Tim Eissler: Viele Fußballer leiden unter dem wachsenden Druck, den Digitalisierung, Kommerzialisierung und Globalisierung verursachen

Premiere: Am ersten Juni-Wochenende stellen die Sportpsychologen ihre „rote Couch“ erstmals in einem Fußballstadion auf. Im Bochumer Vonovia Ruhrstadion findet am 2. und 3. Juni „Die rote Couch – Das Sportpsychologie-Barcamp“ statt, zu dem zahlreiche Sportpsychologen und Mentaltrainer sowie Spieler, Trainer, Funktionäre, Spielerberater, Journalisten und Unternehmer erwartet werden.

Zur Anmeldung:

Die rote Couch – Das Sportpsychologie Barcamp (Thema Fußball) – 02/03.06.2018 in Bochum

Einer der Gäste ist Tim Eissler, Gründer der Spielerberatungsagentur YouSports (Link zu YouSports), der im Interview mit Die Sportpsychologen erklärt, weshalb er mentale Aspekte in der Betreuung von Nachwuchs- und Profifußballern für unheimlich wichtig und noch immer unterrepräsentiert ansieht.

Tim Eissler, in den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren erlebte der professionelle Fußball eine Revolution in Sachen Athletik und Taktik. Warum kommt aus Ihrer Sicht das Mentale immer noch vergleichsweise kurz?

Zu allererst sollte erwähnt werden, dass viele Fußballspieler unter dem in den vergangenen Jahren wachsenden Druck, den Digitalisierung, Kommerzialisierung und Globalisierung mit sich bringen, leiden.

Um auf Ihre eigentliche Frage zurückzukommen: Ich vermute, dass viele Vereinsvertreter und Trainer nicht genau wissen, was mit der Sportpsychologie alles erreicht werden kann und welche Chancen sie ihnen bietet. Ein weiteres großes Problem liegt wahrscheinlich immer noch in dem Glauben, dass jeder Fußballspieler, der einen Psychologen besucht, vergleichsweise verrückt sei und große psychische Probleme hat. Wir von YouSports sehen für den Fußball noch unglaubliches Entwicklungspotenzial und daher eine unglaublich spannende Phase an der wir beteiligt sein dürfen.

Mit Ihrer neuen Spielerberatungsfirma YouSports wollen Sie die sportpsychologische Betreuung als Kernelement etablieren. Wie kann sich der Sportler oder der Sportpsychologe das vorstellen?

Es geht bei uns nicht nur darum, dem Spieler in schwierigen Situation beizustehen und ein Ohr für mögliche Probleme zu haben, sondern ihm durch gezielte Trainingsmaßnahmen mit Fähigkeiten und Methoden auszustatten, die ihm bei der Bewältigung zukünftiger Problemsituationen/Herausforderungen helfen können. Darüber hinaus ist es selbst für die besten Sportler schwierig, jeden Morgen mit höchstem Enthusiasmus aus dem Bett aufzuspringen und sich über das nächste harte Training zu freuen. Aber auch dafür gibt es Techniken.

Auszug You-Sports.net (Screenshot), you-sports.net

Wir arbeiten mit ausgewählten sportpsychologischen Experten zusammen, um die von uns betreuten Spieler mental zu unterstützen. Bei uns werden die Spieler individuell nach einzelnen Bedürfnissen und Wünschen (zusätzlich hinsichtlich Athletik, Ernährung, Nährstoffe, etc.) betreut, um jedes Leistungspotenzial voll entwickeln und aktivieren zu können. Deshalb finden regelmäßig Gespräche und Analysen mit den Spielern statt, um gemeinsam zu schauen, an welchen Stellschrauben noch gedreht werden sollte. Gleichzeitig halten wir, sofern dies der Athlet wünscht, stetig Rücksprache mit den Sportpsychologen und entwickeln dann gemeinsam Fahrpläne, um für den einzelnen Spieler bestmögliche und individuell angepasste Rahmenbedingungen für eine konstante Weiterentwicklung der persönlichen Fähigkeiten und mentalen Stärke zu garantieren. Für Sportpsychologen kann unser Beratungskonzept bedeuten, mit uns von YouSports zu kooperieren und Betreuungspläne für die von uns betreuten Spieler zu entwickeln und somit im direkten Austausch mit ihnen zu stehen.

In welchem Alter sehen Sie sportpsychologische Betreuung als wichtiger an – im Jugendbereich oder bei den Profis? Und wie unterscheiden sich aus Ihrer Sicht die Bedarfslagen?

