Frage und Antwort: In der Pubertät zum Sport motivieren

Uns hat eine Frage von Heidi erreicht. Sie treibt der optimale Umgang mit ihrer Tochter um, die sich in der Pubertät befindet. Aktuell haben sich Wachstumsschübe negativ auf den sportlichen Alltag ausgewirkt. Zudem zeigt ihre Tochter eine weitere Verhaltensauffälligkeit. Wir von Die Sportpsychologen haben uns dem komplexen Thema angenommen und versucht Lösungswege aufzuzeigen.

Zum Thema: Motivation zum Sport

Heidi beschrieb Ihre Situation wie folgt: Meine Tochter ist sehr früh recht groß gewachsen. Sie ist 15 Jahre und weist beidseitig Überpronation und eine Überdehnbarkeit der Extremitäten auf. Sie neigt zu schnellem Aufgeben und Fehler schreibt sie immer gern anderen zu. Aktuell will sie nicht alleine eine Sportart ausführen, stattdessen soll ich immer mitmachen. Das geht aber durch mein Alter (ca. 60) nur bedingt und ich hab auch nicht immer Lust mit ihr den Sport zu machen, den sie gern machen würde (Reiten). Darüber hinaus fehlen hier auch einfach die Möglichkeiten und Angebote.

Die Frage: Wie kann ich meine Tochter motivieren, regelmäßig einer Sportart ihrer Wahl nachzugehen? Darüber hinaus: Welche Sportarten sind überhaupt geeignet? Und wie kann ich sie auf eine regelmäßige Bewegung einstellen bzw. hinführen?

Anke Precht, Die Sportpsychologen
Anke Precht, Die Sportpsychologen

Antwort von: Anke Precht (zum Profil)

Liebe Heidi (Namen von de Redaktion geändert), 

es ist gut, dass Sie offenbar ein waches Auge auf die Gesundheit Ihrer Tochter haben, auch im Hinblick auf Sport, der bekanntlich gesund ist und ein schönes Hobby darstellt. Nun ist 15 ein Alter, in dem junge Menschen sich oft mit Regelmäßigkeit und Disziplin etwas schwer tun, besonders im Hinblick auf Aktivitäten, die nicht unmittelbar Spaß machen – entweder, weil es nicht so läuft wie man sich das wünscht, oder weil man sich aus dem ein oder anderen Grund dabei unsicher fühlt. Mit 15 ist einem viel peinlich, der eigene Körper, die eigene Familie, die eigene Stimme, und die Frustrationstoleranz kann dabei sinken. Manche junge Menschen hören deshalb auch mit etwas auf, was sie früher gerne gemacht haben.

Worauf ich hinaus möchte: Dass es so ist, ist erst einmal nicht schlimm. Es ist Teil des Ruckelns, das in der Pubertät phasenweise immer wieder passiert. Und man MUSS nicht unbedingt mit einem Sport weitermachen – außer, es ist das eigene Pferd, für das man Verantwortung trägt. Dann ist elterliches Anschieben nötig und richtig, selbst wenn das, altersgemäß, dann wahrscheinlich zu Konflikten führt. Diese Auseinandersetzungen zu führen und auch auszuhalten, ist Teil der elterlichen Aufgabe.

Ist Ihre Tochter Reitschülerin ohne eigenes Pferd, könnte auch ein Wechsel der Sportart eine Idee sein, vielleicht so, dass ihr die hohe Körpergröße weniger Schwierigkeiten bereitet, sondern daraus eher ein Vorteil wird. Für Volleyball zum Beispiel ist das super, auch im Faustball oder Basketball. Als Mitglied in einem Team ist auch die Motivation für das Training eine andere: Man kann die Teamkolleginnen ja nicht einfach hängen lassen. Vielleicht gibt es in Ihrer Gegend einen Verein, in den sie mal hineinschnuppern möchte? Falls sie nicht aus dem Schulsport eine Sportart kennt, die sie sowieso besonders gerne macht. 

