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Merkblatt Ressourcen-ABC

Selbstvertrauen ist ein oft strapaziertes Thema im Sport. Aber wie können sich Athleten und Athletinnen in einen selbstbewussten Zustand bringen? Eine effektive und leicht anzuwendende Methode kann das sogenannte Ressourcen-ABC sein.

Christian Hoverath hat für Die Sportpsychologen ein digitales Merkblatt entwickelt, welches die Übung Ressourcen-ABC erklärt und die Anwendung beschreibt. Per Klick auf den Link oder das Bild geht es los:

Merkblatt Ressourcen-ABC

Das Merkblatt als pdf-Dokument abspeichern? Kein Problem, über diesen Link gibt es das Dokument zum Download: Download-Link

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Thorsten Loch: Mit Sportpsychologie Millionen sparen – Wie sich teure Transferflops verhindern lassen

Ende Januar schließt das Transferfenster im internationalen Fußball. Da wir von einem – freundlich formuliert – etwas überhitzten Markt sprechen, sind in den nächsten Tagen noch einige Veränderungen in den Teams zu erwarten. Allerdings gelten allen voran Winter-Neuzugänge als schwieriges Thema, da kaum Zeit bleibt, die Akteure zu integrieren. Und richtig spannend wird es, wenn ein Verein einen Starspieler verpflichtet. Nicht selten misslingen solche Transfercoups, weil der vermeintliche Heilsbringer in Durchschnittsleistungen versinkt. In der Sportpsychologie ist dieses Phänomen bekannt und es gibt ein paar Werkzeuge.

Zum Thema: Das Hellpasche Nivellierungsphänomen

Mit einer Verpflichtung erhoffen sich alle Beteiligten eine Leistungssteigerung der Mannschaft. Doch dieser Wunsch wird nicht immer erfüllt. Nach einiger Zeit stellen sie fest, dass der so hochgelobte Spieler kaum noch in Erscheinung tritt, sprich: er ist im Mittelmaß der Mannschaft verschwunden. Woran könnte es liegen und welche Möglichkeiten bieten sich dem Trainer, diesem Phänomen entgegenzutreten?

Bereits Aristoteles hat davon gesprochen, dass der Zug zur Mitte Extreme auszugleichen sucht. Diese Tendenz ist auch bei Mannschaften und Gruppen zu beobachten. Die Angleichung an die Mannschaftsnorm kann ein Grund für die Nivellierung und die Ursache für das Verschwinden individueller Impulse sein, jene Impulse für welcher der Spieler eigentlich geholt wurde. Das betrifft sowohl den Außenseiter, den Extremisten als auch den Star. In Anbetracht dem aristotelischen „Zug zur Mitte“ sagt das Hellpachsche Nivellierungsphänomen aus, dass leistungsstarke Spieler schwächer werden und sich dem Mittelmaß der Mannschaft angleichen. Demgegenüber streben die Leistungsschwächeren ebenfalls zur Mitte, d.h. sie steigern sich in ihrer Leistung. Die Mannschaft versucht also, die Unterschiede innerhalb der Mitglieder möglichst gering zu halten und ein gemäßes Mittelmaß zu erreichen. Die zentrale Frage ist nun, wie kann man die Leistungsminderung des leistungsstärkeren Spielers verhindern bzw. wie gelingt es, die Leistungsfähigkeit der Mannschaft durch den „Starspieler“ anzuheben und dem Hellpachschen Phänomen entgegenwirken?

Belohnung oder überzeugende Argumente?

Im Wesentlichen stehen hierfür zwei Möglichkeiten zur Verfügung:

  1. Stachanoff-Methode

Diese Methode kam erstmals bei russischen Arbeitern zum Einsatz. Um zu verhindern, dass der Star sich nicht gemäß des Phänomens dem Mittelmaß angleicht, wurden seine Leistungen und die dadurch erreichten Vorteile gesondert hervorgehoben. Probate Mittel waren früher wie heute noch häufig im Profibereich anzutreffende Gesten wie Auszeichnungen, Geschenke oder finanzielle Sonderprämienen.

  1. Gemeinsamer Entschluss zur Hebung der Gemeinschaftsleistung

Günstiger ist es, wenn Trainer und Mannschaftsmitglieder gemeinsame Wege durch gemeinsame Diskussionen und gemeinsame Wege finden, auf welche Art und Weise der größtmögliche Vorteil für die Mannschaft durch die Integration des leistungsstarken Neuen zu erreichen ist. Die Betonung liegt hier auf gemeinsam! Ziel dieser Vorgehensweise muss es sein, dass die Teammitglieder erkennen, dass auch nur sie von der Leistungsstärke des neuen Spielers Benefit herausschlagen können, wenn sie diesen insoweit unterstützen, dass er seine Stärken mannschaftsdienlich einbringen kann. Mittels gemeinsamer Festlegung der Möglichkeiten dies zu realisieren, kann eine Anhebung des Mannschaftsniveaus erreicht werden. Aber: In diesem Zusammenhang müssen auch die „Erscheinungen“ der sozialen Faulheit und der so genannten Trittbrettfahrer berücksichtigt werden. Letztendlich sind Verhaltensänderung durch Mannschaftsgespräche der Stachanoffschen Belohnungsmethode vorzuziehen, da der gemeinsame Konsens zwangsläufig zu einer gemeinsamen Verantwortung führt.

