Dr. Julia Boie: Wie Trainer*innen und Eltern Kinder motivieren können

Trainern, Trainerinnen und Eltern kommt eine wichtige Rolle zu, um Kinder dauerhaft für Sport zu motivieren. So unterschiedlich wie die Jungen und Mädchen in ihren Sportarten agieren, so individuell fallen auch die Anforderungen an die Bezugspersonen aus. Zum Abschluss meiner kleinen Serie versuche ich Tipps für Trainer*innen und Eltern zu formulieren, die ihre Kinder dauerhaft für Sport begeistern wollen. 

Mehr zum Thema: Was braucht es, damit Kinder nicht die Lust am Sport verlieren? (Teil 3)

Trainer*innen sind, wie alle Menschen, sehr unterschiedlich. Werte, Ziele und Persönlichkeit unterscheiden sich und haben Einfluss auf den Trainerstil. Auch eigene Erfahrungen spielen hier eine große Rolle, vor allem (aber nicht nur) Erfahrungen aus der eigenen Sportart, in der sie groß geworden sind. Viele Traditionen und Trainingsweisen werden übernommen und weitergegeben.

Es gibt inzwischen immer mehr Trainer-Fortbildungen zu Pädagogik, Kommunikation und Psychologie, die Trainer*innen bei der Integration des mentalen Bereichs stärken. Es ist zu sehen, dass das Verständnis für den Einfluss des mentalen Bereichs rasant wächst und dass Zuwendung, Unterstützung, Motivation und konkrete Hilfestellung beim Lernen zunehmen.

Lernerfolge durch Freude

Die Kinder (aber auch die Erwachsenen), die zum Sport kommen, sind in den allermeisten Fällen motiviert. Gerade, wenn wir uns nicht den Bereich ansehen, wo das erste Schnuppern oder auch etwas nähere Kennenlernen des Sports im Vordergrund steht, sondern die Entscheidung für den Sport bereits getroffen wurde. Für mich als Trainer*in ist es daher zunächst die Aufgabe, die Motivation nicht zu zerstören; etwa durch zu viel Strenge und Disziplin und/oder durch zu wenig Spaß. Natürlich sind im Leistungsbereich Disziplin und ausdauerndes Training unabdingbar, das widerspricht aber nicht der Notwendigkeit zu Spaß im Training – im Gegenteil. In Studien konnte gezeigt werden, dass Informationen besonders gut verarbeitet, verstanden und abgerufen werden, wenn das Training freudvoll gestaltet ist. Zudem konnte ein gesteigerter Lernerfolg festgestellt werden (Simon, 2023). Dass positive Emotionen Energie spenden und die Bereitschaft zu hartem Training erhöhen, wurde im ersten Teil dieses Beitrags bereits erwähnt.

Verzichte auf Worte wie “nicht” und “kein”

Ich kann als Trainer*in den Lernprozess und gleichzeitig eine gute Stimmung fördern, indem ich positive Instruktionen gebe. Zum einen haben negative Worte wie „nicht“ oder „kein“ (wie bspw. in „Hab keine Angst!“) für unser Gehirn keine bildhafte Bedeutung. Das Bild, das zuallererst entsteht, ist das des unerwünschten Verhaltens bzw. des unerwünschten Gedankens oder der unerwünschten Emotion (in unserem Beispiel ein ängstliches Bild). Das Bild muss dann erst durch einen Gedankenprozess analysiert und umgewandelt werden (in unserem Beispiel in ein mutiges Bild). Die Zeitspanne und die Energie, die das kostet, kann ich umgehen, indem ich klare positive Instruktionen mit direkt umsetzbaren Hinweisen gebe. In unserem Beispiel also eher „Trau dich!“ (Baumann, 2016). Zum anderen kann ich durch negative Instruktionen ungewollt negative Gefühle in den Sportler*innen auslösen, wenn sie vorher gar nicht vorhanden waren. Schließlich wirken negative Anweisungen oft demotivierend. „Bleib doch nicht immer hinten stehen!“ kommt mit einem Vorwurf im Gepäck beim Sportler an. „Geh nach vorne!“ ist dagegen direkt umsetzbar und unterstützend.

