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Dr. Hanspeter Gubelmann: Trainer unter Hochdruck

Nicht nur die Spieler sondern auch ihre Trainer stehen an den UEFA-Fussball-Europameisterschaften unter Druck. Eingefangen von stets auf sie gerichtete Fernsehkameras sieht man etwa „Gentleman“ Roy Hogdson im Torjubel seiner Mannschaft oder den griessgrämig dreinblickenden Leonid Slutski, der nach der 0:3-Niederlage gegen Wales sein Amt als Nationaltrainer Russlands zur Verfügung stellt. Die von Aussen sehr gut zu beobachtende emotionale Achterbahnfahrt des Trainers an der Seitenlinie lässt auf eine hohe psychophysische Beanspruchung schliessen. Wie hoch ist dieser (Erfolgs-)Druck und welche Notwendigkeiten lassen sich im Umgang mit Stress aus Sicht des Trainers ableiten?

Zum Thema: Fussballtrainer unter Stress

Ob Profisfussballer oder Konzertpianistin, ob Fussballtrainer oder Topmanagerin: Hoher Leistungsdruck, Extrembelastungen und Stress kennen alle „hoch ambitionierten Menschen“. Alle müssen damit klar kommen, vieles davon ist gelernt und basiert auf einem aktiven und zielorientierten Umgang mit Stress. Wenn hohe und höchste Belastungen nicht durch ausreichende Erholung kompensiert werden, kommt es früher oder später zur Erschöpfung. Immer mehr Trainer scheinen von diesem Phänomen betroffen zu sein. Für internationale Schlagzeilen sorgten die Fälle der Bundesliga-Trainer Ralf Rangnick, Ottmar Hitzfeld und jüngst Sascha Lewandowski (gestorben: 8. Juni 2016, laut übereinstimmenden Medienberichten wird von einem Suizid ausgegangen). Sie beschrieben ihre Burnout-Erfahrungen mit dem Abbau geistiger Leistungsfähigkeit, chronischer Müdigkeit, leichter Reizbarkeit, Ängsten, körperlichen Beschwerden und erhöhter Suchtgefahr. Dieses „Ausgebrannt-Sein“ äussert sich sehr häufig auch in einer despressiven, freud- und lustlosen Gefühlswelt. Neben der Depression ist vermutlich die Gefahr, Stress mit Alkohol, Medikamenten oder Drogen zu bekämpfen, das offensichtlichste Merkmal von Burnouts unter Trainern. Branko Zebec, einst sensibler, schweigsamer und mitunter eigenwilliger Bundesliga-Erfolgstrainer, scheiterte an seiner Sucht, die offensichtlich wurde, als er 1982 als Coach von Borussia Dortmund volltrunken rückwärts von der Trainerbank fiel und damit den Anfang vom Ende der Karriere einleitete. Zebec starb 1988 im Alter von nur 59 Jahren. Den aktuellsten sportwissenschaftlichen Überblick zur Burnout-Thematik bei Trainern bieten Schaffran, Altfeld & Kellmann (2016).

Wenn die Leistungsfähigkeit des Trainers nachlässt

Geraten Fussballtrainer unter übermässigen Leistungsdruck, sinkt auch ihre Leistungsfähigkeit. Dies kann sich darin zeigen, dass sie sich weniger empathisch gegenüber Team und Spieler verhalten, die Kommunikation vernachlässigen und vermehrt Probleme bekunden, die Strukturen innerhalb eines Teams aufrecht zu erhalten. Sehr oft verstärken Unzufriedenheit und fehlende Erholung die Problematik.

Präzisere Informationen zur Belastungssituation von Fussballtrainern liefert die Studie von Altfeld und Kellmann (2014). Ihr Vergleich von ehrenamtlichen und hauptberuflichen Fussballtrainern in Deutschland weist nach, dass Profitrainer insbesondere im Bereich der Sozialen Beanspruchung signifikant höher belastet sind als nebenberufliche und ehrenamtliche Trainer. Zudem erzielen sie signifikant niedrigere Werte im Bereich der Sozialen Erholung. Für alle untersuchten Trainer ergeben sich insgesamt erhöhte Beanspruchungswerte auf der Subskala Konflikte/Leistungsdruck. Häufig genannt werden vor allem Konflikte mit Athleten, im sozialen Umfeld und mit dem Vereins- beziehungsweise Verbandsvorstand.

„Jogi Löw steht unter Dauererregung“

Aktuellstes Beispiel in der Diskussion zum Thema „Fussballtrainer unter öffentlichem Hochleistungsdruck“ bietet Bundestrainer Joachim Löw. Psychotherapeut Felix Hof deutet seine Handbewegungen im Intimbereich als Übersprungsverhalten, welches auf eine Dauererregung und erhöhte Anspannung schliessen lassen, die nicht hinreichend kanalisiert werden können. Dieses Defizit ortet der Psychologe als Anzeichen dafür, dass Löw schon länger unter Stress stehe, keine Möglichkeit hat, in ein Gleichgewicht zu kommen und mahnt zur Vorsicht: „Ein Trainer hat Vorbildfunktion und müsste mit Stress und Spannung umgehen können. Man sollte die Akte kritisch im Auge behalten”. Aus Sicht einer anwendungsorientierten Sportpsychologie ergeben sich mindestens vier Zielrichtungen sinnvollen Intervenierens:

1) Psychoedukation: Grundsätzliches Anliegen in der Trainerausbildung muss sein, Trainer im Hinblick auf ihre Tätigkeit „kompetent, fit und leistungsfähig“ zu machen. Dazu gehört auch der (selbst-)kritische Umgang mit Stress und ein Angebot mit Hilfestellungen zum individuellen Stressmanagement.

2) Erholungsmanagement: Gefordert ist eine Balance zwischen Beanspruchung und Erholung. Diese basiert auf der Erkenntnis, dass Erholung individualspezifisch ist, eine bewusste Auseinandersetzung mit dem Thema erfordert und in eine passende Erholungsstrategie münden muss.

3) Emotionskontrolle: Wer Frust immer wieder mit Ärger und „Ausflippen“ abreagiert, schadet sich und seiner Mannschaft. Wer mit seinen Gefühlen achtsam umgeht (vgl. Gardner & Moore, 2004), einen emotionalen Schutzschild entwickelt (vgl. Loehr, 1996) oder andere Formen der Psychoregulation erlernt (vgl. Seiler & Stock, 1994), wird seine Selbstregulationskompetenz massgeblich steigern!

4) Sportpsychologische Betreuung: Die Einbindung sportpsychologischer Expertise auch im Sinne prophylaktischer Massnahmen scheint vielerorts angezeigt. Entsprechend qualifizierte Sportpsychologen müssen im Rahmen von „coach-the-coach“-Interventionen vermehrt Unterstützungsmassnahmen anbieten können!

Quellen:

Altfeld, S. & Kellmann, M. (2014). Analyse der Beanspruchungs- und Erholungsbilanz deutscher Trainer. Zeitschrift für Sportpsychologie, 21, S.137-148.

Gardner, F. L., & Moore, Z. E. (2004). A mindfulness-acceptance-commitment-based approach to athletic performance enhancement: Theoretical considerations. Behavior Therapy, 35(4), 707-723.

Loehr, J. (1996). Die neue mentale Stärke. München u.a.: BLV.

Seiler, R. & Stock, A. (1994). Handbuch Psychotraining im Sport. Reinbek: Rowolt.

Schaffran, P., Altfeld, S. & Kellmann, M. (2016). Burnout in Sport Coaches. A review of correlates, measurement and Intervention. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin. Online: http://www.zeitschrift-sportmedizin.de/en/articles-online/archiv-2016/heft-5/burnout-in-sport-coaches-a-review-of-correlates-measurement-and-intervention/

http://www.20min.ch/schweiz/news/story/-Seine-Genitalien-zu-riechen–erleichtert-Loew–15489162

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Dr. René Paasch: Druck im Elfmeterschießen

Bei der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich stehen nun die KO-Spiele an. Nach den vielen engen Resultaten in der Vorrunde dürfte nun mit der ein oder anderen Verlängerung zu rechnen sein. Sicher wird es im Turnier auch Elfmeterschießen geben. Diese letzte Instanz der Herbeiführung der Spielentscheidung wird von manchen Akteuren als brutal beschrieben – einige Profis scheuen sich sogar, beim Elfmeterschießen anzutreten. Warum eigentlich? Welche Möglichkeiten gibt es, mit dieser speziellen Drucksituation umzugehen?

