Dr. Rita Regös: Wie du dein Selbstbewusstsein optimierst

Selbstbewusstsein ist ein zentrales Thema im Sport und im Beruf. Auch in vielen Alltagstätigkeiten entscheidet Selbstbewusstsein darüber, ob wir etwas tun oder es lieber doch nicht versuchen. Oder ob wir zögern, etwas hinausschieben und damit eventuell Chancen verpassen. Die Grenze des Selbstbewusstseins ist die Selbstüberschätzung. Man meint, nicht so sehr in der Eigenwahrnehmung, vielmehr in der Außenwirkung, also in der Fremdwahrnehmung etwas zu übersteuern. Die meisten Bedenken, zu selbstbewusst zu sein, ergeben sich durch die Befürchtung, sich selbst zu überschätzen. Innerlich ist eine Selbstüberschätzung eigentlich recht gut zu händeln: Ich habe mir doch etwas zu viel vorgenommen, mich übernommen, mich falsch eingeschätzt – ist relativ harmlos. Krönchen richten und das nächste Mal realistischer sein. Mehr Mühe macht uns das Außenbild. Aber Wissen hilft, um daran zu arbeiten.

Zum Thema: Vom Selbstbewusstsein bis zur Selbstüberschätzung

Viele Sportler fürchten sich vor der Fremdwahrnehmung: Erzählen, was man alles schafft und kann? Nein, das tut man nicht, denn im Falle eines Misserfolgs ist die Blamage richtig deftig. Irgendwo verständlich aber auch leider nicht sooo super: Weil die Beschäftigung mit sich selbst bloß keine Selbstüberschätzung sein soll, lässt man es nämlich lieber ganz oder findet tausend Dinge, die man halt doch oder noch nicht so gut kann. Das Endergebnis ist ein “fishing in negativity” und ein miserables Mindset ausgerechnet in dem Moment, wo einem jeder positiver Gedanke helfen könnte, in der Herausforderung. Das heißt, die Vermeidung einer bestimmten Außenwahrnehmung beeinflusst doch auch die Innenwahrnehmung.

Was ist also der Unterschied zwischen Selbstbewusstsein und Selbstüberschätzung? Anders gefragt können wir uns sicher sein, was wir können, ohne uns selbst zu überschätzen? Die Antwort ist ja, und ja, bitte unbedingt!

Die psychologische Viererkette

Zuerst kommt ein Gedanke, dieser beeinflusst unser Gefühl, was wiederum unsere Handlungen beeinflusst und letztlich das Ergebnis. Nennen wir es psychologische Viererkette: Vor der Herausforderung schießen einem Gedanken durch den Kopf über den Wettkampf und über sich selbst. Wie schätze ich die Herausforderung ein, wie schätze ich mich selbst ein. Das beeinflusst die Gefühle. Schätze ich die Herausforderung groß ein, mich selbst eher mäßig, entstehen negative Gefühle, wie zum Beispiel Ängstlichkeit oder Nervosität. Beide beeinflussen die Handlungen im Wettkampf und am Ende kann man nicht alles zeigen, was man drauf hat.

Da dieser Wirkmechanismus nicht hilfreich ist, neigt man zur Übertreibung. Man schätzt den Wettkampf zwar genauso herausfordernd ein, sich selbst aber großartig. Das hat zwar positive Auswirkungen auf das Handeln, führt aber selten zum Erfolg. Kann es gar nicht, denn dieser Gegenmaßnahme liegt der Irrglaube zugrunde, Selbstbewusstsein sei ein Gefühl, was man sich einreden kann – das ist es aber nicht. 

Drei Komponenten des Selbstbewusstseins

Selbstbewusstsein hat drei Komponenten: Erfahrung, Ableitung und Folgerung. 

Erfahrung ist ein Wissen über das, was einem schon gelungen ist. Die Ableitung ist so etwas wie eine Zusammenfassung von Erfolgen zu einer Fähigkeit – also das, was man kann. Der Sportler lernt im Laufe seiner Karriere zum Beispiel, dass ihm schlechte Wettkampfbedingungen nichts ausmachen, weil er unter schlechten Bedingungen oft gute Leistungen erbringen konnte. Nennen wir diese Fähigkeit, Widerstandskraft. Er denkt sich das nicht aus und redet sich das auch nicht ein, er hat diese Erfahrungen gemacht, er weiß es also. Da er weiß, dass er unter schlechten Bedingungen gute Leistungen bringen kann, kann er daraus ableiten, dass er erstens Widerstandsfähig ist, also diese Fähigkeit besitzt. Und zweitens, dass er diese Fähigkeit auch im nächsten Wettkampf einsetzen kann. Er schätzt sich also aufgrund von seinem Erfahrungswissen widerstandsfähig ein und folgert daraus, dass er in zukünftigen Wettkämpfen ebenso widerstandsfähig sein kann. Das ist Selbstbewusstsein – anders formuliert – das ist, sich selbst bewusst sein. 

Selbstüberschätzung

Selbstüberschätzung hingegen macht einen Sprung in dieser Kette: Aufgrund von Erfahrungen und daraus abgeleiteten Fähigkeiten antizipiert der Sportler den Erfolg. Weil er in der Vergangenheit widerstandsfähig war, hat er diese Fähigkeit und deswegen gewinnt er den Wettkampf – die Folge seiner Fähigkeit ist quasi der Sieg. 

Das ist aber eine falsche Schlussfolgerung und spätestens beim Misserfolg wird dieser Sportler wohl denken, diese Fähigkeit führt doch nicht zum Erfolg. In der Folge hinterfragt er die Fähigkeit, nicht aber die falsche Schlussfolgerung. 

Selbstbewusstsein als Wissen über die Ursachen des Erfolges 

Selbstbewusstsein ist kein Wissen über Erfolge, sondern ein Wissen über sich selbst, über die internen Ursachen der Erfolge.

Selbstbewusstsein ist auch kein Gefühl. Selbstbewusstsein ist ein Wissen, ein Erfahrungswissen, die daraus abgeleiteten Fähigkeiten (übrigens auch ein Wissen) – und die Folgerung, diese Fähigkeiten auch in der Zukunft zu haben. Dieses Wissen führt zu positiven Gefühlen, diese beeinflussen das Handeln und somit das Ergebnis – die psychologische Viererkette eben.

Selbstbewusstsein optimieren 

Möchte man das Selbstbewusstsein optimieren, muss man sich zunächst überlegen, was einem schon mal gelungen ist, egal was, egal ob ganz besonders wichtig oder nicht. Danach macht man sich Gedanken, auf welche Fähigkeit kann dieses Gelingen zurückgeführt werden oder welche Fähigkeit könnte hinter dem Gelingen stecken. Das ist der schwierige Part: Die meisten Sportler meinen, Fähigkeiten gehen verloren, manchmal auch über Nacht – das tun sie selbstverständlich nicht, Fähigkeiten sind stabil. Sportler sehen manchmal auch ihre Fähigkeit hinter ihren Erfolgen nicht. Das ist natürlich auch Nonsens, denn sie stehen im Wettkampf, sie und ihre Fähigkeiten sind die Ursachen des Erfolges, Glück ist wirklich sehr selten im Spiel.

Und letztlich muss man dieses Wissen wissen lernen. Auch das ist nicht an einem Tag getan, denn lernen ist üben, automatisieren, es erfordert Zeit und etwas Geduld. Aber es lohnt sich, denn man verlässt sich in den Momenten nicht auf Gefühle, in denen die Gefühle mit einem durchgehen, oder?

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Rita Regös
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