Dr. Michele Ufer: Führung und Teamentwicklung

Fazit

Wir dürfen gespannt sein, in welchem Ausmaß sich das Transferkarusell dreht und wie es den einzelnen Teams gelingt, ihre Neuen in das bestehende Mannschaftsgefüge zu integrieren, damit der gewünschte Effekt der Leistungssteigerung auch tatsächlich in Erscheinung tritt. Im Allgemeinen kann man sagen, dass durch eine klare Aufgaben- und Rollenverteilung innerhalb der Mannschaft, die von allen akzeptiert und gelebt wird, es möglich wird, das Hellpachsche Phänomen zu verhindern. An dieser und anderen Stellen könnte ein Sportpsychologe das Trainerteam als Berater/Moderater oder ähnliches zur Seite stehen und unterstützende Hilfestellungen geben. Leider sehen immer noch viele Trainer dies als reine Traineraufgabe und nehmen keine „Hilfe“ in Anspruch. Sollten sich bei ihnen durch diesen kleinen Beitrag eine neue Tür geöffnet haben, dann scheuen sie sich bitte nicht uns zu kontaktieren. Meine Kollegen (zu den Profilen) und ich (zur Profilseite von Thorsten Loch) helfen gern.

 

Mehr zum Thema:

Dr. René Paasch: Führung und Teamentwicklung im Fußball

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Prof. Dr. Oliver Stoll: Kann man sich sportpsychologisches Wissen durch Bücher aneignen?

Diese Frage wird mir sehr oft gestellt, denn auch ich gehöre ja zu den zahlreichen Autoren, die Bücher über Sportpsychologie, sowohl im akademischen, als auch in der praktischen Anwendung geschrieben und veröffentlicht haben. Ob dieses Vorgehen „Wirksamkeit“ nach sich zieht oder eben nicht, sei zunächst mal dahin gestellt. Klar ist jedenfalls, dass „Wissen“ immer vor „Anwendung“ stehen sollte. Somit breche ich schon mal eine Lanze für das Schreiben und Veröffentlichen von Fachbüchern. Und dennoch gilt es hier zu unterscheiden, denn die Qualität solcher „Ratgeber-Bücher“ ist höchst unterschiedlich. Aber dies soll jetzt nicht die Ausrichtung meines Blog-Beitrags sein.

Zum Thema: Der Transfer von der Theorie in die Praxis

Ich bin ja bekannt dafür, dass ich sowohl Filme, als auch Bücher über sportpsychologische Anwendung sammle. Ich kann mich übrigens noch an letztes Jahr erinnern, als wir bei „die-sportpsychologen“ einen „Adventskalender“ hatten, bei der man täglich eine „Film-Empfehlung“ aus unserem Netzwerk lesen konnte, die in irgendeiner Art und Weise etwas mit „Sportpsychologie“ zu tun hatte. Dazu haben viele der Profilinhaber auf ihrer individuellen Profilseite ihre Lieblingsfilme angegeben – ein Blick lohnt sich bestimmt (zu den Profilseiten).

Zu Weihnachten bekam ich von meiner Frau unter anderem ein bemerkenswertes Buch geschenkt, nämlich die neue Veröffentlichung von Waldemar Cierpinksi: „42,195 – auf den Spuren zweier Marathon-Olympiasiege“, gerade erst erschienen bei Acasa Werbung und Verlag. Wenn schon das Vorwort von Waldemar Cierpinski überschrieben ist mit „Der Kopf läuft immer mit“, dann wird ein Sportpsychologe sofort hellwach. Im Buch enthalten – neben einigen weiteren Kurzbeiträgen von Heinz Florian Oertel und Klaus Weidt, der Waldemar Cierpinski zu seinem Leben interviewt hat – ein echtes „Insight“ zu seinen beiden Marathon-Olympiasiegen in Montreal und Moskau.

Fundgrube für alle, die wissen wollen, „wie man es macht“

Mit echtem „Insight“ meine ich nicht nur eine Beschreibung dessen, was damals passiert ist (denn das ist ja ohnehin bekannt und wurde schon tausend Mal erzählt), sondern eben Cierpinski`s Gedanken und Emotionen, die er vor, während und nach den beiden Läufen erlebte; insbesondere in den kritischen Phasen der Vorbereitung sowie während des Rennens. Deutlich wird eben auch die stresspuffernde Wirkung des sozialen Unterstützungs-Systems (und damit meine ich nicht das DDR-Sportsystem! – aber lest selbst). Diese Berichte von Cierpinski sind eine echte Fundgrube für alle, die wissen wollen, „wie man es macht“.

Er erklärt zwar keine psychologischen Grundlagen (also z.B. Stress- oder Volitionstheorien, und auch keine sozialpsychologischen Modelle), aber er füllt, das was wir aus der Theorie und Forschung kennen „mit Leben“. Er berichtet sehr authentisch, welche Gedanken und Selbstinstruktionen ihm geholfen haben, diese unglaublichen Trainingsumfänge umzusetzen. Er beschreibt die entscheidenden Rennsituationen und seinen Weg zur (offensichtlich) richtigen Entscheidungsfindung. Dazu lässt er uns an seinen Gefühlen teilhaben, die ihn ständig begleitet haben. Und genau das macht dieses Buch so einzigartig. Nur ein einziges Mal bekam ich ähnliches zu lesen, nämlich im Buch von Dieter Baumann („Ich laufe keinem hinterher“), in dem er in einem Kapitel seinen 5000-Meter Olympiasieg rekapituliert. Auch dieses Werk kann ich sehr empfehlen.

