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Andreas Meyer: Welches Ziel strebe ich an?

Damit der Sportler seine Ziele bestimmen kann, muss er sich bewusst werden, welche Zielart er anstrebt. Für die Zielbestimmung ist es also hilfreich zu eruieren, welche Art der Ziele der Persönlichkeit des Sportlers entspricht und wo Vorteile oder auch Risiken liegen.

Zum Thema: Zielsetzung und Motivation im Sport (Teil 2)

Das Ergebnisziel beschreibt eine Wettkampfplatzierung. Dies kann beispielsweise das Ziel sein, die gegnerische Fussballmannschaft zu schlagen, oder aber ein Turnier unter den ersten drei Mannschaften zu beenden. Dieses Ziel ist unter dem Aspekt problematisch, dass ein Sportler nicht immer den Ausgang eines Wettkampfes selbst bestimmen kann. Es kann durch äußere Umstände wie z.B. fehlerhafte Schiedsrichterentscheidungen oder eine überlegene gegnerische Mannschaft mit beeinflusst werden. Wenn das Ziel unrealistisch gesetzt ist, kann dies beim Sportler Stress und Angst vor dem Versagen auslösen, ist es jedoch realistisch, kann es einem Athleten allerdings auch dabei helfen, über einen längeren Zeitraum die Motivation aufrecht zu erhalten. Schwierigkeiten in der Auswertung der Zielerreichung können auch andersherum trügerischen Aufschluss über die Fähigkeiten des Athleten geben, z.B. wenn der Gegner sich während der Partie verletzt oder einfach extrem schlecht drauf ist. Es wäre schwierig, dieses Ergebnis in Bezug auf die erbrachte Leistung korrekt einzuordnen.

Unter Leistungszielen versteht man selbst gesteckte Ziele, welche die eigene messbare Leistung betreffen. Diese können weniger von außen beeinflusst werden, als vielmehr durch den Sportler selbst. Als Beispiel können wir die Verbesserung der Leistung des 400m Laufes aus dem ersten Teil meiner Blogserie zum Thema Ziele (Andreas Meyer: Wo führen deine Ziele hin?) aufführen. Schafft der Athlet es, sich um 0,1- 0,2 Sekunden zu verbessern, ist das Ziel erreicht, ansonsten muss das Ziel angepasst werden. Leistungsziele kann man sehr gut in einzelne Teilziele unterteilen wie zum Beispiel Leistung in der Vorbereitungsphase und Leistung in der Wettkampfphase, sowie Leistung zum Wettkampfhöhepunkt. Erreicht der Sportler diese Teilziele, kann er daraus Selbstvertrauen und Motivation schöpfen.

Teil 1:

http://www.die-sportpsychologen.de/2017/07/18/andreas-meter-wo-fuehren-deine-ziele-hin/

Ziele im strategischen Einsatz 

Als dritte Art sind die Prozess- und Handlungsziele aufzuführen. Bei dieser Art von Zielen geht es um eine Verbesserung der Handlungskompetenz, wie beispielsweise eine verbesserte Wurftechnik beim Handball oder eine verstärkte Drehstoßtechnik beim Kugelstoßen. Die Prozess- und Handlungsziele richten den Fokus auf das hier und jetzt des Athleten selbst. Es gibt keine äußeren Störgrößen und der Sportler kann seine ganze Konzentration und Aufmerksamkeit auf diese Aufgabe legen. Die Angst zu Versagen spielt bei diesen Zielen so gut wie keine Rolle, sogar im Gegenteil, durch die Fokussierung auf die technische Ausübung der Bewegung werden störende Gedankengänge unterbunden.

Für den Einsatz bestimmter Ziele ist es ausschlaggebend, in welcher Situation sichder Sportler befindet und mit welchen Persönlichkeitseigenschaften der Athlet ausgestattet ist. Ziele können auch vom Trainer strategisch eingesetzt werden, um den Sportler in seinem Selbstvertrauen zu stärken. Dafür ist es dringend erforderlich, dass der Trainer eine gute Beziehung zu seinem Schützling pflegt, ihn kennt und er weiß, was der Athlet braucht.

 

Alle Texte der Blog-Serie von Andreas Meyer zum Thema Ziele:

Teil 1:

http://www.die-sportpsychologen.de/2017/07/18/andreas-meter-wo-fuehren-deine-ziele-hin/

Teil 2:

http://www.die-sportpsychologen.de/2017/07/25/andreas-meyer-welches-ziel-strebe-ich-an/

Teil 3:

Andreas Meyer: Ziele vs. Zeit

Teil 4:

Andreas Meyer: Richtig bewerten lernen

Zur Profilseite von Andreas Meyer:

Andreas Meyer, Sportpsychologischer Experte und Sportwissenschaftler

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Thorsten Loch: Selbstwert – nur eine Frage der Leistung?

In der heutigen erfolgsorientierten Gesellschaft wird der Wert eines Menschen sehr häufig über die erbrachte Leistung definiert. In diesem Zusammenhang spielt es keinerlei Rolle, welche Bereiche des Lebens (Schule/Ausbildung/Job usw.) angesprochen werden. Diese stetige Entwicklung macht auch vor dem Nachwuchs keinen Halt. Das Streben nach Spitzenleistungen und Erfolg rückt immer mehr in den Mittelpunkt. Vermeintliche Defizite in den Bereichen Liebe, Akzeptanz und Anerkennung können durch erfolgreiches Handeln weitgehend kompensiert werden. Diese Annahme führt zwangsläufig zu dem Ergebnis, dass Erfolg das Allheilmittel aller Probleme zu sein scheint. Ein Teufelskreis beginnt, welcher den jungen Menschen an seine psycho-physischen Grenzen bringen kann.

Zum Thema: Was können Nachwuchsathleten tun, damit sie ein hohes Selbstwertgefühl entwickeln können, auch dann, wenn nicht immer der Platz an der Sonne am Ende des Tages zu verbuchen ist?

Der Umgang mit Enttäuschungen und die Verarbeitung von Niederlagen ist sehr stark von der jeweiligen Persönlichkeit und den individuellen Verarbeitungsmechanismen abhängig. Als Mensch geachtet und respektiert zu werden, auch dann wenn der sportliche Erfolg ausbleibt, stellen wertvolle Erfahrungen dar, die unseren Selbstwert stärken. Wir fühlen, ob uns der nahestehende Personenkreis ausschließlich wegen unserer Erfolge liebt und wertschätzt. Letztendlich kann sich hieraus ein Glaubensmodell nach dem Motto entwickeln: „Je mehr Leistung, desto mehr Liebe“.

Gerade diese Leistungsorientierung und das Streben nach Anerkennung fördern eine Ergebnisorientierung und reduzieren die Freude am Tun. Auf dieser Grundlage lassen sich auffällige Verhaltensweisen wie Unpünktlichkeit, sich in den Mittelpunkt stellen oder die Flucht in Krankheit (sekundärer Krankheitsgewinn) erklären. Wird die Sehnsucht nach Anerkennung und Liebe nicht durch die Leistung und Erfolge erfüllt, wird das somit entstandene Defizit auf der Habens-Ebene versucht zu kompensieren. Das zur Schau stellen von Besitztümern oder die zuvor genannten Verhaltensweisen sind Möglichkeiten, dies sich den jungen Sportlern stellen, dieses Defizit zu füllen.

Selbstwert – ein multidimensionaler Ansatz

Unter Selbstwert wird die Bewertung eines Bildes, das man von sich selbst hat, verstanden. Das kann sich auf die Persönlichkeit und Fähigkeiten des Individuums beziehen, als auch auf die verschiedenen Bereiche des Selbstkonzeptes wie z.B. Soziales, Emotionales oder Physisches (vgl. Wörz, 2010). Schütz und Selin (2006) betonen in diesem Zusammenhang, dass mehrere „Selbstwertbereiche“, wie soziale Beziehungen, körperliche Befindlichkeiten, emotionale Stabilität und Leistungsfähigkeit den Selbstwert definieren. So kann der Mensch, je nachdem wo dieser hinschaut, zu unterschiedlichen Selbstwerten bei sich kommen. Die Problematik besteht darin, dass der Mensch seinen subjektiven Fokus eher auf jene Bereiche richtet, welche bedroht sind und sich somit selbst entwertet. Hinzu kommen häufig unrealistische Vergleichsstrategien, die zu zusätzlichen Selbstwertproblemen führen.

Dr. René Paasch: Selbstvertrauen im Fußball

Nach Schütz (2003) liegen wertvolle Quellen des Selbstwerts in den eigenen Erfolgen und der individuellen Fähigkeit zur Grundhaltung der Selbstakzeptanz („Ich bin wie ich bin!“), in der Zufriedenheit und Geborgenheit, funktionierender sozialer Beziehungen sowie in der sozialen Kontaktfähigkeit. Je perfektionistischer und ergebnisorientierter und je weniger wir uns mit unseren Fehlern und Schwächen annehmen, umso eher erleben wir unseren Selbstwert als bedroht. Deshalb stellt die Entwicklung von mehr Selbstakzeptanz einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu einem starken und belastbaren Selbstwert da.

Selbstwertmanagement – Maßnahmen der Intervention

Innezuhalten und achtsam zu werden ist der erste wichtige Schritt. Die Änderung der Einstellung hinsichtlich der Akzeptanz der aktuellen Situation, wie es jetzt gerade ist, kann durch spezielle, einfache Wahrnehmungsübungen im Alltag geschult werden. Ziel ist es, der negativen Spirale der Selbstentwertung zu begegnen und den inneren Kritiker zu einem wohlwollenden Begleiter zu transformieren. Für die Umsetzung des Selbstwerttrainings empfiehlt sich u.a. ein „Tagebuch des Wohlwollens“. Dieses und noch weitere Übungen erhalten sich auf Anfrage beim Verfasser.

