Die Ferien sind vorbei. Schule, Training und Alltag beginnen wieder. Für viele Familien stellt sich damit auch die Frage: Wie viel Smartphone ist eigentlich noch okay? Gerade Eltern erleben häufig, dass ihre Kinder die Nutzungszeit deutlich ausweiten möchten, und teilweise heftig reagieren, wenn Grenzen gesetzt werden. Doch wie sollen Eltern damit umgehen?
Zum Thema: Smartphone Nutzung von Jugendlichen
Vor einigen Tagen bin ich im Radio auf einen Österreich1-Beitrag mit dem Titel „Smartphonesüchtig nach den Ferien“ aufmerksam geworden. Darin geht es unter anderem darum, dass Kinder und Jugendliche während der Ferien häufig deutlich mehr Zeit am Smartphone verbringen und die Rückkehr zu einem geregelten Alltag dadurch schwieriger werden kann.
Das Thema begegnet mir auch in meiner Arbeit mit jungen Sportlern immer wieder. Und erst heute hatte ich ein Gespräch mit Eltern, die mir von ihrem Sohn erzählten, dass er aus ihrer Sicht bereits sehr stark auf sein Handy fixiert sei. Wenn sie ihm das Smartphone wegnehmen oder die Nutzungszeit begrenzen, werde er teilweise aggressiv. Seine Argumentation: „Aber meine Freunde dürfen das auch!“
Genau hier beginnt für mich ein wichtiger Punkt:
Eltern sollten sich nicht von solchen Argumenten unter Druck setzen lassen.
Natürlich möchte niemand seinem Kind etwas verbieten, was alle anderen dürfen. Und selbstverständlich kann ein Smartphone heute auch für Kinder und Jugendliche ein wichtiger Bestandteil des sozialen Lebens sein. Aber die Aufgabe von Eltern besteht nicht darin, alles zu erlauben, was andere Kinder möglicherweise dürfen. Ihre Aufgabe ist es, Orientierung zu geben und Grenzen zu setzen.
„Aber meine Freunde dürfen das auch!“
Diesen Satz kennen wahrscheinlich viele Eltern. Er klingt zunächst überzeugend. Aber er ist kein Argument dafür, dass die eigene Regel falsch ist. Kinder und Jugendliche können ihre eigene Mediennutzung noch nicht immer ausreichend selbst regulieren. Das gilt besonders dann, wenn Anwendungen so gestaltet sind, dass sie möglichst lange Aufmerksamkeit binden. Deshalb halte ich es für falsch, die Verantwortung für die Nutzungsdauer ausschließlich beim Kind abzuladen.
Ein 12-, 13- oder 14-Jähriger darf meines Erachtens nicht selbst entscheiden, wie viele Stunden täglich er am Smartphone verbringt. Das ist zunächst eine Aufgabe der Eltern. Dabei geht es nicht darum, das Smartphone zum Feind zu erklären. Es geht um einen vernünftigen und klaren Rahmen.
Grenzen sind keine Strafe
Manchmal haben Eltern ein schlechtes Gewissen, wenn sie die Smartphone-Zeit ihres Kindes begrenzen.
- „Alle anderen dürfen länger.“
- „Ich möchte keinen Streit.“
- „Dann ist er der Einzige, der etwas nicht darf.“
Doch gerade, wenn die Reaktion auf eine Begrenzung sehr emotional oder aggressiv ausfällt, sollten Eltern genauer hinschauen.
Eine heftige Reaktion bedeutet nicht automatisch, dass eine Smartphone-Sucht vorliegt. Sie kann aber ein Hinweis darauf sein, dass die Nutzung bereits einen Stellenwert bekommen hat, der problematisch wird. Entscheidend ist deshalb nicht nur die Anzahl der Stunden. Viel wichtiger ist die Frage: Kann ein Kind sein Smartphone auch wieder weglegen und andere Lebensbereiche wahrnehmen und genießen?
Und genau dann braucht es nicht weniger, sondern mehr Orientierung.
Was können Eltern konkret tun?
1. Klare Regeln vereinbaren
Nicht jeden Tag neu diskutieren. Wann darf das Smartphone verwendet werden? Wann nicht? Wo bleibt es über Nacht? Wie sieht es während des Essens, bei Hausaufgaben oder beim Training aus? Je klarer die Regeln, desto weniger Raum gibt es für tägliche Verhandlungen.
2. Regeln möglichst gemeinsam festlegen, aber Eltern behalten die Verantwortung
Kinder und Jugendliche sollten in die Vereinbarung einbezogen werden. Sie können ihre Wünsche und Argumente einbringen. Aber am Ende müssen Eltern entscheiden, welcher Rahmen angemessen ist. Mitbestimmung bedeutet nicht, dass Kinder die Regeln selbst bestimmen.
