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Elvina Abdullaeva: Die Regeln des Lebens

Was mag ich an meiner Arbeit mit Menschen? Die Möglichkeit zu beobachten, wie sie den Schwierigkeiten trotzen, nicht aufgeben, und Kraft finden, ihre Probleme zu lösen, egal was passiert. Stellen Sie sich einen Mensch vor, der gerade erst vor einer Woche völlig verloren, am Boden zerstört gewesen ist und keinen Ausweg aus seiner Situation gesehen hat. Dann aber beginnen seine Augen wieder zu leuchten, er lächelt öfter, hat neue Wünsche, Pläne, findet wieder einen Sinn im Leben und weiß, dass er seine Situation überwinden kann. Für solche Momente arbeite ich. Zu sehen, wie eine Person wieder aufblüht, ist eine große Belohnung und eine Inspirationsquelle für mich. Was hat das alles mit Sportpsychologie zu tun?

Zum Thema: Was können wir Menschen von Sportlern lernen?

Ich denke, dass Sport in seinem Kern ein sehr einfaches und zugleich klares Beispiel dafür ist, wie man durch das Leben gehen sollte. Diesen Gedanken versteht man besser, wenn man sich vorstellt, dass jeder Mensch in gewisser Art und Weise ein Sportler ist und sein ganzes Leben nicht anders als eine Sportkarriere mit Siegen und Niederlagen ist. Ein Athlet, in einer Idealvorstellung, steht nach einem Scheitern auf und kämpft weiter. An seinem eigenen Beispiel zeigt er den anderen, wie man sich in einer schwierigen Situation verhalten soll.
Es unterliegt keinem Zweifel, dass die Probleme im Leben unvergleichbar größer und komplizierter als im Sport sind. Deshalb ist es viel schwieriger diese zu bewältigen und man braucht mehr Zeit und Geduld. Aber das Wesentliche bei der Sache bleibt trotzdem gleich:

Was auch immer für ein schwieriges Schicksal einem Mensch zugeteilt wurde,
er hat immer die Möglichkeit die Schwierigkeiten zu überwinden.

Meiner Meinung nach beschreibt dieser Aspekt den tiefen Sinn der Psychologie oder Philosophie des Sportes und stellt den Leitfaden für alle Menschen dar. Allerdings, denke ich, gibt es noch viele andere Seiten der Psychologie des Sportes, die anderen Menschen nützlich sein können. Woran genau sollen wir uns noch ein Beispiel nehmen, wenn wir über Athleten sprechen?

Sport lehrt die Menschen, sich Ziele zu setzen und die Schritte zu diesen Zielen zu planen. Warum ist es so wichtig? Weil mit Hilfe eines konkreten Plans wir automatisch die Erfolgswahrscheinlichkeit, dass wir das Ziel erreichen, steigern.

Nehmen wir einen gewöhnlichen Menschen. Wonach strebt er in der Regel? Nach seinem Glück würde ich sagen. Dieses persönliche Glück eines Menschen kann man als ein konkretes Ziel vorstellen. Unser Leben ist aber sehr facettenreich und komplex. Viele Bereiche (Familie, Arbeit, immaterielle Bedürfnisse, Freizeit etc.) erfordert die Erfüllung bestimmter Aufgaben. Der Mensch hat alle Hände voll zu tun und verliert oft dadurch die Orientierung und sein Hauptziel. Und so geht er durch das Leben, ohne ein klares Ziel und ist weniger produktiv. Im Sport ist es dagegen schwierig, diese Orientierung zu vergessen. Denn alles dreht sich um diesen Leitplan. Zum Beispiel ein großes Ziel, Olympiasieger zu werden. Damit ein Athlet sich für die Olympischen Spiele qualifiziert, muss er einen langen Weg überwinden. Je sorgfältiger und je konkreter er diesen Weg und alle Schritte plant, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er die Olympischen Spiele erreicht und sogar gewinnt. Dabei helfen ihm Saisonplanungen und ein klarer Ablauf von Trainings und Wettkämpfen. In solchen Konstellationen wird der Athlet mit größerer Wahrscheinlichkeit die Olympischen Spiele erreichen. Für uns heißt das also:

Wenn wir glücklich und erfolgreich sein wollen,
sollen wir lernen, die richtigen Ziele zu setzen und deren Umsetzung sorgfältig zu planen.

Unter den richtigen Zielen meine ich Ihre wahren Ziele, welche Sie wirklich glücklich machen werden. Versuchen Sie zu verstehen, was Sie im Leben erreichen wollen, was Ihr wahres Ziel ist, wo Sie in fünf oder zehn Jahren sein wollen? Und welche konkreten Schritte sollen Sie dafür unternehmen? Danach setzen Sie diese Schritte um.

Darüber hinaus bringt Sport meiner Meinung nach bei, die Verantwortung in die eigenen Hände zu nehmen und an sich selbst zu arbeiten. Schauen wir auf die beliebten und effektiven Techniken in der Sportpsychologie: Selbstbekräftigungstraining, Selbstgesprächregulation, Selbstargumentation, Selbstmanagement etc. Präfix «Selbst» sagt, dass die Sportler damit sich selbst hilft, die Situation unter seine eigene Kontrolle zu nehmen. Betrachten wir das anhand eines konkreten Beispiels. Stellen wir uns zwei Menschen vor, einen aussichtsreichen Manager eines großen Unternehmens und einen talentierten Handballspieler, die die gleichen Charakterzüge haben: sie sind Hitzköpfe, aggressiv, überempfindlich gegenüber jeder Kritik und leicht gereizt, wenn etwas nicht nach ihrem Wunsch läuft. Aus diesem Grund haben beide Personen einige Probleme: der Manager mit seinen Kollegen und mit dem Chef, der Handballer mit seinen Mitspielern und mit dem Trainer. Das ehrgeizige Ziel unserer ersten Person ist es, an die Spitze des Unternehmens zu kommen und sein wertvolles Wissen zum Wohle des Unternehmens einzubringen, wird kaum erreicht oder es wird eine sehr lange Zeit brauchen und mit großem Schwierigkeiten verbunden sein. Ständige Konflikte mit Kollegen hindern seinen Weg zu einem eigentlich guten Ziel. Mit diesen Charakterzügen geht er durch das Leben und stört vor allem sich selbst.

Jetzt zu unserem Handballer, der sich über die Kritik seines Trainers ärgert und aufgrund seiner jähzornigen Natur sich mit anderen Mannschaftskollegen nicht einspielen kann. Dies stört ihn, sich auf das Spiel und seine Leistungen zu konzentrieren. Und wenn es so weiter geht, dann kann er sich von dem Ziel, in der DKB Handball-Bundesliga zu spielen, verabschieden. Aber zum Glück, ist die Dauer der sportlichen Laufbahn sehr kurz! Der Zusammenhang zwischen seinem aggressiven Verhalten und seiner schlechten Leistung ist offensichtlich. Abwarten, dass die Situation sich von alleine ändert ist eine reine Zeitverschwendung. Deswegen beginnt er, an sich zu arbeiten: sich immer wieder zu überreden, den Emotionen nicht nachzugeben, die richtigen Strategien zu finden, ruhig in den Momenten zu bleiben, wo er sonst automatisch auf 180 ist. Das ist sehr schwierig. Denken Sie selbst an Situationen, in denen Sie emotional nicht so reagieren wie sie eigentlich wollen. Versuchen Sie jetzt anders zu reagieren. Leichter gesagt als getan! Aber Sportler, die ein positives Ergebnis wollen, machen diese schwierige Arbeit:

Arbeiten an sich, wenn sie die Situation verändern wollen.