Zur Profilseite von Thorsten Loch:

http://www.die-sportpsychologen.de/profile/thorsten.loch/

Literatur:

Schütz, A. (2000). Psychologie des Selbstwertgefühls. Von Selbstakzeptanz bis Arroganz. Stuttgart: W. Kohlhammer.

Schütz, A./Sellin, I. (2006). Die Multidimensionale Selbstwertskala (MSWS). Göttingen: Hogrefe.

Wörz, T./Lecheler, J. (2010). Die Psyche des Leistungssportlers. Lengerich: Pabst Science Publishers.

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Andreas Meyer: Wo führen deine Ziele hin?

Der Sportler kann durch das bewusste und systematische Setzen von Zielen seine eigene Motivation verbessern und gleichzeitig einen Beitrag zur Trainingssteuerung leisten. Bei der Zielsetzung sollte er allerdings dringend einige Aspekte beachten, damit auch die erwünschte positive Wirkung erzielt wird. Eine gut und strategisch geplante Zielsetzung führt zu vielen leistungssteigernden Benefits für den Sportler. Nicht nur, dass an Hand der gesteckten Ziele die Wirkung des Trainings überprüft werden kann, sondern vor allem auch, dass die Motivation, die Selbstwirksamkeitsüberzeugung und das sportliche Selbstvertrauen, bei Zielerreichung ansteigen.

Zum Thema: Zielsetzung und Motivation im Sport (Teil 1)

Damit die zu erreichenden Ziele optimal gesetzt werden, sollte man als Grundlage die SMART-Regel beachten. 

Spezifisch:

Es ist von größter Bedeutung, dass die Ziele spezifisch genug gesetzt werden, sodass man sie im Nachhinein sinnvoll auswerten kann. Setze ich mir beispielsweise das Ziel, mich beim Laufen zu verbessern, dann ist es schwierig überprüfbar. Es bleiben die Fragen offen, auf welcher Laufstrecke, auf welchem Untergrund, über welche Distanz oder um welche Zeit ich mich verbessern will.

Deutlich besser wäre es das Ziel möglichst detailliert aufzuführen: Ich möchte mich auf der 400m Strecke auf der Stadionrundbahn um 0,1- 0,2 Sekunden verbessern.

Messbar:

Nur ein durch Messung überprüfbares Ziel, macht für die anschließende Auswertung einen Sinn. In einer Sportart, in der es um Zeiten und Weiten (beispielsweise in der Leichtathletik) geht, stellt dies meist kein Problem dar. Aber stellen wir uns vor, ich hätte mir das Ziel gesetzt, bei falschen Schiedsrichterentscheidungen weniger zu meckern. Dies ist nur dann messbar, wenn es Aufzeichnungen über mein bisheriges Verhalten und mein neues Verhaltens gibt. In einem solchen Fall sollte man entweder das Ziel anpassen, an eine Situation, die ich überprüfen kann oder man muss sich ein passendes Messinstrument zulegen (Spielbeobachter, Co-Trainer oder ähnliches). In diesem Falle sind zum Beispiel Spieler- oder Spielstatistiken ein wertvolles Tool.

Akzeptiert:

Das festgelegte Ziel muss in jedem Falle vom Sportler akzeptiert sein. Das heißt nicht, dass er es selbst festgelegt haben muss. Aber er muss damit einverstanden sein und bestätigen, dass auch er genau dieses Ziel erreichen möchte. An dieser Stelle kann oft ein vom Sportler aufgesetzter und unterschriebener Commitment-Vertrag sinnvoll sein, wodurch die Compliance des Athleten eingeholt wird. Hier schreibt der Sportler aus Ich-Perspektive auf, was er erreichen möchte und setzt als Zeichen seiner Selbstverpflichtung gegenüber diesem Ziel seine Unterschrift darunter.

Realistisch:

Der Hobbysportler wird nicht von einer Zielsetzung profitieren, wenn er sich vornimmt im nächsten Jahr Olympiasieger zu werden. Genau so wenig bringt es dem Profisportler, wenn er als Ziel angibt, den bekannterweise schlechteren Kreismeister schlagen zu wollen. Die Ziele müssen realistisch sein. Sie sollten so gewählt werden, dass der Sportler sie mit einer deutlichen bis maximalen Anstrengung erreichen kann. Der Hobbysportler in unserem Fall wird nur negative Erlebnisse davontragen, da er jedes Mal sein Ziel nicht errreichen und somit versagen wird. Dem Profisportler kann sein Ziel auch ohne größeren Aufwand erringen, wenn er schon die letzten 20 mal den Kreismeister geschlagen hat, als es zu einem Aufeinandertreffen kam. Er wird somit von dieser Zielsetzung keinen zusätzlichen Motivationsschub erhalten.

Ein bereits gesetztes Ziel kann aber auch (beispielsweise durch eine Verletzung) plötzlich unrealistisch werden. Daraufhin ist ein neues Ziel zu wählen oder das alte Ziel anzupassen.

Terminiert:

Um das Erreichen eines Ziels auswerten zu können, bedarf es einer Terminierung. Ansonsten wird es nie zu einer Auswertung der Zielsetzung kommen. Gut gesetzte Ziele können in Teilziele zerlegt werden, welche dann beispielsweise einem Saisonverlauf terminieren. Wenn nach Ablauf der Frist das Ziel überprüft und auf Erreichen oder Nichterreichen ausgewertet wird, muss ein neues Ziel gewählt oder das alte Ziel angepasst werden.

 

Alle Texte der Blog-Serie von Andreas Meyer zum Thema Ziele:

Teil 1:

Andreas Meyer: Wo führen deine Ziele hin?

Teil 2:

Andreas Meyer: Welches Ziel strebe ich an?

Teil 3:

Andreas Meyer: Ziele vs. Zeit

Teil 4:

Andreas Meyer: Richtig bewerten lernen

Zur Profilseite von Andreas Meyer:

Andreas Meyer

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Dr. René Paasch: Von wegen ein “einfacher Pass” – Exekutivfunktionen im Fußball

Eines vorweg: Das, was jetzt kommt, müssen sie wollen. Richtig wollen! Wenn sie also Fußball “nur so bei Weltmeisterschaften” beobachten, führt der Text zu weit. Sollten Sie als Spieler, Trainer oder Nerd immer den Hang haben, den Dingen auf den Grund zu gehen, lade ich Sie gern ein, den Beitrag bis zum Ende zu lesen. Bis dahin, so viel ist versprochen, wird der einfache Pass in einem Fußballspiel für Sie kein einfacher Pass mehr bleiben. Als Dankeschön für diese Willensleistung habe ich am Ende noch ein paar gut umsetzbare Übungen angeheftet, mit dem Sie aus dem Erlernten etwas für die Praxis machen können.

Zum Thema: Exekutivfunktionen im Fußball trainieren!

Also dann: Stellen Sie sich die folgende Situation vor: Ein Spieler hat den Ball. Was soll er damit anstellen? Und hier fängt das Problem an. Oder besser formuliert: Der Spieler steht vor der ersten kognitiven Stufe, die es zu bewältigen gilt. Denn in derselben Zeit, in der er die aktuelle Situation zu meistern versucht, muss der Spieler wissen und sich daran erinnern, was man von ihm erwartet. Um Fußball spielen zu können, benötigt ein Spieler also die kognitiven Fähigkeiten. Wenn Sie das kurz sacken lassen, haben Sie schon jetzt eine Vorstellung davon, wie wichtig die exekutiven Funktionen im Fußball sind.

„Den Fußball von gestern sollten wir respektieren, den Fußball von heute studieren und den Fußball von morgen antizipieren!“

Bora Milutinovic (Serbischer Erfolgstrainer und Welttrainer)

Schauen wir uns das genauer an, was es mit Kognition und exekutive Funktionen auf sich hat: An erster Stelle stehen die eintreffenden Signale. Durch die Wahrnehmung empfängt der Fußballer sehr viele Signale. Es sind unglaublich viele Reize, die unsere Sinne erreichen. Bei diesem Informationsfluss entscheidet die Aufmerksamkeit und unsere Erfahrungen darüber, was unser Bewusstsein erreicht. Das Sehen – als einer der Sinne, durch die man Informationen empfängt, ist für einen Fußballspieler ein äußerst wichtiger Informationskanal. Aber nicht nur: Um das richtige Gefühl für den Ball zu bekommen, muss der Spieler außerdem auf die von seinen Füßen ausgehenden Empfindungen achten. Eine weitere wichtige Sinneswahrnehmung ist das Körperbewusstsein insgesamt, wie bspw. die Standfestigkeit.

Informationsverarbeitung

Das Hören ist eine weitere Informationsquelle. Das vom Ball ausgehende Geräusch vermittelt Informationen über Richtung und Geschwindigkeit. Der Atem anderer Spieler informiert über ihren Abstand und ihre Geschwindigkeit u.v.m. Und schließlich steht am Spielfeldrand der Trainer, der sich um die Aufmerksamkeit der Spieler bemüht. Als nächstes folgt die Informationsverarbeitung. Dabei werden die eintreffenden Signale mit früheren Erfahrungen und Kenntnissen verglichen; so kann man sich ein Bild davon machen, was vor sich geht. Versetzen Sie sich in die Lage eines Spielers: Vor sich sehen Sie einen anderen Spieler. Am Trikot können Sie sehr schnell erkennen, welche Zugehörigkeit der Spieler hat. In Ihrem Arbeitsgedächtnis vergleichen Sie die Farben, mit den Farben Ihrer Mannschaft. Vom Gedächtnis erhalten Sie die Information, dass Ihre Mannschaft in weißen Trikots spielt. Der Spieler vor Ihnen hat ein rotes Trikot. Anhand dieser Information wissen Sie also, dass es sich um einen Spieler der gegnerischen Mannschaft handelt. Sie prüfen den Zustand des Spielfelds, Ihre Körperhaltung, die Geschwindigkeit Ihres Körpers, die Position des Balles u.v.m. Schließlich werden diese Informationen im Arbeitsgedächtnis aufgenommen, um eine Gesamtanalyse zu erstellen. Darauf folgt dann die Reaktion, die Entscheidung darüber, ob Sie aufgrund der Informationen, etwas ganz bestimmtes tun oder unterlassen. Anbetracht dieser Komplexität „Exekutivfunktionen“ möchte ich Ihnen nun näheres dazu erläutern.  

