Elvina Abdullaeva: Die Vorbereitung auf ein Finale

Der WM-Pokal ist für das deutsche Team und die Argentinier um Lionel Messi zum Greifen nah. Für die meisten Beteiligten ist dies das Spiel ihres Lebens. Aber wie sollten sie sich aus sportpsychologischer Perspektive darauf vorbereiten? Bedürfen außergewöhnliche Ereignisse besondere Maßnahmen oder zählt auch ein WM-Finale für einen Profifußballer zum Daily Business?

Zum Thema: Wie bereiten sich Profis auf die wichtigsten Spiele des Lebens vor?

Mehr Bedeutung kann ein Fußballspiel nicht haben. Für alle Akteure ist es ein Traum, Weltmeister zu werden – niemand will diese vielleicht einmalige Chance verspielen. Genau deswegen kommen den Einzelnen auch Gedanken aus der Schublade „Was wäre wenn“ in den Sinn. Und dann ist da noch die Angst vor dem Versagen, welche die Sportler vom aufgabenrelevanten Fokus ablenkt und eine schlechte Leistung verursachen kann. Der Kopf muss aber wiederum cool bleiben, so dass am Sonntag im Maracana-Stadion tatsächlich die optimale Leistung abgeliefert werden kann. Viele Profis wissen das und präparieren sich für solch hoch außergewöhnlichen Karriere-Momente, indem sie jede andere Partie ähnlich akribisch vorbereiten.

Zauberwort Routinen

Routinen sind im Sport eine individuell erarbeitende festgelegte Abfolge von bestimmten Handlungen, die der Sportler immer gleich vor dem Wettkampf und in der Vorbereitung darauf ausführt. Das Ziel eines jeden Spielers – egal, ob es sich um ein Testspiel in der Vorbereitungsphase oder ein Finale der Weltmeisterschaft handelt – lautet: Behalte die Konzentration auf  deine eigene Aufgaben und tue alles, um diese vollumfänglich zu erfüllen. Letztendlich zählt nur das.

Die Routinenerarbeitung ist ein individueller Prozess, der die Bedürfnisse des Sportlers berücksichtigt. Hierbei geht es darum, was dem Sportler in der Wettkampfvorbereitung gut tut und was nicht. Durch eigene Erfahrungen und dem Austausch mit dem Trainer oder einem Sportpsychologen legt der Sportler fest, welche Aktivitäten ihn am besten in einen optimalen Zustand bringen. Wie es in mehreren Studien über Routinen bewiesen wurde, sollen diese Aktivitäten sowohl aus den körperlichen (z.B. bestimmte Erwärmung) und auch kognitiven Elementen (z.B. Selbstgespräche) bestehen, so dass Routinen einen besseren Leistungseffekt erzielen können (Highlen & Bennett, 1983; Cohn et al., 1990).

Das Beispiel Akinfeev

Genau so eine Vorbereitungsroutine hat der Torwart Igor Akinfeev, die Nummer 1 der bereits in der WM-Vorrunde ausgeschiedenen russischen Nationalmannschaft und der CSKA Moskau einmal beschrieben. Seine Vorbereitung beginnt an dem Tag des Spiels ungefähr drei Stunden vorher und betrifft sowohl physische als auch psychische Aspekte. „Ich setze mich in den Bus und stelle mich auf das Spiel ein. Ich stelle mir einige Spielmomente vor und gehe bestimmte Situationen im Kopf durch.“ Der Torhüter macht regelmäßig vor dem Start ein Visualisierungstraining, welches mehrere positive Effekte für die Leistung nach sich zieht. So steigt die Selbstwirksamkeitserwartung des Menschen und der Sportler kommt deutlich zuversichtlicher in den Wettkampf und kann wiederum eine gute Performance zeigen. Ein anderer Effekt ist die Vorbereitung auf mögliche Spielsituationen. Der Spieler geht bestimmte Situationen innerlich durch und hat so für diese Momente bereits einen Handlungsplan im Kopf. Wenn so eine Aktion später im Spiel auftaucht, weiß er, wie er auf sie reagieren soll.

Der zweite Teil der Vorbereitungsroutine von Akinfeev ist seine individuelle Erwärmung, die für seine optimale Physis sorgt. Wie der Spieler betont, macht diese aber auch einen wesentlichen Bestandteil des psychischen Wohlbefindens aus: „Eine gute Erwärmung trägt viel zu meiner positiven Einstellung bei. Wenn ich drei, vier gute Balle während der Erwärmung pariert habe, bekomme ich ein Zuversichtsgefühl, welches ich auf das ganze Spiel übertrage.“

Dieser Routine folgt Igor Akinfeev immer, unabhängig von der Wichtigkeit des Spiels. Sei es ein Match für seinen Verein oder sollte er das Tor der Nationalmannschaft verteidigen. Als Profisportler mit großer Erfahrung weiß er ganz gut, dass selbst wenn es das wichtigste Spiel seiner Karriere ist, er trotzdem nur seine Aufgabe erfüllen muss. Deshalb bereitet er sich immer gleich vor.

Literatur:

1. Cohn, P.J., Rotella, R.J., Lloyd, J.W. (1990). Effects of a cognitive-behavioral intervention on the preshot routine and performance in golf. The Sport Psychologist, 4,33-47

2. Highlen, P.S., Bennett, B. B. (1983). Elite divers and wrestlers: A comparison between open and closed-skill athletes. Journal of Sport Psychology, 4, 390-409

3. Тунис М. (2010). Психология вратаря. Москва: Человек

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1 Kommentar

  1. Eine hervorragende Ausarbeitung gerade in Bezug auf die Spielvorbereitung für Torhüter.
    Besonders erwähnenswert und wichtig halte ich das Visulalisierungstraining.
    Vielen Dank für die Info.

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