Stefanie Gramlich: Wenn Bewegungseinschränkungen beim Pferd das Ergebnis beeinflussen

Im Pferdesport kommt es wesentlich auf ein Miteinander zwischen Mensch und Tier an. Worin liegt aber der Schlüssel für gegenseitiges Vertrauen, gutes Teamwork, eine zielführende Körpersprache und einen würdevollen Umgang mit dem Lebewesen Pferd? Aus meiner Sicht geht es um eine fest umrissene geistige Einstellung und innere Haltung des Reiters gegenüber seinem Pferd, gepaart mit dem nötigen Einfühlungsvermögen für den Pferdekörper.  

Zum Thema: Vertrauen und gute Kommunikation zum Pferd

In der Fachliteratur wird betont, wie wichtig ein Einfühlungsvermögen für das Tier im Pferdesport ist: 

  • „Das geistige Gleichgewicht und die richtige Einstellung zum Pferde ist vor allem bei der Dressurausbildung notwendig. Kommt dem Reiter als Ergänzung des Verständnisses noch die Gabe des richtigen Diagnostizierens und Einfühlens in den Pferdekörper zu Gute, eine Gabe, die angeboren sein muss und durch Lernen und Erfahrung allein nicht erworben werden kann, wird er auch die schwierigste Aufgabe, die es im Sattel zu lösen gibt, die Dressur diffiziler oder vom Menschen verdorbener Pferde, meistern können.“ (Seunig, 1943; in Documenta Hippologica: von der Koppel bis zur Kapriole; Enzyklopädie des Reitens; 4. Nachdruckauflage, 2013).
  • „Um sich reiterlich im geistigen Gleichgewicht zu befinden, muss man auf Grund seines durch Erfahrung erzogenes, erarbeitetes und durch Studium der anatomischen Mechanik , sich seiner selbst bewussten gewordenes Gefühls, ein sicheres Verständnis dafür besitzen, was, wie viel und wie etwas in einem gegebenen Zeitabschnittes des Trainings vom Pferd verlangt werden kann und darf. Ferner muss der Reiter ein sicheres Verständnis dafür besitzen, wo die von der Natur einem Pferde gesteckten körperlichen Grenzen liegen, da es sich auch unter dem besten Reiter nur zu dem ihm möglichen Grade der natürlichen Veranlagungen entfalten und zur Vollendung gelangen kann.“ (Seunig, 1943)

Anforderungen an den Reiter

Neben einer guten Aufmerksamkeit, Achtsamkeit und Konzentration des Reiters gehören beim Reiten zu den Basiselementen die physische und psychische Losgelassenheit von Reiter und Pferd, um ein starkes Fundament gegenseitigen Vertrauens und eines erstklassigen Teamworks zueinander aufzubauen. Der Reiter trägt eine enorme Verantwortung für den Pferdekörper, die Pferdepsyche sowie gegenüber seiner eigenen mentalen Stärke, Gesundheit und körperlichen Fähigkeiten. 

Der Reiter muss sowohl seinen eigenen Körper, dessen Beweglichkeit, Kraft, Ausdauer, technische Geschicklichkeit und ein schnelles Reaktionsvermögen beherrschen als auch sein emotionales und psychisches Gleichgewicht kontrollieren können (Stichwort hier sind das sportpsychologische Training der Emotions- und Gedankenkontrolle).

Wahrnehmung als Schlüssel

Der Reiter ist aus der Würde gegenüber seinem Pferd dazu verpflichtet, seine Wahrnehmung darin zu schulen und zu verfeinern, was sein Pferd braucht, um dessen Bedürfnisse als Pferd, dessen Charakter, Individualität, Wohlbefinden und als Sportpartner zu erfüllen. Es gilt hierbei das Einfühlungsvermögen des Reiters in den Pferdekörper, der sensiblen Pferdepsyche, dem individuellen Bewegungsspektrum des Pferdes, dessen natürlichen Veranlagungen und Leistungspotentials zu trainieren und zu erkennen.

