Fußball-Nationalspieler Florian Wirtz wurde vor dem verlorenen Sechzehntelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 gegen Paraguay gefragt, ob er sich auf die zu erwartenden hohen Temperaturen vorbereitet habe. Der Spieler des Liverpool FC antwortete offen und ehrlich, dass er sich darüber noch gar keine Gedanken gemacht habe. Richtig oder falsch? Sollten Spieler wie Wirtz völlig losgelöst in ein WM-Spiel gehen oder gehört es zu einer guten Vorbereitung dazu, sich auch mit den Rahmenfaktoren wie dem Wetter zu beschäftigen?
Zum Thema: Unmittelbare Wettkampfvorbereitung im Fußball

Antwort von: Anke Precht (zum Profil)
Eine spezifische Vorbereitung auf Rahmenbedingungen ist Teil einer professionellen Vorbereitung. Im Mountainbike ist es vollkommen normal, vor einem Weltcup in Brasilien Hitzetraining zu absolvieren, damit der Organismus die Schwüle dort gut abkann und die Energie voll zur Verfügung steht. Das Gleiche gilt für andere Witterungsbedingungen auch. Die Stimmung in Stadien kann antizipiert werden, auch der Druck, der auf der Mannschaft und auf den einzelnen Spielern liegt. Diese Dinge lassen sich mental antizipieren und trainieren. Dabei muss nicht jedes Detail beachtet werden – aber eben doch die wichtigsten Parameter, damit man nicht in einem Umfeld landet, das einen Teil der Energie mit Beschlag belegt oder die Handlungsfähigkeit in den Spielen einschränkt.

Antwort von: Christian Bader (zum Profil)
Wir verwechseln in der Vorbereitung gern Kontrolle mit dem Gefühl von Kontrolle. Sich am Spieltag mit dem Wetterbericht zu beschäftigen fühlt sich seriös an, nützt auf dem Platz aber nichts. Schlimmstenfalls kippt es sogar ins Gegenteil: Wer intensiv an die Hitze denkt, denkt genau dann an die Hitze, wenn der Kopf frei sein sollte für den nächsten Pass (klassischer Ironic-Process-Effekt, Wegner lässt grüssen).
Heisst das: alles ausblenden? Nein, sondern wissen, wer sich worum kümmert. Trinkpausen, Kühlwesten, Belastungssteuerung: Aufgabe des Staffs, vorher gelöst. Der Kopf des Spielers bleibt frei für eine Sache: Seine nächste Aktion im Spiel (Present-Moment-Fokus). Das nennt man Aufmerksamkeitsfokussierung und „darüber hab ich mir noch keine Gedanken gemacht“ ist dann keine Naivität, sondern saubere Arbeitsteilung.

Antwort von: Janosch Daul (zum Profil)
Ich finde die Aussage von Florian Wirtz völlig nachvollziehbar. Ein Spieler muss nicht jede Rahmenbedingung permanent im Kopf haben – dafür gibt es im Leistungssport ein Team, das die Vorbereitung übernimmt. Aus sportpsychologischer Sicht geht es darum, die Faktoren zu kennen, die man beeinflussen kann, und alles andere loszulassen. Natürlich sollte Hitze, Anstoßzeit oder Luftfeuchtigkeit in der Vorbereitung berücksichtigt werden, aber nicht als zusätzliche mentale Belastung für den Spieler. Gute Routinen, Visualisierung und eine klare Fokussierung auf die eigene Aufgabe sind aus meiner Sicht deutlich wichtiger als ständiges Nachdenken über das Wetter. Am Ende spielen nicht die äußeren Bedingungen Fußball, sondern die Mannschaft, die mit ihnen am besten umgeht.

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