Thorsten Loch: eSport und die Sportpsychologie

Aufgepasst, jetzt kommt eine Formel: Sportpsychologie + Gaming = eSportpsychologie. Geht diese Rechnung auf, gibt es einen gemeinsamen Nenner von Sportpsychologie und Computerspiele? Ich würde fast behaupten, den meisten kommen eher Analogien wie Feuer/Wasser in den Sinn. Beschäftigt man sich jedoch eine wenig eindringlicher mit der deutschen eSport-Szene, wird schnell eines Besseren belehrt. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden einige ihre Meinung neu überdenken müssen und einige Vorurteile bei Seite schieben. Jedoch alles der Reihe nach und beginnen wir von Anfang an.

Zum Thema: Wird der eSport zu einem großen Betätigungsfeld für die Sportpsychologie?

Der professionelle eSport in Deutschland gewinnt immer mehr an Popularität und die Zahl seiner Anhänger steigt beständig an. Beispielsweise wurde das Finale der World Championships 2015 „League of Legends“  in der Mercedes Benz Arena (Fassungsvermögen 17.000 Plätze) in Berlin ausgeführt und war binnen Sekunden ausverkauft. Dass die wachsende Beliebtheit nicht nur innerhalb der „Zockerszene“ seine Runde macht, zeigt folgendes Beispiel. Mittlerweile haben einschlägig online Sportnachrichtendienstleister auf das öffentliche Interesse reagiert und so findet sich zwischen den Rubriken zur Fussball-Bundesliga und Co. derweil auch der eSport. Auf dieser Weise bin ich auf das Projekt der Männer um Penta Sports aufmerksam geworden. Neben dem „normalen“ Spielbetrieb der ProTeams, haben sie sich auf die Fahne geschrieben, die Nachwuchsarbeit im eSport zu unterstützen und die Professionalisierung dieses Sports in Deutschland weiter voran zu treiben. Angetrieben von dieser Vision und nach einer längeren Konzeptionalisierungsphase mündete diese anfängliche Idee, in dem ersten #ELZ eSports Leistungszentrums in Deutschland, welches am 15. April seine Eröffnung in Berlin feierte. Auf knapp 430 Quadratmetern erschließen sich vier Gamingräume, eine Lounge mit Bar und weitere Büroräume. Kurzum: Ein Paradies für jeden eSportler.

Also machte ich mich an jenem Morgen des 15. Aprils auf den Weg von Köln nach Berlin und nutzte die Fahrzeit um meine Gedanken zu sortieren und auszumalen, was denn dort auf mich zukommen würde. Schlichtweg konnte ich mir kein klares Bild davon machen, wie ein solches Zentrum aussehen könnte. Immer wieder blieb ich an dem gleichen Bild hängen: Ich erinnerte mich an meine Schulzeit und an die Wochenenden, an welchen wir mühevoll mit Wäschekörben unserer Mütter das ganze Zeug (Rechner, Bildschirm, Kabel usw.) in ein elternfreies Haus schafften, um uns die Nächte um die Ohren zu schlagen. Zugegebenermaßen hatte dies sicher nichts mit Leistungssport zu tun.

Hornbrille, Hochwasserhosen und Co.

Mit dieser Vorstellung erreichte ich Berlin und wurde schnell eines Besseren belehrt. Unmittelbar nach meiner Ankunft wurde mir postwendend klar, dass ich völlig daneben lag. Anstelle von so genannten „Nerds“ standen clevere, visionär denkende junge Menschen vor mir, deren Energie und Aufbruchsstimmung man sprichwörtlich spüren konnte. Neben die eingangs erwähnten überragenden Räumlichkeiten, schwebten den Verantwortlichen noch weitere Variablen vor Augen. So wurde beispielsweise mit dem nahegelegenen Fitnessstudio eine Kooperation geschlossen und Workshops zu den Themen Ernährung/Schlaf/Tagesplanung sollen nebst dem Mental Coaching ihrem Raum im #ELZ bekommen. Nachdem ich schon zu später Stunde es geschafft hatte, meine Eindrücke und die Menge an Informationen zu sortieren, machte sich bei mir ein innerliches Grinsen breit. Ausgerechnet ich, als praktisch arbeitender Sportpsychologe, der häufig mit Vorurteilen und Klischees (Stichwort „Rote Couch“) zu kämpfen hat, bin selbst der Bauernschläue aufgesessen und mit auf den Zug des Clusterdenkens aufgesprungen.

Fazit

Der eSport befindet sich weltweit auf dem Vormarsch und die Teams werden immer stärker professionalisiert. Im Gegensatz zu anderen Sportarten, in welchen die Sportpsychologie immer noch ein Schattendasein pflegt, scheint diese im Vergleich zu anderen noch „junge“ Sportart, mit der Zeit zu gehen und die Notwendigkeit der mentalen Stärke für eine bestmögliche Leistungserzielung erkannt zu haben. Es bleibt abzuwarten wie sich die Szene weiterentwickelt und in welche Richtung es geht. Ich für meinen Teil werde diese Entwicklung weiter beobachten und bedanke mich an dieser Stelle bei Penta Sports für die Einladung und dem damit einhergehende „Erleuchtung“ bezüglich eSports. Bleibt festzuhalten, dass die anfangs aufgeworfene Formel doch nicht ganz aufgeht, sondern noch um weitere Punkte ergänzt werden müsste, um dieser Sportart gerecht zu werden. Aber um nochmal in Erinnerung zu schwelgen: Mathe war noch nie meine Stärke ☺.

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