“Was” und “Wie”

Kommen wir also zurück zu meinem „Blog-Titel“: Kann man sich sportpsychologisches Wissen durch Bücher aneignen? Ja, das kann man sicherlich – aber eben nicht nur Fachbücher, die das „Was“ erklären, sondern eben nur in Kombination mit solchen Büchern, wie von Waldemar Cierpinski, die eben auch etwas zum „Wie“ sagen können – beides in Kombination ist perfekt! Für unseren Blog sind solche Veröffentlichungen echte Inspiration – schließlich geht es uns um den Transfer aus der Theorie in die Praxis.

Übrigens, sehr gefreut hat mich auch die Widmung, die in meinem Exemplar zu lesen war: „Lieber Oliver, mit besten Wünschen – dein Freund Waldemar Cierpinski“ – danke lieber Waldi!

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Die Sportpsychologen scheitern knapp und nehmen 2018 einen neuen Anlauf

Die Sportpsychologen scheitern um Haaresbreite an der 100.000 Seitenaufrufe-Marke. Wenige Hundert Klicks fehlten im Jahr 2017 an einer sechsstelligen Summe. “Ehrlich gesagt, für mich ist diese Zahl der Wahnsinn. Als wir 2014 mit der Idee starteten, hätte ich nicht gedacht, dass solche Reichweiten mit unserem Spartenthema möglich sind”, sagt Prof. Dr. Oliver Stoll, der die Plattform im Juni 2014 gemeinsam mit dem Journalisten Mathias Liebing insbesondere für die Absolventen seines Masterstudienganges “Angewandte Sportpsychologie” an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg gründete.

In der Zwischenzeit ist die Plattform für Sportpsychologen und Experten mit nachgewiesener Qualifikation (siehe individuelle Aufnahmekriterien) aus Deutschland, der Schweiz und Österreich stark gewachsen. Und ebenso die Reichweite, die seit der Gründung der Plattform 2014 kontinuierlich steigt:

Reichweite von die-sportpsychologen.de seit Gründung:

2017: 99.152
2016: 74.623
2015: 45.657
2014: 33.504

Hinweis: Ist es für Sie relevant, Teil des Netzwerks zu werden? Interessenten können direkt Kontakt aufnehmen, um hinsichtlich der Aufnahmekriterien, der inhaltlichen Anforderungen und der Kosten nachzufragen: http://www.die-sportpsychologen.de/mitmachen/

Suche als Reichweitenmotor

Als Reichweitenbringer hat sich neben den Social Media-Plattformen, über welche die Texte von Die Sportpsychologen gestreut werden, um Sportler, Trainer, Funktionäre, Unternehmer und Journalisten zu erreichen, die Suchfunktion entwickelt. Soll heißen: Das wachsende Interesse am Thema Sportpsychologie führt zu mehr und mehr Besuchen auf der Seite die-sportpsychologen.de. Vier von zehn Seitenbesucher kommen mittlerweile über die Suchfunktion auf die Homepage – und gleichzeitig steigt auch die Reichweite über Facebook, LinkedIn, Xing, Twitter und Instagram.

2018 wird Die Sportpsychologen nach Österreich expandieren, wodurch das Netzwerk dann den gesamten deutschsprachigen Bereich abdeckt. Prof. Dr. Oliver Stoll: “Generell steigt das Interesse an unserem Angebot, was es angewandt arbeitenden Kollegen und Kolleginnen einfacher macht, sich am Markt zu platzieren. Der positive Nebeneffekt ist, dass wir mit jeder guten Veröffentlichung Wahrnehmung für unsere Disziplin schaffen.”

Rote Couch geht in Serie

Nach der erfolgreichen Premiere von “Die rote Couch – Das Sportpsychologie-Barcamp” im November in Berlin soll im Jahr 2018 dieses Format ausgebaut werden. Geplant sind zwei Auflagen – einmal am ersten Juni-Wochenende mit dem thematischen Schwerpunkt Fußball und darüber hinaus Mitte September. Im Anschluss an den “Tag der Sportpsychologie” soll in Innsbruck auf der roten Couch nachhaltig zum Thema Glücksspiel, Gaming und E-Sport diskutiert werden.  

Besonderes Augenmerk bekommen im Sportjahr 2018 natürlich die Olympischen Winterspiele in Südkorea sowie die Fußball-WM in Russland. Darüber hinaus findet aber in Deutschland auch die American Football-Europameisterschaft statt. Verstärkt wird sich das Netzwerk infolge einer Kooperation mit dem Golfsport beschäftigen. Unter diesen Voraussetzungen scheint es mehr als wahrscheinlich, dass im Jahr 2018 die 100.000er Seitenaufrufe-Marke geknackt wird.

 

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Dr. Christian Reinhardt: Probleme im Trainingslager

Den richtigen Schliff vor dem nächsten Kampf holen sich Kampfsportler oft in einem Trainingslager. Aber mal ehrlich, wie oft treten dort kleinere oder größere Verletzungen auf, die ein effektives Training verhindern oder zumindest einschränken? Oder aber: Die Performance des Athleten lässt alles andere als einen erfolgreichen Wettkampf erwarten? Hin und wieder läuft auch organisatorisch etwas vollkommen schief… 

Zum Thema: Wie kann die Sportpsychologie helfen, wenn die Vorbereitung von Kampfsportlern gestört wird?

Mehr dazu im Video-Blog von Dr. Christian Reinhardt:

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Weitere Informationen

 

 

Mehr Texte und Videos zum Thema Kampfsport:

Christian Reinhardt: The Walkout – Der richtige Weg im Tunnel

Dr. Christian Reinhardt: Müssen Sportler gierig sein?

