Emin da Silva: Vom Flüchtling zum Laufkünstler

Vor 30 Jahren kam Emin da Silva als Flüchtling nach Deutschland. Eigentlich hatte er die Hoffnung, als Fußballer in seiner neuen Heimat durchzustarten. Doch daraus wurde nichts, insbesondere infolge einer Verletzung. Aber Aufgeben, dass passt nicht zu Emin da Silva, dessen Geschichte euch sicher genauso begeistern und bewegen wird wie uns. Deshalb veröffentlichen wir hier das komplette Interview von unserem Experten Markus Gretz (zur Profilseite) mit Emin da Silva in Textform sowie als Audio-Mitschnitt.   

Zum Thema: Leistungsmotivation im Sport 

Das komplette Interview von Markus Gretz mit Emin da Silva zum Anhören

(Hinweis: Das Interview wurde mit digitaler Unterstützung transkribiert und redaktionell überarbeitet, ohne inhaltliche Änderungen vorzunehmen)

Markus Gretz, Die Sportpsychologen: Wie bist du auf die Idee gekommen, so extreme Läufe wie 45h oder mehrere Marathons hintereinander zu laufen? Und auch jetzt diese Idee mit dem Marathon auf einem Bein hüpfend. Wie kam es zu dieser Idee? 

Emin da Silva: Ja also, sowas entsteht ja sicherlich nicht über Nacht. Es ist vieles passiert oder es musste vieles passieren. Bis man sich irgendwo selbst entdeckt und sich neue Ziele setzt. 

Eigentlich, wenn man mich nicht so richtig kennt, kann man sich nicht hineinversetzen, um zu wissen was einem passiert ist – wie kommt ein Mensch auf diese Ideen? Folgendes: ich habe eine brisante Geschichte, die mich prägt und [die erklärt] wie ich dann überhaupt mit dem Laufen in Berührung gekommen bin. 

Dabei spielt vieles eine Rolle und zwar – ich bin seit 30 Jahren hier in Deutschland und die ersten 10 Jahre davon war ich in Asylbewerberheimen, ich bin als Flüchtling hier angekommen. Und ich hatte viel Zeit und keine Perspektive, kein Ziel. 

Und da wurde ich nur geduldet in diesen 10 Jahren, eine Arbeitserlaubnis, ein Studium oder eine Ausbildung und sowas waren mir nicht gestattet. Man ist in einem Heim als 18-jähriger junger Mann – als erstes kommt man natürlich von einem Land, das weder kulturell noch mental [mit dem hier] passt, keineswegs passt irgendetwas zusammen. 

Ich komme ursprünglich aus der Türkei und dann bin ich hier – nun, was passiert, was machst du, du bist so ein junger Mann, könntest Bäume ausreißen, aber du darfst sie nicht ausreißen? Das ist noch das Problem gewesen. 

Dann in den Heimen, der Alltag, die Strukturlosigkeit, Leute, die zurückfallen, die keine Geduld haben, die hoffen, etwas voranzukommen. Alles, was man hinterlassen hat, ist eine Sache die einen schmerzt. Man hat seine ganzen Wurzeln in der Heimat verlassen, dann kommt man hierher und hat keine Wurzeln mehr. 

Da hat man bildlich gesprochen den halben Stamm, der aber noch Wurzeln entwickeln muss. Das waren so ganz, ganz schwierige Zeiten, die mich geprägt hatten und der Sport war und ist und wird auch – oder war zumindest in den Zeiten mein einziger Anker. Mein Anker, durch den ich dann überhaupt eine Richtung hatte, womit ich teilweise meine Zeiten damit füllen konnte. Und mein Gedanke war, dass ich dadurch neue Idee fassen konnte und dem Alltag entkommen konnte. Und in den Heimen waren so viele, viele Flüchtlinge, Menschen, die auch in der gleichen Situation waren wie ich. 

So ohne Ziel, ohne Hoffnung, so viele davon sind abgerutscht und abgeschoben worden oder sogar im Gefängnis gelandet. Und also leider Gottes kann man sagen, wenn man dann kein Ziel hat, sich auch keine Ziele setzen kann, dann passieren sehr viele Dinge. Der Boden war glatt, Gefahren, lauerten an jeder Ecke Fehler zu machen. Und dadurch war der Sport für mich so der Hauptanker, womit ich mir dann in der Gesellschaft einen gewissen Platz erarbeiten konnte. Und nach und nach konnte in den ersten Vereinen Kontakte und Freundschaften knüpfen und meine ersten deutschen Worte lernen. 

Und so merkte ich Schritt für Schritt, es passiert was, aber du musst selbst auch dran glauben und das selbst ansteuern, keiner kommt so richtig auf dich zu. Wenn man in diesen Heimen ist, ist man eine halbwegs verlorene Person. Keinen interessiert es so wirklich. Ich habe auch immer wieder Menschen kennengelernt – wenn ich dann mit meinem gebrochenen Deutsch in 3 Sätzen etwas versucht habe zu erklären kam: „Ja, was machst du, wer bist du und woher kommst du?“ 

Sobald man dann sagte, man hat keine Arbeit, ich spreche nicht Deutsch, dann war sofort das Interesse der Menschen weg und so musste ich mir immer neue Hoffnung schöpfen, neue Menschen kennenlernen, neue Mechanismen entdecken: Wie komme ich voran? In diesen Zeiten war es so, dass ich durch mein Eigenengagement und dann durch den Sport überlebt habe – und meinen ersten Marathon machen konnte.

