis.

Lazarus, R.S. & Folkman, S. (1984). Stress, appraisal and coping. New York: Springer.

Lazarus, R.S. & Launier, R. (1981). Stressbezogene Transaktionen zwischen Personen und Umwelt. In J.R. Nitsch (Hrsg.), Stress. Theorien, Untersuchungen, Maßnahmen (S. 213-260). Bern: Huber.

Pöttgen, K. (2013). Andreas Raelert – Planung für den Ironman Hawaii 2012. In M. Engelhardt, B. Franz, G. Neumann & A. Pfützner (Hrsg.), 27. Internationales Triathlon-Symposium Niedernberg 2012 (S. 96-98). Hamburg: Czwalina.

Schlicht, W., Meyer, N. & Janssen, J.P. (1990a). „Ich will mein Rennen laufen“. Bewältigung belastender Ereignisse im Triathlon – Eine Pilotstudie. 1. Teil. Sportpsychologie, 4 (1), 5-14.

Schlicht, W., Meyer, N. & Janssen, J.P. (1990b). „Ich will mein Rennen laufen“. Bewältigung belastender Ereignisse im Triathlon – eine Pilotstudie. 2. Teil. Emotionale Beanspruchungsreaktionen und angemessene Bewältigung. Sportpsychologie, 4 (2), 5-9.

Schücker, L., Heil, O., Brand, R. & Hagemann, N. (2014). Attentional focus strategies of triathletes during the Ironman World Championships. Journal of Sport Behavior, 37 (3), 306-314.

Smolinski, K. (2007). Motivationale Aspekte im Triathlon. Unveröffentlichte Diplomarbeit, Institut für Sportwissenschaft Jena.

Smolinski, K. (2015). Psychische Beanspruchung im Triathlon. Eine theoretische und empirische Studie zur Bewertung und Bewältigung von Belastungsbedingungen im Langdistanztriathlon. Hamburg: Kovac.

Steffgen, G. (1993). Ärger und Ärgerbewältigung. Empirische Überprüfung von Modellannahmen und Evaluation eines Ärgerbewältigungstrainings. Münster: Waxmann.

Ziemainz, H. (1997). Streßbewältigung und sportlicher Erfolg im Triathlon. Marburg: Tectum.

Ziemainz, H. (1999). Handlungskontrolle und Stressintervention im Triathlon. Aachen: Meyer & Meyer.

Ziemainz, H., Stoll, O., Küster, C. & Adler, K. (2003). Evaluation Mentalen Trainings im triathlonspezifischen Disziplinwechsel im Jugend- und Juniorenbereich. Leistungssport, 33 (2), 20-22.

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Prof. Dr. Oliver Stoll: Trail-Läufer sind anders

Sie neigt sich dem Ende, die Trail-Lauf-Saison. Die großen Rennen – zumindest in Deutschland – sind Geschichte und die Aktiven widmen sich dem, was z.B. die Triathleten die „Off-Season“ nennen. Oder anders  ausgedrückt: „Mal zuhause bleiben und die Füße hochlegen“. Obwohl in Trail-Runner-Kreisen so etwas wie ein ungeschriebenes Gesetz zu herrschen scheint, welches sich mit dem Satz: „There is no Off-Season“ schön zusammenfassen lässt. Stellen wir also die Frage: Sind sie denn nun wie andere Athleten, oder sind sie anders, diejenigen, die in Ultradistanzen oder mehreren Etappen durch das Mittel- und Hochgebirge rennen?

Zum Thema: Was Lauf-Motive über Trail-Runner verraten

Nun, dieser Frage sind wir wissenschaftlich betrachtet nicht im Detail nachgegangen, wohl aber der Frage, inwieweit sich der Trail-Runner vom „Otto-Normal-Verbraucher“, also dem nicht laufenden „Norm-Bürger“ in Deutschland bezogen auf einige ausgewählte Persönlichkeitseigenschaften unterscheidet. Die Grundlage dafür bildete ein Datensatz, den wir schon vor gut einem Jahr, im Rahmen der „Salomon-4-Trail“ erhoben hatten. Dazu sind auf die-sportpsychologen.de bereits folgende Texte erschienen:

Prof. Dr. Oliver Stoll und Christin Janouch: Das psychologische Profil eines Trail-Runners

Prof. Dr. Oliver Stoll: Gefährliches Spiel im Trailrunning

Wir befragten damals insgesamt 36 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Salomon-4-Trails (einem Vier-Etappen-Rennens über 160km und ca. 8.000 Höhenmeter) mit standardisierten, psychologischen Fragebogenverfahren bezüglich ihrer Lauf-Motive, aber eben auch bezüglich ihrer Persönlichkeit sowie ihrer Tendenz zum „Sensation-Seeking“. In unserer ersten Analyse fanden wir heraus, dass das Naturmotiv das dominante Laufmotiv schlechthin ist. In unserer zweiten Analyse dieses Datensatzes berechneten wir, ob sich unsere befragten Athletinnen und Athleten in den Persönlichkeitseigenschaften Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Offenheit, Verträglichkeit sowie Neurozitismus und in den „Sensation-Seeking-Dimensionen“: „Suche nach dem Thrill und Abenteuer“ (also einer Tendenz, sportliche Aktivitäten zu betreiben, die durch Gefahr, Geschwindigkeit und Risiko gekennzeichnet sind), „Enthemmung“ (also einer Tendenz sozial und sexuell enthemmtes Verhalten zu zeigen), „Besondere Erfahrungen suchen“ (also einer Tendenz besondere Erfahrungen durch mitunter unangepassten Lebensstil und Reisen zu sammeln)  sowie „Langeweile Anfälligkeit“ (also der Tendenz einer Abneigung und wiederstrebenden Verhalten bezüglich Routinen und Wiederholungen).