Dr. Christian Reinhardt: Emotionen im Sport

Wencke Schwarz: Einfache Hinweise zur Körpersprache

Dr. Christian Reinhardt: Wenn Rituale verunsichern

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Andreas Meyer: Die Bedeutung von Emotionen beim Comeback nach Verletzung

Verletzungen können schwerwiegende Folgen für die Karriere eines Athleten bedeuten und ihn emotional sehr belasten. Wenn es um den Weg von der Verletzung hin zum Wiedereinstieg in den Wettkampfsport geht, spielen auch psychologische Faktoren eine wichtige Rolle. Laut der biopsychosozialen Struktur fängt es schon damit an, wie der Athlet seine Situation bewertet, verletzt zu sein.

Zum Thema: Die Bedeutung der Bewertung einer Verletzung

Die Bewertung der eigenen Situation beeinflusst massiv die Stärke und Häufigkeit der aufkommenden negativen Emotionen. Diese negativen Emotionen beeinflussen wiederum das Verhalten des Athleten (auch bezüglich der Compliance mit dem Rehabilitationsprogramm). Diese Zusammenhänge zeigen auf, dass es sich durchaus um ein miteinander verwebtes Konstrukt handelt, welches die Relevanz psychologischer Aspekte in der Rehabilitation von Sportlern betont.

Diese Ableitungen stammen aus der Studie „Negative psychological responses of injury and rehabilitation adherence effects on return to play in competitive athletes: a systematic review and meta-analysis“, die 2017 im „Open Access Journal of Sports Medicine“ veröffentlicht worden ist. Eine wichtige Erkenntnis der Studie war, dass negative psychologische Reaktionen die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Rückkehr zur sportlichen Tätigkeit minimierten.

Stress beeinflusst Wundheilung

Eine Begründung, warum sich negative Emotionen auf den Comeback-Prozess auswirken, scheint der Einfluss von psychologischem Stress auf die Wundheilung zu sein. Der Stress könnte die Entzündungsphase verlängern und das Auftreten von Infektionen begünstigen. Es konnte in früheren Studien gezeigt werden, dass das Fehlen von negativen Emotionen wie Angst oder Furcht, die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass der Athlet Vertrauen in seinen Körper entwickelt. Dieses Selbstvertrauen könnte den Einstieg ins RTP erleichtern, da sich der Athlet schon früher belastet und in sportliche Aktivitäten einsteigt.

Es wurde außerdem noch einmal bestätigt, dass die Compliance des Athleten in das Rehabilitationsprogramm einen positiven Einfluss auf den Zeitpunkt des RTP hat. Gerade die Personen, die ausgiebig mit den verletzten Athleten arbeiten (Physiotherapeuten, Sportphysiotherapeuten, Medical Athletic Coaches usw.), sollten diese Faktoren berücksichtigen.

Das bedeutet:                                                                  
– keine Nocebos
– verständliche Rehaprogramme
– gesunde Kommunikation mit dem Athleten
– Stressmanagement
– herausfordern (Möglichkeiten aufzeigen) statt verängstigen (Problemfixiertheit)
– Selbstverantwortung des Athleten betonen

Sportpsychologen können helfen

In diesem Bereich können Sportpsychologen eine wichtige Funktion einnehmen, in dem sie den Sportler auf dem Weg zurück begleiten. Nehmen Sie gern Kontakt auf, meine Kollegen (zu den Profilen von Die Sportpsychologen) und ich (zum Profil von Andreas Meyer) stehen gern bereit.

Mehr zum Thema:

http://www.die-sportpsychologen.de/2016/06/09/thorsten-loch-die-unterschaetzte-bedeutung-der-sportpsychologie-in-der-verletzungsrehabilitation/

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Dr. René Paasch: Trainer und Eltern am Spielfeldrand

Familienväter gehen aufeinander los, Eltern schreien den Schiri an, Trainer beleidigen sich gegenseitig: Beim Kinderfußball spielen sich regelmäßig Dramen ab. Wenn Eltern am Spielfeldrand mit ihren Kindern mitfiebern, reicht das heute oft weit über nette Zurufe hinaus. Ein „Pack ihn dir!“ ist eben auch kein Anfeuern mehr, wenn wir es genau nehmen. Fußball ist ein emotionaler Sport. Und soll er auch sein! Dass aber Eltern ihre Kinder zu Fouls aufrufen, sich auf dem Fußballplatz prügeln oder dass sich Trainer während des Spiels gegenseitig beleidigen? So etwas geht überhaupt nicht!

Zum Thema: Wie sollten sich Trainer und Eltern am Spielfeldrand verhalten?

