Katharina Petereit: Langeweile im Sport?

Du bindest dich schon seit Jahren an die gleiche Sportart und kannst dir nicht vorstellen, diese irgendwann einmal aufzugeben? Trotzdem machst du momentan keine richtigen Fortschritte mehr oder langweilst dich sogar immer mal wieder im Training? Deine Motivation lässt nach und du erzielst keine Erfolge?

Zum Thema: Vor- und Nachteile einer immer gleichen Sportart 

Anlässlich einer Interviewanfrage zu “Langeweile im Sport” durch das Magazin Women`s Health, wird diese Thematik im Folgenden aufgegriffen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass eine Sportart, die man bereits über Jahre hinweg ausübt, zum eigenen Lebensstil gehört und zur Routine geworden ist. Man verbindet mit dieser Sportart vielmehr als die rein körperliche Betätigung. Vorteile sehe ich darin, dass die jeweilige Sportart ein fester Bestandteil des Lebens ist und man diese somit auch nicht so einfach aufgibt. Zudem bedeutet ein und dieselbe Sportart ja nicht, dass man sich keine Herausforderungen mehr sucht. Ganz im Gegenteil – jede Sportart beinhaltet unterschiedliche Disziplinen, Übungen, Abläufe… auch nach Jahren können diese noch Spaß machen und Abwechslung bringen. Zudem ist es sicherlich ein gutes Gefühl und bestärkt das Selbstbewusstsein, eine Sportart bereits so lange auszuüben, also ein großes Durchhaltevermögen zu haben – und sie auf einem guten Niveau zu beherrschen.

Wenn wir uns Leistungssportler anschauen, sind Durchhaltevermögen und das Streben nach stetigen Fortschritten in ein und derselben Sportart Grundvoraussetzungen. Aus meiner Sicht geht es vor allem darum, wie Sporttreibende ihre Ziele definieren und woran sie ihre Fortschritte letztendlich messen. Fortschritte werden ja zumindest bei Freizeitsportlern nicht unbedingt von außen festgelegt. Wichtig ist jedoch, dass sich ein Sportler/eine Sportlerin mit dem Erreichen bzw. auch Nicht-Erreichen eines Ziels auseinandersetzt. Wenn ein Sportler/eine Sportlerin das Erreichen des Ziels auf seinen/ihren Einsatz, seine/ihre Mühe, seinen/ihren Ehrgeiz, seine/ihre Fähigkeiten und auf sein/ihr Durchhaltevermögen zurückführen kann, stärkt es seine/ihre Selbstwirksamkeit und sein/ihr Selbstvertrauen. Eine Auseinandersetzung mit dem Nicht-Erreichen eines Ziels ist für die Ursachenfindung und daraufhin mögliche Korrektur der Zielsetzung wichtig.

Langeweile vermeiden

Allgemein verbinden wir mit Langeweile ja eher ein negatives Gefühl, welches durch Monotonie oder Inaktivität hervorgerufen wird. Deswegen würde ich Langeweile beim Sport zunächst nicht als positiv beurteilen. Allerdings kann eine bereits angesprochene Routine ein positives Gefühl und ein Gefühl von Sicherheit und Verbindlichkeit bewirken. Langeweile kann in diesem Zusammenhang vielleicht so verstanden werden, als dass man immer zur gewohnten Zeit, zum gewohnten Ort, zum gewohnten Sport geht. Aber auch hier hat der Begriff Langeweile für mich eher einen negativen Beigeschmack. Ich denke eher, dass man von Routinen sprechen sollte. Und wenn es darum geht, ob Langeweile ein Zeichen für Erfolg ist, sollte auch diese Frage differenzierter betrachtet werden. Ohne Frage können LeistungssportlerInnen irgendwann mal vom Erfolg gesättigt sein. Jedoch ist es ihr Beruf, welchen sie ohnehin nicht ihr Leben lang ausüben können. Freizeitsportler können ihre sportliche Karriere dahingehend etwas freier gestalten und müssen sich nicht zwingend an objektiv messbaren Erfolgen orientieren. Hier geht es vielmehr darum, dass kleine Schritte zu immer wieder neu festgelegten Zielen führen. Zudem kann ein Ziel ja auch schon die alleinige Teilnahme am Sport und das Durchhaltevermögen sein.

Wenn Sporttreibende soweit sind, dass sie Langeweile beim Sport empfinden und trotzdem noch dabei bleiben, treibt sie eine intrinsische Motivation dazu an. Das weist daraufhin, dass der Sport zwar ein wichtiger Bestandteil im Leben ist, aktuell aber neue Reize, Ziele oder Wünsche vonnöten wären. An diesem Punkt könnte der Sportler/die Sportlerin mal bewusst festhalten, warum er/sie diesen Sport ausübt und welche Ziele er/sie damit verfolgt. Wichtig ist, dass man auch kleine Fortschritte registriert und Freude beim Sporttreiben empfindet. Zielsetzungen und das Suchen neuer Herausforderungen können aus einem Motivationsloch heraushelfen. Aber auch soziale Kontakte, also beispielsweise Sportpartner, können helfen, wieder Spaß am Sport zu empfinden, Abwechslung in den Trainingsalltag zu bringen und gesetzte Ziele zu verfolgen. Eine Möglichkeit wäre auch, Freunde für den Sport zu gewinnen und mit ihnen zusammen zu trainieren. Am besten wird das Training durchweg abwechslungsreich gestaltet. Wenn man sein eigener Herr ist, sprich nicht auf einen Trainer oder eine Trainingsgruppe angewiesen ist, sollte man sich nicht ständig zu monotonen Trainingseinheiten zwingen, sondern auch mal danach gehen, worauf man an dem Tag einfach mal Lust hat – auch, wenn das nicht zum gesetzten Ziel beiträgt, aber ein Erfolg ist es ja auch, einfach Freude und Ausgeglichenheit beim Sport zu empfinden.

 

Weiterführende Literatur:

Beckmann, J. & Elbe, A. (2008). Praxis der Sportpsychologie im Wettkampf- und Leistungssport. Balingen: Spitta.

Hänsel, F., Baumgärtner, S. D., Kornmann, J. M. & Ennigkeit. F. (2016). Sportpsychologie. Berlin/Heidelberg: Springer-Verlag.

Stoll, O. & Alfermann, D. (2016). Sportpsychologie. Ein Lehrbuch in 12 Lektionen (5. überarbeitete Auflage)Aachen: Meyer & Meyer Verlag.

 

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