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Prof. Dr. Oliver Stoll: Vorsicht vor den Gurus!

Im Word Wide Web finden Sie alle möglichen Anbieter im Bereich des Mentaltrainings oder dem Personal-Coaching im Sport. Da geht es vom „Über glühende Kohlen  oder Glasscherben laufen“ bis hin zum „Handauflegen für bessere Leistungserbringung“. Manche Anbieter versprechen sogar „Leisten unter Druck lernen in zwei Stunden“ oder „Nie wieder verlieren durch Hypnose“.

Zum Thema: Von „Gurus“, „Heilsbringern“ und „Meistern“ in der Welt des Sport-Mentaltrainings

Der nun folgende Blogbeitrag soll meine schon vorangegangenen Beiträge „Was tun Sportpsychologen eigentlich?“ sowie  „Was wir kosten“ ergänzen und diese kleine Serie vorläufig abschließen. 

In unserer Gesellschaft, und hier gerade im relativ unregulierten Berufsgebiet des Wettkampf- und Breitensports ist der „Psychomarkt“ ständig im Wachsen begriffen. Nirgends ist aber das Angebot so undurchsichtig, unkontrolliert und die Qualität so wenig überprüft, wie im Bereich des „Mentaltrainings“ oder der Sportpsychologie. Von vollmundigen Versprechen in Richtung „Selbstoptimierung im und durch Sport“, „Sportliche Leistungsoptimierung im Handumdrehen“ oder „Goldmedaille allein durch Mentales Training“ profitieren meistens mehr die Anbieter als die Hilfesuchenden. Dabei werden teilweise seriöse, psychologische Ansätze zunehmend mit religiösen, spirituellen oder esoterischen Inhalten kombiniert, so dass manche Angebote mehr den Charakter einer „Heilslehre“ (bis hin zum Sektentum) annehmen. Einige Hinweise, wie solche kritischen Hinweise zu erkennen sind, finden Sie bei Kanfer & Schmelzer (2001).

Im Sinne der von die-sportpsychologen angestrebten Übersetzung von Fachwissen in die Prasis habe ich Ihnen einige Kriterien notiert. Bei folgenden Aspekten sollten Sie also sehr vorsichtig werden:

1.) Wird mit einfachen Antworten auf komplexe Leistungsfragen geworben?

2.) Wird so getan, als könnte das Angebot menschliche Sehnsüchte erreichbar machen (wie z.B. Vollkommenheit in der Leistungserbringung, höhere Bewusstseinszustände, Befreiung von allen Fesseln in der Leistungserbringung)?

3.) Werden notwendige Informationen verweigert, geraten Sie durch Forderungen in Zugzwang (sofortige Entscheidung!) oder werden Sie mit Schuldgefühlen unter Druck gesetzt?

4.) Kommen „überirdische“, magische, geheimnisvolle Kräfte ins Spiel, die am Werk sein sollen, damit sie leistungsfähiger werden?

5.) Wird diesen „Energien“ auch die Verantwortung über Erfolg und Misserfolg des sportpsychologischen Trainings gegeben?

6.) Wird Leistungsversagen als „böse“ und „ausschließlich selbstverschuldet“ hingestellt?

7.) Tritt der Mentaltrainer als Guru, Führer oder Meister auf, der sich im Besitz leistungssteigernder Kräfte wähnt?

8.), Tritt der Mentaltrainer oder Sportpsychologe (ohne Belege) mit exklusivem Anspruch auf bzw.  denunziert er alle anderen Trainingsverfahren?

Und 9.) Wird blindes Vertrauen, absoluter Gehorsam, keinerlei Widerspruch, vorbehaltlose Durchführung aller Anweisungen und umfassende Lebenskontrolle verlangt?

Expertenlisten helfen

Sollten Sie diese Fragen bezogen auf einen gewählten „Trainer“ mit Ja beantworten, sollten Sie auf alle Fälle über sich und ihre Situation vor einer sportpsychologischen Betreuung oder einem Mentaltraining nachdenken. Dadurch können Sie Ihre persönliche Entscheidung etwas leichter sowohl nach gefühlsmäßigen als auch vernünftig-logischen Maßstäben treffen, wie es mündige Sportler tun. Um keine einsamen Entscheidungen treffen zu müssen, ziehen Sie ruhig Personen ihres Vertrauens mit zu Rate. Am günstigsten ist es, sich vor Beginn bei möglichst unterschiedlichen Quellen über die in Frage kommenden Sportpsychologen der Region zu informieren. Eine Auflistung verschiedener, qualitätsgesicherter Anbieter finden Sie auf dem Kontaktportal des Bundesinstituts für Sportwissenschaft (www.bisp-sportpsychologie.de). Darüber hinaus sind natürlich alle bei die-sportpsychologen.de und die-sportpsychologen.ch  gelisteten Profilinhaber seriös arbeitenden Experten im Bereich Mentaltraining und  sportpsychologische Betreuung.

Unterstreichen möchte ich an dieser Stelle, dass nicht alle Mentaltrainer schlecht sind. Mir geht es lediglich um die Wahrung definierter Qualitätsstandards, was außerhalb des geschützten Feldes der Sportpsychologie deutlich schwerer fällt. Umso interessanter finde ich eine Offerte meiner Kollegin Cristina Baldasarre von die-sportpsychologen.ch, die im Jahr 2017 einige Weiterbildungskurse für Mentaltrainer anbietet:

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Zum Text inklusive Angebot:

http://die-sportpsychologen.ch/2016/12/16/cristina-baldasarre-supervision-fuer-mentaltrainer/

 

 

 

 

 

Literatur:

Kanfer, K.H. & Schmelzer, D. (2001). Wegweiser Verhaltenstherapie. Berlin: Springer

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Dr. Hanspeter Gubelmann: Liebe auf den ersten Blick?

Am Wochenende gastiert der Skisprung-Weltcup wieder im beschaulichen Engelbergertal. Der „Heimwettkampf“ ist für die Swiss-Ski-Athleten immer ein Anlass mit eigenen Vorzeichen – ganz besonders dieses Jahr: Der alte Titlis-Bakken wurde mit grossem Aufwand modernisiert, der Charakter der Schanze den aktuellen Erfordernissen angepasst. Für jeden Athleten gilt es nun, sich möglichst schnell und im Hinblick auf die am Wochenende stattfindenden Wettkämpfe auch erfolgreich mit der neuen Titlis-Schanze anzufreunden. Wer findet die Liebe auf den ersten Blick? Eine höchst reizvolle Aufgabenstellung auch aus Sicht der Sportpsychologie.

Zum Thema: Weshalb die ersten Versuche auf einer neuen Wettkampfanlage für Sportler besonders wichtig sind

«You never get a second chance to make a first impression». Was im alltäglichen Dating-Verhalten von Mann und Frau als unumstössliches „Gesetz“ gilt, wird in der Psychologie mit dem Primacy-Effekt beschrieben. Dieser „Erster-Effekt“ wird als Gedächtnisphänomen beschrieben, bei dem früher eintretende Informationen besser erinnert werden als später eingehende. Die wissenschaftliche Erklärung basiert auf der zu Beginn erleichterten Speicherung von Informationen im Langzeitgedächtnis und dem Fehlen anderer Informationen, die mit diesen ersten Informationen interferieren und die Speicherung damit negativ beeinflussen könnten.

So kompliziert diese Theorie klingen mag, so einfach verständlich erscheint sie in ihrer Anwendung an der Schanze. Skisprung-Disziplinenchef Berni Schödler bringt es auf den Punkt: „Fünf wichtige Männer schauen sich das offizielle Training am Freitag sehr genau an.“ Der Experte Schödler meint damit die fünf Punktrichter, die im Rahmen der beiden Trainingssprünge des offiziellen Trainings die Athleten, ihre Sprungstile und insbesondere die Landetechnik der Skispringer unter die Lupe nehmen. „Wenn du zweimal den Sprung einfach „aufgibst und hinkachelst“ und diesen miesen Lande-Eindruck bei diesen Herren hinterlässt, musst du dich als Springer danach nicht wundern, wenn du in der anschliessenden Quali – auch wenn du eine ordentliche Telemark-Landung zeigst – nur eine Note 17.5 erhälst! Die Sprungrichter werden dann wohl denken: Okay nett!  Aber so sicher sieht die Landung halt doch noch nicht gerade aus…“ Die „strengere“ Benotung mit einem entsprechenden Puntktabzug ist dann die Folge jenes Primacy-Effekts, ausgelöst durch den schlechten Eindruck im vorangegangenen Training!

Weltweit höchstes Anlaufgefälle

In thematischer Nähe zum Primacy-Effekt steht ein weiteres Konstrukt der Wahrnehmungs- und Lernpsychologie: das Priming. Unter Priming (engl. to prime = etwas grundieren, bahnen) versteht man die Aktivierung einer bestimmten Kategorie, zum Beispiel „Ausfliegen des Sprungs“, durch einen bestimmten Reiz z.B. „Eindruck der modernen Sprungschanze» oder einem kognitiven Anreiz: „Ich mache mein Ding bis zum Schluss“. Übertragen auf die sich stellende Aufgabe an der Schanze heisst das: Mit welchem mentalen „Set-up“ will ich oben auf dem Balken sitzen, um diesen ersten Sprung auf einer für mich komplett neuen Schanzenanlage erfolgreich zu gestalten? Macht es Sinn, einfach hinzugehen, mal zu schauen wie die Schanze „geht“, um sich dann langsam darauf einrichten zu wollen?

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Champions wie Simon Ammann werden eine andere Strategie wählen, wählen müssen. Aufgrund der limitierten Anzahl an Trainingsversuchen geht es für sie vor allem darum, den erforderlichen Anpassungsprozess zu ökonomisieren und zu optimieren. Dies geschieht zuallererst in einer aktiven Auseinandersetzung mit den veränderten Parametern der Sprungschanze und deren bedeutsamen antizipierten Auswirkungen auf die eigene Bewegungsausführung. Konkret: Der Anlauf und die Anlaufspur in Engelberg sind vollständig verändert und modernen Ansprüchen angepasst worden. Der lange Schanzentisch wurde um 5 Meter verkürzt, das Anlaufgefälle auf das weltweit höchste Mass von 36 Grad erhöht und der Anlauf mit einer ultramodernen Eisspur aufgerüstet. Im Slang der Athleten gesprochen: Aus dem „alten Bock“ von damals ist jetzt „Fast and Furious“ am „Tisch“ angesagt! Im gerade veröffentlichten Buch „Von Null auf Hundert“, verfasst von Szenenkenner Beat Christen, äussert sich Simon Ammann zur besonderen Ausgangslage: „Auf einer neuen oder umgebauten Anlage zu springen, ist immer etwas Aufregendes“, sagt der Doppel-Doppel-Olympiasieger. Die Parameter seien bei allen wieder auf Null gestellt.