Foto: Eike Nienaber

Ich war ein guter Fußballer zuerst in der Türkei und ich hatte auch gute Hoffnungen weit nach oben zu kommen – und durch diese Flucht hierher war alles kaputt, der Kopf war voll, ich konnte erst mal keinen Sport machen und mir keine richtigen Ziele setzen. 

Zuerst habe ich in Bremen weiterhin Fußball gespielt bei einigen Vereinen und durch eine Verletzung musste ich leider lange pausieren und dann habe ich irgendwie nicht mehr den Anschluss gefunden zum Fußball. Dann habe ich ein kleinere Laufeinheiten gemacht, durch das Fußballtraining hatte ich gewisse Grundlagen. 

Dann habe ich mich bei ein paar kleinen City-Läufen hier in Bremen angemeldet und mitgemacht und gemerkt – das geht schon irgendwie, 5 Kilometer auf 17 Minuten, das hat mich dann motiviert, dadurch kam ich Schritt für Schritt in dieses Gefühl hinein. Als ich dann auch die ersten kleinen Wettbewerbe hatte, wovon ich auch einige gewann, meine erste Medaille, mein erster Pokal, die erste schöne Urkunde, die Anerkennung der Leute um mich herum hat mich plötzlich so von den Schattenseiten in die Sonnenseite gezogen. 

Ich leckte Blut, mehr und mehr daraus zu machen und es wurde immer mehr und jedes Wochenende war halbwegs was geplant. Die Leute mochten mich, haben mich mitgenommen mit ihren Autos zu Wettbewerben. Ich war dann irgendwann doch in einem ersten Leichtathletik Verein angemeldet und dort entstanden Freundschaften. 

Die 10 Jahre konnte ich so füllen, mit dem Sport, in dieser Zeit. – 91 bin ich nach Deutschland gekommen und 96 habe ich meinen ersten Marathon gemacht in Hamburg. Und das war das Bitterste meines Lebens. Ich hatte keinerlei Ahnung, was Marathon ist oder wie lange es dauert oder – ich habe bisher wirklich nur 5 Kilometer Wettkämpfe gemacht, ohne richtiges Training und das war’s, nicht mal 10 Kilometer. Und so habe ich den Marathon gemacht, aber die Lehre meines Lebens daraus gezogen – mir ging es drei Wochen lang beschissen auf Deutsch gesagt. 

Und das war so die erste Berührung damit – die Zeit zu füllen, in Deutschland einen Sinn zu finden, Kontakte zu knüpfen und Deutsch zu lernen. Zu deiner Frage, wie ich dann irgendwann auf die Idee gekommen bin, solche extremen Sachen zu machen – nach diesen 10 Jahren wurde mein Asyl anerkannt. Ich habe eine Ausbildung machen dürfen zum Tischlergeselle, ich habe eine Tischler-Ausbildung absolviert und mein Asyl wurde anerkannt und schließlich hat sich das Blatt zu meinen Gunsten gewendet. Dass ich dann diese Strecke geschafft habe

Ja, man dachte so, es gibt kein Licht am Ende des Tunnels und das war ein sehr langer Tunnel, durch den ich durchgegangen bin und am Ende kam ich doch irgendwie zum Licht. Durch diese Motivation, jetzt ein neues Leben entdeckt zu haben und mein erstes Gehalt zu bekommen – also sonst gab es ja Sozialhilfe Leistungen und die waren begrenzt, als junger Mann hat man gewisse Bedürfnisse, denen man nicht so nachgehen konnte. 

Und durch die Asyl-Anerkennung, durch meine Ausbildung zum Tischler-Gesellen habe ich meinen ersten Job bekommen, wodurch ich auf einmal selbstständig war und auch das Bundesland verlassen durfte, denn 10 Jahre lang war es ja so, dass ich das Bundesland Bremen eigentlich nicht verlassen durfte, dennoch bin ich zwischendurch immer wieder mal zu Wettkämpfen woanders hingegangen. 

Ja, aber dann habe ich meinen ersten Urlaub geplant und irgendwie – plötzlich war ich Teil der Gesellschaft, hatte einen Arbeitsplatz, war im Sportverein, so konnte ich mitreden und war mittendrin. Und so habe ich es als Anlass genommen – 2002, nach den 10 Jahren Asyl-Zeiten, die ich hatte – als Botschaft zurückzugeben, versperrt die Menschen nicht, das Wasser findet seinen Weg, der Mensch muss seinen Weg zu gehen finden, bitte nicht sperren. Und aus dem Anlass habe ich einen Friedenslauf gemacht 2002. Durch diese ganze Euphorie und Motivation habe ich mit Freunden, aus einem Fußballverein einen Lauf organisiert von Hamburg nach Berlin, 10 Marathons in 10 Tagen. 

