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Elvina Abdullaeva: Die Stärke der Schwachen

Am Freitag, den 15. August, startet der DFB-Pokal. Den Auftakt macht die Partie zwischen dem Verbandsligisten SV Alemannia Waldalgesheim und dem Bundesligisten und Champions League-Qualifikanten Bayer Leverkusen. Wer der Favorit in diesem Spiel ist, steht nicht zur Debatte. Aber ist die Außenseiterposition denn wirklich so aussichtslos?

Zum Thema: Worin liegt eigentlich der Vorteil der Außenseiter?

Eine favorisierte Mannschaft übertrifft ein offensichtlich unterlegenes Team in vielerlei Hinsicht. Der Favorit hat einen Kader mit höherem Spielniveau, mehr Erfahrung, bessere Vorbereitungsbedingungen, ein größeres finanzielles Vermögen und in der Regel die größere Anzahl an Anhängern im Rücken. Alles spricht also für den Sieg eines Favoriten. Fast. Psychologisch gesehen, hat nämlich der Außenseiter viele Vorteile, die am Ende zum Sieg führen können.

Freiheit und Motivation

Der Favorit muss gewinnen. Das Team weiß das selbst. Dazu kommt die hohe Erwartungshaltung der Medien und Fans. Diese Verantwortung für das Ergebnis erzeugt einen gewissen Druck auf die Mannschaft. Diese Lage verschlimmert sich oft, wenn der Gegner unterschätzt wird. Verlaufen also die ersten zehn Minuten der Partie “auf Augenhöhe”, kann bei den Spielern des favorisierten Teams der ungünstige Gedanke, “was wenn wir versagen“, auftauchen. Solch ein leistungsbeeinträchtigender Gedanke lenkt den Sportler ab und führt dazu, dass derjenige sich nicht mehr auf spielrelevante Aspekte fokussiert.

Die unterlegene Mannschaft steht nicht unter dem Druck, unbedingt gewinnen zu müssen. Denn falls der Außenseiter verliert, wird diese Niederlage auf keinen Fall als Misserfolg gesehen. Vielmehr dürfen sich die Spieler ausprobieren und Fehler machen. Das wirkt schon befreiend. Diese Freiheit lässt sich dazu nutzen, dass der schwächere Gegner mit einer größeren kämpferischen Einstellung ins Spiel geht und durch mutiges, riskantes Agieren das Spiel gewinnen kann.

Ein weiterer wichtiger Faktor, der für das Außenseiterteam spricht, ist die Motivation. Favoriten sind in der Regel nur mäßig motiviert. Dies lässt sich dadurch erklären, dass bei einer Spitzenmannschaft Siege gegen schwächere Gegner als selbstverständlich vorausgesetzt werden. Deshalb bringt ein Sieg über die unterlegene Mannschaft für den Favoriten ein nur unzureichendes Erfolgserlebnis (vgl. Baumann, 2008). Der Sieg gegen eine höherklassige Mannschaft wird von dem schwächeren Gegner hingegen als eine Herausforderung gesehen. Dies trägt enorm zur Motivationssteigerung bei. Das heißt, dass die Spieler mehr Interesse an dem Wettkampf haben und mit einer positiven Grundstimmung ins Spiel kommen. Dies wiederum kann zu größerer Ausdauer beitragen (vgl. Stoll et. al. 2010). So kann die unterlegene Mannschaft beispielsweise die ständigen Angriffe der Favoritenmannschaft besser abwehren oder bis zur letzten Minute der Nachspielzeit kämpfen.

Glaube an sich selbst

Eine wesentliche Voraussetzung für ein hochmotivierendes und befreites Spiel des Außenseiters ist die kollektive Selbstwirksamkeit und der Glaube, dass das eigene Team die realistische Möglichkeit hat, den Favorit zu besiegen. Die Aufgabe des Trainers ist, den Spieler deutlich zu vermitteln, warum seine Spieler in der Lage sind, das Spiel zu gewinnen. Der Fokus der Vorbereitung soll auf eigenen Stärken und Spielstrategien liegen, mit deren Hilfe die Schwächen des Gegners ausgenutzt werden können.

Die Grundlage für die immer wieder auftretenden Favoritenstürze im DFB-Pokal sind also zusammengefasst das begründete Selbstvertrauen, die Freiheit von den Erwartungen und die hohe Motivation des Außenseiters.

Quellen

Stoll, O., Pfeffer, I. & Alfermann, D. (2010). Lehrbuch Sportpsychologie. Bern: Hans Huber Verlag.
Baumann, S. (2008). Mannschaftspychologie. Methoden und Techniken (2. Aufl.).Aachen: Meyer& Meyer

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Sebastian Reinold: Fitness-Ziele erreichen, Teil1

Nichts ist so motivierend wie das Erleben von Erfolgserlebnissen. Erfolg haben muss dabei nicht das Erreichen eines großen Ziels bedeuten, sondern kann auch der stetige Fortschritt sein, lehrt die Sportpsychologie. Wie Sie Ihren Fortschritt und Erfolg in Ihrem Fitnesstraining auf unterschiedliche Art und Weise sichtbar machen können, erklärt Ihnen diese Themenreihe.

Teil 1: Warum macht es Sinn, seine Leistungen im Fitnesssport zu messen?

Egal nach welcher Zielsetzungsmethode Sie vorgehen – eine Komponente beinhaltet diese immer, nämlich das Ziel objektivierbar machen. Denn den Fortschritt nur am Gefühl festzumachen, kann trügerisch sein. Den Fortschritt an irgendetwas festmachen zu können, ist hingegen das, was unter Objektivierbarkeit verstanden wird. Besonders geeignet sind harte physikalischen Fakten wie Länge, Zeit und Gewicht. Diese eignen sich hervorragend, weil sie sich leicht messen lassen.

