Sonny Weishaupt: Gott schenke mir Geduld … und zwar sofort! (#Warum fragen wir nicht einfach die Besten? Episode 4)

Sportarten: American Football, Fußball, Basketball, Handball, Baseball

Sportpsychologisch gesehen sind Quarterbacks im American Football sicher diejenigen Spieler, die am meisten und intensivsten mit einem Mentaltrainer zusammenarbeiten. Er ist der Führer der Offense, eine Respektsperson und jemand, an dem sich die gesamte Mannschaften aufrichten kann. Und er muss liefern – nicht nur spielerisch: Seine Kommunikation sollte klar und wertschätzend sein. Er sollte seine Mitspieler genauestens kennen und mit ihnen verbunden sein. Er muss vorangehen, andere leiten können und sie motivieren.
Und natürlich ist es die Position, auf die alle Augen gerichtet sind. Fluch und Segen zugleich. So kann man in der einen Sekunde die Begeisterung aller Fans bis in die Tiefen seines Körpers fühlen und im nächsten Moment alle Verantwortung für ein verlorenes Spiel auf seinen Schultern tragen.

Wie genau geht man aber mit diesem Druck am besten um?

Fragen wir doch einfach einen unserer Nationalmannschafts-Quarterbacks und Topspiele von Frankfurt Universe!

Für die-sportpsychologen.de berichtet:
Sonny Weishaupt (Interview: Miriam Kohhaas, zur Profilseite von Miriam)

Wie bist du zum Football gekommen?

Football wurde mir quasi in die Wiege gelegt. Mein Vater spielte früher selbst und war seit ich laufen kann als Funktionär und Stadionsprecher aktiv. Dadurch war ich schon als Kleinkind regelmäßig bei Spielen und bekam das Geschehen hautnah mit. Dazu kam, dass es in Babenhausen, der Stadt in der ich aufgewachsen bin, eine US-Kaserne gab, in der bis 2005 noch viele US-Soldaten mit ihren Familien stationiert waren. Dadurch lebten auch ein paar amerikanische Kinder in der Nachbarschaft und somit war es für mich als Kind genauso normal einen Football zu werfen und zu fangen, wie für andere Kinder, einen Fußball zu kicken.

Mit acht Jahren spielte ich mein erstes Spiel Flag-Football, wobei ich nebenbei auch noch recht erfolgreich Fußball spielte. Seit ich 13 Jahre alt bin, gehört meine gesamte Aufmerksamkeit aber dem Football und somit gab es ab diesem Zeitpunkt nur noch diese eine Sportart für mich. Mit 14 Jahren wurde mir eine Sondererlaubnis erteilt, um auch schon an A-Jugend-Spielen teilnehmen zu dürfen, also echtes Tackle-Football, wobei diese Altersklasse bis 19 Jahre ging.

Was hat dich bei dieser Sportart gehalten?

In erster Linie das Teamgefühl, das Zusammenspiel aller Gewichtsklassen und auch die interkulturelle und soziale Auseinandersetzung mit Jungs sämtlicher Ethnien, sozialer Stände, etc. Das alles, gepaart mit der Vermittlung von Werten wie Respekt vor Autorität und Mitspielern, Disziplin, Ehrgeiz und die Achtung von Hierarchien und einer klaren Team-Struktur. Dazu kommt natürlich die Aufmerksamkeit und Beachtung, die einem widerfährt, wenn man „gut“ in etwas ist – und das war ich damals schon. Die Erkenntnis, trotzdem nur so gut zu sein wie das Team, lässt einen demütig werden und man lernt, dass man nur gemeinsam wirklich erfolgreich sein kann. Diese bedingte Abhängigkeit und das damit verbunden Lernen von Vertrauen schweißt zusammen und lässt Freundschaften entstehen, die weit über das Footballfeld hinausreichen.

Was macht deiner Meinung nach die spezielle Mentalität eines Spielers deiner Position aus?

Der Quarterback ist der Spielmacher, er steht im Fokus der gegnerischen Defense. Als Quarterback steht man im Mittelpunkt, ob man das will oder nicht. Deshalb muss man für sich einen Weg finden, mit dieser Aufmerksamkeit umzugehen.