Zum Thema: Wie lässt sich eine gesteigerte Selbstaufmerksamkeit vermeiden?

In Wettkämpfen gibt es immer wieder Situationen, die besonders entscheidend für den Ausgang und damit für Erfolg oder Misserfolg sind. Eine zuvor gute Leistung kann in diesen Momenten zunichte oder aber ganz im Gegenteil mit Erfolg versehen werden. Besonders auffällige Beispiele sind das Elfmeterschießen im Fußball. Der psychische Druck auf die Fußballer kann sehr groß sein, besonders wenn es sich um wichtige Turniere handelt wie die jetzige Europameisterschaft in Frankreich. Wenn die psychischen Ursachen dafür nicht abgestellt werden können, erreichen Spieler trotz Begabung und bestem physischen Training dadurch nicht die optimale Leistungsfähigkeit. Wie kommt es, dass einige Fußballer mit dem Druck umgehen können und andere nicht? Jetzt kommt die gute Nachricht. „Mit Druck umgehen kann man lernen“.

Selbstaufmerksamkeit: Die erste mögliche Erklärung beschreibt, dass Druck auf einem Anstieg der Selbstaufmerksamkeit beruht. Der wahrgenommene Druck, z.B. in einem Elfmeterschießen, führt dazu, dass Angst vor Versagen entsteht, die wiederum eine erhöhte Selbstaufmerksamkeit auslöst. Sie bewirkt, dass die Bewegung nicht mehr automatisiert ausgeführt wird, sondern der Fußballer plötzlich bewusst darauf achtet, wie die Bewegung ablaufen sollte. Unglücklicherweise führt somit die erhöhte Aufmerksamkeit dazu, dass Bewegungen nicht mehr automatisiert und damit optimal ablaufen. Hin und wieder kommt es sogar vor, dass der Torhüter versucht, den Schützen in seiner Konzentrationsphase zu stören: Dies können Gesten sein oder aber verbale Attacken, die darauf abzielen, die Selbstaufmerksamkeit des Schützen zu erhöhen und dadurch Druck zu erzeugen. Spieler, die dem nicht gewachsen sind, lenken ihre Aufmerksamkeit dann auf irrelevante Reize und auf leistungsabträgliche Gedanken, wie etwa Versagensängste oder Erinnerungen an frühere Misserfolge.

Drucksituationen im Training sind der Schlüssel

Was kann man tun, wenn man unter Druck zu einer erhöhten Selbstaufmerksamkeit neigt und seine Leistung zum geforderten Zeitpunkt nicht bringen kann? Welche Methoden sind da sinnvoll? Bei erhöhter Selbstaufmerksamkeit wird davon ausgegangen, dass spürbarer Druck zu einer erhöhten Misserfolgsangst führt. Diese wiederum sorgt dafür, dass die Aufmerksamkeit auf mögliche Fehler gerichtet wird, die unbedingt vermieden werden sollen. „Bloß nicht daneben schießen“ führt dazu, dass Vermeidungshandlungen einsetzen, die die übliche Handlung beim Torschuss unterbrechen und damit die Ausführung stören. Hinzu kommt, dass wahrgenommener Druck auch die physiologische Erregtheit erhöht, was dann subjektiv als Nervosität empfunden wird und erhöhte Selbstaufmerksamkeit verursacht.

Dr. René Paasch: Selbstwirksamkeit im Fußball

Gibt es einen Ausweg? Zum einen kann auch hier das Training von Drucksituationen sinnvoll sein, etwa indem im Training Wettkampfdruck erzeugt wird oder plötzliche kritische Situationen geübt werden (z. B. Elfmeterschießen oder verschiedene Standards, siehe dazu: http://www.die-sportpsychologen.de/2015/08/25/dr-rene-paasch-selbstwirksamkeit-im-fussball/ ). Auch sollten Fußballer lernen, eine Kurzentspannung im Wettkampf und auch speziell im Elfmeterschießen anwenden zu können, beispielsweise Atementspannung oder eine kognitive Verhaltensroutine (z. B. Selbstinstruktion „ganz ruhig“). Des Weiteren können Selbstinstruktionen Verwendung finden, die positive Gedanken und damit Zuversicht vermitteln. Dadurch bleibt kein Raum für schlechte Gedanken. Die Situation bleibt unter Kontrolle.

Fazit

Vor Druck im Wettkampf ist niemand geschützt. Je nach Sportart und Wettkampf kann dies auch durchaus als normale Begleiterscheinung gelten. Einige Tipps dazu, wie man lernen kann, mit Druck umzugehen, wurden weiter oben genannt oder Sie suchen sich einen vertrauenswürdigen Sportpsychologen/in.

Tipp: Der interessierte Leser findet bei Christian Reinhardt, Elvina Abdullaeva und Dr. René Paasch weitere interessante Inhalte zum Thema Druck im Sport.

 

Christian Reinhardt: Versagen unter Druck

Elvina Abdullaeva: Trainer unter Druck

Literatur

Angewandte Sportpsychologie : Abstractband zur 45. asp-Jahrestagung. Hrsg. / / Oliver Stoll; Andreas Lau; Simone Moczall. Feldhaus Edition Czwalina, 2013. S. 161 (Schriften der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft; Band 228).

Barkhoff, H. (2002). „Trainingsweltmeister“ und Wettkampftypen im Roll- und Eis-kunstlauf. Leistungssport, 32, 11-18.

Beckmann, J. & Strang, H. (1991). Handlungskontrolle im Sport. Sportpsychologie, 5(4), 5-10.

Hanin, Y. L. (2000). Emotions in sport. Champaign, IL: Human Kinetics.

Hoffmann, J. (1993b). Aufmerksamkeit, Automatisierung und antizipative Verhaltens-steuerung. In R. Daugs & K. Blischke (Hrsg.), Aufmerksamkeit und Automatisie-rung in der Sportmotorik (S. 97-120). St. Augustin: Academia.

Kleine, D. & Schwarzer, R. (1991). Angst und sportliche Leistung – Eine Meta-Analyse. Sportwissenschaft, 20, 9-28.

Heiko Maurer, H. (2007): Psychischer Druck, Aufmerksamkeitslenkung und sportliche Leistung. Dissertation. Justus-Liebig-Universität Gießen

Sahre, E. (1991). Wer behält die Nerven, wenn es drauf ankommt? Sportpsychologie, 5(4), 11-15.

Strauß, B. (1997). Choking under pressure: Positive öffentliche Erwartungen und Leis-tungen in einer motorischen Aufgabe. Zeitschrift für Experimentelle Psycholo-gie, 44, 636-655.

Strauß, B. (1999). Wenn Fans ihre Mannschaft zur Niederlage klatschen: Zuschauer und sportliche Leistungen. Sportwissenschaft, 29, 393-411.

 

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Cristina Baldasarre: Haris, schau dir deine Tore an!

In der Luzerner Zeitung äusserte sich Haris Seferovic vor dem Achtelfinalspiel der Fussball-Europameisterschaft gegen Polen am Samstagnachmittag überaus selbstkritisch: “Es fehlt der letzte Klick, dieses kleine Bisschen beim Verwerten der Chancen. Das liegt weniger am fehlenden Biss als vielmehr an der mangelnden Konzentration.” Der Stürmer, der in den beiden Gruppenspielen gegen Albanien und Rumänien von Beginn an spielen durfte, dabei durchaus auffällig agierte aber eben zahlreiche Chancen ausliess, verriet im Pressegespräch dann auch, wie er mit dieser Situation umgeht: “Ich studiere auf Video, wie ich meine Chancen vergeben habe, und versuche, daraus zu lernen. Auch diese Arbeit gehört zum Beruf des Fussballers.” Cristina Baldasarre hofft, dass es Haris Seferovic nicht bei der Analyse seiner Fehler belässt, sondern spätestens am Spieltag sich auf seine Erfolgserlebnisse fokussiert.

Zum Thema: Wie kann ein Stürmer Selbstvertrauen aufbauen?