Der Sinn des Messens ist, dass Sie wissen, bei welchem Stand Sie angefangen haben und wo Sie sich aktuell auf dem Weg zum Ziel befinden. Das erlaubt, Fortschritte zu erkennen. Im Sport ist das Erkennen von Fortschritten enorm wichtig, denn das gesetzte Ziel ist oft nur nach langer Zeit und mit viel Aufwand zu erreichen. Den eigenen Fortschritt zu erkennen, kann sehr motivierend sein und hilft somit, am Ball zu bleiben. Aber auch das Stehenbleiben kann durch regelmäßiges Messen aufgedeckt werden und zur Veränderung des Verhaltens anregen.

Zu häufiges Messen führt dazu, dass der Fortschritt als solcher nicht mehr erkannt wird. Wählen Sie also einen etwas längeren Abstand. Hilfreich ist überdies hinaus, wenn sie ihren Fortschritt schriftlich oder gar graphisch festhalten.

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Beginnen Sie den Trainingsprozess also mit einer Zielsetzung wie beispielsweise: „Ich möchte innerhalb der nächsten vier Monate 2% Körperfett verlieren.“ Daraufhin messen Sie, ihren aktuellen Stand, wenn Sie diesen nicht ohnehin schon kennen. Beginnen Sie nun mit der körperlichen Aktivität und messen ihren Körperfettanteil regelmäßig, zum Beispiel alle zwei Wochen.

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Die-Sportpsychologen.de steigert weiter die Reichweite

Die mediale Relevanz von die-sportpsychologen.de steigt weiter: Die Huffington Post veröffentlicht fortan regelmäßig ausgewählte Blog-Beiträge von den Profil-Inhabern von die-sportpsychologen.de auf ihren Sportseiten.

Das Online-Newsportal Huffington Post startete mit seiner deutschen Ausgabe im Oktober 2013 und verzeichnet laut der Informationsgemeinschaft zur Festlegung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) mittlerweile bis zu 10 Millionen Seitenbesuche pro Monat. Damit ist diese Kooperation ein weiterer zielgerichteter Schritt für die-sportpsychologen.de, die Reichweite der durch die beteiligten Sportpsychologen produzierten Inhalte zu steigern.

Den ersten Beitrag bei der “Huff Post” steuert Sebastian Reinold bei, der sich mit dem Thema Sensation Seeking beschäftigt.

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Ina Blazek: Glück ist kein Zufallsprodukt!

Während meiner Betreuungsarbeit einer 18-jährigen Leichtathletin wurde uns beiden sehr deutlich, dass sie trotz internationaler Erfolge während ihrer zehn Jahre andauernden Leistungssportkarriere kaum Selbstvertrauen und den Glauben an ihre eigene Stärken aufgebaut hatte. Die erzielten Erfolge führte sie zu häufig auf Glück und schwache Gegner zurück – in unserer Zusammenarbeit erkannte sie aber ihren eigenen Wert und die Tatsache, dass ihr eigenes Glück durch ihre Anstrengung formbar ist.

Zum Thema: Wie sportliche Karrieren systematisch unterstützt und aufgebaut werden – ein sportpsychologischer Ansatz

Kinder entscheiden sich zum Sporttreiben aus einem Bewegungsdrang heraus, der Neugierde wegen oder auch aus Spaß, sich mit Gleichaltrigen zu messen. Wenn das Trainer- und Betreuerteam auf diesem Weg ein sportliches Talent oder auch den unbedingten Willen, Höchstleistungen erreichen zu wollen, bei einem Sportler oder einer Sportlerin erkennen, dann ist eine Entscheidung für den Leistungssport sinnvoll. Ab diesem Moment ist das gesamte Umfeld (Familie, Schule, Verein) der Kinder gefragt, die verschiedenen Herausforderungen und Ansprüche zu koordinieren. Neben der Trainingswissenschaft kann die Sportpsychologie ihren Beitrag leisten, zielgerichtet auf die sportliche Karriere vorzubereiten. Vor allem die Ausbildung verschiedener Persönlichkeitsmerkmale soll frühzeitig unterstützt werden, um zum Beispiel die Erfolge im Sport auf eigene Fähigkeiten und nicht auf „Glück“ zurückzuführen.

Glück stammt ursprünglich von gelücken. Das heißt soviel wie gelingen und konkretisiert den hier vorgestellten Ansatz: Wie gelingt also eine sportliche Laufbahn?

Insbesondere sollten Sportler und Sportlerinnen der Überzeugung sein, ihr eigenes Glück und damit den sportlichen Erfolg selbst zu gestalten und Erfolge eben durch eigene Anstrengung erzielen zu können. Fritz-Schubert (2011) nennt hierfür drei Bedingungen:

  1. Das Gefühl, etwas bewirken zu können.
  2. Ressourcen zu haben und darauf zu vertrauen, schwierige Situationen zu meistern.
  3. Achtsamkeit mit sich selbst und anderen zu entwickeln.

Oft fragen Trainer und Trainerinnen, wie sie denn genau diese Ressourcen fördern können. Hier betone ich die langfristige Wirkung von den zu ergreifenden Maßnahmen. Unsere Persönlichkeit bildet sich nicht von heute auf morgen (erst ab einem Alter von 30 Jahren ist sie zunächst einmal relativ stabil einzustufen) und kann dementsprechend auch nur mittel- und langfristig verändert werden, wenn entsprechende „negative“ Muster bereits verfestigt sind.

