Maria Senz: Das mentale Beachvolleyball ABC, Teil 3

Beachvolleyball gibt mir als Freizeitsportlerin eine ganze Menge: Nicht nur die großen physischen “Ions”, also Mobilisation und Stabilisation. Warum denke ich gerade an die exzessive Krabbenbewegung, egal… Für mich hat es auch viel mit Teamwork und -findung zu tun – nutze den Partner in jeder Situation und egal auf welchem Spielniveau du unterwegs bist, schätze deinen Mitspieler für das, was er bereits mitbringt! Im Sinne einer Selbsterfahrung finde ich es auch immer wieder beeindruckend, wie oft sich die einfache Formel bestätigt: Mental stabil ist (mindestens) halb gewonnen. Manchmal gilt sogar: Flach spielen, hoch gewinnen! Zu schätzen weiß ich auch, dass Draußen Sein mit Freude & Freunden zu genießen. Und nicht zuletzt profitiere ich auch von dem vielen Sand für zu Hause und das stetig genutzte Sonnencréme-Abo. Kurz gesagt: Ich liebe diesen Sport!

Zum Thema: Beachvolleyball ABC, Von R wie Ruhe bis H wie Hangtime 

R für Ruhe

Auf und neben dem Beachvolleyballfeld gibt es eine enorme Geräuschkulisse. Da ist Musik aus den Boxen, Applaus und Kommentare aus dem Publikum, die Trillerpfeife des Schiedsrichters, Zurufe des Mitspielers, das Geschrei der Emotionen und Wind, der den Sand und dein Haar durchwirbelt, die Linien verweht, das Netz ausbeult und wie eine Sirene durch die Flaggen heult. All das erzeugt Aufregung, Adrenalin und Durcheinander. Umso wichtiger ist es, in dieser Situation bei dir zu bleiben und genau das Maß an Ruhe zu etablieren, dass dich mit Konzentration und Fokus deinen Beachvolleyball abrufen lässt. Ausblenden und Abschalten der hinderlichen Nebengeräusche durch Herunterfahren deines Hörsinns und Hochfahren eines anderen Sinns, der dich beruhigt – siehe F oder M.

S für Sonnenschein

Mit Beachvolleyball verbindet sich meist Sonne, Strand, Meer und Wind. Elemente, die Urlaubsstimmung, Erholung und gute Laune in sich tragen. Sonne strahlt Helligkeit und Wärme aus, die uns Menschen von Natur aus positiv stimmt. Somit ist unser mentales Gemüt schon mal durch ein positives Grundrauschen stabilisiert. Mach dir dieses Grundrauschen bewusst und tanke dich bei jeder Gelegenheit mit Sonne auf. Nutze sie als Energiequelle: spür die Wärme auf deinem Körper und setze sie in Beweglichkeit um (siehe B), atme sie ein und lass sie aus dir heraus strahlen, so dass der Gegner entsprechend geblendet und handlungsunfähig wird. Und wenn die Sonne mal am Himmel nur verdeckt scheint, dann nutz den Beachvolleyball. Eine bekannte Marke lässt diesen wie eine Sonne am Himmel erscheinen.  

T für Trickkiste

Die eigene Trickkiste mit ans Spielfeld zu bringen, ist Gold wert. Wenn nichts mehr geht, zieh den Joker. Er ermöglicht dir, mit Spaß und Witz spontane Aktionen und überrascht nicht nur dich, sondern auch deinen Gegner. Zum Beispiel im entscheidenden Augenblick die Seitenlinie so zu verschieben, dass der Ball zu deinen Gunsten In oder Out ist. Bei Fragen dazu wende dich gerne an die Joker-Expertin Kira Walkenhorst. Oder strecke reflexartig Körperteile, wie Fuß, Arm oder Kopf, dem Ball entgegen und lande damit einen Überraschungs-Konter im gegnerischen Sand. Bei Fragen hierzu wende dich gerne an die Joker-Expertin Melanie Gernert. Alles ist möglich und beginnt mit dem Glauben daran – siehe G. 