Matchday ⚽️ josip drmic ✌️? #suisse#josip#haris#drmic#seferovic

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Aus der sportpsychologischen Theoriekiste lohnt sich hier ein Blick in die Selbstwirksamkeitsthematik von Bandura. In seinem Modell wird sehr klar herausgehoben, dass mehrere Aspekte, seines Zeichens vier, für den Aufbau (oder Abbau) von Selbstwirksamkeit ins Feld gebracht werden müssen: eigene Erfolgserlebnisse, stellvertretende Erfahrungen, verbale Ermutigungen und Reaktionen des Körpers.

Um eine angemessene Leistung in schwierigen Situationen erbringen zu können, spielen die persönlichen Erwartungen und das eigene Kompetenzerleben somit eine grosse Rolle. Diese Erwartungen kristallisieren aus diesen vier Teilen heraus und sind individuell sehr unterschiedlich.

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Weitere Informationen

Worauf kann ein Spieler wie Seferovic nun bauen, um sich für das Achtelfinale gegen Polen richtig vorzubereiten und mental gestärkt zu sein?

Verbale Ermutigungen

Mit dem Punkt verbale Ermutigungen meint Bandura auch unterstützende Aussagen von Familienmitgliedern, Teamkollegen oder dem Trainer. Vladimir Petkovic tut dies in verschiedenen Interviews deutlich positiv „Das Glas ist halb voll“ und „…wir sind hier um zu spielen, noch besser zu werden und zu gewinnen…“. Aus solchen Aussagen spricht eine deutliche Zuversicht und der Glaube an sein Team. Das werden wohl auch die Spieler in den Team- und Einzelgesprächen vom Trainer spüren, der mit solchen ermutigenden Worten ein starkes Führungsinstrument besitzt.

Reaktionen des Körpers

Die Reaktionen des Körpers sind dahingehend zu verstehen, als dass ein mental gut vorbereiteter und erfahrener Spieler seinen Körper gut kennt und die Zeichen von Nervosität und allfälliger Angst achtsam zu deuten vermag. Vor allem aber aus seiner persönlichen Toolbox eine mentale Technik wie beispielsweise das Entspannungsatmen herausziehen kann, die ihm zum richtigen Zeitpunkt hilft, wieder in seinen optimalen Leistungszustand zu gelangen.

Stellvertretende Erfahrungen

Stellvertretende Erfahrungen kann so umgesetzt werden, dass man sich sein Spielervorbild anschaut oder sich vorstellt, wie dieser erfolgreich spielt. Dadurch erfühlt man besser, und bekommt wieder ein konkreteres Bild davon, wie die Bewegung aussieht oder wie man sein möchte im eigenen Spiel.

Eigene Erfolgserlebnisse

Die eigenen Erfolgserlebnisse sind meiner Meinung nach aber noch immer eines der wichtigsten Instrumente die ein Spieler einsetzen kann. Gerade Seferovic hat im Mai seinen Club mit dem entscheidenen Tor vor dem Abstieg bewahrt. Es ist erwiesen, dass das Fokussieren auf die guten, erfolgreichen und Selbstvertrauen stärkenden Erlebnisse viel zielführender sind als das Zurückblicken auf vergangene Fehler.

Und wer sich für seine Selbstwirksamkeit die nötigen Impulse holen und vor allem auch selber geben kann, der wird eine grössere Erfolgschance mit ins Spiel bringen. Dieser Glaube an das eigene Können enthält das Wissen, schon in der Vergangenheit Herausforderungen angenommen und erfolgreich bewältigt zu haben. Und er ist unabhängig davon, was Aussenstehende wie Medien und Fans dazu meinen. Es führt aus der Person heraus zu einer Steigerung des Selbstwertgefühls.

 

Literartur

http://www.luzernerzeitung.ch/sport/fussball/europameisterschaft/euro2016/Haris-Seferovic-ueber-sein-Abschlusspech;art164267,764382

http://www.20min.ch/em2016/schweiz/story/18400557

http://www.nzz.ch/euro2016/em-gruppenphase-remis-gegen-rumaenien-die-schweizer-genugtuung-ld.89304

https://de.wikipedia.org/wiki/Selbstwirksamkeitserwartung

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Dr. René Paasch: Analyse NIR vs. GER

Deutschland ist dank einer starken Vorstellung gegen Nordirland als Gruppensieger ins Achtelfinale eingezogen. Im Mittelpunkt stand beim 1:0-Erfolg Thomas Müller, der eine Vielzahl von hochkarätigen Torchancen ausließ und es versäumte, sich für eine insgesamt gute Leistung zu belohnen. Dr. René Paasch nimmt diesen Ball auf und erklärt an greifbaren Beispielen wie innere Gespräche Thomas Müller, seinen Offensivkollegen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und dem Rest der Fußballwelt Unterstützung bieten könnten.

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Die Bedeutung des inneren Dialogs. Wie Selbstgespräche die Trefferquote verbessern können!

Tolles Spiel, unnötiges Ergebnis. Denn die DFB-Elf hätte schon zur Pause mit drei oder vier Toren führen müssen. Joachim Löw äußerte sich im Fernsehgespräch in der ARD außerordentlich unzufrieden mit den Abschlussqualitäten und der Konzentration seiner Offensivspieler im Abschluss. Einer der Angesprochenen war Thomas Müller, von dem wiederum auch selbstkritische Töne zu vernehmen waren: „Da war bei mir auch Unvermögen dabei. Ich hätte mit Gareth Bale an der Spitze der Torjägerliste gleichziehen müssen“.

Nehmen wir uns einige der verpassten Torchancen Müllers vor, die möglicherweise auch von handlungsbegleitenden negativen Gedanken und inneren Gesprächen getragen worden sind: Özil hebelte mit einem wunderbaren Pass in die Tiefe die nordirische Abwehrkette aus. Müller hatte freie Bahn in Richtung Michael McGovern, doch der Keeper warf sich in den Schuss und parierte glänzend. War Müller in diesem Moment eher Handlungs- oder Lageorientiert? Fußballer mit einer hohen Handlungsorientierung sind in der Lage, alle mentalen Prozesse auf den Handlungsvollzug auszurichten. Demgegenüber machen sich unerfahrene oder auch unsichere Akteure während des Handlungsvollzuges über zukünftige, gegenwärtige und vergangene Dinge Gedanken. In letzterem Fall wird auch von einer Lageorientierung gesprochen (Kuhl, 1983).

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Sekunden später landete die Kugel über Sami Khedira bei Götze, der aber ebenso wie Müller nur McGovern anschoss. Aber die Art und Weise, wie die Deutschen mit viel Tempo und Dynamik gegen den extrem tief gestaffelten Gegner anliefen, machte Mut – und eröffnete immer wieder Chancen. In der 23. Minute leitete erneut Kimmich einen gefährlichen Angriff ein, Gomez legte den Ball mit der Brust perfekt in den Lauf von Müller – doch der schoss knapp am linken Pfosten vorbei. Hatte Müller ein handlungsbegleitendes positives Selbstgespräch?

Es lässt sich nur vage vermuten, doch äußerlich wahrnehmbare Zeichen von Müller sprechen Bände. Nach einer knappen halben Stunde waren dann aber auch endlich Aluminium und Torhüter der Nordiren ausmanövriert. Der grandios aufspielende Kimmich bediente Özil, dann spielte Gomez Doppelpass mit Müller – und vollstreckte zur überfälligen deutschen Führung. Fast 70 Prozent Ballbesitz hatten das DFB-Team zu diesem Zeitpunkt, knapp 90 Prozent der Zuspiele kamen an, es war die fünfte Großchance: Verdienter kann man nicht führen. Die Deutschen drückten und so langsam wurde es ärgerlich, wie leichtfertig sie ihre Möglichkeiten verschenkten. So setzte Gomez nach Khediras abgewehrtem Flachschuss seinen Kopfball am leeren Tor vorbei (60.), und auch Müller setzte kurz darauf seinen nächsten Versuch zu hoch an.

