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Philippe Müller: Angst lässt sich überwinden

Höhenangst ist weder eine Seltenheit noch wird sie als besonders gravierend erachtet. Spätestens bei der Vierschanzentournee sorgte aber der norwegische Skispringer Daniel Andre Tande für echtes Aufsehen, dessen offenbar ausgeprägte Angst vor der Höhe die mediale Runde machte. Ein existentielles Problem für einen Athleten wie Tande, oder? Nein, viele Athletinnen und Athleten kämpfen in bestimmten (Wettkampf-)Situationen gegen Furcht an. Und zudem gibt es ausreichend Lösungen.

Zum Thema: Wie kann die Angst bewältigt werden?

Angst gehört, wie Freude, Wut oder Ärger, zu unseren grundlegenden Gefühlen. Sie tritt normalerweise als Reaktion auf ein bedrohliches oder unkontrollierbares Ereignis auf. Die Angst führt dazu, dass wir bedrohliche Situationen meiden. Somit erfüllt sie eine wichtige Funktion zum Überleben.

Verliert die Angst ihre Situationsadäquatheit kann sie schnell zum Hindernis werden. In extremen Fällen kann die Angst auch pathologische Ausmasse annehmen. Dabei wird die Angstreaktion als subjektiv unverhältnismässig oder unbegründet eingestuft. Wirft man einen Blick über den Zaun in die Klinische Psychologie, sind zwei Bereiche der phobischen Störungen für die Sportpsychologie relevant. Zum einen ist dies die spezifische Phobie. Diese richtet sich gegen bestimmte Stressoren wie zum Beispiel Gegenstände, Tiere, enge Räume oder auch Orte. In der Folge kommt es häufig zu Vermeidungsverhalten. Und zum Anderen stellt die soziale Phobie einen interessanten Gegenstand der Sportpsychologie dar. Das Kernmerkmal ist die übermässige Angst vor negativer Bewertung in leistungsbezogenen Situationen. Die Sporttreibenden, welche unweigerlich solchen Situationen ausgesetzt sind, werden deshalb andauernd mit dem daraus resultierenden Druck konfrontiert. Fehlen ihnen die entsprechenden Strategien, um damit umzugehen, kann sich der ausgelöste Stress in einer Wettkampfangst manifestieren.

Selbstverständlich ist es in vielen Situationen übertrieben von einer pathologischen phobischen Störung zu sprechen. Dennoch bewirken die Ängste, dass die Leistung negativ beeinträchtigt wird und das Wohlbefinden abnimmt. Grund genug, Massnahmen zur Bewältigung der Angst zu ergreifen.

Wie äussern sich Angstreaktionen?

Angstreaktionen äussern sich auf unterschiedliche Weise. Die Stärke und Häufigkeit sind dabei sehr verschieden. Angst kann auf der kognitiven, der somatischen und der Verhaltensebene betrachtet werden. Auf der kognitiven Ebene sind es vorwiegend negative Gedanken, die im Zusammenhang einer als bedrohlich wahrgenommenen Situation entstehen. Diese führen dazu, dass das Selbstbewusstsein abnimmt und die Vorstellung zu versagen aufkommt. Auch geht durch die störende Denkweise die Konzentration auf das Wesentliche verloren. Es fällt schlussendlich schwer, aus dem Strudel der negativen Gedanken zu entkommen.

Angst löst nicht nur auf der Gedankenebene spezifische Reaktionen aus. Ebenso können bei Furcht somatische Veränderungen festgestellt werden. Klassisches Beispiel dafür sind das plötzliche Ansteigen des Pulses und des Blutdrucks, das Aufkommen von schwitzenden Händen, der trockene Mund und das flaue Gefühl im Magen, bis hin zu Muskelverkrampfungen und Zittern. Der Körper reagiert auf die gefährliche Situation, indem er sich auf die Flucht oder den Kampf vorbereitet (fight-or-flight response).

Das Zusammenspiel der negativen Kognitionen mit den somatischen Reaktionen manifestieren sich letzten Endes auch im Verhalten. So werden beispielsweise bestimmte (Spiel-)Situationen bewusst gemieden, oder lediglich zaghaft angegangen. Auch die Körpersprache passt sich den vorherrschenden Gedanken und körperlichen Bedingungen an. Der Körper fällt etwa ein, der Augenkontakt wird vermieden oder an den Fingernägeln gekaut.

http://die-sportpsychologen.ch/2016/01/07/dr-hanspeter-gubelmann-wenn-angst-mitfliegt/

Welche Strategien zur Angstreaktion gibt es?

Wie bereits oben erwähnt, treten die Angstsymptome auf den drei Ebenen in unterschiedlichem Masse auf. Je nach deren Ausprägung lassen sich Anknüpfungspunkte zur Angstbewältigung festmachen. Um der Höhenangst zu entgegnen, setzt Daniel Andre Tande auf eine einfache Ablenkungstechnik: „Ich versuche dann aber einfach nur in die Ferne zu starren.“

Die Ablenkungstechnik kennzeichnet sich durch die Aufmerksamkeits- und Konzentrationslenkung in eine andere Richtung. Durch den Blick in die Ferne wird die Höhe nicht mehr derart bedrohlich wahrgenommen. Die Angstreaktion vermindert sich oder bleibt ganz aus.

Negative Denkmuster verdrängen

Nebst der Ablenkungstechnik gibt es noch weitere Möglichkeiten, die Angstzustände zu bewältigen. Mit positiven Selbstgesprächen kann auf der kognitiven Ebene, den negativen Gedanken entgegnet werden. Sie verfolgen das Ziel, durch Zureden die negativen Denkmuster zugunsten von Positiven zu verdrängen und so gleichzeitig das Selbstwertgefühl zu stärken.

Auch auf somatischer Ebene gibt es Möglichkeiten, den übermässigen Erregungszustand zu regulieren. Mittels dem bewussten Ein- und Ausatmen kann der Puls gesenkt und die Anspannung reduziert werden. Atmen Sie dazu tief ein, halten die Luft für eine Sekunde an und atmen anschliessend wieder entspannt aus.

Weitere Möglichkeiten

Ebenfalls sind Autogenes Training und Progressive Muskelrelaxation geeignete Mittel, ein entspannteres Aktivierungsniveau zu erreichen. Und zu guter Letzt gibt es Möglichkeiten, auf der Verhaltensebene anzusetzen. Eine positive Körperhaltung, diese äussert sich durch eine aufrechte Position mit gestärkter Brust, führt zu einem besserem Selbstbewusstsein und einer positiver Grundstimmung.

http://www.die-sportpsychologen.de/2015/05/21/thorsten-loch-abstiegskampf-wie-angst-leistung-beeintraechtigt/

Literatur:

Perrez, M. & Baumann, U. (2005). Lehrbuch Klinische Psychologie – Psychotherapie (3., vollständig überarbeitete Auflage). Bern: Verlag Hans Huber.

Alfermann, D., & Stoll, O. (2010). Sportpsychologie: Ein Lehrbuch in 12 Lektionen (3., überarbeitete Auflage). Aachen: Meyer & Meyer.

Externer Hinweis:

Zum Thema engagiert sich eine spannende Plattform, schaut gern mal vorbei: https://starkauchohnemuckis.de/kind-hat-angst-vor-lauten-geraeuschen/

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Jürgen Walter: Gegen Oma verlieren?

Ein Fall aus der sportpsychologischen Praxis: Ein Tischtennisspieler (2. Bundesliga) antwortet auf die Frage, warum er Rat bei einem Sportpsychologen sucht folgendes: „Beim letzten Spiel stand es bei einem Spielstand von 2:2 im fünften Satz 10:2 für mich und ich habe den Satz 10:12 verloren. Als es nur noch 10:6 stand konnte ich kein Tischtennis mehr spielen, ich hätte sogar gegen meine Oma verloren!“

Zum Thema: Gut sein, wenn´s drauf ankommt – Verbesserung der mentalen Stärke

Nehmen wir den Sportler wörtlich und überführen wir ihn bezüglich seiner Denkfehler:

  1. Er konnte bei 10:6 noch Tischtennis spielen,
  2. Er hätte seine Oma besiegt!

An diesem Beispiel wird deutlich, wie wichtig das positive Denken beim sportlichen Erfolg ausmacht. „Der Gedanke versetzt Berge“, sagt ein Sprichwort, und ein alter chinesischer Philosoph wusste schon „Nicht das Ereignis macht das Problem, sondern die Gedanken, die ich mir bezüglich des Ereignisses mache“, aber was konkret macht nun das „positive Denken“ aus?