Daher lohnt es, von Beginn an einen positiven und optimistischen Umgang mit den Anforderungen der gewählten Sportart zu fördern. Folgender Ansatz nach Fritz-Schubert (2011) wurde für die Schule konzipiert und soll Kinder für das Leben stark machen. Diese Empfehlungen können bei frühzeitiger Anwendung die Sportler und Sportlerinnen ebenso für ihre sportliche Karriere stärken:

  • Optimistische Grundhaltung fördern (Zuversicht und Ermunterung vorleben)
  • Geduld und Gelassenheit schulen (z.B. durch die Akzeptanz unveränderlicher Gegebenheiten und Konzentration auf die Prozesse, die in eigener Verantwortung liegen)
  • Konstruktiver Umgang mit Krisen (z.B. Ursachenzuschreibungen nach Misserfolgen sollten nie auf generelle Unzulänglichkeiten der Sportler und Sportlerinnen beruhen)
  • Verantwortung übertragen (z.B. bei der Trainingsgestaltung in der Aufwärmphase)
  • Vertrauen schenken und Selbstvertrauen stärken
  • Rituale und Verbindlichkeiten geben Sicherheit

In meiner sportpsychologischen Betreuungsarbeit habe ich jene Bausteine auf das System des Leistungssports übertragen und in zahlreichen Einzelfällen die positive Wirkung für die jeweiligen Sportler und Sportlerinnen beobachten dürfen. Werden diese Grundhaltungen von Beginn an unterstützt, wird dies langfristig auch einen Effekt auf die sportliche Leistung haben. Denn wie wir wissen, spielen neben den sporttechnischen Vermögen auch die mentale Stärke der Sportler und Sportlerinnen eine große Rolle für den Erfolg im Spitzenbereich des Sports.

 

Quelle: Fritz-Schubert, E. (2011). Glück kann man lernen. Was Kinder stark fürs Leben macht. Berlin: Ullstein Buchverlage GmbH.

 

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Philippe Müller: Schlechte Vorbilder

Ein Bolzplatz am Tag nach dem zweiten Halbfinale der Fußball-WM in Brasilien. Argentinien und die Niederlande hatten sich wenige Stunden zuvor einen zermürbenden Kampf um den Finaleinzug geliefert. In einem Stadtpark, rund 10.000 Kilometer von Sao Paulo entfernt, standen sich nun jeweils eine Hand voll zehn- bis zwölfjährige Kinder gegenüber. Betonung auf standen, denn anstelle zu spielen, haderten, reklamierten und diskutierten die Kids als wären sie am Vorabend aus dem Flachbildschirm gefallen. Für jede Berührung wurde ein Freistoß gefordert, zu Einwurfentscheidungen diskutierte die ganze Meute und immer wieder Flugeinlagen. Zehn Minuten dauerte diese Beobachtung – hochgerechnet in zwei davon rollte der Ball.  

Zum Thema: Welche Effekte haben Sportvorbilder auf die Heranwachsenden?

Eine zentrale Aufgabe im Kindesalter ist die Entwicklung der eigenen Identität. Zur Sozialisation und Identitätsbildung der Mädchen und Jungen tragen zum einen geplante – die Erziehung – als auch ungeplante Lernprozesse bei. Vor allem das Beobachten der Verhaltensweisen der Eltern und Erwachsenen ist von großer Relevanz. Im Sport kommen die Vorbilder hinzu. Idole lösen bei  jungen Fußballern Begeisterung und Bewunderung aus und veranlassen sie, ihre Helden nachzuahmen und ihnen nachzueifern. Sie motivieren die Jugendlichen, ihre Fähigkeiten zu entwickeln und ein Ziel zu verfolgen. Nicht selten kommt es vor, dass Verhaltensweisen wie Gestik und Mimik sowie Äußerlichkeiten wie Haarschnitt und Kleidung übernommen werden.

Vorbilder vermitteln jedoch auch Werte und Moralvorstellungen. Dazu zählt der respektvolle Umgang mit dem Gegner und Schiedsrichter sowie den gegnerischen Fans. Obwohl die FIFA eifrig Fair Play propagiert und die Spieler das Emblem auf dem Ärmel tragen, musste während der vergangenen WM in Brasilien oft danach gesucht werden.  Kaum eine Entscheidung des Unparteiischen wurde nicht minutenlang diskutiert. Auch bei offensichtlichen Regelverstößen war keine Einsicht zu sehen. Auffallend in Brasilien war, dass bei nahezu jeder Aktion im Strafraum ein Elfmeter gefordert wurde. Handspiele wurden reklamiert, wo keine waren. Und bei jeder kleinsten Berührung ließen sich auffällig viele Spieler theatralisch fallen. Wir erinnern uns an Freds Fall im WM-Auftaktspiel der Brasilianer gegen Kroatien oder Robbens Flugkünste im Achtelfinale gegen Mexiko.

Moralisches Vorbild Miroslav Klose

Wo sind die moralischen Vorbilder im Fußball geblieben? Gibt es sie überhaupt noch? Sie sind schwer zu finden. Einer, der Fair Play noch lebt, ist der deutsche Nationalspieler Miroslav Klose. Bereits zwei Auszeichnungen hat er für sein faires Verhalten verliehen bekommen. Einmal ließ er ein mit der Hand erzieltes Tor annullieren. Sport1 zitierte ihn 2012 zum Thema folgendermaßen: „Das war für mich selbstverständlich. Ich weiß, wie viele junge Zuschauer wir haben. Das ist eine Vorbildfunktion, die etwas verloren gegangen ist. Wir müssen wieder Vorbilder werden, Fairness im Sport bewahren.“

Es ist zu hoffen, dass solche Spieler weiterhin und in Zukunft wieder vermehrt anzutreffen sind. Denn nur so werden sich die Bilder auf dem Bolzplatz ändern und eine zukünftige Fußballgeneration heranwachsen, bei der Fair Play und gegenseitiger Respekt wieder gelebt wird. Eine Schlüsselfunktion kommt dabei auch den vielen Nachwuchstrainern zu, die das vorgelebte Verhalten der Profi-Fußball zu relativieren haben – beziehungsweise die Suppe im Alltag auslöffeln müssen.