Trailläufer scheinen “anders” zu sein

Im Ergebnis stellt sich heraus, dass die befragten Trail-Läufer statistisch signifikant höherer Ausprägungen in der Persönlichkeitsdimension  „Offenheit für neue Erfahrungen“ (im Vergleich zur Normalbevölkerung) aufweisen (siehe auch Abbildung  1 und Tabelle 7) – und tendenziell niedrigere Ausprägungen in der  Dimension „Neurozitismus“ sowie leicht höhere Ausprägungen im Bereich der „Extraversion“ und darüber hinaus,  dass sie ebenfalls statistisch abgesichert, eine höhere Tendenz zum Aufsuchen, besonderer Erfahrungen durch mitunter unangepassten Lebensstil und Reisen aufweisen als die Normstichprobe (Abbildung 2). Zusammengefasst sind diese Ergebnisse auch in der Master-Thesis von Zängler (2016) zu finden.  

Halten wir fest: Sie sind dann wohl doch anders, die Trail-Runner im Vergleich zum Normstichproben-Nichtläufer. Sie sind offener für neue Erfahrungen, tendenziell emotional stabiler aber eben auch höher ausgeprägt in Bereichen des Aufsuchens risikoreicher, sportlicher Aktivitäten. Diese eher kleine Stichprobe erlaubt natürlich keine Verallgemeinerung dieser Befunde, könnten aber weiter die Neugierde sportpsychologischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler befördern.   

Material

Abbildung 1
Abbildung 1

 

Abbildung 2
Abbildung 2

 

Tabelle 7
Tabelle 7

 

Literatur

Zängler, J. (2016). Sensation Seeking und Trailrunning. Master-Thesis. Universität Leipzig: Institut für Psychologie.

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Dr. René Paasch: Krise à la Schalke

Null Punkte nach fünf Spielen. Tabellenletzter. Beim vor der Saison rund erneuerten FC Schalke 04 herrscht große Ratlosigkeit. Nach der 1:2 Niederlage bei der TSG Hoffenheim äußerte Torhüter Ralf Fährmann bei Sky: „Wo das Problem liegt, weiß ich nicht. Wir sind in einer Situation, in der einem die Worte fehlen. Vorne klappt einfach gar nichts, hinten machen wir Fehler. Es wird von Woche zu Woche schwerer.“ Folgerichtig ist die Geduld der S04-Anhänger arg strapaziert. In der Schlussphase wurden „Wir wollen euch kämpfen sehen“- Stimmen laut. Eine deutliche Botschaft an die Knappen, endlich die Kurve zu kriegen. Manager Christian Heidel, der zusammen mit dem für drei Millionen Euro Ablöse aus Augsburg gekommenen Trainer Markus Weinzierl für den neuen FC Schalke 04 steht, platzte nun der Kragen: Er will laut Süddeutscher Zeitung die Tabelle kopieren und vergrößert in die Kabine hängen. Dr. René Paasch beobachtet die Situation aus der Ferne und versucht Wege abzuleiten, die Teams in ähnlichen Situationen gehen können, um sich aus der Negativspirale zu befreien. 

Zum Thema: Der Umgang mit Niederlagen aus sportpsychologischer Sicht

Wer einen Wettkampf für sich entscheidet, empfindet in der Regel Freude, Zufriedenheit oder Erleichterung. Wer ihn verliert, kann mit Ärger oder Enttäuschung zu kämpfen haben. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass negative Emotionen wie Ärger, Wut oder Enttäuschung durchaus auf eine positive Art verarbeitet werden können. Dass heißt, die Beschäftigung mit der negativen Emotion trägt zu einem konstruktiven Umgang mit der Situation bei. Um ihren Ärger über die Niederlagen angemessen bewältigen zu können, wünschen sich die meisten Spieler von ihrem Trainer einen offenen und konstruktiven Umgang mit ihrer Reaktion. Durch den expliziten Ausdruck des Ärgers dürfen keine negativen Konsequenzen für den Fußballer entstehen. Ob ein gewonnener Zweikampf im Fußball oder Niederlagenserien – Ergebnisse von Punktspielen werden von jedem Kicker interpretiert und bewertet, also einer Ursachenzuschreibung (Kausalattribution) unterzogen. Davon ist abhängig, welche emotionale Reaktion auf Erfolg bzw. Misserfolg folgt. Wird eine erfolgreiche Aktion beispielsweise auf die eigenen Fähigkeiten zurückgeführt, ist als emotionale Reaktion Zufriedenheit und ein erhöhter Selbstwert zu erwarten. Bei einer misslungenen Aktion dagegen entsteht als emotionale Reaktion Niedergeschlagenheit, wenn die mangelnden eigenen Fähigkeiten als Ursache wahrgenommen werden.

„Lehne es nicht ab, das Negative zur Kenntnis zu nehmen.

