Maria Senz: Das mentale Beachvolleyball ABC, Teil 2

Sommer 2014: Ich steh in der Sandkiste. Zusammen mit zwei weiteren Anfängern und dem Trainer. Ein Sommer-Wochenend-Camp am See im Norden von Berlin. Wir haben das Feld in der Ecke. Links und rechts auf den Feldern fliegt der Ball in schööööönen Bögen innerhalb des Feldes und im Flow übers Netz. Bei uns nicht. Haben wir überhaupt Bälle? Oder ist es nur Beachvolleyballballett?

Heute: mit unzähligen Trainingseinheiten, Camps, Niederlagen, Erfolgen, Aus- & Weiterbildungen im Turnbeutel nehme ich die Athleten in ihrer Bewegung, Technik, Taktik und ihren mentalen Fähigkeiten wahr und analysiere auf dieser Basis. Die Leidenschaft für Beachvolleyball hat mich gepackt. Im Sand und nicht zuletzt auch auf mentaler und sportpsychologischer Ebene. 

Zum Thema: Beachvolleyball ABC, Von I wie “irgendwas geht immer” bis Q wie “Quadrat für 2” 

I für irgendwas geht immer

Wenn nichts mehr zu gehen scheint, geht immer noch irgendwas. „Mach irgendwas“ ist auf der einen Seite ein Hilferuf. Auf der anderen Seite eröffnet es alle Handlungsoptionen außerhalb der konventionellen Beachvolleyballaktionen, lässt dich durch Intuition frei auf dem Spielfeld handeln und zaubert Überraschungen hervor.

J für Ja, ich will

Ein “Ja, ich will” ist ein freiwilliges Zugeständnis. Eine Einwilligung zu dir, deinem Spielpartner und eurem Beachvolleyballstil. Freiwilligkeit ist eine selbstwirksame Größe, die du gestaltest. Der eigene Wille sich im Beachvolleyball voranzubringen, die Punkteskala sowie die Rangliste hochzuklettern und vom Siegertreppchen die verschiedensten Edelmetalle um den Hals nach Hause zu tragen, trägt dich mit Leidenschaft durch den Sport.

K für Kommunikation

Wir sind ständig in irgendeiner Form der Kommunikation – mit Sprache, Stimme oder Körper. Beim Beachvolleyball ist die Körpersprache allzeit präsent, zum Beispiel beim Einlaufen aufs Feld, bei Punktgewinnen bzw. -verlusten, bei Fehlern oder bei fehlenden Ideen, den Gegner zu bezwingen. Sprache und Stimme sind wichtig für das Verständigen im Team, zum Beispiel wer übernimmt die Annahme, welcher Pass ist gewünscht, welche Angriffsrichtung ist sinnvoll und welcher wertvolle Austausch hilft in den Auszeiten? Kommunikation verbindet und gibt Sicherheit, zum Beispiel nach einer Rally abklatschen und sich Worte ins Ohr flüstern, unabhängig vom Ergebnis, um sich für die einzelnen Aktionen im Spielzug wertzuschätzen und zu motivieren.

L für Lesen des Spiels

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Eine Floskel, die beim intensiver darüber nachdenken, unterschiedlichen Nutzen hervorbringt – auch außerhalb des Beachvolleyballs. Was kannst du beim Beachvolleyball alles lesen? Zum Beispiel das Spielkonzept des Gegners mit Blick auf Aufschlagstaktik, Wahl des Zuspiels, Lieblingsschlag, Block- und Abwehrtaktik. Neben dem taktischen Lesen kannst du auch die Körpersprache des Gegners wahrnehmen und mit entsprechenden Handlungen reagieren, so dass dein Team auch die Führung im Kopf des Gegners übernimmt. Als Vor- bzw. Nachbereitung von Spielen macht es Sinn, sowohl euer Spiel als auch das Spielverhalten des Gegners zu analysieren, um mit einer Vielfalt an Handlungsoptionen ins nächste Spiel zu gehen.

M für Musik in deinen Ohren

Musik aktiviert, Musik beruhigt, Musik motiviert. Musik kann so mächtig sein, abhängig davon wie du es wahrnimmst und für dich nutzt. In den Turnieren ist Musik allzeit präsent und sorgt für Stimmung im Publikum. Als Spieler hast du die Wahl, mit welcher Stimmung sie in dein Ohr dringt und was du daraus machst. Hierbei ist zu unterscheiden: Musik, die du durch deine eigene Playlist selbst beeinflussen kannst, und Musik, die von außen durch den DJ bestimmt wird. Abhängig von deiner benötigten Stimmung für das anstehende Spiel, lässt du passende Musik in dein Ohr. Während des Spiels bist du der DJ-Musik ausgesetzt. Was du hier beeinflussen kannst, ist dein Hörsinn: Abhängig von deiner benötigten Stimmung, zum Beispiel Motivation, Fokus, Konzentration, interpretiere den Titel so, dass du genau diese Stimmung in dir erzeugen kannst. Und wenn dir die Musik zu viel ist, dann etabliere einen imaginären Ohrfilter, der die Musik nahezu ausblendet und dich mit Ruhe fokussieren lässt.