Fünf Vorgaben für die Training- und Wettkampfvorbereitung

Aus diesen aktuellen Rahmenbedingungen und gestützt auf Erkenntnisse der sportwissenschaftlichen Forschung, lassen sich in Verbindung mit dem grossen Erfahrungsschatz der Trainer und Athleten mindestens fünf sportpsychologisch akzentuierte Vorgaben für die Training- und Wettkampfvorbereitung ableiten.

  1. Jeder Athlet setzt sich individuell und mit Unterstützung der Trainer aktiv mit der neuen Schanze auseinander. Wenn Gregor Deschwanden in einem Interview von einem Vorteil spricht, dass der von ihm „gehasste“ alte Schanzentisch nicht mehr sei, dann ist das grundsätzlich richtig – aber nur die „halbe Miete“! Entscheidend wird auch für ihn sein, möglich schnell erste positive Eindrücke zu gewinnen!
  2. Die Trainingsdevise für jeden Sprung muss lauten: Optimal vorbereiten und den Sprung bis zum Ende ausreizen! Das impliziert aber auch, dass jeder Sprung wird mit einem Telemark-Aufsprung abgeschlossen werden MUSS!
  3. Bewusstes, fokussiertes Durchspielen der individuellen Sprungvorbereitung. Die Basis-Sprungtechnik-Checkliste ist entscheidend. Ich vertraue meiner Devise, ich mache meinen Sprung…!
  4. Um den Priming-Gedanken von oben aufzunehmen: Affirmationen („ich gehe voll!“) und positive Selbstgespräche („ich liebe diese Herausforderung!“) sind in Engelberg ein Schlüssel zum Erfolg!
  5. Trainer-Feedback: Das Schwergewicht liegt bei den positiven Rückmeldungen. Sehr gute Sprünge werden nicht mit „Das war ein toller Sprung, aber…!“ kommentiert! Sondern: Anlauf, Timing, Übergang in Flugphase waren sehr gut – weiter so!

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Einfach springen

Worauf sich Doppel-Doppel-Olympiasieger Simon Ammann und seine Kollegen in Engelberg einlassen werden, erklärt er im abschliessenden Kapitel des Buchs „Von Null auf Hundert“ (S. 103): Wenn Simon sagt, «man springt einfach», dann steckt hinter dieser Aussage viel mehr. Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung kann er zwar schnell den Charakter des Anlaufradius einschätzen, die erste Anfahrt zum Schanzentisch wird aber auch beim Routinier für eine erhöhte Pulsfrequenz sorgen. «Nach der Qualifikation haben alle noch Spass an der neuen Anlage», ist Simon überzeugt und schildert das weitere Vorgehen wie folgt: «Nach dem ersten Wettkampf vom Samstag werden einige schon weniger Freude an der neuen Titlis-Schanze haben, und spätestens am Sonntag nach dem Wettkampf ist die Meinung darüber gemacht, ob die Schanze in Engelberg Aufnahme im ganz individuell zusammengestellten Ranking der Lieblingsanlagen eines jeden einzelnen Athleten finden wird oder nicht.» Ganz sicher mit einem speziellen Gefühl das Tal verlassen wird jener Skispringer, der sich als erster den Schanzenrekord sichert. «Solche Geschichten nehmen in der Karriere eines Skispringers immer einen besonderen Stellenwert ein», weiss Simon Ammann aus eigener Erfahrung.

 

Quellen:

Christen, B. (2016). Von Null auf Hundert. Die Engelberger Skisprung-Geschichte von 1904 bis 2016. Engelberger Dokument Heft 33. Eigenverlag: Kulturkommission Engelberg.

http://die-sportpsychologen.ch/2015/12/30/skispringen/

http://die-sportpsychologen.ch/2015/12/19/dr-hanspeter-gubelmann-vom-ende-eines-automatismus-wie-simon-ammann-nach-neuer-perfektion-sucht/

 

http://die-sportpsychologen.ch/2015/12/30/skispringen/

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Cristina Baldasarre: Mentaltrainer gesucht

Die Herausforderungen, mit denen angewandt arbeitende Sportpsychologen und Mentaltrainer in der Praxis konfrontiert sind, könnten vielfältiger nicht sein. Um im gesamten Berufsfeld die Qualität der Betreuung der Athleten, Trainer und Funktionäre zu steigern, ist reger qualitativer Austausch und eine stetige Fortbildung nötig. Für interessierte Mentaltrainer habe ich daher ein Angebot entwickelt: 2017 biete ich sechs Gruppensupervisionen für Mentaltrainer an.

Zum Thema: Ein neues Fortbildungsangebot für Mentaltrainer

Der Lacross Spieler ist Trainingsweltmeister.
Die Springreiterin kann ihr Gedankenkreisen vor dem Schlafen nicht abschalten.
Der Golfer hat zu wenig Selbstvertrauen.
Der Fussballer steckt in einer sechsmonatigen Knierehabilitation fest.
Die Langläuferin ist Perfektionistin.

So vielfältig präsentieren sich die Anliegen der Athleten, die alle erwartungsvoll in die Stunde kommen und sich eine Verbesserung ihrer Situation wünschen. Da stellt sich uns doch die Frage, WIE der Sportpsychologe dies bewerkstelligen möchte und WAS genau für Interventionen, Techniken und Tools er dazu einsetzen wird? Fest steht, dass wir alle aus den gleichen Theoriebüchern gelernt und die „must have“ Klassiker der Sportpsychologie durchgeackert haben. So sind wir auch in der Lage, wissenschaftliche Studienergebnisse zu lesen und von der Theorie in die Anwendung zu übertragen. So weit, so gut! Die Frage aber, welcher der oben genannten Athleten nun genau welche Art von Intervention braucht und welche Technik in Kombination mit einer anderen genau bei wem ihre optimale Wirkung entfaltet, oder warum bei gleichem Anliegen eine Methode einmal wirkt und ein andermal wenig Erfolg bringt – solche Weisheiten sind in unseren Büchern schwer zu finden.

Eine Idee zum WIE von Beratungen gibt uns Monika Liesendeld (2012) mit ihrer Unterscheidung zwischen Fach- und Prozessberatung. Erstere zielt auf die Vermittlung mentaler Techniken bei klarem Auftrag; klassischer Weise das Aufgabengebiet von Mentaltrainern. Zweitere fokussiert, wie der Begriff schon deutlich macht, den gesamten Prozess, der unter Betrachtung zum Beispiel von systemischen oder psychodynamischen Aspekten begleitet wird. Dies ist klassischer Weise das Aufgabengebiet von Sportpsychologen und geht über zu demjenigen von Therapeuten, sobald psychotherapeutische oder psychopathologische Inhalte ins Zentrum rücken.

Fortbildungen sind ein Muss

Aber zurück zu den sportpsychologischen Theorien. Wer in Beratungssituationen, Coachings oder Therapiesettings arbeitet, weiss um die Wichtigkeit, genau solche Theorien in der Praxis individualisiert und kontextabhängig einzusetzen. Einfach ausgedrückt heisst das: Jeder Athlet ist individuell und anders und Massnahmen müssen diesem Individualitätsgrad gerecht werden, wenn sie qualitativ hochstehend und erfolgreich sein sollen.

So ergibt sich die Frage, wie diese Qualitätskriterien und -anforderungen gut erfüllt werden können? Die Fortbildungspflicht für (Sport-) Psychologen – ein Muss und eine Selbstverständlichkeit – sind hochgehaltene Werte. Nicht zuletzt weil sie in den ethischen Richtlinien unseres schweizerischen Dachverbandes FSP (Föderation Schweizer Psychologen) aber auch der SASP (Swiss Association of Sport Psychology) verankert sind. Die SASP vereint einerseits Sportpsychologen, andererseits auch Mentaltrainer, die seit einigen Jahren auch in die SASP eintreten können. Anders als in Deutschland, wo sich der Fachverband der Deutschen Sportpsychologen asp (Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie) von den Mentaltrainern in aller Deutlichkeit distanziert, hat sich der schweizerische Fachverband vor einigen Jahren dazu ausgesprochen, gut qualifizierte Mentaltrainer in einer eigens dafür gegründeten Sektion aufzunehmen. Die dafür geforderten Qualitätsstandards sind hoch gesteckt und dienen als Zulassungskriterien für das Assessment, welches eigens dafür erarbeitet wurde.

Intervision und Supervision im Fokus

Das Quality Management Modell von Birrer & Seiler (1999) dient als Grundlage für eine ganzheitliche Übersicht des Qualitätssteuerungsprozesses. Es zeigt detailliert in den drei wichtigen Bereichen Struktur, Prozess und Ergebnis auf, wie die Beraterqualität bestmöglich gesteigert werden kann. Als Rahmenmodell diente es auch der SASP zur Erarbeitung neuer Inhalte und Angebote in den drei genannten Bereichen. Das von der SASP angebotene Assessment für Mentaltrainer gehört im Modell von Birrer & Seiler in den Bereich Strukturmassnahmen. So wie auch der Fortbildungsauftrag, den die FSP und die SASP inne haben. Die SASP sieht eine ihrer Kernaufgaben darin, für ihre Mitglieder unterschiedliche Fortbildungsangebote anzubieten. Sich fortzubilden umfasst darum auch verschiedenste Möglichkeiten wie beispielsweise wissenschaftliche Artikel lesen, Kongressbesuche, Aus- oder Fortbildungen sowie Intervision und Supervision. Gerade die letzteren beiden sind meiner Meinung nach sehr wichtig im Zusammenhang mit hohen Qualitätsansprüchen, um die Professionalisierung ständig voran zu treiben. Intervision und Supervision gehören im Modell von Birrer & Seiler in den Bereich des Prozesses. Hier liegt der Fokus auf der inhaltlichen Ebene während den Beratungen sowie auf der Interaktion zwischen Berater, Athleten und dem restlichen involvierten System.

Mein neues Angebot einer Gruppensupervision für Mentaltrainer hilft mit, den Vorgaben von SASP und FSP einfacher nachzukommen. Es unterstützt einen höheren Qualitätsstandard, der sich in der Arbeit mit dem Athleten niederschlägt.