Das positive Denken

Bleiben wir beim Tischtennisspieler, der feststellt, dass sein Vorsprung von 10:2 auf 10:6, 10:7, 10:8 geschmolzen ist. Er kann sich jetzt schwach reden und den Gegner stark oder sich auf die aktuelle Situation konzentrieren und hinter sich lassen, was noch vorhin war „Was fott es es fott“ sagt der Kölner (für nicht Kölner: „Was fort ist ist fort“). Es bringt also nichts, sich mit dem Vergangenen zu beschäftigen, ebenso wenig bringt es etwas, zu versuchen, nicht an den nächsten Fehler, nicht an die drohende Niederlage zu denken – versucht mal ganz fest, nicht an einen rosa Elefanten zu denken! Vielmehr sollte sich mein Fokus auf das richten, was als nächstes ansteht (Annahme, Aufschlag) oder was ich als nächstes – in Abhängigkeit der Aktionen des Gegners – versuchen werde (Block, Topspin, kurzer Stoppball etc.). Hier helfen folgende Überlegungen, um seine Gedanken zu kontrollieren:

  1. Sind meine Gedanken realistisch oder beschäftige ich mich mit Vermutungen oder Befürchtungen?
  2. Helfen mir meine Gedanken, mein Ziel zu erreichen, also das Spiel positiv zu Ende zu bringen?

Der Gedankenstopp

Stelle ich als Spieler fest, dass mir meine Gedanken wie in dem geschilderten Beispiel eher schaden als nützen, kann der Spieler den „Gedankenstopp“ verwenden. Ich erkläre meinen Gedanken quasi, dass sie stören und zur Seite gehen sollen und beschäftigte mich wieder mit meinen Stärken, lasse z.B. blitzschnell meinen letzten großen Sieg vor meinen Augen abfahren. Schon Albert Ellis sagte ich in den 60ger-Jahren in seiner A-B-C-Theorie, dass nicht das Ereignis (A = Activity) das Problem, also eine Konsequenz ergibt (C = Consequence), sondern die  Bewertung des Ereignisses, also die Gedanken (B = Beliefs).

Also: Selbst bei einer 2:1 Führung und einem Spielstand von 10:6 „beschummele“ ich mich und sage mir: „Noch hast Du nicht verloren, versuche wenigstens den nächsten Ball sicher und gut zu spielen!“ und auch bei einen 2:2 Satzstand und einem 10:10 Spielstand ist quasi – unabhängig von gesamten Spielverlauf – „nichts passiert“. Der mental starke Spieler freut sich auf die Entscheidung, glaubt an seinen Sieg und spielt die Bälle – technisch sauber – „wie im Training“.

 

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Weitere Informationen

Die 65-minütige DVD „Alles geschieht im Kopf“ von Jürgen Walter gibt es hier zu bestellen: www.walter-sportpsychologie.de

 

Literatur:

Eberspächer, Hans (2008). Gut sein, wenn´s drauf ankommt – Erfolg durch mentales Training. München, Deutschland: Carl Hanser

Gilbert, Brad; Jamison, Steve (1997). Winning ugly – Wie man bessere Gegner schlägt. Lüneburg, Deutschland: Zu Klampen

Railo, Willi (1986). Besser sein wenn´s zählt – Wege zum Erfolg in Sport und Beruf. Tübingen, Deutschland: Pagina

Walter, Jürgen (2016). 65-min. DVD zur Praxis der Sportpsychologie „Alles geschieht im Kopf“  www.walter-sportpsychologie.de

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Dr. René Paasch: Priming im Fußball

Sind unsere Gedanken und Verhaltensweisen, die wir Tag für Tag als Sportler fällen, nur von unserer bewussten Entscheidung abhängig oder werden sie womöglich in hohem Maße vom Trainer beeinflusst? Richtig, ein Trainer kann eine ganze Menge beeinflussen. Liebe Trainer, vielleicht können Sie sogar intensiver auf ihre Spieler einwirken als sie es bis hierhin denken. Also, lesen Sie den Text, probieren Sie es aus und geben Sie mir Feedback!

Zum Thema: Taktische Vorgaben schneller lernen mit Priming?

Unter Priming versteht man eine Beeinflussung des Denkens, dass ein bestimmter vorangegangener Reiz die Denk- und Verhaltensweise bei einer darauf folgenden Reaktion beeinflusst. Bei dem Reiz kann es sich um ein Wort oder ein Bild handeln. Dieser Vorgang läuft unbewusst ab und kann je nach Art des Priming Gedächtnisleistungen verbessern. Das Gehirn legt beim Priming Spuren an und bereitet so Ihr Unterbewusstsein auf kommende Ereignisse vor. Durch einen Reiz werden in Ihrem Gehirn Gedächtnisinhalte aktiviert und diese lösen aufgrund früherer Erfahrungen und Erlebnisse, spezifische Verbindungen aus. Testen Sie selbst? Antworten Sie auf die nun folgenden Fragen schnell und ohne lange nachzudenken:

Welche Farbe hat Schnee?
Wie ist die Farbe eines Brautkleides?
Welche Farbe haben Schneeglöckchen?
Was trinkt die Kuh? 

Trinkt Ihre Kuh auch Milch? Dann hat das Priming gut funktioniert. Die Fragen haben Sie auf die Farbe Weiß eingestimmt. Überrascht? Dann freuen Sie sich nun auf die folgenden Inhalte: Das Priming-Konzept hat viele verschiedene Ausprägungen. Die Wirkungsweise des Priming-Effekts beschränkt sich nicht nur auf das Abrufen von Wörtern und Gedanken, sondern kann auch Auswirkungen auf ein gezeigtes Verhalten haben. Der sogenannte Florida-Effekt (Bargh, 1996) ist ein berühmtes Beispiel für diese Wirkung. Werden Menschen mit vielen Begriffen konfrontiert, die sich um das Wort „alt“ drehen, dann wirkt sich das auch ganz unbewusst auf das Verhalten dieser Menschen aus. Sie bewegen sich beispielsweise langsamer und schwerfälliger. Diese Beobachtung bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass der Priming Effekt auch zur positiven Beeinflussung des eigenen Verhaltens genutzt werden kann. Ein weiterer Effekt ist das semantische Priming.

Das semantische Priming

Dieser Priming-Effekt zeichnet sich durch die Aktivierung von begrifflichen Assoziationen, zum Beispiel durch die Aktivierung über Bilder oder Wortfelder aus. Vereinfacht gesagt bedeutet dies, dass die Verarbeitung eines Begriffes, die Verarbeitung eines sich anschließenden Begriffes beeinflusst. Wenn diese Beziehung besteht, kann der vorangegangene Reiz bewirken, dass der nachfolgende schneller verarbeitet wird. So kann beispielsweise der Begriff „Raute“ schneller verarbeitet werden, wenn zuvor das Wort „Taktik“ vernommen wurde. Der Grund dafür, liegt im Aufbau unseres Wortgedächtnisses. Unser semantisches Gedächtnis ist ein neuronales Netzwerk, welches über ein riesiges Lexikon verfügt. Collins und Loftus bezeichnen dies als Knoten. Diese Knoten sind in einer assoziativen Verbindung und bilden einzelne Konzepte. Wird eines dieser Konzepte aktiviert, werden auch andere mit diesem Konzept aufgerufen. Eine weitere Beobachtung des semantischen Priming ist es, dass ein Konzept, welches bereits zuvor einmal aktiviert wurde, beim zweiten Aufruf deutlich schneller gefunden und aktiviert wird. Das semantische Priming kann sehr hilfreich sein, um taktische Vorgaben oder Neuerungen zu steigern. Doch wie kann das Priming in der sportlichen Praxis effektiv genutzt werden? Dazu möchte ich Ihnen zwei praktische Anwendungen anbieten:

Assoziationen als Verbindungsmaschine

Mit der Hilfe von Assoziationen können Sie sich taktische Vorgaben und Traineranweisungen besser einprägen. Eine Möglichkeit dies zu tun, ist das gedankliche „Voreinstimmen“ auf eine gegnerische Mannschaft und die damit verbundenen taktischen Vorgaben. Halten Sie sich ganz bewusst vor Augen, welche taktischen Vorgaben von Ihnen erwartet werden und visualisieren Sie das Thema. Haben Sie bereits in der Vergangenheit taktische Vorgaben erlernt, die in Zusammenhang mit diesen Dingen stehen, dann vergegenwärtigen Sie sich noch einmal diese Spielsituationen. Der Priming-Effekt sorgt dann schon vor dem Beginn des eigentlichen Lernens dafür, dass die entsprechenden sportlichen Konzepte im Gehirn aktiviert werden. Schon das Aufschreiben von themenverwandten Punkten vor der Umsetzung, kann die Aufmerksamkeit steigern. Ebenfalls kann das Visualisieren komplizierter Spielsituationen dazu beitragen, sich das Erlernte besser zu merken. Sie führen sich die Spielsituationen  sozusagen noch einmal vor Augen und verbinden so verschiedene Reize miteinander. Es gibt noch viele weitere Übungen, die die eigene Gedächtnis Leistung steigern können. Eine weitere Möglichkeit in das Wortspiel und Sätze bilden vor einem wichtigen Spiel.