Weigere dich lediglich, dich ihm zu unterwerfen.“ Norman Vincent Peale

Im Attributionsstil liegt auch ein wichtiger Unterschied zwischen optimistischen und pessimistischen Fußballern: Optimisten begründen Erfolg internal und stabil (z.B. mit den eigenen Fähigkeiten); Misserfolge werden entweder externalen Faktoren zugeschrieben („Das war nicht mein Stadion“) oder bei eigenen Fehlern liegt der Fokus auf der Verbesserung („Nächstes Mal schaff ich‘s“). Pessimisten hingegen attribuieren erfolgreiche Aktionen häufig external („Das war bloß Glück“); Misserfolge werden internal und vor allem sehr stabil interpretiert („Das schaff ich niemals“). Als Trainerin ist es daher wichtig, die Attributionsart der Fußballer zu kennen und bestenfalls zielgerichtet zu verändern. Dazu eine Modellierung mit praktischen Beispielen:

Abb.1.: Kausalattributionsschema nach Seligman (1991) mit praktischen Beispielen

Abb.1.: Kausalattributionsschema nach Seligman (1991) mit praktischen Beispielen

Es liegt in der Natur des Wettkampfs, dass er mit einem Sieg oder Punkverlust endet. Damit die daraus resultierenden positiven oder negativen Emotionen optimal verarbeitet und genutzt werden können, sollte der Trainer die Selbstwahrnehmung seiner Schützlinge kennen und an einem positiven Attributionsstil arbeiten.

Anregungen für die Praxis

In dem nun folgenden Abschnitt möchte ich Ihnen gerne weitere hilfreiche Anregungen liefern:

1. Nehmen Sie übermäßigen Druck und Ärger von Ihren Kickern. Als Trainer ist es nicht möglich, die Umweltbedingungen eines Wettkampfs oder Spiels zu verändern. Allerdings können Sie Ihren Spielern bei der Sicht auf die Situation entscheidend helfen. Schaffen Sie einen neutralen Ort, wo sich die Spieler wohlfühlen und austauschen dürfen oder sorgen Sie für den notwendigen Freizeitausgleich fern vom Leistungssport.

2. Lassen Sie Ihre Spieler den Umgang mit Ärger erlernen. Dabei können positive Umdeutungen der Situation, Humor, fürsorgliche Gespräche, aber auch das „Vergeben und Vergessen“ dazu beitragen, dass Ärger bewältigt wird.

3. Bleiben Sie sensibel und haben Sie Verständnis für Ihre Fußballer. Akzeptieren Sie, dass diese nicht immer mit Ihren Entscheidungen zurechtkommen. Trainer sollten dass Einfühlungsvermögen gerade weniger selbstbewussten und ängstlichen Spielern entgegenbringen und diese aktiv unterstützen.

4. Lassen Sie Ihre Fußballer Entspannungs- und Aktivierungsmethoden im Sport lernen. Die wenigsten haben angemessen Zeit im Trainings-und Wettkampfalltag, um sich damit auseinanderzusetzen. Beispielsweise über die Atementspannung oder Progressive Muskelentspannung.

5. Niederlagen lassen sich schlecht verarbeiten, weil sie das Selbstvertrauen untergraben. Die meisten Spieler wissen nicht, wie sie aktiv etwas tun können, um Ihr Selbstvertrauen zu behalten oder wieder aufzubauen. So stärken Sie das Selbstvertrauen ihrer Spieler:

> Sind die individuellen und kollektiven Ziele realistisch? Dazu ein Gedanke! „Setze dir/deine Mannschaft als Ziel bestmögliche Ergebnis, an das du/ihr glauben kannst/könnt“ Nur ein Ziel, dessen Erreichen ihr für möglich haltet, hat eine magische Wirkung auf Euch. Siehe dazu auch „Per Woop zum Saisonziel“!

> Stärken-Analyse. Hängen Sie ein A1 großes Papier in der Kabine auf. Malen Sie in die Mitte einen großen Kreis. Fordern Sie die Mannschaft auf, nacheinander für jeden Spieler eine deutliche Stärke zu benennen. Anschließend fragen Sie die ganze Mannschaft nach den spezifischen Stärken. Diese schreiben Sie um den Kreis herum. So ergibt sich ein Bild von innen und äußeren Stärken. Dieses Blatt können Sie dann in der Kabine (auch bei Auswärtsspielen) aufhängen, so dass die Spieler vor dem nächsten Spiel noch einmal an Ihre Stärken erinnert werden.

> Persönliche Erfahrungen fördern die Entwicklung von Selbstvertrauen und ermöglichen es, sich an eine schwierige Situation anzupassen. Schaffen Sie erreichbare Nahziele im Training, so dass das Erreichen des Fernziels durch kleinere Erfolge machbarer erscheinen.

> Stellvertretende Erfahrungen können das Selbstvertrauen steigern, wenn die eigenen Fähigkeiten eines Teamkollegen oder eines Vorbildes sehr ähnlich sind. Dies führt dann zur Überzeugung: „ Wenn der das kann, dann kann ich es auch“

> Verbale Überzeugung (Selbstgesprächsregulationsfähigkeit) ist eine etablierte Methode in der Sportpsychologie, die ihre Gedanken und das Verhalten im eigenen Umfeld ändern können. Siehe dazu auch: Text von Prof. Dr. Oliver Stoll: Gute Selbstgespräche!

> Emotionaler Zustand: Es geht um die Kontrolle von Emotionen im Zusammenhang mit verlorenen Spielen z.B. von innerer Ruhe und Angst. Jedes Spiel wird dann zur Qual und die Selbstzweifel werden immer mannigfaltiger. Daher ist es wichtig, die Gedanken und Emotionen kontrollieren zu können. Siehe dazu auch den Text von Christian Reinhardt: Gefährliche Emotionen!

