In den Sand gesetzt: Thomas Müller (von Prof. Dr. Oliver Stoll)

Thomas Müller ist ein Athlet, durch und durch! Ein Vorzeigesportler, der alles hat, was einen erfolgreichen Fußballer ausmacht. Fußball war und ist sein Leben und er durchlief im Rahmen seiner Karriere alles, was der deutsche Fußball an Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten hatte. Schon als D-Junior genoss er die Ausbildung beim FC Bayern München, bei dem er nach wie vor spielt. Und er hat alles erreicht, was ein Fußballspieler erreichen kann: Deutscher Meister, Champions-League. Sieger, Nationalmannschaft, Weltmeister, „Comeback-Nationalspieler“. Aktuell ist er in Katar und gibt Interviews. Unter anderem eines, bei dem er dem geneigten Fußballfan erklärt, dass es auch in Deutschland Menschenrechtsverletzungen gibt. Vermutlich meint er damit, dass man in Katar mit einer humanistischen Grundhaltung und den damit verbundenen Gesetzen noch nicht so weit ist. Und er hofft auf die Arbeit der Sportspitzenverbände.

Moment? Was hat er gesagt? In Deutschland gibt es auch Menschenrechtsverletzungen? Dabei ist Deutschland ein Vorzeigeland in Sachen Demokratie, Humanismus und Akzeptanz von Diversität! Wie kommt er denn auf diese Idee? Sportpsychologisch betrachtet schauen wir da gerne auf die Entwicklung von Talenten im Leistungssport. Das Leistungssportsystem ist hierarchisch aufgebaut, leistungsorientiert und verlangt den jungen Menschen so einiges „Inhumanes“ ab. Wir Sportpsycholog*innen vertreten (in der Regel) ein humanistisches Menschenbild und wir wünschen uns den „autonomen und mündigen Athleten“, der sich selbstbestimmt und frei entwickeln kann. Wie sieht das in der Realität aus? Und da muss ich wieder an Thomas Müller denken und, dass es in Deutschland seiner Meinung nach auch Menschenrechtsverletzungen geben soll. Und, dass er auf den Transfer von Normen und Werte der Verbände hoffe, die dieser WM zugestimmt haben. Na dann hoffen wir mal gemeinsam mit Herrn Müller. 

Quelle

https://www.youtube.com/watch?v=KKU7KnxH5kA

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Prof. Dr. Oliver Stoll
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