Jeder Football-Laie erkennt immer den Spielmacher und weiß, sich eine Meinung über ihn zu bilden. In einer optimalen Konstellation fungiert man als verlängerter Arm des Coaches und nimmt die Rolle des „Field Generals“ ein. Man ist quasi der Anführer auf dem Feld. Eine gesunde Sieger-Mentalität bringt wohl jeder Spieler mit, der in der 1. Liga erfolgreich aktiv ist, sonst wäre er dort nicht. Der Unterschied zwischen Quarterbacks und anderen erfolgreichen Spielern liegt wohl einfach an der Herangehensweise. Auch hier gibt es natürlich Ausnahmen und ich kann nur für mich sprechen, dennoch kann man wohl sagen, dass Quarterbacks mehr Zeit in die Vorbereitung stecken müssen, um das Spiel besser zu verstehen als andere.

Patrick Finke: Sportpsychologie? Damit habe ich noch nie gearbeitet! (Warum fragen wir nicht einfach die Besten? Episode 3)

Selbstverständlich muss man sich auch körperlich mehr als fit und gesund halten, wozu regelmäßige Stunden im Fitness-Studio von Nöten sind. Doch den größten Unterschied macht die theoretische Vorbereitung aus.

Des Weiteren repräsentiert man in gewisser Weise das Team, wobei mir mal von meinem Mentor Micah Brown gesagt wurde, man dürfe „never too high and never too low“ sein. Damit sind die Körpersprache und die gesamte Ausdrucksweise gemeint. Selbst nach einem vermeintlichen Top-Spiel dürfe man genauso wenig „die Fassung verlieren“ wie nach einem kompletten Desaster-Spiel, in dem nichts zu funktionieren schien.

Was muss ein Spieler deiner Position charakterlich mitbringen?

Er muss die bereits angesprochenen Dinge verkörpern und sich in den Dienst der Mannschaft stellen. Sei es als Starting QB oder Backup. Es bedarf ohnehin mehr als einen guten Quarterback um eine erfolgreiche Saison zu spielen. Man muss von sich selbst überzeugt sein, wobei man nie aufhören darf, sich selbst und seine Spielfähigkeit ständig zu trainieren und zu verbessern. Man darf niemals damit aufhören, offen für neue „Coaching Points“ zu sein. Man kann sich das ähnlich wie einen Baukasten vorstellen, der einem von seinem ersten Trainer übergeben wird. Dieser Baukasten ist anfangs noch leer und muss über die gesamte Karriere hinweg gefüllt werden. Von einem Trainer bekommt man vielleicht alle notwendigen „Tools“, manchmal von vielen verschiedenen Trainern jeweils etwas, aber man kann nie genügend Utensilien in seinem imaginären Baukasten haben. Wobei diese natürlich auch gepflegt werden wollen und müssen. Auch das beste Messer muss irgendwann neu geschliffen werden, um scharf zu bleiben. Zu diesen sogenannten Tools zähle ich jedoch nicht nur die reinen Mechanics wie Footwork, Throwing Motion oder Read Progressions, sondern auch die charakterlichen Eigenschaften, die es wie Tugenden zu erlernen gilt.

Zu all dem zählt auch, den vielen kritischen Stimmen um einen herum nicht immer zuzuhören und sich auf sich selbst zu verlassen und zu konzentrieren. Diese Kritiker sogar als Ansporn zu sehen, aber sich davon niemals klein machen zu lassen. Ganz im Gegenteil, eher zu versuchen daran zu wachsen. Natürlich sollte man nach wie vor kritikfähig bleiben und sich wahrhafte Kritik auch zu Herzen nehmen. Dafür ist aber essentiell wichtig, darauf zu achten, wo diese Kritik herkommt und wie sie an dich herangetragen wird.

Was hast du selbst getan, um nicht nur deinen Körper sondern auch deinen Kopf immer wieder weiter zu trainieren?

Das körperliche Training ist ja bereits bekannt. Stunden über Stunden Training mit Gewichten, etliche Laufeinheiten, koordinative Übungen, sowie Muskelaufbau und Schnelligkeitstraining. Massig viel Schweiß, Aufopferung und Überwindung. Aber der Körper ist unser Kapital als Sportler und die Muskeln sind die Airbags der Knochen. Um leistungsorientiert zu spielen, gehört das einfach dazu.

Um meinen Kopf zu trainieren und optimal vorzubereiten nutze ich jede freie Minute, die mir für Football zur Verfügung steht um Spielzüge einzustudieren, Video-Tutorials zu schauen, Spieler zu analysieren und Football wortwörtlich zu studieren. Hinzu kommt die Hilfe meines engen Freundes und Mentors Micah Brown, der sich meine Trainings- und Spielvideos anschaut und mich anhand dieser coacht. Dazu natürlich jede Theorie-Einheit mitnehmen die angeboten wird. Einfach so gut es geht und so wie es die Zeit zulässt den absoluten Fokus auf Football setzen und darauf, wie ich selbst mehr erfahren und lernen kann, um somit besser zu werden.