Erfolg primen

In einer interessanten Studie von Stajkovic (2006) wurden Versuchsteilnehmer aufgefordert, aus einzelnen Wörtern viele unterschiedliche Sätze zu bilden. In der Experimentalgruppe wurden hierbei Erfolgswörter wie „gewinnen“, „erfolgreich sein“, „Wettkampf“ präsentiert. Die Kontrollgruppe erhielt für die gleiche Aufgabe dagegen neutrale Wörter wie „Schildkröte“, „grün“, „Lampe“. Im Anschluss wurde den Teilnehmern eine weitere Aufgabe gegeben, unter dem Vorwand, dass diese nichts mit der eigentlichen Studie zu tun hätte. Hierbei handelte es sich um eine kreative Aufgabe, in der es darum ging, aus einem Stück Draht unterschiedliche Dinge zu entwickeln. Hierbei zeigte sich, dass die Experimentalgruppe, die durch die Erfolgswörter geprimt worden war, bessere Ergebnisse erzielte. Diese Ergebnisse können Sie für Ihr Team nutzen. Fordern Sie Ihre Mannschaft vor einem wichtigen Spiel auf, aus einzelnen Wörtern möglichst viele unterschiedliche Sätze zu bilden. Wie bspw. die Erfolgswörter „gewinnen“, „erfolgreich sein“, „Wettkampf“, „Teamgeist“. Im Anschluss lassen Sie Ihre Spieler die gewohnten Vorbereitungen für ein Punktspiel machen, unter dem Eindruck, dass diese nichts mit der eigentlichen Übung zu tun hätte. Probieren Sie es aus und lassen Sie mich wissen, ob diese Technik funktioniert hat. Meine Kontaktdaten finden Sie rechts neben dem Text oder auf meiner Profilseite: http://www.die-sportpsychologen.de/profile/Rene%20Paasch/ 

Fazit:

Wer die Funktion des Gedächtnisses versteht, kann dies zum eigenen Vorteil nutzen. Das Priming ist ein hoch wirksamer Effekt, der Sportlern jeden Alters helfen kann, die eigene Gedächtnisleistung zu verbessern. Der Leistungssport bedingt sich schon seit längerer Zeit dieses Effekts und konnte damit gute Ergebnisse erzielen. Dein Kopf ist eine pausenlose Verbindungsmaschine und was du assoziierst bestimmt deine Emotionen, dein Verhalten und beeinflusst deine Leistungsfähigkeit.

 

Literatur

Bargh, J. A., Chen, M., & Burrows, L. (1996): Automaticity of social behavior: Direct effects of trait construct and stereotype priming on action. Journal of Personality and Social Psychology, 71, 230-244.

Meng Zhang & Xiuping; L (2012): From Physical Weight to Psychological Significance. The Contribution of Semantic Activations. Journal of Consumer Research.

Stajkovic, A.D, Locke, E.A. Eden S. Blair, E. S. (2006): A First Examination of the Relationships Between Primed Subconscious Goals, Assigned Conscious Goals, and Task Performance. Journal of Applied Psychology 91, S. 1172-1180

 

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Dr. Hanspeter Gubelmann: Game, Set and Match – Switzerland!

Bei den Australian Open kommt es im Halbfinal zu einem besonderen Leckerbissen. „King Roger“ gegen „Stan-the-man Wawrinka“. Das Schöne an dieser Affiche erwähnte Roger Federer bereits in einem TV-Interview: «ein Schweizer wird sich für den Final qualifizieren!» Welcher von beiden es sein wird, darüber wird an den Stammtischen eifrig diskutiert. Ja, auch über die mentalen Aspekte dieses Gipfeltreffens wird medial debattiert. Ein schönes Beispiel dazu findet sich in der Sportberichterstattung des Tagesanzeigers. Das Fazit scheint schnell gezogen: Der mental stärkere Spieler wird in Australien nach dem Pokal greifen.

Zum Thema: Das Duell zwischen Federer und Wawrinka in Melbourne aus sportpsychologischer Perspektive

In der „pro-und-contra-Debatte“ der Autoren Simon Graf (pro Wawrinka) und René Stauffer (pro Federer) wird schnell klar, dass beide Sportler gewichtige Argumente ins Feld führen können, um den Match zu gewinnen. Graf attestiert Wawrinka jene Raubtier-Mentalität, die gepaart mit mentaler Stabilität, hoher Leidensfähigkeit, Entschlossenheit und grossem Selbstvertrauen zum finalen Absch(l)uss führen wird – etwa so, wie es der Slowene Martin Klizan im Startspiel schmerzhaft erfahren musste. Roger Federer – eh Inbegriff des mental starken Tennisspielers – soll der emotionale Höhenflug eines rundum geglückten Comebacks nach schwieriger Verletztungsphase und die wiedererwachte Lust am Siegen zurück auf den Thron führen, verkündet Kontrahent Stauffer. Allseits wird ein ausgeglichenes „Duell auf Augenhöhe“ erwartet, Prognosen seien unklar, wie auch der CH-Davis-Cup Coach und Federer-Trainer Severin Lüthi (lachend) einräumt: „Es ist schwierig vorherzusagen. Ich lasse mich überraschen“.

Ziel muss sein: das Spiel dominieren!

Konkreter äusserst sich der Tennisexperte Lüthi in seiner Aussage, welcher Weg zum Ziel führen werde: „Beide werden versuchen, ihr Spiel aufzuziehen. Der Platz ist schnell, beide werden versuchen, die Partie selber zu entscheiden, und nicht auf die Fehler des anderen warten. Die Marschrichtung wird für beide nach vorn sein.“ Was er meint: beide werden versuchen, mit ihren Stärken das Spiel zu prägen. Da der druckvoll agierende „Puncher“ Wawrinka gegen den aufs Tempo drückende Federer.

Entsprechend werden die beiden Spitzensportler ihre präferierten Vorbereitungsmassnahmen treffen. „Jeder macht sein eigenes Programm“ wird Lüthi zitiert, obwohl die Voraussetzungen schon speziell erscheinen. „Sie sind ja in der gleichen Garderobe… Aber ich bin manchmal selber überrascht, wie die beiden am Matchtag normal zusammen reden. Es geht sehr lange ziemlich relaxt zu.“!

Der Umgang mit den eigenen Emotionen wird entscheiden!

Was dann folgen wird, nach der Phase des „Relaxt-Seins“, hat 110m-Hürdenlauf-Star Colin Jackson einmal mit einer originellen Beschreibung illustriert. In seiner Wettkampf-Vorbereitung sah er sich in seiner Vorstellung, wie er als „Alltagsperson“ eine Telefonkabine betrat und diese anschliessend als „heisser Wettkämpfer“ verlies. Der Amerikanische Sportpsychologe James Loehr nimmt diesen Punkt auf, wenn er von Real- und Wettkampf-Ich spricht. Er meint damit insbesondere den Umgang mit den eigenen Emotionen und vergleicht den Spitzensportler mit einem Star-Schauspieler (Loehr 1996, S.37): „Um Bestleistungen zu erbringen, müssen sie auf Kommando die im Skript vorgeschriebenen Emotionen aufleben lassen. Der Schlüssel dafür liegt in der Entwicklung ausgefeilter darstellerischer Fertigkeiten.“

Was in der angewandten Sportpsychologie früher häufig unter Emotionskontrolle und –regulation – „dann wenn’s zählt“ – verstanden wurde (vgl. Hanin 1997, 2000), hat sich jüngst verstärkt in Richtung „Mindfulness“ und achtsamkeitsbasierter Interventionstechniken weiterentwickelt (vgl. Bernier et al. 2009). Diese Übungen richten sich insbesondere auf die aktuelle, nicht-wertende Wahrnehmung psychischer Zustände („es ist okay, dass ich jetzt nervös bin“), wodurch eine Steigerung der Konzentrationsfähigkeit und die Reduktion der Wettkampfangst ermöglicht würde.