Das Angebot 

(Download als pdf-Flyer)

Gruppensupervision für Mentaltrainer

Wollen Sie Ihre Professionalität als Mentaltrainerin und Mentaltrainer fördern und dadurch Ihre Dienstleistungen stetig verbessern?

Hier finden Sie die fachgerechte Weiterbildung, bei der Sie für Ihre konkreten Beratungssituationen Ideen zur Weiterarbeit sowie neue Lösungswege finden. Zudem erhalten Sie Möglichkeiten der Reflexion Ihres eigenen Beratungsprozesses sowie Ihrer beraterischen Rolle. Ein gegenseitiger Austausch in der Gruppe sowie meine Fachinputs erweitern Ihr professionelles Handeln auf allen Ebenen, gleichzeitig bauen Sie Ihr Netzwerk aus. Dadurch verbessern Sie die Qualität Ihrer Dienstleistungen stetig.

Entwickeln Sie Ihr professionelles Handeln und melden Sie sich für die Gruppensupervision für Mentaltrainer an.

Termine: jeweils 9.30h-12.00h
10.2.17 / 24.3.17 / 12.5.17 / 7.7.17 / 22.9.17 / 17.11.17

Adresse: Lernpraxis am Klus Park, Cris;na Baldasarre, Jupiterstr. 35, 8032 Zürich, 079 434 09 57, cristina.baldasarre@lernpraxis.ch, www.lernpraxis.ch.

Kosten: 600.00CHF (bei 5 TN).
Die Teilnehmerzahl ist auf max. 5 beschränkt.

 

 

Baldasarre, C., Birrer, D. & Seiler, R. (20054). Quality Management in der Schweizer
Sportpsychologie. Sportmedizin und Sporttaumatologie, 2, 54-56.

Birrer, D. & Seiler, R. (1999). Quality management in applied sport psychology: A
project for the professionalisation of sport psychology services in Switzerland.
In V. Hosek, P. Tillinger & L. Bilek (Eds.), Psychology of sport and Exercise:
Enhancing the quality of life. Proceedings of the 10th European Congress of
Sport Psychology (Part 1, pp. 110-112). Prague: Charles University/FEPSAC.

Liesenfeld, M. & Beckmann-Waldenmayer, D. (2012). Systemische Beratung in der
Sportpsychologie – Grenzen und Möglichkeiten. In: D. Beckmann-Waldenmayer
& J. Beckmann. Handbuch sportpsychologischer Praxis. Mentales Training in
den olympischen Sportarten. Balingen: Splitta. S. 60-70.

www.sportpsychologie.ch
www.fsp.ch
www.asp-sportpsychologie.org

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Thorsten Loch: Die schwere Wahl des Trainingspartners

Warum wirkt sich eigentlich die emotionale Unterstützung positiv auf das Training aus? Und welche Rolle spielen dabei insbesondere die direkten Trainingspartner? Wir veröffentlichen hier Thorsten Lochs Expertise zu diesem Thema, die Grundlage einer Recherche eines großen Fitness-Magazins war. Der Profilinhaber von die-sportpsychologen.de gibt nicht zuletzt auch zwei konkrete Tipps zum Thema.

Worauf sollten Freizeitsportler bei der Wahl des Trainingspartners achten?

In erster Linie sollte darauf geachtet werden, dass der Trainingspartner auch die gleichen Trainingsziele verfolgt wie man selbst. Die Begründung ist relativ einfach, denn der Trainingspartner kann die typischen Situationen (z.B. intensives Training, Doppelbelastung Beruf/Familie oder Integration von Sport in den Alltag) sehr gut nachvollziehen und Verständnis entwickeln und somit Hilfestellungen leisten. Ein Beispiel dazu: Nach den ersten intensiven Trainingswochen machen sich Muskelkater und Co. bemerkbar, nur die gewünschten Ziele stellen sich noch nicht ein. Die ersten Zweifel nähren sich den Gedanken, dass man das Training nicht durchhält, weil man eh kein Sportler ist usw. Hier hilft der regelmäßige Austausch mit dem Trainingspartner. Möglicherweise geht es ihm ähnlich. Man bekommt die Erkenntnis, dass man nicht allein ist mit seinen „Probleme“ ist und es anderen ähnlich ergeht.

Mein Tipp: Tauschen Sie sich regelmäßig aus und stärken Sie sich gegenseitig.

Spielt das Geschlecht eine Rolle?

Aus meiner Sicht ist es egal, ob der Trainingspartner gleichgeschlechtlich ist oder nicht. Viel wichtiger ist (wie bereits im Abschnitt zuvor beschrieben) die Frage, ob die Trainingsziele deckungsgleich sind. Aus meiner Erfahrung haben Männer und Frauen häufig unterschiedliche Ziele (eine Ausnahme stellen Sportanfänger bzw. -wiedereinsteiger dar). Sind es diese nicht, wird es schwer – aber nicht unmöglich – Verständnis für den anderen in der jeweiligen Situation zu entwickeln.

Spielt die Trainingsform eine Rolle?

Die Trainingsform spielt im Hinblick auf die direkte Einflussnahme bzw. Praktikabilität während des Trainings eine Rolle. Gehen wir davon aus, dass viele in Studios ihren Sport betreiben, gestaltet es sich dies beim Kardiotraining schwierig. In der Regel wird es möglich sein, „nebeneinander“ auf den Maschinen zu trainieren, doch eine direkte Einflussnahme ist hier schwierig. Man kann sich gegenseitig „pushen“, jedoch artet dies häufig in Gespräche aus, welche nicht mehr zielführend sind und letztendlich leidet die Trainingsqualität darunter. Anders sieht es bei dem Krafttraining an den Sequenzmaschinen bzw. im Freihantelbereich aus. Je nach Trainingsmethodik ist die Belastungsdauer mit 30-90 Sekunden im Vergleich zum Ausdauertraining sehr kurz. Die Belastungsintensitäten sind höher und hier hilft ein positiver Zuspruch die letzten Wiederholungen zu absolvieren. Auch das Wissen, dass jemand einem zur Seite steht, vermittelt dem Trainierenden ein Gefühl der Sicherheit, dass auferlegte Gewicht zu bewältigen bzw. gegebenenfalls behilflich zu sein. Zusätzlich kann der Trainingspartner eine Rückmeldung geben, ob die Übungen korrekt ausgeführt wurden. Somit verhindert man das „Einschleifen“ von dysfunktionalen Bewegungsmustern und verhindert so genannte Zwangslagen auf den passiven und aktiven Bewegungsapparat.

Empfiehlt es sich, einen Freund oder eine Freundin zu wählen? Warum oder warum nicht?

Wie eingangs beschrieben sollte bei der Auswahl darauf geachtet werden, dass die Zielstellung gleich ist. Mit dem Ziel, sich gegenseitig (vor allem in schwierigen Phasen) zu motivieren. Voraussetzung dafür ist Ehrlichkeit und Vertrauen. Diese sind bei Freunden weitaus stärker ausgeprägt, als bei „Fremden“. Zu einem Manko könnte sich ein Freund als Trainingspartner erweisen, wenn einer der beiden das Training abbricht und somit den Verbleibenden „im Stich“ lässt. Deshalb sollte im vorhinein gut überlegt werden und klar kommuniziert werden wie man sich das Training vorstellt.

Mein Tipp: Besuchen Sie gemeinsam das Studio und besprechen Sie gemeinsam die Vor- als auch die Nachteile des Studios.

Inwieweit kann mich ein Trainingspartner motivieren?

Heutzutage sind die Themen Motivation und Motivationsförderung regelmäßig Inhalt für Führungskräfte. Die Fähigkeit, sich selbst und andere motivieren zu können, wird häufig als eine der wichtigsten Eigenschaften gesehen. Wichtig ist hierbei jedoch im Blick zu halten, dass es streng genommen nicht möglich ist, andere zu motivieren. Fälschlicherweise wird oftmals davon ausgegangen, dass Motivation reaktiv und nicht selbst initiativ ist. Sprich Chefs, Trainer und Eltern versuchen Mitarbeiter, Sportler und Kinder durch externe Einflussnahme wie bspw. Belohnung oder Bestrafung zu motivieren und müssen über kurz oder lang feststellen, dass Motivation immer eine Eigenleistung des zu Motivierenden als Grundimpuls haben muss. Wie auch immer die Rahmenbedingungen gestaltet sein mögen, zuletzt ist es immer die handelnde Person selbst, die den Schritt machen muss und letztendlich die Handlung ausführt. Ein Beispiel dazu: Im Winterhalbjahr sind die Tage kürzer, das Wetter schlechter und die Lust auf Training nach einem anstrengenden Arbeitstag hält sich in Grenzen. Das Wissen, dass der Trainingspartner auf einen wartet, kann dazu motivieren, seine Tasche packen und sich auf den Weg zu machen (Stichwort: extrinsische Motivation). Wesentlich nachhaltiger wird das Training sein, wenn der Trainierende intrinsisch motiviert ist (wenn es um seiner willen geschieht).

Wie können Sie sich erklären, dass vor allem die emotionale Unterstützung eine besondere Rolle spielt?

Jeder der sich einmal in einer anstrengenden Leistungssituation (z.B. Jogging) befunden hat, wird vielleicht bei sich beobachtet haben, dass in dieser Situation immer erst der Kopf „aufgibt“ und im Anschluss die Beine das Laufen einstellen. Wem dies bei sich noch nicht aufgefallen ist, sei bei der nächsten Einheit aufgefordert, einmal bewusst darauf zu achten. Die Sportpsychologie spricht in diesem Zusammenhang von den sogenannten inneren Selbstgesprächen. Diese nehmen in der Leistungssituation einen wechselhaften/ambivalenten Charakter ein und sorgen letztendlich zum Handlungsstopp. Die Bandbreite von „Gib jetzt nicht auf!“ bis hin zu „Hat doch eh keinen Zweck!“ ist schier unendlich. Die Selbstgesprächsregulation ist einer der am häufigsten Techniken im Leistungssport und beschreibt die Fertigkeit, Selbstgespräche (handlungsbegleitende Gedanken) regulieren zu können. Diese Selbstgespräche selbstwertdienlich zu formulieren ist immer eine Eigenleistung, jedoch kann der Trainingspartner als eine Art Erinnerungsanker fungieren, wenn dieser beobachtet, dass diese eine negative Formulierung annehmen. Hier unterscheidet sich der gut zum sehr guten Trainingspartner. Die Gespräche sind selten für andere wahrnehmbar und der Außenstehende muss spüren, wann mein Partner meine Unterstützung benötigt.

