Was signalisiert dir dein Körper, wenn er “zumacht”?

Eine junge Sportlerin befürchtet, dass sie unter einer Sportblockade leidet. Prof. Dr. René Paasch und Elisa Jocey Lierhaus erklären auf, worauf die Sportlerin achten soll.

In der Rubrik Frage/Antwort stellen Sportler, Sportlerinnen, TrainerInnen oder Eltern und andere Interessierte Fragen zu sportpsychologischen Themen. Kürzlich erreichte uns folgende Anfrage: “In den Sommerferien habe ich sehr viel Sport gemacht (4x Thaiboxen, 3x Laufen, 1-2x Gym/Calisthenics. Seit die Schule begonnen hat, struggle ich damit, wieder mehr Sport zu machen. Vor allem ins Gym bin ich seit 1-2 Monaten nicht mehr gegangen (in den Sommerferien wurde es schon weniger). Im Gym ist es allerdings oft so, dass plötzlich mein ganzer Körper „zumacht“. Die Frage: Kann es sein, dass das eine Sportblockade ist? Oder mache/habe ich zu viel Sport(-arten) gemacht? Ich „schaffe“ es momentan mental einfach nicht, mit Sport anzufangen.” Prof. Dr. René Paasch und Elisa Jocey Lierhaus geben der Sportlerin konkrete Tipps, ihre Situation genauer zu hinterfragen. Eine sogenannte Sportblockade ist allerdings nicht der Punkt, an dem sie ansetzen wollen. 

Prof. Dr. René Paasch, Die Sportpsychologen
Prof. Dr. René Paasch, Die Sportpsychologen

Antwort von: Prof. Dr. René Paasch (zum Profil)

Ob das, was du gerade erlebst, tatsächlich eine „Sportblockade“ ist, lässt sich aus deiner Beschreibung nicht sicher sagen. Ich würde es zunächst auch gar nicht so nennen.

Was auffällt, ist der Unterschied zwischen deinen Sommerferien und deinem jetzigen Alltag. Viermal Thaiboxen, dreimal Laufen und zusätzlich ein bis zwei Einheiten Calisthenics sind ein ziemlich umfangreiches Trainingspensum. Mit Beginn der Schule kommen andere Anforderungen hinzu und dein Körper und dein Kopf müssen nicht nur das Training, sondern die gesamte Belastung bewältigen.

Deshalb würde ich gerade nicht versuchen, dich mit aller Kraft wieder zu deinem Pensum aus den Ferien zu bringen. Überlege lieber, welche zwei oder drei Trainingseinheiten dir im Moment wirklich wichtig sind und gut in deine Woche passen. Wenn du wieder einen Rhythmus gefunden hast, kannst du später immer noch etwas ergänzen.

Interessant ist deine Beschreibung, dass dein Körper im Gym manchmal plötzlich „zumacht“. Beobachte einmal genauer, wann das passiert. Schon bevor du losgehst, beim Gedanken an das Training oder tatsächlich erst während des Trainings? Und was bedeutet „zumachen“ für dich konkret: Müdigkeit, Anspannung, fehlender Antrieb oder ein körperliches Unwohlsein? Das kann helfen zu verstehen, ob gerade eher die Gesamtbelastung, die Motivation oder etwas anderes eine Rolle spielt.

Falls mit diesem „Zumachen“ körperliche Beschwerden wie Schwindel, Atemprobleme, Schmerzen oder ungewöhnlich starke Erschöpfung verbunden sind, solltest du das bitte deinen Eltern sagen und ärztlich abklären lassen.

Für den Moment würde ich den Druck herausnehmen, wieder so viel Sport wie in den Ferien „schaffen“ zu müssen. Die bessere Frage könnte sein: Welcher Umfang an Sport passt gerade zu meinem Alltag und fühlt sich für mich noch gut an?

Elisa Lierhaus, Die Sportpsychologen
Elisa Lierhaus, Die Sportpsychologen

Antwort von: Elisa Jocey Lierhaus (zum Profil)

Ich kann mich der Einschätzung meines Kollegen René sehr gut anschließen und würde ebenfalls erst einmal den Druck herausnehmen, das aktuelle Erleben direkt als „Sportblockade“ einordnen zu müssen. Ergänzend möchte ich dir noch eine Perspektive mitgeben, bei der es etwas stärker darum geht, die Signale deines Körpers wahrzunehmen und besser zu verstehen.

Gerade deine Beschreibung, dass dein Körper manchmal „zumacht“, finde ich dabei spannend. Du könntest versuchen, diesen Moment zunächst nicht als etwas zu betrachten, das du überwinden musst, sondern als ein Signal, das du etwas genauer kennenlernen kannst: Was passiert in diesem Moment eigentlich körperlich und mental?