Der Tennisverband erntet die Früchte

Wenn im bevorstehenden Tenniskrimi Wawrinka vs. Federer auch die Tennisnation Schweiz gewinnen wird, so liegt der Grund des Erfolgs nicht nur bei diesen beiden Spitzenkönnern. Es ist auch ein Erfolg von Swiss Tennis und ihrer über viele Jahre gewachsenen Ausbildungsstrukturen. Ein Schwerpunkt dieser Förderung betrifft die mentale Förderung ihrer Nachwuchsspieler. Swiss Tennis setzt auf professionelles Knowhow. Ausbildungsverantwortlicher ist Sportpsychologe Jürg Bühler, der zusammen mit seinem Team eine frei zugängliche Broschüre „Player Development – Grundlagen Psyche“ entwickelt hat. Diese Lernhilfe dient auch der interessierten Interclub-Tennisspielerin als Anleitung zur Selbsthilfe!. Eben – Game, Set and Match, Switzerland!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Swiss Tennis-Broschüre „Player Development – Grundlage Psyche“ zum Download: https://www.swisstennis.ch/sites/default/files/playerdevelopmenta4_grundlagenpsyche_d.pdf

 

Quellen:

Loehr, J.E. (1996). Die neue mentale Stärke. Sportliche Bestleistungen durch mentale, emotionale und physische Konditionierung. BLV: München u.a.m.

Hanin, Yuri L. (1997). Emotions and athletic performance: Individual zones of optimal functioning model. European Yearbook of Sport Psychology, 1, 29-72

Hanin, Y. L. (2000). Emotions in sport. Champaign, IL: Human Kinetics.

Bernier, M., Thienot, E., Codoron, R., & Fournier, J.F. (2009). Mindfulness and Acceptance Approaches in Sport Performance. Journal of Clinical Sports Psychology, 4, 320-333.

http://www.tagesanzeiger.ch/sport/tennis/wer-greift-nach-dem-pokal/story/30984585

http://www.tagesanzeiger.ch/sport/tennis/wenn-wir-verlieren-dann-am-liebsten-gegen-stan/story/10360167

https://www.swisstennis.ch/sites/default/files/playerdevelopmenta4_grundlagenpsyche_d.pdf

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Miriam Kohlhaas: Ein Hoch auf die dicken Jungs!

Im American Football gibt es viele Positionen, aber eine ist sicher die bekannteste – der Quarterback. Er führt die gesamte Offense, wirft oder übergibt den Ball, hat das gesamte Geschehen im Blick und bestimmt, welcher Spielzug der nächste ist. Er ist derjenige, der glänzt!

Zum Thema: Was ein Quarterback im eigenen Interesse beherzigen sollte

Der QB ist der Eine,
Der, der alle anführt,
Der, dem alle folgen,
Der alles entscheidet,
Der allen Ruhm erhält.

In den vergangenen Wochen hat besonders ein Quarterback aus der amerikanischen NFL uns so viele dieser mitreißenden Momente geliefert und sogar hier in Deutschland Aufsehen erregt. Aaron Rodgers ist seit 2008 der starting Quarterback der Greenbay Packers. 2010 führte er sein Team an und gewann den Superbowl, er selbst wurde MVP. 2014 war er der bestbezahlte Spieler der gesamten NFL.

Ausnahmetalent und Vorbild Aaron Rodgers

Unumstritten ist Aaron Rodgers ein Wahnsinns-Sportler – ein Ausnahmetalent. Alle Augen sind auf ihn gerichtet. Doch wer sich mit diesem Sport beschäftigt, der weiß, dass besonders das folgende Video zeigt, dass er allein niemals so gut wäre:

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Es sind die dicken Jungs, die ihn beschützen und ihm die nötige Zeit verschaffen. Die Jungs, die eine Position bekleiden, von der niemand träumt, wenn er zum Tryout geht. Denn wer sagt schon im Kindesalter stolz, dass er mal ein O-Line Spieler werden will? Die Jungs, denen nachgesagt wird, dass sie träge wären, faul, nicht athletisch genug für eine andere Position…

Unterschätzte Qualitäten

Aber: Die vor dem Quarterback stehende Offensiv Line verschafft im American Football die erwähnte – und nicht selten spielentscheidende – Zeit. Deren Fähigkeit, ein Spiel zu lesen und zu verstehen, wird oft unterschätzt. Die Jungs, die ihre gesamte Kraft dafür geben, dass niemand zu ihrem Quarterback durchkommt.

Aber wie bekommt man eigentlich andere Menschen dazu, dass sie alles für einen geben? Wie genau kann die Sportpsychologie darauf Einfluss nehmen, dass besonders diese so unheimlich wichtige Verbindung im wahrsten Sinne des Wortes undurchdringlich ist?

Große Gefahr

Ein großer Schwerpunkt der sportpsychologischen Arbeit in dieser speziellen Sportart muss es immer sein, einen Fokus auf genau diese Verbindung zu legen. Der Quarterback sollte seine O-Line gut kennen, sich für jeden einzelnen interessieren, sie loben, sie antreiben, sie motivieren und vorangehen.

Ich habe gesehen, wie sportlich begabte Quarterbacks durch ihre Arroganz bewirkten, dass die Jungs der O-Line „zur Strafe“ mit Absicht Gegenspieler durchließen, so dass es zu einem Quarterback-Sack kam und der Quarterback – und damit der gesamte Spielzug – gestoppt wurde.

Besondere Teambuilding-Einheiten

Kurzum: Aus sportpsychologischer Perspektive braucht die Konstellation zwischen dem Quarterback und der O-Line ein spezielles Augenmerk. Meine Empfehlung: In besonderen Teambuilding-Einheiten, die am besten schon in der Saisonvorbereitung beginnen, lassen sich diese zwei Units im besonderen Maße miteinander verbinden. Die anschließende Reflexion dieser Maßnahmen – als wichtigster Bestandteil dieser Arbeit – beinhaltet unter anderem die folgenden Fragestellungen:
Welche Kommunikationswege sprechen am meisten an, welche funktionieren überhaupt nicht?

Wie sicher hat man sich unter der Führung dieses Spielers gefühlt und warum? (z.B. Marshall B. Rosenberg, 2004)

Wie schafft es der QB kurze und prägnante Kommunikation zu wählen, die funktioniert? (z.B. Friedemann Schulz von Thun, 2003)

Was wünschen sich die Spieler der Offensive Line vom QB auf und außerhalb des Feldes?

Die Aufarbeitung der nun erhaltenen Reflexion ist die gemeinsame Aufgabe des Sportpsychologen und des Quarterbacks in den darauffolgenden Wochen und Monaten.

Superbowl als Schaufenster zur Sportart

Es scheint also, als hätte jener Aaron Rodgers all diese Fragen für sich beantwortet und die Wünsche und Erwartungen seiner Jungs ernst genommen. Danke für diese faszinierenden Spielsituationen, die ihr uns immer wieder bereitet – es ist uns eine Freude zu beobachten, dass ihr diese so erstrebenswerte Verbindung erschaffen habt!

Ein Hoch auf alle Offensive Lines – Ohne euch wäre jeder Quarterback nur halb so glanzvoll! Und nutzen sie beim Superbowl am 5.2.2017 doch einfach mal die Gelegenheit, sich genau diese Jungs mal gezielt anzuschauen.

Weiterführende Literatur:

Fischer-Epe, Maren (2011). Coaching: Miteinander Ziele erreichen. Rowohlt Taschenbuch Verlag Schulz von Thun, Friedemann (2003). Kommunikationspsychologie für Führungskräfte (Miteinanderreden: Praxis). Rowohlt Verlag

Fritzsche, Thomas (2016). Wer hat den Ball? Mitarbeiter einfach führen. Herder Verlag Rosenberg, Marshall B. (2004). Konflikte lösen durch gewaltfreie Kommunikation. Herder Verlag

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Elvina Abdullaeva: Mentale Einstellung zum Spiel

Ich bin, was ich denke. Soll heißen: Wenn ich ein Sieger sein will, muss ich als Sieger denken. Das sind keine grundlosen Worte. Unsere Gedanken, Gefühle, Körperempfindungen und Verhalten stehen in einer Wechselwirkung. Egal, ob Sie von dieser Idee überzeugt sind oder nicht. Das ist einfach Fakt. Und wenn man weiß, wie das funktioniert, kann man das eigene sportliche Verhalten so steuern, wie man will.

Zum Thema: Die mentale Vorbereitung auf den Wettkampf

Das Konzept „Embodiment“, also die Wechselwirkung zwischen Psyche und Körper, ist in der Wissenschaft sehr bekannt. Die Informationen, die unser Gehirn verarbeitet, sind in ständiger Interaktion mit dem Körperempfinden. Denken wir an etwas, was uns Angst macht, z.B. eine bevorstehende Prüfung oder an Spinnen, dann fühlen wir uns körperlich angespannt, es schlägt auf den Magen oder der Körper beginnt zu kribbeln.