Die optimale Verbindung beider Vorbereitungsweisen sind Camp-Teilnahmen. In Camps lernt man ständig neue Leute kennen, mit unterschiedlichen Backgrounds und anderen Spiel-Philosophien. Auch das kann dich nur besser machen, wobei wir wieder bei den Tools und dem Baukasten wären.

Welches ist dein Glaubenssatz?

Da würden mir ein Paar einfallen, doch um zwei zu nennen, die mir direkt einfallen:

„Never quit!“ – Kurz und simpel, aber damit ist alles gesagt. Die klischeehaften Phrasen sind oft wahr und all die Zitate, die wir aus Rocky-Filmen und Ähnlichem kennen stimmen wohl. Es geht darum, einmal mehr aufzustehen als die anderen und sich nicht unten halten zu lassen. Ausdauer und Geduld sind maßgeblich für Erfolg.

„I can do all things through Christ who strengthens me“ – Als gläubiger Christ ein inspirierendes und treffendes Zitat. Zu wissen, nie alleine zu sein und mit Gott an der Seiten nach vorne zu schreiten, das gibt mir ein unglaubliches Gefühl der Sicherheit und Zuversicht.

Wie motivierst du dich am besten? Arbeitest du hier mit Videos oder Bildern?

Unmittelbar vor einem Spiel eigentlich gerne mit kurzen Videos. Das variiert aber oft, mal klassische College/NFL Highlights, mal die Highlights von bestimmten Spielern wie z.B. Tom Brady, manchmal auch allgemeine Sport-Compilations mit motivierenden Zitaten. Als Jugendspieler schaute ich am Abend vor einem Spiel oft einen Football-Film oder andere mich inspirierende Filme an. Heutzutage gehe ich jedoch lieber in mich und halte mir vor Augen, für wen ich spiele und was mir diese Menschen bedeuten. Es ist ein bemerkenswerter Ansporn für mich geworden, den Support meiner Familie und Freunde nicht für selbstverständlich anzuerkennen und wirklich alles zu geben, um sie stolz zu machen.

Dennis Zimmermann: NO REGRETS! (Warum fragen wir nicht einfach die Besten? Episode 2)

Inwieweit hat dein Sport-Studium dir Unterstützung leisten können für die Ausübung deines Sportes?

Ehrlich gesagt ist es oft eher eine Belastung, zusätzlich sportlich strapaziert zu werden, da viele praktische Kurse und Prüfungen mitten in der Saison stattfinden und man somit zusätzlich ausgelastet ist. Auf der anderen Seite ist es schon von Vorteil, ein besseres Körperbewusstsein zu erfahren, durch das Erlernen neuer Bewegungsmuster und koordinativer Fähigkeiten. Die Philosophie ist hierbei ein super mentaler Ausgleich, um den Kopf frei zu bekommen und meinen Fokus auf andere mich reizende Dinge legen zu können. Ich denke das Kanalisieren von Konzentration unglaublich wichtig ist. Man kann nicht gut in etwas sein, wenn man sich permanent ausschließlich nur mit diesem einen Thema befasst. Da geht die Konzentration irgendwann verloren und darunter leidet letztendlich die Produktivität. Setzt man jedoch seinen Fokus gezielt auf unterschiedliche Dinge, so kann man meiner Meinung nach in jeder dieser Kategorien erfolgreich sein. Diese Ko-Existenz hilft mir zwischen meinem Leistungssportler- und meinen Studenten-Dasein nicht den benötigten Fokus und somit den Spaß zu verlieren.

Was würdest du jungen Spielern raten?

Sie sollten offen an die Sache herantreten, nicht versteift und nicht aufgrund externer Beweggründe. Sie sollten Camps besuchen und wie ein Schwamm so viel aufsaugen wie nur möglich, wobei sie überall etwas lernen können. Sie sollen sämtliche Fortbildungsmaßnahmen besuchen, bei offenen Trainings der Landesauswahlen teilnehmen und sich nicht vom Weg abbringen lassen, nur weil irgendwer meint, es besser zu wissen und einen nicht gut genug findet. Außerdem sollten sie versuchen, ihren Baukasten mit so vielen Tools wie möglich zu füllen und niemals den Spaß an der Sache verlieren.

