Wir bei Die Sportpsychologen werden häufig gefragt, ob denn jetzt eigentlich ein guter Zeitpunkt sei, mit der Sportpsychologie zu beginnen? Schauen wir uns das genauer an. Warum ist vielleicht gerade die Vorbereitung, also die Wochen vor den ersten Wettkämpfen und Wettbewerben, der perfekte Zeitpunkt?

Antwort von: Sebastian Ayernschmalz (zum Profil)
In der Vorbereitungsphase ist es sehr viel ruhiger als in der Saison oder kurz vor den Spielen. In meinen Erfahrungen kommen während der Hochphase der Saison nicht nur die Wettkämpfe, sondern auch Prüfungen bei den Schuler:innen oder Deadlines der Sportler:innen hinzu. Das ist am Ende ein terminlicher Balanceakt, der dann auch oft verhindert, dass Termine stattfinden. In der Vorbereitung, also in der ruhigen Zeit, das Fundament legen hilft, dass während der dringlichen Zeit Grundstrukturen der sportpsychologischen Arbeit einfach da sind. Es entzerrt vieles und manche Themen erarbeitet man auch am besten mit etwas Ruhe und ohne Druck der Wettkämpfe oder Sorgen, den nächsten Schritt im Leistungszentrum zu packen.

Antwort von Prof. Dr. René Paasch (zum Profil):
Weil in der Vorbereitung nicht nur körperliche, sondern auch mentale und soziale Grundlagen gelegt werden. Genau in dieser Phase entstehen Routinen, Kommunikationsmuster und der Umgang mit Druck, Fehlern oder Rollen innerhalb eines Teams. Sportpsychologische Arbeit kann hier präventiv wirken und Strukturen schaffen, die Athletinnen, Athleten und Teams langfristig stabilisieren. Wer mentale Prozesse früh integriert, arbeitet nicht erst an Problemen, sondern stärkt von Beginn an Selbstregulation, Teamdynamik und Leistungsfähigkeit.
Ich erinnere mich an einen jungen Rennfahrer, der enormes Talent hatte, sich nach kleinen Fehlern aber häufig gedanklich „verlor“. In der Vorbereitungsphase haben wir deshalb bewusst an mentalen Routinen gearbeitet: Fokus nach Fehlern zurückgewinnen, Emotionen regulieren und klare Abläufe vor dem Start entwickeln. Einige Monate später berichtete er, dass er erstmals das Gefühl hatte, auch unter Druck wieder Kontrolle über seine Gedanken zu haben. Genau dafür ist die Vorbereitungsphase so wertvoll: Mentale Stärke entsteht selten spontan im Wettkampf, sondern meist vorher im Training.

Antwort von: Yvonne Dathe (zum Profil)
Die Vorbereitungsphase ist aus mehreren Gründen ein idealer Zeitpunkt, um mit sportpsychologischer Arbeit zu beginnen:
- Grundlagen schaffen
In der Vorbereitungsphase besteht Zeit, um mentale Fähigkeiten systematisch aufzubauen und zu trainieren. Das Fundament für Selbstvertrauen, Konzentration, Stressbewältigung und Motivation kann hier gelegt werden. - Geringerer Wettkampfdruck
Da Wettkämpfe noch nicht unmittelbar bevorstehen, können Athleten ohne akuten Leistungsdruck neue Techniken ausprobieren und sich an die sportpsychologischen Methoden gewöhnen. - Integration in Trainingsablauf
Psychologische Trainingsinhalte lassen sich gut in das körperliche Training integrieren. So entsteht eine ganzheitliche Vorbereitung auf die Saison. - Zielsetzung und Motivation
In dieser Phase können klare Ziele für die Saison definiert werden. Sportpsychologische Beratung hilft, diese Ziele realistisch zu formulieren und die Motivation langfristig hochzuhalten. - Vorbeugung von Problemen
Mögliche mentale Blockaden oder Stressfaktoren können frühzeitig erkannt und bearbeitet werden, bevor sie sich negativ auf die Wettkampfleistung auswirken. - Aufbau von Routinen
Die Vorbereitungsphase bietet Gelegenheit, mentale Routinen und Rituale zu entwickeln, die Sportler während der Saison stabilisieren.
Zusammenfassung: Die Vorbereitungsphase ist perfekt, weil sie den nötigen Raum und die Zeit bietet, um mentale Fähigkeiten aufzubauen, Techniken zu erlernen und Probleme vorzubeugen – alles ohne den unmittelbaren Druck von Wettkämpfen. So sind Sportler für die Saison bestens gerüstet.

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