Ich sage nicht, dass Sportler besser sind als wir. Nein, wir sind alle gleich. Nur im normalen Leben denken wir, dass wir noch „viel Zeit“ haben, um uns aufzuregen. Wir suchen die Schuld für Probleme bei den anderen, anstatt sich zu überlegen, was man selbst an der Situation ändern kann und was der eigenen Kontrolle unterliegt. Der Abschnitt des sportlichen Lebens ist kurz. Und genau Dank dieser zeitlichen Einschränkungen ist es viel einfacher Nebensächliches ausblenden, das wichtigste Ziel zu bestimmen und dafür alle seine Kraft und Energie einzusetzen. Es ist viel einfacher, nach einer Niederlage im Sport aufzustehen, weil man weiß, dass für den nächsten Versuch nur wenig Zeit bleibt. Und zuallerletzt kann man im Sport schneller begreifen, dass wenn man in seinem eigenen Leben etwas verändern will, dann sollte man bei sich selbst anfangen. Viel Erfolg auf Ihrem Weg!

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Thorsten Loch: „Ich mach mir die Welt…”

..widdewidde wie sie mir gefällt“. Das Titellied der berühmten Pipi Langstrumpf ist allseits bekannt. Doch was hat die Figur von Astrid Lindgren mit Sportpsychologie zu tun? Das kleine Mädchen mit den schier unmenschlichen Kräften durchlebt viele Abenteuer mit ihren Freunden Tommi und Annika. Dabei kommt es nicht selten vor, dass viele Geschichten und Abenteuer im Kopf der Piratentochter beginnen. Und hier kann die Brücke geschlagen werden. Ein aktuelles Beispiel dafür ist der erst 19-jährige Gladbacher Mahmoud Dahoud, einer der Erfolgsgaranten der „neuen Fohlen“ unter Trainer Andre Schubert, welche ihre beeindruckende Serie am 15. Spieltag krönten, indem sie die Übermannschaft aus München schlagen konnten. Doch was ist eigentlich sein Geheimnis? Dahoud liefert in einem Interview gegenüber der FAZ eine mögliche Antwort: „Ich manipuliere meinen Kopf. Ich stelle mir vor, dass ich gerade mein letztes Spiel mache. Dann weiß ich, dass ich jede Minute genießen muss“.

Zum Thema: Was bedeutet Visualisierung im Kontext Leistungssport?

Der Begriff Visualisierung kann als ein psychischer Prozess verstanden werden und somit als eine bestimmte Technik im Gegensatz zu Mentalen Training (Link zu René Paasch: Mentales Training im Jugendfußball), das eine systematische Trainingsform darstellt (Alfermann/Stoll, 2007). In der Psychologie wird Visualisierung als kognitiver Prozess beschrieben, quasi als „Sprache des Gehirns“. Loehr (1991) spricht in diesem Zusammenhang auch von „Programmieren von Vorstellungsbildern“. Demnach scheint das Visualisieren eine außerordentlich effektive Trainingstechnik darzustellen, um geistig-seelische Wünsche in körperliche Leistung umzuwandeln. Die Folge davon ist, dass Gefühle, Sinneswahrnehmungen und Emotionen wiedererschaffen werden können, welche diese Bilder begleiten. Visualisierung stellt somit die geistige Rekonstruktion einer Erfahrung, eines Erlebnisses dar. Besonders interessant scheint dabei zu sein, dass man die Bedingungen eines Wettkampfes im Geist viel genauer simulieren kann als mit physischem Training (Loehr, 1991). Auf dieser Grundlage ist der Athlet in der Lage, immer wieder die gleichen Wettkampfsituationen nachzuempfinden, spieltypisch-taktische Besonderheiten einzuüben und eine Vielzahl von Bewegungen fortwährend trainieren zu können. Vielen Athleten ist es klar, dass für eine gute Wettkampfleistung eine optimale mentale Vorbereitung von enormer Bedeutung ist. Leider herrscht oftmals auch Unklarheit darüber, was es eigentlich bedeutet. Nach Leohr (1991) bedeutet dies, „niemals von irgend etwas überrascht zu sein“.

Ein Athlet, der von unvorhergesehenen Situationen überrumpelt wird, gerät demnach immer wieder in Schwierigkeiten. Um einen solchen Überraschungseffekt weitestgehend auszuschließen, empfiehlt es sich, geistig erfolgreiche Lösungen von Situationen zu erproben, die während eines Spiels bzw. Wettkampfs eintreten können. Das bedeutet in diesem Zusammenhang aber auch, dass entsprechende Erfahrungen mit dem Visualisieren gemacht werden sollten und es letztendlich darüber gelingt, Leistung zu optimieren.

Wichtige Voraussetzungen für erfolgreiches Visualisieren (nach Alfermann/Stoll, 2007):

  1. Jeder unterscheidet sich in seiner Fähigkeit des Visualisierens.
  2. Die Fähigkeit zu visualisieren ist einer erlernte Fertigkeit, welche mit regelmäßigem Training optimiert werden kann.
  3. Das Visualisieren ist einer der wirkungsvollsten Techniken, die man anwenden kann, um Selbstkontrolle, Selbstvertrauen und mentale Stärke im Sport zu erlernen.
  4. Die Kunst des Visualisierens verkörpert hinsichtlich des Leistungsvermögens das Bindeglied zwischen dem Geist und dem Körper. Diese Technik ist die wirkungsvollste Form der Kommunikation zwischen geistigen Vorstellungen und körperlicher Leistung.

Techniken der Visualisierung

Die gängige Fachliteratur unterscheidet zwei Formen der Visualisierung, die beide sehr unterschiedliche Ergebnisse hervorrufen. Eine Methode ist, in der Vorstellung der Darsteller zu werden. Loehr bezeichnet dies als „subjektive Visualisierung“. Hierbei werden Bewegungen in der Vorstellung ausgeführt und geistig das Resultat erfüllt. Bei der subjektiven Visualisierung sind die Muskeln in derselben Reihenfolge aktiviert, die bei einer tatsächlichen physischen Ausführung beteiligt wären. Dies ist eine ausgezeichnete Methode, sportmotorische Fertigkeiten einzustudieren.

Die andere Visualisierungsmethode verlangt, dass man selbst zum Beobachter wird. Mit dieser Methode der objektiven Visualisierung schaut man auf sich, als betrachte man sich selbst in einem Film.

Fazit:

Das Visualisieren stellt eine äußerliche effektive Technik dar, mit der es gelingt u.a. sein Selbstvertrauen zu erhöhen, welches im unmittelbaren Zusammenhang mit erhöhter sportlicher Leistungsfähigkeit einhergeht (Eberspächer/Immenroth/Mayer, 2002). Das Endzeitszenario von „Mo“ Dahoud ist sicherlich nur eines von vielen möglichen „Drehbüchern“ – anderenfalls wird er irgendwann doch einmal von dem Überraschungsmoment gepackt und bekommt Schwierigkeiten in seinem Spiel. Es bleibt abzuwarten, wie es ihm gelingt, sich eine gewisse kognitive Flexibilität sich zu bewahren und einen weiterhin so erfrischenden Fußball zu zeigen, so als ob es sein letztes Spiel wäre.

Literatur:

Alfermann, D., Stoll, O. (2007). Sportpsychologie. Ein Lehrbuch in 12 Lektionen. Aachen, Meyer & Meyer Verlag.

Eberspächer, H., Immenroth, M., Mayer, J. (2002). Sportpsychologie – ein zentraler Baustein im modernen Leistungssport. Leistungssport 32 (5), 5-10.