Wir sind der Meinung, dass eine sportpsychologische Betreuung, wie eine professionelle Ernährungs- und Nährstoffsteuerung, bereits im leistungsorientierten Jugendbereich angeboten werden sollte. Sowohl die Vorbereitung eines Jugendspielers auf eine Profi-Karriere, als auch die aktive Phase als Profi, stellen beides enorm wichtige Abschnitte einer Karriere dar. Bei Jugendspielern steht die persönliche Entwicklung im Mittelpunkt. Deshalb sollten auch die Eltern der Jugendspieler psychologisch unterstützt und eingebunden werden, dass eine „gesunde“ Entwicklung des Nachwuchsspielers gewährleisten werden kann. Da das Gehirn in der Jugend einem großen Wandel unterzogen ist, ist es gerade dort wichtig, die aufkommenden Gedanken nachhaltig zu sortieren. Die Fähigkeit mit Stress, der Leistungserwartung oder kritischen Spielsituationen umzugehen, liegt dem einen besser, als dem anderen. Doch genau dieser Unterschied lässt sich mit sportpsychologischer Unterstützung begleichen. Auch sind wir der Meinung, dass ein Sportpsychologe nicht erst bei „akuten Problemen“ weiterhelfen soll, sondern präventiv eingesetzt werden sollte. So kann ein Besuch beim Sportpsychologen sowohl einem Jugendspieler, als auch einem Profi dabei weiterhelfen, Spitzenleistungen in Wettkampfsituationen abzurufen, da durch eine mentale Stabilität der Körper in einen Zustand voller Leistungsfähigkeit versetzt wird. Bei Fußballprofis entstehen dann noch zusätzliche Drucksituationen durch die enorme mediale Aufmerksamkeit und ständiger Bewertung durch Vereine, Fans, Medien und Sponsoren. Auch hier kann eine sportpsychologische Betreuung weiterhelfen.

Die Äußerungen von Weltmeister Per Mertesacker über Druck im Leistungssport haben für Aufsehen gesorgt. Inwiefern haben Sie Erfahrung mit der Problematik, die der Ex-Nationalspieler beschreibt?

Mit solchen Äußerungen wurden wir bisher noch nicht direkt konfrontiert. Das Wichtigste ist immer, und das erhoffen wir auch von unseren Spielern, dass man über jegliche Probleme und Herausforderungen offen reden sollte. Daher pflegen wir bei YouSports einen absolut vertrauensvollen Umgang untereinander. Wie die letzten Tage zusätzlich zeigen, haben ja noch weitere Fußballprofis (u. a. Dennis Aogo vom VfB Stuttgart, Robert Bauer vom SV Werder Bremen und Andre Gomes vom FC Barcelona) über Drucksituationen im Profifußball gesprochen. Es zeigt also, dass Per Mertesacker mit seinen Empfindungen im Profifußball nicht alleine ist. Wie Sie auch in der Frage erwähnen, haben seine Äußerungen leider für Aufsehen und Kritik gesorgt. Das zeigt doch eindeutig, dass in vielen Köpfen ein Umdenken noch nicht stattgefunden hat.

Am 2. und 3. Juni nehmen Sie an der Veranstaltung „Die rote Couch – Das Sportpsychologie-Barcamp“ teil? Was erwarten Sie sich von dem Event in Bochum und Hand aufs Herz: Hoffen Sie, dass nicht allzu viele andere Spielerberater dort vor Ort sind?

Da wir bei YouSports eine wissenschaftliche Ausrichtung verfolgen, sind wir immer an Trends und neuesten Veröffentlichungen interessiert, wovon unsere Spieler am Ende profitieren sollen. Zusätzlich bieten wir einen ganzheitlichen Beratungsansatz für Fußballspieler an, weshalb wir auf das Knowhow von Spezialisten zurückgreifen, um die Spieler bestmöglich betreuen zu können. Deshalb sind wir immer auf der Suche nach Kooperationspartner und froh, durch eine Teilnahme an solch einem Event unser Netzwerk erweitern zu können.

Zu Ihrer zweiten Teilfrage: Ich würde mir sogar wünschen, dass möglichst viele Spielerberater anwesend sein werden. Denn dies würde uns bestätigen, dass wir mit unserer strategischen Ausrichtung von YouSports eindeutig auf dem richtigen Weg sind. Wohl wissend, dass der Spielerberatungsmarkt sehr umkämpft ist, sind wir von unserem Beratungskonzept überzeugt, das uns von den Wettbewerbern eindeutig abhebt. Daher freuen wir uns schon jetzt auf einen wirkungsvollen Austausch mit erfahrenen Experten der Sportpsychologie und anderen Vertretern aus dem Fußballbusiness.

 

Zur Homepage von YouSports: www.you-sports.net

Video „Die rote Couch – Das Sportpsychologie-Barcamp“

Zur Anmeldung „Die rote Couch – Das Sportpsychologie-Barcamp“:

Die rote Couch – Das Sportpsychologie Barcamp (Thema Fußball) – 02/03.06.2018 in Bochum

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