Zum Interview mit Joachim Löw
Zum Interview mit Joachim Löw

So unzufrieden wie Joachim Löw nach der Partie auch war, so konstruktiv wird der Bundestrainer und sein Trainerteam mit den gezeigten Schwächen umgehen. Womöglich kommt auch Sportpsychologe Hans-Dieter Hermann zum Einsatz. Denn Techniken der Selbstgesprächsregulation können Müller und jeden anderen Fußballer ebenso unterstützen, die Treffsicherheit zu erhöhen. Hier habe ich konkrete Beispiele benannt, wie jeder Spielsportler mit inneren Gespräche arbeiten kann:

Gedankenstopps

Die Technik des „Gedankenstopps“ wird relativ häufig zur Reduktion handlungsbegleitender negativer Gedanken vor und während des Wettkampfes oder Trainings eingesetzt. Hier lernen Fußballer/innen, das Aufkommen von negativen Gedanken durch die Konzentration auf positive Gedanken zu unterbinden und somit die negativen, störenden Kognitionen zu stoppen (= Gedankenstopp). Wesentlich für die Effektivität dieser Technik ist es, dass diese „Ersatzgedanken“ positiv besetzt sind. Somit lernen Fußballer/innen, sich nicht auf die negativen Gedanken (Ich komme nicht ins Spiel oder ich bin unfähig) zu konzentrieren, sondern diese bewusst abschalten zu können und durch positive Kognitionen  zu ersetzen.

Rationalisierungstechniken

Bei Rationalisierungstechniken wird versucht, den Effekt des negativen Gedankens zu minimieren, indem man diesen in einen anderen Zusammenhang bringt, der nicht so beängstigend ist. Durch diese Technik lernen die Fußballer/innen, Situationen, die psychisch belastend eingestuft werden, als relativ leicht einzuschätzen, indem sie auf ähnliche Situationen aus der Vergangenheit zurückgreifen (z. B.: „Im letzten Spiel habe ich die auch reingemacht“). Zudem sollen hier die Kicker lernen, die Situation von außen zu betrachten („Es kann nichts passieren, selbst wenn ich den Freistoß nicht verwandle“).

Selbstgesprächsinstruktionen

Selbstgesprächsinstruktionen bezeichnen Selbstgespräche, die positive Selbstbestätigungen beinhalten (z. B. „Ich bin gut“), bzw. konkrete Handlungsanweisungen (z. B.: „Innenbereich  zum Tor zumachen“). Beruhigungstechniken wie beispielsweise „ganz ruhig, wie im Training und Wettkampf“ tragen dazu bei, den Gefühlszustand zu regulieren.

Die sprachliche Überzeugung sollte aus zweierlei Perspektiven gesehen werden. Zum einen die externen Einflüsse, im Fußball vorrangig vom Trainer, den Mitspielern oder den Zuschauern kommen, zum anderen die interne Quelle, also das innere Selbstgespräch. Besonders dann, wenn Leistung zum definierten Zeitpunkt gefordert ist, sollten innere Gespräche handlungsfördernd sein und nicht hemmend wirken. Diese Form des Trainings ist aus meiner Erfahrung die am häufigsten genutzte Strategie im Fußball. Diese regulatorische Form der positiven Beeinflussung ist mächtig und vielen Fußballern gar nicht bewusst, welchen Einfluss ein schlechtes inneres Gespräch haben (siehe auch Prof. Dr. Oliver Stoll: Gute Selbstgespräche) kann.

 

Prof. Dr. Oliver Stoll: Gute Selbstgespräche

 

Literatur:

Baumann, S. (2011). Psyche in Form: Sportpsychologie auf einen Blick. Aachen: Meyer & Meyer Sport.

Eberspächer, H. (2004). Mentales Training: Ein Handbuch für Trainer und Sportler.

München: Copress.

Beckmann, J. (1987). Höchstleistung als Folge missglückter Selbstregulation. In J.P. Janssen, W. Schlicht & H. Strang (Eds.), Handlungskontrolle und soziale Prozesse im Sport (S. 52-63). Köln: bps.

Kuhl, J. (1983). Motivation, Konflikt und Handlungskontrolle. Berlin: Springer.

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Markus Gretz: Wenn Riesen weinen

Ein seltener Anblick bot sich den 20.000 Zuschauern in der Oracle Arena in Oakland, Kalifornien, in der Nacht zum Montag, den 20. Juni.. Wann sieht man schon mal einen 2,03 Meter großen, muskelbepackten Mann kniend am Boden weinen? Dieser Gefühlsausbruch des wohl derzeit dominantesten Basketballspielers der Welt ereignete sich nach Spielende des 7. Finalspiels der NBA zwischen den Golden State Warriors und den Cleveland Cavaliers. Cleveland hatte gerade die erste Meisterschaft der Vereinsgeschichte gewonnen und LeBron James war wieder einmal das prägende Element auf dem Spielfeld. James, der gebürtig aus Ohio stammt, wo auch die Cleveland Cavaliers beheimatet sind, konnte endlich den ersten NBA Titel in seinen Heimatstaat holen. Haben ihn womöglich die in der Sonntagnacht deutlich sichtbaren Emotionen zu seinen Heldentaten angetrieben?

Zum Thema: Bedeutung von Emotionen für den sportlichen Erfolg

Als LeBron James 2014 nach vier Jahren zu den Cleveland Cavaliers zurückkehrte, kündigte er an, Titel in seine Heimat holen zu wollen, da er dies in den sieben Jahren, die er zuvor bereits für sein Heimatteam gespielt hatte, nicht geschafft habe. Nachdem ihm dies die Warriors aus Oakland 2015 noch vermasselten, konnten seine Cavaliers in der Nacht zum Montag Geschichte schreiben, indem sie eine zwischenzeitliche 3:1-Führung der Warriors in der diesjährigen Finalserie in einem spannenden Spiel sieben nochmal drehten. In seinem neunten Anlauf konnte sich James also den Traum von dem Titel für seinen Heimatverein erfüllen. Waren es die Emotionen, die hinter diesen Freudentränen steckten, die LeBron James in dieser schwierigen Saison die ganze Zeit angetrieben hatten? Woher kommen diese Emotionen? Und warum sind sie so wichtig?

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Ein von LeBron James (@lebron_james223) gepostetes Foto am

In Profisportarten, wo die Sportler keine finanziellen Sorgen mehr plagen, scheinen die Emotionen eine sehr große Rolle zu spielen. Eng mit der Motivation verknüpft sind die Emotionen der Antrieb, den die Athleten brauchen, um sich zu Höchstleistungen zu quälen. Warum sollte ein Millionär täglich freiwillig schmerzhafte, aufreibende Trainingseinheiten absolvieren und sich auf dem Spielfeld fast 100 Spiele in der Saison verausgaben, wenn er auch ohne die ganz besondere Anstrengung mehrere Millionen Dollar auf dem Gehaltszettel stehen haben würde? Sportler, die sich in solchen Verhältnissen befinden, müssen ihre Motivation aus anderen Bereichen ziehen, um langfristig Höchstleistungen vollbringen zu können.

Ziele setzen!

Wie mein Blog „Vettels Weltmeisterziel“ (Link zum Text) beschreibt, ist es für den Erfolg sehr wichtig, sich sinnvolle Ziele zu setzen, um zielgerichtet arbeiten zu können. Auch LeBron James hat sich die Meisterschaft als Ziel gesetzt und darauf hingearbeitet. In seinen Freudentränen nach dem Finalsieg wird jedoch deutlich, dass dieses Ziel nicht nur als Richtung galt, sondern auch mit großen Emotionen verknüpft war. Möglicherweise hatte er Angst zu versagen und spürte nun Erleichterung oder er wollte unbedingt aus Heimatliebe diese Meisterschaft. Möglicherweise verknüpfte er schon lange in seinen Vorstellungen die größtmögliche Freude mit diesem Moment. Welche Emotionen am Ende die Tränen in die Augen von James gebracht haben, kann von außen niemand beurteilen. Womöglich ist es auch eine Mischung aus unterschiedlichen Emotionen, die James mit diesem Ziel über die Jahre verknüpft hat.

Was am Ende festgehalten werden kann: Ein Ziel kann ganz besonders als Antrieb wirken, wenn es mit ausreichend Emotionen verknüpft wird. So ist es auch wenig verwunderlich, dass schon mehrere große NBA Stars wie Michael Jordan und Dirk Nowitzki in Tränen ausbrachen, nachdem sie die Meisterschaft gewonnen hatten. Höchstleistungen benötigen also Emotionen, das ist klar. Vor diesem Hintergrund macht der Spruch „Der Sport lebt von den Emotionen.“ noch viel mehr Sinn.

 

Markus Gretz: Sebastian Vettels Weltmeisterziel

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Katharina Petereit: Vorbild Ibrahimović?