Ein professioneller Reiter muss stets abwägen und täglich neu entscheiden, wie viel und was er im täglichen Training, in den unterschiedlichen Jahreszeiten (Fellwechsel und körperliche Umstellung des Pferdes auf die Wintermonate) und zur Wettkampfvorbereitung er von seinem Pferd verlangen und fordern darf. Wie bei Leistungssportlern auch sollte das Training fürs Pferd stets abwechslungsreich und von Freude sowie eigene Motivation/Bewegungsfreude des Pferdes erfüllt sein (Hallentraining Dressur, Reitplatz Dressur, Geländetraining, lockeres Stangen- oder Springtraining, Bodenarbeit, tensegrales Training sind hierbei abwechslungsreiche Methoden), um sowohl die körperlichen Fähigkeiten des Pferdes als auch dessen psychische Stärke zu trainieren (Resilienz, Unerschrockenheit, innere Gelassenheit, körperliches „ausgelastet sein“ des Pferdes, Zufriedenheit, soziale Eingebundenheit in die Pferdeherde). Die Schnelligkeit des Leistungszuwachses bestimmt dabei das Alter des Pferdes und dessen körperlicher sowie psychischer Gesundheitszustand.

Konkretes Fallbeispiel:

13-jähriger Hannoveraner Wallach, mehrfach S-Dressur gewonnen und platziert, springt von einem auf den anderen Tag die Serienwechsel (fliegende Galoppwechsel) nicht mehr sauber aus der Hinterhand durch. Im Verhalten zeigt er sich zunehmend unruhig, wirkt hektisch, unzufrieden, starke Verspannung an der Muskulatur im Rückenbereich erkennbar, leichtes Schmerzempfinden beim Abtasten des Pferdeosteopathen in der Reaktion des Pferdes.

Ich empfehle, folgende Fragen zu formulieren:

  • Hat mein Pferd ein körperliches, physiologisches Problem? Kann er gerade auf Grund eines körperlichen Schmerzes meiner Hilfengebung nicht folgen?
  • Will mein Pferd meiner Anordnung nicht folgen, weil es meine Führungsqualitäten in Frage stellt (Rangordnung, Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen, Austesten der Grenzen des Reiters, emotionale Stabilität)? 
  • Versteht mein Pferd meine Hilfengebung gerade nicht? Weiß mein Pferd nicht, was ich gerade von ihm in der Lektion und Ausführung will? 
  • Habe ich meine Hilfengebung korrekt und präzise gegeben (Schenkel-, Gewichts- und Zügelhilfen korrekt eingesetzt)?
  • Bin ich mental mit meinem Pferd verbunden oder ist dessen Aufmerksamkeit auf die äußere Umgebung gerichtet (z.B. andere Pferde auf der Koppel, Menschen auf der Tribüne, Hunde im Trainingsbereich)?

Bezogen auf das vorherige Beispiel war das Ergebnis, dass ein körperliches/ physiologisches Problem des Pferdes zu Grunde lag, welches jedoch durch den Pferdeosteopathen gut und schnell innerhalb weniger Monate behandelt werden konnte.

Das Ergebnis und Diagnose des Pferdeosteopathen lautete: Blockade im Iliosakralgelenk (dem Kreuzdarmbeingelenk) des Wallachs führt zu Schmerzen in diesem Bereich und hindert den Wallach daran die Galoppwechsel sauber aus der Hinterhand durchzuspringen.

Fazit

Das Kreuzbein, auch das „heilige Bein“ genannt, steht sinnbildlich für „das nach Vorne gehen“. Die Traglast findet hier ihren Ursprung („die Last wird getragen“). Das Kreuzbein steht auch für das Urvertrauen zum Leben. Wer dazu mehr wissen will, kann gern Kontakt zu mir aufnehmen.

Das Beispiel soll aufzeigen, wie wichtig es im Reitsport ist, sensibel auch das körperliche Wohlbefinden des Pferdes einzugehen. Gern helfe ich interessierten Reitsportlern und Reitsportlerinnen auf diesem Weg. Ich freue mich auf die Kontaktaufnahme (zum Profil von Stefanie Gramlich) und verweise auch gern auf meine Kollege und Kolleginnen im Netzwerk, die auch im Themenbereich Reitsport arbeiten (zur Übersicht).

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