 

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Prof. Dr. Oliver Stoll: Guardiolas Aufgabe

Alarmstufe Rot: Nicht nur, dass alle WM-Helden des FC Bayern München fast das komplette Vorbereitungstraining verpassen. Es steht vor Saisonbeginn auch unbeantwortet die Frage im Raum, wie die Jäger des vierten Sterns nach ein paar Tagen Urlaub die Rückkehr aus der Campo Bahia-Traumwelt in den grauen Bundesliga-Alltag aus sportpsychologischer Perspektive verkraften? Die Vergangenheit zeigt, dass die Spieler des FC Bayern München nach Weltmeisterschaften eher schwer in den Tritt kamen.

Zum Thema: Wie werden Weltmeister motiviert?

Eines vornweg: Der Profi-Fußball hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Die Professionalisierung ist in fast alle Teilbereiche der Leistungsentwicklung vorgedrungen. Insofern trifft allen voran den FC Bayern München diese Problematik nicht unvorbereitet. Dennoch stehen Trainer Pep Guardiola und Sportdirektor Matthias Sammer sowie der gesamte Verein vor einigen Herausforderungen. Die neue Mannschaft muss zusammen wachsen, d.h. dass die Spieler aus der Mannschaft der vergangenen Saison nun die „neuen“ aufnehmen muss oder anders ausgedrückt, dass aus verschiedenen individuellen und persönlichen Zielen ein kollektives Ziel entwickelt werden muss. Hier fehlt nun aber aktuell das komplette „Gerüst“ der Mannschaft  für die kommende Saison. Die aktuell noch fehlenden Spieler stoßen erst am 5. August zur Mannschaft. Nicht einmal 14 Tage später geht es schon zum ersten Pflichtspiel zum Drittligisten Preußen Münster. Dies könnte dann schon zum ersten „Härtetest“ und somit zu einer „Drucksituation“ für die neue Bayern-Elf werden.

Der Erwartungsdruck der Öffentlichkeit auf die Bayern ist sicherlich hoch. Deutsche Meisterschaft, Pokalsieg, Champions-League… Die Frage ist nun, wie die Spieler und das unterstützende Personal diese Situation einschätzen. Die Sportpsychologie verfügt in solchen Situationen über einige Möglichkeiten, hier gezielt regulierend eingreifen zu können. Als „Kollektives Zielsetzungstraining“ bezeichnen wir ein Verfahren, mit dem es gelingen kann, einzelne Ziele und Bedürfnisse hin in Richtung der Entwicklung eines (oder mehrerer) kollektiver Ziele hin auszurichten. Dies schützt die Alltags(leistungs-)motivation im Trainingsprozess und wirkt präventiv hin auf Stress- oder Drucksituationen, denn diese Ziele bleiben zunächst im Kreis der Mannschaft und werden gegenüber der Öffentlichkeit nicht kommuniziert. Tatsache aber bleibt, dass dazu Zeit notwendig ist. Zeit, die der Mannschaft eventuell aktuell – aufgrund der noch im Urlaub verweilenden Nationalspieler – fehlt.

Neue deutsche Tugend – Mentale Stärke?

Andererseits handelt es sich ja auch hier um Fußball-Profis. Während der Fußball-Weltmeisterschaft haben die deutschen Nationalspieler ja schon nicht nur ausschließlich durch spielerische und taktische Leistung geglänzt. Gelobt wurde international auch die spürbare mentale Stärke. Hier lässt sich ein Querverweis zur Arbeit des Sportpsychologen des Nationalteams, Prof. Dr. Hans-Dieter Hermann, ziehen. Sein Einfluss endete sicher nicht mit der Übergabe des WM-Pokals, sondern wird sich auch darüber hinaus bemerkbar machen. Die Nationalspieler aus München standen auch in Brasilien „unter Druck“ und mussten auch in der Nationalmannschaft diesen kollektiven Zielsetzungsprozess durchlaufen. Die Spieler verfügen also auch schon diesbezüglich über einiges an Erfahrung und könnten diesen Prozess im Verein durchaus schneller absolvieren.

Trotzdem darf man in diesem Zusammenhang die individuellen und persönlichen Ziele nicht ignorieren. So lässt sich der Rücktritt Philipp Lahms aus der Nationalmannschaft beispielsweise sehen. Sein großes Ziel, so machte er in einem Interview mit der Zeit deutlich, sei der neuerliche Gewinn der Champions League. Daran wird ersichtlich, dass Spieler durchaus auch sehr bewusst mit diesen Zielen, die sie als Herausforderung sehen, umgehen. Lahm tritt aus der Nationalmannschaft zurück, um sich ganz auf diesen Ziel mit seinem Heimatverein konzentrieren zu können. Dies entlastet ihn und gibt ihm die Möglichkeit mit seinen Kräften sehr bewusst zu haushalten. Auch eine Champions-League-Saison ist lang und anstrengend. Vieles – rund um die CL – lässt sich nur schwer beeinflussen oder prognostizieren. Für die Spieler ist die Champions-League-Teilnahme ein sehr komplexes und vielschichtiges Aufgabenfeld, dass sich ganz bestimmt leichter angehen lässt, wenn die sportlichen Aufgaben überschaubar sind.