Mein Tipp: Besprechen Sie im Anschluss das Training. Wie hat es sich angefühlt? Wann kippte das Selbstgespräch (Welche Übung? Welcher Satz? Usw.) und protokollieren Sie dies. Somit kann sich der Trainingspartner ein Bild machen und Anzeichen identifizieren.

Wie werde ich zu einem guten Trainingspartner? Wie kann ich meinen Trainingspartner am besten unterstützen?

Diese Frage ist individuell von jedem zu beantworten. Die einfachste Möglichkeit ist das Gespräch untereinander. Fragen Sie, was Sie sich von dem Trainingspartner in den unterschiedlichen Situationen wünschen bzw. wie sich es sich vorstellen. Niemand weiß besser als Sie selbst, was sich brauchen.

 

Portrait of tired looking fitness woman sitting on box at gym. She is relaxing after her intense workout.

Was wirkt noch motivationssteigernd? Wie lässt sich die Motivation für und während des Trainings zu steigern?

Tipp 1: Setzen sie sich Ziele!

Nichts ist motivierende als ein Ziel. Achten Sie jedoch darauf, dass sie sich SMART-Ziele setzen.

a). Ziele nach folgenden Kriterien formulieren:

Spezifisch (konkret)

Messbar (überprüfbar)

Anpassbar (individuell)

Realistisch (optimistisch)

Terminiert (verbindlich)

b). Zwischen kurz- (vier Wochen), mittel- (zwei bis sechs Monaten) und langfristigen (mehrere Monate oder Jahre) Zielen unterscheiden und wenn nötig Zwischenziele setzen.

c). Ergebnis- und Handlungsziele formulieren. Ergebnisziele sind quantifizierbare Resultate (gelaufene Zeit für eine bestimmte Distanz o.ä.) und beziehen sich auf Ergebnisse. Handlungsziele sind qualitative Ziele und beziehen sich mehr auf Leistungen oder Handlungen.

d). Kompatibilität verschiedener Ziele aus unterschiedlichen Lebensbereichen prüfen.

e). Geeignete Aktionspläne und Strategien zur Zielverfolgung erstellen (Erfolgsplan – wer, wann, was, wo, wie).

f). Ziele überprüfen bzw. Zielevaluation vornehmen. Dabei sollten Sie besonders darauf achten, dass,

  • Ziele in einen Zeitrahmen eingebettet sind,

  • Ziele flexibel an aktuelle Gegebenheiten angepasst sind,

  • verschiedene Ziele kompatibel sind und

  • Sie bei mehreren Zielen Prioritäten setzen.

MERKE!

Ohne Ziele keine Motivation. Ohne Motivation keine Handlung!

Fitnessraum

Tipp 2: Stolpersteine erkennen

Hindernisse und Stolpersteine erkennen und diese durch Umorganisation, Gespräche etc. beseitigen. Setzen Sie sich in einer ruhigen Minute bei Seite und halten Sie möglich entstehende Stolpersteine schriftlich fest. Sind diese notiert, überlegen Sie im Anschluss, was sich ändern müsste, dass diese nicht zu unüberwindbare Hürden werden.

Beispiel: Einmal die Füße auf dem Sofa, komme ich nicht wieder hoch.

Lösung: Organisiere sie sich so, dass sie ihre Sportsachen mit zur Arbeit nehmen und im Anschluss direkt ins Studio fahren.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und Spaß bei der Umsetzung und stehen Ihnen gern für weitere Fragen zur Verfügung. Link zum Profil: http://www.die-sportpsychologen.de/profile/thorsten.loch/

http://www.die-sportpsychologen.de/profile/thorsten.loch/

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Prof. Dr. Oliver Stoll: Athleten online beraten?

Funktioniert die sportpsychologische Anwendung auch über Online-Kanäle? Also via Skype, Facetime, WhatsApp, Google Hangout und wie alle dieser mehr oder wenigen neuen Tools heißen. Diese Frage tauchte im Rahmen des ersten Netzwerktreffens von die-sportpsychologen in Leipzig auf. Eine äußerst spannende und aktuelle Diskussion, die mich allerdings an etwas erinnerte.

Zum Thema: WhatsApp, Twitter & Co in der sportpsychologischen Praxis – Möglichkeiten und Grenzen

In meinen „jungen Jahren“ der sportpsychologischen Betreuungsarbeit – und diese fiel zusammen mit der Etablierung des Internets in unserer Berufswelt – hatte ich mir schon Gedanken über die Nutzung des Mediums gemacht. In einem Artikel in der damaligen Zeitschrift für Sportpsychologie (vormals „psychologie & sport“) publizierte ich meine damaligen Erfahrungen im Bereich der „Online-Beratung“ von Sportlerinnen und Sportlern (Stoll & Lau, 2003). Positive Erfahrungen konnten damals ebenso festgestellt werden, wie Probleme. Die schnelle und unkomplizierte Kontaktaufnahme sowie die Möglichkeit, zunächst anonym „abzuklopfen, ob ein solches Angebot angenehm und umsetzbar ist, standen verschiedene Probleme gegenüber. Konktet: Der Datenschutz, der Nachteil fehlender Informationen zum emotionalen Zustand des „Gegenübers“, da Gestik und Mimik nicht wahrgenommen werden kann und nicht zuletzt evtl. vorliegende psychopathologische Indikation, die meinerseits nicht bearbeitet werden konnten. Immerhin hatte ich in einem Jahr damals ca. 180 Kontaktaufnahmen, die überwiegend im Rahmen eines einzigen, intensiveren E-Mail-Interaktionsprozesses gelöst worden sind. Ca. 20% benötigten mehrere Interaktionsprozesse. Ca. 10% deuteten auf klinische Probleme hin. Die einzigen verwendeten Medien waren damals eine persönliche Homepage sowie ein E-Mail-Account.

Seitdem ist viel passiert – in der digitalen Welt. Neben dem Aufkommen von Social-Media-Plattformen, die man z.B., wie auch unsere hier, als Informations- und Aufklärungs-Tool, evtl. sogar als digitales Psychoedukations-Werkzeug nutzen kann, gibt es SMS, WhatsApp, Skype und andere Internetbasierte Messenger-Services, die eine schnelle und unkomplizierte Kommunikation zwischen Sportpsychologe und Athlet ermöglichen. Die Probleme von damals sind natürlich auch heute noch nicht gelöst, aber die Kommunikationsmöglichkeiten haben sich natürlich erweitert und werden gerade im Bereich der Spitzensportbetreuung genutzt, denn Athleten, die im Profibereich unterwegs sind, haben wenig Zeit, sind oft auf Reisen. Somit bleiben oft nur diese Möglichkeiten des Informationsaustausches. Denn nur in wenigen Fällen sind wir Sportpsychologen immer mit „vor Ort“.

Bedingung Sensibilität

Unsere digitale Welt verändert sich rasant und gerade die Berufsgruppen, die darauf angewiesen sind, Informationen schnell und effektiv auszutauschen, sollten sich diesen Medien nicht verschließen. Auch wenn wir eben sehr vorsichtig und sensibel in der Nutzung sein müssen – je hochklassiger der Athlet und der Wettkampf, desto mehr Personen setzen eine Personen-sensible Kommunikation voraus. Eine professionelle Ausbildung unserer Studierenden und eine gute Fortbildung von Kolleginnen und Kollegen unseres Berufsfeldes wäre in diesem Zusammenhang anzuraten. Ich bin sehr gespannt, wie sich diese Kommunikationswelt weiterentwickelt und wie lange ich in meinem Alter noch in der Lage bin, diesbezüglich mitzukommen.

 

Quellen

Stoll, O. & Lau, A. (2003). Sportpsychologische Online-Beratung – Praktische Erfahrungen, Möglichkeiten und Grenzen. psychologie & sport 10, 144-149.

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Dr. René Paasch: Der Footbonaut für Amateure!

Das schnelle Entscheidungshandeln ist eine der wichtigsten Fähigkeiten im Fußball. Deshalb muss der Prozess ‘SAEH – Sehen-Antizipieren-Entscheiden-Handeln’ im Training unbedingt geschult werden. Einige Fußball Top-Vereine greifen dabei auf sauteure Technik zurück. Den ‘Footbonauten’, den bereits Borussia Dortmund und die TSG Hoffenheim nutzen, können Amateurvereine und viele andere Profi-Clubs aber nicht bezahlen – mit kreativen Hilfsmitteln lässt sich jedoch vergleichbar arbeiten.

Zum Thema: Kreative Trainingsformen zum Üben von Entscheidungshandeln

Der Footbonaut ist eine kostspielige Trainingsmaschine. Die 14×14 Meter große Kunstrasenfläche ist von Gitterwänden umgeben, die aus 72 Quadraten bestehen. Im Footbonauten können in kürzester Zeit und in Anwendung unterschiedlichster Trainingsformen viele Situationen simuliert werden. Talentierte Spieler spielen in sechseinhalb bis siebeneinhalb Minuten 100 Bälle – das sind 200 Ballkontakte. Diese Gesamtsituation ist real nur schwer darstellbar. Dazu kommen komplexe Auswertungsmöglichkeiten. Vom Austritt des Balles aus der Maschine bis zum Übertritt der Lichtschranke im Zielfeld erhält der Leistungsfußball unglaublich viele Daten. Somit können Rankings erstellt, Profile anlegt und nachvollzogen werden. So ist es möglich, jeden Fort- und Rückschritt festzuhalten. Folgende Trainingseffekte können mit den Footbonauten trainiert werden: Ballannahme und -weitergabe, Handlungsschnelligkeit und Konzentrationsfähigkeit. Geschwindigkeit und Präzision im Passspiel. Adaptionsfähigkeit auf eine zufällig entstehende Situation, um nur einige Bereiche zu nennen. Damit sind die wesentlichen Effekte benannt. Es geht aber noch tiefer. Dabei geht es nicht mehr nur um die Ballannahme, sondern gleichzeitig schon um die Richtung, in die das Spiel gehen wird. Der Footbonaut bietet somit dem Leistungsfußball die Möglichkeit, hier sehr gezielt zu arbeiten.