> Neuere Ergebnisse zum nonverbalen Verhalten weisen daraufhin, dass die Körpersprache Einfluss auf die gegnerische Mannschaft hat. Trainer sollten daher immer wieder im Training und Wettkampf die Körpersprache trainieren und ansprechen ganz besonders bei misslungen Aktionen „Kopf hoch, weiter geht es.“

> Aus meiner Sicht führt gute Arbeit immer noch zum Erfolg! Unterbinden Sie destruktive Gedanken. Unser Denken bietet in schwierigen Situationen keine Hilfe. Gehen Sie stattdessen in jedes Spiel mit einer Einstellung, die sich nur mit der anstehende Aufgabe beschäftigt. Alles andere sind keine relevanten Größen und stören nur beim Abrufen der individuellen und kollektiven Leistungsfähigkeit.

Fazit

Neben dem reinen Fußballtraining wird immer öfter mit Methoden der Sportpsychologie gearbeitet. Trainer tragen immer wieder denselben Pullover oder lassen sich einen Bart stehen, so lange die Siegesserie nicht aufgehalten wird. All diese Dinge können tatsächlich einen großen Einfluss auf Erfolg oder Misserfolg haben. Ich bin fest davon überzeugt, dass im Hochleistungssport aber auch im Amateursport, vor allem im Fußball, immer mehr über den Kopf entschieden wird. Nicht nur in schwierigen Situation sondern grundsätzlich in der Entwicklung von Sportmannschaften.

Literatur

Gross, J.J. & Thompson, R.A. (2007). Emotion regulation: Conceptual foundations. In J.J. Gross (Ed.), Handbook of emotion regulation (pp. 3-26). New York: The Guilford Press.

Hermann, H.-D. Mayer, J. (2012). Sportpsychologische Praxis im Fußball. In D. Beckmann-Waldenmayer, J. Beckmann (Hrsg.) Handbuch sportpsychologischer Praxis. Balingen: Spitta.

Linz, L. (2014): Erfolgreiches Teamcoaching. Ein Team bilden, Ziele definieren, Konflikte lösen. Meyer & Meyer Verlag, Aachen. ISBN: 978 – 3- 89899-858-1

Seligman, M.E.P. / Nolen-Hoeksema, S. / Thornton, N. / Thornton, K.M. (1990). Explanatory style as a mechanismen of disappointing athletic performance. Psychological Science, 1, 143—146.

Seligman, M.E.P. (1991). Learned optimism. New York: Knopf.

Stiensmeier-Pelster, J. & Heckhausen, H. (2006). Kausalattribution von Verhalten und Leistung. In J. Heckhausen & H. Heckhausen (Hrsg.), Motivation und Handeln (S. 355-392). Heidelberg: Springer.

Stoll, O., Alfermann, D. & Pfeffer, I. (2010). Lehrbuch Sportpsychologie. Bern: Huber.

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Dr. Hanspeter Gubelmann: «Mein Körper und Geist sind müde»

Mitte September machte eine kurze Schlagzeile die Runde: Marc Berthod tritt zurück. Der St. Moritzer Skifahrer, der es nach vielen Stürzen, Verletzungen und Comebacks zu seinem erklärten Ziel gemacht hatte, auf der grossen WM-Skibühne in seiner Heimat nochmals für Furore zu sorgen, lässt sich in einem Communiqué von Swiss Ski zitieren: «Mein Körper und Geist sind müde». Welche „lessons learned“ müssen aus Sicht der angewandten Sportpsychologie aus seinem Beispiel zwingend abgeleitet werden?

Zum Thema: Wie aus sportpsychologischer Perspektive problematischen Karriereverläufen vorgebeugt werden kann

Kurze Rückblende: Der talentierte Berthod gewann 2007 in Adelboden (mit Startnummer 60!) den Slalom und schaffte 2008 mit seinem Triumph im Riesenslalom an gleicher Stätte den sportlichen Aufstieg in die Weltelite. Zusammen mit Daniel Albrecht verkörperte er die damalige Generation des draufgängerischen Supertechnikers. Albrecht verunglückte 2009 auf der «Streif» schwer, lag wochenlang im künstlichen Koma und kehrte schliesslich auf die Weltcup-Pisten zurück. 2013 brach er einen letzten Combackversuch nach erneuter Verletzungsmisere ab. Zu seinem Abgang befragt äusserte sich Albrecht in Metaphern: «Für das Bild eines für mich guten Skifahrers müsste ich andere Farben haben – die habe ich aber nicht mehr. Die Luft ist weg.»

Sturz von Daniel Albrecht (Quelle: Dani Fiori, skionline)
Sturz von Daniel Albrecht (Quelle: Dani Fiori, skionline)

Gerade das Beispiel von Daniel Albrecht zeigt: Ski-Rennsport auf höchstem Niveau ist eine Gratwanderung. Ein „Abflug“ zuviel kann schwerstwiegende Konsequenzen haben. Und: Es trifft auch die Allerbesten der rasenden Zunft; Ted Ligety, Aksel Lund Svindal und Hannes Reichelt bereiten sich nach schweren Verletzungen und nach Phasen monatelanger Rehabilitation auf ihr Comeback vor. Es scheint geradezu, als gehörten diese Unfälle zum Alltag der Skisportszene. Ein Faktum, dass es auch aus Sicht der Sportpsychologie hinzunehmen gilt? Die Antwort kann nur lauten: Nein!