Positive Rückmeldungen

Die Anerkennung von Leistung und Anstrengung ist ebenfalls von großer Bedeutung, wenn es darum geht, die Motivation der Sportler*innen zu erhalten. Sofortige positive Rückmeldung auf eine richtige Handlung ist wichtig für das Lernen, da sie dann am besten abgespeichert werden kann. Ich kann als Trainer*in das Lernen dadurch beschleunigen. Zudem spornt ein Lob die Sportler*innen an, erhöht also die Motivation. Zusätzlich zur positiven Rückmeldung durch die Trainer*innen ist es auch sinnvoll, wenn die Sportler*innen lernen, sich selbst zu bestärken, also zu loben. Durch das Setzen von individuellen Fähigkeitszielen (vgl. Teil 2 dieser Serie, der Link findet sich unten), lernen die Kinder und Jugendlichen, ihre Fortschritte selbst zu erarbeiten und zu erkennen. So übernehmen sie immer mehr Verantwortung für ihr Training und entwickeln immer mehr Selbstvertrauen.

Motivation durch die Eltern

Die Unterstützung und Begleitung der Kinder und Jugendlichen durch die Eltern ist von unschätzbarem Wert. Als Gegenpol zu den Anforderungen, Vergleichen, Bewertungen und ständigen Herausforderungen in Schule oder Ausbildung und im Sport brauchen die Sportler*innen einen sicheren Ort ohne Leistungsdruck. Das ist das Elternhaus. Die Sicherheit, dass die Kids dort so geliebt werden, wie sie sind, auch wenn sie gerade nicht stark und leistungsfähig sind, ist ein Anker, der enorm viel Halt gibt und sie von innen stärkt. Dazu gehört das Bewusstsein, dass Kinder sehr verschieden sind und dass es daher nicht sinnvoll ist, Vergleiche zu anderen anzustellen.

Eltern unterschätzen oftmals, wie wichtig sie in dieser Beziehung für ihre Kinder sind und wie leicht sie ungewollt den Druck für diese erhöhen können. Die Unterstützung der Kinder in ihrem Sport ist äußerst wertvoll – ohne diese Unterstützung (durch Fahrten, durch Organisation etc. etc.) geht es kaum. Gleichzeitig kann zu großes Engagement und Mitfiebern, wie auch große Enttäuschung bei Niederlagen die Sportler*innen (oft unbewusst) unter Druck setzen. Die Eltern nicht enttäuschen wollen, sich wertvoll erweisen wollen, so dass das Engagement der Eltern einen Sinn hat, sind häufig Teil des Bildes, wenn es zu Überforderungssituationen und Blockaden kommt.

Elterliche Unterstützung

Gerade sehr engagierte Eltern wollen nur das Beste, beobachten das Training sehr genau und versuchen, positiven Einfluss auszuüben. Wenn das konstruktiv und wertschätzend geschieht und mit Vertrauen in die Trainer*innen einhergeht, kann es für alle Beteiligten von großem Vorteil sein. Sobald die Sportler*innen aber einen Trainer im Verein und einen Trainer zu Hause haben, wird es für sie schwierig und sie fühlen sich sehr leicht zwischen den Stühlen. Das kann sowohl ihre Leistungsentwicklung als auch ihre Motivation negativ beeinflussen.

Ein wichtiger Teil der elterlichen Unterstützung ist es, sich Zeit zu nehmen, dem Kind gut zuzuhören und aufmerksam zu sein, ob es Probleme hat, mit denen es nicht alleine klarkommt. Herausforderungen dürfen sein, die Kinder wachsen daran und entwickeln sich. Sie müssen keinesfalls in Watte gepackt werden. Was im Leistungssport auch kaum möglich ist. Dennoch sind wir als Eltern ein wichtiger Rückhalt, ohne den es nicht geht.

Hinweis

In den ersten beiden Teilen des Beitrags wurde besprochen, welche Rolle Bedürfnisse und Wettbewerbe bei der Aufrechterhaltung der Motivation spielen. Diese Beiträge sind unter dem Text verlinkt.

Meine Kolleg*innen (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Dr. Julia Boie) stehen gern für Rückfragen bereit. Wir unterstützen Trainer*innen mit individuellen Coach-the-Coach-Programmen, arbeiten exklusiv mit Sportlern und Sportlerinnen, stehen für Vorträge und Workshops zur Verfügung und betreuen Eltern, deren Kinder im Sport aktiv sind.

Mehr zum Thema:

Literatur

Baumann, S. (2016). Psychologie im Jugendsport. Meyer & Meyer.

Simon, M. (2023). Zur Bedeutung einer freudbetonten Gestaltung des Sportunterrichts. Dissertation.

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