Wir bei Die Sportpsychologen werden häufig gefragt, ob denn jetzt eigentlich ein guter Zeitpunkt sei, mit der Sportpsychologie zu beginnen? Schauen wir uns das genauer an. Warum ist vielleicht gerade die Sommerpause, also die wettkampffreie Zeit, der perfekte Zeitpunkt?

Antwort von: Janosch Daul (zum Profil)
Die Sommerpause ist oftmals der ideale Zeitpunkt, um mit sportpsychologischer Arbeit zu beginnen. Im Gegensatz zur laufenden Saison stehen in dieser Phase weniger Wettkämpfe, Ergebnisse und kurzfristige Leistungsziele im Mittelpunkt. Dadurch entsteht der nötige Raum, um sich intensiver mit den mentalen Aspekten der eigenen Leistung auseinanderzusetzen und nachhaltige Veränderungen anzustoßen. Themen wie Selbstvertrauen, Konzentration, Motivation, der Umgang mit Druck oder Fehlern sowie mentale Routinen können ohne den unmittelbaren Stress des nächsten Spiels oder Wettkampfs gezielt aufgebaut und trainiert werden.
Gleichzeitig bietet die Sommerpause die Möglichkeit, die vergangene Saison bewusst zu reflektieren: Was hat gut funktioniert? In welchen Situationen fehlte die mentale Stabilität? Welche Herausforderungen haben besonders Energie gekostet? Aus dieser Analyse lassen sich klare Ziele und individuelle Strategien für die kommende Saison entwickeln. Auch die mentale Regeneration spielt dabei eine wichtige Rolle, denn viele Athletinnen und Athleten unterschätzen die psychische Belastung einer langen Saison. Die Pause kann helfen, Motivation neu aufzubauen, Rückschläge oder Verletzungen zu verarbeiten und wieder mit mehr Freude und Klarheit in den Sport zurückzukehren.
Sportpsychologisches Training wirkt oft besonders dann, wenn es frühzeitig und kontinuierlich aufgebaut wird, ähnlich wie Technik-, Kraft- oder Ausdauertraining. Wer die Sommerpause nutzt, um an der eigenen mentalen Stärke zu arbeiten, schafft eine wichtige Grundlage, um in der neuen Saison fokussierter, stabiler und belastbarer mit Drucksituationen und Herausforderungen umzugehen.

Antwort von Prof. Dr. René Paasch (zum Profil):
Die Sommerpause schafft einen psychologischen Freiraum, der während der Saison oft fehlt. Der unmittelbare Leistungsdruck nimmt ab und dadurch entsteht Raum für echte Veränderung. Themen wie Regeneration, Motivation, Selbstwert oder mentale Balance können in dieser Phase häufig deutlich nachhaltiger bearbeitet werden. Aus psychologischer Sicht entstehen stabile Veränderungen selten unter dauerhaftem Stress, sondern vor allem dann, wenn Menschen wieder Zugang zu Reflexion und Selbststeuerung finden.
Ich habe einmal mit einer jungen Skirennläuferin gearbeitet, die nach einer langen Wintersaison körperlich zwar fit war, mental aber vollkommen erschöpft wirkte. Während der Saison wollte sie vor allem „funktionieren“ und keine Schwäche zeigen. Erst in der Sommerpause konnte sie offen darüber sprechen, wie sehr sie die ständige Bewertung und die Angst vor Fehlern belastet hatten. Genau in dieser ruhigeren Phase konnten wir wieder an Motivation, Selbstvertrauen und Freude am Sport arbeiten.

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