In diesem Zusammenhang möchte ich auf die Forschungsinhalte von Professor Oliver Höner hinweisen. Gedanken können einschränken und Handeln macht entscheidungsfreudig! – dies trifft auf zahlreiche Handlungen im Fußball zu. Sie gründet auf einer misslungenen Lösung des Abschirmungs-Unterbrechungs-Dilemma der Handlungsteuerung (Höner, 2005): Einerseits müssen sich Spieler frühzeitig für Handlungsabsichten wie dem Alleingang mit Torabschluss entscheiden und dann ihre Aufmerksamkeit auf die Realisierung konzentrieren. Andererseits müssen Spieler aufgrund der zeitlichen Impulse des Fußballspiels offen für Veränderungen der Situation sein. Damit sind neben technischen Fertigkeiten und konditionellen Fähigkeiten im Fußball immer auch kognitive Fähigkeiten Spiel entscheidend. In dem nun folgenden Abschnitt werden Trainingsformen und Übungsaufbauten präsentiert, die den Voraussetzungen im Footbonauten nahekommen und die gleichen Abläufe fordern.

Praktische Organisationsformen im Fußball:

Mit den nun dargestellten Übungen können folgende Bereiche im Fußball trainiert werden: Ballan- und -mitnahme flacher, halbhoher oder hoher Zuspiele sowie das zielgenaue und dosierte Passspiel. Weiterhin lernen die Spieler, in unterschiedliche Richtungen zu denken und zu spielen, so dass das Passen immer wieder sowohl vom Standbein weg als auch über das Standbein erfolgt. Außerdem wird die Beidfüßigkeit geschult. Auf kognitiver Ebene werden die Wahrnehmung und Verarbeitung akustischer und optischer Signale sowie die Vororientierung bis hin zur Handlungsumsetzung gefördert. Für umfassende empirisch Forschungen, empfehle ich Ihnen die Übersichtsarbeiten von Professor Daniel Memmert (2012, 2015), der zahlreiche methodische Möglichkeiten zur fußballspezifischen Schulung von taktischer Kreativität entwickeln konnte. Siehe dazu auch den Leitartikel:

Prof. Dr. Daniel Memmert: Kreatives taktisches Entscheiden im Fußball

Trainingsformen:

„Vier kleine Tore“

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 Organisation
  • Ein 12 x 12 Meter großes Quadrat mit verschiedenfarbigen Eckhütchen markieren.
  • 4 Minitore gemäß Abbildung aufstellen und durchnummerieren.
  • 4 Spieler verteilen sich mit Bällen an den Eckhütchen.
Ablauf
  • Der Trainer gibt zwei akustische Signale.
  • Zuerst nennt er eine Farbe, von wo der Ball zugespielt wird.
  • Danach folgt eine Zahl, die das Zieltor bestimmt.
  • Der Spieler in der Feldmitte kontrolliert das Zuspiel und schließt schnellstmöglich auf das vorgegebene Zieltor ab.

Informationen erweitern

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Organisation
  • Den Aufbau beibehalten.
Ablauf
  • Der Trainer gibt jetzt nicht nur zwei, sondern drei akustische Informationen.
  • Die erste Information gibt an, von wo der Ball kommt.
  • Die zweite bestimmt, mit welchem Spieler ein Doppelpass gespielt wird.
  • Die dritte bezeichnet das Zieltor, in das der Innenspieler passen soll.

Mittelpunktspieler

mittelpunktspieler

Organisation
  • Den Aufbau beibehalten.
Ablauf
  • Im Feld stehen zwei Spieler A und B, die zusammenspielen.
  • Die erste Information des Trainers bestimmt den Zuspieler.
  • Die zweite Information bezeichnet das Zieltor.
  • A erhält das erste Zuspiel und passt möglichst direkt zu B weiter.
  • B kontrolliert das Zuspiel und passt in das entsprechende Zieltor.
  • A und B tauschen nach jeder Aktion die Aufgaben.

Eine zusätzliche Erweiterung der Aufgaben im ‚Footbonaut kreativ für Amateure‘ kann durch Verwendung weiterer Elemente erreicht werden. So kann der Trainer auch Übungen auf sechs oder sogar acht Tore durchführen. Steht im Sportverein eine solche Anzahl an Toren nicht zur Verfügung, können dabei auch Hütchen zum Einsatz kommen. Der Einsatz des „Footbonauten kreativ für Amateure“ ist für mich inhaltlich sinnvoll, da viele Schulungselemente permanent Eingang ins  Spiel finden.

Wenn Sie Fragen zur Anwendung und Umsetzung und zur Trainingssteuerung haben, nehmen Sie gern Kontakt zu mir auf.

http://www.die-sportpsychologen.de/profile/Rene%20Paasch/

Literatur:

  1.   Unkelbach, C., Ostheimer, V., Fasold, F., & Memmert, D. (2012). A calibration explanation of serial position effects in evaluative judgments. Organizational Behavior and Human Decision Processes, 119, 103-113.
  2.   Hüttermann, S., & Memmert, D. (2015). The Influence of Motivational and Mood States on Visual Attention: A Quantification of Systematic Differences and Casual Changes in Subjects’ Focus of Attention. Cognition and Emotion, 29, 471-483.
  3. Höner, O. (2005). Entscheidungshandeln im Sportspiel Fußball – Eine Analyse im Lichte der Rubikontheorie. Schorndorf: Hofmann.

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Dr. Hanspeter Gubelmann: Let the music play!

Musik wurde im Sport schon früh als Begleitmedium zur Motivationssteigerung eingesetzt. Als legendär gilt etwa das TV-Konditionstraining von Kunstturn-Ikone Jack Günthard. Der Olympiasieger von 1952 zählt zu den vielen Wegbereitern moderner, musikgetriebener Konditionstrainingsformen wie Zumba oder Taebo. Die neueste, kabellose Kopfhörergeneration erleichtert zudem den individuellen Einsatz von Musik erheblich und eröffnet dadurch einen neuen Markt für findige Anbieter: Mit so genannten Playlists werden im Internet neue Möglichkeiten der Leistungssteigerung gepriesen. Was bewirkt Musik und wie kann sie unsere sportliche Leistung beeinflussen? Und: wie soll der Einsteiger mit Musik umgehen?

Zum Thema: Zum Umgang und Einsatz von Musik im Sport

Im Zusammenhang mit Bewegung und Sport erfüllt Musik unterschiedliche Funktionen. Beim Tanzen definiert sie Tanzstil und seine Ausdrucksform. Die Eiskunstläuferin wählt ihr Programm mit Sprüngen, Pirouetten und Schrittpassagen passend zur Musik und lässt sich in ihrer choreographischen Ausgestaltung von der Musik inspirieren. Anders im Konditionstraining oder auf dem Spinningrad: gut gewählte Musik wird hier zum strukturierenden Merkmal, dann nämlich, wenn Bewegungsrhythmus und Ausführungsgeschwindigkeit auf den Takt der Musik abgestimmt sind. Das Mass der Dinge sind die bpm: beats per minute oder „Schläge pro Minute“, die zu den Grundbewegungsformen entsprechend gewählt sein müssen: Kräftigen: 60/120, Hüpfen: 100-120 bpm sowie Laufen: 120- max. 160. Die maximale Frequenz liegt je nach Körpergrösse und Formstand (z.B. Kinder!) bis zu 20 Schläge höher. Zudem soll der Musikcharakter zur Ausführungsform passen. Harte Beats fürs Krafttraining, Dreivierteltakt zum Schwingen und sanfte Melodieformen sowie instrumentale Arrangements zur Unterstützung der Entspannungswirkung. Gefällt uns der Soundtrack, scheinen uns die Bewegungen leichter zu gelingen, wir verspüren Spass und auch aufkommende Schmerzen werden durch das motivierende Erleben gedämpft.

I’m the scatman!

Welchen Einfluss Musik auf die sportliche Leistung auch im Spitzenbereich erzielen kann, zeigt die Anekdote zu den Weltrekordläufen von Haile Gebrselassie. Nach Aussagen des äthiopischen Wunderläufers lief er seine Rekorde stets mit Scatman von Scatman John im Ohr. Als Begründung gab er später an, dass die Musik optimal zu seiner Höchstgeschwindigkeit passte, die er über 5’000 und 10’000 laufen konnte. Er nutzte Scatman quasi als Simulator, indem er seinen Lauf in Weltrekordzeit mit seiner Lieblingsmusik synchronisierte.

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Weitere Informationen

Wie kann dieser musikalische Simulator nun auch für die Breitensportlerin funktionieren? Meine Kollegin Elvina Abdullaeva bezieht sich in ihrer lesenswerten Anleitung zur leistungsfördernden Anwendung von Musik auf die wissenschaftlichen Ausführungen von Karageorghis (2014). Dieser beschreibt zwei Arten von Einflussfaktoren, den inneren und den äußeren. „Die inneren beziehen sich auf die Komponenten der Musik, also auf Rhythmus, Melodie, Harmonie und gegebenenfalls den Liedtext. Alles, was die Musik ausmacht. Zu den äußeren Faktoren zählen kultureller Einfluss und persönliche Assoziationen und Erfahrung. Diese bestimmen wie die Musik von dem Zuhörer interpretiert wird, welche Bedeutung diese oder eine andere Melodie für ihn hat. Rhythmus, Liedtexte, persönliche Erinnerungen – Wie soll sich eine stimulierende Musik anhören? Ein Erfolgsmuster gibt es sicher nicht.“

Elvina Abdullaeva: Musik besser als Doping?

 Die wissenschaftliche Befundlage zur leistungsförderlichen Wirkung von Musik ist noch nicht abschliessend geklärt, zwei Grundannahmen scheinen sich mittlerweile zu verdichten. Bei zyklischen Bewegungen dürfte die leistungsförderliche Wirkung insbesondere dann eintreten, wenn Bewegungs- und Musikgeschwindigkeit übereinstimmen. Um den sogenannten „push-Effekt“ zu Beginn einer Leistung zu erzielen, kann die Musikgeschwindigkeit zusätzlich leicht erhöht werden. Damit leistet man vor allem zu Beginn der Belastung mehr, möglicherweise aber auch auf Kosten eines späteren, primär physiologisch bedingten Einbruchs. Der positive Effekt einer hohen Vorstart-Stimulation könnte im Bereich höchster Intensität (HIT, High Intensity Training; HIIT, High Intensity Interval Training) von Bedeutung sein. Andererseits gilt es vor einem übermässigen „push-Effekt“ zu warnen. Etwa Lauf-Rookies, die sich eine unterstützende Wirkung ihrer Musik in ihrem Marathon-Debut erhoffen, sind mit der Wahl eines moderaten Anfangstempos sehr gut beraten. Im Wissen um diesen Effekt verbieten einige Marathon-Veranstalter auch das Tragen von Kopfhörern! Interessant und vielleicht auch als Orientierungshilfe für Einsteiger zielführend: Die Musik-Spezialisten sprechen von einer optimalen Bandbreite zwischen 125 und 140 bpm!