Warum reagieren wir so – die Prüfungssituation oder die Spinnen sind ja gar nicht real vorhanden gewesen, es waren nur Gedanken! Unser Gehirn unterscheidet nicht zwischen Realität und Einbildung, deswegen hat unser Körper auf den Gedanken an die Prüfung oder die Spinnen so reagiert. Merke: Genauso reagiert unser Körper auch auf alle Gedanken und Vorstellungen, egal ob sie bestärkend oder entmutigend sind.

Wechselwirkung Gedanken-Gefühle-Körper-Verhalten im Sport

Was bedeutet dies also für Sie als Sportler? Betrachten wir zwei vereinfachte Beispiele:

a) Wenn ich denke, ich kann nichts, ich schaffe beim Training nichts, wie fühle ich mich dann? Normalerweise spüren wir Zweifel und haben Versagensgefühle schon von Anfang an. Wie werde ich mich dabei höchstwahrscheinlich körperlich empfinden? Schlapp. Wie werde ich mich beim Wettkampf verhalten? Passiv, schüchtern, unsicher.

Jetzt kommen wir zur zweiten Variante:

b) Wenn ich denke, ich schaffe das, ich habe mich gut vorbereitet: Wie fühle ich mich? Ich bin zuversichtlich, ruhig oder habe Vorfreude. Wie werde ich mich höchstwahrscheinlich körperlich empfinden? Mobilisiert, wach. Wie werde ich mich auf dem Platz verhalten? Aktiv, selbstbewusst.

Klingt erst einmal toll, denn es scheint so einfach: Man muss nur positiv denken. Wie realistisch ist es aber, dass ich vor jedem Spiel oder Wettkampf automatisch (ohne etwas dafür zu machen) eine kampfbereite Stimmung und eben solche Gedanken habe? Das ist unrealistisch. Wir sind Menschen und vor jedem Spiel können wir unterschiedliche Laune haben. Es gibt so viele Dinge, die uns fehlleiten können – wer kennt diese Situationen nicht:

– es wartet ein schwacher Gegner – im Ergebnis bin ich in zu entspannter Stimmung;
– es existiert ein Konflikt in der Familie, mit dem Partner, in der Mannschaft, in der Schule – in jedem Fall hat sich miese Stimmung breit gemacht;
– es ist gerade alles Routine, immer das gleiche Training, viermal die Woche, jedes Wocheneden ein Spiel – akute Langweile!

WICHTIG! Egal aber was vor dem Spiel passiert ist. Im Moment des Wettkampfs haben Sie die Wahl: Entweder Sie spielen mit ihrer aktuellen Laune und zeigen bei negativen Vorzeichen höchstwahrscheinlich eine mittelmäßige bis schlechte Leistung. Oder Sie verschaffen sich ganz bewusst und künstlich so eine Laune und Befinden, die Ihnen hilft, Ihr Bestes zu zeigen.

Wie erschaffe ich vor dem Wettkampf eine kampfbereite Stimmung?

Das Ziel ist es, hervorragende Leistung zu zeigen. Es geht also um Verhalten. Denken wir wieder an Wechselwirkung “Gedanken-Gefühle-Körper-Verhalten“. Wenn wir also, körperlich und gefühlsmäßig uns sehr fit fühlen, dann bekommen wir das erwünschte Verhalten. Dass heißt, wir sollen künstlich bestärkende Emotionen, positive Gedanken und selbstbewusste Körpersprache hervorrufen. So können wir den Organismus richtig erwecken und selbstbewusst auftreten.

Zur selbstbewussten Körperhaltung:

Wie primitive das auch klingen mag:

Nehmen Sie eine Power Pose an: Brust raus, Schultern zurück, Kinn nach oben.

Nach kurzer Zeit werden Sie merken, dass Sie sich selbstbewusster fühlen. Es wurde wissenschaftlich bewiesen, dass die Menschen sich nach fünf Minuten in einer Power Pose leidenschaftlicher, enthusiastischer, einnehmender angenehmer und zuversichtlicher benehmen als wenn sie sich fünf Minuten kleingemacht haben (Cuddy et al., 2010). Dies passiert, weil durch diese Power Pose der Pegel des Stresshormons Kortisol im Körper sinkt und mehr Testosteron zu zirkulieren beginnt.

Und jetzt zu den bestärkenden Emotionen:

Welches Gefühl sollen Sie künstlich erzeugen? Wie sollen Sie sich fühlen und was sollen Sie sich denken, um Ihre beste Leistung zu zeigen? Ein beflügelndes Gefühl: Das kann ein Zusammentreffen von Überzeugtheit, Entschlossenheit, Kraft, Stärke, Freude, gelassene Ruhe und das sichere Wissen sein. Wo finden Sie diese Gefühle? Aus schon gelebter Erfahrung. Vielleicht ihr erster Sieg, den Sie als Kind erlebt hatten oder suchen Sie nach einem anderen sportlichen Erfolg? Das muss aber nicht unbedingt direkt mit dem Sport zu tun haben. Vielleicht kennen Sie dieses Gefühl, wenn sie an Ihre erste Liebe denken oder sich an den Tag erinnern, als Sie zum ersten Mal Vater oder Mutter geworden sind. Versuchen Sie dieses Gefühl mit geschlossenen Augen so intensiv wie möglich wieder in Erinnerung zu bringen, bis im ganzen Körper eine Resonanz entsteht. (Norbekov, 2006).

Finden Sie in Ihrem Leben diesen besonderen Tag und tauchen Sie ganz in die damit verbundenen Gefühle ein!

Spiegel- Übung

Diejenigen, die die Wirkung von Körpersprache und positiven Gefühle und Gedanken unmittelbar austesten wollen, können diese einfache Übung zu Hause oder in der Umkleidekabine ausprobieren. Nehmen Sie sich vor dem Training, Spiel, Wettkampf oder am Anfang des Tages fünf Minuten Zeit, in denen Sie noch kurz allein sein dürfen. Machen Sie Ihre motivierende Lieblingsmusik an. Stellen Sie sich nah an einen Spiegel. Schauen Sie sich dann für fünf Minuten in die Augen.

Rufen Sie anfangs künstlich die Gefühlspalette hervor, die Sie beflügelt. Und dann fangen Sie an, diese fünf Minuten laut und überzeugt aufmunternde Worte, die Dinge, die Sie an sich mögen oder die Sie sich wünschen zu sich sagen. Zum Beispiel: Wie gut Sie etwas können, was Sie schon sportlich alles erreicht haben, wie dankbar Sie sich sind, dass Sie in jedem einzelnen Wettkampf Ihr Bestes geben. Sprechen Sie die Dinge aus und sagen Sie sie nicht nur in Ihren Gedanken. Am Anfang wird sich das sehr komisch anfühlen. Aber schon nach wenigen Minuten werden Sie merken, dass Sie wacher und zuversichtlicher geworden sind.

Wie integriere ich das in meinen Alltag?

Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie Sie diese zwei Bausteine, Körpersprache und das beflügelndes Gefühl für die Wettkampfvorbereitung einsetzen können. Das kann in die Imaginationsübungen eingebaut werden, wo Sie sich in die Rolle des Siegers auf dem Podest schon vorzustellen; von einem Bild träumen, wo Sie ideal auftreten, so wie die Besten (Karageorghis & Terry, 2011); Sie können eine Phantasiereise zu Ihren Stärken vorzunehmen (Engbert et al., 2011), Das kann aber auch eine Selbsthypnose (Fliegel & Kämmerer, 2015) sein. Denken Sie daran, die Übungsvariationen zu wechseln. Suchen Sie neue Emotionen, um Gewöhnungseffekt zu vermeiden. Viel Erfolg!

Ich helfe – oder besser: der Sportpsychologe bzw. die Sportpsychologin Ihres Vertrauens hilft – Ihnen gern: Direkt zu den Profilseiten von die-sportpsychologen, wo alle Experten des Netzwerks aufgeführt sind.

Elvina Abdullaeva: Motivation für die Besten

Quellen:

Carney, D.R., Cuddy, A.J.C., Yap, A.J.( 2010). Power posing: Brief nonverbal displays affect neuroendocrine levels and risk tolerance. Psychological Science, 21, 2010, 1363-1368

Engbert, K., Droste, A., Werts, T., Zier, E., (2011). Mentales Training im Leistungssport. Ein Übungsbuch für den Schüler- und Jugendbereich. Stuttgart: Neuer Sportverlag.

Fliegel, S., Kämmerer, A. (2015).Psychotherapeutische Schätze II: 130 weitere praktische Übungen, Methoden und Herausforderungen .Tübingen: dgvt-Verlag

Karageorghis, C. I., & Terry, P. C. (2011). Inside sport psychology. Champaign, IL: Human Kinetics.

