Kyle Varley: In der Öffentlichkeit wird die Sportpsychologie noch zu wenig sportlich und dynamisch verstanden

Kürzlich haben wir uns in großer Runde – immerhin zählen um die 50 ExpertInnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zum Netzwerk Die Sportpsychologen – damit beschäftigt, weshalb viele etablierte Sportpsychologen und Sportpsychologinnen den vorsichtigen Weg durch die Medienlandschaft wählen. Siehe den Link unten. Jetzt wollen wir den Blick auf die andere Farbe des medialen Spektrums werfen und stellen folgende Frage in den Raum:  

Welche Chancen bietet die mediale Präsenz, vom Boulevard bis zur Hintergrundberichterstattung, für die Sportpsychologie als Disziplin im 21. Jahrhundert?

Anke Precht, Die Sportpsychologen

Anke Precht (zum Profil)

Wir wünschen uns, dass die Sportpsychologie als etwas ganz Normales angesehen wird – genauso, wie das Athletiktraining oder die Ernährungsberatung. Warum sollten wir uns dann im Verborgenen herumdrücken? Klar – im Boulevard kann man nicht fundiert darüber berichten. Aber warum sollte man da nicht lesen, dass ein Athlet nach einem erfolgreichen Wettkampf zusammen mit dem Sportpsychologen einen Luftsprung gemacht hat? Und Hintergrundberichte sind wichtig, damit die Sportpsychologie auch bei unserer Zielgruppe breit verstanden und anerkannt wird. Das geht nur, wenn die Athleten wissen, was sie ihnen bringt. Und natürlich auch, dass ihre Idole sie für sich nutzen.

Prof. Dr. Oliver Stoll, Die Sportpsychologen

Prof. Dr. Oliver Stoll (zum Profil)

Ich gebe Anke Recht. Das wäre wirklich super, wenn Sportpsychologie als etwas ganz Normales angesehen wird. Und dazu kann natürlich mediale Präsenz beitragen. Ich denke auch, dass sich dies in den letzten zwei Jahrzehnten auch schon deutlich verbessert hat, aber dennoch ist es offensichtlich immer noch nichts “Normales”. Dies hängt aber eben auch mit der Komplexität unseres Faches zusammen und auch den im Leistungssport – immer noch primär im Fokus stehenden – Wirksamkeitskriterien für eine Intervention, nämlich den sportlichen Erfolg. Und wir Sportpsychologie*innen können eben einen sportlichen Erfolg nicht monokausal auf unsere Intervention zurückbeziehen. Andere Teildisziplinen wie die Trainingswissenschaft (Athletik-Trainer) und Sportmedizin (Sportärzte) können das natürlich auch nicht, aber zumindest haben diese Berufsgruppen das “Plausibilitäts-Problem” nicht. Und hinzu kommt, dass wir Sportpsychologie*innen aus meiner persönlichen Sicht ausgesprochen selbst-reflexiv sind, was dieses Problem betrifft. Das macht es dann auch schwieriger, mediale Präsenz als Chance zu begreifen.

Yvonne Dathe, Die Sportpsychologen
Yvonne Dathe, Die Sportpsychologen

Yvonne Dathe (zum Profil)

Um als “normal” anerkannt zu werden, kann es durchaus hilfreich sein, auch in sogenannte Boulevard Medien präsent zu sein. Es geht darum zu zeigen, was wir leisten können. Es muss nicht immer nur in “Fachmagazinen” ein Beitrag erscheinen. So bleiben wir im verborgenen und Sportler:innen möchten nicht mit Sportpsycholog:innen in Verbindung gebracht werden. Nur wenn wir es schaffen, in der Bevölkerung akzeptiert zu sein, dann werden Sportler:innen gerne über ihre Erfolge (was nicht “nur” eine Medaille sein muss) in unserer Zusammenarbeit zu berichten. Hilfreich sind hier mediale Präsenz auf möglichst vielen Kanälen vom Boulevard bis zur Hintergrundberichterstattung. 

Kyle Varley, Die Sportpsychologen
Kyle Varley, Die Sportpsychologen

Kyle Varley (zum Profil)

Die mediale Präsenz ist heutzutage eine Notwendigkeit. Die Akzeptanz für das Thema Sportpsychologie steigt zwar, um sich aber in der breiten öffentlichen Wahrnehmung komplett zu etablieren, muss sich die Disziplin auch breit machen und durch mediale Präsenz an genau diese Menschen gelangen. Außerdem wird die Disziplin von der Öffentlichkeit noch zu wenig sportlich und dynamisch verstanden, im Vergleich zum Mental Coaching, was aktuell noch viel jünger und frischer aufgefasst wird. Die Sportpsychologie muss sich also besser platzieren und mehr mediale Präsenz erlaubt ihr das.

Die Sportpsychologie in den Medien – Zwei aktuelle Beispiele

Mathias Liebing, Redaktionsleiter von Die Sportpsychologen, hat sich für die Dokumentation “Ralf Rangnick – Zwischen Kommerz und Liebe” und einem Beitrag für den SWR mit dem Thema Sportpsychologie befasst. In beiden Filmen geht es um die Etablierung der Sportpsychologie, insbesondere mit Blick auf den Weg von Prof. Dr. Jan Mayer und Dr. Hans-Dieter Hermann.

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Link zum SWR-Beitrag (Sportpsychologie-Beitrag beginnt bei 1:45)

https://www.ardmediathek.de/video/swr-sport/letzte-sendung-oder-swr-sport/swr/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzE5NTc4MDA

Mehr zum Thema:

Teil 3 folgt am Mittwoch, den 29. November 2023. 

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Mathias Liebing
Mathias Liebinghttps://www.torial.com/mathias.liebing
Redaktionsleiter bei Die Sportpsychologen und freier Journalist Leipzig Deutschland +49 (0)170 9615287 E-Mail-Anfrage an m.liebing@die-sportpsychologen.de