Frage und Antwort: Angst vor dem Flickflack

Stürze gehören im Training dazu. Insbesondere im Gerätturnen. Aber immer häufiger konfrontieren uns junge Sportler, im Besonderen junge Sportlerinnen, mit Ängsten nach Stürzen. Zuletzt kam eine Frage von Sam (Name von der Redaktion geändert) rein, sie hat kürzlich einen kleinen Trainingsunfall erlebt: “Ich bin bei einem stink einfachen Flickflack voll auf den Kopf geknallt – klingt schlimmer als es war. Die Ursache ist vermutlich, dass ich nur an den nachfolgenden Rückwärtssalto gedacht habe. Jetzt trau ich mir den Flickflack aber nicht mehr zu. Noch nicht einmal mit meiner Trainerin, trau ich mir ihn zu, da ich mit ihr gestürzt bin.” 

Zum Thema: Ängste überwinden

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Aber konkret zu Sams Frage: “Wie bekomme ich den Flickflack schnellst möglich wieder hin, da wir bald einen Wettkampf haben?”

Anke Precht, Die Sportpsychologen
Anke Precht, Die Sportpsychologen

Antwort von: Anke Precht (zum Profil)

Liebe Sam (Name von der Redaktion geändert), 

da hast du ein ziemliches Malheur erlebt. Den Flickflack kannst du ja, den Fehler hast du schon erkannt und analysiert: Du warst bei den Gedanken beim Rückwärtssalto, das hat den Flickflack unterbrochen. Klare Sache: Künftig den Flickflack im Kopf haben, wenn du den Flickflack machst, dann funktioniert er astrein.

Wie aber nun die Blockade aus dem Kopf kriegen? Ich habe zu diesem Thema schon ein paar Dinge in früheren Beiträgen geschrieben, möchte aber einen noch kleinen Hack ergänzen, der in Situationen wie deiner manchmal ausreicht, gut funktioniert und den Knoten wieder löst: Comedy.

Genau! Stell dir vor, du drehst ein Video mit Sam und ihrer Trainerin, in dem Sam voll auf den Kopf knallt. Natürlich ist dieses Video komplett übertrieben, es soll ja unfassbar lustig werden. Wie in einem Comic. Da ist die Mimik übertrieben, die Gestik auch, alles knallt lauter, auf dem Kopf wächst sofort eine riesige Beule, die leuchtet wie eine Signalleuchte auf dem Feuerwehrauto, nur natürlich in Rot (oder Pink? Oder Gelb?). Und das Missgeschick ist in diesem imaginären Video natürlich auch nur der Anfang von einer riesigen Kettenreaktion, an deren Ende mindestens die Halle zusammenbricht oder die ganze Stadt. Und Sam wird vielleicht am Schluss sogar Bundeskanzlerin, weil man ja offenbar schwer auf den Kopf gefallen sein muss, um sich für diesen Job zu qualifizieren. Heißt: Am Ende des Videos steht die komplette Katastrophe, und alle Zuschauer lachen sich platt. Ganz egal, wie ihr es gestaltet. Meine Vorschläge passen zu meinem Humor. Deine natürlich zu deinem.

Dieses imaginäre, also im Kopf vorgestellte, Video – mach mit anderen zusammen, Leuten, denen du vertraust. Das können Freundinnen sein, Leute aus dem Verein oder deiner Familie. Am besten suchst du solche Leute raus, die einen echt krassen Humor haben. Dann macht es am meisten Spaß. Du wirst sehen: Die alte Lockerheit kommt zurück, wenn du anfängst, über die Situation so richtig zu lachen.

Yvonne Dathe, Die Sportpsychologen

Antwort von: Yvonne Dathe (zum Profil)

Liebe Sam (Name von der Redaktion geändert),

es tut mir sehr leid, dass du diese unangenehme Erfahrung gemacht hast. Wie Anke bereits geschrieben hat, hast du den ersten Schritt bereits unternommen. Du hast erkannt, dass der Fehler in deinen Gedanken lag, die bereits beim Salto anstatt beim Flickflack waren.

Mein Vorschlag an dich, damit du schnell wieder den Flickflack hinbekommst, ist, den Flickflack genau zu visualisieren. Mache es dir dazu bequem und stelle dir vor deinem inneren Auge genau vor, wie der Ablauf ist. Vielleicht machst du davor eine Radwende, nimmst den Schwung aus der Hocke mit den Armen nach hinten mit. Während du die Arme schwungvoll nach oben bzw. hinten reißt, drückst du dich mit den Beinen vom Boden ab. Deine Arme geben die Richtung des Flickflacks vor. Mit Körperspannung und gestreckten Armen folgen deine Beine. Deine Beine bleiben geschlossen, du ziehst sie explosionsartig zum Boden und drückst dich kräftig aus den Schultern ab. Die Arme kommen schwungvoll nach oben für die nächste Übung.

Wichtig bei der Visualisierung ist, dass du dir genau überlegst, wie der Ablauf aus deiner Sicht ist und was du dabei fühlst – und zwar so, wie er idealtypisch abläuft. Wie fühlt sich dein Körper an, worauf genau musst du achten? Du solltest auch innere Hindernisse, wie z. B. deine Gedanken visualisieren und einen Plan, wie du mit den Gedanken umgehst, wenn sie auftauchen. 

Wenn du dann das nächste Mal auf der Matte stehst und den Flickflack machen möchtest, stelle dir nochmals den Ablauf ganz genau vor, atme tief ein und aus. Konzentriere dich auf den Ablauf und dann tu es! Du kannst den Flickflack und weißt, worauf es ankommt, auch wenn dein Kopf dir das Gegenteil versucht einzureden. Dein Kopf liefert dir einen Hinweis, dass du vorsichtig sein solltest. Bedanke dich bei deinem Verstand, dass er dich darauf hinweist, konzentriert zu sein, wenn du den Flickflack machst. Anschließend mach dir den Ablauf nochmals bewusst: Also: atme tief ein und aus, fokussiere dich auf den Ablauf des Flickflacks und mach den Flickflack!

Danijela Bradfisch, Die Sportpsychologen
Danijela Bradfisch, Die Sportpsychologen

Antwort von: Danijela Bradfisch (zum Profil)

Hallo Sam (Name von der Redaktion geändert),

wie bereits meine beiden Kolleginnen geschrieben haben, bin ich derselben Meinung. Eins nach dem anderen. Beide haben es sehr gut geschrieben. Mein Vorschlag an Dich wäre, ein Drehbuch zu entwerfen, für dein persönliches Kopfkino, inkl. Sound 🙂 ungefähr so…

Schritt 1: Knotenpunkte beschreiben: Genaue Bewegungsbeschreibung z.B. während du die Arme schwungvoll nach oben reißt (1), drückst du dich mit den Beinen vom Boden ab (2), Körperspannung aufbauen (3) und Absprung (4) usw.

Schritt 2: Knotenpunkte mit Sound markieren: Anschließend geht es darum, deine definierten Bewegungsabläufe mit Rhythmus zu unterlegen, um somit den Bewegungsablauf abzuarbeiten. Beispiel: (1) wusch, (2) stampf, (3) sssschhhh und (4) boing.

Ich wünsche Dir alles Gute und viel Erfolg.

Danijela

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    Mathias Liebing
    Mathias Liebinghttps://www.torial.com/mathias.liebing
    Redaktionsleiter bei Die Sportpsychologen und freier Journalist Leipzig Deutschland +49 (0)170 9615287 E-Mail-Anfrage an m.liebing@die-sportpsychologen.de