Darüber hinaus können Sie als Mutter einer jugendlichen Tochter nicht viel machen, um sie auf Bewegung einzustellen. Dazu sind Sie in der falschen Rolle, ist es schlicht nicht möglich. Besser können das die gleichaltrigen Freundinnen oder eben der Trainer oder die Trainerin aus einem Verein, vielleicht die Leute vom Reitstall oder ein anderer vertrauter Mensch in Ihrer Umgebung. Als Mutter gilt es auszuhalten lernen, dass ein Kind sich in seiner Entwicklung manchmal schwer tut, Krisen erlebt, nicht immer Entscheidungen trifft, die man selbst richtig findet.

Ich wünsche Ihnen beiden von Herzen eine gute Lösung!

Andreas Meyer, Die Sportpsychologen

Antwort von: Andreas Meyer (zum Profil)

Hallo Heidi (Namen von de Redaktion geändert),

zunächst einmal fällt mir auf, dass deine Tochter dich gerne dabei haben möchte beim Sport treiben. Das ist schon etwas auffällig, muss aber auch nicht komisch sein. Dennoch ist es wohl so, dass die meisten jungen Mädchen und Jungen eher versuchen, sich in dieser Zeit von den Eltern abzuspalten.

Bezüglich der Überpronation und der Überdehnbarkeit würde ich mir überhaupt keine großen Gedanken machen, gerade in einer Phase, wo sich auch hormonell viel verändert, ist das mehr als häufig und kein Grund zur Panik.

Mir stellt sich eher die Frage, warum deine Tochter nur mit dir zusammen Sport treiben möchte und nicht mit anderen Gleichaltrigen? Fühlt sie sich nicht wohl mit „Fremden“ oder anderen Gruppen oder hat sie womöglich schlechte Erfahrungen gemacht? Oder ist es was ganz anderes? So etwas bekommt man sicherlich nur in einem guten und vorsichtigen Gespräch heraus.

Zum Thema Motivation: Jemand anderen zu motivieren ist eher schwierig. Vielmehr geht es darum, Angebote zu schaffen und diese müssen dann selbst wahrgenommen werden. Wir sprechen von intrinsischer Motivation, wenn aus einem eigenen Bedürfnis heraus eine Tätigkeit erfolgt. Es geht eher darum, dieses Bedürfnis deiner Tochter herauszufinden, denke ich.

Ich wünsche euch, dass ihr eine gute Lösung findet!

Danijela Bradfisch, Die Sportpsychologen
Danijela Bradfisch, Die Sportpsychologen

Antwort von: Danijela Bradfisch (zum Profil)

Hallo Heidi (Namen von de Redaktion geändert),

ich schließe mich meiner beiden Kollegen an, es ist nicht einfach mit einer 15-jährigen Tochter, die sich und die Welt gerade für sich neu entdeckt. Seit über 25 Jahren arbeite ich mit Mädchen in dieser Altersklasse zusammen und ich finde es immer wieder schön zu hören und zu lesen, dass das Mädchen “immer noch” was mit Ihrer Mutter unternehmen möchte. Soviel erstmal dazu 🙂

Grundsätzlich bin ich aber auch dafür zu ergründen, mit welchem Hintergrund Deine Tochter mit Dir lieber Sport macht als mit Gleichaltrigen? Mein Ansatz in diesem Fall zielt eher auf das erfahren, warum Sie das mit Dir gerne mehr machen möchte? Hast Du sie dazu mal befragt? Warst Du mal im Sport aktiv? Wenn ja, wie war es bei Dir damals? Ggf. möchte Sie Dir etwas “Gutes tun”? Die körperlichen Veränderungen und das Bewusstsein dafür, weil Sie sich mit Dir vergleicht, Dir ähnelt oder Dich (nicht) nachahmen möchte? Gab es in der Familie darüber in der letzten Zeit Gespräche? Such am besten das Gespräch mit ihr in einer Umgebung, wo ihr beide Euch wohl fühlt. Ggf. sucht Euch beide eine Sportart aus – die Ihr beide ausüben könnt, aber in unterschiedlicher Intensität.

Ich wünsche Euch beiden viel Spaß zusammen, Dir auch gute Nerven und alles Liebe mit Deiner Tochter. 

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    Mathias Liebing
    Mathias Liebinghttps://www.torial.com/mathias.liebing
    Redaktionsleiter bei Die Sportpsychologen und freier Journalist Leipzig Deutschland +49 (0)170 9615287 E-Mail-Anfrage an m.liebing@die-sportpsychologen.de