Im Sommer 2025 habe ich ein junges Basketball-Team übernommen. Somit bin ich offiziell wieder eine Basketballtrainerin. In der Vorbereitung auf meine neue, alte Rolle bin ich über einen Text aus dem Jahr 2023 (unten verlinkt) gestolpert. Was ich da zur Priorisierung und zur strikten Trennung von Trainingsinhalten gelesen habe, finde ich immer noch gut. Und diese Auffassungen sind Teil meiner Arbeit. Aber die Welt hat sich weitergedreht und ich habe mich als Trainerin weiterentwickelt. An folgenden Beispielen aus meiner Trainerinnenpraxis will ich das deutlich machen und Trainer und Trainerinnen inspirieren.
Zum Thema: Ansätze zur Weiterentwicklung als Trainer im (Nachwuchs-)Leistungssport
Im vergangenen halben Jahr, seit dem ich wieder als Trainerin eingestiegen bin, haben folgende neue Grundsätze meine Arbeit als Trainerin geprägt:
Komplexität statt Isolation
Moderne Ansätze betonen, dass sportliche Leistungsfähigkeit ein Ergebnis integrierter, nicht additiver Systeme ist. Kraft, Technik, Taktik und Wahrnehmung wirken nicht nebeneinander – sondern gleichzeitig und wechselseitig.
Für die Praxis heißt das: Schnelligkeit entsteht nicht nur im Kraftraum, sondern durch neuromuskuläre Koordination in realen Spielsituationen. Für mein Team bedeutet das: Wir haben ein Kartenspiel mit diversen Basketballsituationen, die man sich bildlich vorstellt und innerhalb von drei Sekunden so viele Antworten wie möglich geben muss, was als nächstes passieren wird.
Das Gehirn lernt kontextabhängig
Bewegungen werden im Zusammenspiel mit Kontext, Sinneseindrücken und Entscheidungsmustern gelernt. Je mehr Transferleistungen wir hinbekommen, desto besser wird unser Spiel.
Im Training üben wir – sowohl mit Hilfe des Kartenspiels als auch auf dem Feld: Sobald der Ball am Ring landet, rennt eine Spielerin los, während sich eine andere sich zum Outlet Pass anbietet.
Periodisierung muss adaptiver werden
Die traditionelle Makro-/Mikrozyklus-Logik (z.B. Grundlagenphase → Aufbauphase → Wettkampfphase) stammt aus einer Zeit ohne:
- dauerhaften Wettkampfdruck
- frühe Spezialisierung
- komplexe Saisonverläufe
- hohe Belastungsdichte
Jedoch hat aus meiner Sicht ein Athlet heutzutage „mehr um die Ohren”. Daher gilt bei mir aktuell vor, während und danach im Training/Spiel: Care about! Ich versuche also, näher an den Köpfen meiner Mannschaft zu sein. In meinem Training werden also folgende Fragen ziemlich häufig gestellt:
- „Wofür benötigen wir diese Technik?“
- “Was ist Dein Ziel heute?“
- “Worin möchtest Du Dich heute verbessern?
- “Woran möchtest Du als nächstes arbeiten?“
- “Wie geht es Dir heute?”
Alles mit dem Ziel, die eigene Reflexion zu stärken. Die Selbstorganisation und Selbstregulation zu fördern. Den Athleten als aktiven Lernpartner einzubeziehen und somit die Qualität des Lernens über reine Quantität zu stellen.
Ganzheitliche Trainingsformen gewinnen an Bedeutung
- Athletiktraining integriert Bewegungsqualität, Kraft und Antizipation
- Spielformen fördern gleichzeitig Kognition, Technik, Taktik und Ausdauer
- Mixed-Modal-Training schafft organische Belastungssteuerung
So weit, so klar. Aber ich will mit meinem Team noch einen Schritt weiter. Mein Ziel ist, eine organische Belastungssteuerung zu erreichen. Jetzt fragst du vermutlich: Was ist das, eine organische Belastungssteuerung?
Die Belastung entsteht aus Spielnähe oder realen Bewegungsanforderungen. Somit ist das Training flexibel und geeignet für heterogene Gruppen und unterschiedliche Tagesformen. Ich versuche meine Sportler zu selbstregulierenden Athleten zu erziehen, die ihre Intensität situativ ganzheitlich anpassen.
Fazit
Aus meiner Sicht geht es im Sport um Weiterentwicklung. Auf dem Spielfeld, im Team und auf der Trainerbank. Diesen Impuls will ich weitergeben und euch als Trainer und Trainerinnen einladen, euch zu hinterfragen, was für euch eine moderne Trainingsphilosophie im Nachwuchsleistungssport ausmacht.
Für mich, bedeutet sie Folgendes:
- alles miteinander verbinden, statt Dinge einzeln zu betrachten
- flexibel bleiben, statt stur nach Plan zu trainieren
- mehrere Faktoren gleichzeitig im Blick zu haben, statt nur einen
- das Training an der echten Situation zu orientieren, statt an Theorie
- auf langfristige Entwicklung zu setzen, statt nur auf schnelle Erfolge
Wer seine Eindrücke teilen will oder Fragen hat, darf gern Kontakt zu mir aufnehmen (zum Profil von Danijela Bradfisch). Oder kontaktiert meine Kollegen und Kolleginnen in eurer Nähe (zur Übersicht).

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