Neue Herausforderungen

Ein anderer erfolgreicher Nationalspieler, Toni Kroos, hat den Verein verlassen und sucht anderenorts nach neuen Herausforderungen. Und nicht zuletzt verfügt Bayern München über eine ganze Reihe von Spielern, die die WM nur vorm Fernseher oder fast ausschließlich von der Ersatzbank verfolgt haben. Und die angesprochenen Frank Ribery, Robert Lewandowski, David Alaba, Thiago, Javier Martinez oder Dante wollen die WM mit eigenen Leistungen sicher sehr schnell vergessen machen wollen. Am Ende ist es die Aufgabe allen voran von Trainer Pep Guardialo,allen Widrigkeiten durch die fehlende Vorbereitung zum Trotz diese Mannschaft so vorzubereiten, dass Bayern München seinen Weg in diese neue Saison findet.

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„Nur die ersten Kilometer läuft der Körper“

Michele Ufer ist erfolgreicher Ultramarathonläufer, Sportpsychologe und Managementberater. Und vor allem Grenzgänger. Den 42-Jährigen Doktoranden der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg reizen die Extreme. Hierzu forscht er und sucht aktuell für seine Dissertation interessierte Ausdauersportler, die ein echtes Abenteuer erleben wollen. Und mit Abenteuern kennt er sich aus.

Für die-sportpsychologen.de berichtet:

Michele Ufer

Michele Ufer ist erfolgreicher Ultramarathonläufer, Sportpsychologe & Managementberater. Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt im psychologisch fundierten Knowhow-Transfer aus dem Extrem- und Spitzensport in die Wirtschaft und umgekehrt. Mehr Infos: michele-ufer.de

 

Michele Ufer, du sagst, dass Laufwettbewerbe über die Marathonstrecke hinaus vor allem im Kopf gelaufen werden. Was ist damit gemeint?

Der Kopf ist ja nicht nur für Läufer, sondern in jeder Sportart entscheidend. Denn in unserem „Gehirnmuskel“ laufen wie bei einer Schaltzentrale alle Drähte zusammen. Hier werden letztlich unsere Wahrnehmungen, sämtliche Bewegungen, unsere Emotionen und Gedanken gesteuert. Und es gibt starke Hinweise aus der Sportmedizin, dass das Gehirn bei Ausdauerleistungen der leistungslimitierende Faktor ist und nicht, wie meist angenommen, die Muskeln beziehungsweise metabolische Prozesse. Auch Ultraläufer bestätigen immer wieder, dass man die ersten Kilometer mit dem Körper läuft und danach alles Kopfsache sei.

Sportpsychologisch arbeitest du intensiv mit dem Konstrukt „mentale Stärke“. Dazu hast du eigene, sehr spezielle Erfahrungen gesammelt…

Ja, durchaus. Mein allererstes Rennen überhaupt war 2011 das Atacama Crossing in Chile. Ein 250 Kilometer-Lauf durch die trockenste Wüste der Welt und in Höhen von bis zu 3500 Metern. Bis dahin hatte ich noch nicht einmal einen Stadtlauf absolviert. Dazu inspiriert hat mich die Arbeit mit meinen Kunden, die selbst für mich in mitunter überraschend kurzer Zeit erstaunliche positive Veränderungen/Verbesserungen erzielt hatten. Da dachte ich mir, „Wenn das bei denen so gut funktioniert, wieso nicht auch bei mir selbst“ und bin letztlich zu einer Art extremen Selbsttest aufgebrochen. Mir blieben nur drei Monate zur sportlichen und organisatorischen Vorbereitung, was natürlich vergleichsweise wenig ist. Aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis kamen überwiegend skeptische Blicke. Selbst meine Frau, die mich wirklich super unterstützt hat, fand das ganze schon ein wenig verrückt.

Dennoch verblüffte das Ergebnis die gesamte Fachwelt.

Ich holte den siebenten Platz und war damit schneller als viele erfahrene Profi-Läufer. Für mich war das Ergebnis auch in gewisser Weise überraschend, aber letztlich konnte ich es klar herleiten. Die sportpsychologischen Methoden haben gefruchtet.

Immer wieder wurde ich gefragt, wie ich mich denn nun genau vorbereitet habe. Neben vier wohldosierten Laufeinheiten pro Woche nach dem Prinzip „Train smart, not hard“, habe ich im Vorfeld des Rennens intensiv an meinen Zielen gearbeitet, habe mir meine Zielerreichung so konkret und intensiv wie möglich vorgestellt (Ergebnisziele). Vor allem auch die Art und Weise, wie ich sie erreichen will (Prozessziele). Da entstanden intensive und lebendige innere Bilder. Gefühle sind hochgekommen. Ich habe mir sozusagen im Kopf eine wunderbare Erinnerung an die Zukunft gebaut, an die ich immer wieder gedacht habe, mit all den Gefühlen, die dabei auch entstehen. So etwas kann ungemein motivieren, wird aber, so meine Erfahrung, überraschend oft vernachlässigt. Hirnforscher wissen längst, dass da neue Nervenverbindungen entstehen, die das gewünschte Ergebnis wahrscheinlicher werden lassen.

Aus diesen Zielen habe ich konkrete Fähigkeiten und Stärken abgeleitet, die ich benötigen werde. Dann habe ich mich an vergangene Situationen erinnert, in denen ich erfolgreich war  und diese Stärken bereits gezeigt hatte, im Sport oder anderen Lebensbereichen. So gewinne ich einen Zugang zu positiven, leistungsfördernden Gefühlen und zu unbewusstem Handlungswissen darüber, wie ich in der Vergangenheit etwas geschafft habe. Und da man sich manche Dinge auch gezielt ein- oder ausreden kann, habe ich das Ganze mit Strategien zur Umwandlung negativer in positive Gedanken beziehungsweise Selbstgespräche garniert.