In den 1950er und 1960er Jahren spielten viele Kinder auf der Straße Fußball. Man traf sich spontan auf Wiesen, unbefahrenen Straßen oder sogenannten Bolzplätzen, um zusammen Fußball zu spielen und erste sportliche Erfahrungen zu sammeln. Jeder konnte mitspielen. Die Regeln wurden gemeinsam bestimmt, einen Schiedsrichter gab es nicht. Und wie ist es heute? Manchmal scheint es, als wären die Zielsetzungen von Erwachsenen und Kindern unterschiedlich. Kinder spielen Fußball, um das Spiel zu erlernen und sich zu verbessern. Dabei steht das Erlebnis im Vordergrund. Im Jugendbereich kommt es vermehrt zu Auseinandersetzungen zwischen gegnerischen Fan-, Zuschauer-, Trainer- und Elterngruppen. Diese Aggressivität überträgt sich auch auf die Spieler. Eine Untersuchung an der Sporthochschule in Köln, mit dem Ziel, das Verhalten von Trainern und Eltern im F- und E-Juniorenbereich zu beobachten und zu kategorisieren, kam zu einigen bemerkenswerten Ergebnissen (Freis, 1997). Dabei wurden sieben Verhaltenstypen (ehrgeiziger Typ, besserwissender Typ, unkritischer Typ, impulsiver Typ, aggressiver Typ, lobender Typ, ruhiger Typ) klassifiziert. Bei allen beobachteten Spielen (insgesamt 52 F- und E- Juniorenspiele und dabei 208 Bezugspersonen) waren lautstarke negative Kommentare seitens der Trainer und Eltern zu verzeichnen. Oft konnten die Kinder lediglich in den Anfangsminuten ohne Einmischung von außen ihrem eigenen Spiel nachgehen. Bei genauerer Betrachtung zeigte sich, dass einer Mehrheit von sich zurückhaltenden, ruhigen Personen lediglich einige wenige negativ auffallende Einzelfälle gegenüberstehen. Als äußerst bedenkenswert ist allerdings die Tatsache anzusehen, dass im Bereich der E-Junioren 53,1% der Trainer als impulsiver Typ eingestuft wurden. Dieser Wert ist fünfmal so hoch wie bei den F-Junioren, bei denen erfreulicherweise mit 42,2% der ruhige Typ dominiert. Bei den Eltern überwiegt allgemein der ruhige Typ (48,4%). Allerdings ist bei den E-Junioren die Anzahl des impulsiven (19%) und des ehrgeizigen (15,5%) Typs zu hoch.

Egal, zu welchem Typus Sie gehören. Im nun folgenden Abschnitt möchte ich Ihnen einige Anregungen für das Verhalten auf und neben dem Platz anbieten:

Anregungen für Eltern

  • Das Coachen ist im sportlichen Bereich allein dem Trainer überlassen. Hilfe bei organisatorischen Aufgaben sind dagegen willkommen und bereichern das Vereinsleben!
  • Enttäuschungen hinsichtlich der Spielleistung und des Resultats sind für sich zu behalten. Helfen Sie stattdessen den Kindern bei einer positiven Verarbeitung!
  • Vermeiden Sie emotional negativ gefärbte Zurufe im Spielablauf. Sie verursachen Ängste und Aggressionen!
  • Wenn Frust oder Unzufriedenheit aufkommt, suchen Sie das Gespräch mit dem Trainer und tauschen Sie sich in einer sachlichen, verständnisvollen Atmosphäre aus!
  • Zwischendurch immer wieder das eigene Verhalten rund um das Training und das Spiel überdenken und gegebenenfalls verändern!

Sehr interessant in diesem Zusammenhang ist ein innovativer Weg, den der Deutsche Fußball-Bund seit mehreren Jahren verfolgt. Konkret: 2007 nahm das Projekt „Fair Play Liga“ in Aachen seinen Anfang und wird mittlerweile in ganz Deutschland umgesetzt. Hinter dem Begriff verbirgt sich eine innovative Organisationsform für den Kinderfußball. Es gelten weiterhin die normalen Fußball-Regeln für die jeweiligen Altersklassen. Dazu kommen jedoch drei ganz entscheidende Zusätze (DFB.de):

Eltern und Zuschauer müssen mindestens 15 Meter weg vom Spielfeld stehen!

Diese Regel bewirkt, dass es viel ruhiger auf dem Feld ist. Die Eltern stehen zu weit weg, um sportlich Einfluss auf ihre Kinder zu nehmen. Anfeuerungsrufe gebe es zwar noch. Aber nicht mehr so viele aggressive Kommandos, die die Kinder nicht verarbeiten könnten.

Die Trainer stehen nebeneinander!

Konflikte und negative Emotionen von siegorientierten Trainern entstehen seltener. Den Coaches werde dadurch bewusst: Gegenseitiges Betrügen und Anpöbeln haben nichts auf dem Fußballplatz zu suchen!

Es gibt keinen Schiedsrichter!

Die Kinder entscheiden selbst. Diese Regel sorgt dafür, dass die Kinder selbst Verantwortung übernehmen und Entscheidungen treffen. Sie sollen lernen: Wir sind selbst dafür verantwortlich, dass ein Spiel sauber und fair abläuft!

Anregungen für Trainer

Eine Begleitung seitens der Trainer ist in dieser Altersstufe (6 –10 Jahre) sehr wichtig, allerdings sollte diese nicht mit zu vielen Informationen überladen werden. Zudem sollten Korrekturen in einfachen und leicht verständlichen Sätzen angebracht werden. Negative Äußerungen und vor allem unsachliche Kritik sind abzulehnen. Der Spieler und die Mannschaft muss der Hauptdarsteller im Training und Spiel sein – und nicht der Trainer. Er sollte Problemsituationen schaffen, in denen die Spieler durch Fragen die Lösungen selbst entdecken. Daher lieber stimulieren statt instruieren.

Thorsten Loch: Wie Trainer die Konzentrationsleistung fördern können

Gerade auch Eltern versuchen dem Kind während des Spiels taktische Anweisungen zu geben, ohne jedoch zu wissen, mit welcher Aufgabe der Trainer das jeweilige Kind betraut hat. Unterschiedliche Anweisungen von Trainer und Eltern führen zur Unsicherheit der Kinder. Positive Anfeuerungen seitens der Eltern und Trainer sind dagegen wünschenswert.