Loehr, J. E. (1991). Persönliche Bestform durch Mentales Training für Sport, Beruf und Ausbildung (2. Aufl.). München: BLV.

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Bis zu 500 Teilnehmer beim dvs-Sportspielsymposium 2016 erwartet

2016 wird an der Deutschen Sporthochschule in Köln ein internationaler Kongress im Bereich der Sportspielforschung durchgeführt.

tgfu_logoFür diese einzigartige Veranstaltung erwarten die Organisatoren den Besuch von etwa 400 bis 500 Kolleginnen und Kollegen aus der ganzen Welt. Hierbei werden internationale und nationale Wissenschaftler sich an interdisziplinären Diskussionen über Themen in Mannschaftssportarten, wie etwa Sportpädagogik, Sportdidaktik, Sportpsychologie, Sportinformatik sowie Trainings-und Bewegungswissenschaften beteiligen. In dieser Hinsicht wird diese Konferenz eine ideale Austauschmöglichkeit zwischen Wissenschaftlern, Profisportlern, Trainern und Lehrern sein.

Als Keynote-Speakers werden Prof. Dr. Henning Plessner, Dr. Peter O´Donoghue und Prof. Dr. David Kirk erwartet, darüber hinaus übernimmt Prof. Dr. Joy Butler die „Plenory Opening Lecture“. Als Invited Speakers sind eingeladen: Prof. Dr. Duarte Araújo, Prof. Dr. Damian Ferrow, Dr. Philip Furley, Dr. David Gutiérrez, Prof. Dr. Amy Ha, Dr. Stephen Harvey, Prof. Dr. Stefan König, Prof. Dr. Karen Richardson und Prof. Dr. Andrea Schmidt.

Als weiteres Highlight freuen sich die Veranstaltungmacher, dass Hansi Flick (Sportdirektor DFB) als Speaker für den Kongress bereits zugesagt hat.

 

Abstracts und Fristen:

Angenommene Abstracts werden im „Research Quartely of Exercise and Sport“ (RQES) veröffentlicht und gelten damit als zitierbare Publikation. Angenommene Abstracts für Praxis-Workshops werden im dvs-Abstract-Band publiziert. Folgende Fristen gelten:

– 15. Dezember 2015 Beginn der Abstract-Einreichung und Registrierung

– 15. Februar 2016 Deadline der Abstract-Einreichung

– 1. April 2016 Benachrichtigung über das Ergebnis der Begutachtung

– 15. April 2016 Anmeldeschluss für die early-bird Registrierung

– 1. Mai 2016 Deadline Anmeldeschluss für Vortragende

 

Termin und Links

10. dvs-Sportspielsymposium meets 6th International TGfU Conference, 25.-27. Juli 2016 in Köln

 www.tgfu2016.info 

Kongress-Office: info@tgfu2016.info

 

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Dr. René Paasch: Das Ende als Anfang?

Die neunte Niederlage in 13 Bundesliga-Spielen besiegelte das Ende des Trainerengagements von Alexander Zorniger beim VfB Stuttgart. Zugegeben, der Auftritt bei der 0:4-Heimpleite gegen den FC Augsburg war desolat. Aber wird nun wirklich alles gut beim VfB? Können sich die Schwaben auf einen nachweislichen Effekt nach dem Trainerwechsel verlassen? Sportpsychologe Dr. René Paasch über Sinn und Unsinn des rotierenden Trainerkarussells.

Zum Thema: In welchen Situationen sind Trainerentlassungen eine Option?

Die Sportpsychologen Bernd Strauss und Alexandra Tippenhauer haben in 35 Spielzeiten zwischen 1963 und 1998 mehr als 10.000 Bundesligaspieleergebnisse unter anderem im Hinblick auf den Effekt von Trainerwechseln analysiert. Das Fazit der Wissenschaftler: Der Rauswurf ist die falsche Strategie. Die neuen Trainer hätten dann keine Besserung gebracht, wenn die alten nur wegen der Ergebnisse gehen mussten. Häufig hätten neue Trainer zwar einen kurzfristigen Aufwind gebracht, seien dann aber umso unsanfter mit ihrer Mannschaft wieder abgestürzt. Strauss und Tippenhauer führen die alljährlich wiederkehrende Entlassungswelle in der Fußballbundesliga auf den hohen öffentlichen Druck zurück, dem Manager und Vereinsführung ausgesetzt sind. Man geht davon aus, neu starten zu können und vergisst dabei, dass die Spieler ja dieselben bleiben. Oft ist eine Entscheidung für einen Trainerwechsel damit vielmehr von Emotionen und Medien gelenkt als rational begründbar.

Doch unter welchen Umständen macht es Sinn, einen Trainerwechsel zu vollziehen? Beispielsweise, wenn es Unstimmigkeiten innerhalb der Mannschaft gibt, die sich durch offene Gespräche nicht lösen lassen. Es kann durchaus passieren, dass es im Team zu einem Gefühl von Benachteiligung kommt, weil der Trainer vermeintlich Spieler bevorzugt. Dann kann ein Wechsel sogar zwingend erforderlich sein. Auch ein erfolgreicher Trainer kann entlassen werden, wenn man feststellen muss, dass sich Trainer und Mannschaft nicht mehr weiterentwickeln, wie im Fall von Jürgen Klopp, ehemals Trainer von Borussia Dortmund. Ein Trainer braucht eine klare Philosophie, aber er muss sich und das Spiel seines Teams auch immer wieder an neue Gegebenheiten anpassen.

Die Hoffnung auf den „psychologischen Effekt“

Wenn ein Verein seinen Trainer entlässt, dann hoffen die Verantwortlichen – ungeachtet der zitierten Statistiken – auf einen „psychologischen Effekt“. Von besser kehrenden neuen Besen ist dann oft die Rede, von gelösten Blockaden und frischen Winden – doch so genau weiß niemand, was da wirklich innerhalb einer Mannschaft vorgeht. Grundlegend gilt, dass ein Trainerwechsel einen Neubeginn darstellt. Mancher Stammspieler bekommt dadurch einen Tritt in den Allerwertesten und mancher Ersatzspieler Hoffnung auf die Startelf. Jeder Spieler im Kader will bei den ersten Einheiten mit dem neuen Trainer beweisen, dass er in die Mannschaft gehört – so weit ein nachvollziehbarer Effekt. Allerdings kann sich das Vorzeichen Trainerwechsel auch ins Negative umkehren. So resultiert Misserfolg nach einem Trainerwechsel daraus, dass der neue Trainer die Mannschaft nicht kennt. Wenn es dem Trainer aber gelingt, die eigene Kompetenzerwartung der Spieler zu erhöhen und dies mit einer kleinen Erfolgsserie zusammenfällt, dann kann es wiederum mit dem Aufschwung klappen, wie im Fall von André Schubert als neuem Trainer von Borussia Mönchengladbach.

Schlussendlich muss man überzeugt sein von der Leistungsfähigkeit seines Trainers, dem Trainerteam und der Mannschaft. Kontinuität ist ein entscheidender Erfolgsfaktor in diesem Zusammenhang, ganz unabhängig von der aktuellen Tabellensituation. Aus meiner Sicht, muss man dem Trainer und der Mannschaft eine schlechtere Saison zugestehen, wenn man von der Idee, die sie verfolgen, überzeugt ist. Eine Überzeugung, die beim VfB Stuttgart womöglich auch zwischenzeitlich in die Zweite Liga hätte führen können – aber solche Gedankenwege scheinen in der Bundesliga verboten zu sein.

 

 

Literatur

Schmidt, S. (2011). In the Line of Fire: Verweildauer von Bundesligatrainern und CEOs in Deutschland. Eine vergleichende Analyse. EBS Buisness School: Research Paper Series, 11 – 02.