„Glaubst du an Jesus? […] also glaubst du an mich.“ Mit diesen Worten versuchte Zlatan Ibrahimović seinen damaligen Trainer Carlo Ancelotti vor dem Spiel mit Paris Saint-Germain gegen Olympique Lyon in der Saison 2012/2013 zu beruhigen, als dieser nervös wirkte. Passend zur Fußball-Europameisterschaft wurden Zlatans beste Sprüche von unterschiedlichen Sportmagazinen zusammengefasst und mit Bildern des Schweden-Stars unterhaltsam dargestellt. Doch was steckt hinter diesem exzentrischen, häufig überheblich wirkenden Verhalten und was können vor allem Nachwuchsspieler daraus lernen? 

Zum Thema: Zlatan Ibrahimovićs Exzentrik und was Kinder davon nachmachen sollten?

Die Frage nach der Vorbildfunktion Ibrahimovićs muss differenziert betrachtet werden. Für viele Fußballfans und Nachwuchsspieler ist der 34-jährige mit seinen herausragenden Aktionen mit Sicherheit einer der besten Stürmer weltweit. Hinsichtlich seiner Selbstüberzeugung, seiner Egozentrik und seines häufig arroganten Verhaltens existieren vermutlich unterschiedliche Meinungen. Kritiker beschreiben ihn als völlig überheblich, andere jedoch bewundern diesen einzigartigen Charakter, welcher gewiss auch einen großen Anteil an seiner Karriere trägt. Laut eines Interviews mit Zlatan Ibrahimović ist sein eigenes Vorbild Muhammad Ali, welcher sich seinerzeit als „I’m the Greatest“ beschrieb und bei Zlatan ein prägendes Bild voller Selbstbewusstsein und Selbstinszenierung hinterließ (spox.com, 05.02.2013).

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Ein von Zlatan Ibrahimović (@zlatanibrahimovicoffical) gepostetes Foto am 28. Nov 2015 um 9:34 Uhr

Selbsterfüllende Prophezeiung?

Der Begriff Selbstbewusstsein hat einerseits häufig einen negativen Beigeschmack und wird synonym für unterschiedliche Ausprägungen der Selbstbewertung genutzt. Andererseits wird diese globale Beschreibung ständig in Instruktionen von Trainern in Anspruch genommen – Beispiel: „Ihr müsst selbstbewusst auftreten“. Was Selbstbewusstsein bedeutet und beinhaltet, ist meiner Erfahrung nach, vielen Nachwuchsspielern gar nicht klar. Sie schätzen Spieler wie Ibrahimović, sind sich aber der Wirkung eines solchen Charakters nicht immer bewusst. Das von Trainern häufig geforderte selbstbewusste Auftreten meint, dass sich die Spieler (auch von einem vermeintlich stärkeren Gegner) nicht verunsichern lassen sollen, sie eine überzeugende Körpersprache zeigen und eine gewisse Persönlichkeit an den Tag legen. Von Ibrahimovićs Verhalten können sich Nachwuchsspieler ohne Frage das ein oder andere abschauen. Natürlich kann zu viel Hochmut zum Fall führen, worauf ich auch in meinem Artikel „Ich bin der Beste hier“ hinweise und das Thema Arroganz kritisch diskutiere. Allerdings kann die genannte Selbstinszenierung, ein exzentrisches Verhalten und auch das so-tun-als-ob eine selbsterfüllende Prophezeiung darstellen. Vereinfacht ist damit gemeint, dass aus einem vorgeblich selbstbewussten Verhalten bestimmte Reaktionen folgen, aus denen dann „echtes“ Selbstbewusstsein entstehen kann. Natürlich müssen wie bei Ibrahimović auch bestimmte Leistungen folgen, damit das ganze Auftreten nicht lächerlich und überheblich wirkt. Deswegen sollte vor allem bei Nachwuchsspielern darauf geachtet werden, dass sie kein falsches Selbstbild von sich bekommen und dieses regelmäßig mit dem Fremdbild von Trainern, Mitspielern und Freunden abgeglichen wird. Ein spezieller Charakter, derbe Sprüche und ich-bezogenes Verhalten sind für die Medien ein gefundenes Fressen und immer eines der Topthemen im Sport. Wie bereits beschrieben, sollte hinsichtlich der Frage nach der Vorbildfunktion Ibrahimovićs abgewogen werden. Sein Auftreten ist sicherlich ein Alleinstellungsmerkmal und nicht übertragbar auf Nachwuchsspieler. Die Grundzüge seines Verhaltens und die selbstsichere Darstellung seiner Person allerdings sind Eigenschaften, die im Leistungssport häufig gefordert werden und in gewissem Maße auch nützlich sind.

Ernsthaftigkeit der Exzentrik

Zudem sollte immer hinterfragt werden, inwieweit ein solcher Spieler wie Ibrahimović seine Sprüche und sein Verhalten absolut ernst meint oder ob da auch ein gewisses Augenzwinkern und Selbstironie hinterstecken. Zumal er in Interviews auch immer wieder beteuert, dass er wisse, wo er herkomme und sich an seinem Leben trotz der Unmenge an Geld nicht viel geändert habe – Bedienstete gäbe es keine in seinem Haus. Außerdem ist nicht zu unterschätzen, dass Zlatan neben seinem selbstbezogenen Auftreten auch viele wohltätige Gesten zeigt. Andere Menschen sind ihm also nicht immer so gleichgültig wie es häufig dargestellt wird und er ist auch nicht ausschließlich der beleidigende, selbstverliebte und überhebliche Schweden-Star. Dahinter verbirgt sich ein Fußballspieler, der „… immer noch hungrig [sei] , Ziele zu erreichen“ (spox-Interview, 05.02.2013) und  viele weitere Charaktereigenschaften aufweist, die eine Vorbildfunktion erfüllen – hier ist nicht zuletzt auch das Verantwortungsbewusstsein seiner Familie gegenüber und sein skandalfreies Leben zu nennen, welches im Fußballbusiness keine Selbstverständlichkeit darstellt. Auch wenn er aktuell mit seiner eigenen Sportmarke A bis Z – Amateur bis Zlatan – wieder alle Aufmerksamkeit und Kritik auf sich zieht, wären Schlagzeilen über seine sportlichen Leistungen auch für Fußballfans mal wieder eine Abwechslung.

 

Weiterführende Literatur:

Baumann, S. (2011). Psyche in Form: Sportpsychologie auf einen Blick. Aachen: Meyer & Meyer Sport.

Brand, R. (2010). Sportpsychologie. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Meyer, Z. (2011). Sportpsychologie. Die 100 Prinzipien. München: Copress Verlag.

 

Weiterführende Links:

http://www.spox.com/de/sport/fussball/international/frankreich/1302/Artikel/interview-zlatan-ibrahimovic-paris-saint-germain-fc-bayern-muenchen-mit-pep-guardiola-vorblid-muhammad-ali.html

http://www.11freunde.de/galerie/die-besten-sprueche-von-schweden-star-zlatan-ibrahimovic

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Philippe Müller: Fans in Seferovic`s Rücken

Versetzen wir uns doch einmal in die Rolle von Haris Seferovic. Kaum hatte der zuletzt glücklos agierende Stürmer der Schweizer Nationalmannschaft im zweiten Gruppenspiel der Fussball-Europameisterschaft gegen Rumänien die erste Grosschance vergeben, wurden die Gesänge für Breel Embolo noch lauter als sie ohnehin schon waren. Hätten wir uns in seiner Lage nicht zumindest etwas allein gefühlt? Förderlich für das Selbstbewusstsein des Bundesliga-Spielers von Eintracht Frankfurt waren die Liebesbekundungen für seinen direkten Konkurrenten in der Nati – ganz offensichtlich – nicht.

Zum Thema: Können sich Fanchöre auf dIe Leistung von Spielern auswirken?

@marwinhitz ?

Ein von Haris Seferovic (@haris_seferovic_9) gepostetes Foto am

Die empirischen Befunde, inwiefern die Zuschauer die Leistung beeinflussen, sind sehr inkonsistent. Auch über die Erklärungsansätze für gefundene Effekte herrscht Uneinigkeit. Somit ist es wenig verwunderlich, dass es eine Vielzahl von Erklärungsversuchen gibt. In diesem Zusammenhang empfehle ich den Blog-Beitrag von Dr. René Paasch für die-sportpsychologen.de: Der wichtige zwölfte Mann. Kürzen wir an dieser Stelle aber ab und konzentrieren uns auf zwei Strömungen: So steht die Annahme, dass die Unterstützung der Zuschauer eher zu einer Aktivierung der Sportler führt, der konträren Position gegenüber, dass das Publikum die Aufmerksamkeit beeinflusse. Was bedeutet dies konkret für unser Beispiel? So können die Gesänge für Embolo motivierend und zusätzliche Kräfte mobilisierend wirken (aktivierend). Im Gegenzug macht sich, der ohnehin schon unglücklich agierende Seferovic, zusätzliche Gedanken über eine mögliche Auswechslung und kann sich somit nicht mehr gänzlich auf seine Aufgaben konzentrieren (aufmerksamkeitsstörend).