In den Sommerferien hattest du mit Thaiboxen, Laufen und Gym ein sehr hohes Sportpensum. Gleichzeitig hattest du wahrscheinlich einen anderen Alltag als jetzt mit der Schule. Unser Körper reagiert dabei auf die gesamte Belastung – also nicht nur auf Sport, sondern auch auf Schule, Termine, wenig Erholung oder andere Dinge, die gerade Energie benötigen.

Vielleicht hilft dir deshalb ein kleiner Check-in, bevor du Sport machst:

  • Wie voll ist mein Akku heute – körperlich und mental – von 0 bis 10?
  • Was nehme ich gerade in meinem Körper wahr?
  • Was brauche ich heute: Belastung, lockere Bewegung oder vielleicht Erholung?

Dabei geht es nicht darum, nur dann Sport zu machen, wenn du zu 100 % motiviert bist. Vielmehr kannst du mit der Zeit lernen, besser zu unterscheiden: „Fällt mir gerade nur das Anfangen schwer?“ oder „Signalisiert mir mein Körper tatsächlich, dass er Erholung braucht?“

Wenn vor allem das Anfangen schwer fällt, kannst du die Einstiegshürde bewusst kleiner machen. Statt dir vorzunehmen: „Heute muss ich wieder richtig trainieren“, könntest du dir sagen: „Ich starte mit 15 Minuten und entscheide danach neu.“ Danach kannst du weitermachen, die Intensität anpassen oder auch bewusst aufhören.

Vielleicht verändert sich dadurch auch die Frage von „Warum schaffe ich es gerade nicht, wieder so viel Sport zu machen?“ hin zu „Welche Form und welche Menge an Sport passt gerade zu meinem Alltag und tut mir gut?“

Und wie René schon geschrieben hat: Wenn dieses „Zumachen“ mit deutlichen körperlichen Beschwerden wie Schmerzen, Schwindel, Atemproblemen oder ungewöhnlich starker Erschöpfung verbunden ist oder häufiger auftritt, würde ich das zusätzlich ärztlich abklären lassen.

FAQ

Antworten auf deine Fragen

Wir haben hier einige Fragen und Antworten gesammelt. Wenn du tiefer einsteigen willst, nimm direkten Kontakt auf:

Was kann es bedeuten, wenn sich der Körper beim Sport plötzlich „zumacht“?

Wenn der Körper beim Sport plötzlich „zumacht“, kann das unterschiedliche Ursachen haben. Eine hohe Gesamtbelastung durch Training, Schule, wenig Erholung oder andere Anforderungen kann ebenso eine Rolle spielen wie mentale Anspannung oder fehlender Antrieb. Deshalb ist es sinnvoll, genauer zu beobachten, wann das Gefühl auftritt und wie es sich konkret äußert. Bei Schmerzen, Schwindel, Atemproblemen oder ungewöhnlich starker Erschöpfung sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden.

Kann ein sehr hohes Trainingspensum dazu führen, dass man vorübergehend weniger Sport machen möchte?

Eine pauschale Antwort lässt sich auf diese Frage nicht geben. Ein hohes Trainingspensum kann zusammen mit anderen Belastungen aber durchaus dazu führen, dass Körper und Kopf weniger Energie für Sport zur Verfügung haben. Entscheidend ist dabei die Gesamtbelastung und nicht nur die Anzahl der Trainingseinheiten. Nimm am besten Kontakt zu den Experten oder Expertinnen von Die Sportpsychologen oder anderen Ansprechpartner in deinem Umfeld oder Verein auf.

Was kann man tun, wenn es mental schwerfällt, wieder mit dem Sport anzufangen?

Es kann helfen, den Druck zu reduzieren und die Einstiegshürde kleiner zu machen. Statt sich vorzunehmen, sofort wieder das frühere Trainingspensum zu erreichen, kann man beispielsweise mit 15 Minuten Bewegung beginnen und anschließend entscheiden, ob man weitermachen möchte. Ein kurzer Check-in vor dem Training kann ebenfalls helfen: Wie hoch ist meine körperliche und mentale Energie, was nehme ich gerade in meinem Körper wahr und brauche ich heute eher Belastung, leichte Bewegung oder Erholung? Check das gern mit Experten und Expertinnen ab.

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Mathias Liebing
Mathias Liebinghttps://www.torial.com/mathias.liebing
Redaktionsleiter bei Die Sportpsychologen und freier Journalist Leipzig Deutschland +49 (0)170 9615287 E-Mail-Anfrage an m.liebing@die-sportpsychologen.de