Es geht um die Fähigkeit der Entscheidungsfindung. Die exekutiven Funktionen überwachen die Aufnahme der Informationen, deren Verarbeitung und das Verhalten. Der ganze Prozess ist ausgerichtet auf das Ziel. Um bei der Erreichung des Ziels möglichst erfolgreich zu sein, muss man die eintreffenden Informationen ständig aktualisieren und anpassen. Die Informationsverarbeitung muss bewertet werden sowie die Reaktion nach außen.  Bedingt durch Veränderungen des Umfelds muss man häufig zwischen verschiedenen Verhaltensweisen wechseln, um bessere Ergebnisse zu erzielen. Ball und Fuß sind nur die letzten Glieder einer komplizierten Kette aus Daten, die vom Gehirn kognitiv verarbeitet werden. Heute wissen wir, dass es möglich ist, das Gehirn weiterzuentwickeln, und wir wissen auch, dass es etwas mit dem Verlegen neuer Leitungen zu tun hat. Es ist also durch Training möglich, neue Bahnen zur Erneuerung oder Erweiterung der Leistungsfähigkeit menschlicher Kognition auszubilden. Doch bevor man eine Strategie über das Training der Gehirnentwicklung entwerfen kann, muss man genauer wissen, wie das Gehirn im Fußball funktioniert.

Wie das Gehirn im Fußball funktioniert

Wer sind die Gegner? Welche Anweisungen hat mir der Trainer gegeben u.v.m? Das war ein Beispiel für die Entscheidungskette bei einem Spieler. Natürlich hatte er keine Zeit, sich dessen bewusst zu werden. Der Spieler sieht es wahrscheinlich als Instinkthandlung an, aber das stimmt so nicht, führt hier aber zu weit.

Stattdessen folgen einige Beispiele dafür, wie die exekutiven Funktionen im Fußball funktionieren. Ich starte mit Umsichtigkeit, kognitiver Flexibilität, Mehrfachverarbeitung, Inhibitorische Kontrolle, Kreativität und dem Arbeitsgedächtnis.

Thorsten Loch: Die unterschätzte Bedeutung der Sportpsychologie in der Verletzungsrehabilitation

Umsichtigkeit

Bevor man Handlungen im Fußball ausführt, muss man die Situation umsichtig prüfen. Das Ziel ist es, den Ball ins Tor zu bringen und schaut sich nach Mitspielern um, die einem dabei helfen können. Außerdem hält man Ausschau nach Gefahren (gegnerischen Spielern). Wir erhalten durch unsere Sinne sehr viele Eindrücke gleichzeitig, doch wenn wir all diese Informationen in unser Bewusstsein ließen, würden wir wegen Überlastung nicht weiter machen. Um zu überleben, differenzieren wir die wichtigen Informationen, die in einer bestimmten Situation bedeutsam sind. Da wir alle mit verschiedenen Genen geboren werden und in unterschiedlichen sozialen Umgebungen aufwachsen, ist die Umsichtigkeit der Menschen in verschiedener Weise ausgeprägt. Fußballspieler haben jeweils einen unterschiedlichen Blick auf das Spielfeld. Einige achten eher auf sich bewegende Gegenstände, andere schauen nach den Mitspielern, wieder andere konzentrieren sich  auf die Spieler der gegnerischen Mannschaft. Wegen der Schnelligkeit des Spiels benötigt ein Leistungskicker eine sehr schnelle Auffassungsgabe und Umsichtigkeit, die auch in der Lage sind, in einer bestimmten Situation des Spiels anzupassen.  

Kognitive Flexibilität

Im Fußball ist kognitive Flexibilität unabdingbar. Um erfolgreich zu sein, muss ein Spieler kognitiv sehr flexibel sein. Er muss den Fokus zwischen verschiedenen Spielsituationen schnell erkennen und entsprechend reagieren.  

Aber das ist noch nicht alles. Der Spieler muss auch das Umfeld prüfen (Das Spielfeld, den Wind, die Witterung usw.) Fußball ist ein schnelles Spiel, das von einer riesigen Menge verschiedener Variablen gleichzeitig beeinflusst wird. Um erfolgreich zu sein, benötigt ein Spieler eine extrem schnelle und genaue kognitive Flexibilität. Beim Fußball geht es darum, ständig den Fokus zwischen einer großen Zahl von Gegenständen und Variablen zu wechseln.  

Mehrfachverarbeitung und Inhibitorische Kontrolle

Beim Fußball dreht sich alles um Mehrfachverarbeitung. Wer im Fußball Erfolg haben will, muss in dieser Fähigkeit richtig gut sein. Beim Fußball gibt es zweiundzwanzig Spieler mit unterschiedlicher Physis, Technik und Erfahrung. Der Trainer setzt die Spieler für verschiedene Taktiken ein. Die Spieler laufen auf einem 68 x 105 Meter großen Rasenstück herum, dessen Zustand sich wetterbedingt ändern kann. Hinzu kommt, dass all diese Spieler verschiedene Fähigkeiten im Hinblick auf ihre Kognition aufweisen. Eine Folge davon ist, dass die Mehrfachverarbeitung unerlässlich ist. Ein Spieler hat den Ball. Ein Blick nach links zeigt ihm einen Mitspieler, der sich frei läuft. Er beginnt zu berechnen, wie er den Pass spielen muss, damit der Mitspieler den Ball annehmen kann. Gleichzeitig muss der Spieler einen parallelen Prozess starten; er muss in seinem Arbeitsgedächtnis suchen und frühere Erfahrungen hervorholen, wie bspw. das Laufvermögen des Mitspielers und dessen Fähigkeit, einen Pass bei hoher Geschwindigkeit anzunehmen. Während all das geschieht, wird die Aufmerksamkeit des Spielers auf einen Verteidiger der Gegenmannschaft gelenkt, der sich von rechts nähert, um den Pass zu unterbinden. Jetzt beginnt ein weiterer Prozess; der Spieler berechnet, ob er genug Zeit hat, den Pass zum Mitspieler zu bringen, bevor der Verteidiger Probleme macht. Sie sehen also, die Spieler benötigen eine ziemlich gute Fähigkeit zur Mehrfachverarbeitung.

Der Spieler muss sich jetzt entscheiden, ob er den Ball zu seinem Mitspieler passen soll oder nicht. Wird der Verteidiger in der Lage sein, den Pass zu unterbinden? Jetzt muss der Spieler innehalten und den Prozess des Passens zu seinem Mitspieler anhalten. Aber das ist nicht einfach, da die ganze Maschinerie des Passens bereits angelaufen ist. Signale haben denjenigen Teil des Gehirns erreicht, der für die motorischen Fähigkeiten des Spielers zuständig ist. Auch in dem Teil, der für Standort, Entfernung und sich bewegende Gegenstände zuständig ist, sind Signale eingetroffen. Zahlreiche Informationen wurden dem Gehirn übermittelt, um diesen Pass erfolgreich werden zu lassen; daneben wurden zahlreiche Berechnungen angestellt. Dieser Prozess hat schon viel Energie gekostet. Aber das ist erst der Anfang. Um alles vorzubereiten, braucht man noch mehr Energie. Signale haben auch das sympathische Nervensystem erreicht und aktiviert. Die Muskeln, die an dem Pass beteiligt sind, sollen angeregt werden. Es ist wichtig, dass der Spieler das Gleichgewicht nicht verliert. Das Gehirn hat sich also geöffnet, um Informationen über die Qualität des Rasens einzuholen. Ist der Rasen nass? Ist der Körper des Spielers im richtigen Winkel, um den Ball spielen zu können u.v.m.

Inhibitorische Kontrolle

Die entsprechenden Informationen finden ihren Weg ins Gehirn, damit die Fragen beantwortet werden können. Neue Signale werden an das parasympathische Nervensystem ausgesandt, um diese neuen Informationen über Geschwindigkeit des Spielers, Körperwinkel und Rasenqualität die Muskelspannung zu korrigieren. Schließlich sieht der Spieler noch einmal zu seinem Mitspieler, um herauszufinden, mit welcher Geschwindigkeit und in welchem Winkel er den Ball passen muss. Wie Sie sehen, ist ein Pass zum Mitspieler tatsächlich ein umfangreicher Prozess. Er hat den Spieler schon viel Energie gekostet. Es ist nicht leicht, den Prozess, in den der Spieler schon viel investiert hat, jetzt zu stoppen. Selbst wenn der Spieler objektiv festgestellt hat, dass der Verteidiger der Gegenmannschaft den Pass abfangen wird, bedeutet das nicht, dass er ihn unterlässt. Angesichts all der Investitionen in diesen Pass wünscht sich der Spieler, dass er ankommt. Je mehr wir investiert haben, desto stärker halten wir an unserer Investition fest.

Genauso ist es im Geschäftsleben, beim Kuchen backen oder beim Fußball. Inhibitorische Kontrolle ist vielleicht das Schwierigste am Fußball. Wenn sich der Spieler für eine neue Lösung entscheidet, muss er den Körper überreden, von der Umsetzung der ersten Entscheidung abzusehen. Hierfür benötigt der Spieler eine enorme Fähigkeit, sich auf das endgültige Ziel zu konzentrieren.