Ich wollte die 10 Jahre, in denen ich hier halbwegs nichts tun konnte, als Botschaft geben und einen Friedenslauf machen. Und so begann insgeheim plötzlich eine andere Art von Energie in mir, dass ich da irgendwie etwas machen sollte. Das habe ich gemacht und es hat eine ganz große Anerkennung gefunden.

Auf die 10 Marathons in 10 Tagen habe ich mich ein halbes/dreiviertel Jahr gut vorbereitet gehabt, statt 5km habe ich dann längere Dauerläufe gemacht. Und in 10 Tagen bin ich von Hamburg nach Berlin gelaufen, das war quasi der Durchbruch und so richtig das Ankommen in Deutschland. 

Und dann war auch lange Schluss, also dann im Nachhinein habe ich gemerkt ok, jetzt hast du die Anerkennung, jetzt hast du deinen Beruf, jetzt kannst du das und jenes machen, aber dennoch reichte es nicht in der Gesellschaft weiter anzukommen. Und ich habe einen befristeten Arbeitsvertrag gehabt bei der Uni Bremen. Und nach einem Jahr war Schluss, wurde nicht verlängert und dann stand ich wieder da, als dreißigjähriger Mensch, der eine schulischen Ausbildung gemacht hat und bekam überall, wo ich mich beworben hatte, Absagen oder wenn dann befristet oder über das Jobcenter.

Also das war wieder ein Kampf, trotz einiger Fortschritte. Und wiederum habe ich immer wieder weiterhin die Energie aus dem Sport geschöpft, den Sport habe ich Gott sei Dank nie aufgegeben, habe weiterhin irgendwas gemacht und auch zwischendurch wieder einmal Fußball. Aber beruflich gab es immer wieder Hindernisse, bis ich dann gemerkt hatte – was mach ich denn jetzt, immer kleine Gehälter, Aushilfsjobs oder befristet, bis 2008 dauerte das. 

Dann habe ich angefangen, meinen Job zu wechseln vom Tischler – ich hatte einen Traum irgendwann als Fitness Trainer zu arbeiten, mit dem Sport etwas zu bewegen. Und es gelang mir ohne Kenntnisse, in einem Fitnessstudio in Bremen. Da habe ich auf Teilzeit einen Job gefunden und im Nachhinein meinen Trainerschein gemacht. Von 0 Kenntnissen wurde ich dann Studioleiter, kann man sagen, ich habe alles auf die Beine gestellt, Kurse geleitet und dann plötzlich stand das Studio im Rampenlicht. Und da habe ich angefangen, meinen ersten großen internationalen Lauf zu machen, das war mein Traum irgendwie. 

Ich hatte in meinen Asylheimen reichlich viele afrikanische Mitbewohner gehabt und es war immer mein Traum, irgendwann mal in Afrika zu sein. Und durch diese Kontakte habe ich irgendwann beschlossen einen Lauf in Afrika zu machen. Und nach Recherchen habe ich mir den Namib-Wüsten-Lauf ausgesucht. 

Von meinem Gefühl heraus etwas tun zu müssen, einen besonderen Lauf zu machen, bin ich diesen Lauf ganz, ganz, ganz besonders angegangen und habe ganz viel und hart trainiert. Die Medien haben plötzlich Interesse gezeigt, Sponsoren haben Interesse gezeigt. Ich habe dann in Bremen reichlich Werbung gemacht, das kam sehr gut an und nachdem ich diesen Lauf gemacht hatte und auch eine gute Platzierung hatte, kam ich zurück und plötzlich wurde ich in Bremen wie ein kleiner Star empfangen. 

Und von dort an habe ich, ganz ehrlich muss ich sagen – bei dem ersten großen Lauf durch die Namib-Wüste, auf der höchsten Düne der Welt. Wenn man da lang läuft durch die Dünen, durch über 50 Grad Hitze. In diesen Momenten, auf der höchsten Düne der Welt, habe ich plötzlich außergewöhnliche Energien entdeckt, die ich gar nicht mehr in Worte fassen kann. Von dort an dachte ich mir, ich bin der mächtigste Mensch der Welt. Dass ich so viel in diese Welt wieder zurück geben kann, war meine Gedanke, ich kann in dieser Welt so viel Positives tun, ich kann so vieles jetzt – ich weiß nicht, woher die Kräfte kamen. Warum? 

Plötzlich dort durch die Wüste, wo man eigentlich leidet, wo man kämpft, wo man heult. Alles schwer, aber trotzdem ich komme auf die Idee – ich kann dieser Welt helfen, ich kann die Welt retten und so ich habe mich als Retter entdeckt. Und durch den Sport – ich habe gesagt nicht irgendwie als Politiker oder irgendwie sonst – durch den Sport. In mir so eine Wärme entstanden, jetzt kann ich alles geben für die Welt. Und mit dieser Euphorie kam ich nach Deutschland. 

Dann begann mein Gedanke, du bist ein Brückenbauer, du bist ein Botschafter, du bist nicht einfach ein klassischer Läufer. Klassische Läufe haben mich dann irgendwann nicht mehr interessiert, einfach nur mit der Masse rein in den Marathon, um 3 Minuten schneller zu sein, oder, oder, oder. Dann habe ich gemerkt- jetzt ist es an der Zeit, dass du der Welt etwas zurückgibst.