Zusammenfassend habe ich mir ein Set von Gefühlen, inneren Bildern, Selbstgesprächen und inneren Monologen erarbeitet, die hilfreich für meine Zielerreichung sind. Diese Sets habe ich mental und körperlich so verankert, dass heißt mit Auslösern versehen, dass sie entweder gleich unbewusst oder bewusst und wie auf Knopfdruck in bestimmten Situationen aktiviert werden, um ihre positive Wirkung zu entfalten. Solche Auslöser können Bilder, Symbole, Erinnerungen an Musik, kleine Bewegungen, Wörter aber auch Reize wie der Startschuss, das Schnüren der Schuhe, das Aufsetzen des Fußes oder was auch immer sein.

Durch den Einsatz von Entspannungs- und Aktivwach-Hypnose konnte ich mein Mentaltraining deutlich intensivieren. Bestimmte Dinge – wie gewünschte Denk, Fühl-, Verhaltensweisen – gehen dann fast wie von allein und spielend leicht in „Fleisch und Blut“ über. Das Unterbewusstsein, der innere Autopilot wird auf Zielerreichung programmiert, unbewusste Blockaden können identifiziert und aufgelöst beziehungsweise in Motivation umgewandelt werden. Außerdem habe ich hin und wieder kleine, feine Gedankenspiele eingesetzt, um vermeintlich automatisch ablaufende Prozesse, wie zum Beispiel das Schmerzempfinden, die Bewegungskoordination, den Stoffwechsel, die Regeneration et cetera positiv zu beeinflussen.

All das funktioniert ausgesprochen gut und ist auch wissenschaftlich dokumentiert. Hört sich kompliziert an, ist es aber nicht. Wenn man weiß, wie man das anstellt.

Wie ging es nach diesem ersten Rennerlebnis weiter?

Ich bekam kurz darauf eine Einladung zum Mount Everest. Dort absolvierte ich dann meinen ersten offiziellen Marathon. Ebenfalls war das Ergebnis, auch wenn dies für mich nie eine besondere Rolle spielte, sehr ordentlich: Ich wurde bester Deutscher und habe den wirklich tollen Lauf seither bereits dreimal absolviert. 2012 und 2013 haben wir sogar einen Dokumentarfilm über dieses Event produziert. Das Drehen vor Ort war schon sehr  anstrengend, weil ich in bis zu 5400 Metern Höhe mit mehreren Kameras bewaffnet, immer wieder hin und her gelaufen bin, stoppen, zurück und wieder vorlaufen musste, um während des Marathons auch andere Läufer einzufangen. Aber die Mühe hat sich gelohnt. Wir haben bereits einen Filmpreis erhalten, sind zu diversen Filmfestivals eingeladen und ich nutze den Film auch im Rahmen von Vorträgen. Das hilft natürlich sehr, das Thema Sportpsychologie einem größeren Publikum näher zu bringen.

All diese Erlebnisse mündeten letztlich im Gerüst meiner Doktorarbeit, in der ich mich mit Selbstführung und Flow-Erlebnissen unter extremen Bedingungen beschäftige. Denn aus meiner Sicht fehlt es gerade im Trail- und Ultramarathonbereich noch an wissenschaftlich fundiertem Material. Viele Athleten beschäftigen sich zwar mit Begrifflichkeiten wie mentaler Stärke oder mentalem Training, allerdings reicht das Wissen oft nicht wirklich tief. Hier will ich ansetzen und meine ganz persönlichen Erfahrung einbringen.

Aktuell suchst du für deine Forschung abenteuerlustige Läufer. Was können diese erwarten?

Ich führe bei mehrtägigen Etappenläufen in Nepal, Namibia, Schweden und Peru Untersuchungen durch. Dafür suche ich international Probanden, die gesponsert an den Läufen teilnehmen. Interessenten können sich gern über meine Homepage michele-ufer.de informieren und bewerben. Noch sind Restplätze frei, auch wenn sich das Angebot in der Läuferszene international herumspricht: eine australische Forscherin nimmt mit gleich einer ganzen Ultralaufgruppe am Projekt teil und plant sogar einen Film zu dem Projekt zu drehen.

Die Teilnehmer wirken an einer Studie mit, anhand der ich untersuchen will, wie individuelle Motivationsstrukturen, allgemeine Fitness, der Erfahrungshintergrund, psychologische Fähigkeiten und Persönlichkeitsmerkmale das Auftreten von Flow-Erleben (Runner’s High), die Leistung und Zufriedenheit unter extremen Bedingungen beeinflussen.

Die Erkenntnisse lassen sich also für wettkampf- und gesundheitsorientierte Sportler, aber auch in ganz andere Lebensbereiche zur Verbesserung der Selbstführung und Motivation nutzen. Denn was hier funktioniert, sollte auch unter weniger extremen Bedingungen hilfreich sein. Ein weiteres Ziel ist es, ein wissenschaftlich fundiertes Mental-Profil erfolgreicher Extrem- und Ultra-Ausdauersportler zu entwickeln. Dies eröffnet den Athleten in einem zunehmend populären Bereich des Ausdauersports systematische Vergleichsmöglichkeiten. Das hilft dabei, passgenaue psychologische Trainingsmaßnahmen abzuleiten und die Wirksamkeit der Interventionen formativ wie summativ zu überprüfen.

Das Forschungsdesign folgt dabei einem innovativen, ganzheitlichen Ansatz, denn erstmals werden mehrere Einflussparameter in ihrer Vernetzung berücksichtigt und relevante Daten nicht nur vor und nach einem Rennen, sondern auch live während der Wettkämpfe erhoben.

Ich freue mich auf viele Interessenten, die an der Studie mitwirken wollen oder generell Lust auf Abenteuerläufe haben und zu mir Kontakt aufnehmen.