3. Eltern müssen konsequent sein
Eine Regel, die heute gilt und morgen wegen eines Wutanfalls wieder aufgehoben wird, verliert ihre Wirkung.
Wenn die vereinbarte Smartphone-Zeit beendet ist, sollte sie auch beendet sein. Das kann kurzfristig zu Konflikten führen. Aber Konfliktvermeidung ist nicht das Ziel von Erziehung.
4. Nicht ständig mit anderen Familien vergleichen
„Aber mein Freund darf bis 22 Uhr!“ Die Antwort könnte ganz einfach sein: „Das kann bei deinem Freund anders geregelt sein. Bei uns gelten diese Regeln.“ Eltern müssen nicht jede Entscheidung rechtfertigen oder mit anderen Familien gleichziehen.
5. Smartphonefreie Bereiche schaffen
Ich halte es für sinnvoll, bestimmte Zeiten und Orte grundsätzlich smartphonefrei zu halten. Zum Beispiel:
- beim gemeinsamen Essen
- während der Hausaufgaben
- während des Trainings
- im Schlafzimmer über Nacht
- eine gewisse Zeit vor dem Schlafengehen
Gerade der Schlaf sollte aus meiner Sicht besonders geschützt werden.
Und was hat das mit Sport zu tun?
Eine ganze Menge. Junge Sportler brauchen die Fähigkeit, ihre Aufmerksamkeit zu steuern. Sie müssen lernen, Ablenkungen auszuhalten, sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren und nicht jedem Impuls sofort nachzugeben. Das Smartphone kann dabei zum Trainingsfeld für genau diese Fähigkeit werden.
Ein Fußballer, der während jeder freien Minute automatisch auf sein Handy schaut, trainiert nicht gerade seine Fähigkeit, Langeweile oder Ruhe auszuhalten. Eine Tennisspielerin, die zwischen Training und Wettkampf ständig Social Media konsumiert, gibt einen Teil ihrer Aufmerksamkeit nach außen ab.
Und ein junger Sportler, der abends bis spät am Smartphone bleibt, gefährdet möglicherweise genau das, was er für seine sportliche Entwicklung braucht: ausreichend Schlaf und Regeneration. Deshalb würde ich Eltern nicht nur empfehlen, die Smartphone-Zeit zu reduzieren. Ich würde ihnen empfehlen, Selbststeuerung gemeinsam mit ihrem Kind zu trainieren.
Ein einfacher erster Schritt
Eltern könnten sich gemeinsam mit ihrem Kind einmal hinsetzen und drei Fragen beantworten:
1. Wie viel Zeit verbringen wir tatsächlich am Smartphone?
Nicht schätzen, sondern nachschauen.
2. Wofür verwenden wir diese Zeit?
Kommunikation? Schule? Unterhaltung? Social Media? Gaming?
3. Welche Nutzung tut mir gut, und welche möchte ich reduzieren?
Allein diese Auseinandersetzung kann schon einiges verändern. Und dann können konkrete Regeln vereinbart werden. Nicht als Strafe, sondern als Unterstützung.
Eltern sind Vorbilder
Zum Schluss noch ein Punkt, der mir besonders wichtig ist: Kinder beobachten nicht nur, was wir ihnen sagen. Sie beobachten, was wir selbst tun. Wenn Eltern während des Essens ständig auf ihr Smartphone schauen, beim Gespräch Nachrichten beantworten oder jeden freien Moment mit dem Handy überbrücken, wird es schwierig, vom Kind einen bewussten Umgang mit dem Smartphone einzufordern. Die Frage lautet deshalb nicht nur:
- „Wie viel Handyzeit hat mein Kind?“
Sondern auch:
- „Wie gehe ich selbst mit meinem Smartphone um?“
Das Ziel sollte nicht sein, Kinder möglichst lange vom Smartphone fernzuhalten. Das wäre angesichts unserer heutigen Lebenswelt auch unrealistisch.
Das Ziel sollte sein, dass junge Menschen lernen, ihr Smartphone zu benutzen, ohne von ihm benutzt zu werden. Und genau hier können Eltern einen entscheidenden Beitrag leisten. Denn Kinder brauchen nicht nur Freiheit. Sie brauchen auch Grenzen, Orientierung und Erwachsene, die bereit sind, diese Grenzen auszuhalten.

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Verweise:
https://oe1.orf.at/programm/20260902/843959/Smartphonesuechtig-nach-den-Ferien
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