Thorsten Loch: Wie Trainer die Konzentrationsleistung fördern können

Sportarten: Fußball, Badminton, Leichtathletik, Sportschießen, Karate

„Jetzt konzentrier dich endlich!“ oder „Du weißt doch wie es geht!“. So oder so ähnlich schallt es Woche für Woche aus den Mündern von Trainer und Eltern über die Fussballplätze Deutschlands. Das Ziel? Ihre Schützlinge zu „motivieren“ bzw. an ihre Aufgabe zu „erinnern“. Ein gut gemeinter Rat, jedoch sind solche Versuche selten von Erfolg gekrönt, im Sinn einer deutlichen Verhaltensänderung oder Leistungsverbesserung. Die Nachhaltigkeit der Aufforderungen ist vergleichbar mit einem Scheinwerfer, der in den dunklen Nachthimmel strahlt und trotz hoher Leuchtkraft keine Helligkeit zu erzeugen vermag. Worin sind also Trainer/Eltern/Lehrer gut beraten, damit sie ihre Schützlinge auch so erreichen, wie sie es sich wünschen?  

Zum Thema: Bedingungen der Konzentrationsfähigkeit

Bleiben wir bei der Analogie des Scheinwerfers. Erst wenn der Lichtstrahl auf einen Gegenstand oder Person gerichtet wird, erscheinen diese im hellen Licht und ergeben für den Betrachter ein Bild. Es ist einfach, zu sagen, dass sich ein Athlet konzentrieren soll. Aber als Trainer muss man auch unter Stresssituationen (z.B. Wettkampf) in der Lage sein, dem Sportler zu beschreiben, wie dieser sich konzentrieren soll. Konzentrieren ist nicht etwas, was wir können oder nicht können. Mittels Lernen, Üben und Trainieren kann die Konzentrationsfähigkeit verbessert werden. Sie unterliegt bestimmten Voraussetzungen, ohne die ein derartiger Lernvorgang nicht in Gang gesetzt werden kann (vgl. Baumann, 1998). In diesem Sinn sollte die Aufforderung – sich zu konzentrieren –  stets mit dem Gegenstand, dem Ziel, dem Weg und der Richtung der Konzentration verknüpft sein. In Abhängigkeit der jeweiligen Situation können die folgenden Bedingungen der Konzentration allen voran im Jugendbereich verbessert bzw. vertieft werden:

Bedürfnisse, Motive, Wünsche

Eine sportliche Handlung wird nur dann in Gang gesetzt, wenn der Antrieb die energetische Regulation übernimmt. Demzufolge wird eine konzentrierte Handlung von der jeweiligen Bedürfnislage in ihrer Richtung und Intensität gesteuert. Kinder sind in ihrer Konzentrationsfähigkeit weit mehr von der Bedürfnislage in ihrer Richtung und Intensität gesteuert. Beispielsweise ist unser Ältester mühelos dazu in der Lage, sich einer speziellen Tätigkeit über Stunden hinzugeben, während er in anderen, weniger motivierenden Situationen kaum fähig ist, sich länger zu konzentrieren. Ähnlich verhält sich dies auch im Trainingsbetrieb. Wenn es dem Trainer oder Lehrkraft gelingt, das Interesse des Kindes zu wecken, ihren Wünschen zu entsprechen und gleichzeitig den Erwartungen gerecht zu werden, wird jene Person kaum über mangelnde Konzentration klagen können. Klingt logisch, jedoch ist dies in der Praxis ungleich schwieriger. Im Gegensatz zu dem Erwachsenen sind sich Kinder ihrer Konzentration weniger bewusst. Ein Erwachsener ist dazu in der Lage, sich zu konzentrieren, auch wenn die Tätigkeit nicht seiner augenblicklichen Gefühlslage entspricht. Den Entschluss zu einer bewussten Konzentrationsleistung (z.B. Prüfung) kann der Erwachsene aus rationaler Einsicht entwickeln. Dies bedeutet in diesem Zusammenhang, dass das gegenwärtig nicht emotionale Bedürfnis, sondern die rationale Zielsetzung als Grundlage für die Konzentrationsleistung dient. Wer versucht die Kinder und Jugendlich auf diesem Weg zu erreichen, ist zum Scheitern verurteilt. Was also tun?

Abbildung 1: Die Beziehung von Eltern und Kind in der Entwicklungsphase (In Anlehnung an Würth, 2001)

Zauberwort Kommunikation

Eines vorweg: Es ist leichter gesagt als getan. Jedoch ist jeder Trainer darin gut beraten, auf „Augenhöhe“ mit den Sportlern zu kommunizieren. Verzichten sie auf detaillierte Bewegungsbeschreibungen und Fachlatein. Demonstrieren sie die Übungen und verpacken diese zusätzlich in Bildern. Getreu nach dem Motto: „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“. Nutzen sie den natürlichen Spieltrieb der Kinder und sie werden den Unterschied feststellen.

Fazit: Die eingangs dargestellten Aufforderungen zur „Steigerung der Konzentration“ sind häufig nicht von Erfolg gekrönt. Kinder sind im Gegensatz zum Erwachsenen in Bezug auf ihre Konzentrationsleistung weitaus mehr von ihren emotionalen Bedürfnissen abhängig. Hieraus wird auch deutlich, warum Kinder nicht den rational begründeten Aufforderungen der Trainern Folge leisten können. Im Trainings- als auch im Wettkampfalltag sind die Übungsleiter darin gut beraten, auf Augenhöhe mit seinen Schützlingen zu kommunizieren. Die Grundlage dafür sollte im Training geschaffen werden. Der Sportler muss lernen, was er beachten soll, wann er etwas tun soll und wie er es anstellen muss, um die Konzentration in einer kritischen Phase aufrechtzuhalten. Also Trainer, konzentriert euch! ☺

 

Mehr zum Thema:

Dr. René Paasch: Trainer und Eltern am Spielfeldrand

Literatur:

Baumann, S. (1998): Psychologie im Sport. Meyer & Meyer Verlag, Aachen.

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