  1. Burnout ist auch ein Thema im Spitzensport!

Beispiele wie jene von Albrecht und Berthod zeigen, dass der Akku irgendwann leer ist. Profisportlerinnen und –sportler sind gewohnt, 100% zu geben und haben sehr hohe Erwartungen und Ansprüche an sich und ihre Leistungsfähigkeit. Dabei müssen sie lernen, nicht immer am Limit zu leisten – leisten zu müssen. Andererseits ist es gerade auch für das Betreuungsumfeld und insbesondere für die Trainer entscheidend zu lernen, mit dieser eingeschränkten Belastungsfähigkeit umzugehen. Wenn die Athleten ihre Körper überfordern und ihre Leistung nachlässt, werden sie frustriert. Sie möchten es besser machen, trainieren mehr, wodurch ihre Leistungsfähigkeit weiter sinkt. Oft folgt eine Verletzung, die Abwärtsspirale dreht kontinuierlich weiter.

  1. Sportpsychologische Betreuung und mentales Training – eine Notwendigkeit auch im Skirennsport!

In vielen „high performance“-Berufen und „Umgebungen“ – wie z.B. in der Pilotenausbildung, in der Betreuung von „special forces“ oder im Bereich der Chirurgie – gehört das mentale Training mittlerweile zum Standard-Ausbildungsprogramm. Betrachtet man die hohe mentale Herausforderung im Skirennsport in Verbindung mit Mut und hoher Risikobereitschaft seitens der Athleten, ist von einer Notwendigkeit sportpsychologischer Begleitung auszugehen (vgl. Engbert 2010). Diese müsste insbesondere auch im Bereich der Nachwuchsförderung und in der Trainerausbildung nachhaltig gefordert und gefördert und zielgerichtet in der Prävention von Sportunfällen und Verletzungen eingesetzt werden.

  1. Mentale Rehabilitation einer Sportverletzung – Treat the person, not just the injury!

Die sportwissenschaftliche Forschung zeigt, dass psychologische Unterstützung den Verlauf des Rehabilitationsprozesses nach Sportverletzungen begünstigt (vgl. Marcolli 2001). Dabei gilt es zu beachten, dass nicht nur Anliegen der spezifischen Verletzungsreha im Vordergrund stehen, sondern auch Möglichkeiten der individuellen (Weiter-)Entwicklung mentaler Fähigkeiten und Fertigkeiten verstärkt genutzt werden sollen.

  1. Phänomen „Heim WM“

Grossveranstaltung wie Olympische Spiele oder Weltmeisterschaften stehen im Ruf, besonders anspruchsvoll und herausfordernd auf Athleten und Trainer zu „wirken“ – entsprechend langfristig und umsichtig soll die Vorbereitung gewählt und umgesetzt werden (vgl. Gubelmann & Schmid 2001). Gilt es, eine „Heim-WM“ erfolgsorientiert vorzubereiten, so entsteht der so genannte Heimvorteil vor allem im Kopf (vgl. Strauss 2002), nämlich: Die mit einem unterstützenden Publikum assoziierten positiven Leistungs- und Selbstwirksamkeitserwartungen können tatsächlich für eine bessere Leistung sorgen. Diese individuellen Selbstwirksamkeitsüberzeugungen gilt es mit entsprechender Unterstützung durch den Sportpsychologen zu entwickeln.

  1. Erholungs-/Belastungsbilanz im Auge behalten!

Im Spitzensport von heute gewinnt die These, wonach eine Leistungssteigerung primär über die Optimierung der Regeneration ermöglicht wird, zunehmend an Bedeutung. Aussagen wie „die Luft ist weg“ oder „ich fühle mich körperlich und geistig müde“ deuten darauf hin, dass bei hoher Trainings- und Wettkampfbelastung der Erholung nur ungenügend Beachtung geschenkt wurde. Hier kann u.a. der Einsatz eines Erholungs-Belastungs-Monitorings (vgl. Kellmann 2002) die Früherkennung einer Überlastungssituation ermöglichen und den rechtzeitigen Einsatz geeigneter Regenerationsmassnahmen unterstützen.

  1. Betreuung und Begleitung in eine nachsportliche Karriere

Ein Rücktritt vom Spitzensport und der Übergang in eine nachsportliche Karriere bedeuten immer einen Einschnitt im Leben eines Spitzensportlers. Viele empfinden den Schritt ins «bürgerliche Leben» als sozialen Abstieg. Zudem zeigt die Erfahrung, dass die Art des Rücktritts entscheidend dafür ist, wie dieser Lebensabschnitt bewältigt wird. Der Übergang fällt einem ehemaligen Berufssportler umso leichter, je stärker der Entscheid zum Rücktritt von ihm selber ausgegangen war. Der Rücktritt wird zusätzlich dann als positiv erlebt, wenn der Athlet finanziell abgesichert ist und gesundheitlich keinen Schaden vom Spitzensport genommen hat.