Tippenhauer, A./Strauss, B. (2003). Trainerentlassungen in der Fußballbundesliga, S. 334. In: Bernd Strauss et al. (Hrsg.): Sport goes media Czwalina Verlag: Hamburg

Frick B, Barros CP, Prinz J (2010) Analysing head coach dismissals in the German ‘‘Bundesliga’’ with a mixed logit approach. European Journal of Operational Research 200: 151–159.

Barros CP, Frick B, Passos J (2009) Coaching for survival: The hazards of head coach careers in the German ‘Bundesliga’. Applied Economics 41: 3303–3311.

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Elvina Abdullaeva: Was sich Spieler wünschen

Trainer haben in Mannschaftssportarten nicht selten mit zwanzig Spielern und mehr zu kämpfen. Den individuellen Bedürfnissen der Spieler nach Kommunikation und Intervention gerecht zu werden, ist für die Coaches oft eine riesige Herausforderung.  

Zum Thema: Wie viel Aufmerksamkeit einem Einzelnen gegenüber muss sich ein Trainer leisten?

In Mannschaftssportspielen kommt es oft vor, dass der Trainer nicht jedem einzelnen Spieler genug Aufmerksamkeit widmen kann. Das kann man aber gut verstehen. Er trainiert eine zahlenmäßig große Gruppe und hat die Aufgabe nicht die individuelle, sondern Mannschaftsleistung zu fördern. Trotzdem ist jeder Spieler in einem Team eine einzelne Persönlichkeit, die sich wie jeder normale Mensch mehr Aufmerksamkeit wünscht. Das habe ich auch als Sportpsychologin mehrmals beobachten können. Beispielsweise bei der Analyse der Trainerevaluation einer ganzen Reihe von Fußballmannschaften ist mir aufgefallen, dass in fast jedem einzelnen Fall dem Spieler der individuelle Kontakt mit dem Trainer gefehlt hat. Auch aus einzelnen Gesprächen mit den Spielern hört man oft, dass es für sie sehr wichtig ist, dass der Trainer ihnen Feedback gibt und auch wiederum sich für die Meinung der Spieler interessiert. Die Sportler wünschen sich mehr individuelles Herangehen auch in den Mannschaftsportarten.

Wenn Sie als Trainer, das Gefühl haben, dass ihre Sportler mit Ihnen mehr kommunizieren wollen, lassen sie dieses Signal bitte nicht unberücksichtigt. So wurde in mehreren Studien bewiesen, dass die Athleten um so mehr mit dem Sportausüben zufriedener sind, je mehr sie nach ihrer eigenen Einschätzung vom Trainer positives Feedback, Unterweisungen sowie Instruktionen bekommen haben (Chelladurai et al., 1988; Dwyer & Fisher, 1990). Das bedeutet, dass ein mangelndes Feedback wiederum zur allgemeinen Unzufriedenheit sowie dem Verlieren der Spiellust Ihren Spieler führen kann. Die Ergebnisse einer weiteren Studie haben gezeigt, dass Sportler und Sportlerinnen, die ihre Fähigkeiten verbessern, mehr Aufmerksamkeit von ihren Trainern bzw. Trainerinnen bekommen, als diejenigen ohne Leistungsfortschritte (Alfermann, Würth & Saborowski, 2002). Es kann Ihnen sehr nützlich sein. Einerseits profitiert die ganze Mannschaft, wenn jeder einzelne Mitspieler seine individuellen Leistungen verbessert, anderseits wird jeder Sportler zufriedener. Mit anderen Worten: Es lohnt sich, die Aufmerksamkeit jedem Spieler zu widmen! Jedoch können Trainer an dieser Stelle erwidern, dass sie keine Zeit haben mit jedem Spieler zu sprechen und individuell mit ihm zu arbeiten. Da gebe ich Ihnen Recht.

Die Systematik ist der Schlüssel 

Dennoch kann man sein Arbeitssystem so gestalten, dass jeder Spieler zwar nicht ständig, aber trotzdem systematisch erwünschtes Feedback bzw. individuelle Kontakt mit dem Trainer bekommt. Beispielsweise kann man dies durch systematische Einzelgespräche zweimal im Jahr, in der Vorbereitungsphase zur Saison und vor der Rückrunde erreichen. Bei diesen Gesprächen können Sie mit dem Spieler seine Stärken und Schwächen besprechen und festlegen, an welchen Komponenten er in den nächsten Monaten arbeiten soll. Sie helfen ihm sozusagen eine Orientierung für die nächste Zeit zu bekommen. Dabei sollten die zu verbesserten individuellen Leistungen immer aus der Sicht der Wichtigkeit für das Mannschaftsspiel betrachtet werden. Weiterhin ist es wichtig, dass Sie ehrlich sind und dem Spieler eine objektive Einschätzung geben. Zu diesem Zweck holen sie die letzten Leistungstestergebnisse, Statistikdaten und Videoszenen zu Rate. So lässt sich auch Kritik der Spieler ruhiger wahrnehmen. Die Vorbereitung zu den Gesprächen sollen Sie nicht allein machen. Lassen Sie sich von Ihrem Assistenten und dem ganzen Betreuerstab helfen, um so Informationen über jeden Spieler bezüglich seines gezeigten Spiels, des Konditions- sowie Gesundheitszustandes zu sammeln.

Ob Sie diese Feedbackgespräche ein-, zweimal oder öfter durchführen wollen, bleibt Ihre eigene Entscheidung. Wichtig ist, dass Ihre Spieler mit gewissem Abstand eine ganz individuelle Rückmeldung über ihre Leistungsentwicklung bekommen. Das macht Sportler nicht nur vom Spieltreiben zufriedener, sondern es hilft ihnen auch, sich planmäßig sportlich, zu verbessern.

 

Literatur:
Alfermann, D., Würth, S. & Saborowski, C. (2002). SozialeEinflüsse auf die Karriereentwicklung im Jugendleistungssport: Die Bedeutung von Eltern und Trainern.psychologie und sport, 9, 51-61.
Chelladurai, P., Imamura, H., Yamaguchi, Y., Oinuma, Y. &Miyauchi, T. (1988). Sport leadership in a cross-national setting: The case of Japanese and Canadian University athletes. Journal of Sport & Exercise Psychology, 10, 374-389.
Dwyer, J. J. M. & Fisher, D. G. (1990). Wrestlers’ perceptions of coaches leadership as predictors of satisfaction with leadership. Perceptual and Motor Skills, 71, 511-517.

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Dr. René Paasch: Die Angst kickt mit

Die Terroranschläge von Paris greifen tief ins öffentliche Leben ein. Ob im Stadion oder in bei öffentlichen Veranstaltungen: Das Gefühl von Angst ist spätestens seit der kurzfristigen Absage des Fußball-Länderspiels in Hannover zwischen Deutschland und den Niederlanden allgegenwärtig. Sportpsychologe Dr. René Paasch über den Terror, ein Europa in Gefahr und Anschläge als neuer Bestandteil des Lebens und wie wir als Sportler, Vereinsvertreter und Zuschauer damit umgehen können. 