Du hast eine besondere Aufgabe bekommen, du hast irgendwie ein besonderes Talent – mach was. Das hat mir Druck gemacht, das hat mich so katapultiert, das hat mich so gestärkt in dem, was ich tue. Und dann wurde aus dem Laufen Liebe. Dass ich beim Laufen ein bisschen Schmerzen hatte, das hat mich dann nicht mehr interessiert. Eher habe ich dann die Liebe entdeckt, etwas zurückzugeben, etwas den Menschen zurückzugeben, die an der Schattenseite stehen, die unsere Hilfe brauchen – über den Tellerrand hinauszuschauen.

Das war der Anfang, der Durchbruch meiner bisherigen Karriere – was ich dann alles gemacht habe, um etwas sozial, gesellschaftlich zurückzugeben, Menschen zueinander zu bringen, Brücken zu bauen, Dialoge herzustellen, Kulturen miteinander in Berührung bringen. Diese Aufgabe habe ich einfach in meinem Herzen getragen.

Von dort an begann diese Mission, dieser Gedanke, jetzt machst du mehr, alles was du machst widmest du einem guten Zweck und sammelst Spendengelder. Für den ersten Lauf in Afrika habe ich letztendlich reichlich Gelder sammeln können. Und dort war die Idee, wenn ich dann dort hingehe, einen guten Zweck zu unterstützen. Dort gab es eine Schule mit 140 Kindern, die Aids-Waisen waren, die wurden ehrenamtlich von Studenten durch einen Verein begleitet

Und ich habe dann Gelder aus Deutschland dorthin gebracht, um diese Schule zu unterstützen. So habe ich in mir eine neue Person entdeckt. Dann ging es los, wie gesagt von dem Zeitpunkt an. 2010/2009 habe ich angefangen, seit 12/13 Jahren geht es jedes Jahr permanent immer höher und höher. Nicht höher und höher – ich habe mich auch als Sportkünstler oder als Laufkünstler benannt. Ich mache das, um auf gewisse Dinge aufmerksam zu machen. Mache gewisse unterschiedliche Läufe, so etwas Besonderes, etwas Kreatives. 

Somit kam ich auf die Ideen, alle mögliche Laufstile zu praktizieren, um der Sache zu dienen, dem guten Zweck zu dienen, und besondere Aufmerksamkeit auf die Botschaft zu lenken, nicht auf meine Person. Das sind Sachen, die mir im Nachhinein Jahr für Jahr immer gelungen sind. Durch den ersten Lauf in der Wüste begann die mediale Entwicklung und auch Sponsoren hatten Interesse gehabt.

Auch Leute haben gerne gespendet, weil sie wussten, was ich vorhabe, für was ich es tue. Dann kam so mein inneres Feuer etwas zu tun. Und je mehr ich tat, umso mehr wollte ich tun. Keine Müdigkeit, kein – jetzt reicht es, von wegen drei Mal reicht, das Feuer brennt unendlich in mir und dieses Gefühl etwas zu tun, etwas für die Gesellschaft zu tun, ist unendlich groß und das kriege ich nicht klein. 

Und man denkt eigentlich noch, welche Auswirkungen gibt es von dieser Art von Läufen, aber ich fühle mich immer noch gut, ich bin jetzt 48 ½, bald werde ich 49. Und jetzt in diesem Alter habe ich mehr Energie, mehr Kraft als damals mit 25. Ja, wie gesagt, jetzt nimmt alles seinen Lauf. Und dann war Ihre Frage, wie kommt man auf solche Ideen, also was spielt da alles eine Rolle. Als letzten Punkt: Ich komme aus einer ganz großen Familie, wir sind 15 Geschwister, 5 sind mittlerweile schon längst gestorben als wir noch Kinder waren und wir 10 sind noch am Leben. Mein Vater arbeitet als Landwirt und wir Kinder gingen in einer kleinen Kreisstadt in ein Internat, nicht alle natürlich, so 2-3. Und das Leben bei uns war sehr beschwerlich.

In der eigenen Familie mit so vielen Kindern hat man gelernt, seinen Platz zu finden, hat ständig um das kleinste Stück Brot, um eine Mahlzeit kämpfen müssen. Es kann sein, dass mir das auch eine gewisse Widerstandsfähigkeit oder irgendwie ein Kämpfergefühl gegeben hat. 

Und durch das Asyljahr in Deutschland war ich natürlich auch noch mehr geprägt, habe noch mehr einen anderen Sinn in meinem Leben entdeckt. Und so kommt eben etwas raus aus mir und das ist kein Zufallsprodukt, es ist mein Weg kann man sagen. 

Okay. Interessant ist ja auch diese kreative Art zu laufen, dass das ein großer Antrieb ist, da was Besonderes zu machen. – Spiegelt diese Kreativität auch einen Teil deiner Persönlichkeit wider, die du bist?

Ja, ja, ja in der Tat, weil für mich ist eigentlich so – immer wieder höre ich von vielen Leuten „ach, der möchte irgendwie im Rampenlicht stehen“, der eine oder andere Mensch ist darüber auch nicht unbedingt erfreut. Oder sieht es so, wie man es sehen kann.