Marc Berthod in Aktion (Quelle: Dani Fiori, skionline)
Marc Berthod in Aktion (Quelle: Dani Fiori, skionline)

Karriereverläufe wie jene der ehemaligen Skistars Daniel Albrecht und Marc Berthod, gravierende Unfälle mit schwerwiegenden Konsequenzen und die Herausforderung eines anspruchsvollen Übertritts in eine nachsportliche berufliche Laufbahn stellen Hindernisse und Stolpersteine dar, zu deren erfolgreichen Überwindung auch die angewandte Sportpsychologie als Dienstleister mitbeteiligt sein soll. Hierfür ist Kompetenz und Wissen gefragt, wie sie von der Swiss Association of Sport Psychology (SASP) im Rahmen ihrer Fachtagung vom 11. November 2016 in Zürich (siehe sportpsychologie.ch) oder anlässlich der asp-Jahrestagung 2017 in Bern (25.-27.5.2017) im Rahmen verschiedener Praxisworkshops – auch für interessierte Trainerinnen und Trainer – vermittelt werden.

 

 

Literatur

Gubelmann, H. & Schmid, J. (2001). Eine Bestandesaufnahme «mentaler» Schwierigkeiten von Schweizer Athletinnen und Athleten an den Olympischen Spielen 2000 in Sydney. In R. Seiler, D. Birrer, J. Schmid & S. Valkanover (Hrsg.), Sportpsychologie: Anforderungen, Anwendungen, Auswirkungen (S. 90-92). Köln: bps-Verlag.

Kellmann, M. (Hrsg.) (2002). Enhancing Recovery: Preventing Underperformance in Athletes. Champaign, IL: Human Kinetics.

Strauss, B. (2002). Über den Heimvorteil. Spectrum der Sportwissenschaften, 14, 70.90.

 

 

Quellen

http://marcberthod.ch

http://www.sgsm.ch/fileadmin/user_upload/Zeitschrift/50-2002-2/06-2002-2.pdf

http://www.bisp.de/SharedDocs/Downloads/Projektlisten/Projekte_2010/Transferprojekte_2010/Engbert_071638_09.pdf?__blob=publicationFile&v=1

http://www.blick.ch/sport/ski/keine-energie-mehr-daniel-albrecht-tritt-zurueck-id2467212.html

http://www.krone.at/wintersport/karriere-ende-hannes-reichelt-spricht-klartext-nach-wirbel-op-story-530795

http://www.srf.ch/sport/ski-alpin/weltcup-maenner/saison-auch-fuer-ligety-vorzeitig-zu-ende

http://www.sportpsychologie.ch

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Dr. René Paasch: Der Trend zur Achtsamkeit

Erste Studien zeigen die Wirksamkeit achtsamkeitsbasierter Interventionsprogramme zur Steigerung sportlicher Leistungen (Bernier, Thienot, Cordon & Fournier, 2009; Hasker, 2010). Achtsamkeit hat schon seit langem das Interesse des Leistungssports geweckt. Trotz wachsenden Interessen aus dem Sport galten die Praktiken der Achtsamkeit lange als spirituell und unwissenschaftlich. Erst durch die Aufnahme achtsamkeitsbasierter Verfahren der klinischen Psychologie und eine stetige Überprüfung ihrer Wirksamkeit hat sich ihr Ruf gewandelt. Denn die Ergebnisse von Evaluationsstudien zeigen, dass das achtsamkeitsbasierte Training sowohl in klinischen als auch in nicht-klinischen Populationen zur Reduzierung der Symptome von Stress, Angst und Depression führt. Da ein effektiver Umgang mit eigenen Emotionen und Gedanken eine Voraussetzung für Leistungen ist, liegt eine Annäherung auf den sportpsychologischen Kontext auf der Hand. Im Text fasse ich die Grundlagen zusammen und gebe am Ende einige praktische Anwendungsvorschläge.

Zum Thema: Achtsamkeit im Leistungs- und Gesundheitssport

Achtsamkeit wird definiert als ein nicht bewertender Fokus der eigenen Aufmerksamkeit auf die augenblickliche Erfahrung. Das Ziel dabei ist ein Verweilen im Hier und Jetzt ohne die empfundenen Gefühle, Gedanken oder Wahrnehmungen zu bewerten. Nach dem Modell von Dimidjian und Linehan (2003) beinhaltet Achtsamkeit zwei Dimensionen: “Was“ und “Wie“. Die Was-Dimension beschreibt, was die Achtsamkeit ausmacht und umfasst drei Aspekte:

  1. a) Beobachtung, was erfahren wird,
  2. b) Beschreibung der Erfahrungen und
  3. c) Teilnahme an den Erfahrungen.

Die Wie-Dimension schließt ebenfalls drei Aspekte ein und bezieht sich auf die Art und Weise, wie vorgegangen wird:

  1. a) nichtbewertend mit Akzeptanz,
  2. b) im augenblicklichen Moment und
  3. c) wirksam.

Die klassischen sportpsychologischen Techniken (z.B. Zielsetzungstraining, Selbstgesprächsintervention) basieren auf der Annahme, dass die Fähigkeit zur Kontrolle der eigenen Zustände Voraussetzung für die optimale Leistung ist. Achtsamkeitsbasierte Techniken haben viele Parallelen zu den etablierten sportpsychologischen Methoden.

Achtsamkeit im sportlichen Training

In der sportpsychologischen Literatur werden drei mögliche Wirkmechanismen diskutiert, wie ein Training der Achtsamkeit die Leistung im Leistungssport beeinflussen könnte. Erstens wird vermutet, dass das Training der Achtsamkeit die Entstehung von Flow begünstigt, der als ein Zustand der optimalen Leistungsfähigkeit gilt. Zweitens wird angenommen, dass das Training der Achtsamkeit die Konzentrationsleistungsfähigkeit verbessert. Drittens wird vermutet, dass das Training der Achtsamkeit die Emotionsregulation beeinflusst, so dass negative Emotionen und Gedanken effektiver verarbeitet werden.