Wie finde ich meinen Soundtrack?

Entscheidend für die individuelle Passung ist die psycho-akustische Wirkung meiner Playlist. Nach Karageorghis (2012) besonders geeignet sind Songs mit einer gleichbleibend rhythmischen Qualität, mit bestätigenden Texten und positiven Harmonien. „Titel, in denen Dur-Akkorde vorherrschen, eignen sich besser als Stücke in Moll. Die Musik sollte ferner die eigenen musikalischen Hörgewohnheiten widerspiegeln und aus dem Kulturkreis beziehungsweise dem sozialen Umfeld des Athleten stammen. Man sollte auf Synkopen, also wechselnde Betonungen der Takte, ebenso verzichten wie auf Titel, die in ihrem Verlauf langsamer oder schneller werden.“ Folgende „Checkliste“ kann für die Entwicklung der eigenen Playlist hilfreich sein.

Persönliche Präferenzen: Wenn ich „meine“ Musik aussuche, die mir gefällt, die mich an positive Erfahrungen erinnern lässt und die ich auch häufiger hören möchte, kann ich fast nichts falsch machen. Die positive psychologische Wirkung basiert auf dieser fundamentalen, individuellen Bewertung.

Passung: Der Einsatz von Musik hat Konsequenzen auf die Wahrnehmung des Athleten und seine Konzentration. Das Tragen von Kopfhörern und die Verwendung von Musik ist überall dort, wo ein erhöhtes Mass an Aufmerksamkeit gefordert ist (z.B. Strassenverkehr), unverantwortlich.

Wettkampfvorbereitung: Musik vor dem Wettkampf wird häufig zur positiven Stimulation im Sinne einer Aufmerksamkeitslenkung, einer motivationalen Bestärkung sowie der Regulation der psychophysischen Befindlichkeit eingesetzt. Die Athletin versucht dabei, Musik so zu verwenden, um in ihren optimalen Vorstartzustand zu gelangen. Einige Athleten erarbeiten sich in Zusammenarbeit mit ihren Sportpsychologen eigene Playlists, die neben Musik auch weitere, akustisch unterstützte Affirmationen sowie spezifische Bewegungsinstruktionen beinhalten. So eingesetzt wird Musik Teil einer individuellen Wettkampfvorbereitung. Bekannt ist aber auch, dass das Tragen von Kopfhörern (ohne Musikhören!), dem Athleten dazu dient, um in Wettkampfnähe nicht angesprochen zu werden!

Einsatzort: Musik im Fitnessraum, wo ich mich auch von der lärmigen Atmosphäre schützen will, ist bestimmt sinnvoll. In freier Natur mit einer Vielzahl anderer, auch psycho-akustischer Leistungsförderer, ist sie für viele überflüssig. Bei den Trail-Runnern findet Musik beispielsweise keine Anwendung.

Abwechslung: Meine Playlist sollte Abwechslung bieten und muss laufend verändert, angepasst oder auch neu zusammengestellt sein. Wirkung entsteht durch Wiederholung positiver Effekte, nicht aber durch Langeweile!

Lautstärke: Als Regel gerade in Verbindung mit den neuen Kopfhörer-Generation gilt: Man sollte intensive Trainingseinheiten grundsätzlich nicht mit extrem lauter Musik verbinden. Und zwar aus einem einfachen Grund: Während des Trainings steigt der Blutfluss zu den arbeitenden Muskeln stark an, was das Innenohr sehr empfänglich für potenzielle Schädigungen macht und bei einer hohen Lautstärke zu temporärem Hörverlust und mit der Zeit sogar bleibenden Tinnitus-Symptomen führen kann. Die Lautstärke ist so zu wählen, dass man sich auch dann noch problemlos unterhalten kann, wenn man die Kopfhörer trägt!

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Weitere Informationen

 

Quellen:

Karageorghis, C. I. (2014). Music-Based Interventions. In: Encyclopedia of Sport and Exercise Psychology, Ed. Eklund, R.C., Tenenbaum G.

Fit mit Jack: https://www.youtube.com/watch?v=B_KFKij0ZWA

http://www.sportunterricht.ch/Musik/bpm.php

http://www.die-sportpsychologen.de/2015/03/26/elvina-abdullaeva-befluegelnde-musik/

http://www.zeit.de/sport/2012-10/musik-sport-motivation-psychologie/seite-3

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Cristina Baldasarre: Tipps für Hobbyläufer

Beim 17. Frauenfelder Marathon am Sonntag, den 20. November, ist sie eine von vielen. Auch ihre Geschichte, mit etwa 30 Lebensjahren mit dem Ausdauersport zu beginnen, stellt keine Besonderheit dar. Dennoch nehme ich die Zusammenarbeit mit eben dieser Breitensportathletin zum Anlass, um einmal aufzuzeigen, wie konkret die Sportpsychologie im Ausdauerbereich helfen und nutzen kann.

Zum Thema: Marathon aus Sicht einer Breitensportathletin

Die Hobbysportlerin ist 31 Jahre alt und lief ihren allerersten Marathon in Frauenfeld im November 2015 in drei Stunden 49 Minuten. Dafür wurde sie mit dem dritten Kategorienrang belohnt, ein Supererfolg für die Marathon-Newcomerin! Sie hatte sich zuvor ca. 2,5 Jahre darauf vorbereitet: Begonnen hatte sie mit kurzen Läufen von höchstens fünf Kilometern, ohne je an einen Marathon zu denken, denn das erschien ihr sehr unrealistisch. Langsam steigerte sie ihr Pensum auf zehn Kilometer, und bald wurden daraus 21. Langsam rutschte sie Richtung Marathon und erreichte im Training die 42 Kilometer Dauerlauf tatsächlich. Der Ehrgeiz war nun geweckt und sie setzte sich das Ziel, am Aargau-Marathon vom Mai 2016 zu starten und unter 3h 49 Min. zu Laufen. Gesagt – getan! Sie schaffte die Strecke in 3h 29 Min. und wurde mit dem 4. Kategorienrang belohnt. Ihr nächstes Ziel wird nun die wiederholte Teilnahme mit Leistungssteigerung am bevorstehenden 17. Frauenfelder Marathon vom 20. November 2016 sein.

Lesen Sie das Interview mit der Ausdauersportlerin sowie ihre Ansichten, ob, und wenn ja wie die Sportpsychologie ihr in ihrem Werdegang behilflich war:

Was sind hinsichtlich Marathon Ihre grössten mentalen Herausforderungen gewesen?

„Wenn ich in der Hälfte, also nach 21 km, zu Denken beginne und mir überlege, dass es jetzt noch einmal so weit ist bis ins Ziel. Dann muss ich mich irgendwie weiter motivieren und einfach Weiterrennen. Und wenn dann ab Kilometer 30 die Muskulatur langsam schmerzt, muss ich mich für die letzten 12 Km nochmals Aufraffen.

Oder wenn nach km 30 schon wieder eine Steigung kommt und man sich so langsam denk „Jetzt kann ich dann nicht mehr“, dann muss ich trotzdem genug Kraft aufbringen können, um aus der Kriese zu kommen und weiter zu Laufen.“

Sportpsychologisch gesprochen geht es dabei um die folgenden Inhalte sowie Interventionen:

  • Sich grosse Ziele setzen und gut durchdachte Zwischenziele einbauen, die erreichbar scheinen.
  • Mit inneren Bildern arbeiten. Diese wirken, sofern richtig ausgewählt und bewusst eingesetzt, sehr motivationserhaltend und –steigernd.
  • Sein inneres Selbstgespräch (eigene Gedanken und Gefühle) wahrnehmen und kennen. Dadurch können leistungshemmende, negative Sätze in positive, leistungssteigernde transformiert werden

Marathon running race, people feet on city road

Wie haben Sie sich bisher mental auf einen Marathon vorbereitet?

„Bisher habe ich mich im Vorfeld immer sehr genau mit der Strecke auseinandergesetzt und mir diese angeschaut; beispielsweise die Steigungen analysiert oder überlegt, wo die Verpflegungsposten stehen. Dann habe ich meine gewünschte Zeit festgelegt und meinen dafür benötigten Kilometerschnitt ausgerechnet. Dadurch verlagere ich meine Konzentration auf die Kilometerzeit und kann die Zielzeit „vergessen“.  

Weiter mache ich mir im Vorfeld immer wieder bewusst, dass ich viel trainiert habe um das Ziel zu erreichen (manchmal kommen kurz vor dem Wettkampf Zweifel auf, ob ich es auch wirklich schaffe und ob ich genug dafür getan habe). Ich versuche immer positiv zu denken, sprich mich nicht von Gegebenheiten wie dem schlechten beeinflussen zu lassen.

Schliesslich erstelle ich im Kopf meine Zeitplan: wann ich aufstehen muss, wann ich was esse, damit genügend Zeit zwischen Essen und Lauf-Beginn liegt (letzte Mahlzeit vor dem Lauf ist bei mir immer ein Teller Pasta mit Tomatensauce ca. 3.5h vor dem Start, und das egal um welche Zeit).

Ich packe jeweils bereits am Tag vorher, damit ich nicht in der Hektik etwas Wichtiges vergesse. Dies hilft mir , um in den richtigen Wettkampfzustand reinzukommen.“

Sportpsychologisch gesprochen geht es dabei um die folgenden Inhalte sowie Interventionen:

  • Mit inneren Bildern arbeiten. Das Visualisieren der Strecke inklusive der für die Athletin wichtigen Zwischenstationen, so detailliert wie nötig. Dadurch entsteht ein strukturierter Rennplan im Kopf.
  • Das Gesamtziel (Zeit die angestrebt wird) ist ein sogenanntes Rangziel und rückt zugunsten von Prozesszielen in den Hintergrund. Wer diese im Fokus hat (WAS muss ich konkret tun, also mein Handlungsplan), der nimmt dadurch bewusst Einfluss auf sein sportliches Handeln und seine Leistungen.
  • Sein inneres Selbstgespräch (eigene Gedanken und Gefühle) wahrnehmen und kennen. Dadurch können leistungshemmende, negative Sätze in positive, leistungssteigernde transformiert werden. 
  • Der mentale Countdown. Die Vorstartphase ist enorm wichtig und wird detailliert durchgeplant sowie die nötigen Vorbereitungsschritte (z.B. das Packen) gezielt platziert (z.B. vorverlegt). So werden Energien gebündelt und das Gefühl der Sicherheit wächst stark.

