Prof. Dr. René Paasch: Was können wir im Sport von Ted Lasso lernen?

Ein Goldfisch vergisst einen Fehler nach zehn Sekunden, heißt es in der TV-Serie Ted Lasso. Der American Football-Trainer, der über Umwege im englischen Vereinsfußball gelandet ist, macht daraus die Aufforderung “Be a Goldfish”. Prof. Dr. René Paasch, sollten wir im Sport viel häufiger Goldfische sein und unsere Fehler einfach vergessen? 

Sportpsychologisch würde ich das nicht als Aufforderung verstehen, Fehler möglichst schnell zu vergessen. Schließlich liefern Fehler Informationen und sollten ausgewertet werden. Aber, und darum geht es in den “Be a Goldfish“-Szenen der Serie: Während einer laufenden Leistungssituation kann es sinnvoll sein, die gedankliche Beschäftigung mit einer vergangenen Aktion zu begrenzen und die Aufmerksamkeit wieder auf die nächste Aufgabe zu richten. Praktisch lässt sich das auf drei Schritte reduzieren: 

  • wahrnehmen
  • kurz einordnen
  • zur nächsten Handlung zurückkehren 

Das ist besonders in Sportarten relevant, in denen nach einem Fehler unmittelbar die nächste Entscheidung oder Aktion folgt.

Welche weiteren sportpsychologischen Learnings liefert die Apple-Serie Ted Lasso? 

„Believe“-Schild

Auch das „Believe“-Schild lässt sich differenzierter betrachten, als es zunächst scheint. Aus Sicht der Positiven Psychologie geht es nicht darum, Schwierigkeiten durch positives Denken auszublenden. Für die sportpsychologische Arbeit lässt sich Zuversicht vielmehr mit konkreten Handlungsmöglichkeiten verbinden. Interessant sind deshalb Fragen wie: Was kann ich beeinflussen? Worauf kann ich mich aufgrund meiner Vorbereitung verlassen? Was kann ich tun, wenn der Wettkampf anders verläuft als erwartet? Damit richtet sich die Aufmerksamkeit weniger auf das gewünschte Ergebnis und stärker auf Prozesse, die zumindest teilweise kontrollierbar sind.

Mentale Stärke in schwierigen Phasen

Besonders relevant finde ich in der Serie die Entwicklung zwischen Ted und der Sportpsychologin Dr. Sharon Fieldstone. Ted vermittelt anderen Zuversicht und Unterstützung, erlebt selbst jedoch Panik und hat zunächst Schwierigkeiten, professionelle Hilfe anzunehmen. Die Serie berührt damit eine im Leistungssport wichtige Unterscheidung: Mentale Stärke bedeutet nicht, frei von Angst, Zweifel oder Überforderung zu sein. Solche Erfahrungen können auch bei leistungsfähigen Menschen auftreten. Sportpsychologische Arbeit kann darauf ausgerichtet sein, innere Zustände wahrzunehmen und einzuordnen, ohne die eigene Handlungsfähigkeit vollständig von ihnen abhängig zu machen. Man muss sich nicht erst gut fühlen, um eine hilfreiche nächste Handlung wählen zu können. Auch das Annehmen professioneller Unterstützung kann eine solche Handlung sein.

Bewertungen

Eine weitere Szene ist das Dartspiel zwischen Ted und Rupert. Der Satz „Be curious, not judgmental“ lässt sich auf einen grundlegenden psychologischen Prozess übertragen: Menschen bewerten Situationen häufig sehr schnell. Im Sport betrifft das beispielsweise Gegner, eigene Fehler, körperliche Reaktionen oder den bisherigen Wettkampfverlauf. Aus einer Beobachtung kann eine weitreichende Schlussfolgerung werden: „Heute läuft es nicht“, „Ich darf jetzt keinen Fehler machen“ oder „Der Gegner ist mir überlegen.“ Für die Praxis kann deshalb die Unterscheidung zwischen Beobachtung und Interpretation hilfreich sein: Was ist tatsächlich passiert? Was denke ich darüber? Und welche Handlung ist jetzt erforderlich? Diese Trennung kann dabei helfen, die Aufmerksamkeit wieder auf die aktuelle Aufgabe zu richten.

Sportpsychologie als Teil des Ganzen

Schließlich zeigt die Entwicklung von AFC Richmond, dass sportpsychologische Prozesse nicht ausschließlich beim einzelnen Athleten liegen. Kommunikation, Trainerverhalten, Beziehungen und der Umgang mit Fehlern sind Teil des sozialen Umfelds einer Mannschaft. Auch die Frage, ob Unsicherheit angesprochen, Feedback aufgenommen oder Unterstützung gesucht werden kann, gehört deshalb in die sportpsychologische Arbeit. Individuelle Selbstregulation und soziale Bedingungen sollten nicht unabhängig voneinander betrachtet werden.

Warum ist die Serie Ted Lasso für Menschen, die sich für Sportpsychologie interessieren, spannend?

Die Serie reduziert die mentale Stärke nicht auf Selbstvertrauen oder positives Denken. Sie zeigt Menschen, die mit Fehlern, Druck, Unsicherheit und eigenen Grenzen umgehen müssen. Auf den Sport übertragen geht es deshalb weniger darum, jederzeit einen gewünschten inneren Zustand herzustellen, sondern darum, wahrzunehmen, einzuordnen und unter den gegebenen Bedingungen möglichst handlungsfähig zu bleiben.

Worum geht es in der Serie?

Ted, ein American Football-Trainer, landet über Umwege im europäischen Vereinsfußball und macht viele Dinge anders. Nicht nur, weil er aus einer anderen Sportart kommt, sondern weil er einen sehr kreativen Zugang zu den Menschen seines Teams wählt. Immer wieder spielt die Sportpsychologie in der Serie direkt oder indirekt eine Rolle. Es gibt eine Vielzahl an Szenen, die sich auf Training, Wettkampf und die Arbeit mit Athletinnen und Athleten übertragen lassen.

Wo läuft die Serie Ted Lasso?

Wikipedia schreibt: Ted Lasso ist eine US-amerikanische Comedyserie, die seit 2020 auf dem Streamingdienst Apple TV+ veröffentlicht wird.

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Prof. Dr. René Paasch
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