Divergente und konvergente Kreativität

Bei seinen Berechnungen stößt der Spieler nun auf ein nächstes großes Problem. Spielt er den Pass, wird der Verteidiger wahrscheinlich den Ball für die gegnerische Mannschaft erobern. Jetzt schaltet sich der kreative Teil der Kognition ein. Welche Optionen hat der Spieler? Kann er zuerst zu einem Dribbling ansetzen, um den Verteidiger loszuwerden? Kann er den Pass härter spielen, damit er schneller wird und den Mitspieler erreicht, bevor ihn der Verteidiger abfangen kann? Grob lässt sie sich in die beiden Kategorien divergente und konvergente Kreativität unterteilen.

Divergente Kreativität ist ein durch keine Grenzen eingeschränkter Schöpfungsakt. Man sieht Dinge aus einem Blickwinkel, der anderen bisher unbekannt war. Man sieht, wie die Dinge in unterschiedlichem Zusammenhang stehen. Das ist die Kreativität, die im Großen wirkt. Die divergente Kreativität ist die Grundlage, auf der neue Ideen entstehen. Diese allgemeine Fähigkeit einzusetzen, ist unschätzbar wertvoll. Die konvergente Kreativität wirkt etwas anders. Hier geht es darum, innerhalb bestimmter Rahmenbedingungen etwas zu schaffen. Sie müssen eine Lösung finden und aus dem, was Sie besitzen, etwas machen. Das ist operative Kreativität, hier und jetzt. Erfolgreiche Spitzenfußballer haben im Bereich der konvergenten Kreativität extreme Fähigkeiten. Als Gruppe weisen sie eine durchschnittliche Standardabweichung von zwei bis drei über dem Durchschnitt der Normalbevölkerung auf. Nur eine von tausend Personen hat diese Fähigkeit! Für den Erfolg als Fußballer ist das vielleicht die wichtigste Fähigkeit.

Arbeitsgedächtnis

Wir haben uns jetzt mit Aufmerksamkeitsfähigkeit, Umsichtigkeit, kognitive Flexibilität, Mehrfachverarbeitung, Inhibitionsfähigkeit und Kreativität beschäftigt. Die Regeln der exekutiven Funktionen, werden vom exekutiven Arbeitsgedächtnis gesteuert. Das ist die Zentrale, in der alle Informationen zusammenlaufen. Die Eingaben, die wir mit unseren Sinnen gefiltert haben, treffen abhängig von den exekutiven Regeln hier ein. Auch die dem Gedächtnis entnommenen Informationen werden durch die exekutiven Regeln hier eingestellt und mit den neu eingetroffenen Informationen sowie der laufenden Situation in Verbindung gebracht und verglichen. Die Grenzen dessen, wie viele Informationen wir gleichzeitig verarbeiten können, werden von der Leistungsfähigkeit und Schnelligkeit des Arbeitsgedächtnisses gezogen.

Zuerst trifft der Spieler die wichtige Auswahl, worauf er sich konzentrieren soll. Damit folgt er den Regeln der exekutiven Funktionen. Danach werden die Informationen in das Arbeitsgedächtnis transportiert, wo der Spieler alle Informationen über die laufende Situation verarbeitet und mit Erfahrungen aus der Vergangenheit verknüpft. Dann muss der Spieler diejenigen Informationen auswählen, die am wichtigsten sind. Im Arbeitsgedächtnis, führt der Spieler eine Analyse durch und stellt Informationen aus den Erfahrungen früherer Spiele zusammen. Dabei geht es um die Fähigkeiten des Gegenspielers  und wie lautet nochmal die taktische Grundausrichtung? Was alles noch schwerer macht, ist die Tatsache, dass Fußball ein dynamischer Sport ist. Während das Arbeitsgedächtnis die Informationen zur Kenntnis nimmt, muss es gleichzeitig ständig aktualisieren und neue Informationen hinzufügen. Reichen Schnelligkeit und Kapazität des Arbeitsgedächtnisses nicht aus, ist der Spieler überfordert und nicht mehr in der Lage, den stetigen Informationsfluss zu bewältigen. Somit verliert er die früheren Informationen bzw. die Fähigkeit, eine Analyse durchzuführen.

Der Mensch – ab und zu überfordert wie ein Computer

Das menschliche Arbeitsgedächtnis gleicht dem Arbeitsspeicher eines Computers. Wenn der zu klein ist, kann der Computer keine simultanen Verarbeitungen in verschiedenen Programmen ohne Verzögerung durchführen. Mit den Menschen ist es genauso. Sind Kapazität und Schnelligkeit des Arbeitsgedächtnisses zu knapp bemessen, wird der Spieler mit der großen Menge schnell eintreffender Informationen für die Entscheidungsfindung nicht mehr fertig.

Wie berichtet, bestand der erste Plan des ballführenden Spielers darin, einen Pass zu einem Mitspieler zu schlagen. Dann erschien ein Verteidiger der gegnerischen Mannschaft und der Spieler musste seine Entscheidung überdenken. Durch Kreativität kam der Spieler auf die Idee, den Verteidiger auszuspielen. Doch anhand einer weiteren Berechnung stellte der Spieler fest, dass das zu riskant wäre. Die vom episodischen Gedächtnis ans Arbeitsgedächtnis übermittelten Informationen sagten dem Spieler, dass er beim letzten Mal, als er auf den Verteidiger traf, fast jede Eins-zu-eins-Situation verloren hat. Jetzt werden Alternativsignale ausgesandt. Die Umgebung wird nach einem anderen als Anspielstation in Frage kommenden Mitspieler abgesucht. Zu seiner Rechten hört der Spieler einen seiner Mitspieler rufen: „Zu mir!“ Aus seinem Arbeitsgedächtnis holt der Spieler die Information, dass er kurz vor seiner Entscheidung, nach links spielen möchte. Dort steht ein besser positionierter Außenstürmer. Aus dem Arbeitsgedächtnis erhält der ballführende Spieler außerdem die Information, dass in dem Bereich, in dem sich der Außenstürmer jetzt aufhält, kein Verteidiger war. Selbst wenn also der ballführende Spieler die gegenwärtige Position noch nicht visuell überprüft hat, kann er ziemlich sicher sein, dass er anspielbar ist. Er entscheidet sich daher für den Pass auf den Außenstürmer.

Fazit:

Wenn alles passt, kommt der Ball also beim Mitspieler an. So einfach und doch so unheimlich komplex. Und weshalb ist dieses theoretische Wissen in der Praxis sinnvoll? Weil es sich mit vergleichsweise einfachen Methoden –  OK, es ist komplexer als 4-gegen-2 – ins Training integrieren lässt und die Spieler besser macht.

Wir wissen, wie man die Muskelkraft stärkt und den Spieler technisch sowie taktisch schult. Doch wenn man Spieler in die Lage versetze will, die oberste Stufe ihrer Spielintelligenz zu erreichen, muss man tiefer gehen. Dabei sollten die Exekutivfunktionen und die kognitiven Fähigkeiten eines Spielers zu Rate gezogen werden. Beispielhaft habe ich Ihnen hier ausgewählte Übungen zusammengefasst.

Dr. René Paasch: Selbstwirksamkeit im Fußball

Praktische Einheit nach Matthias Nowak & Torbjörn Vestberg:

Fintieren nach verschlüsselten Trainerkommandos: “Clevere-Finten“ verlangen von den Spielern einiges mehr, denn sie sollen nicht nur eine Finte ausführen. Auf Zuruf sollen sie dann eine von diesen Finten ausführen. Auch das wäre noch zu einfach, deshalb können Sie den Zuruf verschlüsseln und die Spieler müssen kombinieren, zunächst im Kopf und dann mit den Beinen. Vom Kopf in den Fuß gespielt, verlangt nicht immer nur den klugen Einsatz der Spieler, auch Sie als Trainer sind gefordert. Gute Vorbereitung auf die Übungsinhalte und das Einbringen ihrer eigenen Ideen, lassen die Übungen zu Highlights werden.

Überlegen Sie, welche Finten Sie von ihrem Team verlangen können und den Spielern müssen die Namen der Finten geläufig sein. Hier kann es nur Beispiele geben, ob Ihre Spieler diese beherrschen, können nur Sie wissen.

Organisation:

A – Ein abgestecktes Fintenquadrat als Übungsfeld, die Größe ist abhängig von der Spieleranzahl

  • Jeder Spieler hat einen Ball zur Verfügung

So geht’s:

Deutlich wird der Ablauf mit einem Beispiel. Unser Trainer hat sich bei den Zurufen für Städtenamen entschieden. Diese Städtenamen hat er sich vor Trainingsbeginn genau überlegt und verinnerlicht, damit es keine unpassenden Zurufe gibt. Im Warm-up Dribbel-Quadrat trainieren die Spieler zunächst, welcher Buchstabe für welche Finte steht, damit im  Übungsverlauf keine Missverständnisse auftreten.

Zum Beispiel:

D = Ausfallschritt

I = Rivelino

E = Schere

M = Ronaldo

B – Die Spieler bewegen sich mit freiem Dribbling im Übungsquadrat

C – Der Trainer ruft „Dortmund“, die Spieler führen folgende Finten aus und zwar genau in der Reihenfolge:

 

„DORTMUND!

D = Ausfallschritt

M = Ronaldo

D = Ausfallschritt

Das Ganze soll natürlich schnellstmöglich ausgeführt werden.