Norbekov, M. (2006). Eselsweisheit: Der Schlüssel zum Durchblick – oder – wie Sie Ihre Brille loswerden. Goldmann

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Dr. René Paasch: Sprachbarriere im Fußball?

Uli Hoeneß möchte, dass die Spieler von Bayern München Deutsch als Umgangssprache nutzen. Hoeneß in der Sport Bild: „Es muss wieder Deutsch in der Kabine gesprochen werden, die Sprache ist ein Bindeglied. Ansonsten gibt es Grüppchen. “Er verband dies mit einer Forderung: „Ein Spieler muss Deutsch lernen, das muss eine Vorschrift werden. Ansonsten muss er eben zahlen.“ Ohne das Erlernen der deutschen Sprache, glaubt der 64-Jährige, „kann sich ein Spieler auf Dauer nicht richtig bei uns integrieren“. Dieser Frage möchte ich nun in diesem Beitrag nachgehen.

Zum Thema: Stehen sprachliche Barrieren im Zusammenhang mit höherer individueller Leistung?

Als Zuschauer ist man sich meist der Tatsache nicht bewusst, dass der Arbeitsplatz eines Fußballers oder Fußballtrainers sehr stark durch Mehrsprachigkeit geprägt ist. Wie funktioniert eigentlich die Kommunikation in Fußballmannschaften, in denen Spieler mit unterschiedlichen Muttersprachen als Team auftreten sollen? Jasmin Steiner ging dieser Frage nach im Rahmen der „Innsbruck Football Research Group.“ Anhand von Interviews mit Spielern und Trainern verschiedenster Clubs konnte sie erste Ergebnisse liefern. Dabei wurde schnell klar, dass in diesem bisher wenig erforschten Bereich ein großer Nachholbedarf besteht. „Es gibt immer noch den weit verbreiteten Glauben, dass es für den fußballerischen Erfolg keine Rolle spielt, ob Spieler aus dem Ausland die Sprache des jeweiligen Vereins verstehen oder nicht (Lavric/Steiner 2011,2012). “

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Weitere Informationen

Ihre Forschungsergebnisse legen aber die Vermutung nahe, dass die sprachliche Integration ausländischer Spieler direkt mit der Qualität der spielerischen Leistung zusammenhängen kann. Die Eingliederung in die neue Mannschaft ist einer der absolut wichtigsten Aspekte für einen Spieler, dessen Ziel ja darin besteht, die eigenen Leistungen kontinuierlich abzurufen und sich als potenzieller Stammspieler durchzusetzen. Die Sprache spielt bei dieser Integration eine entscheidende Rolle. Das frühere Trainerteam Walter Kogler und Florian Klausner von FC Wacker Innsbruck  teilen die Meinung, dass die Sprache und die persönliche Leistung eng in Verbindung stehen und bestätigen, dass je mehr ein ausländischer Spieler die Sprache des jeweiligen Vereins beherrschen, es ihm desto eher gelinge, sein Können unter Beweis zu stellen. Um mögliche Schwierigkeiten vorzubeugen, möchte ich Ihnen dazu einige gedankliche Anregungen anbieten:

1) Onboarding

Onboarding (aus dem engl. Onboarding, wörtlich für „An-Bord-Nehmen“) ist ein Begriff aus dem Personalmanagement. Er bezeichnet innerhalb der Personalbeschaffung den Einarbeitungs- und Integrationsprozess neuer Mitarbeiter durch ein Unternehmen und v. a. alle Maßnahmen, die die Eingliederung fördern (Brenner, 2014). Zum Onboarding-Prozess gehören z.B.  Zielvereinbarungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer (Sportler und Trainer), aber auch Paten- und Mentoren-Programme sowie externes Coaching, um jeweils die fachliche, soziale und werteorientierte sprachlichen Barrieren der neuen Mannschaftskollegen zu fördern. Je mehr der Verein und die Mannschaft bereit ist, den neuen Mitspieler zu unterstützen, desto schneller wird dieser in der Lage sein, sich einzubringen und wohlzufühlen. Besonders am ersten Trainingstag kommt beim Onboarding-Prozess eine hohe Bedeutung zu, da sich die Einstellungen des neuen Mitspielers bereits innerhalb der ersten Kontaktsituationen bilden. Daher ist es wichtig, bereits früh die richtigen Signale zu senden und als Vorbild voranzugehen.

2) Vorbildfunktion

Profifußballer prägen die Entwicklung von unzähligen Kindern in Deutschland und nehmen durch ihr Verhalten Einfluss auf Werte, Einstellungen und Verhalten der Heranwachsenden. Diese Relevanz und den prägenden Einfluss unterstreicht auch Wallrodt (2011) anhand der Querschnittsstudie, die darlegt, dass 40% aller Befragten ihren Lieblingsspieler als persönliches Vorbild und sogar 55% als gutes Vorbild für die Gesellschaft ansehen. Umso wichtiger ist es, dass im professionellen Fußball deutliche Zeichen gesetzt werden, um die Relevanz der sprachlichen Barrieren herauszustellen. Verbände, Vereine, Funktionäre, Trainer und Spieler müssen sich ihrer Verantwortung bewusst sein.

3) Kommunikationsmittel  

Wichtig ist, dass im Fußball das häufigste Kommunikationsmittel nun mal die Sprache ist. Egal, ob bei technischen oder taktischen Anweisungen, während einer Trainingseinheit oder während eines Meisterschaftsspieles, bei Teambesprechungen, bei physiotherapeutischen Maßnahmen oder bei organisatorischen Gesprächen, wird die Verbalität definitiv bevorzugt. Nicht zu unterschätzen sind daneben natürlich sämtliche Formen der nonverbalen Kommunikation, da selbst die geringste Geste bei Spielzügen oder Anweisungen seitens der Trainer, aber auch der Spieler, entscheidend sein kann. Des Weiteren spielen audiovisuelle Medien eine Rolle, indem Videos von eigenen Spiel- und Trainingseinsätzen sowie von Spielen der gegnerischen Mannschaften gemeinsam analysiert werden. Selbst zeichnerische Kommunikation hat ihre Bedeutung, da oftmals Spielzüge zusätzlich auf Flipcharts näher gebracht werden. Alle diese Maßnahmen können unabhängig von der Umgangssprache Deutsch zum Einsatz kommen, denn sie dienen dem besseren Verständnis der gesamten Mannschaft.

Fazit:

Die Ideologie von der „universellen Sprache im Fußball“, die auf der ganzen Welt identisch sein soll und die daher Bemühungen um sprachliche Integration unnötig macht, werden Kommunikationsschwierigkeiten aufgrund von Sprachbarrieren einfach untergraben. Denn eine erfolgreiche Zusammenarbeit innerhalb einer Fußballmannschaft jeglicher Spielklasse hängt nicht allein von den rein sportlichen Fähigkeiten der Spieler ab. Auch die Kommunikation in der Mannschaft und insbesondere der sprachliche Aspekt sind mindestens genauso relevant, um tatsächlich große Erfolge verbuchen zu können. Sobald ein Klub vorhat, einen ausländischen Spieler unter Vertrag zu nehmen, ergeben sich daher etliche Situationen, in denen Sprachkenntnisse unabdingbar sind. Ob bei Transferverhandlungen, beim Aufsetzen und bei der Unterzeichnung des Vertrages, beim ersten persönlichen Kontakt mit den Mitarbeitern des Vereins und bei der Integration des Spielers in das neue Mannschaftsgefüge und in die neue Kultur: Ohne Sprachkenntnisse ist es nicht möglich, eine gelungene Kommunikation auf Dauer zu führen.

In diesem Zusammenhang möchte ich Ihnen auch den Blogbeitrag von Prof. Dr. Oliver Stoll empfehlen:

Prof. Dr. Oliver Stoll: Hohe Hürde Muttersprache

 

Literaturhinweise

Brenner, D. (2014): Onboarding: Als Führungskraft neue Mitarbeiter erfolgreich einarbeiten und integrieren. Springer Gabler

Lavric, E./Steiner, J. (2011). Wenn er die Sprache kann, spielt er gleich besser – 11 Thesen zur Mehrsprachigkeit im Fußball.

Wiemann, U. 2010. „Ich habe fertig“. Über die Bedeutung von Sprache im Profifußball. In: Blecking, Diethelm/Dembowski, Gerd (eds.): Der Ball ist bunt. Frankfurt am Main: Brandes & Aspel.