Unterstützung wirkt positiv

Die Unterstützung der Zuschauer wird von den Athleten mehrheitlich positiv aufgenommen. Ein Publikum kann jedoch auch belastend wirken. Durch die Erwartungen der Zuschauer an die Mannschaft oder auch an einzelne Spieler, wird ein Druck aufgebaut. Law et al. (2003) sind der Frage nachgegangen, ob die Zuschauer das Versagen unter Druck (choking under pressure, siehe auch Leitartikel von Christian Reinhardt für die-sportpsychologen.de) begünstigen. Dabei haben sie herausgefunden, dass eine explizite Repräsentation der Fähigkeit anfälliger für Störvariablen ist. Je mehr sich also ein Spieler über einen Torschuss Gedanken macht, desto eher kann er durch das Publikum gestört werden und im Ergebnis tritt eine Leistungsminderung ein. Eine Möglichkeit dem zu entgegnen wäre, die Torsituationen ohne grosses Abwägen der verschiedenen Alternativen (instinktiv) zu spielen.

In welchem Masse letztendlich die Zuschauer die Leistung beeinflussen können hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Zum einen spielt die Aufgabenschwierigkeit eine zentrale Rolle. Bei leichten Aufgaben, welche wenig kognitive Ressourcen benötigen, ist die Gefahr der Beeinflussung kleiner. Zum anderen sind auch individuelle Komponenten (z.B. das Selbstvertrauen, die Konzentration, Lernprozesse, etc.) von Bedeutung.

Fazit

Obwohl der Effekt der Zuschauer auf das Spiel kritisch zu betrachten ist, sollte dennoch die Mannschaft durch die Fans unterstützt werden. Dabei ist zu hoffen, dass mit Hilfe der Nati-Anhänger das Selbstvertrauen Seferovic’s zurückkommt und die Mannschaft den Platz gegen Frankreich als Sieger verlässt.

Dr. René Paasch: Der wichtige zwölfte Mann?

Christian Reinhardt: Versagen unter Druck

Literatur

Alfermann, D. & Strauss, B. (2001). Soziale Prozesse im Sport. In H. Gabler, J. Nitsche & R. Singer (Hrsg.), Einführung in die Sportpsychologie (2., veränderte Auflage, S. 73-108). Schorndorf: Hofmann.

Law, J., Masters, R., Bray, S.R., Eves, F. & Bardswell, I. (2003). Motor Performance as a Function of Audience Affability and Metaknowledge. Journal of Sport & Exercise Psychology, 25, 484-500.

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Dr. René Paasch: Der wichtige zwölfte Mann?

Haben Sie am Donnerstagabend das EM-Vorrundenspiel England gegen Wales gesehen? Es machte phasenweise den Eindruck als wäre auf den Zuschauerrängen des Stade Bollaert in Lens mehr Feuereifer und unbedingte Leistungsbereitschaft anzutreffen als auf dem Rasen. Und überhaupt: Gerade die Fans der Außenseiter, sei es eben Wales, Albanien, Nordirland oder auch Island (zum ersten Gruppenspiel gegen Portugal war ein Zehntel der Landesbevölkerung im Stadion) scheinen ihre Rolle als zwölfter Mann sehr, sehr ernst zu nehmen.

Zum Thema: Welchen Einfluss haben Zuschauer auf sportliche Leistungen?

Überdurchschnittlich viele Zuschauer glauben, dass sie am Erfolg ihres Teams mitbeteiligt seien. Sie haben oft große Aufwendungen in Kauf genommen, wie lange Anreisen und teure Tickets und haben letztlich die Spieler nach Kräften angefeuert. Diese Einstellung bezieht sich aber nicht allein auf Fans im Stadion. Manche bemalen sich sogar in den Nationalfarben, wenn sie allein im Wohnzimmer sitzen und das Spiel schauen. Weil sie glauben, dass das der Mannschaft hilft. Es ist offenkundig, dass die Zuschauer sich darüber im Klaren sind, dass ihr Anfeuern sich im Allgemeinen positiv auf das von ihnen favorisierte Team auswirkt. Gelegentlich entwickelt sich allerdings eine besonders euphorische Unterstützung von Mannschaften zu einer Art Boomerang. Für Teams entsteht ein verstärkter Erfolgsdruck, dem sie gelegentlich nicht gewachsen sind. (Stollenwerk 1996). Aus dieser Äußerung von Herrn Stollenwerk ist zu erlesen, dass die Wirkung von Zuschauern positiv wie auch negativ sein kann. Doch welche Wirkung hatten die Zuschauer bei dem Spiel England vs. Wales? In diesem Zusammenhang soll hier das Modell von Zajonc näher betrachtet werden. Es gilt als eines der Wichtigsten unter diesen vielen Modellen. Es besagt, dass die bloße Anwesenheit anderer als Bedingung für deren Einfluss ausreicht:

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Zajonc (1965) konstatierte also einen Zusammenhang zwischen Energie bzw. Erregung  des Organismus und der Leistung, welcher sich in Form einer Glockenkurve beschreiben lässt. Verantwortlich dafür ist das aufsteigende, redikuläre Aktivationssystem (ARAS). Das System wird unspezifisch aktiviert und gibt den Impuls an das Vegetative Nervensystem weiter (Steuerung des Blutdrucks, Puls, etc.). Zwar sind alle Zuschauer gleichzeitig auch Beobachter, aber nicht alle Beobachter sind auch Zuschauer. Es gibt drei Merkmale, die zutreffen müssen, damit wir von Zuschauern sprechen. Sie sind inaktiv, im Wesentlichen aus personalen Gründen anwesend und müssen meistens Kosten dafür aufwenden. Sportjournalisten sind demnach keine Zuschauer sondern Beobachter. Beiden Gruppen wird aber unmittelbarer Einfluss auf den Akteur zugeschrieben. So unterschied Dashiell 1930 folgende Arten: Anwesenheit von leisen Personen; Anwesenheit von anderen Personen mit „unverhohlenen lautstarken Eigenschaften“, die unterstützende oder ablehnende Kommentare abgeben; Koakteure, die nicht mit dem Akteur im Wettbewerb stehen; andere mit expliziter Rivalität zum Akteur; Bewerter (Kampfrichter, Journalisten); Personen, die mit dem Akteur zusammen arbeiten (Trainer, Betreuer)

Einfluss der Zuschauer

Eine weitere Art, Einflussnahme von Zuschauern zu unterschieden, ist die Trennung in nicht unmittelbar evident und unmittelbar evident. Wenn bspw. ein Zuschauer dem englischen Torwart  einen Gegenstand an den Kopf wirft, ist eine Leistungsminderung unmittelbar ersichtlich (evident). Anders verhält es sich da, wenn nur ein paar Bananen hinter sein Tor fliegen. Eine unmittelbare, evidente Einflussnahme seitens der Zuschauer ist selten.

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Grundsätzlich ist aber der Zuschauereinfluss geringer, als generell angenommen wird. Ob eine Mannschaft oder ein Sportler einen Vorteil oder einen Nachteil wahrnimmt, hängt ohnehin stark von den kognitiven Fähigkeiten des Einzelnen und die kollektive Selbstwirksamkeit einer Mannschaft ab. So haben auch alle hoch emotionalen Ausbrüche der walisischen Fans im Gruppenspiel gegen England nicht dazu geführt, den großen Bruder in die Knie zwingen zu können. Aber: Auch im letzten Gruppenspiel werden die Waliser diese Methode anwenden. Nicht der Methode wegen, sondern weil dies ein ganzes Stück weit zur schönen Seite der Fußballkultur gehört. Und wer kann schon so genau sagen, ob die tiefen und furchterregenden Laute aus der isländischen Kurve im Gruppenspiel gegen Portugal Cristiano Ronaldo und Co. zumindest ein bisschen aus dem Konzept gebracht und auf isländischer Seite noch ein paar Tropfen aus dem Reservetank freigesetzt haben?