Aber meine Antwort ist folgende – viele sagen, wozu, Laufen ist ja Laufen, Laufen hat mit seitwärts, rückwärts mit sonst was nichts zu tun. Meine Antwort ist, dass ich mich dann als Laufkünstler bezeichne. Ich sage Fußball hat mit „Fußball“ zu tun, also Fuß gegen Ball. Und ein Künstler, ein Fußballer benutzt seinen Kopf, um Tore zu schießen, der kann mit dem Hacken ein Tor machen, der kann mit seiner Brust ein Tor schießen. Der kann keine Ahnung mit dem Hintern ein Tor machen. Alles zählt gut, aber ein Läufer sollte so etwas nicht tun? 

Wie kommt man auf die Idee? Warum kann nicht ein Läufer auch ein bisschen kreativ und künstlerisch denken? Ich denke, ein Künstler, ein Maler, ein Picasso hat auch seine Bilder nicht mit einem einzigen Pinsel gemalt, man braucht verschiedene Techniken, Materialien und sonst was. Und warum soll ein Läufer, ein Lauf-Botschafter, ein Lauf-Künstler nicht auch irgendwie das Laufen ein bisschen bunt gestalten? Das ist meine Antwort.

Es ist nicht so üblich, es ist nicht so zu empfehlen, dass das jedermann tun soll und kann, aber ein bisschen eigener Mut ist wichtig, ein bisschen über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen ist wichtig. Ein paar Schmerzen gehören dazu, die man durch die Euphorie und Freude ein bisschen wegdenkt. Das sind so Sachen, die mir sehr wichtig sind und dadurch mache ich auch sowas und lasse mich auch gar nicht so ablenken, gar nicht so irritieren davon, wenn jemand sagt „ach das hat mit Laufen nichts zu tun“ –es hat damit zu tun.

Und ich denke vielleicht, der ein oder andere Mensch würde das auch gerne tun, aber lieber erstmal Steine werfen, statt es zu gönnen oder zu würdigen. Es ist so, ich lasse mich keineswegs von meinem Weg abzulenken. Das kommt vollkommen von meinem Herzen, ich mache das und das ist meine Person, glaube ich und das ist das Wichtigste – dass man selbst überzeugt ist von dem, was man tut. 

Und dieses Rampenlicht, in das du gerückt wurdest, nachdem du diesen ersten Lauf gemacht hast, hat dir das auch neue Motivation gegeben? Also dadurch, dass du die Anerkennung von anderen Personen bekommen hast und sie dich bewundert haben, war das auch ein weiterer Antrieb, neue Läufe zu machen, andere Sachen auszuprobieren? 

Ich denke, das spielt auch sicherlich eine Rolle – wenn das, was du tust, dann auch eine gewisse Resonanz hat und auch in der Gesellschaft ankommt und wenn jemand dann dafür auch noch spendet. Das spielt denke ich schon eine ganz große Rolle solche Sachen zu machen.

In der Sportpsychologie spricht man von Selbstwirksamkeit, wenn man merkt, dass das, was man tut eine Wirkung hat und dass man dadurch etwas bewegen kann, indem man trainiert – und das Training hat eine Funktion und man wird besser, dass man das merkt und dann diese Selbstwirksamkeit erfährt. War das auch so bei dir, könntest du das auf dich übertragen? 

Ja, in der Tat, genau, das denke ich schon, das spielt eine Rolle für mich diese Art von Läufen zu machen. Das hat mich gestärkt in dem, was ich eigentlich auch selbst gedacht habe, selbst initiiert habe und das ist auch eine mega Aufgabe – das ist nicht so ohne, sich der Herausforderung zu stellen und selbst eine eigene Idee zu verwirklichen, das Training, die Medien zu bewegen, die Spenden zu akquirieren, Sponsoren zu überzeugen

Die ganze Arbeit im Vorfeld ist genauso schwer wie das Laufen bzw. die Aktion selbst. Also bis man den Ball rollt, so weit bringt bis zur Startlinie und dann zur Ziellinie trägt – sind zwei verschiedene Sachen.

Und da denke ich, das macht einen so richtig stark. Und wenn man dann solche Aktionen bewältigt hat und angekommen ist – und viele dachten bei meinen Aktionen von wegen „der hat sich wieder ein großes Ziel vorgenommen, das wird er nicht schaffen, das geht gar nicht, das wird er aufhören“, ständig, immer wieder wird gemunkelt, immer wieder sagen die Leute, auch irgendwelche Experten, das geht nicht. Aber das ist auch logisch, das ist okay, das ist auch nicht jedermanns Sache. Wenn man wirklich – ich habe es festgestellt – wenn du von dem, was du tust, dich keineswegs irritieren lässt und wirklich daran glaubst, auch das Training, die Schmerzen und alles was dazu gehört, dich der Herausforderung wirklich stellst, fokussiert bist auf das Ziel – nichts ist unmöglich, habe ich gelernt, nichts ist unmöglich.