 

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Philippe Müller: Den Sommer sinnvoll nutzen

Periodisierte Trainingsprogramme gehören im Sport zum Alltag. Auch im Skisport wird strukturiert trainiert. Im Sommer bereiten sich die Wintersportler/innen auf die kommende Saison vor. Die Basis in Kraft und Ausdauer wird gelegt. Es bietet sich an, in dieser Trainingsphase auch in das psychologische Training zu investieren.

Zum Thema: Der Einsatz des mentalen Trainings

Eine präzise Bewegungsvorstellung ist eine der wichtigsten Voraussetzungen im Leistungssport. Diese kann durch mentales Training, oft auch als Visualisierungstraining bezeichnet, gefördert werden. Dabei durchläuft der Athlet gedanklich eine Abfolge von Bewegungsmustern, ohne die Bewegung praktisch auszuführen. Die Qualität der Visualisierung kann an unterschiedlichen Kriterien überprüft werden. Ein solches Maß ist die ‚Lebendigkeit‘ der Vorstellung. Die Bewegung sollte nicht lediglich als Film ablaufen, sondern am ganzen Leibe gespürt werden: den Druck in den Knien und Oberschenkeln, wenn die Kurve gefahren wird, das Geräusch, wenn die Kante des Skis im Schnee zu greifen beginnt.

Die Vorstellungsfertigkeit muss, wie jede Technik, erlernt und trainiert werden. Deshalb bietet es sich an, im Sommer die Grundlagen zu schaffen. Die Bewegungsabläufe werden zu diesem Zweck genau analysiert. Anschließend wird für die Bewegung ein detaillierter Ablaufplan erstellt, welcher schlußendlich mental geübt wird. Es empfiehlt sich, die Analyse und Ausarbeitung in Zusammenarbeit mit dem Trainer und Sportpsychologen durchzuführen, um die Qualität zu steigern und sich keine falschen Bewegungsabläufe anzueignen.

Das mentale Training kann zu unterschiedlichen Zielstellungen eingesetzt werden. Es dient nicht aussließlich zur Wettkampfvorbereitung, sprich dem Visualisieren einer bestimmten Rennstrecke. Es kann auch, wie oben beschrieben, zur Optimierung von Bewegungsmustern eingesetzt werden.

Da viele Wintersportarten vom Wetter (Schnee oder Eis) abhängig sind, kann das Visualisierungstraining zudem als Alternative zum Schneetraining betrieben werden. Vor allem bei Bewegungen, die eine hohe Belastung für den Körper darstellen, ist der Einsatz des mentalen Trainings zur Belastungsreduktion und somit zur Verletzungsprophylaxe, sinnvoll.

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Philippe Müller: Die Trainerpersönlichkeit

Das Anforderungsprofil und die Tätigkeiten eines/r Trainers/in haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Die Leistung des/r Sportlers/in ist jedoch noch immer der Mittelpunkt der Arbeit geblieben. Zu einem erfolgreichen Team gehören aber beide Seiten. Der/die Tainer/in sollte nicht nur ihre/n Athleten/in, sondern auch sich selber gut kennen.

Zum Thema: Wie gut sollte sich ein Trainer selber kennen?

Die Anforderungen an einen modernen Trainer sind vielseitig. Die Trainingsplanung und -durchführung sind schon lange nicht mehr die einzigen Bestandteile seiner Tätigkeit. Die Koordinationsaufgaben mit Schule und Eltern nehmen zu. Die Zeit, als die Eltern ihre Schützlinge lediglich im Training absetzten, ist vorbei. Die Zahl der „problematischen“ Eltern nimmt zu. Sie meinen alles besser zu wissen und machen die Zusammenarbeit zwischen Trainer/in und Athlet/in nicht einfacher – und natürlich auch zwischen Trainer/in und Eltern. Der Druck auf die Ausbilder und Sportler steigt. Doch wie geht der Trainer damit um? In der Ausbildung haben Taktik und Technik Priorität. Hilfe und Lösungen für solche und ähnliche Probleme werden selten angeboten. Was gehört zu den Aufgaben eines/r Trainers/in? Ist diese/r für alles zuständig? Viele Trainer/innen haben auf diese Fragen keine Antwort. Ihren Nachwuchs kennen sie in- und auswendig. Wie sieht es aber mit dem Selbstbild aus? Zu selten setzten sie sich mit sich selber und der eigenen Persönlichkeit auseinander. Einige mögen hier entgegnen, dass es schließlich um die Sportler und nicht um die Trainer geht. Aber ist dies nicht die falsche Antwort?! Wie will sich ein/e Trainer/in mit den Athleten/innen auseinandersetzen, wenn er/sie nicht einmal sich selber kennt? Die Trainerpersönlichkeit hat auch immer einen Einfluss auf die Qualität der Arbeit mit den Sportler/innen. Ich stelle somit die Frage in den Raum: Müssten nicht mehr Ressourcen in die Persönlichkeitsentwicklung der Trainer/innen gesteckt werden, damit sie mit den Anforderungen besser zurecht kommen?

Meiner Meinung nach sollte jede/r Trainer/in sich folgende Fragen stellen:

– Wer bin ich und wer will ich sein (Trainer/innen sind große Vorbilder für den Nachwuchs)?

– Was gehört zu meinen Aufgaben?

– Was habe ich für Ressourcen (Stärken) um meine Arbeit zu meistern?

– Wo sind meine Schwächen und was bereitet mir Mühe?

– Wo kann ich mir die nötige Unterstützung holen?

Zu den oben aufgeführten Fragen der Persönlichkeitsentwicklung der Trainer/innen kann die Sportpsychologie Hilfestellung leisten. Das sportpsychologische Setting ermöglicht es, sich neben leistungsthematischen Aspekten auch dem Trainer/in und seiner/ihrer Persönlichkeit zu widmen. In der Zusammenarbeit mit dem Trainer würde ich ihn im ersten Schritt bei der Beantwortung der Fragen unterstützen und in einem zweiten Schritt bei der Umsetzung in dessen Tätigkeit behilflich sein. Bei der konkreten Realisierung kommen unter anderem im Training diverse Methoden zum Tragen.