N für nutze die Zeit

In einer weit verbreiteten Definition beschreibt Zeit eine Abfolge von Ereignissen und hat somit eine eindeutige, fortlaufende Richtung. Vor, während und nach einem Beachvolleyballspiel gibt es unendlich viele Ereignisse, die du mit Blick auf deinen Beachvolleyball nutzen kannst. Zum Beispiel kannst du die Zeit vor dem Spiel dafür nutzen, dich entsprechend einzustimmen. Bedeutet, etabliere diejenige Atmosphäre in deinem Kopf, bei der du deinen idealen Beachvolleyball spielst, um dein gestecktes Ziel für das Spiel zu erreichen. Während eines Spiels hast du weitere Zeitfenster, die du sinnvoll nutzen solltest. Zum einen hast du mögliche Auszeiten, um tief durchzuatmen, dich zu beruhigen, zu fokussieren und mit deinem Partner abzustimmen. Und dann gibt es noch die Zeit, die du für Linie richten, Sand ordnen, Brille putzen, Gesicht & Körper von Sand befreien verwenden kannst, um dich zu sammeln, zu sortieren, zu konzentrieren oder was auch immer zu tun. Wichtig ist, dass dir bewusst ist, wofür du diese Zeit nutzt, um entsprechend damit wieder ins Spiel zu starten. Ich nenne diese Zeit Reset Time. Ähnlich wie bei einem PC drückst du deinen Reset Knopf und bist wieder frisch dabei. Die Zeit nach dem Spiel kannst du dann zum Reflektieren, Auswerten, Erholen, Heilen und Lernen nutzen, um regeneriert weiterzumachen.

O für Outfit

Das Outfit beim Beachvolleyball sorgt gelegentlich für Publicity. Als Spieler kannst du es mit entsprechenden Zuständen verbinden. Was passiert mit dir, wenn du dein Outfit anziehst und anschließend im Sand einläufst? Stolz, Glück, Freude, Vertrauen, Können und vieles mehr breiten sich in dir aus und stärken dein Auftreten im Spiel. Und wenn es mal eine Talfahrt gibt, fühle die Bekleidung auf deiner Haut und mach dir Stolz, Glück, Freude, Vertrauen, Können usw. bewusst, um dich wieder zu orientieren und gestärkt durchzustarten.

P für Perspektiven

Du entscheidest, welchen Fokus du im Spiel legst: orange Brille für Energie, Aufmerksamkeit, Freude, Begeisterung, um dich als Team voranzubringen vs. schwarze Brille für Angst, Aggression, Unsicherheit und Unmut, um dich als Team zu blockieren. Überlegt gemeinsam, welche Emotionen ihr braucht, um euren besten Beachvolleyball in den Sand zu bringen.

Q für Quadrat für 2

Was für die einen das Feld der Verteidigung ist für die anderen das Feld des Angriffs. Es gilt also 16 Quadratmeter auf zwei Spieler so optimal aufzuteilen, dass verteidigungslos angegriffen bzw. angriffslos abgewehrt werden kann. Das hat was mit Vorausschauen zu tun, ähnlich wie beim Schachspielen: sei gedanklich mindestens drei Schritte voraus, um erfolgreich das Quadrat auszuschöpfen. Mach dir Gedanken zu den möglichen Aufteilungen des Quadrats und welche taktischen Möglichkeiten sich daraus ergeben – sowohl für den Angriff als auch die Verteidigung. Gleichzeitig steht beides in ständiger Wechselwirkung zueinander, denn der Aufschlag bestimmt den ersten Angriff, der die Abwehrtaktik und die wiederum den nächstmöglichen Angriff bestimmt. Und dabei ist alles möglich, solange du daran glaubst – siehe G.

Hinweis: Teil drei findest du in den kommenden Wochen hier. Teil 1 kannst du schon jetzt lesen, Link. Wenn du vorab Fragen hast, wende dich gern an Maria Senz (zum Profil) oder andere Profilinhaberinnen von Die Sportpsychologen in deiner Nähe (zur Übersicht)

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Maria Senz
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Sportarten: Beachvolleyball, Volleyball, Kitesurfen, Leichtathletik