Ich habe mehrmals meine Grenzen gesucht – dieses Wort „Grenzen“ gibt es einfach nicht, die kann man sich selbst stellen, indem man sich selbst Steine in den Weg legt. Man kann sagen, ja dieser Stein ist mir zu hoch, den kann ich nicht hochspringen. Das geht, man kann Mechanismen finden, nicht dauerhaft auf den gleichen Stein hochzuspringen –Mechanismen finden, Wege um den Stein herum zu finden, wie etwas machbar ist, wie du etwas erreichen kann. 

Alle meine Projekte, die ich bis jetzt gemacht habe, haben größtenteils mit der eigenen Psyche, mit eigener Stärke, mit dem Glauben an sich selbst zu tun. Ohne diese Mechanismen, ohne dieses hundert Prozent davon überzeugt sein, dass alles was kommt, kommen kann – nicht daran zu glauben, dass es schief läuft, sondern daran zu glauben, dass es gut läuft, das stärkt mich sehr. Und immer wieder wurde ich überzeugt davon, dass das der Fall war.  

Die Leute haben gesagt – von wegen mach lieber einen Schritt kürzer oder statt einem Marathon, mach mal einen Halbmarathon oder statt Halbmarathon mal 10 Kilometer oder mach mal alle 2 Tage Pause dazwischen. Jeder hat aus seinem Blickwinkel eine Empfehlung gemacht, aber ich habe mich auf den Kernpunkt fokussiert, darauf, was ich will, und nicht was der andere will. Es ist sehr wichtig, dass man auch sich gut kennt, sich gut einschätzt, nicht einfach so große Töne von sich geben und jede zweite Aktion in den Sand setzen, weil man sich selbst nicht kennt, das geht gar nicht. Solche Leistungen zu erbringen hat sehr viel mit Selbstbewusstsein und fokussiert sein, der Glaube an sich, dass man es schafft zu tun – und dafür natürlich auch etwas tut, also von nichts kommt ja nichts. 

Wenn du jetzt an Grenzen stößt, wenn du merkst, dass es irgendwo wirklich schwierig wird und der Schmerz vielleicht sehr groß ist auch in solchen Situationen – wie gehst du dann mit Grenzen und mit Schmerzerfahrungen um, also wie hast du das mental geschafft, damit umzugehen, wenn es mal schwierig wird? 

Also ganz unterschiedlich natürlich bei all den Läufen, ob bei dem in der Wüste, bei dem Lauf Bremen-Istanbul, Rückwärtslauf oder Seitwärtslauf – ich sage einfach es gibt Schlimmeres im Leben, das ist ja eine Sache, die ich selbst steuere, dass ich noch unter den besten Bedingungen eine Sache angehen. 

Ich sage mal einfach so, wie schlimm muss ein Krieg gewesen sein, wie schlimm ist es, dass eine Frau 9 Monate lang eine Schwangerschaft erträgt und noch das Kind auf die Welt bekommt – mein Schmerz kann nie so groß sein wie dieser.

Es gibt schlimmere Dinge im Leben und so motiviere ich mich in solchen Situationen selbst, indem ich dann auch Selbstgespräche führe, dass ich sage „komm, das ist doch machbar, das ist möglich“, ich setze mich kleine Schritte, ich versuche auch bei Marathons oder Ultramarathons die Strecke in kleinen Abschnitten zu bewältigen. Ich versuche erstmal nicht den ganzen Marathons im Kopf zu haben, ich will zwar schon zum Ziel, aber ich gehe in 5 Kilometer Schritten voran. Ich sage mir „okay, wenn du jetzt die 5 Kilometer gehst, dann fokussiere dich auf die 10, und wenn du 10 Kilometer geschafft hast, dann sind auf jeden Fall auch noch die 20 drinnen. Wenn du zur Hälfte gekommen bist, die Hälfte ist um, dann geht es den Berg runter. Zwischendurch kommt ein kleines Tief, aber das ist bald vorbei, du schaffst das, zieh durch – du bist ja nicht gekommen, um halbe Sachen zu machen.“ So bin ich ständig mit mir am Reden. Ich versuche mir zu sagen, du bist jetzt mitten im Wasser, willst du überleben? – ja – und wenn du überleben willst, was musst du machen – schwimmen. 

Und das Ziel ist, am Ufer anzukommen, und wenn du hier aufgibst, gehst du unter. In verschiedenen Situationen kann ich mich so überzeugen, kann ich meine Schmerzen ignorieren oder meine Schmerzen überdenken, so „du schaffst das“, Schmerzen sind eine Sache und dann ist teilweise meine Energie stärker als mein Schmerz. 

Und irgendwie komme ich an, auch wenn ich vielleicht mal eine Minute stehen geblieben bin, mir vielleicht sogar Seitenstechen rausgepustet habe, mir vielleicht die Wage kurz massiert habe. Statt blind mit Schmerzen weiterzumachen, habe ich vielleicht noch so Hilfsmittel, schnell dehnen oder mal an der Getränkestation ein Glas Wasser trinken oder ein paar Meter gegebenenfalls auch mal zu gehen – statt aufzugeben. Das wäre mir jetzt zu schade – ein Jahr lang hast du trainiert, keine Ahnung wie viele Trainingseinheiten du hinter dir hast, wie viel du da durchgehalten hast, und jetzt willst du gerade hier aufgeben, das ist doch dann Kinderkram, rede ich mir ein.

