Cristina Baldasarre aus Zürich beschäftigt sich als Sportpsychologin mit der Frage, wie Athletinnen und Athleten sowie Trainer mit Ängsten, Druck und schwierigen Situationen im Leistungssport umgehen. Das sorgt auch für mediales Interesse.
In einem aktuellen Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung erklärt sie, warum viele Menschen befürchten, dass negative Ereignisse wahrscheinlicher werden, wenn sie diese bereits in der Vorbereitung ansprechen. Anhand von Beispielen aus dem Fußball verdeutlicht sie, welche Rolle die mentale Vorbereitung spielt und warum es wichtig ist, mögliche Probleme nicht zu verdrängen. Dabei geht es auch um die Verantwortung von Trainern, schwierige Szenarien mit ihren Mannschaften anzusprechen und Spieler mental auf Herausforderungen vorzubereiten. Das Gespräch zeigt, wie Sportpsychologie dazu beitragen kann, Ängste abzubauen, die Kommunikation im Team zu verbessern und die Voraussetzungen für gute Leistungen zu schaffen.
Im Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) gibt Cristina Baldasarre einen genauen Einblick, wie die Sportpsychologie funktioniert, wie im Sport davon profitiert werden kann und welche blinden Flecken es noch gibt. Entsprechend ist die NZZ-Veröffentlichung ein Must-Read für SportlerInnen, TrainerInnen und auch für SportpsychologInnen.
Was macht das NZZ-Interview so wertvoll?
Insbesondere für die Profis in der Sportpsychologie kann das Interview ein echtes Lehrstück für professionelle und effektvolle Medienarbeit sein, hebt Mathias Liebing, Redaktionsleiter von Die Sportpsychologen hervor: “Cristina gelingt der Spagat, sowohl sehr klare Aussagen zu treffen, ohne aber ihre eigenen roten Linien nicht zu verletzen.”
Wichtig: Rote Linien in der sportpsychologischen Öffentlichkeitsarbeit sind sehr individuell. Im Netzwerk legt diese jeder Profilinhaber oder jede Profilinhaberin (du willst mehr über ein Profil bei Die Sportpsychologen erfahren?) selbst fest beziehungsweise tauscht sich innerhalb des Netzwerks dazu aus. Gemeinhin gilt, dass keine Einschätzungen getroffen werden, die sich auf das persönliche Empfinden oder die subjektive Einschätzung eines Athleten oder eine Athletin beziehen. Oft werden aber genau solche Fragen in Interviews gestellt.
Im konkreten Fall des NZZ-Interviews vermeidet Cristina Baldasarre diese gewünschten Aussagen. Gefragt wurde sie, wie es dem Ironman-Favoriten Kristian Blummenfelt passieren konnte, nicht ausreichend Kohlenhydrate zu sich zu nehmen? Statt zu vermuten, beschreibt sie, wie ein Lösungsweg in der sportpsychologischen Praxis nach einer vergleichbaren Erfahrung aussehen könnte.
Warum ist Michael Phelps ein gutes Beispiel?
Dennoch wird Cristina Baldasarre im Interview auch deutlich. So beschreibt sie, wie Michael Phelps sich auf viele Eventualitäten in einem Wettbewerb vorbereitet habe, um sich beispielsweise durch das Verrutschen einer Schwimmbrille im Rennen nicht verunsichern zu lassen. Klare Worte findet sie auch mit der Aussage, dass gerade im Mannschaftssport das Potential der Sportpsychologie häufig noch nicht ausgenutzt werde.
“Ich finde es wichtig, in Interviews klar und deutlich zu sein. Gerade weil solche Veröffentlichungen auch von Menschen gelesen werden, die sich sonst weniger mit Leistungssport und Psychologie befassen. Zudem geht es mir darum, aufzuzeigen, dass klare Aussagen keine Schuldzuweisungen sind, sondern der Start eines konstruktiven Prozesses sein können“, sagt Cristina Baldasarre, die in Folge des Interviews viel Feedback bekommen hat. Zum Teil auch direkt aus dem Leistungssport.
Interview-Anfragen erreichen uns bei Die Sportpsychologen reichlich. Sehr unterschiedlich ist dabei, wie viel Wissen die Journalisten und Journalistinnen zur Sportpsychologie mitbringen. Darauf gilt es, als Experte oder Expertin vorbereitet zu sein. Im Netzwerk ist es uns wichtig, dass wir diese Anfragen bestmöglich beantworten, um zum einen im positiven Sinne Aufklärungsarbeit für die Sportpsychologie zu leisten und zum anderen Aufmerksamkeit für unsere Experten und Expertinnen zu schaffen. Im Idealfall entsteht daraus eine Win-Win-Win-Win-Situation für den Sport, die Medien, die Sportpsychologie sowie die einzelnen Experten und Expertinnen.
Antworten auf deine Fragen
Wir haben hier einige Fragen und Antworten gesammelt. Wenn du tiefer einsteigen willst, nimm direkten Kontakt auf:
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Cristina BaldasarreWarum ist die mentale Vorbereitung auf mögliche Probleme im Sport wichtig?
Die mentale Vorbereitung hilft Athletinnen und Athleten, sich auf unterschiedliche Situationen im Wettkampf einzustellen. Dazu gehört auch, mögliche Schwierigkeiten und Rückschläge gedanklich durchzuspielen, statt sie aus Angst vor ihrem Eintreten zu verdrängen. Wer sich beispielsweise auf einen Fehler, eine unerwartete Unterbrechung oder einen schwierigen Wettkampfverlauf vorbereitet, kann im Ernstfall eher handlungsfähig bleiben. Ziel ist nicht, negative Ereignisse vorherzusagen, sondern passende Reaktionen und Lösungswege zu entwickeln.
Welche Rolle spielt Sportpsychologie im Mannschaftssport und für Trainer?
Sportpsychologie unterstützt Mannschaften und Trainer dabei, mit Druck, Ängsten, Konflikten und unerwarteten Herausforderungen umzugehen. Sie kann helfen, schwierige Szenarien in der Vorbereitung anzusprechen, die Kommunikation im Team zu verbessern und gemeinsam Strategien für unterschiedliche Spielsituationen zu entwickeln. Trainer können dadurch lernen, mentale Aspekte stärker in ihre Trainings- und Wettkampfplanung einzubeziehen. Gerade im Mannschaftssport bietet die Sportpsychologie damit Möglichkeiten, die über die individuelle Betreuung einzelner Spielerinnen und Spieler hinausgehen.
Wie können Sportpsychologinnen und Sportpsychologen professionell mit Medienanfragen umgehen?
Professionelle Medienarbeit erfordert, komplexe sportpsychologische Inhalte verständlich und klar zu vermitteln, ohne die Grenzen der eigenen Expertise zu überschreiten. Sportpsychologinnen und Sportpsychologen sollten zwischen gesichertem Wissen, allgemeinen fachlichen Einschätzungen und Vermutungen über einzelne Athletinnen und Athleten unterscheiden. Statt ungeprüfte Erklärungen für konkrete sportliche Ereignisse zu liefern, können sie sportpsychologische Zusammenhänge erläutern und mögliche Lösungsansätze aus der Praxis beschreiben. So tragen sie zur Aufklärung über Sportpsychologie bei und schaffen zugleich Vertrauen in ihre fachliche Arbeit.

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