 

Internet:

https://www.welt.de/sport/fussball/article13780967/Das-groesste-Vorbild-der-Bundesliga-ist-Cacau.html

 

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Dr. Jan Rauch: Das Trainings-Wohlbefinden steigern

Je besser sich ein Sportler im Training fühlt, desto stärker wird seine Wettkampfleistung. Das klingt einleuchtend. Dass man das Wohlbefinden aber mit nur einer einzigen geistigen Übung verbessern kann, das hat uns nach unserer kleinen Studie mit einer Fussballmannschaft selbst beeindruckt.

Zum Thema: Die „drei guten Dinge“ des Trainings – eine positive Intervention im Fussball

Aus der sportpsychologischen Literatur ist bekannt, dass sich das Verhalten eines Coaches im Training auf die Wettkampfleistung von Athleten auswirkt (z.B. Jowett & Poczwardowski, 2007). Dies jedoch nicht direkt – der Effekt wird fast vollständig durch das subjektive Wohlbefinden des Athleten im Training moderiert. Steigt also das Wohlbefinden eines Athleten im Training, steigt die Chance auf eine bessere Wettkampfleistung (z.B. Davis & Jowett, 2014).

Wissenschaftliche Studien legen ausserdem nahe, dass durch positive Interventionen das allgemeine Wohlbefinden gesteigert werden kann – eine gut untersuchte Methode stellt in diesem Kontext die Übung «Drei gute Dinge» dar (z.B. Gander, Proyer, Ruch, & Wyss, 2013).

Nützliche Übung für das Fussballtraining

In einer kleinen eigenen Studie haben wir diese für den „Alltag“ ausgewiesen nützliche Übung im Setting eines Fussballtrainings angewendet. Die Idee dahinter: Sollte anhand der Übung analog der Steigerung des „allgemeinen“ Wohlbefindens eine Steigerung des „Trainings-Wohlbefindens“ erreicht werden, könnte dies, wie in den eingangs erwähnten Studien aufgezeigt, eine sportliche Leistungssteigerung nach sich ziehen.

Die Übung „Three Good Things“ besteht einfach gesagt darin, dass eine Person sich während einer bestimmten Zeitspanne (z.B. 3 Wochen) jeden Tag drei Ereignisse des Tages notiert, welche als besonders gut, schön oder bewegend empfunden wurden. Die Reflexion darüber, weshalb diese drei Dinge als besonders schön empfunden wurden, soll helfen, verfügbare Aufmerksamkeit vermehrt auf diese „schönen Dinge“ zu lenken. Tut man dies über einen bestimmten Zeitraum hinweg kann man mögliche Muster erkennen, um solche als schön empfundenen Situationen in Zukunft öfters bewusst aufzusuchen.

Das „Trainings-Wohlbefinden“ lässt sich steigern

Bei den Spielern der ersten Mannschaft des Fussballclubs Seefeld Zürich (1. Liga Classic – dies entspricht der insgesamt vierthöchsten Schweizer Liga) wurde mittels eines auf Fussballtraining adaptierten Fragebogens zum Wohlbefinden (WHO5; WHO 1998) zunächst das Wohlbefinden im Training erhoben. Anschliessend wurde die Übung „Drei gute Dinge“ drei Wochen lang nach jedem Training durchgeführt, wobei sich diese Dinge ausschliesslich auf das Sporttraining zu beziehen hatten. Nach drei Wochen und insgesamt neun Durchführungen wurde das „Trainings-Wohlbefinden“ erneut erhoben und mit der ersten Messung verglichen.

Die über alle Spieler (N=21) gemittelten Werte im Wohlbefinden stiegen nach der Intervention um knapp 10% auf 76 % (bei einem möglichen maximalen Wohlbefinden von 100%). Eine Verschiebung dieser Grösse deutet gemäss Ware (1995) auf eine signifikante Änderung hin. Der Vorher/Nachher-Mittelwertvergleich zeigte bei einseitiger Testung eine knapp signifikante Steigerung (p =.043). Während bei zwei Spielern die Werte ganz leicht zurückgingen, stiegen sie bei den restlichen Spielern an, in Einzelfällen stiegen sie sogar um bis zu 52 %. Ob sich das gesteigerte Trainings-Wohlbefinden auf die Leistung niederschlug, ist schwierig zu beantworten. Während der Interventionsphase gewann die Mannschaft 3 Punkte aus 3 Spielen, verglichen mit 5 Punkten aus 6 Spielen davor. Die Trainereinschätzung bezüglich Stimmung und Leistung der einzelnen Spieler offenbarte keine augenscheinlichen Veränderungen oder Zusammenhänge mit den individuellen Werten des Wohlbefindens. Die Steigerung des Wertes per se zeigt hingegen, dass die Spieler selbst eine merkliche Veränderung in ihrem Wohlbefinden registriert hatten.

Erstaunliche Steigerung

Die gemessene Steigerung des Wohlbefindens im Training ist insofern erstaunlich, da der Interventionszeitraum von nur drei Wochen nicht mehr als neun Trainings mit entsprechend vielen (oder wenigen) Durchführungen umfasste und die Spieler diese selbständig durchführten. Die Reflexion positiver Erlebnisse eines spezifischen Teils des Tages – in diesem Fall des Trainings – scheint also geeignet, in eben diesem Bereich das Wohlbefinden zu steigern. Inwiefern dies zu grösserem Wettkampferfolg führt, kann aufgrund dieser kleinen Untersuchung nicht abschliessend beantwortet werden, die vorliegenden Ergebnisse scheinen jedoch vielversprechend.

Positivpsychologische Interventionen werden in Beratungen mit Sportlern seit jeher eingesetzt. Systematische Untersuchungen über die Wirkung „klassischer“ Übungen aus der Positiven Psychologie, deren Nutzen für Alltag und andere Leistungsbereiche (z.B. Arbeitsplatz) gut dokumentiert ist, sind jedoch spärlich gesät. Um dieses Feld weiter zu untersuchen, laufen momentan weitere Studien mit grösseren Stichproben und Kontrollgruppen bei Mannschaftssportarten (Volleyball; Nationalliga A und B) sowie bei Einzelsportarten (Triathlon), in welchen zusätzlich zum Trainingswohlbefinden der Zusammenhang zur Wettkampfleistung untersucht werden.

 

Hinweis: Weitere interessant Beiträge finden sich im Blog des IAP Instituts für Angewandte Psychologie, einem Angebot der ZAHW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften:

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Literatur

  • Davis, L., & Jowett, S. (2014). Coach-athlete attachment and the quality of the coach-athlete relationship: implications for athlete‘s wellbeing. J Sports Sci., 32(15), 1454-64.
  • Gander, F., Proyer, R., Ruch, W., & Wyss, T. (2013). Strength-Based Positive Interventions: Further Evidence for Their Potential in Enhancing Well-Being and Alleviating Depression. Journal of Happiness Studies, 14, 1241–1259.
  • Jowett, S., Poczwardowski, A. (2007). Understanding the Coach-Athlete Relationship. In Jowett, S., & Lavallee, D. (Hrsg.), Social Psychology in Sport (S. 3-13). United Kingdom: Human Kinetics.
  • Ware, J.E. (1995). The status of health assessment 1994. Annu Rev Public Health, 16, 327-54.
  • WHO Collaborating Center for Mental Health (1998). WHO-5-Wohlbefindens-Index. Psychiatric Research Unit, Frederiksborg General Hospital, DK-3400 Hillerø.

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Jürgen Walter: Gefährliche Zyklen

Vierzehn Trainer hat Borussia Mönchengladbach in den vergangenen fünfzehn Jahren verschlissen. Kurz vor Weihnachten wurde André Schubert von seinen Aufgaben entbunden, dessen Vertrag eigentlich erst im September vorzeitig bis 2019 verlängert worden war. Er fiel einer Negativserie zum Opfer, welche die Borussia in der laufenden Saison bis in die Abstiegszone abrutschen ließ.

Zum Thema: Ein Aufruf zur Ursachenforschung

Gerade in jüngerer Vergangenheit gibt es bei der Borussia eine Auffälligkeit: Die Leistung der Mannschaft lässt sich zyklisch einordnen. Als Schubert im September 2015 übernahm, war dies das Ergebnis einer unglaublichen Krise. Die Borussia war mit null Punkten aus fünf Spielen in die Saison gestartet, woraufhin Trainer Lucien Favre seinen Hut nahm. Schubert, eigentlich der Trainer der U23 ersetzte ihn und feierte sechs Siege in Folge, woraufhin er zum Cheftrainer gemacht worden ist. Seine offenbar gute Arbeit führte die Borussia in die Champions League, wo sie teils beeindruckende Leistungen zeigten. Als Gruppendritter dürfen sie nun in der Europa League weiterspielen und sind auch noch im DFB-Pokal im Rennen. In der Bundesliga rutschten sie aber wieder in eine krisenhafte Situation, was den beschriebenen vierzehnten Trainerwechsel zur Folge hatte.