Was hilft Ihnen, wenn es im Rennen schwierig wird und die Beine nicht mehr mitmachen möchten?

„Meistens führe ich so eine Art inneres Selbstgespräch, so im Stil von: „Komm, das packst du noch, es ist schon mehr als die Hälfte geschafft, du musst quasi nur noch „nach Hause“ laufen“. Oder ich versuche mich abzulenken, sprich an etwas anderes zu denken (nicht daran denken, wie viele Kilometer noch vor mir liegen). Dabei hilft es mir, mich auf meine Atmung zu konzentrieren.“

Sportpsychologisch gesprochen geht es dabei um die folgenden Inhalte sowie Interventionen:

  • Sein inneres Selbstgespräch (eigene Gedanken und Gefühle) wahrnehmen und kennen. Dadurch können leistungshemmende, negative Sätze in positive, leistungssteigernde transformiert werden.
  • Mit inneren Bildern arbeiten. Diejenigen im Vorfeld finden, welche im Notfall gut helfen (z.B. „Nach Hause laufen“).
  • Die Atmung als Anker benutzen, um sich darauf zu konzentrieren und die Gedanken dadurch gezielter zu steuern, vor allem aber auch das Körperempfinden zu beeinflussen.

Machen Sie etwas im Bereich der Aufmerksamkeitslenkung während des Laufens?

„Nicht so gezielt. Ich konzentriere mich meistens auf meine Atmung und wenn es Naturwege sind, ist der Kopf eher Richtung Boden gerichtet, damit ich nicht stolpere oder so. Ich bin dabei ziemlich bei der Sache und meine Gedanken schweifen, glaube ich, nicht in irgendeine Richtung, welche nichts mit dem Rennen zu tun haben. Ich bin eher damit beschäftigt, mir zu überlegen, wann ich den nächsten Energie-Gel zu mir nehme, damit ich nicht in ein Loch falle.“

Sportpsychologisch gesprochen geht es dabei um die folgenden Inhalte sowie Interventionen:

  • Die Atmung als Fokussierungsmöglichkeit nutzen, eventuell im Rhythmus der Atmung innerlich mitgehen.
  • Den Lauf einteilen. Den genauen Plan kennen und wissen. Zu welcher Zeit und bei welchem Kilometer was zu tun ist und wie das getan wird.
  • Sein inneres Selbstgespräch (eigene Gedanken und Gefühle) wahrnehmen und kennen. Dadurch können die positiven und leistungssteigernden Sätze abgerufen und so oft wie nötig wiederholt werden.

http://www.der-frauenfelder.ch/laeufe/marathon1

http://www.bzbasel.ch/kommentare/basel-marathon/tapering-erholung-und-vorfreude-129589625

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Dr. René Paasch: Selbstgespräche machen Beine

Zaubern kann die Sportpsychologie nicht, aber kleine Wunder sind ab und an schon drin. Und wenn Sie als Trainer oder Mitspieler mal ihr kleines Wunder erleben wollen, dann passen Sie jetzt gut auf. Am Ende dieses Textes sollten Sie nämlich in der Lage sein, mit sehr einfachen Mitteln ihrem eher zögerlichen und nicht entscheidungsfreudigen Spieler oder Mitspieler sichtlich „entscheidungsschnellere Beine“ zu machen. Wie das geht? Mit Selbstgesprächen.

Zum Thema: Können innere Gespräche Effekte auf die Ausdauerleistungsfähigkeit haben?

Ich möchte Ihnen nun zeigen, dass es mit mentalen Interventionen der Selbstgesprächsregulation (Eberspächer, Immenroth, Mayer, 2002), die effizient im Trainingsalltag von Amateurfußballern integriert werden können, gelingen kann, hemmende gedankliche Muster zu beeinflussen, so dass Fußballer handlungsorientierter und ausdauerleistungsfähiger werden.

Praktische Anleitung

Eines Vorab: Selbstgespräche sind die im Spitzensport am häufigsten eingesetzten psychologischen Strategien. Das „innere Sprechen“ stellt eine Art Probehandeln dar, das uns auf die nächsten Schritte aufmerksam macht. „Positive Selbstgespräche helfen Ihren Spieler/innen psychische Beanspruchungssituationen erfolgreich zu bewältigen und mentale Stärke zu erlangen“.

„Denken Sie immer daran: Erst wenn Sie im Kopf aufgeben, hören auch die Beine auf zu laufen.“

Und damit in die Umsetzung: Sie suchen einen geeigneten Moment, um die Mannschaft von ihrem Vorhaben zu informieren. Da der Aufwand von Seiten der Spieler sehr gering ist und eine erfolgreiche Umsetzung für jeden Einzelnen ein greifbares Ergebnis erzielen sollte, dürften Sie kaum Gegenwind ernten. Lassen Sie also nun Ihren Spielern folgenden Handlungsorientierungsfragebogen-Sport (HOSP) ausfüllen:

Link zum Fragebogen

Hinweis: Gern helfe ich Ihnen bei der Auswertung des Fragebogens. Scheuen Sie also nicht, mich zu kontaktieren: Profilseite Dr. René Paasch

Fragebogen als Grundlage

Das gewählte Verfahren misst die Handlungsorientierung in drei Bereichen nach Misserfolg (HOM; 12 Fragen), bei der Handlungsplanung/-entscheidung (HOP; 12 Fragen) und während der erfolgreichen Tätigkeitsausführung (HOT; 12 Fragen). Diese Daten bilden die Grundlage und spätere Vergleichswerte. Des Weiteren sollten Sie den bekannten Cooper-Test (12-Minuten-Lauf) sowie 100-Meter-Sprint zur Testung heranziehen. Darüber hinaus bietet es sich an, im Training verschiedenen mentalen und motorischen Übungsformen zum Themen zur Handlungsorientierung und Lageorientierung einzubauen. Was sich hinter den Begriffen Handlungsorientierung und Lageorientierung verbirgt, erkläre ich später und weise noch einmal daraufhin, dass ich Sie gern bei speziellen Übungsformen unterstütze.

Den Fragebogen, der für Ihre Spieler/innen den Startpunkt darstellte, teilen Sie nach vier Monaten erneut aus. In der Zwischenzeit erhält Ihre Mannschaft zweimal wöchentliche Intervention zur Selbstgesprächsregulation. Die Dauer der Intervention beträgt ca. 15 Minuten wöchentlich vor dem Training.

Intervention im Training

Die wöchentliche Intervention „Selbstgesprächsregulation“ sollte aus folgenden vier Bestandteilen bestehen:

  • Sammeln typischer aktueller innerer Monologe der Fußballer, z.B. „Ich weiß, wie wichtig das innere Gespräch ist, kann mich aber nicht aufraffen, weil ich das noch nie konnte“.
  • Negative Selbstgespräche umformulieren, z.B. „Ich möchte jetzt mein kognitives Verhalten verändern, und auch wenn es mir schwer fällt, weiß ich, dass es mir gut tut und ich mich auf Dauer und leistungsfähiger fühle.“
  • Training der förderlichen Selbstgespräche, z.B. die umformulierten Sätze morgens 4-mal laut vor dem Spiegel vorsprechen und sich das Handeln täglich immer wieder vorstellen.
  • Gezielter Einsatz von Atementspannung in kritischen Momenten, am Anfang gemeinsam üben, dann müssen die Fußballer selbst üben.

Folgende weiterführende Texte empfehle ich Ihnen zum Thema Selbstgespräche: Die Macht der Selbstgespräche:

Prof. Dr. Oliver Stoll: Gute Selbstgespräche

Die Bedeutung des inneren Dialogs. Wie Selbstgespräche die Trefferquote verbessern können:

Dr. René Paasch: Analyse NIR vs. GER

Fazit

Mein Standpunkt ist: Je kognitiver Fußballer innere Gespräche trainieren und wöchentliche regulative Interventionen nutzen, desto handlungsorientierter und ausdauernder können Sie sein (Paasch, 2016). Gewiss ist es eine lohnende Aufgabe der Zukunft, im Bereich mentaler Maßnahmen weiter nach Zusammenhängen und Interventionsmöglichkeiten zu forschen, da die Bedeutung der emotionalen Befindlichkeit, das heißt, die innere Haltung zu einer Handlung ganz wesentlich die Funktion der dazu benötigten Wirkmechanismen beeinflusst, damit die Handlung überhaupt möglich wird und – in diesem Falle des Sportverhaltens – damit eine Änderung von Handeln und Ausdauer geschehen kann. Die in meiner praktischen Arbeit erhobenen Ergebnisse und gemachten Erfahrungen deuten daraufhin, dass Selbstgesprächsregulation die Handlungsorientierung und Ausdauerleistungsfähigkeit unterstützen können (Paasch, 2015).

Hintergrund zu Handlungsorientierung und Lageorientierung

Neben den spezifischen Fähigkeiten, wie Technik, Taktik und Kondition sind die kognitiven Fähigkeiten der Spieler ausschlaggebend und repräsentativ für erfolgreiche Spiele im Fußball (Höner, 2008). In Bezug auf die fußballspezifische Kompetenz, muss der Fußballer somit unter hohem Zeitdruck, im richtigen Moment, seine Leistung abrufen können. Es lassen sich im Fußball häufig Situationen beobachten, die für Zuschauer und Mitspieler nicht nachvollziehbar sind. Wer kennt nicht Situationen, in denen ein Spieler erfolglos auf das Tor schießt, obwohl zum Zeitpunkt des Torschusses ein Mitspieler besser steht? Vor diesem Hintergrund ist es wichtig zu wissen, welcher Unterschied besteht zwischen einem handlungsorientierten und lageorientierten Fußballer?