U für Umarmen

Eine Umarmung ist etwas ganz Besonderes. Als Team bildet ihr eine Einheit und tretet gemeinsam in den Sand. Umarmungen verbinden, geben Sicherheit und stärken das haptische Gefühl für “gemeinsam sind wir stark und schaffen das, was wir uns vorgenommen haben”. Im Beachvolleyball gibt es viele Gelegenheiten für Umarmungen – beim Einlaufen aufs Feld, nach jedem Spielzug, in den Auszeiten, in der Reset Time (siehe N) oder nach Abpfiff. Nutzt diese Gelegenheiten, euch als Team groß zu machen, um damit Souveränität auszustrahlen. 

V für Vertrauen

Vertrauen beginnt bei dir – in dich und deine Fähigkeiten, die jederzeit vorhanden sind, auch wenn sie während einer Flaute auf dem Feld blockiert scheinen. Das sogenannte Selbstvertrauen und das Wissen, dass nach dem Regen Sonnenschein kommt, ist essentiell, um deine Blockade zu lösen. Ein weiteres wertvolles Vertrauen in der Situation ist das Vertrauen in den Spielpartner. Gegenseitiges Vertrauen stabilisiert euer Auftreten und eure Aktionen. Zum Beispiel nimmt die Leistung eines Spielers ab, leidet meist die Kommunikation. Der andere Spieler springt ein, gleicht aus und das quasi durch blindes Vertrauen, als Antwort auf die wortlosen Signale.

W für Wachstum

Wachstum ist ein Prozess aus Beständigkeit, Ergänzung und Loslassen: sich von Spiel zu Spiel zu hangeln und dabei Eindrücke, Erlebnisse, Erkenntnisse, Erlerntes zu verstetigen, zu ergänzen und/oder loszulassen. In jedem Spiel gewinnst und verlierst du. Eine Erfahrung, die dich prägt und formt. Wenn du dieses Wachstum zulässt, wird deine Beachvolleyballkarriere ein Kinderspiel.

X für x-beliebig

x-beliebig steht für umgangssprachlich „Mir doch egal!“. Wie wäre es, wenn du diese Einstellung als deine Fehlerkultur während des Spiels etablierst? Pack all deine Fehler vorerst in die Schublade x-beliebig und mach sie damit bedeutungslos. Wenn du zu einem späteren Zeitpunkt dein Spiel auswertest, kannst du diese Schublade wieder öffnen und jeden Fehler ausführlich analysieren, um dich weiterzubringen.

Y für y-förmig

Die Körperhaltung, die sich einstellt, wenn du deine Arme nach oben reißt und dich über jeden Punkt freust, sieht aus wie ein Y. Wenn du dazu noch eine innere Bestätigung fühlst, dann ist es ein Yes, ein Ja zu dir selbst. Bring diese Pose und das gedankliche Yes häufig zum Einsatz, um dich innerlich zu stabilisieren und zu stärken, so dass auch bei Niederlagen ein Yes, you can zum Vorschein kommt. 

Z für Zünden

Zünde deine Rakete und bring alles in den Sand, was dein Beachvolleyballherz, -verstand und -können parat haben. Spiel dich on fire und zeig, was in dir steckt. Es ist dein Sport, deine Leidenschaft und deine Motivation, die dich Schritt für Schritt durch den Sand jagen und Punkt für Punkt einsammeln lassen. This is Beachvolleyball…

Dieses ABC ist typenabhängig und kann dir Anregungen für deinen Sportlergeist geben oder lässt dich ein eigenes Alphabet entwerfen. Meine Kollegen (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Maria Senz) unterstützen dich gerne dabei. Denn all das und vieles mehr kannst du durch mentales Training ermöglichen. Viel Spaß beim Ausprobieren.

Teil 1: https://www.die-sportpsychologen.de/2022/06/maria-senz-das-mentale-beachvolleyball-abc-teil-1/

Teil 2: https://www.die-sportpsychologen.de/2022/06/maria-senz-das-mentale-beachvolleyball-abc-teil-2/

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Maria Senz
Maria Senzhttp://www.co-senz.de
Sportarten: Beachvolleyball, Volleyball, Kitesurfen, Leichtathletik