Prof. Dr. Oliver Stoll: Athleten online beraten?

Funktioniert die sportpsychologische Anwendung auch über Online-Kanäle? Also via Skype, Facetime, WhatsApp, Google Hangout und wie alle dieser mehr oder wenigen neuen Tools heißen. Diese Frage tauchte im Rahmen des ersten Netzwerktreffens von die-sportpsychologen in Leipzig auf. Eine äußerst spannende und aktuelle Diskussion, die mich allerdings an etwas erinnerte.

Zum Thema: WhatsApp, Twitter & Co in der sportpsychologischen Praxis – Möglichkeiten und Grenzen

In meinen „jungen Jahren“ der sportpsychologischen Betreuungsarbeit – und diese fiel zusammen mit der Etablierung des Internets in unserer Berufswelt – hatte ich mir schon Gedanken über die Nutzung des Mediums gemacht. In einem Artikel in der damaligen Zeitschrift für Sportpsychologie (vormals „psychologie & sport“) publizierte ich meine damaligen Erfahrungen im Bereich der „Online-Beratung“ von Sportlerinnen und Sportlern (Stoll & Lau, 2003). Positive Erfahrungen konnten damals ebenso festgestellt werden, wie Probleme. Die schnelle und unkomplizierte Kontaktaufnahme sowie die Möglichkeit, zunächst anonym „abzuklopfen, ob ein solches Angebot angenehm und umsetzbar ist, standen verschiedene Probleme gegenüber. Konktet: Der Datenschutz, der Nachteil fehlender Informationen zum emotionalen Zustand des „Gegenübers“, da Gestik und Mimik nicht wahrgenommen werden kann und nicht zuletzt evtl. vorliegende psychopathologische Indikation, die meinerseits nicht bearbeitet werden konnten. Immerhin hatte ich in einem Jahr damals ca. 180 Kontaktaufnahmen, die überwiegend im Rahmen eines einzigen, intensiveren E-Mail-Interaktionsprozesses gelöst worden sind. Ca. 20% benötigten mehrere Interaktionsprozesse. Ca. 10% deuteten auf klinische Probleme hin. Die einzigen verwendeten Medien waren damals eine persönliche Homepage sowie ein E-Mail-Account.

Seitdem ist viel passiert – in der digitalen Welt. Neben dem Aufkommen von Social-Media-Plattformen, die man z.B., wie auch unsere hier, als Informations- und Aufklärungs-Tool, evtl. sogar als digitales Psychoedukations-Werkzeug nutzen kann, gibt es SMS, WhatsApp, Skype und andere Internetbasierte Messenger-Services, die eine schnelle und unkomplizierte Kommunikation zwischen Sportpsychologe und Athlet ermöglichen. Die Probleme von damals sind natürlich auch heute noch nicht gelöst, aber die Kommunikationsmöglichkeiten haben sich natürlich erweitert und werden gerade im Bereich der Spitzensportbetreuung genutzt, denn Athleten, die im Profibereich unterwegs sind, haben wenig Zeit, sind oft auf Reisen. Somit bleiben oft nur diese Möglichkeiten des Informationsaustausches. Denn nur in wenigen Fällen sind wir Sportpsychologen immer mit „vor Ort“.

Bedingung Sensibilität

Unsere digitale Welt verändert sich rasant und gerade die Berufsgruppen, die darauf angewiesen sind, Informationen schnell und effektiv auszutauschen, sollten sich diesen Medien nicht verschließen. Auch wenn wir eben sehr vorsichtig und sensibel in der Nutzung sein müssen – je hochklassiger der Athlet und der Wettkampf, desto mehr Personen setzen eine Personen-sensible Kommunikation voraus. Eine professionelle Ausbildung unserer Studierenden und eine gute Fortbildung von Kolleginnen und Kollegen unseres Berufsfeldes wäre in diesem Zusammenhang anzuraten. Ich bin sehr gespannt, wie sich diese Kommunikationswelt weiterentwickelt und wie lange ich in meinem Alter noch in der Lage bin, diesbezüglich mitzukommen.

 

Quellen

Stoll, O. & Lau, A. (2003). Sportpsychologische Online-Beratung – Praktische Erfahrungen, Möglichkeiten und Grenzen. psychologie & sport 10, 144-149.

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