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Elvina Abdullaeva: Die Vorbereitung auf ein Finale

Der WM-Pokal ist für das deutsche Team und die Argentinier um Lionel Messi zum Greifen nah. Für die meisten Beteiligten ist dies das Spiel ihres Lebens. Aber wie sollten sie sich aus sportpsychologischer Perspektive darauf vorbereiten? Bedürfen außergewöhnliche Ereignisse besondere Maßnahmen oder zählt auch ein WM-Finale für einen Profifußballer zum Daily Business?

Zum Thema: Wie bereiten sich Profis auf die wichtigsten Spiele des Lebens vor?

Mehr Bedeutung kann ein Fußballspiel nicht haben. Für alle Akteure ist es ein Traum, Weltmeister zu werden – niemand will diese vielleicht einmalige Chance verspielen. Genau deswegen kommen den Einzelnen auch Gedanken aus der Schublade „Was wäre wenn“ in den Sinn. Und dann ist da noch die Angst vor dem Versagen, welche die Sportler vom aufgabenrelevanten Fokus ablenkt und eine schlechte Leistung verursachen kann. Der Kopf muss aber wiederum cool bleiben, so dass am Sonntag im Maracana-Stadion tatsächlich die optimale Leistung abgeliefert werden kann. Viele Profis wissen das und präparieren sich für solch hoch außergewöhnlichen Karriere-Momente, indem sie jede andere Partie ähnlich akribisch vorbereiten.

Zauberwort Routinen

Routinen sind im Sport eine individuell erarbeitende festgelegte Abfolge von bestimmten Handlungen, die der Sportler immer gleich vor dem Wettkampf und in der Vorbereitung darauf ausführt. Das Ziel eines jeden Spielers – egal, ob es sich um ein Testspiel in der Vorbereitungsphase oder ein Finale der Weltmeisterschaft handelt – lautet: Behalte die Konzentration auf  deine eigene Aufgaben und tue alles, um diese vollumfänglich zu erfüllen. Letztendlich zählt nur das.

Die Routinenerarbeitung ist ein individueller Prozess, der die Bedürfnisse des Sportlers berücksichtigt. Hierbei geht es darum, was dem Sportler in der Wettkampfvorbereitung gut tut und was nicht. Durch eigene Erfahrungen und dem Austausch mit dem Trainer oder einem Sportpsychologen legt der Sportler fest, welche Aktivitäten ihn am besten in einen optimalen Zustand bringen. Wie es in mehreren Studien über Routinen bewiesen wurde, sollen diese Aktivitäten sowohl aus den körperlichen (z.B. bestimmte Erwärmung) und auch kognitiven Elementen (z.B. Selbstgespräche) bestehen, so dass Routinen einen besseren Leistungseffekt erzielen können (Highlen & Bennett, 1983; Cohn et al., 1990).

Das Beispiel Akinfeev

Genau so eine Vorbereitungsroutine hat der Torwart Igor Akinfeev, die Nummer 1 der bereits in der WM-Vorrunde ausgeschiedenen russischen Nationalmannschaft und der CSKA Moskau einmal beschrieben. Seine Vorbereitung beginnt an dem Tag des Spiels ungefähr drei Stunden vorher und betrifft sowohl physische als auch psychische Aspekte. „Ich setze mich in den Bus und stelle mich auf das Spiel ein. Ich stelle mir einige Spielmomente vor und gehe bestimmte Situationen im Kopf durch.“ Der Torhüter macht regelmäßig vor dem Start ein Visualisierungstraining, welches mehrere positive Effekte für die Leistung nach sich zieht. So steigt die Selbstwirksamkeitserwartung des Menschen und der Sportler kommt deutlich zuversichtlicher in den Wettkampf und kann wiederum eine gute Performance zeigen. Ein anderer Effekt ist die Vorbereitung auf mögliche Spielsituationen. Der Spieler geht bestimmte Situationen innerlich durch und hat so für diese Momente bereits einen Handlungsplan im Kopf. Wenn so eine Aktion später im Spiel auftaucht, weiß er, wie er auf sie reagieren soll.

Der zweite Teil der Vorbereitungsroutine von Akinfeev ist seine individuelle Erwärmung, die für seine optimale Physis sorgt. Wie der Spieler betont, macht diese aber auch einen wesentlichen Bestandteil des psychischen Wohlbefindens aus: „Eine gute Erwärmung trägt viel zu meiner positiven Einstellung bei. Wenn ich drei, vier gute Balle während der Erwärmung pariert habe, bekomme ich ein Zuversichtsgefühl, welches ich auf das ganze Spiel übertrage.“

Dieser Routine folgt Igor Akinfeev immer, unabhängig von der Wichtigkeit des Spiels. Sei es ein Match für seinen Verein oder sollte er das Tor der Nationalmannschaft verteidigen. Als Profisportler mit großer Erfahrung weiß er ganz gut, dass selbst wenn es das wichtigste Spiel seiner Karriere ist, er trotzdem nur seine Aufgabe erfüllen muss. Deshalb bereitet er sich immer gleich vor.

Literatur:

1. Cohn, P.J., Rotella, R.J., Lloyd, J.W. (1990). Effects of a cognitive-behavioral intervention on the preshot routine and performance in golf. The Sport Psychologist, 4,33-47

2. Highlen, P.S., Bennett, B. B. (1983). Elite divers and wrestlers: A comparison between open and closed-skill athletes. Journal of Sport Psychology, 4, 390-409

3. Тунис М. (2010). Психология вратаря. Москва: Человек

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