Die Konzepte Achtsamkeit und Flow haben einiges gemeinsam. Beide Konzepte teilen die Betonung auf das Hier und Jetzt und eine Konzentration auf die bevorstehende Aufgabe. Empirische Studien belegen den Zusammenhang: Eliteschwimmern im französischen Nationalteam, bei Bogenschützen und Golfern, sowie bei Ruderern und Läufern stellte man stets fest: Je größer die Fähigkeit zur Achtsamkeit, desto mehr Flow erleben die Sportler. Da die bisherigen Studien jedoch einige methodische Mängel aufweisen, lassen sich noch keine gesicherten Schlussfolgerungen treffen.

Konzentration und Emotionen

Die meisten praktischen Übungen der Achtsamkeit zielen auf das Lenken der Aufmerksamkeit auf bestimmte Aspekte wie den eigenen Atem oder die augenblickliche Präsenz. Außerhalb des Sports konnte gezeigt werden, dass ein achtsamkeitsbasiertes Training zu Verbesserungen der selektiven Aufmerksamkeit, der anhaltenden Aufmerksamkeit, der orientierenden Aufmerksamkeit und der Aufmerksamkeitsflexibilität führt. Vermutlich stellt die Verbesserung der unterschiedlichen Arten von Aufmerksamkeit einen wichtigen Wirkmechanismus im Zusammenspiel von Achtsamkeit und sportlicher Leistung dar. Empirische Studien im Sportkontext fehlen jedoch fast gänzlich, so dass dahingehend keine gesicherte Aussage getroffen werden kann. Lediglich Aussagen von Athleten in Einzelfallstudien lassen vermuten, dass das achtsamkeitsbasierte Training zu Verbesserungen der Konzentrationsfähigkeit im Sport führt.

Der Einfluss von Emotionen auf die Leistungsfähigkeit im Sport ist schon lange Thema der sportpsychologischen Forschung. Im Allgemeinen scheinen die negativen Emotionen einen negativen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit im Sport zu haben. Die positiven Emotionen stehen im Allgemeinen mit einer Verbesserung der Leistungsfähigkeit in Verbindung. Vor allem außerhalb des Sportkontextes zeigt eine Fülle von Studien, dass ein Achtsamkeitstraining positive Emotionen fördert und das Ausmaß von negativen Emotionen verringert. So wurde beispielsweise dargelegt, dass das Training der Achtsamkeit zur Reduktion der Wettkampfangst führen kann.

Umsetzung in die Praxis

Die erste empirische Studie zum Einsatz von achtsamkeitsbasiertem Training im Leistungssport wurde von Kabat-Zinn, Beall und Rippe (1985) mit College- und Olympiaruderern durchgeführt. Beide Gruppen berichteten von substantiellen Leistungsverbesserungen. Trotz dieser ermutigenden Ergebnisse wurde dieser Ansatz in den letzten Jahren im Leistungssport nicht weiter verfolgt. Derzeit existiert im englischsprachigen Raum ein wirksames achtsamkeitsbasiertes Interventionsprogramm für den Leistungssport: Mindful Sports Performance Enhancement (MSPE). Kaufman et al. (2009) stellte das Mindful Sports Performance Enhancement (MSPE) als ein vierwöchiges Programm vor. Dieses Programm wurde an die Bedürfnisse des Leistungssports angepasst. Das MSPE Programm bietet zusätzlich eine Meditationsart im Gehen an, die speziell für den Sport modifiziert wurde. Derzeit liegen zwei Interventionsstudien zur Wirksamkeit von MSPE vor (Kaufman et al. (2009; De Petrillo, Kaufman, Glass, Arnkoff, 2009). Aus den oben genannten Inhalten möchte ich Ihnen nun eine Kurzfassung meiner Vorgehensweisen der Achtsamkeit im Sport präsentieren:

Verweilen

„Bleiben Sie beharrlich, gewöhnen Sie sich an, mal zu verweilen.“ Das sei das Grundprinzip der Achtsamkeit: etwas beachten, nur anschauen und sich ganz auf den gegenwärtigen Moment konzentrieren.

Innehalten

Achtsamkeitstraining ist vergleichbar mit einem Muskel, der durch regelmäßiges Training immer leistungsfähiger wird. Eine klassische Achtsamkeits-Einsteigerübung für einen Sportler ist zum Beispiel, seine Aufmerksamkeit nach innen zu richten und den eigenen Atem zu beobachten. Während der Sportler darauf achtet, wie sich der Bauch hebt und senkt, beruhigt sich die Atmung und der Geist. Ich lasse bspw. Sportler ihre Achtsamkeit anhand eines Apfels üben. Erst wird die Frucht angeschaut, ertastet und gerochen, dann erst geschmeckt. Auch hierbei sollen die Sportler auf ihren Atem achten und immer, wenn ihre Gedanken vom Apfel wegwandern, mit einem Lächeln zur momentanen Sinneserfahrung zurückkehren.

