Dr. Julia Boie: Warum Wettbewerbe für Kinder im Sport wichtig sind

Wettbewerbe sind ein Schlüssel, um Kinder dauerhaft für den Sport zu begeistern. Dabei gibt es aber einige Details zu bedenken. Darauf will ich in diesem Text genauer eingehen. Hinweis: Im ersten Teil dieser kleinen Serie wurde bereits besprochen, welche Rolle Bedürfnisse bei der Aufrechterhaltung der Motivation spielen. Der Link findet sich unter dem Text.

Mehr zum Thema: Was braucht es, damit Kinder nicht die Lust am Sport verlieren? (Teil 2)

Vielen Kindern macht Wettbewerb Spaß. Sich mit anderen zu vergleichen, die Energie zu spüren, wenn man alles gibt, die Freude, wenn man gewinnt – das sind wunderbare Erfahrungen. Lässt der Erfolg aber auf sich warten und man gewinnt häufig nicht, dann sind die Erfahrungen eher negativ und es kommt leicht zu Frustration und Demotivation.

Es sind verschiedene Faktoren nötig, damit Wettbewerbe insgesamt eine motivierende Erfahrung sein können. Zunächst einmal müssen die Sportler*innen in Leistungsvergleichen optimal gefordert sein, also weder über- noch unterfordert werden (Kohake & Richartz, 2020). Ein angemessener Herausforderungsgrad wird im sportlich-motorischen Bereich in vielen Sportarten durch die Einteilung in Altersklassen, die sich in Leistungsklassen aufgliedern, unterstützt. Als Trainer*in kann ich durch die Wahl der Turniere, in denen sich die Sportler*innen vergleichen sollen, zusätzlich Einfluss auf den Herausforderungsgrad nehmen. Auch im Training sollte ich darauf achten, dass bei Leistungsvergleichen gleich starke Paarungen bzw. Gruppen gegeneinander antreten. Die Herausforderungen an die Sportler*innen in Leistungsvergleichen sollten auch im emotionalen, wie auch im sozialen Bereich dem Stand der Sportler*innen entsprechen. Das erfordert viel Einfühlungsvermögen der Trainer*innen. Stimmt das Verhältnis von Erfolgen und Fehlversuchen, können Wettbewerbe positive und motivierende Erfahrungen sein.

Zielsetzungsstrategie

Ein weiterer Faktor, der die Wirkung von Wettbewerben auf die Motivation beeinflusst, ist eine gute Zielsetzungsstrategie. Wenn es mir als Trainer*in um die Entwicklung der Sportler*innen geht, kann ich zufrieden sein, wenn sie ihre Leistung abgerufen haben, obwohl sie nicht gewonnen haben. Mit individuellen und messbaren Fähigkeitszielen, die strukturiert im Training aufgebaut und überprüft werden, kann die langfristige Leistungsentwicklung der Sportler*innen unterstützt werden. Zugleich erleben die Sportler*innen bei der Erreichung der verschiedenen Fähigkeitsziele Stolz und Zufriedenheit, was wiederum die Motivation erhöht. Konstruktives Feedback durch die Trainer*innen ist dabei eine weitere wertvolle Unterstützung.

Einsatzzeit

Schließlich spielt auch eine große Rolle für der Aufrechterhaltung der Motivation der Sportler*innen, wie viel Einsatzzeit sie bekommen. Wenn ich als Trainer*in die Entwicklung der Sportler*innen im Fokus habe, ist klar, dass sie bei Wettbewerben Erfahrung sammeln müssen, dass sie Möglichkeiten brauchen, sich und ihre Leistung in Situationen auszuprobieren, in denen es darauf ankommt. Das erfordert jedes Mal neu eine gute Abwägung durch die Trainer*innen. Wenn immer nur die besten Sportler*innen spielen dürfen, weil es um kurzfristige Gewinne geht, fällt ein Teil der Mannschaft hinten runter und hat keine Möglichkeit, ihre Fähigkeiten zu verbessern. Über kurz oder lang sinkt die Motivation und ein Ausscheiden aus der Mannschaft oder gar dem Sport kann die Folge sein.

Hinweis

Im dritten Teil des Beitrags, der am Dienstag, den 17. Februar 2026, erscheint, wird es darum gehen, was Trainer*innen und Eltern dafür tun können, dass die Motivation erhalten bleibt.

Meine Kolleg*innen (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Dr. Julia Boie) stehen gern für Rückfragen bereit. Wir unterstützen Trainer*innen mit individuellen Coach-the-Coach-Programmen, arbeiten exklusiv mit Sportlern und Sportlerinnen, stehen für Vorträge und Workshops zur Verfügung und betreuen Eltern, deren Kinder im Sport aktiv sind.

Mehr zum Thema:

Literatur:

Kohake, K. & Richartz, A. (2020). Das Bedürfnis nach Kompetenzerleben im Kindersport. Forschungsbeitrag Forum Kind Jugend Sport.

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