Zum Thema: Strategien zur individuellen Angstbewältigung

In den letzten Tagen hatten die Spieler der deutschen Fußball-Nationalmannschaft einiges mitgemacht: In Paris mussten sie während der Anschläge in der Nacht sich gemeinsam in der Kabine verbarrikadieren. Am Dienstag wurde dann das Länderspiel in Hannover aufgrund der Gefährdungslage kurzfristig abgesagt. Eigentlich sollte das Spiel ein Zeichen für Verbundenheit und Normalität werden. Nun gibt es viel aufzuarbeiten. Damit das Angstgefühl auf dem Platz nicht bleibt, ist es wichtig, die Spieler bei der Verarbeitung zu unterstützen. Fußballer im Rampenlicht haben genauso wie alle anderen ihre individuellen Ängste. Aber sie leben mit verschiedenen Rollenerwartungen. Ihre Entscheidungen sind durch viele weitere Einflussfaktoren bedingt. Zum Beispiel, ob sie ein Vorbild sein wollen. Oder es geht um vereinspolitische Interessen. Letztlich glaube ich, dass Personen des öffentlichen Lebens die Entscheidung, ob sie sich zurückziehen oder auftreten, gar nicht alleine treffen. Angst ist dabei etwas sehr Subjektives. Zu öffentlichen Ereignissen von anderen Personen begleitet zu werden, mag Ängste verringern (Pilisuk & Parks 1986). Dass aber andere einen Schutz bieten, ist eigentlich nicht rational. Trotzdem kann man sich gegenseitig Mut machen, sich Unterstützung holen. Es ist wichtig, den Sportlern und Zuschauern das Gefühl zu vermitteln, dass man sich kümmert. Der dann gezeigte Aktionismus verringert zwar nicht unbedingt das Risiko. Aber es wäre schlimmer, sich vorwerfen lassen zu müssen, man tue nichts. Gerade Vereins- und Verbandsverantwortliche kommen in Handlungszwang. Wenn man keine Lösung für ein Problem finden kann, neigen manche schnell dazu, das Ganze zu verdrängen, oder zu verharmlosen, um sich damit nicht beschäftigen zu müssen. Das sind Wege, um mit unserem Alltag zu Recht zu kommen.

Beim Erleben von Terroranschlägen lassen sich zwei „Ebenen“ unterscheiden: „Ängstlichkeit“ bezeichnet die generelle Neigung, in Terrorsiuationen mit entsprechendem Verhalten, z.B. Schwitzen, Sorgen, Konzentrationsstörungen, zu reagieren, während der „Angstzustand“ die akute momentane körperliche und psychische Reaktion in einer konkreten Situation darstellt. In diesem Zusammenhang gibt es zwei Strategien zur Bewältigung. Die selbstbezogene und problembezogene Bewältigungsstrategie (Lazarus & Folkman 1984). Erstere beschäftigen sich eher mit der Frage, inwieweit man selbst gefährdet ist, zum Beispiel, wo das Risiko, selbst Anschlagsziel zu sein, geringer ist. Sie richten das Augenmerk darauf, was man selbst machen kann, um sich und seine Angehörigen und Mannschaftskollegen zu schützen. Problembezogene Ansätze versuchen die Ursache hinter den Anschlägen zu verstehen. Die Folge kann sein, dass  man seinen Alltag wie gewohnt weiterlebt und anfängt, sich mit dem Thema intensiver auseinanderzusetzen. Alle Bewältigungsvarianten haben das Ziel, einen nicht nur betroffen sein zu lassen, sondern für sich eine brauchbare Handlungskonsequenz abzuleiten. Es gibt keine für alle gleichermaßen vorteilhafte Bewältigungsstrategie. Eine Chance in der aktuellen Krise kann darin liegen, dass Sportler, Vereine und Zuschauer besser verstehen, warum vom Bürgerkrieg Betroffene ihre Heimat verlassen, wenn sie täglich von Bombenterror bedroht sind. Im Gesamtzusammenhang betrachtet, zielen Terroranschläge darauf, die öffentliche Ordnung zu destabilisieren. Durch Terroranschläge wird keine neue Ordnung etabliert, sondern nur das gestört, was sowieso schon existiert. Wenn aber das öffentliche Leben zum Erliegen kommt, wäre das aus Sicht der Attentäter gewünschte Ergebnis erreicht. Doch wie können wir sehr zeitnah mit der Angst umgehen:

Schritte zur individuellen Angstbewältigung

1. Sensibel werden und sich informieren

Der erste Schritt ist schon getan: Wer sich über Angst informiert, ist bereits sensibel und nimmt Angst bewusst war. Die aktive Auseinandersetzung mit der aktuellen Situation und körperlichen und psychischen Erleben ermöglicht es, Angst bewusst wahrzunehmen.

2. Ursachen analysieren

Zuerst einmal ist es wichtig, die Ursachen der persönlich erlebten Angst zu analysieren. Denkbare angstauslösende Faktoren können sein:  Aktuelle Geschehnisse, Öffentliche Auftritte wie bspw. Länderspiele, Bundesligaspiele u.v.m.

3. Problembezogene Bewältigungsstrategien wählen

Wirksam ist die Bewältigung von Angst mit einer problembezogenen Strategie. Dazu müssen die Umstände sachlich bewertet und angemessene Lösungsschritte und Reaktionen geplant und getätigt werden. Änderungen des Denkverhaltens sind dabei sinnvoll. Dies sollte schnell passieren.

Problembezogene Bewältigungsmuster sind:

Änderung der angstauslösenden Gedanken, z. B. Kurzpausen einlegen und bewusst entspannen 

viel Reden mit Mannschaftskollegen, Trainer und Sportpsychologen

recht zügig in den Alltag zurückkehren 

Ebenso wichtig ist es, die eigenen Ressourcen langfristig zu stärken, um Angstsituationen zu bewältigen. Dazu gehört es:

Soziale Unterstützung und Rückendeckung organisieren. Gutes Vereins- und Mannschaftsklima stellt ein Angstpuffer dar. Auch emotionale Stärkung im Privatleben spielt dabei eine wichtige Rolle. Wo die gegenseitige soziale Hilfe in der Mannschaft funktioniert und auch mal über Angst geredet werden kann, können Angstsituationen besser überstanden werden. „Geteiltes Leid ist halbes Leid“ drückt dies deutlich aus. Damit werden negativen Folgen gemindert oder vermieden.

Selbstvertrauen, soziale Handlungskompetenz, Problemlösungsfähigkeit aufbauen. Sie gehören zu den persönlichen Ressourcen, die durch sportpsychologische Unterstützung  gefördert werden können. Sie erweitern für jeden den Spielraum und damit die Möglichkeiten zur Veränderung von Angstsituationen. So gestärkt, werden hohe Anforderungen nicht mehr als verunsichernd erlebt, Angst vermindert sich.

Neue Situation für Vereine und Spieler

Auf die Vereine und die Spieler, allen voran in den höchsten Spielklassen, kommt eine neue Situation zu. Es lässt sich nicht einschätzen, wie sich die Angst langfristig auswirkt. DFB-Teampsychologe Hans-Dieter Herrmann sagt in einem Interview auf der DFB-Homepage: „Stress- und Bedrohungssituationen werden individuell sehr unterschiedlich verarbeitet.“ Denkbar sei durchaus, dass Sorgen und Ängste bei einigen erst mit etwas Abstand zu Tage treten. Das ist eine riesige Verantwortung für den Fußball und Sicherheitsgremien. Die enge Zusammenarbeit mit einem Sportpsychologen, wie es der Deutsche Fußball-Bund im Fall der Nationalmannschaft mit Hans-Dieter Herrmann vormacht, ist daher wünschenswert. In ihren Vereinen werden die Spieler diesbezüglich sehr unterschiedlich aufgefangen.

 

Literatur: 

Pilisuk, M., and Parks, S. H. (1986) The healing web: Social networks and human survival. Hanover, NH: University Press of New England.

Lazarus, R. S., & Folkman, S. (1984). Stress, appraisal, and coping. New York: Springer.