Literatur

Beckmann, J. (1991). Zuschauereinflüsse auf sportliche Leistungen. Sportpsychologie, 5, 16 – 20.

Beckmann, J. & Rolstad, K. (1997). Aktivierung, Selbstregulation und Leistung: Gibt es so etwas wie Übermotivation?. Sportwissenschaft, 27, 23 – 37.

Bierhoff-Alfermann, D. (1986). Sportpsychologie. Stuttgart: Kohlhammer.

Strauss, B. (1999). Wenn Fans ihrer Mannschaft zur Niederlage klatschen. Lengerisch: Pabst.

Robert Zajonc (1965). Social facilitation. Science, 149, 269-274

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Philippe Müller: Analyse ROM vs. SUI

Zur Krönung eines guten Schweizer EM-Spieles gegen Rumnänien fehlte am Mittwochabend eigentlich nur Eines (oder besser gesagt Mehreres) – die Tore! Die Passkombinationen bis in den Strafraum funktionierten gut. Beim Abschluss hingegen bekundeten die Schweizer weiterhin Schwierigkeiten. Schlussendlich fand das Runde doch noch den Weg ins Eckige. Admir Mehmedi belohnte die Bemühungen der Schweiz mit einem wunderbaren Treffer zum 1:1. Und dieser kam zum richtigen Zeitpunkt. Denn an der Seitenlinie hatte sich Breel Embolo bereits die Schuhe geschnürt und sollte sehr wahrscheinlich Mehmedi ersetzen.

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Welchen Einfluss hat das Auswechselverhalten des Trainers auf das Spiel?

Die Möglichkeiten der Einflussnahme des Trainers auf das Spiel ist beschränkt. Im Gegensatz zu anderen Sportarten (z.B. Eishockey, etc.) gibt es keine Option des Timeout. Somit bleiben ihm nur die Halbzeitpause und die drei Auswechslungsmöglichkeiten, um neue Impulse zu setzen. Doch welchen Einfluss hat das Auswechselverhalten des Trainers auf das Spiel?

Auswechslungen können aus verschiedenen Gründen vorgenommen werden. Verletzt sich ein Spieler, ist der Trainer gezwungen zu handeln. In solch einem Fall spricht man von einem nicht beeinflussbaren Grund für die Auswechslung. Durch eine Auswechslung kann jedoch auch die Taktik geändert werden. Zum Beispiel eine offensivere Spielweise durch den Einsatz eines weiteren Angriffsspielers. Diese Option wird oft gewählt, wenn sich eine Mannschaft in Rückstand befindet. Durch die zusätzliche Angriffskraft soll die Wahrscheinlichkeit auf ein Tor erhöht werden. Einen Spielerwechsel kann aber auch aus motivationalen Gründen vollzogen werden. Bereits die Ankündigung (z.B. durch das intensive Einlaufen des Spielers und die taktischen Anweisungen durch den Trainer) kann von den Spielern auf dem Platz als ein Signal aufgefasst werden, dass sie ihre Bemühungen verstärken müssen, um einer Auswechslung zu entgehen. Auch beim eingewechselten Spieler hat die Einwechslung einen positiven Effekt auf die Motivation. Zum einen ist es eine Belohnung für die Bemühungen im Training und zum anderen die Chance sich für weitere Einsätze zu empfehlen. Die positive Stimmung und auch die frischen Kräften sollen zudem die anderen Spieler mitziehen und neue Impulse setzten.

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Der Effekt einer Auswechslung auf die motivationale Komponente hat sich am Mittwoch im Falle von Embolo gezeigt. In beiden der bisherigen Spielen wurde er in der zweiten Halbzeit eingewechselt. Durch seine positive Ausstrahlung und der physischen Konstitution hat er nochmals viel Energie und Schwung in die Schlussphase gebracht. Durch sein engagiertes und beherztes Auftreten konnte er sich auf jeden Fall für weitere Einsätze empfehlen.

Der Transfereffekt

Ihr seid Trainer? Welche Punkte sollten vor einer Auswechslung beachtet werden:

  1. Der Zeitpunkt: Zu frühe Wechsel bergen das Risiko, dass auf eine Verletzung eines Spielers nicht mehr reagiert werden kann. Bei einem späten Wechsel besteht jedoch die Gefahr, dass der neue Spieler nicht genügend Zeit hat, den gewünschten Effekt zu erzielen.
  2. Die Taktik: Durch die eingeschränkte Einflussnahme des Trainers auf das Spiel, haben taktische Überlegungen für einen Wechsel einen hohen Stellenwert. Durch den Spieleraustausch kann somit die taktische Ausrichtung geändert oder gefestigt werden.
  3. Die Motivation: Eine Auswechslung muss nicht nur immer taktische Absichten haben. Es können damit gezielt motivationale und emotionale Impulse gesetzt werden. Sei es damit zu zeigen, dass das momentan Gebotene nicht ausreicht und das Team dadurch aufzurütteln, oder auch neue positive Stimmung und Energie ins Spiel zu bringen.

Solltet Ihr als Trainer vor dem Problem stehen, einen beliebten Spieler aus einer der genannten Gründe auswechseln zu müssen, was negative Reaktionen der Fans heraufbeschwören würde, nutzt die Halbzeitpause. Hier passieren die personellen Wechsel ohne die öffentliche große Bühne.

 

Quellen:

Geyer, H. (2009). Auswechselverhalten im Fussball – eine empirische Analyse. Sport und Gesellschaft, 6(1), 47-69.

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Jürgen Walter und Valeria Eckardt: Das Informationsproblem der Sportpsychologie

Vier von fünf deutschen Leistungssportlern fühlen sich wenig bis gar nicht über Leistungsangebote der Sportpsychologie informiert. So lautet ein alarmierendes Ergebnis einer Studie von Jürgen Walter und Valeria Eckardt, die im Rahmen einer Online-Befragung den aktuellen Stellenwert der Angewandten Sportpsychologie beleuchtet haben. Interessant: Demgegenüber belegt die Studie, dass jüngere Sportler nicht nur offener gegenüber sportpsychologischen Maßnahmen sind, sondern dieser auch einen höheren Stellenwert beimessen.

In den vergangenen Jahren ist immer wieder eine ausbleibende Etablierung der Angewandten Sportpsychologie in Deutschland bemängelt worden: Ihr Stellenwert sei im Vergleich mit anderen Fachrichtungen wie der Sportmedizin oder der Physiotherapie vergleichsweise gering. Obwohl etwa aus einem Report des Bundesinstituts für Sportwissenschaft (BISp) hervorgeht, dass Bedarf und Nachfrage qualifizierter sportpsychologischer Beratung im Leistungssport gestiegen sind, verhindern strukturelle Barrieren weiterhin eine feste Integration und eine geregelte Inanspruchnahme. Der Kern des Problems liegt dabei meistens in einer unzureichenden Verknüpfung von Forschung und Anwendung: Athleten und Trainer begegnen der Sportpsychologie zwar positiv, hadern aber mit der Integration in den Praxisalltag. Informationslücken über sportpsychologische Angebote erschweren eine Inanspruchnahme zusätzlich.

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Viele deutsche Sportverbände haben reagiert und sich für die feste Integration der Sportpsychologie in den modernen Leistungssport ausgesprochen. Fußball-Nachwuchsleistungszentren etwa sind seit Oktober vergangenen Jahres verpflichtet, einen Sportpsychologen zu installieren. Seit 2003 werden auch von Seiten des BISp und des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) diverse Maßnahmen zur strukturellen und finanziellen Unterstützung sportpsychologischer Betreuungsleistungen eingeleitet. Die Zahl von noch fünf eingebundenen sportpsychologischen Experten und Expertinnen vor dem Jahr 2003 hat sich inzwischen auf etwa 30 erhöht. Ein Erfolg – und trotzdem lassen Erfahrungen aus der Praxis an einer Etablierung der Sportpsychologie zweifeln.