Körperwahrnehmung verbessern

Mit dieser Übung können Sie Ihre Körperwahrnehmung verbessern, indem Sie ihren Körper systematisch „erfühlen“. Besitzen Sie eine gute Körperwahrnehmung, dann wird es Ihnen leicht fallen, punktgenau die jeweilige Stelle zu treffen. Für die Durchführung dieser Übung benötigen Sie einen weiteren Sportkollegen.

  •         Schließen Sie die Augen.
  •         Bitten Sie die andere Person, Sie an einer beliebigen Stelle am Körper mit dem Finger anzutippen.
  •         Lassen Sie die Augen geschlossen und deuten Sie mit Ihrem Finger möglichst genau auf die Körperstelle.
  •         Wiederholen Sie diesen Vorgang mit weiteren Körperstellen. Als Variante kann die Person Sie an zwei Stellen gleichzeitig antippen.

Schritt für Schritt

Wie sehr wir auf das Gehen und Laufen angewiesen sind, merken wir in der Regel erst dann, wenn die Beine uns infolge einer Verletzung nicht mehr zuverlässig tragen. Jeden Tag legen wir zahlreiche Schritte zurück, ohne dass uns das so recht bewusst ist, denn das Gehen und Laufen ist ein automatischer Vorgang, dem wir oft zu wenig Beachtung schenken. Bei dieser Übung geht es darum, Schritte und Laufwege bewusst zu gehen.

Anleitung:

  •         Gehen oder laufen Sie drauflos – ob Sie in einer Sporthalle Ihre „Runden drehen“ oder im Freien, spielt dabei keine Rolle.
  •         Lenken Sie die Aufmerksamkeit auf Ihre Füße. Fühlen Sie den Schritt- und Lauftakt und nehmen Sie den Boden unter Ihren Füßen wahr.
  •         Versuchen Sie beim Gehen oder Laufen zuerst die Ferse und dann die Zehen vollständig auf den Boden zu drücken, um möglichst komplette Fußabdrücke zu hinterlassen.

Sie werden merken, dass dem Gehen oder Laufen ein harmonischer Rhythmus zugrunde liegt – und zwar ein persönlicher, denn jeder von uns verfügt über ein individuelles Gang- und Laufmuster. Ändern Sie Ihre Geht- und Lauftechnik und treten Sie nur noch mit den Fersen auf, dann mit den Fußinnen- und Fußaußenkanten – hierbei ist allerdings Vorsicht geboten!

Zusammenfassung

Neben den bekannten Interventionsmethoden der Sportpsychologie werden im neuere sogenannte achtsamkeitsbasierte Interventionsverfahren wissenschaftlich diskutiert. Diese Verfahren unterscheiden sich in ihrem Vorgehen deutlich von den etablierten Interventionsverfahren. Im Vordergrund steht hier der achtsame, nicht wertende und akzeptierende Umgang mit dysfunktionalen mentalen Zustanden, statt der Kontrolle und der volitionalen Steuerung derselben. Leitsatz für Sie: Bewusst wahrnehmen, wertfrei beobachten, keine Beurteilung des Wahrgenommenen, keine unmittelbare Absicht!

Literatur

Darko Jekauc/Christoph Kittler (2015). ACHTSAMKEIT IM LEISTUNGSSPORT. LEISTUNGSSPORT 6/2015, 19-23.

Bernier, M., Thienot, E., Codoron, R., & Fournier, J.F. (2009). Mindfulness ans Acceptance Approaches in Sport Performance. Journal of Clinical Sports Psychology, 4, 320-333.

De Petrillo, L. A., Kaufman, K. A., Glass, C. R., & Arnkoff, D. B. (2009). Mindfulness for long-distance runners: An open trial using Mindful Sport Performance Enhancement (MSPE). Journal of Clinical Sport Psychology, 25(4), 357-376.

Dimidjian, S., & Linehan, M. M. (2003). Defining an agenda for future research on the clinical application of mindfulness practice. Clinical Psychology: Science and Practice, 10(2), 166-171.

Gardner, F. L., & Moore, Z. E. (2004). A mindfulness-acceptance-commitment-based approach to athletic performance enhancement: Theoretical considerations. Behavior Therapy, 35(4), 707-723.

Hasker, S.M. (2009). Evaluation of the Mindfulness-Acceptance-Commitment (MAC) Approach for enhancing athletic Performance. Dissertation, Indiana Univerity of Pennsylvania. Abgerufen 12. April 2010 von

http://dspace.lib.iup.edu:8080/dspace/bitstream/2069/276/1/Sarah+Hasker+Corrected.pdf

Heinz, K., Heidenreich, T., & Brand, R. (2012). Entwicklung und Effektüberprüfung eines achtsamkeitsbasierten sportpsychologischen Trainings zur Aufmerksamkeits- und Emotionsregulation. In J. Fischer (Ed.), BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2010/11 (pp. 235-238). Bonn: Bundesinstitut für Sportwissenschaft.

Jackson, P., & Delehanty, H. (1996). Sacred hoops: Spiritual lessons of a hardwood warrior. New York: Hyperion.

Kabat-Zinn, J., Beall, B., & Rippe, J. (1985). A systematic mental training program based on mindfulness meditation to optimize performance in collegiate and Olympic rowers. Paper presented at the World Congress  in Sport Psychology, Copenhangen, Denmark.

Kaufman, K. A., Glass, C. R., & Arnkoff, D. B. (2009). Evaluation of Mindful Sport Performance Enhancement (MSPE): A new approach to promote flow in athletes.Journal of Clinical Sport Psychology, 25(4), 334-356.

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