Hier noch ein weiteres Beispiel, der Trainer ruft und folgende Finten

sind in dieser Folge zu absolvieren:

 

„BERLIN“

E = Schere

I = Rivelino

Varianten:

  • Weitere Finten bzw. Ausführungsarten bestimmen. Reduziere zum

Beispiel die Anzahl der Finten auf 3 Finten, dafür wird mit 6 Buchstaben gearbeitet. Jeder Buchstabe steht dabei für die Ausführung entweder mit dem rechten oder linken Fuß

  • Schwierige Städtenamen wählen
  • Im Übungsablauf die Buchstabenzuweisung der Finten ändern
  • Die Spieler müssen laut vor der Ausführung der Finten die Gesamtzahl an Buchstaben rufen, die im Städtenamen vorkommen

 

  • Ländernamen nennen und dabei wird nur der letzte Buchstabe als Trickbewegung ausgeführt
  • Jetzt von rechts nach links scannen
  • Wir nennen jetzt zwei Städtenamen so zeitversetzt, dass bei Zuruf des zweiten Städtenamens die Spieler wechseln sollen. Bedeutet, die Spieler beenden sofort ihre Aufgabe mit der „Abarbeitung“ der ersten Stadt beginnen zügig mit der Anforderung für die neue Aufgabe. In der erstgenannten Stadt sollten immer mindestens 2 Finten-Buchstaben zur Verfügung stehen
  • Zuerst führen die Spieler die im Städtenamen enthaltenen Finten aus und anschließend sofort die Finten, die im Namen nicht enthalten sind.

Beispiel: Der Trainer ruft „BERLIN“. Die Spieler sollen dann zuerst die Schere (E) , dann den Rivelino (I) und anschließend den Ronaldo und den Ausfallschritt ausführen. Die Reihenfolge in der Abarbeitung bei den beiden letzten Finten ist dabei egal

 

Coaching-Tipps:

  • Die Städtenamen hast du dir bereits vor dem Training gut überlegt. Beginne mit kurzen Namen, „GARMISCH-PATENKIRCHEN“ kommt später 😉
  • Am Anfang zeitliche Abstände zwischen den Ansagen je nach Leistungsstand beachten

 

Literatur

  1. Memmert, D. (2011) Creativity, expertise, and attention: Exploring their development

an their relationships. Journal of Sport Science, 29 (1): 93-102.

  1. Casanova, F., Oliveira, J., & Williams, M. (2009) Expertise and perceptual-cognitive

performance in soccer: a review. Rev. Port. Cien. Desp. 9(1): 115-122.

  1. Mann, D.T., Williams, A.M., Ward, P., & Janelle, C.M. (2007) Perceptual-cognitive

expertise in sport: a meta-analysis. Journal of Sport and Exercise Psychology, 29(4): 457-478.

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Dr. René Paasch: Resilienz im Fußball

Es gibt Sportler, die nichts aus der Bahn zu werfen scheint. Sie verzweifeln nicht an sportlichen Niederlagen oder medialen Aussagen, sondern wachsen sogar daran. Was unterscheidet diese Sportler von denjenigen, die mit Rückschlägen oder verlorenen Spielen hadern und manchmal sogar daran zerbrechen? Das Wort lautet Resilienz: Manche Menschen sind immun gegen Angriffe von außen. Haben solche Stehaufmännchen einfach Glück gehabt, weil ihnen diese hilfreiche Fähigkeit in die Wiege gelegt wurde, oder kann jeder lernen, resilient zu sein?

Zum Thema: Lässt sich Resilienz im Fußball trainieren?

Der Begriff Resilienz kommt aus dem lateinischen resilire, was „zurückspringen“ bedeutet. Ursprünglich wurde der Begriff in der Physik für die Eigenschaft von Werkstoffen verwendet, die sich verformen lassen und dennoch in ihre alte Form zurückfinden (z.B. Schaumstoff) (Scharnhorst, 2012). Sie ist die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen zu bewältigen und sie durch Rückgriff auf persönliche, sportliche und sozial vermittelte Ressourcen als Anlass für Entwicklungen zu nutzen, ohne sich dabei grundlegend zu ändern (Newman 2009, S.6). Mit Resilienz eng verwandt sind Salutogenese, Widerstandsfähigkeit, Bewältigungsstrategie und Selbsterhaltung. Resiliente Sportler/innen besitzen somit eine seelisch hohe Widerstandskraft und Beweglichkeit und sind deswegen psychisch immun gegen die Angriffe des Leistungssports. Die wesentlichen Faktoren, die Resilienz beeinflussen, sind personale Faktoren, Umwelteinflüsse und Prozessfaktoren. Zu den Umweltfaktoren gehören die Unterstützung durch die Familie, seine Kultur oder die sportliche Gemeinschaft. Zu den personalen Faktoren gehören kognitive (z. B. Intelligenz, Deutungs- und Sinngebungsmodelle der Realität) wie auch emotionale, also z.B. seine Fähigkeit, Emotionen und Handlungen zu kontrollieren, die Toleranz für Ungewissheit, Beziehungen aktiv gestalten zu können oder die aktive Einstellung zu Problemen. Zu den Prozessfaktoren gehören u.a. die wahrgenommenen Perspektiven, die Akzeptanz des Unveränderbaren und die Konzentration aller Energien auf die zu bewältigenden und entwickelten Strategien.

Der Resilienz gegenüber steht die sogenannte Vulnerabilität – die besondere Verwundbarkeit eines Sportlers bzw. Sportlerin gegenüber negativen Einflüssen. Vulnerable Sportler/innen sind sensibel und werden besonders leicht durch negative Ereignisse und Ergebnisse verletzt und herunter gezogen.

Merkmale für Resilienz

Resilienz erzeugt eine ganz spezielle Einstellung zum Leben und Sport, die mir bei Leistungskickern/innen immer wieder auffallen:

  • Sie haben ihr Schicksal selbst in der Hand: Sie sehen Misserfolge als Zufälle und Erfolge als Ergebnis Ihrer Bemühungen.
  • Sie besitzen ein starkes Selbstwertgefühl. Unabhängig von Erfolgen halten sie sich für einen wertvollen Spieler bzw. Spielerin und Menschen.
  • Sie haben ein klares Ziel vor Augen und verfolgen dieses akribisch – bis zur Zielerreichung.
  • Sie sehen Schwierigkeiten, Krisen und Probleme als Herausforderung und Chance für Wachstum.
  • Auch in schwierigen Zeiten bleiben sie ruhig, realistisch und optimistisch.
  • Sie haben einen unerschütterlichen Glauben an die eigenen Fähigkeiten und sind in der Lage, auch das Negative in ihrem Leben zu akzeptieren.

In mehreren Untersuchungen konnten sechs personenbezogene Resilienzfaktoren identifiziert werden (Fröhlich-Gildhoff & Rönnau-Böse, 2014):

  • Selbstwahrnehmung, um seine Stärken und Schwächen einzuschätzen,
  • Selbststeuerung, um auf Emotionen und Spannungen angemessen zu reagieren,
  • Selbstwirksamkeit, für Vertrauen und Zuversicht in sich selbst, die belastende Situation bewältigen zu können,
  • soziale Kompetenz, um soziale Konflikte lösen zu können,
  • Bewältigungskompetenzen, im Umgang mit Stress,
  • Problemlösen, um in schwierigen Situationen Entscheidungen zu treffen.

Einfacher Selbsttest zum Ausprobieren

Die neuere Resilienzforschung geht davon aus, dass Resilienzfaktoren nicht angeboren oder genetisch bedingt sind. Personen entwickeln Resilienz, indem sie sich mit Problemen und Schwierigkeiten ihrer Umwelt auseinandersetzen. Damit ist Resilienz nicht als statisches Körpermerkmal zu sehen, sondern als dynamischer Anpassungs- und Entwicklungsprozess. Resilienzfaktoren können daher in jedem Lebenszyklus erworben und gelernt werden (Fröhlich-Gildhoff & Rönnau-Böse, 2014).

Dr. Michele Ufer: Gestärkt aus der Krise kommen

Sie können die nun folgenden Punkte als eine Art Selbsttest verstehen. Je öfter Sie bei den unteren Aussagen zustimmen, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass auch Sie zu den resilienten Sportlern/innen zählen:

  • Ich habe gute Teamkollegen, Freunde und ein intaktes soziales Umfeld, auf die ich mich auch in schwierigen Situationen verlassen kann.
  • Wenn mal etwas nicht klappt, versuche ich es einfach noch einmal.
  • Ich sorgen für mein Glück und Zufriedenheit, das ist mein Lebensmotto.
  • Ich weiß um meine Stärken und bin zufrieden mit mir.
  • Ich bin selbst unter Stress noch leistungsfähig und kann gut mit Druck umgehen.
  • Ich glaube selbst in schwierigen Zeiten daran, dass sich alles zum Guten wenden wird.
  • Bei Problemen suche ich aktiv nach einer Lösung.

Fazit:

Resilienz ist heute so wichtig für uns, weil wir uns mehr denn je ständig an neue Situationen im Leistungssport anpassen müssen. Diejenigen, die resilient sind, können Veränderungsprozesse besser meistern.  Sie sehen in jeder Krise die Chance auf Veränderung.

Thorsten Loch: Richtiges Handeln in der Krise

Literatur

  1. 1. Newman (2009): Resilient Cities: Responding to Peak Oil and Climate Change, Washington.
  2. Scharnhorst, J. (2012): Burnout. Präventionsstrategien und Handlungsoptionen für Unternehmen. 1. Auflage. Freiburg
  3. Fröhlich-Gildhoff, K./Rönnau-Böse, M. (2014): Resilienz. 3. Auflage. München

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Florence von Ziegler: Sportpsychologie interessierte mich erst einmal nicht…

Florence von Ziegler bei einer Bodenübung

 

In diesem Wettkampfjahr will Florence von Ziegler Kantonalmeisterin werden und einen Podestplatz an den Schweizermeisterschaften erringen. Die 22 Jahre Athletin, die drei- bis viermal die Woche in einem kleinen Verein in Hombrechtikon trainiert, nutzt seit 2016 sportpsychologische Betreuung. Im Rahmen ihrer Zusammenarbeit mit Dr. Hanspeter Gubelmann ergab sich die Möglichkeit, dass sie über mehrere Monate von der Psychologiestudentin und ihrem Mentor intensiver betreut wurde. Ihre Erfahrungen schildert die Kantonalmeisterin von 2015 und 2016 und zweifache Bronzemedaillengewinnerin bei den Schweizermeisterschaften in diesem Insiderbericht. 

