Johanna Constantini: Sportpsychologie auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft (inkl. Audio)

„Was moderne Sportpsychologen über soziale Medien wissen sollten“, ist mir in meinen Blogs ungemein wichtig. Wenn es um die Digitalisierung geht, gibt es jedoch zahlreiche Entwicklungen mehr, über die vor allem jene Menschen, die mit anderen Menschen arbeiten Bescheid wissen sollten:

Zum Thema: Was moderne Sportpsychologen von sozialen Medien wissen sollten… und noch viel mehr… (Teil 12)

Wenn ich über die Digitalisierung nachdenke, schwingt immer ein wenig Unsicherheit mit. Unsicherheit darüber, wie unsere Welt im Jahr 2030 wohl aussehen mag. Welche neuen Aufgabengebiete sich auftun werden, welche hingegen keine Zukunft erleben. Werde ich in meiner Position von einem Roboter ersetzt werden, der sich dank künstlicher Intelligenz voll und ganz auf die Seele und das Befinden meiner heutigen Klienten einstellen und ihnen so die besten der besten und noch dazu „maßgeschneiderte“ Ratschläge erteilen kann?

Hinweis: Du kannst dir Johanna Constantinis Beitrag auch anhören. Unsere Profilinhaberin aus Österreich hat den Text eingelesen. Hier geht es zur Audio-Datei:

Mit seinem Werk Hirten, Jäger Kritiker beruhigte mich Philosoph Richard David Precht dahingehend: Die Berufe, die heute ein hohes Maß an Empathie und Einfühlungsvermögen von Menschen verlangen, werden wohl zu jenen Tätigkeitsbereichen gehören, die auch auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft noch lange nicht ersetzt werden können. (Precht, 2018) Klar, sicher ist so gut wie nichts, doch aufgrund der bisherigen technologischen Entwicklungsschritte lassen sich gewisse Tendenzen zum Arbeitsmarkt der Zukunft ableiten…

Mehr Infos zu Johanna Constantini? Findest du auf der Profilseite: https://www.die-sportpsychologen.de/johannaconstantini/

Von Menschen und Messungen – Sportpsychologie auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft

Während es dem heutigen Linienrichter dann wohl nicht mehr vergönnt sein wird, sein täglich Brot am Spielfeldrand zu verdienen, so werden Berufe, bei denen unmittelbarerer Menschenkontakt unumgänglich ist, weiter bestehen. Laut den Prognosen von Precht zählen wir als Psychologen zu jener Berufsgruppe, die spät bis nie durch moderne Robotik ersetzt werden wird. (Precht, 2018). 

Meine Schlussfolgerung bezieht sich damit auch auf den Tätigkeitsbereich des Sportpsychologen, der das persönliche Coaching seiner Athleten ebenso wenig an Roboter abgeben müssen wird. Denn: obwohl und vielleicht trotzdem wir bereits heute durch Messungen und Berechnungen von Apps und Smartwatches vielerlei Leistungsvorhersagen weniger auf menschliche Vermutungen, als auf genaue technologische Prognosen zurückführen, so wird der Schwerpunkt unserer Arbeit auch in der Zukunft auf Zwischen-Menschlichkeit liegen. So lange wir sozusagen zwischen Menschen agieren, ist es umso wichtiger, sich die Bereiche des Lebens bewusst zu machen, die durch Technik ersetzt werden.

Zwischen-Menschlichkeit als wichtige Voraussetzung für psychische Gesundheit

Besonders wenn es darum geht, Vertrauen zu fassen und den Selbstwert zu stärken, ist und wird der Mensch immer von seinen Mitmenschen abhängig sein. Weil (analoge) Kommunikation, Verbundenheit und Gemeinschaft zu den Hauptquellen des menschlichen Wohlbefindens gehören, sollten und müssen die Begegnungen zwischen Menschen weiterhin gefördert werden. Wenn sich Athleten hingegen nur mehr auf digitale Helferchen verlassen, so schüren sie das Risiko langsam aber sicher – und inmitten all ihrer online Communitys – zu vereinsamen. Aus „Effizienzgründen“ helfen nämlich weder Onlinemedien noch Smartwatches und digitale Messgeräte, um das Wohlbefinden langfristig zu erhalten (Spitzer, 2018). 

Wo der Sport das analoge Mensch sein fördern kann

Laut dem Psychiater Manfred Spitzer sind es die vielen täglichen Begegnungen mit Menschen, die unsere Psyche positiv beeinflussen und den „Schmierstoff unserer Gesellschaft“ bilden. Und wo sonst – wenn nicht im Sport – kann diese analoge Kommunikation gefördert werden? 

In vielen meiner vorangegangenen Blogs habe ich über analoge Verhaltensstrategien im Trainings- und Wettkampfalltag geschrieben. Diese gilt es auch zukünftig zu forcieren und zu praktizieren. Schließlich geht es darum, als moderner Sportpsychologe mit dem Bewusstsein einer digitalisierten Welt das Mensch sein nicht an ein binäres System abzugeben und für den Sportler eine menschliche Vertrauensperson zu bleiben. Ein Mensch, bei dem vielleicht nicht jeder Schuss ein Treffer ist, durch den die Athleten aber lernen, an sich zu glauben und das Mensch-sein auch in Zukunft zuzulassen. 

Die komplette Serie:

Quellen

Spitzer, Manfred. 2018. Einsamkeit – die unerkannte Krankheit: schmerzhaft, ansteckend, tödlich. Droemer Verlag. München

Precht, Richard David. 2018. Hirten, Jäger, Kritiker. Eine Utopie für die digitale Gesellschaft. Goldmann.

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