Kathrin Seufert und Lisa König: „Kopf hoch, Brust raus!“ – Über die Körpersprache im Sport

Kathrin Seufert und Lisa König

Wer kennt ihn nicht: Cristiano Ronaldo, wie er breitbeinig, mit geschwollener Brust, fokussiertem Blick und einem tiefen Atemzug bereit steht, den Freistoß zu schießen? Schon viele Tormänner sind an ihm gescheitert. Aber nur wegen seiner präzisen Schusstechnik? Oder könnte auch seine kämpferische Körperhaltung mit seinen Freistoßtreffern etwas zu tun haben?

Zum Thema: Was ist eine positive Körpersprache und welchen Einfluss hat sie auf meinen Gegner?

Die Körpersprache ist ein entscheidender Faktor bei der Eindruckbildung und der Erfolgserwartung. In einer Studie zu Nonverbalem, also wortlosem, Verhalten im Fußball von Furley, Memmert & Matt (2011) konnte in zwei verschiedenen Experimenten gezeigt werden, dass eine positive Körpersprache einen bleibenden Eindruck beim Gegner hinterlässt. Sie bewiesen, dass ein Spieler mit dominanter Körperhaltung, d.h. gerader Kopfhaltung, aufrechter Körperhaltung, zurückgezogenen Schultern und sicherem Stand oder Gang als deutlich erfolgreicher von Torhütern und Mitspielern eingeschätzt wird. Demgegenüber stehen Spieler mit unterwürfiger Körperhaltung, also mit gesenkter Kopfhaltung, hängenden Schultern und schmalem Stand. Sie wirken unsicherer. 

Zwei Dinge sind in diesem Zusammenhang wichtig: Neben einer guten Selbstwirksamkeitsüberzeugung ist das Wissen über die eigene Außenwirkung der Schlüssel zum Erfolg. Was bedeutet das genau?

Selbstwirksamkeitsüberzeugung als Schlüssel

Unter Selbstwirksamkeitsüberzeugung versteht man den Glauben, an die eigenen Stärken und die wahrgenommene Kontrolle über den Ausgang seiner Handlung. Es wurde schon früher nachgewiesen, dass eine positive Selbstwirksamkeitsüberzeugung zu einem erfolgreicheren Handeln und einer besseren Außenwirkung führt. (Moritz D. E et al.)

Ein Beispiel hierzu: Eine Athletin hat monatelang für ihren ersten Halbmarathon trainiert. Das Training verlief hervorragend, keine Verletzungen, den inneren Schweinehund immer und immer wieder überwunden. Im Training haben die Zeiten, die absolvierten Strecken und die gesundheitliche Verfassung gezeigt, dass eine sehr gute Vorbereitung auf den Wettkampf gelegt wurde. Auf Grund dieser Ausgangssituation, hat die Läuferin höchstwahrscheinlich eine hohe Selbstwirksamkeitsüberzeugung. Sie ist selbstbewusst, da sie sehr gut trainiert hat, hat die wahrgenommene Kontrolle über ihre Verfassung und ihren Körper. Mit diesem Wissen und diesem Gefühl stehen die Chancen auf ein positives Abschneiden deutlich höher, als wenn die Läuferin vorher durch Verletzungen geplagt, mit wenig Training und vielen Unterbrechungen in der Vorbereitung an den Start gegangen wäre.

Kann mein Gegner meine Körpersprache lesen? 

Die Antwort ist: JA! Meine Körpersprache hat direkten Einfluss auf die Einschätzung seitens des Gegners, was meine vermeintliche Leistungsfähigkeit, meine Energie oder meine Motivation betrifft. Nach einem Gegentor beispielsweise mit breiter Brust aufzutreten, fällt den meisten Fußballern nicht leicht. Aber auch in anderen Sportarten zeigt sich überdurchschnittlich häufig, dass Misserfolge oder eine schlechte Performance zu einer negativen Körpersprache führen können. Einmal in diesen Teufelskreis hineingerutscht, kann diese negative Körpersprache wiederum zu erneuten Fehlern führen. 

Wichtig ist, alles schnellstmöglich „abzuschütteln“. Denn unsere Gegner wachsen und motivieren sich daran, wenn wir bedrückt auftreten, halbherzig in Zweikämpfe gehen und uns bei einem Rückstand energielos über den Platz schleppen. Das Starkmachen des Gegners ist daher oftmals eine unterbewusst  aber schnell ablaufende Problematik im Sport. Nicht nur die eigene Einschätzung (Selbstwirksamkeitsüberzeugung), sondern eben auch die Einschätzung die mein Gegenüber auf Grund meines äußeren Erscheinungsbildes trifft, kann zu spielentscheidenden Situationen führen.

Kann ich Körpersprache trainieren?

Dir bewusst zu machen, was Deine Körpersprache eigentlich für Auswirkungen haben kann, ist der erste Schritt zu einer möglichen Verbesserung. Wieso nicht einfach mal das Videomaterial vom letzten Spiel ansehen und bewusst darauf achten, wie Du eigentlich nach außen gewirkt hast? Natürlich darfst du Dich über Gegentore und Fehler ärgern, aber das Entscheidende ist, die Situation schnell abzuhaken und Dich auf die Gegenwart zu konzentrieren. Neuer Angriff, neue Chance es besser zu machen! Das gilt übrigens auch für Trainer!

Um zu erfahren, wie sich Deine Körpersprache auf Deinen eigenen Zustand und Deine Leistung auswirken kann, gibt es viele spannende Übungen, die auch ins Training eingebaut werden können. Beispielsweise kann es hilfreich sein, einmal bewusst träge und mit hängenden Schultern über das Spielfeld zu laufen, dann wieder „Kopf hoch, Brust raus!“ und mit viel Energie. Welche Körperhaltung fühlt sich besser an? Wann fühlst du Dich motivierter und stärker? Solche „Selbsterfahrungen“ im Training sind wichtig, um auf entscheidende Situation besser vorbereitet zu sein und reagieren zu können.

Nimm Kontakt auf

Unsere Kollegen (zur Übersicht) und wir (Kathrin Seufert und Lisa König) helfen Dir gern dabei, Deinen Körper besser kennenzulernen und kleine Übungen in Dein tägliches Training einzubauen, damit deine Körpersprache nicht nur Deinen Gegner, sondern auch Dich beeindruckt.

Hinweis: Der Beitrag ist in Zusammenarbeit mit Lisa König (zum Profil) entstanden.

Kathrin Seufert

Sportarten: Fußball, Schwimmen, Eishockey, Basketball, Schießsport, E-Sports aber auch offen für alle anderen Sportarten

Kontakt:

+49 (0)152 092 602 88

k.seufert@die-sportpsychologen.de

Zum Profil: https://www.die-sportpsychologen.de/kathrin-seufert/

Lisa König

Sportarten: Ski Nordisch, Ausdauersportarten, Volleyball, American Football, Basketball, Golf etc.

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+49 (0)151 563 652 30

l.koenig@die-sportpsychologen.de

Zum Profil: https://www.die-sportpsychologen.de/lisa-koenig/

Mehr zum Thema: 

Literatur:

Furley, P., Dicks, M., & Memmert, D. (2012). Nonverbal behavior in soccer: The influence of dominant and submissive body language on the impression formation and expectancy of success of soccer players. Journal of Sport and Exercise Psychology, 34(1), 61-82.

Moritz D. E., Feltz D. L., Fahrbach K. R., Mack D. E. (2000). The relation of self-efficacy measures to sport performance: A meta-analytic review. Research Quarterly for Exercise and Sport 71, 280-294.

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