Oder andersherum gefragt: Was braucht es, damit Kinder dabeibleiben? Die einfache Antwortet lautet “Spaß”. Wenn Sportler*innen sich wohlfühlen und Spaß haben, bleiben sie ihrem Sport mit hoher Wahrscheinlichkeit treu. Dabei ist „Spaß haben“ nicht zu verwechseln mit laschem, undiszipliniertem Training – im Gegenteil. Emotionen beeinflussen unsere Leistung: Positive Gefühle spenden Energie, wogegen negative Gefühle Energie verbrauchen. Auch die Bereitschaft zu schwierigem und hartem Training wird durch eine positive Grundstimmung im Training gefördert.
Mehr zum Thema: Was braucht es, damit Kinder nicht die Lust am Sport verlieren? (Teil 1)
Fakt ist, um Jungen und Mädchen dauerhaft für sportliche Aktivitäten zu begeistern und sie an eine Sportart zu binden, müssen sie Spaß und Freude erleben. Ein Schlüssel liegt in bestimmten Bedürfnissen.
Kinder (aber auch Erwachsene) haben Spaß am Sport, wenn ihre Bedürfnisse erfüllt werden: a) Das Bedürfnis nach Spiel und Bewegung, b) der Anreiz Neues zu lernen (Neugiermotiv), c) das Bedürfnis nach Anschluss an eine Gruppe (Anschlussmotiv) sowie d) das Bedürfnis, sich kompetent zu fühlen (Leistungsmotiv).
Bedürfnis nach Spiel und Bewegung
Das Bedürfnis nach Spiel und Bewegung kann meist weniger in den (notwendigen) Phasen erfüllt werden, in denen die Sportler*innen konzentriertes Techniktraining durchführen. Diese Phasen braucht es selbstverständlich, damit technische Verbesserungen erzielt werden können. Ich kann als Trainer*in aber in anderen Phasen des Trainings besonders darauf achten, dass ich das Training mit viel Spiel und Bewegung gestalte und dass alle eingebunden sind. Denn wenn die Sportler/innen immer wieder warten müssen, bis sie an der Reihe sind oder wenn Spiele gespielt werden, bei denen sie ausscheiden, wird das Training schnell langweilig. Ist das Training jedoch so gestaltet, dass sie sich viel bewegen können, sich in kleinen Gruppen mit vielen Spielgeräten (bspw. Bällen) ausprobieren können und die direkten Spielgegner in etwa gleich stark sind, dann wird diesem Bedürfnis Rechnung getragen.
Bedürfnis Neues zu lernen (Neugiermotiv)
Für das Bedürfnis Neues zu lernen (Neugiermotiv) braucht es neue, reizvolle Aufgaben, die Spannung ins Training bringen und die Kreativität und die Fantasie anregen. Abwechslungsreiche Inhalte, neue Methoden, aber auch Variationen bekannter Übungsformen erfüllen dieses Bedürfnis. Auf der anderen Seite geben Wiederholungen und die Möglichkeit, das eigene Können abzurufen, Sicherheit. Daher ist im Training eine gute Balance gefragt zwischen Neuem und Bekanntem.
Bedürfnis nach Anschluss an eine Gruppe (Anschlussmotiv)
Das Bedürfnis nach Anschluss an eine Gruppe (Anschlussmotiv) ist in seiner Wichtigkeit nicht zu unterschätzen und spielt auch für die Leistung eine große Rolle. Sich einer Gruppe zugehörig zu fühlen und mit anderen, aber auch für andere, Aufgaben zu bewältigen, spielt im Sport eine große Rolle. Als Trainer*in kann ich den Teamzusammenhalt u.a. dadurch stärken, dass ich den individuellen Beitrag jedes und jeder Einzelnen für den Teamerfolg wertschätze und dass ich mit den Sportler*innen herausarbeite, wo die Stärken des Teams liegen und wie wir unseren Schwachstellen begegnen wollen. Als Trainer*in kann und sollte ich das Anschlussmotiv auch unterstützen, indem ich auf den Umgang der Teammitglieder untereinander achte und Cliquenbildung begegne.
Bedürfnis, sich kompetent zu fühlen (Leistungsmotiv)
Schließlich ist auch das Bedürfnis, sich kompetent zu fühlen (Leistungsmotiv) ein Faktor, der den Spaß und die Motivation im Training beeinflusst. Die Sportler*innen können sich nur kompetent fühlen, wenn die Aufgabenschwierigkeit an ihren individuellen Leistungslevel angepasst ist. Für mich als Trainer*in bedeutet dies, dass ich mit den Sportler*innen individuelle mittelschwere Leistungsziele festlege, an denen dann strukturiert gearbeitet wird. Die Rückmeldung zum Leistungsstand bzw. Leistungsfortschritt erfolgt dann auch nicht im Vergleich mit den anderen Sportler*innen, sondern individuell im Vergleich zum eigenen Leistungsstand vor zwei bis vier Wochen. Gerade, wenn dabei Fehler passieren dürfen und als Lernmöglichkeit für die Sportler*innen kommuniziert werden, führt das Setzen individueller Leistungsziele zu verbesserter Leistung, zu mehr Selbstvertrauen, zu weniger Ängstlichkeit und zu mehr Freude am Sport.
Unterschiedliche Motive
Menschen unterscheiden sich darin, welche Motive bei Ihnen zur Zeit eine besondere Rolle spielen. Der eine ist momentan besonders motiviert durch Anschluss an eine Gruppe, die andere ist momentan besonders motiviert durch das Bedürfnis, sich kompetent zu fühlen. Wenn ich als Trainer*in mitbekomme, bei wem gerade welches Bedürfnis vorherrschend ist, kann ich darauf eingehen und die Ziele und Instruktionen entsprechend anpassen (Schüler & Wegner, 2015).
Zusätzlich kann ich mein Training bedürfnisorientiert gestalten, indem ich Phasen einbaue, in denen die Sportler*innen Spielraum bekommen, das Training selbst zu gestalten und etwas auszuprobieren. Ich kann Verantwortungsübernahme üben lassen, indem ich Wahlmöglichkeiten gebe, wie sie etwas üben möchten und es anschließend konstruktiv nachbesprechen. Generell ist es motivationsfördernd, wenn ich viel Raum für Bewegungslust und Spielfreude gebe.
Hinweis
Im zweiten Teil dieses Beitrags, der ab Mittwoch, 28. Januar 2026, zur Verfügung steht, wird das Thema Wettbewerb beleuchtet werden.
Meine Kolleg*innen (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Dr. Julia Boie) stehen gern für Rückfragen bereit. Wir unterstützen Trainer*innen mit individuellen Coach-the-Coach-Programmen, arbeiten exklusiv mit Sportlern und Sportlerinnen, stehen für Vorträge und Workshops zur Verfügung und betreuen Eltern, deren Kinder im Sport aktiv sind.

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Literatur:
Baumann, S. (2016). Psychologie im Jugendsport. Meyer & Meyer.
Schüler, J. & Wegner, M. (2015). Befinden und Motivation im Sport – Das Resultat einer Motiv-Sportziel-Passung. Zeitschrift für Sportpsychologie, 22, 1, S. 34-45.
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