Für die-sportpsychologen.ch berichtet:

Florence von Ziegler

Ehrlich gesagt: Als Teenager konnte ich mit der Sportpsychologie nichts anfangen. Erst mit der Zeit habe ich mitgekriegt, dass Elitesportler mentales Training in ihren Alltag integrieren. Damit wurde mein Interesse geweckt und ich habe begonnen, mich dafür zu interessieren. Meine erste Anwendung klingt aus heutiger Sicht banal: ich habe damit begonnen, mir vor dem Start an den Geräten die Übungen im Kopf vorzustellen. Als es dann im Gymnasium um die Themenwahl für die Maturarbeit ging, entschied ich mich für das Thema “mentales Training”. Mit dieser Auseinandersetzung stieg auch mein Interesse, daraus einen Nutzen für mich in der Wettkampfsituation zu ziehen.

Dieses Wissen allein und die naive Umsetzung meiner Ideen führten mich leistungsmässig aber nicht wirklich weiter. Ich konnte meine oftmals guten Trainingsleistungen zu selten auch im Wettkampf zeigen. Heute weiss ich, dass ich meist zu verkrampft war, sehr viel wollte und mir dabei auch grossen Druck machte. Nach einem Unfall spürte ich eine innerliche Blockade, die mich zu behindern begann. Da ich mich mit der Überwindung dieser Blockade überfordert fühlte, entschied ich mich für eine sportpsychologische Beratung. Im letzten Herbst besuchte ich das Fach Sportpsychologie an der ETH und trat mit Hanspeter in Kontakt. Der Zeitpunkt war super! Daraus entstand die Zusammenarbeit mit Hanspeter und Luisa, was mich sehr gefreut hat.

Hohe mentale Herausforderungen im Geräteturnen

Geräteturnen ist eine jener Sportarten, die sehr hohe Anforderungen an die mentale Stärke des Athleten stellt. Es geht um die Bestleistung an vier technisch anspruchsvollen, sehr unterschiedlichen Geräten – dann wenn’s zählt. Ich muss auch mit den unterschiedlichen Hallenbedingungen klar kommen, es gilt unfaire Benotungen zu verkraften, immer überzeugt aufzutreten und die Konzentration hochzuhalten. Psychische Robustheit ist gefragt, denn es gilt, den ganzen Wettkampf auf höchstem Niveau zu turnen. Abgerechnet wird erst am Schluss! Just an diesem Punkt habe ich mein grösstes Verbesserungspotential geortet. Ich hadere zu oft und zu lange mit mir, wenn eine Übung oder auch nur ein Element missglückt. Dadurch entsteht noch mehr Druck und die Folge ist meist eine Verkrampfung. Umgekehrt turne ich dann am besten, wenn ich lockerer und gelassener an die Übungen herangehen kann. An dieser positive Selbststeuerung arbeite ich momentan konsequent.

Begonnen haben wir mit Bewegungsvorstellungsübungen, die mir schon einigermassen vertraut waren. Ich lernte aber, diese präziser zu erarbeiten und gezielter einzusetzen. Trainieren heisst auch hier geplantes und vielfältiges Üben! Weiter haben wir uns mit dem Thema Musik auseinandergesetzt und Einsatzmöglichkeiten im Umgang mit einer Aktivierungsregulation entwickelt. Sehr geholfen hat mir auch das wettkampfnahe Training, vor allem mit Formen der Nichtwiederholbarkeit, mit denen ich mein Wettkampfverhalten schon im Training besser in den Griff bekomme. Aber auch in die Verbesserung meiner Rahmenbedingungen mit Studium und Leistungssport habe ich investiert. Ich versuche meinen studentischen Alltag vermehrt so zu gestalten, damit eine hohe Trainingsqualität möglich wird. Hier spielt auch die Regeneration eine wesentliche Rolle.

http://die-sportpsychologen.ch/2017/07/06/dr-hanspeter-gubelmann-die-ersten-schritte-im-feld/

Ich muss das Interesse des Sportpsychologen spüren!

Mir hat es sehr geholfen, dass Hanspeter und Luisa mich im Training und auch an einem Wettkampf betreut haben. Dies hat mir gezeigt, dass sie sehr interessiert an mir und meinen Anliegen sind, obwohl ich mit meiner Sportart nur im Inland erfolgreich sein kann. Ich spüre ihr grosses Interesse an dem, was und wie ich es mache – eben auch wenn die Disziplin nicht olympisch ist! Ich bin gewillt und motiviert, mit Unterstützung von Hanspeter auf mein grosses sportliches Ziel im November hin zu arbeiten. Ein Fokus wird weiterhin auf einem gelasseneren und selbstvertrauenden Umgang mit Rückschlägen oder widrigen Wettkampfsituation liegen.

Mein Fazit ist klar: Wer bereit ist, an sich, mit viel Fleiss und auch entsprechendem Zeitaufwand zu arbeiten, dem kann ich die Zusammenarbeit mit einem kompetenten Sportpsychologen nur empfehlen. Meine Erfahrungen der letzten drei Monate stimmen mich optimistisch. Ich bin überzeugt, dass sich dieser Aufwand auch weiterhin positiv auf meine Leistungen auswirken wird. Aber eben: Üben, Üben und nochmals Üben ist angesagt!

http://die-sportpsychologen.ch/2017/07/06/luisa-koller-wie-komme-ich-auf-die-richtigen-fragen/

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Luisa Koller: Wie komme ich auf die richtigen Fragen?

Florence von Ziegler und Luisa Koller

Es war an einem Tennisturnier in einer kleinen Stadt in Argentinien, als ich mir überlegte, Sportpsychologin zu werden. Ich war mitgereist mit einem Freund und verbrachte meine Tage hauptsächlich mit Tennis schauen, etwas zuhören und dem Versuch, im richtigen Moment das richtige zu sagen. Einige Jahre später ist mein Interesse an der Sportpsychologie nicht kleiner geworden und es hat sich die Möglichkeit ergeben, in dieser Richtung bei Dr. Hanspeter Gubelmann ein Praktikum zu absolvieren.

Für die-sportpsychologen.ch berichtet:

Luisa Koller

Obwohl ich kurz dem Abschluss meines Bachelor-Studiums in Psychologie stehe, ist mein Wissen in diesem Themenbereich noch spärlich. Es bildet keinen Inhalt im Studium – wenn, dann höchstens in Einzelteilen. Immerhin sind mir hin und wieder Begriffe geläufig und ich weiss, wovon die Sprache ist. So habe ich all die Bücher, die mir Hanspeter in sein Büro an der ETH gebracht hat, aufgesogen und versucht, gedanklich zu ordnen. Ein noch besseres Lehrmittel war aber das Zuhören, wenn ich das Glück hatte und bei Sitzungen mit Sportlerinnen und Sportlern dabei sein durfte. Eine dieser Sportlerinnen sollte dann „für mich“ sein. Quasi ein Übungsprojekt, von dem alle Seiten profitieren sollen.

Von März bis Juni war Florence ungefähr einmal pro Woche für ein Gespräch bei uns. Ich habe schnell gemerkt, dass die sportpsychologische Beratung eine abwechslungsreiche und fordernde Aufgabe ist. Was beschäftigt einen Sportler momentan? Wo liegt die Herausforderung? Ist es ein Problem im Training, im privaten Leben, etwas langfristiges oder akutes? Wo setzt man mit Lösungen an und woher nimmt man ebendiese Lösungen?

Die passenden Fragen…

Hanspeter weiss, die passenden Fragen zu stellen, manchmal ganz offene, manchmal herausfordernde. Für mich war das oft noch schwierig – den optimalen Weg zu finden, um an Informationen zu gelangen, die die Zusammenarbeit steuern und vor allem auch Probleme und Lösungen aufzeigen können.

http://die-sportpsychologen.ch/2017/07/06/dr-hanspeter-gubelmann-die-ersten-schritte-im-feld/

Bei der gemeinsamen Arbeit mit Florence habe ich gelernt, dass es ein schrittweiser Prozess ist und dass es manchmal reicht, ein scheinbar kleines Thema in einer Stunde zu besprechen und sich anzunehmen, um dann in der folgenden Woche darauf aufzubauen. Der Trainings- und Wettkampfbesuch gab auch einige Zeit später noch Einblicke und Erkenntnisse.

Eines bleibt: Die Freude am Sport und die Faszination für die Leistungen

Immer wieder schön war es, zu sehen und zu spüren, wie viel Freude, Motivation und Zielstrebigkeit Florence fürs Geräteturnen aufbringt. Etwas, dass sicher vielen Sportlerinnen und Sportlern gemein ist. Mit solch inspirierenden Persönlichkeiten regelmässig zusammenarbeiten zu können, muss sehr bereichernd sein. Auch wenn mein Praktikum sich dem Ende zuneigt, werde ich sicher weiterhin gespannt die Ranglisten von Turn-Wettkämpfen lesen – weil schliesslich ist es das, was mich ursprünglich auf die Idee brachte, die Sportpsychologie näher kennen zu lernen: Die Freude am Sport und die Faszination für die Leistungen, die Athletinnen und Athleten im Stande sind zu erbringen – ziemlich oft optimiert durch die Unterstützung eines Sportpsychologen.

http://die-sportpsychologen.ch/2017/07/06/florence-von-ziegler-sportpsychologie-interessierte-mich-erst-einmal-nicht/

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Dr. Hanspeter Gubelmann: Die ersten Schritte im Feld?