Lageorientierte Fußballer zeigen schlechtere Leistungen vor allem bei Aufgaben, die fein- und grobmotorische Koordination verlangen, wie der angemessene Einsatz von Ressourcen wie z.B. Kraft und Konzentration (Gabler 2004, S. 223). Es gibt Sportarten, die allerdings lageorientierten Sportlern entgegenkommen (Beckmann & Kazén, 1994), sogenannte Individualsportarten wie Radfahren, Schwimmen, Laufen und einige Leichtathletikdisziplinen. Handlungsorientierten Fußballern ist zwar möglich, sich kurzzeitig in eine Art Lageorientierung zu versetzen (analytisches Denken), jedoch vermögen lageorientierte Fußballer nur sehr schwer oder nur unter besonders positiven Umständen, handlungsorientiert zu sein. Steigt der mentale Druck, werden lageorientierte Fußballer eher den Kontakt zu ihren sportlichen Fähigkeiten verlieren. Im Fußball lassen sich durch innere Selbstgespräche Situationen besser bewältigen, wie z.B. die vorhandenen Leistungsressourcen im Spiel abzurufen (vgl. Schliermann & Hülß, 2008).

Der Handlungsorientierung wird – insbesondere bei technisch und konditionell ausgebildeten Fußballspielern – eine hohe Bedeutung für die Spielfähigkeit im Fußball zugesprochen (Abemethy, 1999, S. 132). In der Praxis wird die Schulung allerdings nicht explizit in der Trainingsplanung berücksichtigt. Jedoch bestimmen kognitive Komponenten in Verbindung mit der Aufmerksamkeit wesentlich die psychische Regulation der Handlungen des Sportspielers und damit seiner Spieltätigkeit und Leistung. Die Entwicklung solcher leistungsbestimmender Faktoren werden mehr oder weniger dem Zufall überlassen (Konzag, 1997). Als Konsequenz daraus ist die Handlungsfähigkeit mit Unterstützung innerer Gespräche gegenüber den bereits gut erforschten technischen Bereichen besondere Entwicklungsmöglichkeiten zuzuschreiben.

 

Literaturverzeichnis

  1. Abernethy, B. (1999). The 1997 Coleman Roberts Griffith Address Movement Expertise: A Juncture between Psychology Theory and Practice. Journal of Applied Sport Psychology, 11, 126-141.
  2. Beckmann, J. & Kazén, M. (1994). Action and state orientation and the performance of the top athletes. In Kuhl, J. & Beckmann, J. (Eds.), Volition and Personality. Action versus state orientation (pp. 439–451). Göttingen: Hogrefe & Huber Publishers.
  3. Beckmann, J. & Kellmann, M. (2004). Self-Regulation and Recovery: Approaching an understanding of the process of recovery from stress. Psychological Reports, 95, 1135-1153.
  4. Eberspächer, H., Immenroth, M. & Mayer, J. (2002). Sportpsychologie – ein zentraler Baustein im modernen Leistungssport. Leistungssport, 32.
  5. Gabler, H. (2004). Motivationale Aspekte sportlicher Handlungen. In H. Gabler, J. Nitsch & R. Singer (Hrsg.): Einführung in die Sportpsychologie. Teil 1: Grundthemen, Schorndorf: Hofmann.
  6. Höner, O. (2008) Entscheidungshandeln in Fußball – von der Theorie zur Praxis. Am Ball- die Euro 08 im Spiegel der Wissenschaft“ des Collegium generale der Universität Bern, S. 2-31
  7. Konzag, G. (1997). Entscheidungsprozesse im Sportspiel – Überblick und ausgewählte Forschungsergebnisse aus dem Fußballspiel. In D. Augustin (Hrsg.), Taktiktraining im Fußball (S. 57-66). Hamburg: Czwalina.
  8. Maxwell, A. E. 1970. Comparing the classification of subjects by two independent judges. British Journal of Psychiatry 116: 651–655.
  9. Paasch, R. (2015): Journal of Pedagogy and Psychology. Effect of training self-talk regulation on improving action orientation vs. state orientation and endurance performance in the area of amateur soccer Riga Teacher Training and Educational Management Academy, Latvia. 8th International scientific conference. ISBN 978-9934-503-31-3. Internet: www.rpiva.lv/pdf/8_konferences_raksti.pdf, S. 76
  10. Schliermann, R. & Hülß, H. (2008). Mentaltraining im Fußball. Hamburg: Czwalina Stoll, O. & Ziemain, H. (2009). Mentaltraining im Langstreckenlauf.
  11. Stuart, A. 1955. A test for homogeneity of the marginal distributions in a two-way classification. Biometrika 42: 412–416.
  12. Weinberg, R. S., & Gould, D. (2003). Foundations of sport and exercise psychology, 3. Aufl., Champaign, IL: Human Kinetics.

 

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Dr. Michele Ufer: Führung und Teamentwicklung

Motivationsvorträge und -trainings sind in Mode und werden gern von Unternehmen und Sportteams gebucht. Viele „Motivationsexperten“ & Mentaltrainer schwören dabei auf die immer gleichen Slogans und den Machbarkeitswahn des „Positiven Denkens“. Das wirkt selten nachhaltig positiv und kann sogar zu Frust, Zweifel und Burnout führen. Andere schließen gern von ihren persönlichen Erlebnissen, die sie im Rahmen (extrem)sportiver Urlaubsaktivitäten sammeln, auf die Motivation in Unternehmen oder Sportteams. Markige Sprüche wie „Wenn du willst, kannst du alles erreichen“ sind an der Tagesordnung, aber oft wenig hilfreich, weil sie an der Wirklichkeit vorbeigehen und die Verantwortung auf das Individuum abwälzen, ohne die organisationalen Rahmenbedingungen zu berücksichtigen, in denen sich die Menschen meist bewegen.

Zum Thema: Motivationstraining vs. Organisationsberatung?

Vor einiger Zeit wurde ich vom Bundestrainer einer Nationalmannschaft wegen eines Coachings angefragt. Er hatte unter anderem aus den Medien über meine eigenen sportlichen Aktivitäten gehört, schien von meinen Erfolgen und Herangehensweisen fasziniert und der Meinung, ich sei ein geeigneter Mentalcoach für sein Team. Das Anliegen bzw. Ziel des Bundestrainers lautete: „Steigerung der Motivation (und Leistungsfähigkeit) der Athleten, um die Qualifikation zur Europameisterschaft zu schaffen“. Wir haben diese eher pauschale Zielformulierung natürlich später deutlich konkretisiert, vor allem aber dreierlei Dinge gemacht.

  • Zunächst habe ich mir erlaubt, den Bundestrainer zu „ent-täuschen“. Dieser sah mich insgeheim als Motivationstrainer oder -guru, der sich um die Athleten kümmert, damit diese ihre Motivation und Leistung verbessern. Ich klärte ihn auf, dass ich mich nicht als Motivationstrainer, sondern eher als Prozessberater und Systemcoach sehe, der einen ganzheitlichen Blick auf Zusammenhänge und Wechselwirkungen innerhalb des Teams (und darüber hinaus) wirft und dabei hilft, diese Prozesse leistungsdienlich zu verbessern.
  • Zur Verwunderung des Bundestrainers habe ich mir im Rahmen des Contractings dann nicht nur sein OK, sondern auch das Mandat (bzw. die Bereitschaft) der Athleten und des Betreuerstabs gesichert. Die ersten Sessions dienten deshalb dem Kennenlernen, Aufbau einer vertrauensvollen Atmosphäre sowie der Abklärung von Erwartungen, Möglichkeiten und Grenzen einer möglichen Zusammenarbeit. Dabei wurden die vorherigen negativen Erfahrungen mit einer Sportpsychologin thematisiert und in die Zielsetzung integriert.
  • Der ursprüngliche Fokus wurde bei diesem mehrdimensionalen Contracting schnell weg vom simplen „Motivations-/Teamtraining“ hin zur Organisationsberatung des „Systems Nationalmannschaft“ erweitert, um die wichtigsten Akteure in den Entwicklungsprozess einzubinden. Und das war gut so, denn so wurden Themen für die Bearbeitung und systematische Verbesserung zugänglich gemacht, die den Akteuren zunächst nicht relevant bzw. bewusst schienen, deren Bedeutung hinsichtlich der Motivation und Leistung im Team aber ganz entscheidend waren, wie z.B. die Kommunikation im Betreuerstab, das Schnittstellenmanagement, der Führungsstil und das Selbstmanagement des Bundestrainers.

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Moral der Geschichte:

  1. Ein systemischer Ansatz kann gute Dienste leisten. Ja, systemisch, das ist kein Tippfehler. Dabei wird nicht auf einzelne Symptom-/Problemträger (z.B. demotivierte Athleten) fokussiert. Probleme werden vielmehr als Ergebnis gestörter Prozesse im Gesamtsystem interpretiert (z.B. Kommunikation und Miteinander zwischen Athleten, Coach, Betreuer). Am Athleten manifestieren sich lediglich „Störungen“, die im Zustand des Systems begründet sind. Entsprechend fallen Interventionsstrategien aus. Ein „Tschakka“ hätte im vorliegenden Fall wohl wenig geholfen.
  2. Gut, wenn alle Beteiligten am gemeinsamen Wachstum interessiert sind und sich einbringen. Ist dies nicht der Fall, riskieren isolierte Coaching-Maßnahmen schnell wirkungslos oder wenig nachhaltig zu verpuffen. Beispiele gibt es zuhauf, im Sport und darüber hinaus.
  3. Gut auch, wenn der Sportpsychologe mehrperspektivisch arbeitet, nach den Zielen hinter den Zielen Ausschau hält und eine genaue Rollenklärung vornimmt.
  4. Übrigens kam mit SYMLOG ein Feedback- und Assessmentinstrument zum Einsatz, welches bisher kaum den Weg in die Sportpsychologie gefunden hat, obwohl es sehr detaillierte und wertvolle Informationen über die Vorstellungen von effektiver Führung und Teamkultur, sowie Ist-/Soll-Zustände und nötige Veränderungsrichtungen liefern kann. Gut also, immer mal den Blick über den Tellerrand zu werfen, was es so in den Nachbardisziplinen zu entdecken gibt.

Übrigens: Sie haben es gepackt und das wichtige, letzte Qualifikationsspiel zur EM souverän gewonnen… Die sportpsychologische Zusammenarbeit bis zu diesem Ziel wurde von den Beteiligten als sehr gut und hilfreich bewertet. Dann habe ich die Kooperation allerdings beendet. Um weiter gute, nachhaltige Arbeit zu leisten, schien mir der Rahmen nicht mehr stimmig. Gut, wer auch das rechtzeitig für sich erkennt.

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