Und das gelingt. Vielleicht kommt dann nicht die erwünschte Zeit raus. Mein Ziel ist es, das Ziel zu erreichen, ich gucke gar nicht mehr auf die Uhr, ich, ich gucke rechts und links, ich nutze die Stimmung, ich begrüße die Leute und gegebenenfalls den ein oder anderen Mensch auf der Strecke, den ich sehe, also bei den Veranstaltungen ziehe ich mit, motiviere ihn, „komm, komm, komm, du schaffst das“, das alles spielt für mich eine Rolle. 

Beim Training habe ich keine Uhr, keine Musik, bin komplett mit mir und der Natur verbunden, begrüße die Leute, höre mich in meinem Umfeld um. Jedes Training ist für mich wie ein Kino, ich laufe und da ist eine Leinwand vor meinem Gesicht wie im Kino, die geht mit, ständig gucke ich mir immer wieder irgendwelche Ereignisse, irgendwelche tollen Strecken, die ich gelaufen bin, irgendwelche tollen Zieleinläufe, visualisiere ich in meinem Kopf, das zieht mich zwischendurch – meine Seele ist unterwegs und mein Körper ist anders unterwegs, da trenne ich die voneinander, da lenke ich meine Schmerzen ab, da habe ich keine großen Schmerzen in dem Sinne. Die habe ich zwar, aber durch die Visualisierung und die Fokussierung auf das Schöne, wenn du über die Ziellinie kommst, du bekommst vielleicht eine Medaille oder hast das Gefühl „es hat sich gelohnt, die ganzen Trainingseinheiten, dass du es jetzt geschafft hast“ und es tut mir tatsächlich gut, wenn ich über die Ziellinie ankomme.

Dann bin ich nicht mehr zu stoppen von den Euphorien, also du hast vor ein paar Minuten noch geheult von den ganzen Schmerzen, und jetzt bist du über die Ziellinie und wo sind die Schmerzen geblieben? So stellt man sich das vor. 

Jetzt kann ich mir gar nicht vorstellen, dass es bei dir auch mal Tage gibt, wo du mal unmotiviert bist, wo du mal nichts machen kannst. Gibt es solche Zeiten auch, wo du denkst „eigentlich müsste ich trainieren, aber heute mach ich mal nichts“?

Allerdings, genau das ist meine Stärke. Ich bin in der Tat ein trainingsfauler Mensch. Also wenn man jetzt denkt, ich habe jetzt einige Sachen gemacht, dann geht man davon aus, dass ich 24 Stunden irgendwo am Trainieren bin oder jede Woche 6-mal am Trainieren bin, solche Sachen – gar nicht.

Es gibt viele Tage, wo mir nicht danach ist, und Laufen ist auch nicht unbedingt der Hauptbestandteil meines Lebens. Das ist ein sehr, sehr schönes Hobby für mich, das ich gelegentlich betreibe, wofür ich aber keineswegs einen Trainingsplan habe. Ich habe auch keineswegs jetzt den Zwang für mich, heute ist ein Trainingstag, heute musst du trainieren, ich habe meinen Trainingsplan beiseite gelegt, ich praktiziere keinen Trainingsplan, ich gucke nach meinem Befinden. Ich mache nicht nur Laufen, ich mache verschiedene Sportarten als Alternativtraining oder als Ablenkung. Ich möchte keine Langeweile haben, einfach nur geradeaus Laufen, nur Laufen wäre nicht mein Sport. 

Dadurch versuche ich an einem Tag je nach meinem Empfinden zu entscheiden – wenn das Wetter schön ist und mir nach Inlineskaten ist, dann gehe ich inlineskaten und nicht laufen. Ich fahre regelmäßig mit dem Fahrrad zu Arbeit oder zwischendurch gehe ich gerne zum Schwimmen, mache zuhause ein paar Workouts, Eislaufen tue ich im Winter sehr gerne, immer nach einem Empfinden, nach meinem Gefühl.

Das Lauftraining kommt sicherlich auch mit in das Training rein, zwischendurch habe ich Lust 3 Stunden am Stück zu laufen, manchmal habe ich Lust 10 Kilometer schnell zu laufen. Oder wenn ich mal einen Tag habe, an dem ich vielleicht inlineskate, dann bringe ich die nach Hause und laufe danach noch 10 Kilometer, danach noch 2 Stunden Radfahren, mache so ein Kombitraining, aber nicht so zwanghaft, nicht so krampfhaft – nicht, weil der Trainer das so gesagt hat oder die Uhr das sagt oder der Trainingsplan so ist, nix, also da bin ich vollkommen mein eigener Boss, mein eigener Ideengeber, ich dosiere, wann was ist. Wenn mir heute nicht danach ist.

