Die Leistung und das Wohlbefinden von Spitzensportlern werden maßgeblich von der Beziehung zu ihren Trainern, der Trainer-Athleten-Beziehung, beeinflusst. Eine positive Trainer-Athlet-Beziehung zeichnet sich durch Nähe, Engagement und gegenseitige menschlich-sympathische Passung (Komplementarität) aus und ermöglicht es Trainern, ihre Athleten zu Höchstleistungen zu führen. Effektive Trainer erfüllen dabei verschiedene Rollen wie Lehrer, Organisator, Wettbewerber, Lernender sowie Freund und Mentor. Eine starke Trainer-Athlet-Beziehung ist entscheidend für den Erfolg und das Wohlbefinden beider Seiten. Sie basiert auf Vertrauen, Kommunikation und gegenseitiger Unterstützung. Um diese Beziehung zu fördern, sind Faktoren wie eine harmonische Gestaltung für das Coaching, autonomieunterstützendes Verhalten und die Entwicklung einer klaren Trainingsphilosophie von Bedeutung.
Im Zusammenhang mit Trainer-Athleten-Beziehungen stellt sich die Frage, wie diese Interaktionen zwischen schwulen, bisexuellen oder lesbischen Athleten und heterosexuellen Trainern gestaltet werden können. Trotz unterschiedlicher sexueller Orientierungen können heterosexuelle Trainer und homo- oder bisexuelle Athleten eine funktionierende Arbeitsbeziehung entwickeln, da das gemeinsame biologische Geschlecht (Mann, Frau) verbindende Erfahrungen ermöglicht.
Zum Thema: Sportpsychologische Interventionen zur Stärkung der Trainer-Athleten-Beziehung bei nicht-heterosexuellen Athleten
Athleten könnten aufgrund des gemeinsamen biologischen Geschlechts und eines Trainers des bevorzugten Geschlechts (z.B. schwuler Athlet – männlicher Trainer) positive Emotionen entwickeln, die eine vertrauensvolle Trainer-Athleten-Beziehung fördern. Aufgrund unterschiedlicher sexueller Orientierungen bleibt die Verbindung einseitig, was zu Vermeidungsverhalten auf Seite des Athleten führen kann, um sich vor Ablehnung, Abwertung, tiefsitzenden Ängsten und möglichen Auswirkungen auf die Sportkarriere und Teamdynamik zu schützen. Dabei repräsentiert er alle Interaktionen zwischen schwulen, bisexuellen, lesbischen Athleten/Athletin und heterosexuellen Personen, einschließlich Eltern, Mannschaftskameraden sowie von Medien geförderten Stereotypen von Sportorganisationen (z.B. „Profifußball erfordert Härte“) und gesellschaftlichen Geschlechterstereotypen (wie „Männlichkeit zeigt sich durch muskulösen Körper, Freundin und dominantes Verhalten“).
Insbesondere bisexuelle Athleten haben das Potenzial für eine geschlechtsspezifische Beziehung, die der von homosexuellen Athleten ähnelt, wie bereits beschrieben. Darüber hinaus haben sie die Möglichkeit, eine Solidarität zu bilden, die auf einer gemeinsamen Anziehung zu einem bestimmten Geschlecht zwischen Trainer und Athlet beruht (z.B. ein männlicher Trainer und ein männlicher Athlet, die sich beide zu Frauen hingezogen fühlen). Diese Möglichkeit kann die Trainer-Athleten-Beziehung stärken, ist aber gleichzeitig durch die „Unsichtbarkeit“ bisexueller Lebensweisen gefährdet. Diese Unsichtbarkeit führt zu Unsicherheiten, wenn es darum geht, beide Aspekte der bisexuellen Orientierung (Anziehung zu Frauen UND Männern) in die Trainer-Athleten-Dynamik einzubeziehen.