Fazit:

Laut Freis (1997) ist die Kindheit der entscheidendste und prägendste Abschnitt der körperlichen, seelischen und geistigen Reife eines Menschen. Kennzeichnend für diesen Lebensabschnitt ist ein ganzheitlicher Veränderungsprozess von Körperbaumerkmalen, Organsystemen, motorischen, kognitiven und psychosozialen Merkmalen (Peter & Bode, 2005). Bitte behalten Sie dies im Hinterkopf, wenn Sie beim nächsten Spiel emotional entgleisen sollten.

 

 

Literatur

Peter, R. Bode, G. (2005): Kinderfußball – Fußball von morgen Band 1, Münster, S. 11

Freis, R. (1997): Das Verhalten von Trainern und Eltern gegenüber Kindern im Sport- Eine Beobachtungsstudie in den jüngsten Altersstufen im Fußball, Diplomarbeit Sporthochschule Köln

Internet:

DFB: https://www.dfb.de/trainer/f-juniorin/artikel/fair-play-liga-drei-simple-regeln-und-der-langfristige-effekt-167/

 

Thorsten Loch: Mein Kind im Sport – und ich?

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Dr. Hanspeter Gubelmann: Angst, lass nach!

Als Sportpsychologe werde ich im Rahmen meiner angewandten Tätigkeit als Betreuer immer wieder auf das Thema Angst angesprochen. Häufig wird von mir als Experte dabei erwartet, im Bedarfsfall – dann eben, wenn Angst entsteht und hierdurch die sportlichen Erfolgsaussichten beeinträchtigt erscheinen – möglichst schnell, wirksam und mit einfachen Interventionsformen das ungeliebte Übel zu beseitigen. Angst, lass nach! Muss das immer so sein?

Zum Thema: Wie Sportler, Trainer, Eltern und Funktionäre mit Angst umgehen

Ziel dieses Beitrags ist nicht die theoriegeleitete Vertiefung und Diskussion der Angstthematik im Sport, sondern ein erkundender Anstoss zur Selbstreflexion für interessierte Sportlerinnen, Trainer, Eltern oder Funktionäre. Eine meiner wichtigsten Erkenntnisse im Spitzensport ist, dass sich die Betroffenen selbst oftmals nicht in notwendigem Masse mit diesem Phänomen auseinandersetzen. Die vielschichtige Bedeutung, die Angst haben kann, wird so unterschätzt – oder einfach als „nicht vorhanden“ abgetan. Sinnbildlich bleibt mir der Satz eines Abfahrtstrainers in Erinnerung, der nach dem verheerenden Sturz (mit Querschnittslähmung als Folge) von Silvano Beltrametti 2001 vor den Medien verkündete: «Meine Männer sind stark genug, wir brauchen keine Psychologen». Ihm blieb wahrscheinlich verborgen, dass einige seiner damaligen Athleten selbständig um psychologische Unterstützung – auch bei mir – nachfragten.

Wie gut kenne ich meine Athleten?

Die oben angeführte Trainer-Aussage hat angesichts der tragischen Unfälle von Weltcupfahrer David Poisson (FRA) und dem deutschen Nachwuchsathleten Max Burkhart im alpinen Abfahrtssport an trauriger Aktualität gewonnen. Wie die betroffenen Teams auf diese Schicksalsschläge im Detail reagieren, entzieht sich unserer Kenntnis. Aus sportpsychologischer Sicht scheint eine notfallpsychologische Begleitung der Betroffenen angezeigt. Hilfreich wäre zudem – gerade auch im Hinblick auf so herausfordernde Prüfungen wie den Abfahrtslauf auf der Kitzbühler Streiff – die Ausseinandersetzung der Trainer mit der Fragestellung zu intensivieren: Welche Ängste, Befürchtungen oder negative Gefühle begleiten unsere Athletinnen und Athleten und wie gehen sie damit um?

„Angst ist eine kognitive, emotionale und körperliche Reaktion auf eine Gefahrensituation bzw. auf die Erwartung einer Gefahren- oder Bedrohungssituation. Als kognitive Merkmale sind subjektive Bewertungsprozesse und auf die eigene Person bezogene Gedanken anzuführen […]. Emotionales Merkmal ist die als unangenehm erlebte Erregung, die sich auch in physiologischen Veränderungen manifestieren und mit Verhaltensänderungen einhergehen kann.“ (Hackfort & Schwenkmezger, 1980, S.19.)

Thorsten Loch: Die Streif – Ein Höllenritt ins Tal

Die vielen Facetten der Angst

Angst ist kein einheitliches Persönlichkeitsmerkmal, sondern ein facettenreiches Phänomen. Personen reagieren auf unterschiedlichste Situationen mit Angst. Ängste sind dabei immer motivabhängig und treten in unterschiedlichen Qualitäten auf. Bedeutsam zur generellen Orientierung für die Trainer sind insbesondere Hinweise zur Art und Stärke der Ausprägung der Angstgefühle. Handelt es sich bei einem Athleten um einen grundsätzlich vorsichtig-ängstlichen Typen (Ängstlichkeit als habituelle Disposition) oder lassen sich in bestimmten Situationen primär Angstzustände erkennen, die als Warnsignale für potentielle Gefahren zu deuten sind? Neben der Frage, ob es sich um angepasste (begründete, sich auf real wahrnehmbare Gefahrenobjekte bezogene) oder unangepasste (unbegründete) Ängste handelt, gilt das Augenmerk im Sport häufig auf folgende vier wiederkehrende spezifische Angstzustände:

  1. Angst vor körperlicher Verletzung und Schmerz
  2. Angst vor Misserfolg und den Folgen des Versagens
  3. Angst vor dem Unbekannten
  4. Angst vor Blamage und sozialer Ächtung (insbesondere durch die Medien)