Manchmal, wenn ich rausgehe, vielleicht will ich einen Halbmarathon laufen, nach 10 Kilometer sage ich „es reicht heute“, so höre ich auf mein Gefühl. Aber wenn es darauf ankommt, auf diese Projekte, die ich initiiere, da bin ich ehrgeizig, da habe ich so viele gute Grundlagen seit Jahren, die ich immer wieder abrufen kann, da brauche ich nicht so viel Training. Und ich bin mir sicher, wenn ich das tun würde, wäre ich kaputt. Ich kenne einige Leute hier in Bremen, die sind kurzfristig sehr gut, können sofort bei der deutschen Meisterschaft teilnehmen, aber nur für ein oder zwei Jahre, dann sind sie weg vom Fenster, weil sie komplett den Trainingsplan hart umgesetzt haben, keine richtige Regeneration hatten und ständig einseitig trainiert haben. Mit Bänderriss, Ermüdungsbruch oder Lustlosigkeit, sowas – und ich spüre das nicht. 

Für mich ist jetzt, wenn ich eine große Aktion beendet habe, diese Zufriedenheit, dieses Gefühl, diese positiven Energien um mich herum bei der Veranstaltung – alles insgesamt, die ganze Motivation, die Zufriedenheit die Sachen abgeschlossen zu haben, nehme ich so mit, adé ist gut. Und dann nehme ich mir fast einen Monat Zeit, tue gar nichts, fahre zwischendurch entspannt Fahrrad, mache zuhause ein paar Dehnübungen. So einen Monat komme ich ganz runter, vielleicht mache ich komplett eine andere Sportart statt Laufen, so läuft meine Saison. Ich mache das so wie ein Bär.

In der Winterzeit ist meistens die Zeit, in der ich passiv bin, nicht ganz in den Winterschlaf gehe, aber fast, da regeneriere ich mich, mein Körper erholt sich, da nehme ich 1-2 Pfunde zu, gönne mir auch immer wieder etwas Fettiges bzw. Fast Food, ich habe ja auch keinen festen Plan und esse alles – Gott sei Dank. 

Dann beginnt meine Saison, so ab Ende März, Anfang April, wenn die Sonnenstrahlen da sind, dann beginne ich bis Ende Oktober ungefähr zu trainieren. Das ist für mich die Jahreszeit, um zu trainieren oder eine Veranstaltung zu initiieren. In den Trainingszeiten fange ich an zu fantasieren, kreativ zu denken, was könntest du dieses Jahr für dich als Motto nehmen? Was juckt dich? Was könnte dir passen, zu meiner Person, zu der Veranstaltung? Dann bin ich fast 2, 3, 4 Monate in diesen Gedanken, 3, 4, 5 Ideen produziere ich, versuche jedes Mal die ein oder andere Ideen zu eliminieren, Vor- und Nachteile abzuwägen – bis ich dann bei einer oder zwei Sachen bleibe, dann versuche ich nochmal etwas intensiver zu denken. Wenn ich mich zu einer Sache entschieden habe, kommt das Gefühl, diese Energie, jetzt fokussierst du dich auf diesen einzigen Punkt. 

Dann komme ich nach Hause und rede mit meiner Frau, frage sie, was sie dazu denkt, ob sie eine Idee dazu hat, ob das okay ist oder nicht. So reden wir darüber und wenn ich merke, dass mein Herz schlägt, mein Kopf gut ist, mein Gefühl macht das, meine Füße sind bereit, dann mache ich eine Ankündigung in der Öffentlichkeit. Dann sage ich, was mein Motto ist, wo ich laufe und mit welchem Laufstil. 

Ganz entspannt, ohne Zwang, ohne Druck – alles läuft einfach so, wie es sein soll. Ich habe von niemandem Druck, keine bestimmte Dosis. Alles läuft, auch mit den Sponsoren, den Medien, den Spenden, dem guten Zweck läuft alles entspannt. Und die Menschen auf der Straße würdigen das, viele in Bremen kennen mich sehr gut, wir machen ein Foto oder einen kurzen Smalltalk oder sie laden mich ein in ihre Schule, in ihren Verein. Das Rundumpaket ist so angenehm, so schön, dass ich dann wieder Freude daran habe, jedes Jahr meine Zeit einem guten Zweck zu widmen und eine Mission, eine Aufgabe erfüllt zu haben. Das ist die Freude daran.

Ja, vielen Dank für die Zeit, die du dir genommen hast, deine Geschichte zu erzählen und mir näher zu berichten, was dich angetrieben hat, was dich motiviert, wie du dich auch in schwierigen Situationen durchkämpfen kannst. Ich denke, da kann man aus sportpsychologischer Sicht sehr viel mitnehmen. 

Ich danke dir auch für diese Presse, dieses Interview und für diese Fragestellung, das freut mich auch sehr.

Foto: Eike Nienaber

Mehr zum Thema:

Aufrufe: 128

Print Friendly, PDF & Email
Markus Gretzhttp://www.die-sportpsychologen.de/markus-gretz/

Sportarten: Basketball, American Football, Fußball, Handball, Volleyball, Floorball, Eishockey, Snowboarding, Triathlon, Ski Alpin, Ski Nordisch, Biathlon, Klettern, Golf, Fitness, Laufsport, Radsport, Tennis, Tischtennis, Turnen u.v.a.

Ulm, Deutschland

+49 (0)176 21463106

E-Mail-Anfrage an m.gretz@die-sportpsychologen.de