Ende Mai fand in Bern die 48. asp-Tagung, die Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie in Deutschland, statt. Das reichbefrachtete Tagungsprogramm beinhaltete neben dem traditionellen Wissenschaftsteil eine breite Palette an Praxisworkshops. Als Programm-Verantwortlicher fiel mir vor allem etwas auf: die Workshops zogen ein sehr junges, der angewandten Sportpsychologie zugewandtes Publikum an! Wie schaffen diese Kolleginnen und Kollegen heute den Einstieg in eine beratende Tätigkeit? Welche Einstiegshilfen werden ihnen dabei angeboten? Von einem Beispiel aus eigener Praxis handelt dieser Beitrag.

Zum Thema: Sind die Zeiten des Kaltstarts vorbei?

In diesem Frühjahr erhielt ich Besuch einer Studentin aus Bern. Die Sportwissenschaftlerin Nicole Jänsch befragte mich im Rahmen ihrer qualitativen Studie zu meiner Karriereentwicklung als Sportpsychologe. Ich beschrieb u.a. meinen Einstieg in die angewandte Tätigkeit. Ich erinnerte mich noch gut an das erste Treffen mit „meinem“ ersten Athleten. Ich: völlig auf mich allein gestellt. Mein Gegenüber: ein Zehnkämpfer, Sportstudent an der ETH Zürich, der bei mir noch die Veranstaltung „Einführung in wissenschaftliches Arbeiten“ besuchen musste. Das war 1990 und ich erlebte einen veritablen Kaltstart. Nichts und niemand hatte mich auf diese Situation vorbereitet.

Seit damals hat sich die Situation der angewandten Sportpsychologie in der Schweiz markant entwickelt und verändert. 2009 beschrieb Seiler den weitgehenden Konsens in der Auffassung, „dass ein Markt besteht für gut ausgebildete und kompetente Sportpsychologen.“ Von einem positiven und starken Wachstum der angewandten Sportpsychologie im internationalen Kontext berichteten damals auch Wylleman et. al. (2009). In ihrem Bericht hoben sie den ausgeprägten Mangel an Wissen hinsichtlich  der Karriereentwicklung von angewandt tätigen Sportpsychologen heraus. Insbesonere fehle es an spezifischen Erkenntnissen zum Einstieg in eine solche Berufskarriere. Die Einschätzung eines auch weiterhin „attraktiven Berufsfeldes“ teilen die Berner Kollegen um Studienleiter Marc Blaser (2016), monieren aber in ihrer Beurteilung, dass nur wenige den Grossteil ihrer Arbeitszeit in sportpsychologische Tätigkeit investieren. Entsprechend niedrig beziffert die Studie das daraus erwirtschaftete Einkommen. Jänsch (2017) zielt in ihrer Studie darauf ab, die kritischen Punkte in einer sportpsychologischen Karriereentwicklung näher zu beleuchten. Erklärtes Ziel ihrer Arbeit ist, AbsolventInnen, die gerne im Feld der angewandten Sportpsychologie Fuss fassen möchten, den Einstieg zu erleichtern. Eine möglichst effiziente Planung ihrer Karrieren soll dazu helfen.

Ein gezieltes Mentoring fehlt auch heute

Was mir persönlich damals wie heute fehlt: eine begleitete Einführung, ein eigentliches Mentoring in der ersten Phase des Einstiegs in die angewandte Arbeit junger Berufskollegen. Zu ihren Erfahrungen und Erkenntnissen im Rahmen eines begleitenden Coachings berichten in zwei Insiderberichten die Psychologiestudentin Luisa Koller und die Athletin Florence von Ziegler.

http://die-sportpsychologen.ch/2017/07/06/luisa-koller-wie-komme-ich-auf-die-richtigen-fragen/

Das Angebot startete Ende März und beinhaltete 10 Sitzungen sowie Trainings- und Wettkampfbegleitungen. Die inhaltlichen Schwerpunkte im Überblick:

  • Anforderungsprofil und Voraussetzungen an den Sportpsychologen
  • Erstkontakt und Erstgespräch
  • Auftragsklärung
  • Arbeitskonzeption
  • Zielstellung und Zielvereinbarung
  • Eingrenzung der Themen und erste Beratungsschritte
  • Einbezug des Umfelds, geeignete Arbeitsmittel u.a.m.
  • Standortbestimmung nach 3 Monate, Zwischenfazit und nächste Schritte

http://die-sportpsychologen.ch/2017/07/06/florence-von-ziegler-sportpsychologie-interessierte-mich-erst-einmal-nicht/

Am 3. Juli erfolgte eine Standortbestimmung, da mit diesem Tag auch das Praktikum von Luisa endete. Zu diesem Zweck habe ich Luisa und Florence je um eine Stellungnahme gebeten, die im ausdrücklichen Einverständnis mit ihnen als Insiderberichte publiziert werden.

Fazit: Aufwand, der sich für alle Beteiligten lohnt…

Mentor, Praktikantin und Sportlerin haben im Rahmen dieses Betreuungssettings grossen Aufwand betrieben: 10 Beratungstermine mit Vor- und Nachberatungsarbeiten, Trainings-und Wettkampfbesuche sowie die inhaltiche Vertiefung in die Beratungsthemen führen zu einer insgesamt hohen Arbeitsbelastung. Ein Praktikum in angewandter Sportpsychologie bietet hierfür den passenden Rahmen. Angesichts des erzielten Nutzens und der Erkenntnisgewinne darf aber von sehr gut investierter Zeit gesprochen werden!

Luisa betont in ihrem Insiderbericht eine abwechslungsreiche und fordernde Tätigkeit, geprägt von Einsichten und Inspiration. Florence scheint Gefallen an den vielfältigen Möglichkeiten der Selbstbeeinflussung gefunden zu haben. Sie setzt die erworbenen Tools und entwickelten Massnahmen eigenmotiviert und konsequent in Training und Wettkampf ein. Die Blockade ist kein Thema mehr, stattdessen stabilisiert sie ihre Wettkampfleistung zunehmen auf hohem Niveau und feiert schöne sportliche Erfolge. Die Aufgabe des Mentorings, die Unterstützung junger Berufskolleginnen und –kollegen, erlebe ich als eine bereichernde und dankbare Aufgabe! Sie bietet Gelegenheit zur Reflexion der eigenen Praxistätigkeit und öffnet den Horizont für neue, inspirierende Ideen!

…und ein Modell für die Zukunft?

Soll der Praxiseinstieg junger Psychologinnen und Psychologen in Zukunft erleichtert und unterstützt werden, lassen sich mindestens vier Aspekte in die Diskussion einbringen:

  1. Die jüngst erhobenen Daten zur Berufsfeldanalyse (Blaser et al. 2016) und zur Karrierentwicklung (Jänsch 2017) müssen auch im Hinblick auf notwendige Anpassungen hinsichtlich der Ausbildungsstrukturen und -inhalte der postgradualen Ausbildung (CAS Sportpsychologie) in der Schweiz analysiert werden.
  2. Die Schaffung zusätzlicher Praktikumsangebote an Ausbildungsinstitutionen (BASPO, Universitäten, etc.) ist zu prüfen.
  3. Die SASP als Berufsverband ist aufgerufen, vermehrt Informationen zur Karriereentwicklung ihrer Neu-Mitglieder zur Verfügung zu stellen. Spezifische Angebote zu Themen des Berufseinstiegs könnten hierfür besonders hilfreich sein.
  4. Neben Intervisions- und Supervisionsangeboten könnte auch ein Mentoring-Angebot den Praxiseinstieg erleichtern und gleichzeitig auch als effektive Massnahme zur Qualitätssicherung beitragen.

 

 

Literatur

Blaser, M., Stocker, E., Jänsch, N. & Seiler, R. (2016). Qualität im Berufsfeld Sportpsychologie in der Schweiz. Ergebnisse einer Online-Umfrage (Unveröffentlicht). In B. Strauss et al. (Eds.), Spitzensport und Sportpsychologie: Der Weg zu Olympia. 48. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie (asp) vom 05.-07.05.2016 in Münster.

Jänsch, N., Seiler, R. & Hirschi, A. (2017). Karriereentwicklung von Schweizer SportpsychologInnen. In A. Conzelmann et. al. (Eds). Gelingende Entwicklung im Lebenslauf. 49. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie (asp) vom 25.-27.05.2017 in Bern.

Seiler, R. (2009). Angewandte Sportpsychologie in der Schweiz: Ausbildungskonzeption und Berufsfeldperspektiven. Zeitschrift für Sportpsychologie, 16, 29-34.

http://econtent.hogrefe.com/doi/abs/10.1026/1612-5010.16.1.29

Wylleman, P., Harwood, C.G., Elbe, A.-M., Reints, A. & Caluwé, D. de (2009). A perspective on education and professional development in applied sport psychology, Psychology of Sport and Exercise 10 (2009) 435–446.

https://www.researchgate.net/profile/Anne-Marie_Elbe/publication/232413639_A_perspective_on_education_and_professional_development_in_applied_sport_psychology/links/5531484f0cf2f2a588ad47e3/A-perspective-on-education-and-professional-development-in-applied-sport-psychology.pdf

 

Verwandte Blogs

http://die-sportpsychologen.ch/2017/03/08/dr-hanspeter-gubelmann-wie-weiterbilden/

http://die-sportpsychologen.ch/2015/12/21/dr-hanspeter-gubelmann-zum-image-problem-der-schweizer-sportpsychologie/

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Lena Tessmer: Die Ressource Eltern

Zu viel Druck, zu viel Disziplin, zu wenig Freizeit, zu wenig Kindheit, zu viel Vereinnahmung, zu wenig Selbstbestimmung. Der Nachwuchsleistungssport in Deutschland ist umstritten. Die Rolle der Eltern auch. Von Doppelbelastung ist die Rede und von Eltern, die ihre nicht gelebten Träume auf die Kinder projizieren. Die Eltern von leistungssportlich engagierten Kindern kommen in den medialen Berichterstattungen meist schlecht weg. Ist die Realität tatsächlich so einseitig? Wie ist bei diesem Thema die Rolle der Sportpsychologie zu verorten und was können die Experten unterstützend beitragen?