Als Sportpsychologe interessiert mich die Frage, wie sich diese Zyklen erklären lassen? Eine Antwort darauf dürfte sehr schwierig sein, da sportlicher Erfolg und Misserfolg von vielen Faktoren beeinflusst wird. Denken wir nur an Verletzungsserien oder an den Verlust von Schlüsselspielern, was meist das Ergebnis von erfolgreichen Phasen ist, da sich dann finanziell potentere Vereine gern an dem auffällig gewordenen Personal bedienen.

Fehlendes Selbstvertrauen und Lockerheit

Aber zurück zu den Zyklen: Schubert äußerte in einem Interview im Dezember, dass es seiner Mannschaft in den vorangegangenen Wochen nicht gelungen sei, Selbstvertrauen und Lockerheit zurückzugewinnen. “Die Misserfolge haben die Mannschaft immer weiter verunsichert – und ich bin als Trainer dafür verantwortlich.“

Weil der Profi-Fußball nun einmal so funktioniert, wurde Schubert trotz seines gerade verlängerten Vertrages entlassen. Die Spieler können beim neuen Trainer Dieter Hecking wieder bei “null” anfangen, wie es so schön heißt. Aber ich als Sportpsychologe würde mich viel mehr freuen, wenn trotz der Schnelllebigkeit des Geschäfts ein wenig mehr Detailversessenheit hinsichtlich der unsichtbaren Bereiche der Leistungsentwicklung möglich wäre. So weit mir bekannt ist, arbeitet die Borussia nur im Nachwuchsbereich mit Sportpsychologen. Meiner Meinung nach müsste auch in den Profi-Teams die Zeit längst reif sein, den Funktionsstab mit sportpsychologischen Experten zu ergänzen. Und zwar offensiv und nicht versteckt. Und ich halte jede Wette, dass ein Sportpsychologe der schwierigen Frage nach den Zyklen bei der Borussia auf den Grund kommen würde.

Empfehlen möchte ich den thematisch passenden Text meines Kollegen Thorsten Loch. Schließlich lässt sich auch in der größten Krise erfolgreich weiterarbeiten:

Thorsten Loch: Richtiges Handeln in der Krise

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Katharina Petereit: Langeweile im Sport?

Du bindest dich schon seit Jahren an die gleiche Sportart und kannst dir nicht vorstellen, diese irgendwann einmal aufzugeben? Trotzdem machst du momentan keine richtigen Fortschritte mehr oder langweilst dich sogar immer mal wieder im Training? Deine Motivation lässt nach und du erzielst keine Erfolge?

Zum Thema: Vor- und Nachteile einer immer gleichen Sportart 

Anlässlich einer Interviewanfrage zu „Langeweile im Sport“ durch das Magazin Women`s Health, wird diese Thematik im Folgenden aufgegriffen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass eine Sportart, die man bereits über Jahre hinweg ausübt, zum eigenen Lebensstil gehört und zur Routine geworden ist. Man verbindet mit dieser Sportart vielmehr als die rein körperliche Betätigung. Vorteile sehe ich darin, dass die jeweilige Sportart ein fester Bestandteil des Lebens ist und man diese somit auch nicht so einfach aufgibt. Zudem bedeutet ein und dieselbe Sportart ja nicht, dass man sich keine Herausforderungen mehr sucht. Ganz im Gegenteil – jede Sportart beinhaltet unterschiedliche Disziplinen, Übungen, Abläufe… auch nach Jahren können diese noch Spaß machen und Abwechslung bringen. Zudem ist es sicherlich ein gutes Gefühl und bestärkt das Selbstbewusstsein, eine Sportart bereits so lange auszuüben, also ein großes Durchhaltevermögen zu haben – und sie auf einem guten Niveau zu beherrschen.

Wenn wir uns Leistungssportler anschauen, sind Durchhaltevermögen und das Streben nach stetigen Fortschritten in ein und derselben Sportart Grundvoraussetzungen. Aus meiner Sicht geht es vor allem darum, wie Sporttreibende ihre Ziele definieren und woran sie ihre Fortschritte letztendlich messen. Fortschritte werden ja zumindest bei Freizeitsportlern nicht unbedingt von außen festgelegt. Wichtig ist jedoch, dass sich ein Sportler/eine Sportlerin mit dem Erreichen bzw. auch Nicht-Erreichen eines Ziels auseinandersetzt. Wenn ein Sportler/eine Sportlerin das Erreichen des Ziels auf seinen/ihren Einsatz, seine/ihre Mühe, seinen/ihren Ehrgeiz, seine/ihre Fähigkeiten und auf sein/ihr Durchhaltevermögen zurückführen kann, stärkt es seine/ihre Selbstwirksamkeit und sein/ihr Selbstvertrauen. Eine Auseinandersetzung mit dem Nicht-Erreichen eines Ziels ist für die Ursachenfindung und daraufhin mögliche Korrektur der Zielsetzung wichtig.

Langeweile vermeiden

Allgemein verbinden wir mit Langeweile ja eher ein negatives Gefühl, welches durch Monotonie oder Inaktivität hervorgerufen wird. Deswegen würde ich Langeweile beim Sport zunächst nicht als positiv beurteilen. Allerdings kann eine bereits angesprochene Routine ein positives Gefühl und ein Gefühl von Sicherheit und Verbindlichkeit bewirken. Langeweile kann in diesem Zusammenhang vielleicht so verstanden werden, als dass man immer zur gewohnten Zeit, zum gewohnten Ort, zum gewohnten Sport geht. Aber auch hier hat der Begriff Langeweile für mich eher einen negativen Beigeschmack. Ich denke eher, dass man von Routinen sprechen sollte. Und wenn es darum geht, ob Langeweile ein Zeichen für Erfolg ist, sollte auch diese Frage differenzierter betrachtet werden. Ohne Frage können LeistungssportlerInnen irgendwann mal vom Erfolg gesättigt sein. Jedoch ist es ihr Beruf, welchen sie ohnehin nicht ihr Leben lang ausüben können. Freizeitsportler können ihre sportliche Karriere dahingehend etwas freier gestalten und müssen sich nicht zwingend an objektiv messbaren Erfolgen orientieren. Hier geht es vielmehr darum, dass kleine Schritte zu immer wieder neu festgelegten Zielen führen. Zudem kann ein Ziel ja auch schon die alleinige Teilnahme am Sport und das Durchhaltevermögen sein.

Wenn Sporttreibende soweit sind, dass sie Langeweile beim Sport empfinden und trotzdem noch dabei bleiben, treibt sie eine intrinsische Motivation dazu an. Das weist daraufhin, dass der Sport zwar ein wichtiger Bestandteil im Leben ist, aktuell aber neue Reize, Ziele oder Wünsche vonnöten wären. An diesem Punkt könnte der Sportler/die Sportlerin mal bewusst festhalten, warum er/sie diesen Sport ausübt und welche Ziele er/sie damit verfolgt. Wichtig ist, dass man auch kleine Fortschritte registriert und Freude beim Sporttreiben empfindet. Zielsetzungen und das Suchen neuer Herausforderungen können aus einem Motivationsloch heraushelfen. Aber auch soziale Kontakte, also beispielsweise Sportpartner, können helfen, wieder Spaß am Sport zu empfinden, Abwechslung in den Trainingsalltag zu bringen und gesetzte Ziele zu verfolgen. Eine Möglichkeit wäre auch, Freunde für den Sport zu gewinnen und mit ihnen zusammen zu trainieren. Am besten wird das Training durchweg abwechslungsreich gestaltet. Wenn man sein eigener Herr ist, sprich nicht auf einen Trainer oder eine Trainingsgruppe angewiesen ist, sollte man sich nicht ständig zu monotonen Trainingseinheiten zwingen, sondern auch mal danach gehen, worauf man an dem Tag einfach mal Lust hat – auch, wenn das nicht zum gesetzten Ziel beiträgt, aber ein Erfolg ist es ja auch, einfach Freude und Ausgeglichenheit beim Sport zu empfinden.

 

Weiterführende Literatur:

Beckmann, J. & Elbe, A. (2008). Praxis der Sportpsychologie im Wettkampf- und Leistungssport. Balingen: Spitta.

Hänsel, F., Baumgärtner, S. D., Kornmann, J. M. & Ennigkeit. F. (2016). Sportpsychologie. Berlin/Heidelberg: Springer-Verlag.

Stoll, O. & Alfermann, D. (2016). Sportpsychologie. Ein Lehrbuch in 12 Lektionen (5. überarbeitete Auflage)Aachen: Meyer & Meyer Verlag.

 

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