Unsere Studie sollte daher den aktuellen Stellenwert der Angewandten Sportpsychologie in Deutschland evaluieren. An der Online-Umfrage, die seit August 2014 auf der Website des Sportpsychologen Jürgen Walter einzusehen ist, beteiligten sich rund 300 deutsche Leistungssportler, überwiegend Männer. Erkenntnisse zu Faktoren, die eine Etablierung bislang verhindert haben, konnten erneut bestätigt werden. Ein Informationsmangel über sportpsychologische Leistungsangebote war beispielsweise bei rund 47 Prozent der befragten Sportler der erstgenannte Grund, warum sie bislang keinen Kontakt zu einem Sportpsychologen aufgenommen haben. Außerdem halten sich rund 77 Prozent der Teilnehmer für wenig bis gar nicht über Leistungsangebote der Sportpsychologie informiert. Ein fatales Ergebnis. Besonders, da die Studie ebenfalls zeigt, dass je besser die Teilnehmer über Sportpsychologie informiert waren, desto höher haben sie deren Wert und Effizienz eingeschätzt. Eine gezielte Aufklärung über sportpsychologische Leistungsangebote könnte demnach nicht nur die Kontaktaufnahme zu einem Sportpsychologen unterstützten, sondern auch einen wichtigen Schritt in Richtung Akzeptanz leisten. Vor allem aber sollten Rahmenbedingungen für ein möglichst frühes In-Kontakt-Kommen mit Sportpsychologen geschaffen werden, denn die Studie belegt ebenfalls, dass jüngere Sportler nicht nur offener gegenüber sportpsychologischen Maßnahmen sind, sondern dieser auch einen höheren Stellenwert beimessen.

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Eine weitere Problematik ist die des Images: Nicht selten wurde der Sportpsychologie in der Vergangenheit mit Vorurteilen wie dem Bild der „roten Couch“ begegnet. Ihr haftete der Ruch des Krankseins an. Basketball-Star Dirk Nowitzki etwa kritisierte das deutsche Bild der Sportpsychologen als „Seelenklempner“ scharf: Es stelle diese als Experten nur „für Sportler mit Dachschaden“ hin. Die USA hätten uns in dieser Hinsicht viel voraus. Daher wurden die Teilnehmer in der Studie auch zu ihren Einstellungen zur Angewandten Sportpsychologie befragt. So zeigt sich, dass sportpsychologische Elemente eine wichtige Rolle in puncto Erfolg und Gesundheit spielen. Die Sportler sehen die langfristige Zusammenarbeit mit einem Sportpsychologen vor allem als sinnvoll und weniger als persönliche Schwäche an. Allerdings assoziiert rund ein Fünftel die Rolle des Sportpsychologen immer noch mit Krankheit. Womöglich erklärt das, wieso sich lediglich die Hälfte der befragten Athleten die Sportpsychologie als gleichberechtigten Baustein im Trainingsalltag wünscht.

Alles in allem sehen die Studienteilnehmer die Sportpsychologie aktuell durchaus positiv – es offenbart sich jedoch ein bedeutsamer Unterschied. Frauen schätzen den Wert und die Effizienz sportpsychologischer Beratung deutlich höher ein als Männer. Diese hingegen empfinden den Kontakt zu einem Sportpsychologen weniger als Bereicherung, sondern eher als Schwäche. Eine aus Studien durchaus bekannte Tatsache, da das männliche Geschlecht sich seine Vulnerabilität nur selten eingestehen möchte.

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Erfolgreiche Maßnahmen, um überdauernden Vorurteilen und geschlechtsspezifischen Unterschieden in der Wahrnehmung sportpsychologischer Beratung entgegenzuwirken, sind positive Erfahrungen sowie eine präzise Aufklärung. Doch wie sollten Informationen über sportpsychologische Leistungsangebote am wirksamsten verbreitet werden? Wie die Studie zeigt, nehmen die meisten Athleten bislang Kontakt auf Rat eines Bekannten oder Verwandten oder einer vereinsinternen Empfehlung durch Trainer oder Mannschaftskollegen auf. Insbesondere Frauen scheinen auf diese Form der persönlichen Empfehlung zu setzen. Soziale Medien, Websites oder die Presse bleiben bislang zurück. Und das obwohl Erfahrungen aus der Praxis ein anderes Bild zeigen: Eine Mehrheit derer, die der Sportpsychologe Jürgen Walter betreut, sind durch seine Website auf ihn aufmerksam geworden.

Fazit: Wie die Studie zeigt, kommt der Angewandten Sportpsychologie in Deutschland derzeit ein hoher Stellenwert zu – auch wenn die männliche Einschätzung sicherlich noch ausbaufähig ist. Athleten und Trainer sollten dennoch in Zukunft präziser und häufiger über sportpsychologische Leistungsangebote aufgeklärt werden. Das würde die Etablierung weiter vorantreiben und die Sportpsychologie mit einer regelmäßigen Inanspruchnahme als einen festen Bestandteil im Leistungssport integrieren.

 

 

Über die Autoren:

Foto Jürgen WalterJürgen Walter

Diplom-Psychologe, geb. 1955, verheiratet, 2 Kinder,

seit 1998: Geschäftsführer der Jürgen Walter Beratungsgesellschaft mbH, Lindenstr. 212, 40235 Düsseldorf, www.walter-sportpsychologie.de

– Sportpsychologe asp/BDP

Langjährige Erfahrung in der Durchführung von Analysen, Beratungen und Trainingsveranstaltungen für Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft im In- und Ausland. Lehrbeauftragter der Universität Köln, der Dresden International University und der Fachhochschule Remagen. Langjährige Tätigkeit als Gutachter und Superviser. Langjährige Erfahrung in der Beratung von Führungskräften und Leistungssportlern.

Referenzen u.a. (Saison 2015/16) u.a.

– BG Dorsten (Basketball Regionalliga)

– Einzelsportler (u.a. 1. Handball-BL, 1. Tischtennis-BL, 1. Fußball-BL, 1.

Fußball-BL (Frauen), DNL

Jüngste Veröffentlichungen:

– Autor: „Verkehrspsychologie für die Praxis – Wie sich Verhalten im

Straßenverkehr beeinflussen lässt“ Asanger-Verlag, Kröning, 2. Aufl. 2011

– Produzent: 65-min. Film zur Praxis der Sportpsychologie „Alles geschieht im Kopf“ mit Mats Hummels, Peter Neururer, Frank Busemann, Patrik Kühnen, Christian Keller u.a., 2016

 

Valeria EckardtValeria C.H. Eckardt

B.Sc. Psychologie, geb. 1993

– 2016: Bachelor-Abschluss Psychologie, Uni Bremen

– dreimonatiges Praktikum, in dessen Rahmen die Studie entstand, bei Jürgen Walter Sportpsychologie

– Zugang zur Sportpsychologie über Auslands-Erfahrungen in einem amerikanischen Tennis-Team

– Trainerlizenz Tennis

– Zukunftswunsch: Master in Sportpsychologie ab Oktober 2016

 

 

Literatur:

Bundesinstitut für Sportwissenschaft (undatiert). Nachfrage für sportpsychologische Betreuung, online verfügbar unter: http://www.bisp-sportpsychologie.de/SpoPsy/DE/Infoportal/Sportpsychologische_Betreuung_im_Spitzensport/Nachfrage2.html.

Ehrlenspiel, F., Droste, A. & Beckmann, J. (2011). Das Berufsfeld Sportpsychologie im Leistungssport aus der Sicht der in der Praxis Tätigen. Zeitschrift für Sportpsychologie, 18, 73-86.

Martin, S.B., Lavallee, D., Kellmann, M. & Page, S.J. (2004.) Attitudes toward sport psychology consulting of adult athletes from the United States, United Kingdom and Germany, International Journal of Sport and Exercise Psychology, 2 (2), 146-160.

Memmert, D. (2011). Interview Hans-Dieter Hermann: „Die Sportpsychologie hat viel zu bieten“. Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie, online verfügbar unter: http://www.aspsportpsychologie.org/aktuell_einzeln.

php?ID=80.

Möller-Leimkühler, A.M. (2000). Men and depression: Gender-related help-seeking behaviour. Fortschritte der Neurologie Psychiatrie, 68, 489-495.

Neumann, G. (2012). Angewandte Sportpsychologie im deutschen Spitzensport. Standortbestimmung – Entwicklungen – Strukturen – Schwerpunkte. In BISp (Hrsg.), BISp Report 2010/2011 (S. 81-97). Bonn: BISp.

Waldenmayer, D. & Ziemainz, H. (2015). Bestands- und Bedarfsanalyse sportpsychologischer Betreuung im Raum Nordbayern. Zeitschrift für Sportpsychologie, 14, 162-166.

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