Internet:

http://www.dfb.de/news/detail/psychologe-hermann-spiel-waere-zeichen-nach-aussen-und-innen-gewesen-135263/

 

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Katharina Petereit: Petkovics verteufelte Saison

Vor genau einem Jahr geschah das, was sich letzte Woche beim WTA-Turnier in Luxemburg wiederholte: Andrea Petkovic musste sich bereits in der allerersten Runde geschlagen geben. Pikant dabei: Die zurückliegenden zwölf Monate waren keineswegs erfolgreich für die sonst sehr ehrgeizige, aber immer schon von Verletzungen und Pausen geprägten Tennisspielerin. Von Platz 13 der Weltrangliste fiel sie nun auf Platz 20. Sie ist perfektionistisch und hat beim Tennis Angst, die Kontrolle zu verlieren. Laut der Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner, fehlt Petkovic momentan der Spaß am Tennis, an dem, was sie eigentlich am meisten liebt.

Zum Thema: Leistungstief überwinden und den Spaß am Tennis zurückgewinnen

Wie in meinem Blog-Beitrag vom 25.01.2015 (Andrea Petkovics Teufel) bereits angedeutet, hätten erste Anzeichen für eine schwierige Phase Petkovics in der Pressekonferenz nach der Erstrunden-Niederlage in Luxemburg letzten Jahres festgestellt werden können. Und genau diese Vorboten haben sich bewahrheitet und über das ganze Jahr hin verstärkt. Andrea Petkovic wirkt unzufrieden, unkontrolliert und weiterhin geplagt von den „kleinen Teufeln“ in ihrem Kopf (taz, 19.01.2015). Diese negativen Gedanken finden sich in etlichen Niederlagen der letzten Monate wieder. Die überaus strebsame und anspruchsvolle Tennisspielerin geht mit ihren Gedanken und „Schwächen“ offen um, gibt dazu Interviews und versucht in diesen nicht allzu Ernst mit dem Thema umzugehen, um sich so eventuell auch weniger angreifbar zu machen. Sie kann sich offensichtlich gut einschätzen und kennt die Faktoren, die sie merklich hemmen. An diesem Punkt ist aus sportpsychologischer Sicht der Schritt vom Erkennen der aktuell kritischen Situation zum Erlernen von Bewältigungsstrategien für den funktionalen Umgang mit belastenden Gedanken und Ereignissen dringend erforderlich. Die Rückblicke auf das Jahr lassen vermuten, dass Andrea Petkovic dieser Schritt noch nicht gelungen ist.

Schritt für Schritt aus dem Leistungstief

Nach Interviews der letzten Monate zu urteilen, gibt es einige mentale Herausforderungen für Andrea Petkovic, die jedoch erst nach und nach bewältigt werden sollten, um einer Überforderung zu entgehen. Um systematisch vorgehen zu können, wäre eine Einordnung der Problematik und das Erläutern der Zusammenhänge verschiedener negativer Gedanken, Ereignisse und Verhaltensweisen sinnvoll. Es bestehen hier in jedem Fall unterschiedliche Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge, die aufgearbeitet und in kleinen Schritten bearbeitet werden sollten. Zunächst sollte eine Bewertung dieser Zusammenhänge und der zurückliegenden Situationen seitens der Sportlerin stattfinden, um daraufhin das Bewusstsein für eine funktionale Umbewertung zu schaffen. Wichtig ist hierbei, dass die Ereignisse nicht als schicksalhaft oder unkontrollierbar eingestuft werden, um das Gefühl von Ohnmacht zu vermeiden. Kontrolltechniken dienen dazu, die empfundene Hilflosigkeit aufzuarbeiten und den Auslöser zu bestimmen, um daraufhin genau diese kontrollieren zu können und in den Hintergrund rücken zu lassen. Hier ist es ebenfalls wichtig, nicht ausschließlich über die negativen Erlebnisse zu sprechen, sondern auch für jede Situation ein positives Beispiel des eigenen Verhaltens und Handelns zu benennen. Dieses Vorgehen kann durch einen Videozusammenschnitt des Sportlers unterstützt werden, damit das Positive und der Spaß am Tennis wieder vor die „kleinen Teufeln“ rücken kann.

Spaß oder nur noch Pflicht?

Ohne Frage kann auch einem Berufssportler zwischendurch mal die Lust an seinem Sport vergehen. Wenn diese jedoch gänzlich wegbleibt und ein Sportler kaum noch Sinn in seiner Tätigkeit sieht, ist es nicht möglich, über einen längeren Zeitraum stetig Höchstleistungen zu erbringen. Auch ein Profisportler muss stets eine gewisse Freude und Leidenschaft für seinen Sport empfinden, um sich den Herausforderungen und Erwartungen stellen zu können und sich nicht „entblößt“ zu fühlen wie Andrea Petkovic, wenn beispielsweise die Emotionsregulation auf dem Platz nicht gelingt. Um den Spaß am Tennis wieder zu gewinnen, sollte ein schrittweises Vorgehen zur Bewältigung der missglückten Saison stattfinden. Hier ist gewiss ein hoher Grad an Geduld gefragt, welches die dringend erforderliche Aufarbeitung des letzten Jahres allerdings nicht trüben sollte, denn für die „kleinen Teufel“ im Kopf reicht die Geduld schon lange nicht mehr.

 

Weiterführende Literatur:

http://www.bisp-sportpsychologie.de/SpoPsy/DE/Infoportal/Sportpsychologische_Betreuung_im_Spitzensport/ trainingstechniken/stressbewältigungstechniken.html

Alfermann, D. & Stoll, O. (2012). Sportpsychologie: Ein Lehrbuch in 12 Lektionen. Aachen: Meyer & Meyer Verlag.

 

Weiterführende Links:

http://www.spox.com/de/sport/mehrsport/tennis/1507/Artikel/andrea-petkovic-interview-us-open-grand-slam.html

http://www.sport1.de/tennis/wta/2015/10/barbara-rittner-bedauert-saison-abschluss-von-andrea-petkovic

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Prof. Dr. Oliver Stoll: Ein mentales Lehrstück

Unwillkürlich stand ich auf und zog sprichwörtlich meinen Hut vor dieser Leistung. Zugegeben, es mag etwas komisch ausgesehen haben, wie ich nach mehr als zwei Stunden meinem Wohnzimmersessel entstieg und nun mit meinem Fernseher interagierte. Aber diese Geste in Richtung eines Sportlers musste schlichtweg heraus, der gerade etwas besonderes vollbracht hatte. Mit 2 Stunden, 8 Minuten und 33 Sekunden stellte Arne Gabius am Sonntag, den 25. Oktober 2015, in Frankfurt eine neue deutsche Rekordzeit über die Marathondistanz auf. Als Fan feierte ich seine Leistung, als Sportpsychologe frohlockte ich über das mentale Lehrstück, was Gabius beim Frankfurt-Marathon ablieferte.

Zum Thema: Was Ausdauersportler vom deutschen Marathonrekordhalter Arne Gabius lernen können

Wir Sportpsychologen sind ja eigentlich auch immer sehr kritische Zeitgenossen. Irgendetwas gibt es immer, dass es noch zu optimieren gilt. Und oftmals sind es ja mentale Aspekte, die über Sieg und Niederlage entscheiden können. An jenem, denkwürdigen Sonntagnachmittag gab es aus meiner Sicht aber nichts, was Arne Gabius hätte besser machen können. Denn er hat alles umgesetzt, was aus meiner Sicht ein mental starker Athlet umsetzen sollte. Aber was ist das im Detail?

Was muss ein mental starker Athlet umsetzen?