Ein heterosexueller Trainer kann aufgrund der sexuellen Orientierung des Athleten aus eigener Unsicherheit ein Bedürfnis nach Abgrenzung entwickeln. Dieses oft unausgesprochene Bedürfnis wird vom sensibilisierten Athleten wahrgenommen, was Ängste wie Diskriminierung und das mögliche Karriereende bestätigt und verletzliche biografische Erfahrungen, wie den Verlust einer Freundschaft nach einem Outing, zur Folge hat. Der Trainer sollte erkennen und akzeptieren, dass er sich für die heterosexuelle Welt entschuldigen oder rechtfertigen möchte, aber im direkten Kontakt mit dem Athleten nicht darauf reagieren, um die wichtige Trainer-Athleten-Beziehung zu schützen.
Wie kann die Sportpsychologie unterstützen?
Die (diversitätssensible) Sportpsychologie kann schwule, bisexuelle und lesbische Athleten/Athletinnen durch gezielte Einzelsitzungen (die der Schweigepflicht unterliegen) ansprechen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der „erste Schritt“. Denn die Kontaktaufnahme kann von Ängsten begleitet sein, geoutet zu werden oder von Gedanken wie „Was, wenn mich jemand sieht?“ Es ist wichtig zu wissen, dass die erste Kontaktaufnahme anonym (oder unter einem Pseudonym) erfolgen kann, bis die anfänglichen Ängste abgebaut sind. Außerdem sollte erwähnt werden, dass die Sportpsychologie ein weites Feld ist, das Themen wie Emotionsregulierung, Konzentration und Visualisierung umfasst, so dass es unmöglich ist, direkte Schlussfolgerungen zu ziehen. Außerdem unterliegt die Sitzung selbst der Schweigepflicht.
In der Sitzung findet dann zunächst eine individuelle Auftragsklärung statt, die sich ganz auf die Anliegen des Athleten konzentriert. Weitere mögliche Themen sind persönliche Erfahrungen mit heteronormativen Normen im Sport (z.B. die Unsicherheit als schwuler Mann im Profihandball), die eigene sexuelle Identitätsentwicklung und offene oder subtile Erfahrungen mit Diskriminierung.
Sportpsychologie bietet sicheren Raum
Vor allem für ungeoutete Athleten ist die Herausforderung, ein „Doppelleben“ (z.B. Alibi-Freundinnen oder geschlechtssterotypischen Verhalten wie übertriebenen Männlichkeitsverhalten) zu führen, und die ständige Angst, geoutet zu werden, ein zusätzlicher Stressfaktor im Leistungssport. Sportpsychologische Sitzungen können einen sicheren Raum unter strenger Einhaltung der Schweigepflicht bieten, um diesen zusätzlichen Stress zu thematisieren sowie Bewältigungsstrategien zu erarbeiten, Ängste anzusprechen und die eigene sexuelle Identität zu entwickeln. Auch für öffentlich ungeouteten Athleten, die in einer privaten homosexuellen Beziehung leben (in der sich der Partner vielleicht geoutet hat), können auf der Paarebene zusätzliche Belastungen und Konflikte entstehen, die in einem Mehrpersonensetting behandelt werden können. Eingeschränkte Beziehungsgestaltung mit einhergehenden unterschiedlichen Erwartungen an die Partnerschaft, Kinderwunsch nach der Sportkarriere, spezifische Themen wie HIV oder die Gestaltung „offener Beziehungen“, die in der schwulen Szene weit verbreitet ist. Es ist wichtig zu beachten, dass „alles möglich ist, aber nichts muss“ – der Fokus sollte auf der Entwicklung eines ressourcen- und lösungsorientierten Ergebnisses liegen, das für den Athleten geeignet ist. Ein Coming-out ist eine höchst individuelle Angelegenheit und liegt allein in der Entscheidung des Sportlers – der Entscheidungsprozess kann auch in der geschützten Umgebung einer sportpsychologischen Sitzung reflektiert und lösungsorientiert vorbereitet werden.
Die Diversität im Sport erlaubt LGBTIQ*-Athleten gleiche Erfolge wie Heterosexuellen. Diversitätssensible Sportpsychologie kann die Trainer-Athlet-Beziehung zwischen Heterosexuellen und Nicht-Heterosexuellen stärken. Nehmt dazu gern Kontakt zu meinen Kolleginnen und Kollegen im Netzwerk (zur Übersicht) oder zu mir (zum Profil von Robin Conen) auf.

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Quellen:
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