Wenn du dich verletzt, fühlst du gleichzeitig alles, alles auf einmal und gleichzeitig aber auch nichts. Wenn dann jemand zu dir kommt und sagt, sieh deine Verletzung doch positiv oder als Chance an, dann weiß ich, was du denkst. Neutral formuliert: So etwas will man dann eigentlich nicht hören. So war es bei mir, ich habe mich am Sprunggelenk verletzt und den ersten Tag habe ich alle Gefühle zugelassen. Das ist mein erster Tipp für dich. Lass diese Emotionen zu! Es ist zwar nicht einfach, aber du darfst in dieser Situation alles fühlen. Zumindest für 24 bis 48 Stunden (das ist meine Regel für mich). Das heißt nicht, dass du später nicht auch alle Emotionen zulassen sollst, aber gerade in der Anfangsphase ist das wichtig. Entscheide dich danach bewusst dazu, deine Perspektive zu wechseln. Denn am Ende gilt doch: Deine Verletzung ist eine Chance, wenn du diese sehen willst und kannst. Dann greif zu.
Zum Thema: Umgang mit Verletzungen
Nach dieser Zeit machst du dir einen Plan. Unterhalte dich mit deinem Arzt, deinem Physiotherapeuten, Athletiktrainer und Sportpsychologen, denn zu dem Plan gehört, dass du genau verstehst, was diese Verletzung für dich bedeutet. Vor allem solltest du dich auch bemühen, den Behandlungsplan zu verstehen. Wie wichtig das ist, habe ich bei mir gemerkt. Denn mir wurde nicht sofort gesagt, wie meine Reha ablaufen wird und das hatte eine mentale Auswirkung. Ich wusste nicht, was ich zu tun habe. Ich habe keine kleinen Ziele gesehen. Mir fehlte ein Behandlungsplan. Ein Plan, der aufzeigt, was du aktiv in der körperlichen Reha machen sollst. Und was du mental unternehmen kannst.
Es geht darum, dass du dein Selbstvertrauen wieder aufbaust, damit du stärker in deinen Sport zurückkehrst. Durch den Plan fällt es dir leichter, kleine Fortschritte zu sehen. Denn dann konzentrierst du dich genau darauf. Du kommst ins Handeln und schaust nicht nur zu, wie deine Verletzung wieder heilt.
Verletzungen brauchen Routinen
Dein Plan für deine Verletzung:
- Lass alle Emotionen für 24 – 48 Stunden zu.
- Versteh, was die Verletzung für dich bedeutet.
- Entwickle zusammen mit deinem Umfeld einen Reha-Plan.
- Achte auf deine mentale Reha – werde mental stärker.
- Mach dir die kleinen Fortschritte bewusst.
Wenn du verletzt bist, dann tendierst du wahrscheinlich auch als erstes dazu, alle Routinen über Bord zu werfen. Was sollst du denn jetzt mit diesen Routinen machen, wenn es dir vielleicht durch deine Verletzung nicht mehr möglich ist? Dabei sind doch genau diese Routinen so wichtig, denn sie geben dir ein Gefühl von Sicherheit und Normalität. Denn so hast du es schon immer gemacht.
Eine Frage der Routinen
Warum hörst du dann aber genau mit diesen Routinen auf? Im ersten Moment bist du vielleicht überfordert – so ist es zumindest bei mir gewesen. In dieser Phase siehst du nur noch, was du nicht mehr machen kannst, dass du vielleicht deinen Sport nicht mehr ausüben kannst. Was du nicht siehst, ist, was du noch alles machen kannst, also was du kontrollieren kannst.
Während meiner Verletzung habe ich gelernt: Ich kann meine Verletzung nicht kontrollieren, aber ich kann meine Routinen kontrollieren. Darauf solltest du also deinen Fokus lenken. Deine Routine verfolgt ein Ziel und gerade in diesen Momenten richtest du deine Routine darauf aus, dass sie dich bestmöglich in deiner Rehabilitation unterstützt. Frage also aktiv: Welche Übungen aus der Physiotherapie oder aus dem Athletiktrainer darfst du einbauen?
Vielleicht ist das auch nicht deine erste Verletzung, dann mach dir bewusst, was dir schon mal geholfen hat. Es geht darum, dass du ins Tun kommst. Eine Verletzung ändert einiges, deine Routinen bleiben die gleichen.
Hier meine drei Tipps für deine Routinen:
- Routinen, die dir gut tun, behältst du bei.
- Deine Routinen sollen die Reha deiner Verletzung unterstützen.
- Pass Routinen an, wenn du sie so nicht mehr ausführen kannst, höre aber nicht mit ihnen auf.
Meine Kollegen (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Pia Festl-Wietek) helfen dir gern, wenn du verletzt bist und stärker wieder zurückkehren willst.

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