1.) Arne Gabius hatte ein klares Ziel, eine Vision: Er wollte einen neuen deutschen Marathonrekordwert aufstellen. Dementsprechend plante er die Saison 2015 und unterzog sich einem sehr umfangreichen und harten Trainingsprogramm. Die Planung und Umsetzung einer solchen Trainingsleistung ist ein „Tanz auf der Rasierklinge“, denn ein Training in dieses Belastungsbereichen kann schneller zu Verletzungen führen oder in einem „Übertrainingszustand“ enden, als man es sich als Nicht-Marathonläufer vorstellen kann.

2.) Er ging mit diesem Ziel an die Öffentlichkeit und erklärte im Vorfeld „vollmundig“: „Ich breche am Sonntag die deutsche Marathonbestzeit – es wird langsam Zeit, dass diese Marke fällt“. Hintergrund: Jörg Peter stellte 1988 in Tokio die „alte“ deutsche Bestleistung mit 2:08:49 Stunden auf, dies ist also die sportliche Ewigkeit von 27 Jahren her. Eine solche Ankündigung ist für einen noch jungen Marathonläufer, wie es Arne Gabius ist, durchaus riskant. Verfehlt er sein Ziel, blamiert er sich in der Öffentlichkeit, auch wenn es außer ihm zurzeit in Deutschland keinen anderen Marathonläufer gibt, der auch nur annähernd in diesem Leistungsbereich vorstoßen könnte. Und dennoch setzt er sich mit dieser Ansage bewusst öffentlich „unter Druck“. Aber genau darin ist ein zentraler Punkt seiner Mentalen Stärke zu sehen. Arne Gabius wusste genau, was, wie und warum er trainiert hatte. In Trainingswettkämpfen, bzw. langen und schnellen Trainingseinheiten ist er dieses Tempo gegangen und er wusste, dass es geht, dass er es kann – auch wenn das sehr schmerzhaft werden würde (wie dies ja auch dann im Rennen ab Kilometer 27 gut zu sehen war). Er war sich also seiner Fähigkeiten bewusst und bewertete somit dieses Rennen als Herausforderung und eben nicht als „Druck“. Im folgenden Videoclip „Arne Gabius zu seinen Gedanken ab Kilometer 30“ kann man erkennen, wie sehr es sich auf diesen Abschnitt freut:

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3.) Nicht zuletzt nutzte er die gesamte Bandbreite sportpsychologischer „Werkzeuge“. Er arbeitete mit einem detaillierten Drehbuch für sein Rennen – regulierte somit seine Aufmerksamkeit auf wichtige Renndetails außerhalb und innerhalb seines Körpers. Er nutzte (positive) Vorstellungsbilder, um seine Einstellung zum Rennen hoch zu halten. Er kontrollierte seine Gedanken und arbeitete mit hilfreichen Selbstinstruktionen, vor allen Dingen in den Phasen des Rennens, in denen es besonders schwer wurde. Er ließ nicht nach, auch wenn Schmerzen auftraten, versuchte er diese „Schmerzen“ auszublenden, so gut es ging, weil das Erreichen seines Ziels, auch wenn es hinten raus etwas langsamer wurde, immer noch erreichbar war. Er motivierte sich selbst, in dem er das „Einsammeln“ der noch wenig verbliebenen Gegnern, die ihm bei Kilometer 25 „weg gelaufen“ waren als positiven Verstärker begriff. Und er war in der Lage, Ruhe zu bewahren, sich nicht vom unglaublich schnellen Zwischenspurt des späteren Siegers Sisay Lemma aus Äthiopien anstecken zu lassen und einfach mit zu gehen. Er entwickelte also auch im Rennen keine „Allmachts-Fantasien“ und blieb in etwa bei dem Rennplan, den er sich ausgedacht und wahrscheinlich auch mit seinem Coach Renato Canova „verhandelt“ hat. Hierzu gehört eine ausgeprägte Selbstdisziplin und ein hohes Selbstvertrauen auf die eigenen Fähigkeiten. Ein Deutscher Marathon-Rekord mit Ansage!

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Es kommt nicht auf die Art des Rekords an

Ähnliches zeigte uns auch der diesjährige Hawaii-Ironman-Finisher Jan Frodeno, den ich mental genauso stark einschätze wie Arne Gabius. An dieser Stelle sei Lisa Hahner ebenfalls erwähnt, die ihre persönliche Bestzeit auf der Marathondistanz ebenfalls um zwei Minuten verbesserte, jedoch um neun Sekunden die DLV-Olympianorm verpasste. Diesen „Makel“ würde ich jedoch nicht fehlender Mentaler Stärke zuschreiben, sondern dem Umstand, dass diese Zeit eben nicht das prognostizierte Ziel für Lisa darstellte. Die Möglichkeit, dieses Ziel dennoch zu erreichen, ergab sich erst im Laufe des Rennens, und dann sind, wenn sich der jeweilige Sportler bereits am Limit befindet, selbst neun Sekunden – auch bei einer kilometerlangen Reststrecke – ein schwer zu überbrückendes Hindernis.  

Arne Gabius und Lisa Hahner haben in Frankfurt ein respektabales Stück „Marathonlauf-Geschichte“ abgeliefert. Wenn wir Jan Frodenos Leistung auch noch im Hinterkopf haben, könnte man fast annehmen, dass es wohl an dem Anforderungsprofil von Ausdauersportarten liegen muss, dass man „Mentale Stärke“ gleich neben dem körperlichen Trainingsprogramm mit entwickelt. Wer weiß – vielleicht ist es in der Tat so! Im Übrigen gibt es sportartspezifisch interessante Ratgeber-Bücher, die hier unten im Beitrag als Quellenangabe zu finden sind. Wenn Sie diese nutzen oder auch direkt mit einem Sportpsychologen arbeiten, dann verwandeln Sie sicherlich nicht gleich in einen Arne Gabius, aber Sie machen dann sicherlich auch viel „richtig“, so wie Arne Gabius am vergangenen Sonntag. Für sie kommt das aber nicht in Frage, weil sie keinen deutschen Rekord laufen wollen? Dann schauen sie mal, was Arne Gabius dazu sagt:

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Literatur

Stoll, O., Ziemainz, H. & Schmidt, U. (2000). Psychologie in Ausdauersportarten. Butzbach: Afra.

Stoll, O. & Ziemainz, H. (2009). Mentaltraining im Langsterckenlauf. [4. Neugefasste Auflage]: Hamburg:  Czwalina.

Ziemainz, H. & Rentschler, W. (2014). Mentaltraining im Triathlon: Ein Handbuch für Praktiker (Reihe: Mentaltraining im Sport). Hamburg: Czwalina.

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Sarah Schramm: SMARTe Ziele im Rugby

Die Rugby-WM geht in die entscheidende Phase. Wie befürchtet, sind die außereuropäischen Favoriten unter sich: Den Weltmeistertitel machen die Teams Südafrika, Neuseeland, Argentinien und Australien unter sich aus. Schon jetzt lässt sich aber festhalten, dass das Mega-Spektakel der Sportart viele neue Fans gebracht hat und zudem Anschauungsunterricht für die deutsche Nationalmannschaft lieferte, die in der 7er Variante noch von der Olympia-Teilnahme träumt. Lernen können die deutschen Talente dabei auch von den kleinen und amateurhaft strukturierten Rugby-Nationen.

Zum Thema: Zielsetzung, aber richtig.

Zielsetzungstraining ist eines der größten Tools, welches Sportpsychologen zu Verfügung steht. Hierbei geht es darum mit realistischen aber herausfordernden Zielen den Sportler zu motivieren. „Wer ein Ziel hat, kann sich motivieren“ (Paul Kunath).