Und zuletzt finde ich es wichtig, sich selbst gegenüber ehrlich zu bleiben. Will man diesen Sport „nur“ just for fun ausüben, dann ist es okay, wenn man das Ganze locker angeht. Das Leben hält noch viele andere tolle Dinge bereit. Wenn man sich jedoch dazu entschließt, ein guter Football-Spieler zu werden, am besten so gut wie es für einen selbst maximal möglich ist, dann aber bitte auch mit allem was geht. Keine Ausreden, kein Jammern. Es ist und wird unglaublich hart und man muss sich ständig neu motivieren und fragen, ob es das wert ist? Aber das Ziel, dass du dir gesteckt hast, was immer es auch sein mag, sollte dir klar und deutlich vermitteln: Ja! Es ist es wert und du wirst es bereuen, dir jetzt nicht weiterhin den Arsch aufzureißen.

Gibt es etwas, was du anders machen würdest, wenn du an einen bestimmten Moment deiner Karriere denkst?

Ehrlich gesagt gibt es gewisse Dinge, die ich so nicht gemacht hätte, wenn ich vorher gewusst hätte, was passiert. Allerdings verfüge ich nicht über diese Gabe und jede bisherige Entscheidung hat mich dahin gebracht, wo ich bin und wer ich bin. Das ist gut so. Klar träumt man davon, weiter zu sein und weiter zu kommen aber das treibt einen ja auch an. Ich denke, dass alles aus einem guten Grund passiert und wir nur daraus lernen können. Dazu sind ja die Erfahrungen da, wir müssen sie nur als solche nutzen und daran wachsen und besser werden.

Niklas Römer: Look good – feel good – play good (Warum fragen wir nicht einfach die Besten? Episode 1)

Was ist deiner Meinung nach der wichtigste Punkt, an dem die Sportpsychologie und Spieler deiner Position zusammenkommen? Woran könnte man zusammen am besten arbeiten?

Da das Spiel des Quarterbacks sehr stark von seiner mentalen Leistungsfähigkeit abhängt, denke ich es wäre von Vorteil, wenn man genau bei diesen Dingen ansetzt, von der Vorbereitung bis zum Gameday. Oft bedarf es nur eines persönlichen Gesprächs, um den Kopf klar zu kriegen. Man muss den Spieler wiederum kennen, um ihn mit bestimmten Aussagen triggern zu können und dahin zu führen, wo er letztendlich hin will. Russel Wilson hat bei jedem Spiel seinen eigenen Sportpsychologen an der Sideline stehen, der ihn lediglich beobachtet um dann nachträglich gewisse Dinge aufzuarbeiten zu können und diese präventiv als Vorbereitung zum nächsten Spiel aus dem Weg zu räumen.

Was glaubst du ist dein Geheimnis um so lange so erfolgreich zu spielen?

Das strikte Befolgen meiner Glaubenssätze! ☺

Denkst du, Spieler deiner Position haben narzisstische Züge?

Minimale Züge hat jeder, auf jeden Fall. Eine gewisse Selbstüberzeugung ist jedoch für jeden Spieler, der erfolgreich spielt, wichtig, ganz gleich welche Position. Als Narzisst versteht man umgangssprachlich jemanden, der sich selbst mehr liebt und dabei andere Menschen vernachlässigt. Das kann ich so als verallgemeinerte Charaktereigenschaft bei QB’s nicht bestätigen. Oft wird man ja auch in die Rolle gedrängt, dass sich alles um den QB dreht, was sicherlich nicht der Fall ist, jedoch von Außenstehenden gerne so wahrgenommen wird. Ein gesundes Selbstbewusstsein ist aber in jedem Fall sehr wichtig.

Muss ein Spieler deiner Position furchtlos sein?

Ja, aber situationsabhängig. Es gibt manche Situationen auf dem Footballfeld, in denen man die großen von durchschnittlichen Quarterbacks unterscheiden kann. Zu sehen, dass ein Defender ungeblockt mit voller Geschwindigkeit auf einen losrennt, man aber noch kurz warten muss, bis man den Ball zu seinem WR werfen kann, obwohl man genau weiß, dass es gleich schutzlos einschlagen wird – das ist nur ein Beispiel. Es gibt auch viele andere Situationen, in denen man durchaus furchtlos agieren muss. Trotzdem ist die Furcht etwas durchaus Sinnvolles und Gutes und hilft uns, Gefahren wahrzunehmen. Angst schüttet unter anderem Adrenalin aus, ein Hormon was uns für kurze Zeit leistungsfähiger sein lässt.

Mit welcher anderen Position bist du am meisten verbunden?