Als ich vor Jahren einen damals sehr erfolgreichen Schweizer Abfahrer zu seinen düsteren Zeiten im Verlaufe seines Karriere befragte, schilderte er mir ein sehr eindrückliches Beispiel, eines wenig leistungsförderlichen Umgangs mit Angstzuständen. Er hätte sich kurz vor dem Start mit Versagensängsten gequält und sich dabei vorgestellt, wie er unten im Ziel den versammelten Journalisten die Gründe seines erneuten Versagens erklären würde. Auf die Frage, ob seine Trainer von diesen Stresszuständen gewusst oder sich gar um ihn gekümmert hätten, meinte er lakonisch: „Das hätte sie bestimmt nicht interessiert, auch wollte ich ihnen diese intimen Gefühle nicht anvertrauen.“

Vier Ansatzpunkte im Umgang mit dem Thema Angst

Das Thema Angst scheint im Spitzensport allgegenwärtig zu sein. Gleichzeitig handelt es sich um ein Tabu-Thema. Eine offene Diskussion kommt, wenn überhaupt, nur schleppend in Gang. Nachfolgend sind vier Vorgehensweisen kurz angetippt, die einen offenen, respektvollen und letztlich auch positiven Umgang mit dem Thema ermöglichen sollen.

Trainer – Athlet – Beziehung: Untersuchungen zum Thema einer erfolgreichen Trainer-Athlet-Interaktion im Spitzensport (vgl. Jowett, 2007) zeigen, dass eine tragfähige soziale und emotionale Beziehung zwischen den Partnern von hoher Bedeutung ist. Dabei spielt Nähe (Closeness) eine besonders wichtige Rolle. Diese beinhaltet Gefühle wie Vertrauen, Zuneigung und Respekt. Ein achtsamer, vertrauenswürdiger Umgang mit individuellen Ängsten könnte in einer gemeinsamen Diskussion auch durch die Sportpsychologie initiiert und moderiert werden.

Teachable Moments: Gerade in der Begleitung und Betreuung nach einem Unfall oder in Verbindung mit der mentalen Rehabilitation einer Sportverletzung ergeben sich interessante „Berührungspunkte“ zu verschiedenen Angstzuständen (vgl. Hermann & Eberspächer, 1994). Der Athlet sorgt sich meist um seine vollständige Genesung, hat vielleicht existentielle Nöte (Fortsetzung der Karriere, finanzielle Situation etc.), macht sich Gedanken über den weiteren Verlauf der Saison und befasst sich beim Wiedereinstieg in den Wettkampfbetrieb oft mit der Risikoeinschätzung einer möglichen (Wieder-)Verletzung.

Coach-the-coach und interne Trainerfortbildung: Eine vermehrte sportpsychologische Schulung (Psychoedukation) aller Akteure würde nicht nur dem verbreiteten Interesse an der Thematik entgegenkommen, sondern auch eine wichtige Diskussionsgrundlage für eine weitere Vertiefung bilden.

Netzwerk mit Notfallpsychologie und Sportpsychologischer Beratung: Eine aktive Kontaktpflege sowie die Erweiterung des Betreuungsnetzwerkes mit Einbezug der Spezialisten (Notfallpsychologen, Sportpsychotherapeuten etc.) drängt sich insbesondere in Risikosportarten auf.

Die Sportpsychologen sind parat

Meine Kollegen und ich stehen gern parat, wenn Sie als Sportler, Trainer, Familienmitglied oder Funktionär Fragen zum Thema Angst haben. Wir würden uns freuen, wenn wir dem Tabu-Thema ein wenig die Grösse nehmen könnten.

Zu den Profilseiten von Die Sportpsychologen: Auflistung nach Sportarten

 

Quellen

Eberspächer, H. & Hermann, H.-D. (1994). Psychologisches Aufbautraining nach Sportverletzungen. München u.a.: BLV.

Hackfort, D. & Schwenkmezger, P. (1980). Angst und Angstkontrolle im Sport: sportrelevante Ansätze und Ergebnisse theoretischer und empirischer Angstforschung. Bsp-Verlag.

Jovett, S. (2007). Interdependence analysis and the 3+1C’in the coach-athlete relationship. In: S. Jowett D. Lavallee (Eds.) Social psychology in sport (pp.3-14). Champaign, Il: Human Kinetics.

 

https://www.swr.de/sport/skispringen-gespraech-sportpsychologe-gubelmann/-/id=13831144/did=20765610/nid=13831144/10q6j09/index.html

http://www.die-sportpsychologen.de/2016/01/07/dr-hanspeter-gubelmann-wenn-angst-mitfliegt/

http://www.die-sportpsychologen.de/2017/11/02/lena-tessmer-ein-wuetender-blick-auf-die-angstkultur-in-der-schwimmhalle/

http://www.die-sportpsychologen.de/2017/01/30/philippe-mueller-angst-laesst-sich-ueberwinden/

http://www.die-sportpsychologen.de/2016/06/14/thorsten-loch-les-blues-und-die-soziale-angst/

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Thorsten Loch: Wie Trainer die Konzentrationsleistung fördern können

„Jetzt konzentrier dich endlich!“ oder „Du weißt doch wie es geht!“. So oder so ähnlich schallt es Woche für Woche aus den Mündern von Trainer und Eltern über die Fussballplätze Deutschlands. Das Ziel? Ihre Schützlinge zu „motivieren“ bzw. an ihre Aufgabe zu „erinnern“. Ein gut gemeinter Rat, jedoch sind solche Versuche selten von Erfolg gekrönt, im Sinn einer deutlichen Verhaltensänderung oder Leistungsverbesserung. Die Nachhaltigkeit der Aufforderungen ist vergleichbar mit einem Scheinwerfer, der in den dunklen Nachthimmel strahlt und trotz hoher Leuchtkraft keine Helligkeit zu erzeugen vermag. Worin sind also Trainer/Eltern/Lehrer gut beraten, damit sie ihre Schützlinge auch so erreichen, wie sie es sich wünschen?  