Grundsätzlich ist Zielsetzung auf längere Sicht angelegt. Zunächst sollten Sportler ihre persönlichen Ziele nennen, die dann vom Trainer, Sportpsychologen und Angehörigen hinsichtlich ihrer Erreichbarkeit überprüft werden. Danach ist es wichtig, den Zielen eine Hierarchie zu geben. Es sollten ein Hauptziel und auf dem Weg dahin mehrere Teilziele festgelegt werden. Damit ein Ziel seinen Zweck erfüllt, sollte es nach dem Smart-Prinzip aufgebaut sein. Smart steht hierbei für spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert (Engbert, 2011). Zudem sollten mögliche Hindernisse und Ideen zu deren Bewältigung eingeplant werden (Alfermann & Stoll, 2007).

Drei Arten von Zielen

Dabei gibt es drei Arten von Zielen: Ergebnisziele, Handlungsziele und Leistungsziele. Ein Ergebnisziel kann die Platzierung bei einem Wettkampf sein, hier steht also der Vergleich mit Gegner im Vordergrund. Das Handlungsziel sagt aus, wie an die Aufgabe herangegangen wird, dabei steht die eigene Qualität im Fokus. Das Leistungsziel wird durch seine Messbarkeit definiert und bezieht sich auf die ganz persönliche angestrebte Leistung (Engbert, 2011).

Als in der Vorrunde die Amateure von Uruguay auf die Übermacht der Fidschis trafen, konnte das Ziel der Südamerikaner nicht gewinnen heißen. Allein der äußerliche Vergleich ist eindeutig: Die Fidschis gehören zu den Top Ten der Welt und sind im Durchschnitt deutlich größer und schwerer. Zu der körperlichen Überlegenheit kommt, dass Uruguay seit zwölf Jahren keinen Versuch mehr bei einer WM gelegt hatte. Dies sollte sich ändern, sogar im Vorrundenduell der beiden ungleichen Konkurrenten. Letztlich haben weder Fidschi noch Uruguay die Endrunde der WM erreicht – allerdings war Uruguay insofern erfolgreich, dass sie das eigene Ziel von einem Versuch bei einer WM erreicht haben.

Deutschland auf dem Weg nach Rio?

Ebenso hat die deutsche Nationalmannschaft individuelle Ziele, auch wenn diese in einem ganz anderen Bereich liegen. Ähnlich wie in Uruguay ist Rugby in Deutschland noch Amateursport. Doch besonders in der Variante des 7er Rugbys geht die Entwicklung stetig bergauf. Die DRV Auswahl ist derzeit in Down Under unterwegs. Eingerahmt in verschiedene Trainingslager starteten sie unter anderem beim internationalen Rugby Turnier Noosa Sevens in Australien. Solche Maßnahmen bieten besten Voraussetzungen, seine Ziele zu überprüfen und zu aktualisieren. Natürlich liegt die große Hoffnung auf der Qualifikation für die Olympischen Spiele in Rio, doch sollte die DRV VIIer Auswahl sich nicht unter Druck setzen lassen und nur auf dieses hohe Ziel hinarbeiten. Vielmehr sind an dieser Stelle Handlungsziele angebracht, so dass die Spieler bei jedem Einsatz die Leistung zeigen, die sie sich vornehmen. Wenn die Taktik und Technik dementsprechend umgesetzt wird, können sie am Ende unabhängig vom Ergebnis mit ihrer Leistung zufrieden seien. Der nächste Test dafür steht beim Central Coast Sevens am 25. und 26. Oktober an.  Ich bin mir sicher, dass die Jungs auf dem angestrebten Weg nach Rio neben einigen Hindernissen auch vielen persönlichen Erfolgen begegnen werden. Der Vorrundengruppensieg beim Noosa Sevens und der damit verbundene souveräne Einzug ins Halbfinale, in dem gegen Topfavorit Neuseeland beim 10:17 nur zwei Meter zur Sensation fehlten (siehe Text des Deutschen Rugby Verbandes), dürfen ohne weiteres als Erfolge zählen.

 

Quellen:

Engbert, K. (2011). Mentales Training im Leistungssport. Ein Übungsbuch für den Schüler- und Jugendbereich. Stuttgart: Neuer Sportverlag.

Alfermann, D. & Stoll, O. (2007). Ein Lehrbuch in 12 Lektionen. Sportwissenschaft studieren. Aachen: Meyer & Meyer.

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Sport und Depression

Depressionen und Angstzustände seien bei Profi-Fußballern stark verbreitet. Jeder Dritte habe psychische Probleme. Diese Informationen machten Anfang Oktober medial die große Runde – die Internetangebote von ARD und ZDF berichteten, selbst das Handelsblatt widmete sich dem Thema online. Die erwähnten Texte sind im Wortlaut sehr ähnlich und gehen auf Agenturmeldungen zurück, die eine am 6. Oktober veröffentlichte Studie der FIFPro, der weltweiten Spielervereinigung, zitieren.

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Klare Kritik an der aktuellen Studie

Der Profi-Fußball macht also krank? „Quatsch“, dachte Prof. Dr. Oliver Stoll und ging der Studie auf den Grund. In seinem aktuellen Blog-Beitrag ordnet er die wissenschaftliche Arbeit von FIFPro-Chefmediziner Vincent Gouttebarge ein und kritisiert die Medien hinsichtlich eines unkritischen Umgangs mit Studien und Forschungsarbeiten: Macht Fußball depressiv?

 

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Wo endet der Aufgabenbereich des Sportpsychologen?

Spätestens seit dem Suizid von Robert Enke im November 2009 ist das Thema Depression in Deutschland massenöffentlich geworden. Wie viel sich am Umgang mit psychischen Erkrankungen insbesondere im Profi-Fußball geändert hat, bleibt schwer zu bewerten. Größeren Anlass zur erneuten Diskussion bot im Vorjahr der Suizid des Profifußballers Anders Biermann. Katharina Petereit widmete sich am 21. Juli 2014 dem Thema und arbeitet dabei insbesondere heraus, an welche Stelle der Einflussbereich der Sportpsychologie endet: Zum Tod von Andreas Biermann

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Wie reagieren (Amateur)Trainer richtig?

Wie können Sportpsychologen in ihrer praktischen Arbeit helfen, Symptome von psychischen Erkrankungen wie Depressionen zu erkennen? Diese Frage stellte Elvina Abdullaeva am 1. August 2014 in ihrem Beitrag für die-sportpsychologen.de, der allen voran Trainern und Übungsleitern im Amateursport beim Identifizieren von möglicherweise gefährdeten Personen helfen soll: Depression erkennen lernen

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Sonderfall Verletzung

Laut der FIFPro-Studie seien Sportler besonders gefährdet, an einer Depression zu erkranken, wenn Verletzungen vorlägen. „Spieler, die drei oder mehr Verletzungen erlitten hatten, haben demnach zwei- bis viermal so viele mentale Probleme“, schreibt sportschau.de. Wie die Sportpsychologie Athleten bei der Bewältigung von Sportverletzungen helfen kann, machte Philippe Müller im Oktober zum Thema von die-sportpsychologen.de. Aus seinem Beitrag wird deutlich, dass Aktive in dieser Situation oft auf sich allein gestellt sind: Verletzungen bewältigen

Eines steht fest: Die veröffentlichte Studie der FIFPro lädt zur weiteren und tieferen Auseinandersetzung mit dem Thema Depressionen und psychische Erkrankungen ein. Diese Auseinandersetzung wird auch immer wieder auf die-sportpsychologen.de stattfinden.

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