EM-Special: Elfmeter meistern

Schon in der Vorrunde wurde klar, wie schwierig es sein kann, einen Ball als elf Metern für den Torhüter unerreichbar im Netz zu platzieren. Nur etwas mehr als die Hälfte der in den EM-Gruppenspielen ausgesprochenen Strafstöße fanden am Ende den Weg ins Tor. Eine grauenhafte Quote. Grund genug für uns, dass wir uns diesem Klassiker-Thema etwas genauer widmen.

Zum Thema: Elfmeter und Elfmeterschießen bestmöglich vorbereiten

Noch viel mehr als die schlechte Ausbeute der Schützen während der Gruppenphase wundert aber die journalistische Reaktion auf die Tatsache, dass neben dem englischen Team auch einige weitere regelmäßig die Elfmetersituation üben. Gerade England als deutscher Gegner im Achtelfinale wird medial geradezu verlacht, dass Strafstöße bei Gareth Southgate regelmäßig auf dem Plan stellen – aber gerade er dürfte ja wissen wie es ist, wenig oder gar nicht vorbereitet bei einem wichtigen Spiel zum Punkt zu schreiten. 

Klaus-Dieter Lübke Naberhaus aus Leipzig (zum Profil) ist sportpsychologisch vor allem im Handball zu Hause. Die Parallelen vom Wuf aus sieben Metern zum Schuss aus elf liegen auf der Hand. Deutlich macht er vor allem, dass es für alle Beteiligten, egal in welcher Sportart, auf Übung ankommt.

Den Moment richtig vorbereiten

In Sachen Vorbereitung auf einen Elfmeter oder gar ein Elfmeterschießen hat Kathrin Seufert aus Bremen (zum Profil) ein Lieblingswerkzeug. Übrigens eines, was sich universell einsetzen lässt. Passt sowohl beim entscheidenden EM-Moment als auch für die Situation, in der du demnächst stecken könntest:

Torwart im Fokus

Ilias Moschos aus Krefeld (zum Profil) war bereits als DFB Stützpunkttrainer in der Talentförderung für Torhüter aktiv und betreut seit Jahren zahlreiche Keeper. Seinen zwischen den Pfosten stehenden Sportlern empfiehlt er grundsätzlich, sich im Vorfeld weitestgehend und bestmöglich über die gegnerischen Schützen zu informieren. Hinzu kommen Visualisierungen, ideomotorisches Training und physisches Training unter Druck. Einen besonderen Trick hat er für Torhüter parat, die auch gern einmal etwas Zocken: Moschos empfiehlt ihnen, einen Zettel in die Hand zu nehmen, auf dem die Lieblingsecke des Schützen notiert sein könnte (oder irgendetwas anderes), was durchaus den Effekt haben kann, den Druck auf den Spieler kurz vor dem Elfmeterschießen zu erhöhen.

“Ein weiterer Tipp für die Goalies ist in seiner Umsetzung sehr herausfordernd in der Umsetzung. Voraussetzungen dafür sind grandiose Reflexe, Explosivität, Sprungkraft und Nervenstärke. Konkret zur Situation: Läuft der Spieler langsamer als üblich an, so lange wie möglich stehen bleiben. Das erhöht beim Schützen enorm den Druck und die Wahrscheinlichkeit, dass er verschießt, steigt. Auch ein Blick auf das Standbein des Schützen kann viel über die ausgewählte Ecke des Schützen verraten. Das zeigt in der Regel in die Richtung, in der der Schuss erfolgt. Sowohl für den Schützen als auch für den Torwart gilt: In der Ruhe liegt die Kraft!”

Vorbild Cristiano Ronaldo, die Decodierung Thomas Müllers und Selbstwirksamkeit

Dr. René Paasch aus Gelsenkirchen (zum Profil) wurde vor dem Start der EM-Achtelfinals vom Sportradio Deutschland zum Thema Elfmeterschießen befragt. Und natürlich ging es auch hier zu Anfang um die Annahme, dass sich die Entscheidung in KO-Spielen nach 120 Minuten gar nicht trainieren lässt. Zudem macht er deutlich, worauf es für Schützen ankommt, um vom Punkt bestmöglich abzuliefern. Paasch von Die Sportpsychologen und Markus Herwig sowie Yves Gatez vom Sportradio Deutschland gehen im Gespräch wunderbar in die Tiefe:

Sportradio Deutschlang (Link)

Fazit

Spannend, dass unsere Experten recht einhellig dafür plädieren, das Elfmeterschießen möglichst intensiv zu trainieren. Demgegenüber wird Prof. Dr. Hans-Dieter Hermann, der Sportpsychologe der deutschen Fußball-Nationalmannschaft damit zitiert, dass er es als positiv empfindet, dass sich die Engländer mit Elfmetern und damit ihre vermeintlichen Schwäche befassen. Auch ein spannender Ansatz, der aber vielleicht auch als feines sportpsychologischer Manöver in Richtung London verstanden werden darf. Wie so oft, die Wahrheit liegt am Ende auf dem Platz.  

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Mathias Liebinghttps://www.torial.com/mathias.liebing

Redaktionsleiter bei Die Sportpsychologen und freier Journalist

Leipzig Deutschland

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