Zum Thema: Bedingungen der Konzentrationsfähigkeit

Bleiben wir bei der Analogie des Scheinwerfers. Erst wenn der Lichtstrahl auf einen Gegenstand oder Person gerichtet wird, erscheinen diese im hellen Licht und ergeben für den Betrachter ein Bild. Es ist einfach, zu sagen, dass sich ein Athlet konzentrieren soll. Aber als Trainer muss man auch unter Stresssituationen (z.B. Wettkampf) in der Lage sein, dem Sportler zu beschreiben, wie dieser sich konzentrieren soll. Konzentrieren ist nicht etwas, was wir können oder nicht können. Mittels Lernen, Üben und Trainieren kann die Konzentrationsfähigkeit verbessert werden. Sie unterliegt bestimmten Voraussetzungen, ohne die ein derartiger Lernvorgang nicht in Gang gesetzt werden kann (vgl. Baumann, 1998). In diesem Sinn sollte die Aufforderung – sich zu konzentrieren –  stets mit dem Gegenstand, dem Ziel, dem Weg und der Richtung der Konzentration verknüpft sein. In Abhängigkeit der jeweiligen Situation können die folgenden Bedingungen der Konzentration allen voran im Jugendbereich verbessert bzw. vertieft werden:

Bedürfnisse, Motive, Wünsche

Eine sportliche Handlung wird nur dann in Gang gesetzt, wenn der Antrieb die energetische Regulation übernimmt. Demzufolge wird eine konzentrierte Handlung von der jeweiligen Bedürfnislage in ihrer Richtung und Intensität gesteuert. Kinder sind in ihrer Konzentrationsfähigkeit weit mehr von der Bedürfnislage in ihrer Richtung und Intensität gesteuert. Beispielsweise ist unser Ältester mühelos dazu in der Lage, sich einer speziellen Tätigkeit über Stunden hinzugeben, während er in anderen, weniger motivierenden Situationen kaum fähig ist, sich länger zu konzentrieren. Ähnlich verhält sich dies auch im Trainingsbetrieb. Wenn es dem Trainer oder Lehrkraft gelingt, das Interesse des Kindes zu wecken, ihren Wünschen zu entsprechen und gleichzeitig den Erwartungen gerecht zu werden, wird jene Person kaum über mangelnde Konzentration klagen können. Klingt logisch, jedoch ist dies in der Praxis ungleich schwieriger. Im Gegensatz zu dem Erwachsenen sind sich Kinder ihrer Konzentration weniger bewusst. Ein Erwachsener ist dazu in der Lage, sich zu konzentrieren, auch wenn die Tätigkeit nicht seiner augenblicklichen Gefühlslage entspricht. Den Entschluss zu einer bewussten Konzentrationsleistung (z.B. Prüfung) kann der Erwachsene aus rationaler Einsicht entwickeln. Dies bedeutet in diesem Zusammenhang, dass das gegenwärtig nicht emotionale Bedürfnis, sondern die rationale Zielsetzung als Grundlage für die Konzentrationsleistung dient. Wer versucht die Kinder und Jugendlich auf diesem Weg zu erreichen, ist zum Scheitern verurteilt. Was also tun?

Abbildung 1: Die Beziehung von Eltern und Kind in der Entwicklungsphase (In Anlehnung an Würth, 2001)

Zauberwort Kommunikation

Eines vorweg: Es ist leichter gesagt als getan. Jedoch ist jeder Trainer darin gut beraten, auf „Augenhöhe“ mit den Sportlern zu kommunizieren. Verzichten sie auf detaillierte Bewegungsbeschreibungen und Fachlatein. Demonstrieren sie die Übungen und verpacken diese zusätzlich in Bildern. Getreu nach dem Motto: „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“. Nutzen sie den natürlichen Spieltrieb der Kinder und sie werden den Unterschied feststellen.

Fazit: Die eingangs dargestellten Aufforderungen zur „Steigerung der Konzentration“ sind häufig nicht von Erfolg gekrönt. Kinder sind im Gegensatz zum Erwachsenen in Bezug auf ihre Konzentrationsleistung weitaus mehr von ihren emotionalen Bedürfnissen abhängig. Hieraus wird auch deutlich, warum Kinder nicht den rational begründeten Aufforderungen der Trainern Folge leisten können. Im Trainings- als auch im Wettkampfalltag sind die Übungsleiter darin gut beraten, auf Augenhöhe mit seinen Schützlingen zu kommunizieren. Die Grundlage dafür sollte im Training geschaffen werden. Der Sportler muss lernen, was er beachten soll, wann er etwas tun soll und wie er es anstellen muss, um die Konzentration in einer kritischen Phase aufrechtzuhalten. Also Trainer, konzentriert euch! ☺

 

Mehr zum Thema:

Dr. René Paasch: Trainer und Eltern am Spielfeldrand

Literatur:

Baumann, S. (1998): Psychologie im Sport. Meyer & Meyer Verlag, Aachen.

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