Als QB ist man oft das Bindeglied aller Offense-Spieler. Daher ist es schwierig, eine spezielle Positionsgruppe ausfindig zu machen. Ich denke, dass ist von Team zu Team unterschiedlich und man kann es nicht komplett verallgemeinern. Meine Offensive Line ist mir mehr als wichtig, vor allem weil diese Jungs den Grundpfeiler für unsere Offense stellen. Wir könnten noch so gute Skill-Player haben, ohne eine gute O-Line, die für uns blockt, sind wir nichts. Da jede intakte Offense von Timing lebt ist das Zusammenspiel zwischen mir und den Wide Receivern von großer Bedeutung, weshalb wir auch viele Extra Trainings zusammen verbringen. Außerdem sind WR oft auch eher extrovertiert und es liegt in beidseitigem Interesse, gut miteinander zu harmonieren.

Miriam Kohlhaas: Ein Hoch auf die dicken Jungs!

Ist deine mentale Vorbereitung bei einem schwachen Gegner dieselbe wie bei einem Nationalspiel?

Es gibt gewisse Rituale, die ich vor jedem Spiel einhalte. Egal ob es ein Vorbereitungsspiel ist oder das Big6 Finale. Bei einem Nationalspiel herrscht eine komplett andere Team-Atmosphäre, man begibt sich mit Spielern, die im normalen Ligabetrieb Gegner sind auf dieselbe Mission und versucht in kürzester Zeit eine Einheit zu schaffen, die erfolgreich zusammenspielen kann. Das ändert jedoch nichts an meiner eigenen mentalen Vorbereitung auf ein Spiel bzw. auf den nächsten Gegner.

Hattest du schon einmal Angst vor einem Spiel? Wenn ja, wie konntest du diese überwinden?

Wirklich Angst hatte ich ganz früher vor meinen ersten Jugend-Spielen, in denen ich auf einmal getackled werden konnte. Diese Angst verliert sich jedoch nach den ersten Hits und nachdem man merkt, dass man nicht aus „Zucker“ ist und es oft auch gar nicht so schmerzt. Seitdem herrscht ab und zu eine Grund-Nervosität, die sich allerdings innerhalb der ersten Paar Drives komplett setzt. Ab dann sind quasi Scheuklappen aufgesetzt und ich befinde mich im Game-Modus.

Gab es in deiner Karriere Momente, in denen du dir intensive Sportpsychologische Hilfe gewünscht hättest?

Diese Momente gab es sicherlich. Allerdings eher in Verbindung mit einer dritten Person, sei es ein Trainer, Mitspieler, oder ein Familien-Angehöriger. Ein Mensch, der mit der Sportpsychologie vertraut ist, hätte hier super intervenieren und helfen können, als eine Art Vermittler zweier Parteien. Die meisten Trainer befassen sich lediglich mit den X’s and O’s, also allen taktischen Vorgehensweisen. Jedoch sollte es ja im Interesse eines guten Coaches liegen, seine Spieler in die bestmögliche Position zu bringen, erfolgreich zu sein – für den Trainer genauso wie für den Spieler.

Sollte die Sportpsychologie ein fester Bestandteil des Footballs in Deutschland sein?

Der mentale Aspekt ist enorm wichtig, er gerät leider immer wieder zu kurz. Man sollte versuchen, die Sportpsychologie grundsätzlich mehr mit einzubeziehen, mentales Coaching für die Spieler anbieten und auch Coaches sportpsychologisch weiterbilden und schulen, um klar zu machen, dass es um Menschen geht. Menschen mit Wünschen, Träumen, Sorgen und Problemen, und dass diese auch okay sind. In den USA werden Millionen Summen dafür gezahlt, dass die Spieler funktionieren und dabei ihre Gesundheit aufs Spiel setzen. In Deutschland ist das abgesehen von dem Niveau und den Millionen-Beträgen ähnlich und deshalb sollte eine Art Entschädigung anderweitig stattfinden. Davon könnten ja auch sämtliche Funktionäre und Coaches nur profitieren. In anderen Sportarten ist es bereits Gang und Gäbe einen Sportpsychologen mit ins Team zu integrieren. Davon kann sich der American Football gerne eine Scheibe abschneiden.

All ihr wundervollen Sportler, ihr fantastischen QBs packt euren Rucksack! Was sind eure Ressourcen und was müsst ihr noch hinein packen? Welche Eigenschaften sollte ein perfekter QB haben und wie könnt ihr sie erreichen?
Zeit euch darüber Gedanken zu machen!

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