Zum Thema: Was bedeutet es für Eltern, ein Kind in den Leistungssport zu begleiten?

Es ist ein schmaler Grat zwischen Fordern und Fördern, auf dem Eltern sich bewegen. Zahlreiche wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass es zwischen Unterstützungsleistung der Eltern und dem Erfolg der sportlichen Karriere des Kindes einen Zusammenhang gibt. Bezüglich vorhandener sozialer Ressourcen im Leben der jungen Sportler steht die elterliche Unterstützung sogar auf Platz 1. Während sie also viel richtig machen können, scheint es medial besonders wirksam zu sein, zu beleuchten, was sie alles falsch machen. Aber es gibt sie, die Durchschnittseltern, die sich liebevoll kümmern, die sich hinterfragen, die das leistungssportliche Engagements ihres Kindes reflektieren und unterstützen und die gelegentlich überfordert sind?

Oder schauen wir uns beispielhaft das Thema Überforderung an. Letztere kann von sportbezogenen Emotions- und Motivationsfragen herrühren. Oft stellen sich Eltern in diesem Zusammenhang Fragen, wie: Ist die sportliche Lustlosigkeit auf pubertierendes Verhalten oder tatsächlich verlorener Lust am Sport zu deuten? Ist die niedrige Frustrationstoleranz und folgende Aggression des Kindes noch „normal“? Wie kann die Enttäuschung über eine sportliche Niederlage familiär aufgefangen werden?

Elterncoaching und Sportpsychologie

Wie kann diesen Fragen nun begegnet werden? Die gesamte Erfahrungswelt des Kindes zu verstehen kann äußerst hilfreich sein, um die emotionale Bandbreite nachvollziehen zu können. Eltern begleiten ihre Kinder zwar viel zum Training und zu Wettkämpfen, aber dort machen sie sich lediglich ihr eigenes Bild von Situationen. Die Innensicht des Kindes zu beleuchten, kann dem jungen Athleten zu einer erhöhten Reflexionsfähigkeit verhelfen und den Eltern tiefere Einblicke in die Lebenswelt ihres Kindes gewähren. Aber auch die Lebenswelt der Eltern, die organisatorischen und alltäglichen Herausforderungen zu thematisieren, kann zu einem erhöhten Verständnis beider Parteien führen.

Fast alle Eltern meinen es „immer nur gut“ mit ihren Kindern. Dieses Wohlwollen kommt bei den Kindern aber möglicherweise nicht an. Die Sportpsychologie bietet Methoden, Kinder und Eltern bei Herausforderungen zu begleiten, die das leistungssportliche Engagement des Kindes mit sich bringen. Wenn also die elterliche Unterstützung die am meisten wirksame Ressource für leistungssportliches Engagement im Kindes- und Jugendalter ist, dann lohnt es sich, in die Eltern-Kind-Beziehung zu investieren. Das Ergebnis ist dann nicht zwangsläufig eine erfolgreiche sportliche Karriere des Kindes, sondern in einigen Fällen vielleicht auch eine gemeinsame Entscheidung gegen den Leistungssport, die aber von allen Parteien verstanden und getragen wird.

Elvina Abdullaeva: Vom Kind zum Tennisprofi

Thorsten Loch: Mein Kind im Sport – und ich?

Literaturverzeichnis

– Borggrefe, C. & Cachay, K. (2014). Duale Karrieren – Möglichkeiten und Grenzen der Vereinbarkeit von Spitzensport und Schule, Studium, Beruf. In T. Borchert (Hrsg.), Kinder- und Jugendsport: Herausforderungen im Spannungsfeld zwischen Allgemein- und Spezialbildung. Festschrift anlässlich der Emeritierung von Prof. Dr. Albrecht Hummel (S. 195–219). Chemnitz: Universitätsverlag

– Brettschneider, W.-D. & Heim, R. (2001). Heranwachsende im Hochleistungssport. Eine (Zwischen-) Bilanz empirischer Befunde. Sportpädagogik (4), 34–38.

– Güllich, A. & Richartz, A. (2015). Leistungssport. In W. Schmidt, N. Neuber, T. Rauschenbach, H.P. Brandl-Bredenbeck, J. Süßenbach, Breuer & Christoph (Hrsg.), Dritter Deutscher Kinder- und Jugendsportbericht. Kinder- und Jugendsport im Umbruch (S. 140–161). Schorndorf: Hofmann.
– Schweer, Martin K. W. (2011). Kinder und Jugendliche im Leistungssport – eine Herausforderung für Eltern und Trainer. Ein pädagogisch-psychologischer Leitfaden. Frankfurt am Main: Peter Lang Internationaler Verlag der Wissenschaften.

– Weber, U. (2003). Familie und Leistungssport (Reihe Sportsoziologie). Schorndorf: Hofmann.

– Zweigert, M. (2016). Eltern im Leistungssport – zwischen sportlichen Ambitionen und erzieherischen Erwartungen. In C. Heim, R. Prohl & H. Kaboth (Hrsg.), Bildungsforschung im Sport. 29. Jahrestagung der dvs-Sektion Sportpädagogik vom 26.-28. Mai 2016 in Frankfurt/Main (Schriften der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft, S. 131–132). Hamburg: Feldhaus.

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Cristina Baldasarre: Vom Sport lernen

Es ist immer wieder erstaunlich und schön zu erfahren, wie Techniken und Tools aus dem Sport – richtig angewandt – in anderen Gebiete gewinnbringend transferiert werden können. Entspannungstechniken sind hierfür ein sehr gutes Beispiel. Dabei ist es nicht schwer, den Wissenstransfer aus dem Sport in die Schule zu meistern.

Zum Thema: Entspannung im Schulalltag

Das Verständnis dafür, dass viel Training auch viel Erholung/Entspannung benötigt, ist im Sportumfeld schon längst bekannt und auf eine ausgeglichene Erholungs-Belastungs-Bilanz wird zum Glück viel Wert gelegt. Aus dem Sportbereich kennen wir Entspannungsverfahren, die physisches aber auch psychisches Erleben von Gelassenheit und Entspannung zum Ziel haben. So kommen wir am Wort Psychohygiene nicht vorbei und daran, dass solche Techniken stressmindernd wirken und zur Prophylaxe von Übertraining und Burnout dienen. Somit, meiner Meinung nach, ein Imperativ für alle Sportler, Trainer und ihr Betreuungsumfeld. Bei diesen Übungen wird eine gezielte Fokussierung auf das Hier und Jetzt gelernt und jede Entspannungsübung ist gleichzeitig auch eine Achtsamkeitsübung. Die dadurch errungene Verbesserung des Wohlbefindens stärkt zudem auch gleich noch die Selbstwirksamkeit.

So entstand meine Idee des Kurses Entspannung im Schulalltag, den ich mittlerweilen schon zum fünften Mal durchführe. Meine Beobachtungen ergaben sich aus unterschiedlichsten Situationen zu Hause mit meinen Kindern und in der Lernpraxis mit den Sportlern und Schülern, mit denen ich zusammenarbeite.

Kennen Sie Ihre Schüler?

Genannte Problemstellungen endeten immer wieder in ähnlichen Interventionsansätzen und so lag es auf der Hand, den Wissenstransfer aus dem Sport in den Leistungsbereich Schule herzustellen:

Kennen Sie SchülerInnen mit Konzentrationsproblemen?
Sind gewisse SchülerInnen manchmal innerlich unruhig?
Kennen Sie SchülerInnen mit Angst- oder Wutzuständen?

In der Schule und insbesondere bei Prüfungssituationen entscheiden nicht selten die Emotionen über das Ergebnis, sprich: über die Note. Ganz genau gleich wie im Sport auch. Das Erleben bestimmter Emotionen kann dazu führen, dass Schüler nicht jederzeit in der Lage sind, ihr Leistungspotential voll abzurufen, zu nutzen und umzusetzen.

Erste Fortschritte nach kurzer Übungszeit

Es ist erwiesen, dass regelmässig angewandte Tiefenentspannung sich positiv auf die körperliche und emotionale Befindlichkeit auswirkt (V. Speck, 2013). Dadurch werden günstigere Lern- und Prüfungsvoraussetzungen geschaffen, die Konzentrationsfähigkeit verbessert sich und das Bewältigen von schwierigen Situationen fällt leichter. Schon nach einer kurzen Übungszeit lernen die Kinder sich besser wahrzunehmen, sie werden ausgeglichener und selbstbewusster. Die Zielgruppe spricht bereits Kinder ab dem Kindergartenalter an, also ab ca. fünf Jahren und ist nach oben unbegrenzt.

Die Progressive Muskelrelaxation nach E. Jacobson (1934) ist eine altbekannte Entspannungsmethode, die sich auch für Kinder und Jugendliche sehr gut eignet. Es handelt sich um ein Verfahren, bei dem durch willentliche Ansteuerung bestimmter Muskelgruppen ein Zustand tiefer Entspannung erreicht wird. 
Ergänzend können altersentsprechende Gedanken- und Phantasiereisen dazu dienen, diesen Zustand einzuleiten oder auch zu verstärken.

Kursangebot im August

Ich biete eine allgemeine Einführung in die Theorie und Praxis der Progressiven Muskelrelaxation. Im Zentrum stehen das Erlernen der spezifischen Technik, das eigene Erleben der Methode sowie die konkrete Umsetzung in den eigenen Schulalltag. Dabei erhalten die Teilnehmer ein kompaktes sowie konkretes Vorgehen mit praktischen Übungen, Arbeitsblättern und CD-Beispielen für Ihre spezifische Anwendung im Schulalltag.

Link zu ZAL Ausschreibung

 

Literatur

Speck, V. (2013). Training progressiver Muskelentspannung für Kinder. (2.Aufl.). Hogrefe.

 

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